Der Angriff auf das Priestertum ist ein Angriff auf die Eucharistie

Eucharistie
Roberto de Mattei: Derzeit ist ein Angriff auf das Priestertum im Gange, um die Eucharistie und die Verfassung der Kirche anzugreifen.

Die Eucha­ri­stie war immer die bevor­zug­te Ziel­schei­be der Kir­chen­has­ser. Die Eucha­ri­stie faßt die Kir­che zusam­men. Wie ein Pas­sio­ni­sten­theo­lo­ge schrieb: „Sie ver­kör­pert alle geof­fen­bar­ten Wahr­hei­ten, ist die ein­zi­ge Gna­den­quel­le, die Vor­weg­nah­me der Selig­kei­ten und Zusam­men­fas­sung aller Wun­der der Allmacht“.((Don Enri­co Zoffoli: Euca­ri­stia o nul­la (Eucha­ri­stie oder nichts), Edi­zio­ni Seg­no, Udi­ne 1994, S. 70.))

Die aktu­el­len Angrif­fe gegen das Altarsa­kra­ment waren von der Got­tes­mut­ter in Fati­ma 1917 vor­her­ge­sagt wor­den. In der Cova da Iria for­der­te die Jung­frau die drei Hir­ten­kin­der auf, zu beten:

„Jesu Chri­sti, gegen­wär­tig in allen Taber­na­keln der Erde, zur Wie­der­gut­ma­chung für alle Schmä­hun­gen, Sakri­le­gi­en und Gleich­gül­tig­kei­ten, durch die Er selbst belei­digt wird“.

Kar­di­nal Robert Sarah, Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, schreibt im Vor­wort zum schö­nen Buch von Don Fede­r­i­co Bar­to­li: Die Hand­kom­mu­ni­on. Eine histo­ri­sche, recht­li­che und pasto­ra­le Dar­stel­lung (La dis­tri­bu­zio­ne del­la Com­u­nio­ne sul­la mano. Pro­fi­li sto­ri­ci, giuri­di­ci e pasto­ra­li, Edi­zio­ni Can­tagal­li, Sie­na 2017), daß die­se Sze­ne “uns zeigt, wie wir den Leib Jesu Chri­sti emp­fan­gen sollen”.

Laut dem Kar­di­nal han­delt es sich bei „den Schmä­hun­gen, die Jesus in der hei­li­gen Hostie erfährt“, in erster Linie um „die schreck­li­chen Schän­dun­gen, von denen eini­ge bekehr­te, Ex-Sata­ni­sten berich­tet und ent­setz­li­che Schil­de­rung gege­ben haben“. Aber auch „der sakri­le­gi­sche Kom­mu­nion­emp­fang, der nicht im Stand der Gna­de erfolgt oder ohne Bekennt­nis des katho­li­schen Glau­bens“. Zudem: „Alles, was das Frucht­bar­wer­den des Sakra­men­tes ver­hin­dern könn­te, vor allem die in die Köp­fe der Gläu­bi­gen aus­ge­streu­ten Irr­tü­mer, damit sie nicht mehr an die Eucha­ri­stie glauben“.

Der heim­tückisch­ste, dia­bo­li­sche Angriff besteht dar­in, „zu ver­su­chen, den Glau­ben an die Eucha­ri­stie aus­zu­lö­schen, indem Irr­tü­mer aus­ge­streut wer­den und ein nicht ange­mes­se­ner Kom­mu­nion­emp­fang begün­stigt wird. Der Krieg zwi­schen Micha­el und sei­nen Engeln auf der einen Sei­te und Luzi­fer auf der ande­ren, setzt sich wirk­lich in den Her­zen der Gläu­bi­gen fort: Die Ziel­schei­be Satans sind das Meß­op­fer und die Real­prä­senz Jesu in der kon­se­krier­ten Hostie.“ Die­ser Angriff erfolgt auf zwei Schienen.

  • Die erste Schie­ne ist „die Redu­zie­rung des Ver­ständ­nis­ses von der Real­prä­senz“ mit dem Ver­damp­fen des Begriffs „Trans­sub­stan­tia­ti­on“.
  • Die zwei­te ist „der Ver­such, den Sinn für das Hei­li­ge aus den Her­zen der Gläu­bi­gen zu entfernen“.

Kar­di­nal Sarah schreibt:

„Wäh­rend der Begriff ‚Trans­sub­stan­tia­ti­on‘ uns die Wirk­lich­keit der Gegen­wart ver­deut­licht, läßt uns der Sinn für das Hei­li­ge die abso­lu­te Ein­zig­ar­tig­keit und Hei­lig­keit erken­nen. Was für ein Unglück wäre es, den Sinn für das Hei­li­ge genau zu dem zu ver­lie­ren, was das Hei­lig­ste ist! Und wie ist das mög­lich? Indem wir die außer­ge­wöhn­li­che Spei­se wie eine ganz nor­ma­le Nah­rung zu uns nehmen.“

Dann mahnt der Kardinal:

„Kein Prie­ster wage es, sei­ne Auto­ri­tät in die­ser Fra­ge auf­zu­zwin­gen, indem er jene, die die knien­de Mund­kom­mu­ni­on emp­fan­gen wol­len, zurück­weist oder schlecht behan­delt: Wir kom­men als Kin­der und emp­fan­gen den Leib Chri­sti demü­tig und in den Mund.“

Die Anmer­kun­gen von Kar­di­nal Sarah sind mehr als rich­tig. Sie sind vor dem Hin­ter­grund eines Säku­la­ri­sie­rungs­pro­zes­ses der Lit­ur­gie zu sehen, der sei­nen Ursprung im zwei­deu­ti­gen Novus Ordo Mis­sae von Paul VI. vom 3. April 1969 hat, des­sen unglück­se­li­gen 50. Jah­res­ta­ges im kom­men­den Jahr gedacht wer­den wird.

Die­se Lit­ur­gie­re­form, wie die Kar­di­nä­le Otta­via­ni und Bac­ci im Vor­wort zu ihrer Kur­zen kri­ti­schen Unter­su­chung schrei­ben, stellte

„sowohl im Gan­zen wie in den Ein­zel­hei­ten ein auf­fal­len­des Abrücken von der Theo­lo­gie der hei­li­gen Mes­se dar, wie sie in der XXII. Sit­zung des Kon­zils von Tri­ent for­mu­liert wurde“.

Die tra­di­tio­nel­le Theo­lo­gie der Mes­se wur­de durch eine neue ersetzt, die den Begriff des Opfers bei­sei­te gelegt und in der Pra­xis den Glau­ben an die Eucha­ri­stie geschwächt hat.

Ande­rer­seits: Was sind die Öff­nung gegen­über den wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen, die durch das Apo­sto­li­sche Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia ermu­tigt wird, und die Inter­kom­mu­ni­on mit den Pro­te­stan­ten, die von vie­len Bischö­fe gewünscht wird, ande­res als eine Schmä­hung der Eucha­ri­stie? Der Bolo­gne­ser Prie­ster Don Alfre­do Mor­sel­li hat die theo­lo­gi­schen Wur­zeln her­aus­ge­ar­bei­tet, die den Zusam­men­hang zwi­schen Amo­ris lae­ti­tia und der Inter­kom­mu­ni­on mit den Evan­ge­li­schen bilden.

Wir wol­len dem noch hin­zu­fü­gen, daß der Angriff gegen die Eucha­ri­stie wegen der engen Ver­bin­dung die­ser bei­den Sakra­men­te heu­te zu einem Angriff gegen das Wei­he­sa­kra­ment gewor­den ist. Die sicht­ba­re Ver­fas­sung der Kir­che grün­det auf der Ord­nung: das Sakra­ment der Tau­fe läßt die Getauf­ten Anteil am Prie­ster­tum Chri­sti haben; das Prie­ster­tum wird in erster Linie durch die Dar­brin­gung des eucha­ri­sti­schen Opfers aus­ge­übt, das das Wun­der der Trans­sub­stan­tia­ti­on ver­langt, die zen­tra­les Dog­ma des katho­li­schen Glau­bens ist.

Wenn die Gegen­wart Chri­sti im Taber­na­kel nicht real und sub­stan­ti­ell ist, und die Mes­se auf ein blo­ßes Gedächt­nis oder Sym­bol des­sen redu­ziert ist, was auf dem Kal­va­ri­en­berg gesche­hen ist, braucht es kei­ne Prie­ster, die das Opfer dar­brin­gen, und mit der Hier­ar­chie der Kir­che, die im Prie­ster­stand grün­det, löst sich auch die Ver­faßt­heit der Kir­che und ihres Lehr­am­tes auf.

In die­sem Sinn besteht ein Zusam­men­hang zwi­schen der Zulas­sung der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen und der Pro­te­stan­ten zur Eucha­ri­stie einer­seits und der For­de­rung, auch ver­hei­ra­te­te Lai­en zum Prie­ster­tum zuzu­las­sen und auch Frau­en die nie­de­ren Wei­hen zu spen­den ande­rer­seits. Der Angriff gegen die Eucha­ri­stie ist ein Angriff gegen das Priestertum.

Es gibt nichts Grö­ße­res, Schö­ne­res und Bewe­gen­de­res als die Barm­her­zig­keit Got­tes gegen­über dem Sün­der. Die­ses Herz, das die Men­schen so sehr geliebt hat, will uns auf die Für­bit­te des Unbe­fleck­ten Her­zens Mari­ens, mit dem es untrenn­bar ver­bun­den ist, zur ewi­gen Glück­se­lig­keit im Him­mel füh­ren, und nie­mand, nicht ein­mal der hart­näckig­ste Sün­der, kann die­se erlö­sen­de Lie­be bezweifeln.

Des­halb dür­fen wir nie das Ver­trau­en in Gott ver­lie­ren, son­dern haben die­ses Ver­trau­en bis zum äußer­ten Ende unse­res Lebens zu bewah­ren, weil nie jemand von die­sem bren­nen­den Ver­trau­en hin­ter­gan­gen wur­de. Der Herr betrügt uns nicht. Wir aber sind imstan­de, Ihn zu betrü­gen, und wir kön­nen auch uns selbst betrü­gen. Es gibt kei­nen grö­ße­ren Betrug als den, glau­ben zu machen, es sei mög­lich, geret­tet zu wer­den, ohne die eige­nen Sün­den zu bereu­en und ohne den katho­li­schen Glau­ben zu bekennen.

Wer sün­digt, oder in der Sün­de lebt, ret­tet sich, wenn er bereut. Wenn er aber meint, Gott betrü­gen zu kön­nen, ret­tet er sich nicht. Es ist nicht Gott, der ihn ver­ur­teilt, son­dern er selbst, indem er unwür­dig die Sakra­men­te emp­fängt und sich dadurch das eige­ne Gericht ißt und trinkt. Der hei­li­ge Pau­lus erklärt es den Korin­thern mit deut­li­chen Worten:

„Wer also unwür­dig von dem Brot ißt und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schul­dig am Leib und am Blut des Herrn.
Jeder soll sich selbst prü­fen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken.
Denn wer davon ißt und trinkt, ohne zu beden­ken, daß es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er ißt und trinkt“ (1 Kor 11,27–29).

Der Hei­li­ge Pau­lus stell­te dann fest, daß in der Kir­che von Korinth wegen sakri­le­gi­scher Kom­mu­nio­nen vie­le Per­so­nen auf myste­riö­se Wei­se erkrank­ten und star­ben (1 Kor 11,30).

Trau­rig ist das Schick­sal derer, die nicht zu den Sakra­men­ten gehen, weil sie in der Sün­de blei­ben wol­len. Schlim­mer ist das Schick­sal derer, die sakri­le­gisch die Sakra­men­te emp­fan­gen, ohne in der Gna­de Got­tes zu sein. Noch schwer­wie­gen­der ist die Sün­de derer, die die Gläu­bi­gen ermu­ti­gen, im Stand der Sün­de die Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen, oder die Eucha­ri­stie unrecht­mä­ßig spen­den. Das sind die Schmä­hun­gen, die das Hei­lig­ste Herz Jesu und das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens ver­wun­den und am tief­sten durchbohren.

Das sind die Sün­den, die unse­re Süh­ne ver­lan­gen, die unse­re Anwe­sen­heit vor dem Taber­na­kel for­dern, die unse­re öffent­li­che Ver­tei­di­gung der Eucha­ri­stie gegen jede Art von Schän­dern ein­for­dert. Indem wir das tun, sichern wir uns unser Heil und das unse­res Näch­sten und wer­den das Kom­men der Herr­schaft Jesu und Mari­ens in der Gesell­schaft beschleu­ni­gen, deren Auf­rich­tung auf den Rui­nen der moder­nen Welt nicht auf sich war­ten las­sen wird.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: lucechesorge.org (Screen­shot)

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