Das Testament von Shahbaz Bhatti – „Für Christus will ich sterben“

Märtyrer

Der Katholik Shahbaz Chatti, pakistanischer Minister für religiöse und ethnische Minderheiten, wurde von islamischen Terroristen ermordet.
Der Katholik Shahbaz Chatti, pakistanischer Minister für religiöse und ethnische Minderheiten, wurde am 2. März 2011 von islamischen Terroristen ermordet.

Katho­li­sches – Das Maga­zin für Kir­che und Kul­tur ver­öf­fent­licht das geist­li­che „Testa­ment“ des Katho­li­ken Shah­baz Bhat­ti, des paki­sta­ni­schen Mini­sters für die reli­giö­sen Min­der­hei­ten, der am 2. März 2011 von einem Kom­man­do mos­le­mi­scher Extre­mi­sten ermor­det wur­de. Die Isla­mi­sten „bestraf­ten“ ihn, weil er sich um die Abschaf­fung des berüch­tig­ten Anti-Blas­phe­mie­ge­set­zes bemüh­te und sich für die Frei­las­sung von Asia Bibi ein­setz­te, jener Chri­stin und fünf­fa­chen Mut­ter, die im Herbst 2010 von einem paki­sta­ni­schen Gericht wegen Belei­di­gung Moham­meds und damit des Islam zum Tode ver­ur­teilt wur­de. Shah­baz Bhat­ti leg­te das Zeug­nis im Jahr 2005 ab (abge­druckt in „Cri­stia­ni in Paki­stan“. Mar­cia­num Press, Vene­dig 2008).

Ich hei­ße Shah­baz Bhat­ti. Ich wur­de in eine katho­li­sche Fami­lie gebo­ren. Mein Vater, ein Leh­rer im Ruhe­stand, mei­ne Mut­ter, eine Haus­frau, haben mich nach christ­li­chen Wer­ten und den Leh­ren der Bibel erzo­gen, die mei­ne Kind­heit präg­ten.

Von klein auf war es selbst­ver­ständ­lich, die Kir­che zu besu­chen und in den Glau­bens­wahr­hei­ten und im Opfer und der Kreu­zi­gung Jesu eine tie­fe For­mung zu erfah­ren. Es war Jesu Lie­be, die mich ver­an­laß­te, mei­ne Dien­ste der Kir­che zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die schreck­li­chen Bedin­gun­gen, in denen die Chri­sten Paki­stans leb­ten, erschüt­ter­ten mich. Ich erin­ne­re mich an Kar­frei­tag, als ich erst 13 Jah­re alt war: Ich hör­te eine Pre­digt über Jesu Opfer für unse­re Erlö­sung und für die Ret­tung der Welt. So fühl­te ich mich gedrängt, als Ant­wort auf die­se Sei­ne Lie­be unse­ren Brü­dern und Schwe­stern mei­ne Lie­be zu schen­ken, indem ich mich in den Dienst der Chri­sten stel­le, beson­ders der Armen, der Not­lei­den­den und der Ver­folg­ten, die in die­sem isla­mi­schen Land leben.

Mir wur­den hohe Wür­den und Regie­rungs­äm­ter ange­bo­ten, damit ich mei­nen Kampf auf­ge­be, aber ich habe immer abge­lehnt sogar unter Gefahr mei­nes eige­nen Lebens. Mei­ne Ant­wort war immer die­sel­be: Nein, ich will Jesus die­nen als ein­fa­cher Mensch.

Die­se Hin­ga­be macht mich glück­lich. Ich will kei­ne Popu­la­ri­tät und kei­ne Macht­po­si­tio­nen. Ich wün­sche mir nur einen Platz zu Jesu Füßen. Ich möch­te, daß mein Leben, mein Cha­rak­ter, mei­ne Hand­lun­gen für mich spre­chen und zei­gen, daß ich Jesus Chri­stus nach­fol­ge. Die­ser Wunsch ist so groß in mir, daß ich mich in mei­nen Anstren­gun­gen für die Not­lei­den­den, die Armen, und die ver­folg­ten Chri­sten Paki­stans aus­er­wählt  füh­len wür­de, wenn Jesus mein Leben als Opfer anneh­men wür­de.

Für Chri­stus will ich leben  und für Ihn will ich ster­ben. Des­halb ver­spü­re ich kei­ne Angst in die­sem Land. Vie­le Male woll­ten mich die Extre­mi­sten ermor­den oder ein­sper­ren. Sie haben mich bedroht, ver­folgt und mei­ne Fami­lie ter­ro­ri­siert. Ich aber sage: Solan­ge ich lebe, bis zu mei­nem letz­ten Atem­zug, wer­de ich fort­fah­ren, Jesus zu die­nen und die­ser armen, lei­den­den Mensch­heit, den Chri­sten, den Not­lei­den­den, den Armen.

Ich mei­ne, daß die Chri­sten der Welt, die den 2005 von der Erd­be­ben­ka­ta­stro­phe betrof­fe­nen Mos­lems die Hand reich­ten, Brücken der Soli­da­ri­tät, der Lie­be, des Ver­ständ­nis­ses, der Zusam­men­ar­beit und der Tole­ranz zwi­schen den bei­den Reli­gio­nen gebaut haben. Wenn die­se Anstren­gun­gen fort­ge­setzt wer­den, bin ich über­zeugt, daß es uns gelingt, auch die Her­zen und die Köp­fe der Extre­mi­sten zu gewin­nen. Das wird eine posi­ti­ve Ver­än­de­rung erzeu­gen: Die Men­schen wer­den sich nicht mehr has­sen, sie wer­den nicht mehr im Namen der Reli­gi­on töten, son­dern es wer­den die einen die ande­ren lie­ben, sie wer­den ein­träch­tig sein und sie wer­den den Frie­den und das Ver­ständ­nis in die­ser Regi­on pfle­gen.

Ich will euch sagen, daß ich viel Anre­gung in der Hei­li­gen Schrift und im Leben von Jesus Chri­stus fin­de. Je mehr ich das Neue und das Alte Testa­ment lese, die Ver­se der Bibel und die Wor­te des Herrn, desto mehr füh­le ich mich gestärkt und wächst mei­ne Ent­schlos­sen­heit. Wenn ich über die Tat­sa­che nach­den­ke, daß Jesus Chri­stus alles geop­fert hat, daß Gott Sei­nen eige­nen Sohn für unse­re Erlö­sung und unse­re Ret­tung gesandt hat, fra­ge ich mich, wie ich dem Weg nach Kal­va­ri­en fol­gen kann. Unser Herr hat gesagt: „Komm mit mir, nimm dein Kreuz und fol­ge mir.“

Die Stel­le der Bibel, die ich am mei­sten lie­be, sagt: „Ich hat­te Hun­ger und ihr gabt mir zu essen, ich hat­te Durst und ihr gabt mir zu trin­ken, ich war fremd und ihr habt mich beher­bergt, ich war nackt und ihr gabt mir Klei­dung, ich war krank und ihr habe mich gesund gepflegt, ich war ein­ge­sperrt und ihr habt mich besucht.“ Wenn ich arme und hilfs­be­dürf­ti­ge Men­schen sehe, den­ke ich, daß in ihnen Jesus mir begeg­net. So ist es mein Bestre­ben, nach Mög­lich­keit immer hilf­reich zu sein und gemein­sam mit ande­ren den Not­lei­den­den, den Hun­gern­den, den Dur­sti­gen Unter­stüt­zung zu brin­gen.

Ich den­ke, daß die Hilfs­be­dürf­ti­gen, die Armen, die Wai­sen, wel­cher Reli­gi­on sie auch immer ange­hö­ren, zu aller erst als Men­schen zu sehen sind. Ich den­ke, daß die­se Men­schen Teil mei­nes Kör­pers in Chri­stus sind, daß sie der ver­folg­te und hilfs­be­dürf­ti­ge Teil von Chri­sti Kör­per sind. Wenn wir die­se Mis­si­on zu Ende brin­gen, wer­den wir uns einen Platz zu Jesu Füßen ver­dient haben und ich wer­de Ihn anschau­en kön­nen, ohne mich schä­men zu müs­sen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: paki­sta­ni­at




Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!