Bischof Laise, der Verteidiger der Mundkommunion, verstorben

San Giovanni Rotondo

Bischof Juan Rodolfo Laise mit Kardinal Robert Sarah.
Bischof Juan Rodolfo Laise mit Kardinal Robert Sarah.

„Wir den­ken, sagen zu kön­nen, daß die Ein­füh­rung der Hand­kom­mu­ni­on und ihre Aus­brei­tung über die gan­ze Welt den schwer­wie­gend­sten Unge­hor­sam gegen­über der päpst­li­chen Auto­ri­tät der jün­ge­ren Zeit dar­stel­len.“

Die­se Wor­te schrieb Msgr. Juan Rodol­fo Lai­se in den Schluß­über­le­gun­gen sei­nes Buches „Hand­kom­mu­ni­on. Doku­men­te und Geschich­te“ (Comu­n­ión En la Mano. Docu­men­to e Histo­ria, 4. Ausg.).  

Auf Face­book gab das Pres­se­amt des Bis­tums San Luis in Argen­ti­ni­en bekannt, daß Alt-Bischof Lai­se im Alter von 93 Jah­ren am Wall­fahrts­ort San Gio­van­ni Roton­do in Ita­li­en ver­stor­ben ist. Dort leb­te der Bischof seit 17 Jah­ren zurück­ge­zo­gen. Gestern nach­mit­tag ver­starb er in der Kran­ken­sta­ti­on des Kapu­zi­ner­kon­vents.

Msgr. Lai­se wur­de am 22. Febru­ar 1926 in Bue­nos Aires gebo­ren. Als jun­ger Mann trat er in den Kapu­zi­ner­or­den ein. Im März 1949 leg­te er die fei­er­li­chen Ordens­ge­lüb­de ab und emp­fing im Sep­tem­ber des­sel­ben Jah­res die Prie­ster­wei­he. Anschlie­ßend stu­dier­te er bei­der­lei Rech­te. Ab 1954 war er Pro­fes­sor des Kir­chen­rechts und der Moral an der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät von Vil­la Eli­sa in Argen­ti­ni­en. Nach­dem er Pro­vin­zi­al des Kapu­zi­ner­or­dens gewor­den war, ernann­te ihn Papst Paul VI. 1971 zum Bischof-Koad­ju­tor des Bis­tums San Luis. Noch im sel­ben Jah­re wur­de er dort Diö­ze­san­bi­schof. 2001 nahm Papst Johan­nes Paul II. sein Rück­tritts­ge­such aus Alters­grün­den an.
Msgr. Lai­se zog sich dar­auf nach Ita­li­en in das Kapu­zi­ner­klo­ster von San Gio­van­ni Roton­do zurück, in dem der hei­li­ge Pater Pio, eben­falls Kapu­zi­ner, den Groß­teil sei­nes Lebens ver­bracht hat­te, 1968 gestor­ben und auch begra­ben ist.

Als gro­ßer Ver­eh­rer des Hei­li­gen zog es den Bischof in des­sen Nähe. Seit­her wirk­te er dort für die Pil­ger ita­lie­ni­scher und spa­ni­scher Spra­che als belieb­ter Beicht­va­ter. Am Wir­kungs­ort des Pater Pios woll­te er auch ster­ben.

Der heilige Pater Pio (1887-1968)
Der hei­li­ge Pater Pio (1887–1968)

Bischof Lai­se ist Autor zahl­rei­cher kate­che­ti­scher Bücher und zur Sozi­al­leh­re der Kir­che. Er gilt als einer der her­aus­ra­gen­den Ver­fech­ter der Mund­kom­mu­ni­on, über die er auch wie­der zur über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zurück­fand.

Der von ihm abge­lehn­ten Pra­xis der Hand­kom­mu­ni­on wid­me­te er 1997 das erwähn­te Buch, das in meh­re­re Spra­chen über­setzt wur­de und ihn auch inter­na­tio­nal bekannt mach­te. In sei­nem Bis­tum unter­sag­te er als erster Diö­ze­san­bi­schof die Hand­kom­mu­ni­on wie­der und nahm die ent­spre­chen­de Dis­pens zurück. Das Ver­bot der Hand­kom­mu­ni­on hal­ten seit­her auch sei­ne bei­den Nach­fol­ger auf­recht.

Jeden Mor­gen um 6 Uhr zele­brier­te Bischof Lai­se in San Gio­van­ni Roton­do die hei­li­ge Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus. Gegen eine öffent­li­che Zele­bra­ti­on wehr­ten sich sei­ne Mit­brü­der im Kon­vent. In einem Inter­view sag­te er 2016:

„Lei­der gibt es unter den Kapu­zi­nern des Kon­vents, die gene­rell schon ein gewis­ses Alter haben, kei­ne Offen­heit gegen­über der über­lie­fer­ten Lit­ur­gie. Im Gegen­satz dazu gibt es unter den jun­gen Prie­stern, die zu Besuch kom­men, eini­ge, die wohl­ge­sinnt sind. Es wäre gut, wenn es eine öffent­li­che Zele­bra­ti­on für die vie­len Pil­ger des Wall­fahrts­or­tes gäbe, und ich bin mir sicher, daß die Gläu­bi­gen sehr posi­tiv dar­auf reagie­ren wür­den. Die Zeit scheint dafür aber, was die Obe­ren angeht, noch nicht reif zu sein. Was mich betrifft, pro bono pacis, zele­brie­re ich, indem ich jede Span­nung zu ver­mei­den ver­su­che.“

„Das Beispiel der Handkommunion hat mich nachdenklich gemacht“

Zur heu­ti­gen Situa­ti­on unter den Prie­stern sag­te er:

„Es ist not­wen­dig zwi­schen den Genera­tio­nen zu unter­schei­den. Wir erle­ben eine posi­ti­ve Hal­tung bei den jun­gen Prie­stern, eine Hal­tung die oft ent­steht, wenn sie einen Kon­takt mit einem Prie­ster bekom­men, dank dem sie die über­lie­fer­te Mes­se ent­decken dür­fen. Auf die­se Wei­se bekom­men sie Zugang zu einem geist­li­chen und theo­lo­gi­schen Schatz, der ihnen bis dahin unbe­kannt war und der nur mehr erkun­det und geteilt wer­den muß. Der Inhalt der über­lie­fer­ten Mes­se ist viel rei­cher, viel prä­zi­ser als die moder­ne Mes­se. Die aller­se­lig­ste Jung­frau, der hei­li­ge Erz­engel Micha­el und die hei­li­gen Apo­stel Petrus und Pau­lus sind in allen Ora­tio­nen der außer­or­dent­li­chen Form gegen­wär­tig, wäh­rend sie in der ordent­li­chen Form völ­lig oder fast völ­lig ver­schwun­den sind. Auch solan­ge ich mit dem neu­en Mis­sa­le zele­brier­te, habe ich mich immer für das erste eucha­ri­sti­sche Hoch­ge­bet, den Römi­schen Kanon ent­schie­den.“

Er bemüh­te sich jun­ge Prie­ster und Semi­na­ri­sten in ihrem Stre­ben nach Hei­lig­keit zu unter­stüt­zen. Ent­spre­chend hielt er auch Kon­takt zum inter­na­tio­na­len Prie­ster­se­mi­nar der Petrus­bru­der­schaft in Wigratz­bad, das er 2004 per­sön­lich besucht.

1949 war er noch in der über­lie­fer­ten Form zum Prie­ster geweiht wor­den:

„Ich habe sie 20 Jah­re lang zele­briert ein­schließ­lich mei­ner Zeit in Rom, als ich an der Gre­go­ria­na stu­dier­te. Ich habe sie auch wäh­rend der Bugni­ni-Reform zele­briert, als die­ser die Absicht der Kon­zils­vä­ter ver­ra­ten hat – und viel­leicht auch die von Paul VI. Jeden­falls stimmt mich das Bei­spiel der Hand­kom­mu­ni­on nach­denk­lich, die Paul VI. nicht woll­te, wie die Instruk­ti­on Memo­ria­le Domi­ni belegt, die aber von den deut­schen und fran­zö­si­schen Bischö­fen auf­ge­zwun­gen wur­de.“

Wie ein Ver­mächt­nis sag­te er damals:

„Ich wünsch­te, daß alle Bischö­fe sich der Wich­tig­keit der Mund­kom­mu­ni­on bewußt wer­den als Refe­renz an das Aller­hei­lig­ste, dann wer­den sie die­sel­be Hal­tung wie der Bischof von Oruro ein­neh­men! Das ist die ein­zi­ge Form, um wirk­lich mit den Wor­ten und den Taten den Glau­ben an die eucha­ri­sti­sche Gegen­wart des Herrn zu bezeu­gen.  Wir bedau­ern, daß heu­te nicht in der gan­zen Kir­che es so geschieht, wie es Paul VI. in Memo­ria­le Domi­ni defi­niert hat: daß die Kom­mu­ni­on immer mit dem Mund emp­fan­gen wer­den soll. Daher freut es mich, daß der Bischof von Oruro die Wor­te von Papst Paul VI. bekräf­tigt.“

Im Herbst 2016 gehör­te Bischof Lai­se zu den Erst­un­ter­zeich­nern des Treue­be­kennt­nis­ses zur kirch­li­chen Leh­re über die Ehe und die Fami­lie, mit dem Papst Fran­zis­kus auf­ge­for­dert wur­de, die Wahr­hei­ten zur sakra­men­ta­len Ehe zu bekräf­ti­gen.

„Wie soll die heilige Kommunion empfangen werden? Kniend und in den Mund“

Auf den Tag genau vor einem Jahr mel­de­te sich der Bischof und Kapu­zi­ner ein letz­tes Mal öffent­lich zu Wort. In einem Inter­view kri­ti­sier­te er das Vor­ge­hen eini­ger deut­scher Bischö­fe, die in Sachen Inter­kom­mu­ni­on voll­ende­te Tat­sa­chen schaf­fen wol­len.

„Ich bin ent­schie­den dage­gen. Wie kön­nen wir die­ses Sakra­ment mit jemand tei­len, der die Fun­da­men­te der Glau­bens­leh­re nicht teilt? Wir steu­ern auf eine Ver­wir­rung zu. Auch der Ein­zug von Luthers Sta­tue in den Vati­kan hat mich nega­tiv über­rascht. Die Pro­te­stan­ten sind in jeder Hin­sicht Häre­ti­ker, wes­halb die Inter­kom­mu­ni­on nicht mög­lich ist. Sie ist es nur dann, wenn der Pro­te­stant nach einem ange­mes­se­nen und akku­ra­ten Weg den katho­li­schen Glau­ben teilt.“

Über die hei­li­ge Kom­mu­ni­on sag­te er bei die­ser Gele­gen­heit:

„Wenn man zur Hei­li­gen Kom­mu­ni­on geht, muß man sich des­sen bewußt sein, was man emp­fängt. Statt des­sen herrscht in vie­len Fäl­len Ober­fläch­lich­keit. Das hängt nicht von der Moder­ne an sich ab, son­dern vom nach­läs­si­gen und dem Hei­li­gen wenig geneig­ten Kli­ma, das eine Fol­ge der Moder­ne ist. Die­ses Kli­ma, es ist bedau­er­lich, dies sagen zu müs­sen, ist nicht nur im All­tag gegen­wär­tig, son­dern lei­der auch in der Kir­che. Wir Kir­chen­män­ner sind zum Teil dafür ver­ant­wort­lich. Ich will kei­ne Ankla­ge erhe­ben, aber unter die­sem Blick­win­kel müß­te auch der Papst mehr dar­auf behar­ren, tut es aber nicht.“

Auf die Fra­ge, wie die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen wer­den soll­te, mahn­te er:

„Kniend und in den Mund. Dem Leib Chri­sti, den wir im Sakra­ment emp­fan­gen, ist wür­dig Respekt zu zol­len und ist zu ehren. Ich wie­der­ho­le: Wir haben auch in den For­men den Wert des Hei­li­gen ver­lo­ren, und das ist ein sehr schwer­wie­gen­der Miß­brauch, für den Paul VI. die Schuld trägt, der die Tür zu die­se Ver­hal­ten auf­ge­tan hat. Nach dem Zwei­ten Vati­ca­num hat die Kir­che zu schwan­ken begon­nen, was das Hei­li­ge betrifft.“

Er bekräf­tig­te auch, daß soge­nann­te wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne „abso­lut nicht“ zur Kom­mu­ni­on zuge­las­sen sind.

„Wer sich schei­den läßt und stan­des­amt­lich eine ande­re Bin­dung ein­geht, befin­det sich im Zustand der schwe­ren Sün­de, und damit außer­halb der Gna­de Got­tes, und kann nicht das Sakra­ment emp­fan­gen, außer wenn er bereut und einen kon­kre­ten und wirk­li­chen Vor­satz faßt, sein Leben zu ändern. In die­ser Fra­ge gilt das Evan­ge­li­um, das Lehr­amt der Kir­che und die Sakra­men­ten­ord­nung. Nie­mand hat die Voll­macht, davon etwas zu ändern. Wir sind nur die Ver­wal­ter des Sakra­ments, aber nicht die Eigen­tü­mer. Es stimmt daher, daß zur kon­kre­ten Umset­zung von Amo­ris lae­ti­tia die kon­kre­te Gefahr des Rela­ti­vis­mus besteht. Es wäre daher eine Klä­rung oppor­tun, wie sie mit den Dubia gefor­dert wur­de.“

Bischof Juan Rodol­fo Lai­se wur­de heu­te nach­mit­tag begra­ben. Das Requi­em zele­brier­te Msgr. Fran­co Mos­co­ne, der neue Erz­bi­schof von Man­fre­do­nia-Vie­ste-San Gio­van­ni Roton­do. Es fand in der 1959 geweih­ten Wall­fahrts­kir­che San­ta Maria del­le Gra­zie (Maria­hilf) statt. Direkt angren­zend dar­an befin­det sich die alte Klo­ster­kir­che aus dem 16. Jahr­hun­dert mit dem Gna­den­bild, in der P. Pio bis ins hohe Alter das hei­li­ge Meß­op­fer in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zele­brier­te, und die auch Bischof Lai­se die lieb­ste Kir­che in San Gio­van­ni Roton­do war.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Paix Lit­ur­gi­que