Mehr als zwei Drittel der Papstwähler im künftigen Konklave von Franziskus ernannt

Die neuen Kardinäle und die "magische" Marke

Sechzehn neue Papstwähler wird Papst Franziskus Ende August kreieren. Im kommenden Konklave werden mehr als zwei Drittel der Papstwählern von ihm ernannt worden sein.
Sechzehn neue Papstwähler wird Papst Franziskus Ende August kreieren. Im kommenden Konklave werden mehr als zwei Drittel der Papstwähler von ihm ernannt worden sein.

(Rom) Papst Fran­zis­kus gab am gest­ri­gen Sonn­tag die Ernen­nung von 21 neu­en Kar­di­nä­len bekannt. 16 davon wer­den Papst­wäh­ler sein. Damit erreicht Fran­zis­kus die vor­ge­schrie­be­ne Mehr­heit für die Wahl eines Pap­stes: Mehr als zwei Drit­tel der Papst­wäh­ler im künf­ti­gen Kon­kla­ve wer­den von ihm ernannt wor­den sein.

Seit Ende 2021 wur­de bereits die Ein­be­ru­fung eines Kon­si­sto­ri­ums zur Kre­ierung neu­er Kar­di­nä­le erwar­tet. Nicht weil es einen Bedarf dafür gege­ben hät­te, son­dern wegen der Unge­duld von Fran­zis­kus, sei­ne Nach­fol­ge regeln zu wol­len. Gestern war es soweit. Dabei ist der Wahl­kör­per noch gut gefüllt. Die Höchst­zahl der Papst­wäh­ler wur­de von Johan­nes Paul II. mit 120 Kar­di­nä­len fest­ge­legt. 117 Papst­wäh­ler gibt es der­zeit, also nur drei unter der Ober­gren­ze. Die Bestim­mung des pol­ni­schen Pap­stes, von Bene­dikt XVI. bestä­tigt, ist aller­dings nicht kate­go­ri­scher Natur, da der jeweils regie­ren­de Papst der ober­ste Rechts­set­zer ist.

Den­noch ernann­te Papst Fran­zis­kus 16 neue Papst­wäh­ler, was deren Gesamt­zahl auf 133 erhöht. Ins­ge­samt wird das der­zeit 208 Pur­pur­trä­ger zäh­len­de Kar­di­nals­kol­le­gi­um um 21 auf 229 aufgestockt.

Vor­aus­sicht­lich erst am 18. Novem­ber 2023 wird die Ober­gren­ze von 120 Papst­wäh­lern wie­der unter­schrit­ten wer­den. In den kom­men­den andert­halb Jah­ren wer­den drei­zehn Pur­pur­trä­ger ihr 80. Lebens­jahr voll­enden und damit als Papst­wäh­ler ausscheiden.

Entscheidende Mehrheitsverhältnisse

In Rom sind sich alle Sei­ten einig, daß die Maß­nah­me von Fran­zis­kus der Absi­che­rung sei­ner Nach­fol­ge dient. Der argen­ti­ni­sche Papst will seit Jah­ren mit gera­de­zu unge­dul­di­gem Nach­druck sicher­stel­len, daß auf Fran­zis­kus ein Fran­zis­kus II. fol­gen wird. Ob sich sein Nach­fol­ger so nen­nen wird oder nicht, spielt dabei kei­ne Rol­le. Er soll dem jet­zi­gen Kir­chen­ober­haupt im Geist und in der Linie folgen.

Von den 117 der­zei­ti­gen Papst­wäh­lern wur­den 67 bereits von Fran­zis­kus ein­ge­setzt. Zusam­men mit den 16 neu­en Papst­wäh­lern erhöht sich die Zahl der von Fran­zis­kus ernann­ten Papst­wäh­ler auf 83. Bezo­gen auf die Ober­gren­ze des Wahl­kör­pers wird damit die ent­schei­den­de Zwei­drit­tel-Gren­ze, das sind 80 von 120 Papst­wäh­lern, erreicht.

Das Kon­si­sto­ri­um, an dem die neu­en Kar­di­nä­le kre­iert wer­den, wird am 27. August statt­fin­den. Anschlie­ßend ver­sam­melt sich das Kar­di­nals­kol­le­gi­um am 28./29. August, um über die Apo­sto­li­sche Kon­sti­tu­ti­on Pra­e­di­ca­te Evan­ge­li­um zur Neu­ord­nung der Römi­schen Kurie „nach­zu­den­ken“, so Fran­zis­kus. Die neue Kon­sti­tu­ti­on tritt aller­dings bereits zu Pfing­sten, also am kom­men­den Sonn­tag, dem 5. Juni, in Kraft. Das Kar­di­nals­kol­le­gi­um wird erst zur Nach­be­rei­tung eingebunden.

Die neuen Purpurträger: traditionsfeindlich, progressiv, exotisch

Fran­zis­kus gab gestern am Ende des Regi­na Cae­li fol­gen­de Kar­di­nal­s­er­nen­nun­gen bekannt, deren Auf­takt gleich ein erklär­ter Geg­ner des über­lie­fer­ten Ritus mach­te, wie sich ins­ge­samt expo­nier­te Pro­gres­si­ve unter den Neu­ernann­ten fin­den. Grund­sätz­lich spie­geln die Ernen­nun­gen den Hang zu unbe­kann­ten Kir­chen­män­nern aus exo­ti­schen Län­dern wider, wie sie schon alle bis­he­ri­gen Kar­di­nal­s­kre­ierun­gen von Fran­zis­kus prägten.

  1. Erz­bi­schof Arthur Roche, Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung, England.
  2. Erz­bi­schof Laz­z­a­ro You Heung-sik, Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus, Südkorea.
  3. Erz­bi­schof Fer­nan­do Vérgez Alza­ga LC, Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on für den Staat der Vati­kan­stadt und Prä­si­dent des Gover­na­to­rats des Staa­tes der Vati­kan­stadt, Spanien.
  4. Erz­bi­schof Jean-Marc Ave­li­ne, Metro­po­li­tan-Erz­bi­schof von Mar­seil­le in Frankreich.
  5. Bischof Peter Ebe­re Okpa­le­ke, Bischof von Ekwu­lo­bia in Nigeria.
  6. Erz­bi­schof Leo­nar­do Ulrich Stei­ner OFM, Metro­po­li­tan-Erz­bi­schof von Man­aus in Brasilien.
  7. Erz­bi­schof Fili­pe Neri Antó­nio Seba­stião do Rosá­rio Fer­rão, Erz­bi­schof von Goa und Damão in Indien.
  8. Bischof Robert Wal­ter McEl­roy, Bischof von San Die­go in den USA.
  9. Erz­bi­schof Vir­gi­lio Do Car­mo Da Sil­va SDB, Erz­bi­schof von Dili in Osttimor.
  10. Bischof Oscar Can­to­ni, Bischof von Como in Italien.
  11. Erz­bi­schof Antho­ny Poo­la, Erz­bi­schof von Hyder­abad in Indien.
  12. Erz­bi­schof Pau­lo Cezar Costa, Metro­po­li­tan-Erz­bi­schof der Erz­diö­ze­se Bra­si­lia in Brasilien.
  13. Bischof Richard Kuuia Baa­wobr Mafr, Bischof von Wa in Ghana.
  14. Erz­bi­schof Wil­liam Goh Seng Chye, Erz­bi­schof von Singapur.
  15. Erz­bi­schof Adal­ber­to Mar­tí­nez Flo­res, Metro­po­li­tan-Erz­bi­schof von Asun­ción in Paraguay.
  16. Gior­gio Maren­go IMC, Apo­sto­li­scher Prä­fekt von Ulan-Bator in der Mongolei.

Unter den 13 Diö­ze­san­bi­schö­fen fin­den sich nur zwei euro­päi­sche Bischofs­sit­ze, davon mit Mar­seil­le einer, der im 20. Jahr­hun­dert mit der Kar­di­nal­s­wür­de ver­bun­den war. 

Zu den 16 künf­ti­gen Papst­wäh­lern ernann­te Fran­zis­kus noch fünf Kir­chen­män­ner zu Kar­di­nä­len, die das 80. Lebens­jahr bereits voll­endet haben und somit in einem Kon­kla­ve nicht mehr wahl­be­rech­tigt sind:

  1. Erz­bi­schof Jor­ge Enri­que Jimé­nez Car­va­jal, eme­ri­tier­ter Erz­bi­schof von Car­ta­ge­na in Kolumbien.
  2. Erz­bi­schof Lucas Van Looy SDB, eme­ri­tier­ter Erz­bi­schof von Gent in Belgien.
  3. Erz­bi­schof Arri­go Miglio, eme­ri­tier­ter Erz­bi­schof von Caglia­ri in Italien.
  4. P. Gian­fran­co Ghir­lan­da SJ, Pro­fes­sor für Theologie.
  5. Msgr. For­tu­n­a­to Frez­za, Dom­herr von St. Peter.

Fran­zis­kus schloß die Bekannt­ga­be mit der Aufforderung:

„Laßt uns für die neu­en Kar­di­nä­le beten, daß sie, indem sie ihre Treue zu Chri­stus bekräf­ti­gen, mir in mei­nem Amt als Bischof von Rom zum Woh­le des gan­zen hei­li­gen und gläu­bi­gen Got­tes­vol­kes hel­fen mögen.“

McElroy, Paraguay und die päpstlichen Kommissare

Unter den Neu­ernann­ten sind drei Prä­fek­ten römi­scher Dikaste­ri­en. Neben die­sen Ver­trau­ten des Pap­stes sticht die ein­zi­ge Ernen­nung aus den USA ins Auge. Mit Bischof McEl­roy ernann­te Fran­zis­kus einen Ultra­pro­gres­si­ven, der die päpst­li­che Linie in der Migranten‑, Klima‑, Ama­zo­nas- und Kom­mu­nion­fra­ge unter­stützt. Ein demon­stra­ti­ves Signal dafür, wel­che Frak­ti­on das Kir­chen­ober­haupt in den USA unter­stützt. Aktu­ell vor allem eine indi­rek­te Ohr­fei­ge für den muti­gen Erz­bi­schof Sal­va­to­re Cor­di­leo­ne von San Fran­cis­co, der der päpst­li­chen Agen­da trotz­te und ein Kom­mu­ni­on­ver­bot für Nan­cy Pelo­si, die mäch­ti­ge Abtrei­bungs­lob­by­istin der Demo­kra­ti­schen Par­tei, ver­häng­te. Das Kom­mu­ni­on­ver­bot für Abtrei­bungs­po­li­ti­ker der Demo­kra­ten wur­de von McEl­roy beson­ders laut­stark abge­lehnt. Eine sol­che Ernen­nung mit einem emi­nent poli­ti­schen Signal ent­spricht in beson­de­rer Wei­se dem Den­ken von Fran­zis­kus. Sie bestä­tigt zudem, daß das unsäg­li­che McCarrick-Erbe auch vier Jah­re nach dem abrup­ten Sturz des bis dahin mäch­tig­sten Kir­chen­man­nes der Fran­zis­kus-Ära in den USA noch kei­nes­wegs besei­tigt ist.

Para­gu­ay wird sei­nen ersten Kar­di­nal erhal­ten. Dar­auf wur­de dort seit län­ge­rem gedrängt – offen­sicht­lich mit Erfolg. Lob­by­is­mus lohnt sich dem­nach, wie die para­gua­ya­ni­sche Pres­se seit gestern zufrie­den feststellt.

P. Gian­fran­co Ghir­lan­da, ein Mit­bru­der von Fran­zis­kus aus dem Jesui­ten­or­den, wird offen­sicht­lich für sei­ne zuver­läs­si­gen Tätig­kei­ten als Päpst­li­cher Kom­mis­sar aus­ge­zeich­net. Er ist der der­zeit amtie­ren­de, bereits drit­te Päpst­li­che Kom­mis­sar der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta, die gleich am Beginn des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats der Ber­go­glia­ni­schen Barm­her­zig­keit zum Opfer fielen.

2014 hat­te ihn Fran­zis­kus schon zum Päpst­li­chen Dele­ga­ten für die Legio­nä­re Chri­sti ernannt. Mit der Ent­wick­lung in dem Orden scheint Fran­zis­kus zufrie­den. Mit Kuri­en­erz­bi­schof Alza­ga ernennt der argen­ti­ni­sche Papst bereits den zwei­ten Kar­di­nal aus die­sem Orden.

P. Ghir­lan­da gehör­te Ende 2016 auch der ziem­lich zwei­fel­haf­ten vati­ka­ni­schen Unter­su­chungs­kom­mis­si­on zum Mal­te­ser­or­den im Streit zwi­schen Groß­mei­ster Festing und Groß­kanz­ler Boe­sela­ger an. Unter Beru­fung auf das Ergeb­nis die­ser Kom­mis­si­on, die mehr­heit­lich ein­sei­tig mit Boe­sela­ger nahe­ste­hen­den Mit­glie­dern besetzt und damit kaum unab­hän­gig war, ver­lang­te Fran­zis­kus den Rück­tritt von Groß­mei­ster Fra‘ Mat­thew Festing. 

Der Kir­chen­recht­ler beglei­tet im päpst­li­chen Auf­trag auch die Ver­fas­sungs­re­form im Mal­te­ser­or­den. Glei­ches gilt für die Ordens­ge­mein­schaft Memo­res Domi­ni von Com­u­nio­ne e Libe­ra­zio­ne (CL) aus der die Frau­en kamen, die Papst Bene­dikt XVI. bereits wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats den Haus­halt führten.

P. Ghir­lan­da wird am 5. Juli sein 80. Lebens­jahr voll­enden, wes­halb auch er mit der Kar­di­nal­s­kre­ierung am 27. August nicht mehr Papst­wäh­ler sein wird.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild:Wikicommons

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