Erteilte Papst Franziskus dem Bugnini-Ringträger einen Geheimauftrag?

Folgt auf den Krieg gegen den überlieferten Ritus eine Kriegserklärung gegen die Transsubstantiation?

Erteilte Papst Franziskus dem von ihm Ende Mai ernannten neuen Sekretär der Gottesdienstkongregation einen Geheimauftrag?
Erteilte Papst Franziskus dem von ihm Ende Mai ernannten neuen Sekretär der Gottesdienstkongregation einen Geheimauftrag?

(Rom) Papst Fran­zis­kus ist ein Getrie­be­ner in eige­ner Sache: Sei­ne Agen­da eines Umbaus der Kir­che ist zu umfas­send, um sich Ruhe zu gön­nen. Den Auf­trag dazu hat­te Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ (1927–2012) weni­ge Tage vor sei­nem Tod im August 2012 for­mu­liert. Folgt auf die Kriegs­er­klä­rung von Papst Fran­zis­kus gegen den über­lie­fer­ten Ritus nun eine eben­sol­che gegen die Transsubstantiation?

In einem post­hum ver­öf­fent­lich­ten Inter­view hat­te Kar­di­nal Mar­ti­ni 2012 beklagt, daß die Kir­che 200 Jah­re im Rück­stand sei, also die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on und ihre Fol­gen nach­zu­ho­len habe. Kurz zuvor hat­te er im Juni Papst Bene­dikt XVI., der ihm einen Höf­lich­keits­be­such abstat­te­te, zum bedin­gungs­lo­sen Rück­tritt auf­ge­for­dert. Die­se bei­den letz­ten bekann­ten Aktio­nen des „Ante-Papa“ Mar­ti­ni gehö­ren zu den gro­ßen Rät­seln der jüng­sten Kir­chen­ge­schich­te, da Bene­dikt XVI. tat­säch­lich weni­ge Mona­te spä­ter zurück­tre­ten soll­te. Doch Päp­ste tre­ten nicht zurück, hat­te es bis zum 10. Febru­ar 2013 gehei­ßen. War­um käme also ein intel­li­gen­ter Mann wie Kar­di­nal Mar­ti­ni auf die in einem zwei­tau­send­jäh­ri­gen Kon­text dümm­lich erschei­nen­de Idee, einen regie­ren­den Papst, des­sen Pon­ti­fi­kat ihm noch so wenig zusa­gen moch­te, zum Rück­tritt auf­zu­for­dern? Und wie kann es sein, daß der regie­ren­de Papst völ­lig bei­spiel­los kurz dar­auf tat­säch­lich zurück­tritt? Für die­se unge­wöhn­li­chen Signa­le gibt es noch immer kei­ne schlüs­si­ge Interpretation.

Anders ver­hält es sich mit dem Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus, das der Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. mög­lich mach­te. Um das jüng­ste Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des zu deu­ten, bedarf es kei­ner tie­fen­psy­cho­lo­gi­schen Fach­aus­bil­dung. Eine sol­che Abnei­gung gegen die Tra­di­ti­on und ihre Ver­tre­ter scheint patho­lo­gisch zu sein. Was sonst wür­de einen Papst dazu bewe­gen, so vie­le Wor­te und Ener­gie zu ver­schwen­den, um eine ihm zuwi­de­re Rich­tung in der Kir­che, die – wenn es vie­le sind – gera­de ein­mal ein Pro­zent aller Prie­ster aus­macht, mit sol­cher Radi­ka­li­tät zu ver­fol­gen mit dem Ziel, sie regel­recht aus­lö­schen zu wollen.

Franziskus und die Interkommunion

Doch wäh­rend die Kon­se­quen­zen aus dem jüng­sten, durch Tra­di­tio­nis custo­des los­ge­tre­te­nen „Pro­zeß“ noch nicht ein­mal abseh­bar sind, die­ser aber einen sehr dyna­mi­schen und zukunfts­träch­ti­gen Teil der Kir­che sach­lich und emo­tio­nal maxi­mal bin­det, scheint Fran­zis­kus, ohne zurück­zu­schau­en, schon zum näch­sten Ufer unter­wegs zu sein.

Folgt auf die Zer­trüm­me­rung von Summorum Pon­ti­fi­cum und Eccle­sia Dei die Zulas­sung der Inter­kom­mu­ni­on mit den Protestanten?

Die­ser Mei­nung ist zumin­dest der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti, der 2018 maß­geb­li­chen Anteil dar­an hat­te, daß Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò sein Dos­sier zum Fall McCarrick und Papst Fran­zis­kus ver­faß­te und damit an die Öffent­lich­keit ging.

Tosat­ti bleibt vor­sich­tig und merkt an, daß die jüng­sten ihm aus dem Vati­kan zuge­tra­ge­nen Infor­ma­tio­nen „noch zu über­prü­fen“ sei­en, er es aber für „rich­tig und inter­es­sant“ erach­te, sie mit­zu­tei­len. Laut die­sen Infor­ma­tio­nen wol­le sich Papst Fran­zis­kus wie­der „um die Inter­kom­mu­ni­on küm­mern“. Gemeint ist damit, pro­te­stan­ti­sche Chri­sten zum Emp­fang der hei­li­gen Eucha­ri­stie zuzulassen.

Den ersten Schritt dazu hat­te Fran­zis­kus bereits am 15. Novem­ber 2015 bei sei­nem Besuch der luthe­ri­schen Kir­che in Rom gesetzt, als er auf eine der vor­be­rei­te­ten Fra­gen an ihn in dem ihm eige­nen ver­schlei­ern­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stil ant­wor­te­te. In einer ver­wir­rend lan­gen Ant­wort erklär­te er, daß er „nie“ die Erlaub­nis zur Inter­kom­mu­ni­on ertei­len wer­de, um dann aber von einem Nein über ein Jein doch zu einem Ja zu gelan­gen. Wört­lich sag­te Fran­zis­kus in geraff­ter Form: „Nein, Ja, ich weiß nicht, ent­schei­det selbst“. Das anwe­sen­de Publi­kum, mit einem offen­bar geschul­ten Ohr, ver­stand und applau­dier­te kräf­tig. Ein sicht­lich zufrie­de­ner Kar­di­nal Wal­ter Kas­per strahl­te. Auch die ton­an­ge­ben­de Rie­ge der deut­schen Bischö­fe ver­stand. Im Febru­ar 2018 war es soweit: Die ersten Bischö­fe in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erlaub­ten Luthe­ra­nern mit ihren katho­li­schen Ehe­gat­ten gemein­sam die hei­li­ge Eucha­ri­stie zu empfangen.

Eine fun­dier­te argu­men­ta­ti­ve Grund­la­ge für die Akti­on, mit der 500 Jah­re kirch­li­che Sakra­men­ten­leh­re außer Kraft gesetzt wur­den, fehlt bis heu­te. Es ist eben­so halt­los, wie die Ände­rung der Pan­de­mie-Defi­ni­ti­on durch die WHO im Jahr 2009 unwis­sen­schaft­lich ist.

Sicht­lich zufrie­de­ner Kar­di­nal Kas­per in der luthe­ri­schen Chri­stus­kir­che in Rom (Novem­ber 2015).

Geheimauftrag an Bugnini-Ringträger?

Sechs Jah­re nach jenem grü­nen Licht, das Fran­zis­kus in der römi­schen Chri­stus­kir­che erteil­te, könn­te durch ihn ein noch weit grö­ße­res Tor geöff­net werden.

Laut Tosat­tis Infor­ma­tio­nen soll Fran­zis­kus den von ihm neu­ernann­ten Sekre­tär der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on, Msgr. Vit­to­rio Vio­la, damit beauf­tragt haben, geheim bis Sep­tem­ber eine Kom­mis­si­on zur Fra­ge der Inter­kom­mu­ni­on zu orga­ni­sie­ren und ihm inner­halb von zwei Mona­ten direkt über die Ergeb­nis­se der Kom­mis­si­ons­ar­beit zu berichten.

Msgr. Vio­la war bis zum 27. Mai Bischof von Tor­to­na und Lehr­be­auf­trag­ter am Päpst­li­chen Lit­ur­gi­schen Insti­tut von San­t’An­sel­mo in Rom, das im Zusam­men­hang mit dem neu­en Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des kei­ne rühm­li­che Rol­le spielt. Vor allem trägt er jedoch den Bischofs­ring von Msgr. Anni­ba­le Bugni­ni, dem Bau­mei­ster der Lit­ur­gie­re­form von 1969/70. Am 18. Juni wur­de Msgr. Vio­la von Fran­zis­kus in Audi­enz emp­fan­gen. Damals kon­zen­trier­te sich alles ange­spannt auf den ange­kün­dig­ten Angriff gegen den über­lie­fer­ten Ritus. Der Papst ließ den neu­en Sekre­tär der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on, wie es scheint, aber bereits für ein neu­es Pro­jekt zu sich kommen.

Das Anlie­gen ist Fran­zis­kus wich­tig. Das drückt sich bereits in dem von ihm gewähl­ten Weg aus. Was er wirk­lich anstrebt, ent­schei­det er an allen zustän­di­gen Stel­len vor­bei. Auch der Auf­trag an Msgr. Vio­la folgt die­sem Muster. Tosat­ti spricht von Metho­dik, „die Papst Ber­go­glio sehr gefällt“.

Als mög­li­chen Grund für die Eile, die Fran­zis­kus an den Tag legt, „soll­te die Infor­ma­ti­on sich bestä­ti­gen“, nennt der Vati­ka­nist die „deut­sche Syn­ode“, bei der die Inter­kom­mu­ni­on mit den Pro­te­stan­ten auf der Tages­ord­nung steht.

Als die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz mit Mehr­heits­be­schluß im Febru­ar 2018 umsetz­te, wofür Fran­zis­kus 2015 in der Chri­stus­kir­che grü­nes Licht gege­ben hat­te, war es der Papst, der die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zurück­pfiff, als die­se, ange­ru­fen von der Min­der­heit der deut­schen Bischö­fe um Kar­di­nal Woel­ki, Stel­lung neh­men woll­te. Die Inter­ven­ti­on Roms beschränk­te sich letzt­lich nur mehr dar­auf, daß Fran­zis­kus ein mög­lichst ein­hel­li­ges Vor­ge­hen wünsch­te. Als selbst das von den deut­schen Bischö­fen nicht ein­ge­hal­ten wur­de, son­dern erste Bischö­fe wie jener von Würz­burg im Allein­gang vor­presch­ten, geschah wie­der­um nichts. Die ver­meint­lich unge­hor­sa­men deut­schen Bischö­fe waren gar nicht so unge­hor­sam, denn die Signa­le, die Rom aus­sand­te, waren ein­deu­tig. Die Bot­schaft lau­te­te: Macht nur, San­ta Mar­ta akzep­tiert die­sen „Unge­hor­sam“. Unge­hor­sam sind die­se Bischö­fe gegen­über der kirch­li­chen Leh­re, aber nicht gegen­über dem Papst. Man könn­te von einem „gelenk­ten Unge­hor­sam“ spre­chen. Das erklärt auch, wes­halb das Ver­hal­ten von Papst Fran­zis­kus zur deut­schen Inter­kom­mu­ni­on-Debat­te im Früh­jahr 2018 so wider­sprüch­lich erschien.

Kommunion trotz unterschiedlicher Eucharistieverständnisse?

Es irrt, wer anneh­men soll­te, Fran­zis­kus wäre ein Getrie­be­ner der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz. So mag es schei­nen, doch einer nähe­ren Betrach­tung hält die­se Annah­me nicht stand. Die pro­gres­si­ve Agen­da ist seit 1968 bekannt. In der Fra­ge der Inter­kom­mu­ni­on war es aber Papst Fran­zis­kus, der 2015 das The­ma auf das Tapet brach­te und wei­te­re Signa­le zuließ, wäh­rend der Beschluß der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz erst im Febru­ar 2018 folg­te. Die pro­gres­si­ve DBK-Mehr­heit hütet sich, den Bruch mit Rom zu voll­zie­hen. Wozu soll­te sie auch? Papst Fran­zis­kus gibt an so vie­len Fron­ten grü­nes Licht, daß die Bischö­fe mit ihren „Öff­nun­gen“ kaum nachkommen.

Die Palet­te reicht von der Aner­ken­nung von Schei­dung und Wie­der­ver­hei­ra­tung über irre­gu­lä­re Situa­tio­nen, Homo­se­xua­li­tät, poli­ti­sche Gleich­schal­tung zu Ein­wan­de­rung, Kli­ma­wan­del, bedin­gungs­lo­sem Grund­ein­kom­men und Coro­na-Pseu­do­pan­de­mie, Frau­en­dia­ko­nat, Gaia-Kult, Ver­tu­schung der Homo­se­xua­li­tät als Haupt­ur­sa­che des sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dals bis zur Inter­kom­mu­ni­on. Für­wahr eine umfas­sen­de Agenda.

Die Inter­kom­mu­ni­on „ist unmög­lich“, mel­de­te sich im Juli 2018 ein letz­tes­mal der inzwi­schen ver­stor­be­ne argen­ti­ni­sche Kapu­zi­n­er­bi­schof Juan Rodol­fo Lai­se zum deut­schen Allein­gang (mit päpst­li­cher Dul­dung) zu Wort. In die­sem sah er eine kaum zu fas­sen­de Arro­ganz. Die Inter­kom­mu­ni­on sei des­halb unmög­lich, so Bischof Lai­se, der eine der bedeu­tend­sten Schrif­ten gegen die Hand­kom­mu­ni­on und für die Mund­kom­mu­ni­on ver­öf­fent­licht hat­te, weil die Pro­te­stan­ten das katho­li­sche Eucha­ri­stie­ver­ständ­nis nicht teilen. 

„Wie kön­nen wir die­ses Sakra­ment mit jemand tei­len, der die Fun­da­men­te der Glau­bens­leh­re nicht teilt? Wir steu­ern auf eine Ver­wir­rung zu. Auch der Ein­zug von Luthers Sta­tue in den Vati­kan hat mich nega­tiv überrascht.“

Papst Fran­zis­kus stieß 2015 in der luthe­ri­schen Kir­che in Rom den „Pro­zeß“ Inter­kom­mu­ni­on an.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cro­na­ca Tortona/Vatican.va (Screen­shots)

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