Italienische Bischöfe: Liturgiereform ist „unumkehrbar“

Dritte Ausgabe des Missale Romanum (Novus Ordo)

Missale Romanum Liturgiereform
In Italien steht die neue Ausgabe des Missale Romanum vor der Drucklegung. Die Bischofskonferenz betont die „Unumkehrbarkeit“ der Liturgiereform.

(Rom) Die Ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz wird Mit­te Novem­ber die drit­te Aus­ga­be des Mis­sa­le Roma­num des Novus Ordo beschlie­ßen. Erste Vor­ankün­di­gun­gen las­sen eini­ge Lit­ur­gi­ker aufschrecken.

Seit eini­ger Zeit sind Stim­men bekannt, die wich­ti­ge Beschlüs­se für die bevor­ste­hen­de, außer­or­dent­li­che Voll­ver­samm­lung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz ankün­di­gen. In der Zeit vom 12.–15. Novem­ber soll die drit­te Aus­ga­be des Mis­sa­le Roma­num in der ordent­li­chen Form des Römi­schen Ritus in ihrer end­gül­ti­gen Fas­sung beschlos­sen und zur Druck­le­gung frei­ge­ge­ben wer­den. Die Tages­zei­tung Tos­ca­na Oggi kün­dig­te „revo­lu­tio­nä­re“ Neue­run­gen an, ohne Details zu nennen.

Bischof Nunzio Galantino Mann des Papstes
Bischof Nun­zio Galan­ti­no, von 2014–2018 der „Mann des Pap­stes“ in der Ita­lie­ni­schen Bischofskonferenz

Der Stän­di­ge Rat der Bischofs­kon­fe­renz, der vom 24.–27. Sep­tem­ber in Rom tag­te, traf Ent­schei­dun­gen zur Vor­be­rei­tung der außer­or­dent­li­chen Voll­ver­samm­lung. Sie steht unter dem Mot­to: „Das Geschenk der Lit­ur­gie für das Leben der Kir­che wie­der­ent­decken und anneh­men. Per­spek­ti­ven und pasto­ra­le Ent­schei­dun­gen zur drit­ten ita­lie­ni­schen Aus­ga­be des Mis­sa­le Romanum“.

Die Vor­ar­bei­ten zur Neu­aus­ga­be lei­te­te Bischof Nun­zio Galan­ti­no, den Papst Fran­zis­kus zum Gene­ral­se­kre­tär der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz gemacht hat­te, und der in die­sem Amt als „Mann des Pap­stes“ galt. Im ver­gan­ge­nen Juni beför­der­te ihn Fran­zis­kus als Prä­fek­ten der Güter­ver­wal­tung des Apo­sto­li­schen Stuhls (APSA) an die Römi­sche Kurie.

„Traditionalistische Formen vermeiden“

Zum neu­en Mis­sa­le gab der Stän­di­ge Rat nur soviel bekannt:

„Es stellt die Gele­gen­heit für eine kapil­la­re For­mung dar, die den Reich­tum und die Unab­än­der­lich­keit der Lit­ur­gie­re­form und ihre wesent­li­chen Punk­te zurück­gibt: die Zen­tra­li­tät des Wor­tes Got­tes, von Ostern und der Ver­samm­lung selbst. Dar­aus folgt die Not­wen­dig­keit, sich wie­der zu einer Zele­bra­ti­ons­kunst zu erzie­hen, die nicht nur Gel­tungs­drang oder tra­di­tio­na­li­sti­sche For­men ver­mei­det, son­dern ein umfas­sen­des Amts­ver­ständ­nis för­dert: Prie­ster, Lek­tor, Ani­ma­teur, Kan­tor… bewe­gen sich allein auf der Linie des Dienstes“.

Nähe­res wur­de nicht mit­ge­teilt. Die Erklä­rung nennt als „Mit­tel­punkt“ der Lit­ur­gie „Ostern“, das „Wort Got­tes“ und „die Ver­samm­lung selbst“. Der Opfer­cha­rak­ter der Mes­se bleibt uner­wähnt. Die Füh­rungs­spit­ze der Bischofs­kon­fe­renz griff zudem eine Aus­sa­ge von Papst Fran­zis­kus auf, die von Tei­len der Kir­che als Kampf­an­sa­ge ver­stan­den wird: Die Lit­ur­gie­re­form sei „irrever­si­bel“ und „tra­di­tio­na­li­sti­sche For­men“ sei­en zu ver­mei­den. Letz­te­re wer­den mit dem „Gel­tungs­drang“ pro­gres­si­ver Kle­ri­ker auf eine Stu­fe gestellt, die von den Rubri­ken und selbst den Meß­tex­ten, manch­mal sogar von den Hoch­ge­be­ten abwei­chen und ihre Lit­ur­gie Mar­ke Eigen­bau basteln.

„Liturgiereform ist mit Sicherheit irreversibel“

Papst Fran­zis­kus sag­te am 24. August 2017 in sei­ner Anspra­che an die Teil­neh­mer der 68. Lit­ur­gi­schen Woche in Ita­li­en daß die Lit­ur­gie­re­form von Paul VI. „unum­kehr­bar“ sei. Wört­lich sag­te Fran­zis­kus mit lehr­amt­li­chem Anspruch.

„Wir kön­nen mit Sicher­heit und mit lehr­amt­li­cher Auto­ri­tät bestä­ti­gen, daß die Lit­ur­gie­re­form irrever­si­bel ist.“

Ohne ihn zu erwäh­nen, wur­den die Wor­te vor allem als Absa­ge an Initia­ti­ven von Kar­di­nal Robert Sarah, den Prä­fek­ten der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung ver­stan­den. Kar­di­nal Sarah hat­te zuvor mit Nach­druck und wie­der­holt „alle Prie­ster“ des latei­ni­schen Ritus auf­ge­for­dert, zur tra­di­tio­nel­len Zele­bra­ti­ons­rich­tung Osten, ad Deum, zurück­zu­keh­ren.

Weni­ge Mona­te vor der Rede des Pap­stes wur­de die Exi­stenz einer myste­riö­sen Lit­ur­gie­re­form bekannt, die im Auf­trag von Fran­zis­kus tätig ist. Bei deren Errich­tung wur­de Kar­di­nal Sarah ein­fach über­gan­gen. Anders aus­ge­drückt: Die Kom­mis­si­on und deren Mit­glie­der wur­den hin­ter dem Rücken des zustän­di­gen Mini­sters ernannt.

Absage an „Reform der Reform“

Im wei­te­ren Sin­ne han­del­te es sich bei den Wor­ten von Papst Fran­zis­kus vor allem um eine Absa­ge an die von Papst Bene­dikt XVI. ange­sto­ße­ne und ange­streb­te „Reform der Lit­ur­gie­form“. Die­se Absa­ge wur­de vom Stän­di­gen Rat der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz bei sei­ner jüng­sten Sit­zung auf­ge­grif­fen. Seit­her besteht in tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Kir­chen­krei­sen die Sor­ge, daß die Neu­aus­ga­be des Mis­sa­le Roma­num den Opfer­cha­rak­ter der Mes­se wei­ter zurück­drän­gen und den Ver­samm­lungs­cha­rak­ter noch mehr beto­nen wird.

Nichts ist vor­erst dar­über bekannt, ob in der Neu­aus­ga­be end­lich die von Bene­dikt XVI. beschlos­se­ne Ände­rung der Wand­lungs­wor­te von „für alle“ zu „für vie­le“ umge­setzt wird. Eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung hat­te Bene­dikt XVI. im Okto­ber 2006 getrof­fen und für die Welt­kir­che ange­ord­net. In Ita­li­en gab es neben dem deut­schen Sprach­raum beson­ders hart­näcki­gen Wider­stand. Der wird vor allem dar­an deut­lich, daß selbst zwölf Jah­re nach der ver­bind­li­chen Anord­nung des deut­schen Pap­stes, die Ände­rung in Ita­li­en noch nicht umge­setzt wurde.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: CEI (Screen­shots)

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