Dreißig Jahre unerlaubte Bischofsweihen (2)

Dreissig Jahre unerlaubte Bischofsweihen 1988
Dreißig Jahre unerlaubte Bischofsweihen (1988-2018) - einige Schulfolgerungen und persönliche Reflexionen.

Die­ser Teil schließt naht­los an den ersten Teil vom 9. Juni an.

Von Wolf­ram Schrems*

Rätselhafte Politik des Papstes gegenüber Erzbischof Lefebvre: War man aufrichtig?

Wie man lesen kann, stell­ten Papst Johan­nes Paul II. und Glau­bens­prä­fekt Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger Erz­bi­schof Lef­eb­v­re in Aus­sicht, daß er einen Weih­bi­schof (also einen Bischof ohne Juris­dik­ti­on) wei­hen dür­fe. Die­ser sol­le die Wei­hen inner­halb der von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re gegrün­de­ten Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. nach des­sen Able­ben spen­den.

Das wirft zunächst die Fra­ge auf, ob die Auf­he­bung der Prie­ster­bru­der­schaft (1975) und die Sus­pen­si­on des Erz­bi­schofs (1976) kano­nisch nun ein­wand­frei zustan­de gekom­men waren oder allen­falls nicht und wie die Situa­ti­on vor der Wei­he des Weih­bi­schofs saniert wor­den wäre.

Man fragt sich auch, wie auf­rich­tig die­se Zusa­ge war. Einer der vier Bischö­fe von 1988 bezwei­felt das, da län­ger kein kon­kre­ter Wei­he­termin zustan­de kam:

„Die Fest­le­gung eines Datums [für die Bischofs­wei­he] war für Mgr. Lef­eb­v­re der Prüf­stein für die Auf­rich­tig­keit Roms, der Beweis, daß er nicht zum Nar­ren gehal­ten wür­de, daß Rom nicht nur schlicht und ein­fach sein seli­ges Ende abwarte“.((Bernard Tis­sier de Mal­lerais, Mar­cel Lef­eb­v­re – Eine Bio­gra­phie, Sar­to, Stutt­gart ²2009, 589.))

Erzbischof Lefebvre unterzeichnet am 5. Mai 1988 ein Protokoll mit dem Vatikan
Erz­bi­schof Lef­eb­v­re unter­zeich­net am 5. Mai 1988 ein Pro­to­koll mit dem Vati­kan

Ohne Spe­zi­al­kennt­nis­se ist es natur­ge­mäß nicht zu sagen, mit wel­chen ver­bind­li­chen oder weni­ger ver­bind­li­chen Wor­ten Papst Johan­nes Paul II. und Kar­di­nal Ratz­in­ger die Wei­he des Weih­bi­schofs zuge­sagt haben. Offen­sicht­lich war die Zusa­ge aber so for­mu­liert, daß Erz­bi­schof Lef­eb­v­re Grund hat­te, ihr grund­sätz­lich Ver­trau­en zu schen­ken – und Anspruch auf Ein­lö­sung des Ver­spre­chens zu erhe­ben. Die­se ver­zö­ger­te sich aber.

Lef­eb­v­re woll­te also ange­sichts sei­nes vor­ge­rück­ten Alters von 83 Jah­ren nicht län­ger war­ten. Der Tod hät­te sei­ne Absicht ver­ei­teln kön­nen.

Und es bleibt der unan­ge­neh­me Nach­ge­schmack, daß mög­li­cher­wei­se genau das sei­tens Papst und Glau­bens­prä­fekt ein­kal­ku­liert gewe­sen war. Wenn das der Fall ist, gereicht es bei­den nicht zur Ehre.((Da sich die­ser Text als „per­sön­li­che Refle­xio­nen“ ver­steht, kann nicht auf alle histo­ri­schen und kano­ni­sti­schen Details ein­ge­gan­gen wer­den. Das wird die Auf­ga­be einer künf­ti­gen Kir­chen­ge­schichts­schrei­bung sein müs­sen.))

Dreißig Jahre später: die nachkonziliare Kirche – der Greuel der Verwüstung

For­mal gese­hen war die Wei­he ein Akt des Unge­hor­sams. Und soweit zu erhe­ben ist, war auch von einer Zusa­ge des Pap­stes an Erz­bi­schof Lef­eb­v­re, gleich vier Kan­di­da­ten zu Bischö­fen zu wei­hen, nicht die Rede gewe­sen.

Von daher ist es nach­zu­voll­zie­hen, daß eini­ge Weg­ge­fähr­ten hier nicht mit­ge­hen woll­ten und die Bru­der­schaft ver­lie­ßen.

Erzbischof Lefebvre mit den vier neugeweihten Bischöfen
Erz­bi­schof Lef­eb­v­re mit den vier neu­ge­weih­ten Bischö­fen

Jetzt, drei­ßig Jah­re nach den Ereig­nis­sen, wird wohl nie­mand, der bei Sin­nen ist, das eigen­mäch­ti­ge Han­deln von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re mora­lisch ver­ur­tei­len kön­nen, wenn man die unfaß­ba­re Ver­wü­stung der sich auf „das Kon­zil“ beru­fen­den Kir­che, des Papst­tums, der Hier­ar­chie, der Orden und der aka­de­mi­schen Theo­lo­gie mit allen Aus­wir­kun­gen auf die welt­li­chen Berei­che, beson­ders auf die ehe­mals katho­li­schen Staa­ten und Gesell­schaf­ten, in Betracht zieht.((Auch außer­halb der Pius­bru­der­schaft wur­de zeit­na­he Kri­tik an den Ver­hält­nis­sen arti­ku­liert, genannt sei etwa der katho­li­sche Phi­lo­soph Diet­rich von Hil­de­brand, Der ver­wü­ste­te Wein­berg (1972).)) Die Struk­tu­ren sind geist­lich weit­ge­hend tot, nur weni­ge Amts­trä­ger im Westen ver­mit­teln den Ein­druck, noch gläu­big zu sein.

Man wird in einer umfas­sen­den Kir­chen­ge­schichts­schrei­bung des 20. Jahr­hun­derts alle Taten des Unge­hor­sams der Kir­chen­hier­ar­chie gegen­über dem über­lie­fer­ten Glau­ben, mit­hin gegen Jesus Chri­stus selbst, benen­nen und kri­ti­sie­ren müs­sen. Die­ser Unge­hor­sam hat­te im Jahr 1988 bereits über zwei Jahr­zehn­te lang gewü­tet, beson­ders spek­ta­ku­lär die Ver­wer­fung von Huma­nae vitae durch die Bischofs­kon­fe­ren­zen von Öster­reich, der Schweiz und Deutsch­land (1968). Dage­gen ist der for­mell uner­laub­te, somit ille­ga­le Cha­rak­ter der Wei­hen durch Erz­bi­schof Lef­eb­v­re eine Lap­pa­lie, da „die Wahr­heit in der Pro­por­ti­on liegt“((„Truth Lies in Pro­por­ti­on“, nach dem gro­ßen katho­li­schen Histo­ri­ker Hil­ai­re Bel­loc, The Cri­sis of Civi­liz­a­ti­on (1937).)).

Kei­ne Lap­pa­lie ist der der­zei­ti­ge Zustand des Papst­tums:

Papst em. Benedikt XVI. – ein skandalöser Zustand

Wenn wir uns erin­nern, daß der dama­li­ge Kar­di­nal Ratz­in­ger im Jahr 2000 eine Erklä­rung zu Fati­ma und dem Drit­ten Geheim­nis abgab, die falsch und irre­füh­rend ist((Siehe dazu mei­ne Aus­füh­run­gen auf die­ser Sei­te: Papst Bene­dikt XVI. und Fati­ma – und eini­ge Unge­reimt­hei­ten.)), daß er noch als Papst das unge­heu­er­li­che Schwin­del­buch von Kar­di­nal Ber­to­ne Die Sehe­rin von Fati­ma unter­stütz­te, und daß er die For­de­run­gen der Fati­ma-Bot­schaft nicht umsetz­te, scheint sei­ne der­zei­ti­ge Lage im Exil in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten, die man als miß­lich, frag­wür­dig und skan­da­lös bezeich­nen muß, auf eine tra­gi­sche Wei­se ange­mes­sen.

Wir wis­sen nicht, war­um Papst eme­ri­tus Bene­dikt die­sem Zustand zustimmt. Das bleibt genau­so ein Rät­sel wie die rät­sel­haf­te Poli­tik sei­nes Vor­gän­gers. Aber es ist ein Ärger­nis.

Soll­te der „Mozart der Theo­lo­gie“ zu die­sem Desa­ster tat­säch­lich nichts zu sagen wis­sen?

Übri­gens ähnelt die Lage von Papst eme­ri­tus Bene­dikt der­je­ni­gen des „sla­wi­schen Pap­stes“ im genann­ten Roman von Mala­chi Mar­tin. Johan­nes Paul II. hat in der Rea­li­tät sei­nen eige­nen Rück­tritt noch ver­hin­dert, sein Nach­fol­ger hielt dem Druck offen­bar nicht mehr stand – auch auf­grund eige­ner Ver­säum­nis­se, wie man sieht.

Wie auch immer: Die­se Situa­ti­on ist ein Skan­dal und Fol­ge fal­scher Wei­chen­stel­lun­gen.

Schlußfolgerungen

Am 30. Juni die­ses Jah­res wer­den in Zaitz­ko­fen sechs Kan­di­da­ten der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen. Unter ihnen befin­det sich ein aus der Diö­ze­se Linz stam­men­der Natur­wis­sen­schaft­ler, der über ein Jahr­zehnt dem Opus Dei ange­hör­te und dort auch mit Lei­tungs­auf­ga­ben betraut war.

Erzbischof Lefebvre mit Pius XII
Erz­bi­schof Lef­eb­v­re mit Papst Pius XII.

Die Pri­miz ist – auch das ist eine Über­ra­schung – in einer Pfarr­kir­che der Diö­ze­se Linz ange­setzt. Wenn die Erlaub­nis, eine diö­ze­sa­ne Kir­che zu benüt­zen, nicht (wie in der Erz­diö­ze­se Wien bei der Pri­miz eines Neu­prie­sters der FSSPX im Jahr 2011) kurz­fri­stig wider­ru­fen wird, wür­de es sich um ein klei­nes Wun­der han­deln. Auf der Netz­sei­te der betref­fen­den Pfar­re fin­det sich per 13. Juni aller­dings lei­der kein Hin­weis auf die Pri­miz. Viel­leicht will man dort in Deckung blei­ben.

Es gibt viel Angst in der „geschwi­ster­li­chen“ und „offe­nen“ und „dia­log­be­rei­ten“ Kir­che. (Im übri­gen – auch das ist sinn­bild­lich für die gesam­te Lage – ist der künf­ti­ge Pri­mi­zi­ant aus Ober­öster­reich im Gegen­satz zu all den humor­lo­sen und müh­sa­men „Geschwi­ster­li­chen“, „mün­di­gen Chri­sten“, „akti­ven Lai­en“, „unge­hor­sa­men Pfar­rern“ und ande­ren Wadlbei­ßern eine gewin­nen­de Per­sön­lich­keit.)

Wie auch immer: Die Wei­he von sechs jun­gen Dia­ko­nen der Pius­bru­der­schaft, der Geburts­jahr­gän­ge 1981 bis 1993 und aus fünf Län­dern stam­mend, auf den Tag genau drei­ßig Jah­re nach den uner­laub­ten Bischofs­wei­hen wird ein sinn­bild­li­ches Ereig­nis sein. Und es wird die Fra­ge auf­wer­fen, was zukünf­tig in der Kir­che genau als „erlaubt“ und „uner­laubt“ gel­ten wird. Längst ist die Ansicht obso­let, ja kon­tra­fak­tisch gewor­den, die Prie­ster der Pius­bru­der­schaft wür­den „kein Amt“ in der Kir­che aus­üben. Sie üben es nun­mehr auch offi­zi­ell durch die Beicht­voll­macht aus, die Papst Fran­zis­kus gewähr­te.

Von daher gilt es, eini­ge Schluß­fol­ge­run­gen zu zie­hen:

  • Im Som­mer 1988 konn­te man bei bestem Wis­sen und Gewis­sen zu gegen­sätz­li­chen Schluß­fol­ge­run­gen für das eige­ne Han­deln kom­men. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat­te ange­sichts sei­ner Erfah­run­gen mit dem Papst und der vati­ka­ni­schen Büro­kra­tie gute Grün­de, den Schritt der for­mal nicht erlaub­ten Bischofs­wei­hen zu set­zen. Die Grün­der der Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus hat­ten eben­falls gute Grün­de, den Weg in einen for­mal irre­gu­lä­ren Zustand nicht mit­zu­ge­hen. Bei­de folg­ten ihrem recht gebil­de­ten Gewis­sen, damit dem, was sie als Wil­len Got­tes für sich erkann­ten. Bei­de Initia­ti­ven brach­ten gute Früch­te her­vor. Ohne die Petrus­bru­der­schaft wären vie­le Katho­li­ken (und Nicht-Katho­li­ken) nie­mals zur Mes­se aller Zei­ten gelangt, denn die Pius­bru­der­schaft lag für vie­le jen­seits einer men­ta­len Hür­de.

Von daher soll­ten bei­de Sei­ten ein­an­der respek­tie­ren. Mei­ner Beob­ach­tung nach gehö­ren gegen­sei­ti­ge Distan­zie­run­gen oder gar Pole­mi­ken erfreu­li­cher­wei­se ohne­hin der Ver­gan­gen­heit an. Auf der Ebe­ne der Gläu­bi­gen gibt es sogar, wie es letz­tes Jahr jemand humor­voll aus­drück­te, eine „Osmo­se“.

  • Das Motu pro­prio Eccle­sia Dei ist drei­ßig Jah­re nach sei­ner Pro­mul­ga­ti­on über­holt. Die Situa­ti­on ist, wie gesagt, völ­lig anders als 1988. Mit dem Aus­druck „schis­ma­ti­scher Akt“ klingt es auch halb­her­zig. Man möch­te ger­ne nach­fra­gen: Ist es nun ein Schis­ma, ja oder nein? Aber offen­bar gaben die Tat­sa­chen (näm­lich die Absicht von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re, kei­ne schis­ma­ti­sche Hier­ar­chie zu grün­den, das Fest­hal­ten am über­lie­fer­ten Glau­ben und der Wider­stand gegen recht­lich ohne­hin äußerst zwei­fel­haf­te Neue­run­gen im Gefol­ge des Kon­zils, beson­ders das kano­nisch offen­bar unzu­rei­chend pro­mul­gier­te neue Meß­buch) zu wenig her, um von einem „Schis­ma“ zu spre­chen.

Was aber, wenn es kein „Schis­ma“ ist?

Das Motu pro­prio klingt in Punkt 5 a und b auch direkt absurd((b) Wir möch­ten fer­ner auch die Theo­lo­gen und Fach­ge­lehr­ten der ande­ren kirch­li­chen Wis­sen­schaf­ten dar­auf auf­merk­sam machen, daß auch sie von den augen­blick­li­chen Umstän­den her­aus­ge­for­dert sind. Die Brei­te und Tie­fe der Leh­ren des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils machen näm­lich neue und ver­tief­te Unter­su­chun­gen not­wen­dig, in denen die Kon­ti­nui­tät des Kon­zils mit der Tra­di­ti­on klar her­vor­ge­ho­ben wird, vor­nehm­lich in jenen Berei­chen der Leh­re, die, weil sie viel­leicht neu sind, von eini­gen Teil­grup­pen der Kir­che noch nicht recht ver­stan­den wur­den (zit. nach). Wenn die­se „Kon­ti­nui­tät des Kon­zils mit der Tra­di­ti­on“ tat­säch­lich bestün­de, wäre sie ohne­hin offen­kun­dig und es bedürf­te kei­ner, jetzt schon völ­lig unglaub­haf­ten Wort­akro­ba­tik.)). Wenn das II. Vati­ka­ni­sche Kon­zil Neu­es gebracht habe, stellt sich unab­weis­bar die Fra­ge nach der Legi­ti­mi­tät die­ser Neue­run­gen. Von daher und auf­grund des ver­wü­ste­ten Zustan­des von Kir­che, Leh­re und Theo­lo­gie bei gleich­zei­ti­gem Wachs­tum der Pius­bru­der­schaft ist die Revi­si­on die­ses Motu pro­prio ein Gebot der Stun­de.

  • Ange­sichts aller erwähn­ten Fak­ten for­dern kirch­li­che Gesin­nung und mensch­li­cher Anstand, die Exkom­mu­ni­ka­ti­on von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re auf­zu­he­ben und einen Kano­ni­sie­rungs­pro­zeß anzustrengen.((Der CIC 1983 schließt mit dem Can. 1752, der lau­tet: „Bei Ver­set­zungs­sa­chen sind die Vor­schrif­ten des can. 1747 anzu­wen­den unter Wah­rung der kano­ni­schen Bil­lig­keit und das Heil der See­len vor Augen, das in der Kir­che immer das ober­ste Gesetz sein muß.“ Hier sind zwei Grund­sät­ze ent­hal­ten, die unser The­ma betref­fen: Die Bil­lig­keit, aequi­tas, grie­chisch ἐπιείκεια (dav. dt. Epi­kie), muß erstens ein Anwen­dungs­grund­satz von Kir­chen­ge­set­zen sein. Daher erscheint die Exkom­mu­ni­ka­ti­on wegen einer for­mell uner­laub­ten, wie­wohl päpst­li­cher­seits in Aus­sicht gestell­ten Bischofs­wei­he zur Ret­tung des über­lie­fer­ten Glau­bens und ohne schis­ma­ti­sche Absich­ten unbil­lig, wenn man die Ver­wü­stun­gen durch nie­mals zur Rechen­schaft gezo­ge­ne Hir­ten und Theo­lo­gen betrach­tet. War­um z. B. wur­de Karl Rah­ner nie wegen sei­nes Kamp­fes gegen den Glau­ben exkom­mu­ni­ziert? Zwei­tens ist das Heil der See­len „ober­stes Gesetz“. Der Gedan­ke der Ret­tung der See­len ist in der kon­zi­lia­ren Kir­che unter dem Ein­fluß von Aller­lö­sungs­spe­ku­la­tio­nen so gut wie ver­schwun­den, in der FSSPX ist er hand­lungs­lei­tend. Dar­aus ergibt sich, daß sich der CIC hier gegen die Pra­xis und Ver­kün­di­gung der kon­zi­lia­ren Kir­che rich­tet und die FSSPX unter­stützt. Das gel­te es bei der wün­schens­wer­ten Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on zu berück­sich­ti­gen.))
  • Schließ­lich ist Papst eme­ri­tus Bene­dikt auf­ge­ru­fen, die vol­le Wahr­heit über die Vor­gän­ge im Vor­feld der uner­laub­ten Wei­hen dar­zu­le­gen. Er soll­te nun auch die Umstän­de sei­nes Rück­tritts benen­nen, den der­zei­ti­gen Zustand der Kir­che dele­gi­ti­mie­ren und die Süh­ne­bot­schaft von Fati­ma ver­kün­den. Da er einer der letz­ten Kon­zils­theo­lo­gen ist, wäre es ange­bracht, die Intri­gen, die zu den fal­schen Wei­chen­stel­lun­gen des Kon­zils geführt haben, aus­zu­leuch­ten. Die­se Auf­klä­rung wür­de vie­les in die rich­ti­ge Per­spek­ti­ve rücken.

Resümee – persönliche Gedanken

Noch bis vor weni­gen Jah­ren hät­te ich mir eine Kri­se von Kir­che und Papst­tum wie die jet­zi­ge nicht vor­stel­len kön­nen. Geschwei­ge denn vor drei­ßig Jah­ren.

Damals war aber die schlech­te Saat schon längst aus­ge­sät.

Die vie­len schlech­ten Erfah­run­gen inner­halb von Kir­che und Theo­lo­gie stell­ten sich mir mit der Zeit immer weni­ger als „Ein­zel­fäl­le“ dar, son­dern als syste­misch. Und sie muß­ten mit dem Kon­zil zu tun haben. Ein sinn­bild­li­ches Bei­spiel für die Kon­zil­seu­pho­rie, die kei­ne guten Früch­te brach­te, scheint mir im Rück­blick der 1988 amtie­ren­de Abt des Stif­tes Engels­zell: Lei­der wird dort bald Schluß sein.

Die Ein­sicht in die­se Zusam­men­hän­ge führ­te mit inne­rer Zwangs­läu­fig­keit zu einem per­sön­li­chen Para­dig­men­wech­sel:

Weltgebetstreffen in Assisi, 1986
Welt­ge­bets­tref­fen in Assi­si, 1986

Die Pro­blem­ana­ly­se muß­te immer höher in der Hier­ar­chie anset­zen. Damit ist auch der Papst nicht mehr einer kri­ti­schen Betrach­tung ent­ho­ben.

Im Licht der Geschich­te von Fati­ma muß­te ich mir ein­ge­ste­hen, daß das Pro­blem nicht allein in eini­gen femi­ni­sti­schen Pasto­ral­as­si­sten­tin­nen oder poli­tisch links agie­ren­den Groß­stadt­pfar­rern da oder dort besteht. Es ging um nichts weni­ger als um eine Glau­bens­kri­se in der Hier­ar­chie, ein­schließ­lich bei den Inha­bern des Petrusamtes.((Vgl. dazu das schon öfter zitier­te Inter­view mit Sr. Lucia von Fati­ma mit P. Augu­stin Fuen­tes am 26.12.1957, lei­der nur auf Eng­lisch schnell greif­bar.))

Nein, Assi­si war kein Ver­such, die Außen­ste­hen­den für Chri­stus zu gewin­nen, son­dern ein Ärger­nis! Sich das ein­zu­ge­ste­hen, benö­tig­te aber Zeit.

Das bedeu­tet kei­ne pau­scha­le Ent­schul­di­gung des Ver­sa­gens der nied­ri­ge­ren Hier­ar­chie­stu­fen, ein­schließ­lich der Lai­en. Alle haben ihre Ver­ant­wor­tung je nach ihren Auf­ga­ben, ihrer Bil­dung und ihrer Kom­pe­tenz. Aber in der von Jesus Chri­stus gestif­te­ten und gewoll­ten Ord­nung hat der Stell­ver­tre­ter Chri­sti, der Nach­fol­ger des Apo­stel­für­sten, das höch­ste Amt inne, damit trägt er die höch­ste Ver­ant­wor­tung für die Scha­fe (Joh 21,15ff).

Nach dem Tod von Papst Pius XII. ist ein ganz unchrist­li­cher, eupho­ri­scher Welt­op­ti­mis­mus ein­ge­zo­gen.

Der gegen­wär­ti­ge „Bischof von Rom“ ver­mit­telt den Ein­druck, mit den Wöl­fen gegen die Scha­fe zu koope­rie­ren. Er ver­mit­telt nicht den Ein­druck, katho­lisch zu sein. Das ist sehr wohl erkenn­bar.

Erzbischof Lefebvre
Erz­bi­schof Lef­eb­v­re

Auf die­sem Hin­ter­grund müs­sen die uner­laub­ten Bischofs­wei­hen neu bewer­tet wer­den. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re sah sich genö­tigt, die Bewah­rung des über­lie­fer­ten Glau­bens gleich­sam zu erzwin­gen. So ris­kant das auch war: Ohne die­sen Schritt hät­te die Hier­ar­chie nach 1988 weder die über­lie­fer­te Mes­se, noch die Eccle­sia Dei – Gemein­schaf­ten kon­ze­diert. Somit wären die Spu­ren des tra­di­tio­nel­len Glau­bens, der uns jen­seits des Bruchs durch das II. Vati­ca­num mit der Tra­di­ti­on seit den Anfän­gen der Kir­che ver­bin­det, aus­ge­löscht wor­den. Damit gerät das depo­si­tum fidei, die heils­not­wen­di­gen Inhal­te des Glau­bens also, aus dem Blick. Die Gül­tig­keit der Sakra­men­te wird zwei­fel­haft. Gott wird nicht mehr die gebüh­ren­de Ehre erwie­sen, die See­len neh­men Scha­den, das Heil vie­ler ist gefähr­det. Im Bereich von Staat und Gesell­schaft ereig­nen sich infol­ge des­sen mehr und mehr Kata­stro­phen – zu Lasten aller.

Die­se Zusam­men­hän­ge auf­zu­decken und zu for­mu­lie­ren, benö­tigt Zeit. Es ist ein schwie­ri­ger Pro­zeß. Er hat auch sei­ne Kosten.
Immer schon war der per­sön­li­che Glau­bens­weg eine Odys­see – das ist die Situa­ti­on des Men­schen, eine ande­re gibt es nicht. Auch das Mär­chen vom Rei­ter über den Boden­see kommt einem in den Sinn.
In Zei­ten wie die­sen hat man als Gläu­bi­ger jedoch eine weit­ge­hend apost­asier­te Hier­ar­chie und einen feind­lich über­nom­me­nen Kir­chen­ap­pa­rat gei­stig zu bewäl­ti­gen. Die Situa­ti­on ist also ver­wor­re­ner als in frü­he­ren Zei­ten.

Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat direkt und indi­rekt Ent­schei­den­des dazu bei­getra­gen, daß die Ver­wir­rung nicht über­hand nahm und der Glau­be sicht­bar blieb. Das muß nun end­lich kir­chen­amt­lich aner­kannt wer­den. Vie­le Gläu­bi­ge, auch die­je­ni­gen, die – wie ich selbst – nicht zum Kern­be­stand der Gemein­den der Bru­der­schaft gehö­ren, aner­ken­nen das bereits mit dem Aus­druck der Dank­bar­keit.

Deo gra­ti­as.

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Lifer

Bild: Fsspx.at/Rorate caeli/Wikicommons (Screen­shots)

5 Kommentare

  1. Was Fati­ma betrifft, soll­te Herr Schrems sich unbe­dingt mal mit dem Histo­ri­ker Micha­el Hese­mann unter­hal­ten. Es könn­te auch ein öffent­li­ches Streit­ge­spräch sein. Die Ein­schät­zun­gen der bei­den zu Fati­ma gehen jeden­falls weit aus­ein­an­der.
    Im Übri­gen gefällt mir der über­aus kri­ti­sche Blick auf Papst Bene­dikt XVI. nicht. Wel­cher ande­re Papst hät­te den Mut zu Summorum Pon­ti­fi­cum auf­ge­bracht? Hat er nicht klar in Deutsch­land den Spit­zen von ZDK und DBK die „Mei­nung gegeigt“?

  2. Zitat: „eine Erklä­rung zu Fati­ma und dem Drit­ten Geheim­nis abgab, die falsch und irre­füh­rend ist“

    Das ist eine Unter­stel­lung. In so einem Fall soll­te man sagen, was falsch ist.

    Viel­leicht hat man etwas weg­ge­las­sen. Aber wie soll man das mit Sicher­heit behaup­ten kön­nen, wenn man das Geheim­nis nicht kennt?

  3. Wie von MMag. Schrems gewohnt, wie­der ein exzel­len­ter Kom­men­tar. Ein ewi­ges „Vergelt’s Gott“! Ich bin kein über­zeug­ter Anhän­ger der FSSPX, da die­se das II. Vati­ca­num nicht aner­kennt, und da die­se auch das päpst­li­che Lehr­amt seit dem II. Vati­ca­num nicht aner­kennt, aber es gibt Argu­men­te für ihr Han­deln.
    Beson­ders dan­ke ich auch an der Kri­tik an Papst Bene­dikt XVI. in Bezug auf sei­ne wirk­lich schä­bi­ge Ver­tu­schung des vol­len 3. Geheim­nis­ses von Fáti­ma.
    @Aventin: Die Wahr­heit gefällt eben vie­len nicht. Vie­le hören des­halb lie­ber ange­neh­me Lügen — das lehrt uns bereits Jesus mit sei­nem Wort über ech­te und fal­sche Pro­phe­ten. Die Wahr­heit, auch wenn sie unan­ge­nehm ist, bleibt des­we­gen den­noch wahr, auch dann, wenn sich die­se unan­ge­neh­me Wahr­heit auf lieb­ge­won­ne­ne Per­so­nen bezieht, die man­ches Gute getan haben, die sogar von der Kir­che zu Hei­li­gen erklärt wur­den oder dies ein­mal wer­den. Zur Erin­ne­rung: Die Ver­tu­schung der tat­säch­li­chen Exi­stenz der Wor­te Mari­ens im 3. Geheim­nis von Fáti­ma — und dass die­se statt­ge­fun­den hat, dafür gibt es reich­lich Argu­men­te — voll­zog sich im Jahr 2000 immer­hin unter direk­ter Invol­vie­rung eines Pap­stes, der nach dem Urteil der Kir­che sein Leben als Hei­li­ger beschloss, unter Johan­nes Paul II. Nicht ein­mal eine Hei­lig­spre­chung beur­teilt jedoch auto­ma­tisch alle Taten des nun­mehr kano­ni­sier­ten Hei­li­gen als rich­tig.
    Zu Micha­el Hese­mann, des­sen Wer­de­gang und Ein­stel­lun­gen mir bestens bekannt sind: Noch in den 1990ern ver­fass­te er mit glü­hen­dem Eifer Bücher und Arti­kel über angeb­li­che „Außer­ir­di­schen­re­gie­rungs­ver­schwö­run­gen“, in denen er sogar einen gefälsch­ten „Außer­ir­di­schen­ob­duk­ti­ons­film“ mit größ­ter Lei­den­schaft als angeb­lich „echt“ veri­fi­zier­te. Wenn der heu­te sehr fromm katho­li­sche Mann eine Über­zeu­gung hat, inter­es­sie­ren ihn ande­re Argu­men­te, die sei­ner vor­ge­bil­de­ten Mei­nung wider­spre­chen könn­ten, nicht mehr. Eben­so, wie er in den 1990ern mit Pas­si­on und Nai­vi­tät der US-Regie­rung die gro­ße „Außer­ir­di­schen­ver­tu­schung“ unter­stell­te, so ist er inzwi­schen zu einem blind­gläu­bi­gen Gefolgs­mann der Ver­laut­ba­run­gen der Päp­ste und des Hl. Stuh­les mutiert. Die Annah­me, hei­li­ge oder hei­lig­mä­ßi­ge Päp­ste wie Johan­nes Paul II. oder Bene­dikt XVI. könn­ten etwas ver­tuscht — und damit sogar gelo­gen haben -, ist für ihn denk­un­mög­lich, und dar­um steigt ein Micha­el Hese­mann auf sol­che Dis­kus­sio­nen erst gar nicht ein, die er, wenn man sie mit ihm begin­nen will, ohne Argu­men­te, nur mit sei­nem Ver­weis auf sei­nen blin­den Glau­ben an die­se Päp­ste, als „Ver­schwö­rungs­theo­rien“ gleich im Keim erstickt, also ver­wei­gert. Ein inter­es­san­tes Argu­ment „ad per­so­nam“ von einem Men­schen, der bis in die 1990er prak­tisch aus­schließ­lich Bücher ver­fass­te, die aus lupen­rei­nen Ver­schwö­rungs­theo­rien bestan­den, die unterm Strich kei­ne Sub­stanz hat­ten, näm­lich sei­ne Behaup­tung, UFOs wür­den von einer außer­ir­di­schen Spe­zi­es geflo­gen, und die ober­sten Regie­ren­den in den USA wüss­ten und ver­tusch­ten es.

  4. Mag Schrem­sens Dar­stel­lung, was das ambi­va­len­te Han­deln der bei­den Nach­kon­zil­späp­ste JP2 und B16 betrifft, war denk­bar objek­tiv und aus­ge­wo­gen. Die Kri­tik dar­an ist in Anbe­tracht deren nicht weg­zu­leug­nen­den dunk­len Sei­ten völ­lig unver­ständ­lich.

  5. „Nach dem Tod von Papst Pius XII. ist ein ganz unchrist­li­cher, eupho­ri­scher Welt­op­ti­mis­mus ein­ge­zo­gen.
    Der gegen­wär­ti­ge „Bischof von Rom“ ver­mit­telt den Ein­druck, mit den Wöl­fen gegen die Scha­fe zu koope­rie­ren. Er ver­mit­telt nicht den Ein­druck, katho­lisch zu sein. Das ist sehr wohl erkenn­bar.“

    Dazu die Bul­le „Cum ex Apo­sto­la­tus offi­cio“ von Papst Paul IV.:
    „Es darf nie­mals dazu kom­men, daß wir den Greu­el der Ver­wü­stung, wie er vom Pro­phe­ten Dani­el vor­her­ge­sagt ist, an hei­li­ger Stät­te sehen. Des­we­gen ver­lan­gen wir danach, soweit wir es in Anbe­tracht unse­res Hir­ten­am­tes mit Got­tes Hil­fe ver­mö­gen, die Füch­se, die den Wein­berg des Herrn zu ver­wü­sten trach­ten, zu fan­gen und die Wöl­fe von den Schaf­stäl­len fern­zu­hal­ten, um nicht als stum­me Hun­de zu erschei­nen, die nicht zu bel­len ver­mö­gen,
    damit wir nicht mit den bösen Land­päch­tern zugrun­de gehen und mit dem Miet­ling ver­gli­chen wer­den.“
    Nach der Bul­le ver­liert ein Kir­chen­mann, der vom Glau­ben abweicht, sein Amt „ipso fac­to“.

    Es lohnt sich dar­über nach­zu­den­ken, auch für jene, wel­che Kri­tik am 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zil ableh­nen. Wir wol­len ja katho­lisch blei­ben, so wie es Paul IV. war.

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