Die Piusbruderschaft, die Osmose und die Billigkeit – eine Stellungnahme aus dem Volk

Das Gebot der Stunde


Priesterweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX)
Priesterweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX)

Von Wolf­ram Schrems*

Seit der Ankün­di­gung von Bischofs­wei­hen durch die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. am 2. Febru­ar wur­den in den ver­schie­de­nen Inter­net­me­di­en, in pri­va­ten wie kir­chen­of­fi­zi­el­len, zahl­rei­che mehr oder weni­ger sach­ge­rech­te Infor­ma­tio­nen und mehr oder weni­ger qua­li­täts­vol­le Kom­men­ta­re dazu veröffentlicht.

Offen­bar emo­tio­na­li­siert das The­ma vie­le Zeit­ge­nos­sen: Die geplan­te Wei­he impli­ziert eine wohl­be­grün­de­te Kri­tik an den herr­schen­den Zustän­den in der Kir­che. Sie ist ein Wider­spruch gegen das II. Vati­ca­num und des­sen mehr­deu­ti­ge und pro­ble­ma­ti­sche Tex­ten, gegen die fälsch­lich so genann­te, desa­strö­se „Lit­ur­gie­re­form“ und gegen die kata­stro­pha­le Poli­tik der nach­kon­zi­lia­ren Päp­ste. Hier ist beson­ders der fak­ti­sche Bruch des Ersten Gebots durch die inter­re­li­giö­sen „Gebets­tref­fen“ in Assi­si (1986, 1993, 2002, 2011 und 2016) und den Skan­dal von Abu Dha­bi (2019) zu nen­nen. Dazu kom­men die Zer­stö­rung der Moral und zuletzt die schänd­li­che Leug­nung der Vor­zü­ge der Gottesmutter.

Wer Augen hat, muß den apo­ka­lyp­ti­schen Ver­fall der Kir­che und die dar­aus resul­tie­ren­den Ver­hee­run­gen in der Welt erken­nen. Wie hier schon öfter the­ma­ti­siert, ist spe­zi­fisch die Ver­wer­fung der For­de­run­gen von Fati­ma durch die Hier­ar­chie selbst deren Ursache. –

Auf die­sem dunk­len Hin­ter­grund leuch­tet das Wir­ken einer im Welt­maß­stab rela­tiv klei­nen Gemein­schaft umso hel­ler. Ist es nicht erstaun­lich, daß die zwei Bischö­fe und die etwa 730 Prie­ster der Bru­der­schaft welt­kirch­lich der­ma­ßen stark auf­fal­len? Ihre schie­re Exi­stenz for­dert offen­bar die Erzäh­lung vom „kon­zi­lia­ren Auf­bruch“ und „neu­en Pfing­sten“ her­aus (letz­te­re Phra­se aus der Zeit von Papst Johan­nes XXIII. ist mitt­ler­wei­le etwas aus der Mode gekom­men). Sie ist der sprich­wört­li­che Sta­chel im Fleisch und erzeugt Unbe­ha­gen, mög­li­cher­wei­se sogar ein schlech­tes Gewis­sen. Oder wie es das Weis­heits­buch über den Gerech­ten sagt: „Er ist unse­rer Gesin­nung ein leben­di­ger Vor­wurf, schon sein Anblick ist uns lästig“ (Weish 2, 14). –

Als jeman­dem, der durch einen län­ge­ren Pro­zeß einen Weg vom Novus-Ordo-Katho­li­zis­mus zur Tra­di­ti­on hin­ter sich hat, sei mir ein Kom­men­tar zu den aktu­el­len Vor­gän­gen gestat­tet, gleich­sam als Stim­me aus dem Volk, vox popu­li. Die Absicht ist, durch das Auf­zei­gen einer umfas­sen­de­ren Per­spek­ti­ve und die Her­stel­lung der rich­ti­gen Pro­por­tio­nen zur rea­li­sti­schen Bewer­tung der Lage bei­zu­tra­gen und so der gesam­ten Kir­che zu nüt­zen. Ich spre­che hier nicht als Beauf­trag­ter einer Grup­pe, son­dern nur in eige­ner Person.

Erfahrungswerte aus der Corona-Inszenierung: der Baum und seine Früchte

Im Jahr 2018 ver­öf­fent­lich­te ich einen per­sön­lich gehal­te­nen Kom­men­tar anläß­lich des drei­ßig­sten Jah­res­ta­ges der uner­laub­ten Bischofs­wei­hen durch Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re und Antô­nio de Castro May­er (erster Teil und zwei­ter Teil).

Kur­ze Zeit danach begann ich selbst regel­mä­ßig an der hl. Mes­se bei der Pius­bru­der­schaft teilzunehmen.

Kei­ne zwei Jah­re spä­ter wur­de der erste „Lock­down“ ver­hängt, zur Ein­däm­mung der geheim­nis­vol­len „Pan­de­mie“, wie man uns sag­te. Er reich­te akku­rat knapp über den Oster­ter­min. Auch die Pius­bru­der­schaft setz­te die Mes­sen aus. Aller­dings beriet man sich juri­stisch und mach­te dann im zwei­ten „Lock­down“ nicht mehr mit.

Denn zur Über­ra­schung vie­ler wur­de bekannt, daß reli­giö­se Ver­an­stal­tun­gen von den „Maß­nah­men“ eigent­lich aus­ge­nom­men waren.

Wie es scheint, fan­den ab die­ser Zeit mehr und mehr Katho­li­ken den Weg zur Pius­bru­der­schaft – wie man hören kann, nicht nur in Öster­reich. Auch eini­ge Erwach­se­nen­tau­fen gab es. Die amt­li­chen Kir­chen­struk­tu­ren waren in jener Zeit, von mini­ma­len Aus­nah­men abge­se­hen, bekannt­lich ein Total­aus­fall. Noch schlim­mer: Sie kol­la­bo­rier­ten regel­recht mit den Unter­drückern. Wenn die­se Struk­tu­ren von der Pius­bru­der­schaft jetzt „Gehor­sam“ for­dern, dann ist das unfrei­wil­lig komisch.

Wenn man an den Früch­ten den Baum erken­nen soll, dann ist das Ergeb­nis eines Ver­gleichs zwi­schen diö­ze­sa­nen Struk­tu­ren und der Bru­der­schaft klar und deut­lich, nach mei­nem Kennt­nis­stand zumin­dest zwei­fels­frei in Öster­reich.1

Dazu eini­ge Erfahrungswerte:

Gegenseitiges Wohlwollen in der Tradition – die „Osmose“

Im Jahr 2017 war ich zur jähr­li­chen Prie­ster­wei­he des Prie­ster­se­mi­nars der Petrus­bru­der­schaft in Wigratz­bad ein­ge­la­den. Wei­he­s­pen­der in der herr­li­chen Kir­che von Lin­den­berg war Sei­ne Emi­nenz Ray­mond Kar­di­nal Bur­ke. Neu­prie­ster, Semi­na­ri­sten, der son­sti­ge Kle­rus und die Fami­li­en der Neu­ge­weih­ten hin­ter­lie­ßen einen guten Ein­druck. Offen­bar exi­stiert dort ein guter Baum.

Erfreu­li­cher­wei­se waren auch Gäste anwe­send, die nicht zum enge­ren Umfeld der FSSP gehö­ren, unter ihnen ein jun­ger Akti­vist aus den Rei­hen der Piusbruderschaft.

Im sel­ben Jahr traf ich zufäl­lig eine lang­jäh­ri­ge Bekann­te, von der ich wuß­te, daß sie und ihre Fami­lie der Pius­bru­der­schaft eng ver­bun­den waren (und noch sind), in der Mes­se der Petrus­bru­der­schaft in Wien. Auf mei­nen Aus­druck der Über­ra­schung berief sich die Bekann­te schlag­fer­tig auf die Legi­ti­mi­tät der „Osmo­se“.

Das ist, näher betrach­tet, mehr als ein geist­rei­ches Bonmot.

Denn zuerst sind wir katho­lisch. Es ist ein Erfah­rungs­wert, daß ein über­trie­be­ner Grup­pen-Exklu­si­vis­mus, an sich ohne­hin eine pro­ble­ma­ti­sche Hal­tung in der Kir­che, frü­her oder spä­ter zu unge­sun­den Ein­stel­lun­gen, zu Ver­schro­ben­heit und Streit­sucht führt. Da unge­sun­de Hal­tun­gen die Ten­denz zur Wuche­rung haben, kön­nen sie in den Sedis­va­kan­tis­mus und ande­re Irr­tü­mer oder auch in psy­chi­sche Krank­hei­ten füh­ren. Hier müs­sen eine gewis­se Groß­zü­gig­keit und grund­sätz­li­ches Wohl­wol­len herrschen.

Frei­lich wür­den wir uns von den Publi­ka­tio­nen der FSSP mehr „Salz“ wün­schen. Es ist bedau­er­lich, daß man dort in den letz­ten Jah­ren in Bezug auf das Kon­zil und des­sen Fol­gen oft zu kon­for­mi­stisch for­mu­liert („Als Papst Paul VI. die Leh­re vom Mess­op­fer ret­te­te“ – na ja). Das erklärt sich wohl aus der pre­kä­ren Situa­ti­on der – ledig­lich gedul­de­ten – Tra­di­ti­on inner­halb der amt­li­chen Kir­chen­struk­tu­ren, die oft will­kür­lich und feind­se­lig agie­ren. Nichts­de­sto­trotz sind vie­le Gläu­bi­ge für den seel­sorg­li­chen Ein­satz der Petrus­bru­der­schaft an ihren Stand­or­ten sehr dank­bar, auch die Ver­tre­ter der „Osmo­se“. –

P. Mat­thi­as Gau­dron, ein füh­ren­der Theo­lo­ge der Pius­bru­der­schaft, schrieb vor eini­gen Mona­ten im Mit­tei­lungs­blatt der Bru­der­schaft, daß man als Katho­lik kei­ne „schis­ma­ti­sche Gesin­nung“ haben dür­fe. Dem stim­men wir zu:

Schisma, „Schisma“ und die Billigkeit (aequitas)

Wie schon vor kur­zem in einem der zahl­rei­chen auf die­ser Sei­te zum The­ma erschie­ne­nen Bei­trä­ge rich­tig fest­ge­stellt wur­de: Im Motu­pro­prio Eccle­sia Dei von 1988 wird nicht klar­ge­macht, wer nun aller den angeb­li­chen „schis­ma­ti­schen Akt“ began­gen hat bzw. wer genau des Schis­mas schul­dig ist, die Bischö­fe allein, die Prie­ster, alle Gläu­bi­gen der FSSPX?

Mitt­ler­wei­le wird in Bezug auf die Pius­bru­der­schaft kaum noch von Schis­ma gespro­chen. Es wäre auch abwe­gig, da der Bru­der­schaft Beicht- und Ehe­schlie­ßungs­voll­macht über­tra­gen wur­den.2

Auf den skan­da­lö­sen Zustand im Gefol­ge des vati­ka­nisch-chi­ne­si­schen Geheim­ab­kom­mens mit der rou­ti­ne­mä­ßi­gen Ernen­nung und Wei­he von Bischö­fen unter dem Regle­ment der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei und der Aus­lie­fe­rung der rom­treu­en Unter­grund­kir­che wur­de auf die­ser Sei­te bereits hin­ge­wie­sen. Die Rechts­an­wen­dung muß mit „Bil­lig­keit“ gesche­hen. Es wäre unbil­lig, wenn die kirch­li­che Auto­ri­tät die künf­ti­gen Bischö­fe und die Wei­hen­den mit der Exkom­mu­ni­ka­ti­on bestra­fen wür­de, wenn gleich­zei­tig das chi­ne­si­sche KP-Regime Bischö­fe aus der schis­ma­ti­schen „Patrio­ti­schen Kir­che“ bestimmt und wei­hen läßt.

Um einen grö­ße­ren Zusam­men­hang her­zu­stel­len und die Pro­por­tio­nen rich­tig zu gewichten:

Wir soll­ten auch beden­ken, daß die Bischofs­kon­fe­ren­zen Öster­reichs, Deutsch­lands, der Schweiz und Kana­das in den jewei­li­gen Erklä­run­gen von Maria­trost, König­stein, Solo­thurn und Win­ni­peg im Jahr 1968 prak­tisch die Ungül­tig­keit der Enzy­kli­ka Hum­a­nae Vitae in ihren Län­dern erklär­ten. Die­ser Akt der Rebel­li­on wur­de nie­mals saniert.

Auch die­ses Fak­tum läßt nach dem Glau­bens­sinn eine all­fäl­li­ge neu­er­li­che Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Pius­bru­der­schaft als unbil­lig und kraß dis­pro­por­tio­nal erscheinen.

Selbstzensur auch bei „konservativen“ Katholiken

Über­haupt soll­ten wir auf­hö­ren, uns dumm zu stel­len. Lei­der ver­stat­ten sich auch vie­le kon­ser­va­ti­ve Katho­li­ken nicht den nüch­ter­nen Blick auf die Lage der Dinge:

Der Glau­be ist in den kirch­li­chen Struk­tu­ren der mei­sten „west­li­chen“ Län­der mucks­mau­se­tot. Das erste Gebot ist abge­schafft. Die Exklu­si­vi­tät der Heils­ver­mitt­lung Chri­sti wird geleug­net. Kar­di­nal „Tucho“ Fernán­dez ist eine Belei­di­gung für jeden Gläu­bi­gen. Papst Leo führt die desa­strö­se Poli­tik sei­nes Vor­gän­gers wei­ter – frei­lich hin­ter einer freund­li­che­ren Fassade.

Frag­los haben wir eine schwe­re Krise.

Die­se dau­ert nun schon lange.

Oder doch nicht? Da „die Wahr­heit in der Pro­por­ti­on liegt“, wie der katho­li­sche Histo­ri­ker Hilai­re Bel­loc einst schrieb, ist ein kur­zer Blick auf die Dau­er frü­he­rer Kri­sen durch­aus aussagekräftig:

Zeitliche Proportionen

In man­chen online-Kom­men­ta­ren kann man lesen, wie schreck­lich lan­ge die Spal­tung zwi­schen offi­zi­el­ler Kir­che und Pius­bru­der­schaft schon daue­re und wie sehr des­halb Eini­gung zu erhof­fen ist. Offen­bar emp­fin­den posten­de Gläu­bi­ge, die offen­kun­dig bonae vol­un­ta­tis sind, die fünf­zig Jah­re seit der Sus­pen­si­on von Erz­bi­schof Lefeb­v­re a divi­nis oder die sie­ben­und­drei­ßig Jah­re seit den uner­laub­ten Bischofs­wei­hen als quä­lend lange.

Nur um die Pro­por­tio­nen kirch­li­cher Kri­sen darzustellen:

Die aria­ni­sche Kri­se, als ein Groß­teil des Epi­sko­pats aria­nisch war, dau­er­te in etwa von 325 (dem Kon­zil von Niz­äa), oder eini­ge Jah­re danach, bis 381, dem ersten Kon­stan­ti­no­po­li­ta­num. Das sind bis zu sechs­und­sech­zig Jah­re, in denen gro­ße Ver­wir­rung herrschte.

Das „dunk­le Zeit­al­ter“, das sae­cu­lum obscurum – Ter­mi­no­lo­gie und Peri­odi­sie­rung stam­men von Kar­di­nal Cesa­re Baro­nio CO (1538–1607) –, reich­te von 882, der Ermor­dung von Papst Johan­nes VIII. bis 1046, der Abset­zung drei­er kon­kur­rie­ren­der Päp­ste. Das sind 164 Jah­re. (In die­se Zeit fal­len auch die etwa sech­zig Jah­re des Ein­flus­ses schäd­li­cher Frau­en im Vati­kan, die soge­nann­te „Por­no­kra­tie“.)

Das Exil von Avi­gnon dau­er­te von 1309 bis 1376, das dar­auf­fol­gen­de Gro­ße Abend­län­di­sche Schis­ma dau­er­te von 1378 bis 1417. Das sind zusam­men 106 Jahre.

Man­ches kann in der Kir­che eben eine Zeit­lang in Schwe­be blei­ben. So trau­rig das auch ist.

Von daher nimmt sich der for­mal irre­gu­lä­re Zustand der Pius­bru­der­schaft als rela­tiv kur­ze Epi­so­de aus.

Die Prie­ster und die Gläu­bi­gen der FSSPX emp­fin­den sich weder als „schis­ma­tisch“, noch als „unka­tho­lisch“. Im Gegen­zug muß fest­ge­hal­ten wer­den, daß wei­te Tei­le des kirch­li­chen Appa­rats im deut­schen Sprach­raum sich selbst dage­gen ver­wah­ren, „zu katho­lisch“, „katho­lisch im alten Sinn“ o. ä. zu sein. Dort konn­te man auch hören, vor Gott sei das Reli­gi­ons­be­kennt­nis uner­heb­lich und über­haupt gehö­re sowie­so alles geändert.

Wer ist also in einem irre­gu­lä­ren Zustand?

Resümee: „Nachhilfe“, Eigeninitiative und die göttliche Vorsehung

Es hat sich längst auch außer­halb der Pius­bru­der­schaft her­um­ge­spro­chen, daß die Tex­te des II. Vati­can­ums und die fälsch­lich so genann­te „Lit­ur­gie­re­form“ offen­sicht­lich kei­ne guten Früch­te her­vor­ge­bracht haben. Bis­he­ri­ger Höhe­punkt war das Desa­ster des Dik­ta­tor­pap­stes, der sowohl Kon­zil als auch „Lit­ur­gie­re­form“ gera­de­zu manisch for­cier­te, aber den katho­li­schen Glau­ben nicht erken­nen ließ. Die Fol­gen sind katastrophal.

An den Früch­ten erkennt man den Baum.

Eine Schluß­fol­ge­rung dar­aus kann nur sein, die pro­ble­ma­ti­schen Tex­te des II. Vati­can­ums dem Ver­ges­sen anheim­fal­len zu las­sen. Die ande­re, die Sakra­men­te nur mehr in der über­lie­fer­ten Form zu empfangen.

Zwar bestrei­ten auch – unglück­lich so genann­te – „Tra­di­tio­na­li­sten“ nicht die Gül­tig­keit der neu orga­ni­sier­ten Sakra­men­te, wenn sie nach den Büchern der Kir­che gefei­ert wer­den. Aller­dings ist bei der Mes­se nach dem NOM die nack­te Will­kür in der „Gestal­tung“ aus­ge­bro­chen: Es tut ohne­hin fast jeder Prie­ster, was er will. Oder was ihm die Damen vom pfarr­li­chen Lit­ur­gie­aus­schuß befeh­len. Von daher erklärt sich die nicht unwit­zi­ge Fest­stel­lung eines eng­li­schen Kom­men­ta­tors zur Zeit der Pro­mul­ga­ti­on von Tra­di­tio­nis Cus­to­des: Er mein­te, es sei trotz aller Restrik­tio­nen leich­ter, in Eng­land eine hl. Mes­se im Über­lie­fer­ten Ritus zu fin­den als im Novus Ordo.

Da man mitt­ler­wei­le auch die rech­te Inten­ti­on des Sakra­ments­spen­ders bezwei­feln muß, soll­te man als gläu­bi­ger Katho­lik erst recht nur mehr die tra­di­tio­nel­len Sakra­men­te emp­fan­gen, da oder dort.

Und allen jenen „kon­ser­va­ti­ven“ Katho­li­ken, die sich über die Eigen­mäch­tig­keit von Erz­bi­schof Lefeb­v­re im Jahr 1988 beschwe­ren und vor­wurfs­voll fra­gen: „Ist Got­tes Vor­se­hung für sei­ne Kir­che so feh­ler­haft, dass wir hier ‚nach­hel­fen‘ müs­sen?“, sei ins Stamm­buch geschrie­ben: Das Han­deln der Bru­der­schaft ist das Wir­ken der Vor­se­hung. Wenn in der Kir­che nie jemand „nach­hilft“, also nie eine Initia­ti­ve setzt, wür­de sich gar nichts tun.

Ob eine Eigen­in­itia­ti­ve segens­reich ist oder nicht, sieht man frei­lich oft nicht auf den ersten Blick. Aber im Nach­hin­ein sehen wir die Früch­te der for­mell uner­laub­ten Bischofs­wei­hen von 1988. Nie­mand kann das bestrei­ten. Und kei­nen Gläu­bi­gen inter­es­sie­ren jetzt noch „Syn­oda­li­tät“ und die hun­dert­ste Kom­mis­si­on zum Frauendiakonat.

Es wäre jetzt das Gebot der Stun­de, daß alle Katho­li­ken guten Wil­lens, Amts­trä­ger und Lai­en, die geplan­ten Bischofs­wei­hen AMDG mora­lisch unter­stüt­zen. Es gibt aus mei­ner Sicht der­zeit tat­säch­lich kei­nen ande­ren Weg.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Lifer. Ent­deck­te erst im vier­ten Lebens­jahr­zehnt die Alte Mes­se und fragt sich, war­um sie uns so lan­ge vor­ent­hal­ten wird.

Bild: sspx​.org (Screen­shot)


1 Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei erwähnt, daß auch die Lei­tung der Bru­der­schaft in einer spe­zi­fi­schen Fra­ge, näm­lich der abtrei­bungs­ver­seuch­ten, töd­li­chen Imp­fun­gen, kri­tik­wür­dig gehan­delt hat. Ich ver­faß­te damals eine Ent­geg­nung, die von zahl­rei­chen Per­so­nen unter­schrie­ben wurde.

2 Es wur­de auch berich­tet, daß der Obe­re der FSSPX sei­tens des Vati­kans offi­zi­ell zur Dis­zi­pli­nar­be­hör­de erster Instanz bestellt wur­de. Aller­dings fin­de ich den Beleg dazu trotz eini­gem Her­um­su­chen nicht.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*