Von Caminante Wanderer*
In der vergangenen Woche besuchte Papst Leo XIV. Frankreich. Es war seine zweite bedeutende Reise in ein europäisches Land, und wie schon in Spanien glaube ich, daß sie ein großer Erfolg war. Ich habe es damals gesagt und wiederhole es jetzt mit noch größerer Überzeugung: Ich glaube, daß wir vor einer Rückkehr in die Art von Johannes Paul II. stehen, mit allen Vor- und Nachteilen, die dies mit sich bringt. Und folglich vor der endgültigen Überwindung des Bergoglianismus.
Ich weiß, daß letzteres im konservativen und traditionalistischen Milieu ein heftig umstrittenes Thema ist, und ich werde es in zwei Artikeln vertiefen, die ich in der kommenden Woche veröffentlichen werde. Hier wird mich dieses allerdings Thema nicht beschäftigen: Wir werden uns zu gegebener Zeit damit befassen.
Was mich hingegen interessiert, ist eine ehrliche Analyse der Papstreise in das französische Land. Dabei möchte ich betonen, daß sich meine Einschätzungen auf das beziehen, was der Papst während dieser Reise gesagt hat, und nicht auf seine Entscheidungen oder Reden in Rom oder bei anderen Gelegenheiten. Mit anderen Worten: Ich fälle kein Gesamturteil über das noch junge Pontifikat Leos XIV., sondern nur über einen sehr kleinen Ausschnitt daraus: seine apostolische Reise nach Frankreich.
Die Reaktion der säkularen Presse
Als erstes hat mich die Reaktion der säkularen und antichristlichen Presse sehr beeindruckt. Sie bewegte sich zwischen Bestürzung und Schweigen. Der Blog Messa in Latino veröffentlichte vor einigen Tagen einen kurzen Überblick über diese Artikel, dessen Lektüre interessant ist.
Der progressive Journalismus, der nahezu die gesamte Medienlandschaft ausmacht, konnte den ausgelösten Enthusiasmus nicht leugnen, auch wenn seine Bewertung eindeutig war. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Reise ihn völlig überrascht hat.
Während die wortgewandte [persönliche Freundin von Franziskus] Elisabetta Piqué in völliges Schweigen verfiel, erklärte María Laura Avignolo, Frankreich-Korrespondentin der Zeitung Clarín:
„Nur selten hat ein Pontifex so radikal zum geistlichen Imperativ der Umkehr aufgerufen.“
Und anschließend fügte sie hinzu, in den Worten Leos XIV. erscheine:
„Eine Spiritualität, die die katholische Kirche immer vertreten hat. Über die sie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil allerdings sehr viel weniger gesprochen hat.“
In Frankreich wurde Bernadette Sauvaget, Journalistin der Libération – jener von Sartre gegründeten und historisch bedeutenden Zeitung der französischen Linken –, die auf religiöse Fragen spezialisiert ist, ins französische Fernsehen eingeladen, um die Gebetsvigil Leos XIV. vor 80 000 Jugendlichen im Stade de France zu kommentieren.
Dort sagte sie, sichtlich irritiert, es mache ihr Angst, das Wiederaufleben des Katholizismus unter den französischen Jugendlichen zu sehen.
Man hatte nicht nur mit einem derart massenhaften Zustrom von Gläubigen zu den päpstlichen Feiern nicht gerechnet – und vor allem nicht mit Jugendlichen statt älteren Nostalgikern. Man hatte auch nicht mit der Klarheit und Entschiedenheit der päpstlichen Botschaft gerechnet.
Man war davon ausgegangen, daß mit Franziskus die öffentliche Bekräftigung des katholischen Glaubens endgültig begraben worden sei.
Das aber ist nicht geschehen.
Die päpstlichen Ansprachen
Ich beschloß, sämtliche Ansprachen des Papstes in Frankreich zu lesen. Das nahm einen ganzen Vormittag in Anspruch, war aber geistlich bereichernd.
Seit ich vor weit mehr als einem Jahrzehnt Spe salvi von Papst Benedikt XVI. gelesen hatte, war ich durch päpstliche Texte nicht mehr in dieser Weise erbaut worden.
Ich kann sagen, daß Papst Leo uns während seiner Frankreichreise im Glauben bestärkt hat – und genau das ist seine eigentliche Aufgabe. Wie sollte man beispielsweise folgende Worte anders beurteilen?
Ja, Gott ist der Herr der Geschichte, und was auch immer geschieht: Er führt sie zum Heil. In Christus hat alles Böse ein Ende, gerade weil das Ende zum Anfang eines neuen und ewigen Lebens wird.
Oder diese:
Ja, das ewige Leben ist eine feste und sichere Verheißung, die der Herr uns gibt. Er hat sie uns bereits durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung erworben, und er läßt sie schon jeden Tag durch die Gnade der Taufe in uns Wirklichkeit werden.
Einer der Aspekte, die sofort ins Auge springen, ist die Zentralität Jesu Christi, die in all seinen Worten sichtbar wird. Der Herr erscheint stets als Mittelpunkt seiner Predigten und Reden, die er im religiösen Rahmen gehalten hat.
Vergessen wir nicht, daß wir aus einer Zeit kommen, in der der argentinische Pontifex im Sumpf eines billigen Soziologismus herumstocherte und es beispielsweise vorzog, den apostolischen Segen nicht zu erteilen, um Nichtchristen nicht zu verletzen.
Der Unterschied ist abgrundtief.
Ein weiteres Element in derselben Richtung: Nur ein einziges Mal erwähnte er in all seinen Ansprachen, und auch dann nur ganz am Rande, die berühmte Synodalität. Das geschah, als er sich in Lourdes an die französischen Bischöfe wandte. Nur ein einziges Mal!
Nicht einmal, als er sich in Paris mit der „Synodalversammlung“ dieser Diözese traf, nahm er auf dieses Thema bezug.
Erinnern wir uns daran, daß bis vor einigen Monaten „Synodalität“ das Zauberwort war, das in praktisch jeder Rede von Ordensfrauen, Priestern und Bischöfen unbedingt vorkommen mußte.
Mein Eindruck – und diesen habe ich bereits seit den ersten Monaten seines Pontifikates –, ist, daß Leo XIV. diese Frage langsam abkühlen lassen wird und die Synode über die Synodalität schließlich den Hungertod sterben wird.
Wir werden sehen.
Aber es lohnt sich nicht, bei den Unterschieden zum vorherigen Pontifikat stehenzubleiben. Sie sind offensichtlich, und das Offensichtliche muß nicht bewiesen werden. Konzentrieren wir uns auf andere positive und bemerkenswerte Aspekte.
Die Heiligen Frankreichs
Einer davon ist die Tatsache, daß Papst Leo in fast all seinen Ansprachen immer wieder an die Heiligen Frankreichs erinnert – und davon gibt es Legionen.
Dabei bezieht er sich nicht auf zeitgenössische und ökumenisch vorzeigbare Heilige zweifelhafter Qualität, sondern auf die altehrwürdigen Heiligen der „ältesten Tochter der Kirche“, auf jene, die „den wahren Gott anbeten“. In seiner Predigt auf der Place de la Concorde sagte er:
Das lebendige Wasser des Heiligen Geistes ist in Fülle ausgegossen worden und bringt in der Kirche weiterhin Frucht hervor durch die Missionare und Zeugen, die in allen Kulturen und unter allen Völkern gegenwärtig sind. Dieses Wasser macht alles fruchtbar, was sich von ihm berühren und verwandeln läßt, um seine Frucht hervorzubringen: die Heiligkeit jener, die den wahren Gott anbeten und ihren Brüdern und Schwestern mit Liebe und Großzügigkeit dienen. In diesem schönen Land Frankreich haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele an diesem lebendigen Wasser gelabt und ihr Leben ganz dem Guten geweiht: die ersten Märtyrer wie Blandina, Potinus und Irenäus; die heiligen Gründer und Gründerinnen religiöser Orden; die heiligen Bischöfe wie Martin von Tours und Franz von Sales; Männer und Frauen mit einem Herzen, das für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen empfänglich war, wie Vinzenz von Paul, Frédéric Ozanam, Jeanne Jugan und viele andere.
Zu den Jugendlichen sagte er:
Schaut auf das Beispiel der Heiligen: Selbst in Zeiten der Verfolgung haben diese unsere Brüder und Schwestern Wege des Friedens eröffnet. Schaut auf jene Priester, die leidenschaftlich für Christus waren, wie den heiligen Eugen von Mazenod und den heiligen Johannes Maria Vianney; betrachtet die mystische Schönheit der heiligen Therese von Lisieux; die selige Pauline Jaricot, die glühend in der Liebe und in der Mission war; den Mut der fünfzig Märtyrer des Apostolates aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die ihren Brüdern und Schwestern bis hin zur Hingabe ihres Lebens dienten. Die Heiligen haben den Lauf der Geschichte verändert, indem sie viele Menschen vom Leiden zur Hoffnung führten, weil sie zuerst ihre eigenen Herzen verändert und sie im Licht des Glaubens verwandelt hatten.
Und später, in derselben Ansprache an die Jugendlichen:
Außerdem haben wir die Heiligen als Verbündete: Sie sind Freunde, die uns in den Prüfungen tragen. Liebe Freunde, wenn die Entscheidungen des Lebens Mut erfordern, nehmt ihre Fürsprache in Anspruch und ahmt ihr Beispiel nach. Wie wir in den Litaneien gesungen haben, versichert uns der Atem der Heiligen, daß wir im Gebet niemals allein sind, daß wir in der Kirche niemals allein sind.
Nicht nur das: Als Beispiel für eine kämpferische Frau stellte er ihnen sogar die heilige Jeanne d’Arc vor – ich weiß nicht, ob Benedikt XVI. sich zu so viel gewagt hätte:
In diesem Zusammenhang gibt uns der Apostel ein drittes Verb: kämpfen. Denn dem Bösen zu entfliehen und nach dem Guten zu streben bedeutet, zu kämpfen. Ja, zu kämpfen, wie es der heilige Paulus getan hat, der häufig mit einem Schwert in der Hand dargestellt wird – als Zeichen des Wortes Gottes, des „Schwertes des Geistes“ (Eph 6,17). Dieses Verb erklingt hier in Frankreich, dem Land der heiligen Jeanne d’Arc, einer jungen Frau, die mit Kühnheit zu kämpfen wußte.
Die Bedeutung der Liturgie
Ein weiterer sehr positiver Aspekt besteht darin, daß er mehrfach die Bedeutung der Liturgie für das christliche Leben und für die Bekehrung der Katechumenen hervorhob, deren Zahl in den vergangenen Jahren exponentiell zugenommen hat. Zu den Priestern und Ordensleuten sagte er:
Euch, die ihr täglich die Eucharistie feiert, bitte ich darauf zu achten, daß die liturgischen Feiern immer in Würde und mit gebührendem Anstand begangen werden, auch dort, wo sich kleinere Gemeinschaften versammeln. Seid bewußte Erben der Väter und Heiligen der Kirche, die uns im Laufe der Jahrhunderte die tiefe Bedeutung und Schönheit der Liturgie überliefert haben und dabei stets eine große Demut vor dem gefeierten Geheimnis bezeugten. Das Zweite Vatikanische Konzil, dessen Reichtum Frankreich viel verdankt, hat dieses Erbe in herausragender Weise aufgenommen und vertieft und dabei seinen zentralen Platz im Leben der Kirche anerkannt (vgl. Sacrosanctum Concilium, 10). Ich ermahne euch daher alle, Bischöfe, Priester, Diakone und Ordensleute, eine echte Liebe zur Liturgie zu pflegen und Zeugen und Diener der prophetischen, priesterlichen und königlichen Berufung des ganzen Volkes Gottes zu sein.
Bei einer anderen Gelegenheit sagte er:
Die Liturgie kann nämlich nicht als etwas „Nachträgliches“ zur Katechese betrachtet werden, als würde man in ihr lediglich das in die Praxis umsetzen, was während des Weges gelernt wurde. Die Liturgie offenbart und vergegenwärtigt das Paschamysterium Christi und ist deshalb das Ereignis, das den Sinn der Frohen Botschaft offenbaren und das Leben Gottes selbst mitteilen kann. Mit ihren Rhythmen, ihren Sprachen und ihren Riten ist sie ein wesentlicher Bestandteil des eigentlichen Weges der Bekehrung und der Vorbereitung auf die Sakramente.
Lebensschutz, Euthanasie und religiöse Erziehung
Es waren allerdings nicht diese Themen – von denen wir Katholiken wissen, daß sie die wichtigsten sind –, die die Progressiven in Erstaunen versetzten.
Es waren vielmehr die Fragen, die die zeitliche Ordnung betreffen, oder besser gesagt: die kristallklare Art und Weise, in der er sich dazu äußerte – und das in einem Frankreich, das stolz auf seinen Laizismus ist.
Der Jesuit Spadaro dürfte sprachlos gewesen sein, als er die päpstlichen Ansprachen hörte. Auf seinem X‑Account hatte er vorher prophezeit, Leo XIV. werde auf diese Fragen nur in Lourdes eingehen, vor einem kleinen und gezielt ausgewählten Publikum.
Gemeint waren Themen wie Abtreibung, Euthanasie oder religiöse Erziehung.
So kam es aber nicht.
Er sprach darüber in Lourdes, aber ebenso gegenüber Macron im Élysée-Palast und gegenüber den europäischen Spitzenpolitikern in Metz. Zum Thema Lebensschutz sagte er:
Kein menschliches Gesetz darf uns jedoch die Gewißheit ihrer Würde nehmen. Im Gegenteil: Gerade im Namen dieser unveräußerlichen Würde der menschlichen Person muß die Versuchung entschieden zurückgewiesen werden, unter dem Vorwand eines falschen Mitgefühls Leben zu nehmen. Es kann nicht als normal angesehen werden, ein Leben zu beenden. Was legal ist, ist nicht notwendigerweise moralisch. Niemand hat jemals das Recht, auf der Grundlage von Laboralgorithmen über das Leben eines bestimmten Embryos oder eines bestimmten alten Menschen zu entscheiden! Die Medizin darf niemals zur Dienerin eines programmierten Todes werden!
Bei einer anderen Gelegenheit äußerte er sich in ähnlicher Weise.
Zur religiösen Erziehung sagte er zu den Bischöfen:
Ich fordere euch auf, wachsam zu bleiben, um die Freiheit und die Rechte der Kirche zu verteidigen, zu evangelisieren, zur wahren Freiheit zu erziehen und den Gottesdienst öffentlich auszuüben, damit die Nächstenliebe im Namen Jesu Christi sichtbar gelebt werden kann. Die katholische Bildung kann jedoch keinesfalls auf ihr Erziehungsprojekt verzichten – auf ein Projekt, das auf Christus ausgerichtet ist und die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in all seinen Dimensionen zum Ziel hat: in der geistlichen, kulturellen, intellektuellen, moralischen und sozialen Dimension. Deshalb darf es niemanden überraschen, daß an jeder katholischen Schule Möglichkeiten geschaffen werden, Jesus Christus zu begegnen und sein Wort zu hören. Und erst recht sollte kein Schüler in seiner Klasse ausgegrenzt werden, weil er an Jesus glaubt.
„Habe ich mich damit in die Politik eingemischt?“
Zu diesen heiklen Fragen, denen er nicht auswich, sondern die er klar ansprach, nahm er auf der Pressekonferenz während des Rückfluges Stellung. Journalisten hatten ihm vorgeworfen, er habe sich in die Politik eingemischt. Er antwortete:
Es mag Politiker geben, sagen wir von links oder von rechts, die behaupten, Religion müsse ausschließlich auf den privaten Bereich beschränkt bleiben: Die Menschen sollen privat tun können, was sie wollen, aber als Staat müssen wir uns heraushalten. Als ich nach Frankreich ging, tat ich dies in erster Linie, um das Evangelium zu verkünden, die Frohe Botschaft bekanntzumachen und das zu bekräftigen, was Jesus Christus selbst sagt, wenn er erklärt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – also um die Wahrheit zu verkünden, die Jesus uns anbietet. Der Schutz des Lebens ist ein Thema, das die Kirche, wie ihr alle wißt, lehrt und an das sie zutiefst glaubt. Und so wußte ich natürlich einerseits, daß in Frankreich vor kurzem ein Gesetz [zur Euthanasie] verabschiedet worden war, während in anderen europäischen Ländern und in anderen Teilen der Welt Fragen im Zusammenhang mit dem Lebensende diskutiert werden. […] Deshalb würde ich sagen: Wenn das Politik ist, dann habe ich Politik betrieben – aber nicht, um mich in die französische Politik einzumischen. Ich habe es getan, um das zu lehren, woran die Kirche wirklich glaubt.
Europa und das Christentum
In Metz, wo er mit Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft sowie europäischen Spitzenpolitikern zusammentraf, sagte Papst Leo:
Um diese lange Geschichte zu verstehen, darf man jedoch einen weiteren Vater Europas nicht auslassen: den heiligen Benedikt, den Paul VI. 1964 zum Patron Europas erklärte und ihn einen „Boten des Friedens, Vollbringer der Einheit, Lehrer der Zivilisation“ nannte. Die Hilfe für die Armen, Kranken und Alten; die Erziehung der Kinder und die Universitäten; die Krankenhäuser und die Medizin; Architektur und Ingenieurwesen; die Entwicklung der Wissenschaften; das Recht und die Organisation der Städte und der Staaten selbst: So viele Bereiche Europas sind zutiefst vom heiligen Benedikt und seinen Mönchen geprägt worden! Ohne dieses monastische Erbe würde die europäische Zivilisation, wie wir sie kennen, nicht existieren. Hier in Metz herrschte dank des Wirkens unter anderem des heiligen Chrodegang ein benediktinischer Geist der Brüderlichkeit, der Gemeinschaft und des gemeinsamen Lebens. Von hier aus verbreitete sich der Gregorianische Choral in den karolingischen Gebieten und brachte Harmonie und Schönheit über den gesamten Kontinent. Man kann nicht über Europa sprechen, ohne das Christentum zu erwähnen.
Und im selben Zusammenhang sagte er:
Den Jugendlichen sage ich: Habt den Mut, die Aufgabe, Frieden aufzubauen, verantwortungsvoll zu leben – in eurem Herzen, in euren Beziehungen, in eurer Familie, in den Schulen und Universitäten, im Leben eurer Städte, eurer Dörfer und ganz Europas. Habt keine Angst davor, eine Familie zu gründen, Kinder zu haben und die Würde jedes Menschen zu verteidigen – vom ersten Augenblick im Schoße der Mutter bis zu seinem letzten Atemzuge.
Die Einheit mit dem Nachfolger Petri
Schließlich war es vorhersehbar, daß der römische Pontifex auf die schmerzhafte Wunde zu sprechen kommen würde, welche die Bischofsweihen von Écône der Kirche zugefügt haben, denn in Frankreich ist diese Bewegung am stärksten verbreitet. Und er tat dies bei zwei Gelegenheiten, jeweils in Form einer Ermahnung. In einer Predigt sagte er:
Stellt daher die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche über eure persönlichen Empfindlichkeiten, um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen.
Und in seiner Ansprache an die Bischöfe:
Diese Einheit ist keine bloße Gleichförmigkeit. Sie ermöglicht vielmehr, daß jede wirklich katholische Sensibilität auf natürliche Weise in einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis zusammenfindet – durch den Gehorsam gegenüber den rechtmäßigen Hirten und insbesondere gegenüber dem Nachfolger Petri, dem „Prinzip und Fundament, dem immerwährenden und sichtbaren, der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft“ (LG 18). Es handelt sich um eine dynamische Einheit, die sich aus der Tradition der Kirche – von den Vätern bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil – und aus dem nachkonziliaren Lehramt nährt.
Nicht alles muß schlechtgeredet werden
Wie gesagt, ich habe sämtliche Ansprachen gelesen, die der Heilige Vater während seiner Frankreichreise gehalten hat.
Natürlich finden sich darin auch belanglose Dinge und einige wenige andere Aussagen, die mir nicht besonders gefallen haben. Aber das ist normal und vorhersehbar.
Was mir hingegen weder normal noch gerecht erscheint – auch wenn es vorhersehbar war –, ist, daß einige bereits begonnen haben, in gönnerhaftem und mahnendem Ton zu warnen: „Laßt euch nicht von den lateinischen Worten und den Feierlichkeiten täuschen!“
Als Begründung für diese Warnung verwiesen sie auf eine einzige Passage, die der Papst am ersten Tag seiner Reise gesagt hatte und in der er von den „Idealen“ der Französischen Revolution spricht.
Darin liegt weder aufrichtige Absicht noch Ehrlichkeit: Sie blenden sämtliche Reden des Papstes aus, um ihn wegen eines einzigen Absatzes anzugreifen – eines Textes, den sie im übrigen auf möglichst verdrehte Weise zu interpretieren versuchen. Der Heilige Vater sagte:
Frankreich hat der Welt echte Errungenschaften geschenkt, darunter die Anerkennung der „Menschenrechte“, die in der Natur der menschlichen Person begründet sind, insbesondere des Rechtes auf Religionsfreiheit. Diese dauerhafte Aufmerksamkeit für die jeder menschlichen Person innewohnende Würde findet ihren Widerhall in seinem nationalen Wahlspruch. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind keine bloßen Worte, die an den Giebeln seiner öffentlichen Gebäude eingraviert sind, sondern verweisen auf universale ethische Forderungen, die auch in der Botschaft des Evangeliums eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und der Erfüllung finden.
Die Schwere dieser Äußerungen besteht ihnen zufolge darin, daß der revolutionäre Wahlspruch im Evangelium begründet werde. Doch sie lesen nicht den gesamten Satz. Der Papst sagt nicht, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit seien im Evangelium begründet, als wäre die Bergpredigt ein Entwurf für die Erklärung von 1789 gewesen.
Er sagt vielmehr, daß diese ethischen Prinzipien in der Botschaft des Evangeliums „eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration und der Erfüllung“ finden. Und er verankert die Menschenrechte in der Natur der menschlichen Person – nicht im Willen der Allgemeinheit und auch nicht im Gesellschaftsvertrag Rousseaus.
Die Richtung seines Argumentes ist genau das Gegenteil dessen, was ihm die Maximalisten vorwerfen.
Es geht nicht von der Revolution zum Evangelium, sondern vom Evangelium hin zu einigen Worten, die, aus ihrem ursprünglichen Boden herausgerissen, verwaist an den Fassaden Frankreichs herumstehen.
Es ist die alte Logik der Gnade, die die Natur nicht zerstört, sondern sie vollendet – und die, wenn möglich, auch die Sprache der Menschen vervollkommnet.
Die Kirche und die „getauften“ Begriffe
Nichts davon ist neu. Der heilige Paulus begann seine Predigt auf dem Areopag nicht damit, die Götzenverehrung der Athener anzuprangern und die Altäre niederzureißen, obwohl sein Geist angesichts der mit Götzenbildern erfüllten Stadt entbrannt war. Statt dessen griff er die Inschrift eines dieser heidnischen Altäre auf: „Dem unbekannten Gott“ und sagte zu ihnen:
„Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.“
Und um die damaligen Unersättlichen noch mehr zu empören, zitierte er einen heidnischen Dichter, Aratos von Soloi:
„Denn auch wir sind von seinem Geschlecht.“
Der heilige Justinus sah in der Weisheit der Griechen verstreute Samen des Logos.
Der heilige Augustinus forderte dazu auf, den Ägyptern ihr Gold zu nehmen, um es in den Dienst Christi zu stellen.
Und Gregor der Große schrieb an den Abt Mellitus, er solle die Tempel der Angelsachsen nicht niederreißen, sondern sie mit Weihwasser reinigen und dem wahren Gott weihen, damit das Volk, wenn es weiterhin an die gewohnten Orte komme, lerne, denjenigen anzubeten, den es bislang nicht gekannt hatte.
Die Kirche hat niemals geglaubt, daß Evangelisierung damit beginnen müsse, das Vokabular des Gesprächspartners zu verbrennen. Sie zog es immer vor, es zu taufen.
Und um so mehr gilt das, wenn dieses Vokabular im Grunde gestohlen ist. Denn die revolutionäre Dreierformel ist nicht aus dem Nichts entstanden:
- Es gibt keine Brüderlichkeit ohne einen gemeinsamen Vater.
- Die Gleichheit der Menschen verkündete der heilige Paulus den Galatern lange vor der Nationalversammlung.
- Und die Freiheit ist jene Freiheit, zu der Christus uns befreit hat.
Chesterton hat dies mit seiner gewohnten Scharfsinnigkeit erkannt: Die moderne Welt ist voller alter christlicher Tugenden, die verrückt geworden sind, weil sie voneinander getrennt wurden und nun einzeln umherwandern.
Ihnen ihren Verstand zurückzugeben bedeutet nicht, vor der Revolution zu kapitulieren, sondern das zurückzufordern, was immer schon unser war.
Und wer glaubt, ein Papst könne solche Worte nicht aussprechen, ohne damit die Guillotine zu segnen, sollte erklären, warum der heilige Paulus Aratos zitieren konnte, ohne damit Zeus Weihrauch darzubringen.
Und nun: Argentinien
Ich möchte mit einer Frage und einer Prophezeiung schließen. Wie wird der Besuch Leos XIV. in Argentinien aussehen?
Die Franzosen – das muß man einfach sagen – haben die Spanier bei weitem übertroffen. Alles war in Gallien von höherer Qualität, von den Liturgien bis hin zur berühmten Gebetswache mit den Jugendlichen.
Aber ich glaube, unsere spanischen Brüder können sich beruhigen: Die Argentinier werden ihnen diesmal – anders als im Fußball – beim Schlampigkeitsgrad, bei der Vulgarität und beim schlechten Geschmack deutlich überlegen sein.
Das befürchte ich aufgrund einiger Informationen, die allmählich durchsickern. Bei der Gebetsvigil mit den Jugendlichen wird beispielsweise Abel Pintos singen! Zum Glück wurde nicht dem Vorschlag eines der mit der Organisation beauftragten Priester gefolgt, Pater Fabrizio Maranzana (googelt ihn, und ihr werdet erfahren, wer er ist), der vorgeschlagen hatte, die Veranstaltung von dem Model und der Frau unzähliger Ehemänner und Liebhaber, Pampita Ardohain, moderieren zu lassen. Wird sie durch Flor de la V. oder Lizi Tagliani ersetzt?
Und nun meine Prophezeiung: Der Heilige Vater wird einige Wahrheiten aussprechen, die der Regierung überhaupt nicht gefallen werden – und das ist auch richtig so.
Aber er wird auch einige Wahrheiten aussprechen, die den verwitweten Anhängern von Franziskus unter den argentinischen Bischöfen überhaupt nicht gefallen werden – jenen, die wie Zombies weiterhin durch das argentinische Land wandern, Schaden anrichten und Angst und Schrecken verbreiten.
*Caminante Wanderer ist ein argentinischer Philosoph und Blogger.
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanMedia (Screenshot)
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