Franziskus ruft Chinas Katholiken auf „in der Gemeinschaft der Weltkirche vereint zu bleiben“

Volksrepublik China - Vatikan












Papst Franziskus mit chinesischen Priestern und Gläubigen auf dem Petersplatz

(Rom) Am Ende der gestrigen Generalaudienz wandte sich Papst Franziskus an die Katholiken in der Volksrepublik China.

„Am kommenden Freitag, den 24. Mai feiern wir das Fest der Seligsten Jungfrau Maria, Hilfe der Christen, die in China besonders im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Sheshan bei Shanghai verehrt wird.

Diese freudige Gelegenheit erlaubt es mir, allen Katholiken in China meine besondere Nähe und Zuneigung zum Ausdruck zu bringen, die trotz täglicher Mühsal und Prüfungen glauben, hoffen und lieben.

Liebe Gläubige in China, unsere Mutter im Himmel möge Euch allen helfen, Zeugen der Liebe und der Brüderlichkeit zu sein und immer in der Gemeinschaft der Weltkirche vereint zu bleiben. Ich bete für euch und segne euch.“

Die Betonung liegt auf „alle“ Katholiken Chinas, was als Anspielung auf die romtreue Untergrundkirche und die regimehörige, nationalkirchliche Patriotische Vereinigung zu sehen ist. Letztere spaltete sich 1958 von der katholischen Kirche ab, indem das kommunistische Regime die eigentliche katholische Kirche beseitigte.

Das Geheimabkommen vom September 2018, das zwischen dem Heiligen Stuhl und der Regierung in Peking unterzeichnet wurde, zielt – so der Vatikan – auf die Überwindung dieses Schismas und die Wiederherstellung der Einheit unter Chinas Katholiken ab.

Die romtreuen Katholiken, die sich seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Untergrundkirche organisieren mußten, haben die von Papst Franziskus betonte Gemeinschaft mit der Weltkirche nie verlassen. Für diese Treue mußten sie in den vergangenen 70 Jahren (die Kommunisten übernahmen 1949 die Macht in China) einen hohen Preis bezahlen. Sie zahlen, trotz ihrer Treue, nun auch den Preis für die Einigungsbestrebungen des Vatikans. Sie kann Franziskus mit der Bitte, „immer in der Gemeinschaft der Weltkirche vereint zu bleiben“, daher nicht gemeint haben.

Ob der regimehörige, schismatische Teil überhaupt in der Gemeinschaft der Weltkirche angekommen ist, muß vorerst bezweifelt werden. Er ist bisher, das steht zumindest fest, der große Gewinner des Geheimabkommens. Ein regimehöriger Bischof, den Franziskus offiziell anerkannte, konnte als Synodale sogar im vergangenen Herbst an der Jugendsynode im Vatikan teilnehmen. „Immer in der Gemeinschaft der Weltkirche vereint zu bleiben“, trifft auf die regimehörigen Kreise nicht zu. Die schismatischen Strukturen bestehen fort und wurden auch von Franziskus als solche nicht anerkannt. Dazu hätte er gegenteilige Anweisungen seines Vorgängers Benedikt XVI. aufheben müssen, der 2007 die Mitgliedschaft in der Patriotischen Vereinigung für unvereinbar mit der Lehre der katholischen Kirche erklärte. Von einer wirklichen Überwindung des Schismas kann in der Volksrepublik China vorerst keine Rede sein. Das hat allein schon damit zu tun, daß das Schisma nicht aus der Kirche heraus entstanden ist, sondern von der Kommunistischen Partei Chinas durch den Staatsapparat aufgezwungen wurde. Es sind also die kommunistischen Diktatoren in Peking, die über das Schisma wachen, und die bisher – trotz Geheimabkommen – keine Anstalten machten, auf die für totalitäre Regime typische Kontrolle über die katholische Kirche zu verzichten. Die Fortsetzung der Kirchenzerstörungen spricht eine unzweideutige Sprache.

Vielleicht meinte Franziskus also doch die romtreuen Katholiken, die seit 61 Jahren als Untergrundkirche in der Einheit mit Rom stehen. Dort herrscht große Enttäuschung über das vatikanische Geheimabkommen mit den Kommunisten. Man fühlt sich verraten und verkauft, wie es Kardinal Joseph Zen, die graue Eminenz der chinesischen Untergrundkirche formulierte. Er hatte Rom im Vorfeld der Unterzeichnung gewarnt, daß es unter den Untergrundkatholiken zu großer Unruhe kommen werde und wegen der Enttäuschung sogar neue Schismen nicht ausgeschlossen werden könnten. Ein Schritt, den der Kardinal für sich ausschloß.

Der Weg zur wirklichen Einheit der Kirche in China in der Einheit mit Rom und mit der Möglichkeit der freien Entfaltung scheint noch weit und dornig. Die Worte von Papst Franziskus lassen es erahnen.

Die Freiheit der Kirche wird nicht erreichbar sein, soviel steht fest, solange in Peking die Kommunisten an der Macht sind, wenngleich sich selbst das derzeitige Kirchenoberhaupt diesbezüglich Illusionen hinzugeben scheint.

Franziskus beendete die Generalaudienz mit der Aufforderung:

„Laßt uns gemeinsam beten: Ave Maria…“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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2 Kommentare

  1. Es geht weiter mit der Verfolgung der Christen
    und die Zerstörungen der Kirchen.
    Ja, dieser Papst, hat die wahren Gläubigen
    verraten und verkauft!
    Was muß noch alles geschehen,damit wir
    merken, was da falsch läuft?

  2. Für mich klingen die Worte von Papst Franziskus nach Heuchelei. Er tut viel zu wenig für die Religionsfreiheit katholischer Christen in China.
    Dort gibt es eine Untergrundkirche, Verfolgung durch das kommunistische Regime, das für grausamste Foltermethoden und Tötung zahlreicher Angehöriger von Falun Gong bekannt ist, katholische Kirchen werden einfach niedergerissen und Papst Franziskus ist das alles letztlich egal.
    Die Gründe für diese lasche Haltung zu Chinas Regime suchend, kommt man nicht umhin die linke politische Haltung dieses Papstes anzudenken, der der Befreiungstheologie anhängt und für den tendenziell links immer besser als rechts zu sein scheint. Wer den Kommunismus duldet oder gutheißt und nur den Nationalsozialismus als einzig schlecht erkennt, kann kein wahrer Christ sein.

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