„Endlich frei!“ – Asia Bibis Buch über ihren Leidensweg

„Eine kleine, mutige Frau, die sich nicht in Selbstmitleid erging“

Das erste Foto von Asia Bibi, mit der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet in Kanada.
Das erste Foto von Asia Bibi, mit der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet in Kanada.

Erst­mals seit ihrer Frei­las­sung wur­de ein Foto von Asia Bibi ver­öf­fent­licht. Die paki­sta­ni­sche Katho­li­kin und fünf­fa­che Fami­li­en­mut­ter saß neun­ein­halb Jah­re wegen Belei­di­gung des Islams im Gefäng­nis und war zum Tode ver­ur­teilt wor­den. Im Mai 2019 konn­te sie Paki­stan ver­las­sen und sich in Sicher­heit brin­gen. In einem Buch schil­dert sie ihren Lei­dens­weg als ver­folg­te Chri­stin.

Das Bild des Foto­gra­fen Fran­çois Tho­mas zeigt sie in ihrem kana­di­schen Exil, wo ihr und ihrer Fami­lie Asyl gewährt wur­de. Das Schick­sal von Asia Bibi hat vie­le Jah­re die zivi­li­sier­te Welt bewegt und empört. Die Chri­stin war im Juni 2009 zu Unrecht beschul­digt wor­den, Moham­med, den „Pro­phe­ten“ des Islams, belei­digt zu haben. Fast wäre sie von einem wil­den Mob gelyncht wor­den. Nach dem berüch­tig­ten Anti-Blas­phe­mie­ge­setz wur­de ihr der Pro­zeß gemacht, und sie zum Tode ver­ur­teilt. Der ein­zi­ge Christ in der paki­sta­ni­schen Bun­des­re­gie­rung, der Katho­lik Shah­baz Bhat­ti, und der mus­li­mi­sche Gou­ver­neur des Pun­jab, Sal­man Taseer, wur­den ermor­det, weil sie für Asia Bibi Par­tei ergrif­fen oder das Anti-Blas­phe­mie­ge­setz kri­ti­siert hat­ten. Zahl­rei­che wei­te­re Men­schen, vor allem Chri­sten, star­ben im Zuge des Pro­zes­ses durch Atten­ta­te isla­mi­scher Ter­ro­ri­sten.

Die paki­sta­ni­sche Regie­rung fürch­te­te Unru­hen und sogar ihren Sturz, soll­te Asia Bibi nicht hin­ge­rich­tet oder gar frei­ge­spro­chen wer­den. Das war ihr von extre­mi­sti­schen isla­mi­schen Grup­pen ange­droht wor­den. Dadurch ver­zö­ger­te sich Asia Bibis Lei­dens­weg. Auch west­li­che Regie­run­gen beschränk­ten sich auf diplo­ma­ti­sche Akti­vi­tä­ten hin­ter den Kulis­sen. Der Erhalt der Regie­rung hat­te Vor­rang.

Die beson­ders medi­en­wirk­sa­men lin­ken NGOs wie Amnes­ty Inter­na­tio­nal mach­ten einen auf­fäl­lig gro­ßen Bogen um den Fall. Für eine Chri­stin, noch dazu eine Katho­li­kin woll­ten sie sich nicht wirk­lich enga­gie­ren, schon gar nicht, wenn es dabei galt, dem abseh­ba­ren Druck der isla­mi­schen Welt stand­zu­hal­ten. Unter­stützt wur­de Asia Bibi hin­ge­gen vom inter­na­tio­na­len katho­li­schen Hilfs­werk Kir­che in Not.

Die lan­gen Jah­re im Gefäng­nis ver­brach­te Asia Bibi in Iso­la­ti­ons­haft, weil ihr Leben auch hin­ter den Gefäng­nis­mau­ern nicht sicher war. Isla­mi­sche Grup­pie­run­gen setz­ten ein Kopf­geld auf sie aus.

Nach meh­re­ren Beru­fun­gen und mehr als neun Jah­ren Tren­nung von ihrer Fami­lie wur­de sie am 31. Okto­ber 2018 frei­ge­spro­chen und am 7. Novem­ber aus der Haft ent­las­sen. Es folg­ten ban­ge Mona­te, in denen sie sich mit ihrer Fami­lie an einem gehei­men Ort ver­steckt hielt. Der Ober­ste Gerichts­hof muß­te den Frei­spruch erst bestä­ti­gen, was am 29. Janu­ar 2019 geschah. Die Odys­see war damit aber nicht zu Ende. In Paki­stan waren weder sie noch ihre Fami­lie sicher. Gab es ein Land, das ihnen Asyl gewäh­ren wür­de? Die Ver­hand­lun­gen waren lang­wie­rig. Schließ­lich erklär­te sich Kana­da bereit, sie auf­zu­neh­men. Seit acht Mona­ten befin­det sich die Fami­lie in Sicher­heit und Frei­heit.

Das Buch „End­lich frei!“ schil­dert Asia Bibis Lei­dens­weg als Opfer des isla­mi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus und einer isla­misch beein­fluß­ten Justiz. Bereits wäh­rend der Haft gab sie zu ver­ste­hen, im Glau­ben die Kraft zu fin­den, ihr Kal­va­ria durch­zu­ste­hen. Das wie­der­holt sie nun auch auf den Sei­ten ihres Buches, das heu­te in Frank­reich mit dem Titel „Enfin libre!“ in den Buch­han­del kam. Geschrie­ben wur­de es mit Hil­fe der fran­zö­si­schen Jour­na­li­stin Anne-Isa­bel­le Tol­let, die vie­le Jah­re als Kor­re­spon­den­tin aus Paki­stan berich­te­te. Dort ver­folg­te sie aus näch­ster Nähe den Fall von Asia Bibi. In einer Rede vor dem UN-Men­schen­rechts­rat for­der­te sie die Frei­las­sung von Asia Bibi. Schon 2011 hat­te sie das Buch „Blasphè­me“ ver­öf­fent­licht, um auf das Schick­sal der paki­sta­ni­schen Chri­stin auf­merk­sam zu machen. Es wur­de in zahl­rei­che Spra­chen über­setzt, bemer­kens­wer­ter­wei­se nicht ins Deut­sche. Beim neu­en Buch ist das anders. Der noch jun­ge Reno­va­men-Ver­lag wird es in Kür­ze mit dem Titel „End­lich frei! Mein Weg aus der Gefan­gen­schaft“ in deut­scher Spra­che vor­le­gen.

Anne-Isa­bel­le Tol­let besuch­te Asia Bibi in Kana­da, um sie per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen. Dort ent­stand auch das Buch. Die Jour­na­li­stin beschreibt Asia Bibi „als eine spru­deln­de Frau, eine Kämp­fe­rin, die uns eine ech­te Lek­ti­on in Sachen Mut erteilt“.

Das Buch ver­deut­licht, wel­chen Gefah­ren Chri­sten in Paki­stan aus­ge­setzt sind. Das galt die vie­len Jah­re hin­durch nicht nur für Asia Bibi, son­dern für ihre gan­ze Fami­lie. Der Staat bedroh­te Asia Bibi mit der Hin­rich­tung, isla­mi­sche Extre­mi­sten droh­ten, ihre gan­ze Fami­lie zu ermor­den.

Den­noch kann Asia Bibi auf dem ersten Foto, das seit der Gefan­gen­schaft von ihr ver­öf­fent­licht wur­de, lächeln.

Das Buch lie­fert auch Ein­zel­hei­ten über die Gefan­gen­schaft und erzählt das Echo, das die Bot­schaft von Bene­dikt XVI. aus­lö­ste, der sich für ihre Frei­las­sung ein­setz­te. Es wer­den auch Details genannt über die Inter­ven­tio­nen ande­rer Staats- und Regie­rungs­chefs und auch die Zurück­hal­tung ange­spro­chen, die Papst Fran­zis­kus in der Sache zeig­te.

Asia Bibi sei eine „klei­ne, muti­ge und kämp­fe­ri­sche Frau, die sich nicht in Selbst­mit­leid erging“.

„Sie hat eine natür­li­che Auto­ri­tät, fröh­lich, leben­dig und intel­li­gent.“

„Sie ist trau­rig, Paki­stan ver­las­sen zu haben, aber sie möch­te die Spre­che­rin aller Men­schen sein, denen zu Unrecht Got­tes­lä­ste­rung vor­ge­wor­fen wird, ins­be­son­de­re der Chri­sten.“

Auch eine spa­ni­sche Aus­ga­be des Buches soll in weni­gen Tagen auf den Markt kom­men.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Info­Va­ti­ca­na

2 Kommentare

  1. Die­ses Buch ist eine schal­len­de Ohr­fei­ge für die Kir­che und noch schal­len­der für Papst Fran­zis­kus.
    Sie wer­den nicht nur nicht müde davon zu faseln, das wir mit den Mos­lems zum sel­ben Gott beten, nein unfass­ba­rer Wei­se wur­de auch noch die­ses Doku­ment in Abu Dha­bi unter­zeich­net.
    Der Ein­zi­ge der sich über die­se Blas­phe­mie freut ist Satan.

  2. Man muss sich vro­s­tel­len, dass für eine ver­gleich­ba­re Haft­stra­fe hier­zu­lan­de jemand bei der RAF für meh­re­re Mor­de mit­ver­ant­wort­lich sein muss­te. Die Ankla­ge gegen die­se Frau spot­tet jeg­li­chem Ver­ständ­nis von einer fried­li­chen Reli­gi­on.
    Man kann kei­nen Zusam­men­hang mit dem Got­tes­bild und Men­schen­bild des Jesus von Naza­reth erken­nen.

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