Die „universale Brüderlichkeit“ – Das neue Video vom Papst

Das neue höchste Gut

Christen, Muslime, Juden, alle Kulturen und Religionen: Das neue Video vom Papst zum Auftakt des Jahres 2021.
Christen, Muslime, Juden, alle Kulturen und Religionen: Das neue Video vom Papst zum Auftakt des Jahres 2021.

(Rom) Das neue Video vom Papst ist der „uni­ver­sa­len Brü­der­lich­keit“ gewid­met. Seit vier Jah­ren gibt es die Video-Initia­ti­ve zu den monat­li­chen Gebets­mei­nun­gen von Fran­zis­kus. In der jüng­sten Ver­öf­fent­li­chung greift Fran­zis­kus das The­ma der ersten wie­der auf, die höchst umstrit­ten war.

In der deut­schen Über­set­zung wird der Ori­gi­nal­be­griff gegen­dert und als „Geschwi­ster­lich­keit“ ent­stellt. Vor allem wird er damit aus dem histo­ri­schen Kon­text geris­sen, der erst die dahin­ter­ste­hen­de Dimen­si­on verdeutlicht.

Die Bot­schaft von Papst Fran­zis­kus in dem neu­en Video Nr. 49 lau­tet in der offi­zi­el­len deut­schen Übersetzung:

„Wir fol­gen Jesus und beten zu Gott. So ver­ei­nen wir uns als Brü­der und Schwe­stern mit allen, die der eige­nen Kul­tur, der eige­nen Tra­di­ti­on, dem eige­nen Glau­ben ent­spre­chend beten.

Wir sind Geschwi­ster, die beten.

Die Geschwi­ster­lich­keit führt uns dazu, uns dem Vater aller zu öff­nen und im ande­ren einen Bru­der, eine Schwe­ster zu sehen, um das Leben zu tei­len oder uns gegen­sei­tig zu unter­stüt­zen, um zu lie­ben, um ein­an­der kennenzulernen.

Die Kir­che schätzt das Han­deln Got­tes in ande­ren Reli­gio­nen, ohne zu ver­ges­sen, dass für uns Chri­sten die Quel­le der Men­schen­wür­de und der Geschwi­ster­lich­keit das Evan­ge­li­um Jesu Chri­sti ist.

Wir Gläu­bi­gen müs­sen zu unse­ren Quel­len zurück­keh­ren und uns auf das Wesent­li­che kon­zen­trie­ren. Das Wesent­li­che unse­res Glau­bens ist die Anbe­tung Got­tes und die Nächstenliebe.

Lasst uns beten, dass der Herr uns die Gna­de schen­ken möge, mit den Brü­dern und Schwe­stern ande­rer Reli­gio­nen in tie­fer Geschwi­ster­lich­keit zu leben, ohne Streit, indem wir für­ein­an­der beten und für alle offen sind.“

Gleich der erste Satz erstaunt, da er wider­sprüch­lich klingt. Wie kön­nen die Chri­sten, indem sie Jesus fol­gen und daher Gott anbe­ten, sich „als Brü­der und Schwe­stern mit allen ver­ei­nen, die der eige­nen Kul­tur, der eige­nen Tra­di­ti­on, dem eige­nen Glau­ben ent­spre­chend beten“? Dazu zeigt das Video eine beten­de Mus­li­ma und einen beten­den Juden.

Soll das Video eine reli­gi­ons­theo­re­ti­sche Abhand­lung sein?

Mus­li­me und nach­christ­li­che Juden leh­nen Chri­stus ab. Die­se Ableh­nung ist im Ver­hält­nis zum Chri­sten­tum sogar das Wesens­merk­mal ihrer Reli­gi­on. Wie läßt sich das also ver­ei­nen? Ist Beten an sich, unab­hän­gig vom Adres­sa­ten und Inhalt des Gebets, bereits gut und der aus­rei­chen­de gemein­sa­me Nen­ner, der allem genügt?

Fran­zis­kus for­mu­liert so „diplo­ma­tisch“, daß die Wider­sprü­che sich auf­zu­lö­sen schei­nen. Tun sie das aber? Der Papst sagt: „Wir fol­gen Jesus und beten zu Gott“. Er klam­mert damit die Got­tes­sohn­schaft Jesu aus, näm­lich die alles ent­schei­den­de Fra­ge – gene­rell und expli­zit gegen­über dem Juden­tum und dem Islam – ob Jesus der Sohn Got­tes und damit selbst gött­li­che Per­son ist.

Im Glau­bens­be­kennt­nis heißt es:

„Cre­do in unum Domi­num Iesum Chri­stum, Fili­um Dei uni­ge­ni­tum, et ex Patre natum ante omnia sæcu­la, Deum de Deo, lumen de lumi­ne, Deum ver­um de Deo vero, geni­tum, non fac­tum; con­sub­stan­tia­lem Patri; per quem omnia fac­ta sunt.“

„Ich glau­be an Got­tes ein­ge­bo­re­nen Sohn, aus dem Vater gebo­ren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wah­rer Gott vom wah­ren Gott, gezeugt, nicht geschaf­fen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.“

Jesus „fol­gen“ bleibt vage. Es ist mit dem Sta­tus eines Pro­phe­ten ver­ein­bar, den der Islam Jesus zubil­ligt, und es ist wohl auch für das Juden­tum nicht pro­vo­zie­rend. Jesus und Gott wer­den in der päpst­li­chen For­mu­lie­rung soweit ent­kop­pelt, daß Chri­sten sich impli­zit zwar dar­in wie­der­fin­den, aber auch Mus­li­me und Juden sie in ihrem Sin­ne ver­ste­hen können.

Wel­cher Nut­zen erwächst aller­dings dar­aus? Was ist damit gewon­nen? Was erreicht?

Wor­in unter­schei­det sich die­ses angeb­lich aus­rei­chen­de Ziel von jenem Rela­ti­vis­mus der Frei­mau­re­rei, mit dem sie sich im 18. Jahr­hun­dert kon­sti­tu­ier­te und eine „uni­ver­sa­le Brü­der­lich­keit“ jen­seits der Reli­gi­ons­be­kennt­nis­se defi­nier­te und zum höhe­ren Ziel erklärte?

Genau so lan­ge wie es die Vide­os vom Papst gibt, so lan­ge ver­folgt Fran­zis­kus einen Kurs, der ihm den Vor­wurf eines impli­zi­ten Syn­kre­tis­mus ein­brach­te, da die­ser Kurs die Fra­ge auf­wirft, ob alle Reli­gio­nen gleich gül­tig und damit letzt­lich gleich­gül­tig sind. 

Das Video vom Papst Nr. 1

Dahin­ter wird als näch­ster Schritt seit zwei Jah­ren das Ziel einer „uni­ver­sa­len Brü­der­lich­keit“ sicht­bar. Das Video vom Papst Nr. 1 mach­te den Auf­takt zum ersten Schritt. Es wur­de vom spa­ni­schen Histo­ri­ker, Jour­na­li­sten und Blog­ger Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigo­ña als „miß­ver­ständ­lich und rela­ti­vi­stisch“ kritisiert.

Der deut­sche Dog­ma­ti­ker Klaus Obenau­er rief dem Papst zu, er müs­se sich ent­schei­den: „Nathan der Wei­se oder Chri­stus“.

Fran­zis­kus beharr­te jedoch und wie­der­hol­te sei­ne The­se in Abwand­lun­gen, so nur weni­ge Mona­te spä­ter, am 24. April 2016, beim Earth Day, dem „Tag der Erde“, der Foko­lar­be­we­gung in Rom. Dort erschien Fran­zis­kus als Über­ra­schungs­gast und sag­te nicht min­der überraschend:

„Wir sind alle mensch­lich. Und in unse­rer Mensch­lich­keit kön­nen wir uns gegen­sei­tig annä­hern, um gemein­sam zu han­deln … ‚Ich aber gehö­re zu die­ser Reli­gi­on, oder zu jener ande­ren …‘. Das ist nicht wichtig!“

Earth Day am 24. April 2016 in Rom

Die Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit ist „nicht wich­tig“. Wich­tig sei, „das Menschsein“.

Drei Jah­re spä­ter, in Abu Dha­bi, ging Fran­zis­kus einen Schritt wei­ter und kon­kre­ti­sier­te durch sei­ne Unter­schrift unter eine gemein­sa­me Erklä­rung mit dem Groß­i­mam von Al-Azhar, daß das höhe­re Ziel eine „uni­ver­sa­le Brü­der­lich­keit“ sei. 

Wäh­rend dem Papst inner­kirch­lich von durch ihn stark mar­gi­na­li­sier­ter Sei­te vor­ge­wor­fen wur­de, damit die „Häre­sie der Häre­si­en“ zu unter­stüt­zen, kam von der Frei­mau­re­rei begei­ster­ter Applaus. Deren Tenor war, daß Fran­zis­kus und die Kir­che damit jene Hal­tung über­neh­men – end­lich –, die von der Frei­mau­re­rei bereits seit dem 18. Jahr­hun­dert ver­tre­ten wird und sogar ihr wich­tig­stes „Cre­do“ ist.

2020 ging Fran­zis­kus in sei­ner jüng­sten Enzy­kli­ka Fra­tel­li tut­ti noch wei­ter, indem er das Mot­to der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, Frei­heit – Gleich­heit – Brü­der­lich­keit, gleich ganz und ohne Abstri­che und Ver­schleie­run­gen über­nahm und ein gan­zes Kapi­tel damit über­schrieb. Wie­der­um ern­te­te das Kir­chen­ober­haupt den deut­lich­sten Applaus dafür von frei­mau­re­ri­scher Seite.

Ahmad al Tay­y­eb, der Groß­i­mam von Al-Azhar, mit Papst Franziskus 

Inzwi­schen ist bekannt, daß in Abu Dha­bi mit Unter­stüt­zung von Papst Fran­zis­kus ein Tem­pel der Welt­ein­heits­re­li­gi­on ent­ste­hen soll. Das Pro­jekt bekommt noch eine zusätz­li­che „Note“, wenn man weiß, daß in Ber­lin das glei­che Pro­jekt vor­an­ge­trie­ben wird und schon zwei Jah­re frü­her durch den Osser­va­to­re Roma­no unkri­tisch bekannt­ge­macht wurde.

Aus der Postu­lie­rung der „uni­ver­sa­len Brü­der­lich­keit“ zum höch­sten Ziel folgt die vor kur­zem vom Vati­kan vor­ge­nom­me­ne Postu­lie­rung einer „mora­li­schen Ver­pflich­tung“ zur Coro­na-Imp­fung „aus Näch­sten­lie­be“. So schließt sich der poli­tisch kor­rek­te Kreis.

Das Video vom Papst Nr. 49, das nun genau fünf Jah­re nach dem so umstrit­te­nen Video Nr. 1 folg­te, knüpft an das erste an. Der Bud­dhis­mus wur­de zwar neben Juden­tum und Islam nicht mehr ins Bild gesetzt, doch Fran­zis­kus wen­det sich undif­fe­ren­ziert an alle – alle Kul­tu­ren, alle Tra­di­tio­nen, alle Glaubensbekenntnisse.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Das Video des Papstes/Youtube (Screen­shots)

3 Kommentare

  1. Zitat: „Die Kir­che schätzt das Han­deln Got­tes in ande­ren Reli­gio­nen, ohne zu ver­ges­sen, dass für uns Chri­sten die Quel­le der Men­schen­wür­de und der Geschwi­ster­lich­keit das Evan­ge­li­um Jesu Chri­sti ist.“
    Das ist Häresie:
    Das Evan­ge­li­um han­delt von der aller­hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit und der Erlö­sung des Men­schen, durch Jesu Chri­sti Tod und Auferstehung.
    Gott ist die Wahr­heit, er hasst die Lüge.
    Chri­stus hat gesagt, nie­mand kommt zum Vater außer durch mich!

  2. Rein­ste Pro­pa­gan­da für die anti­christ­li­che Welt­ein­heits­re­li­gi­on mit ihren Tem­peln des einen-Antichristen.

  3. Der Gross­teil der Welt ist schon nicht mehr für uns erreich­bar. Wir, die die Zusam­men­hän­ge ein­deu­tig sehen. Die unleug­ba­re Wahr­heit über die­se Miß­stän­de löst bei den mei­sten Men­schen paw­low­sche Refle­xe aus. 

    Dabei ist das Myste­ri­um voll­stän­dig. Das Evan­ge­li­um ist mitt­ler­wei­le an alle Völ­ker der Welt ver­kün­det wor­den. Es gibt kei­nen Win­kel der Erde mehr, wo die Men­schen nicht davon wüss­ten (Mat­thä­us, Kapi­tel 24 sowie Par­al­lel­stel­len bei Mk und Lk). Somit stand jeder Mensch, egal, wo er sich auf die­ser Erde befin­det, schon vor der Fra­ge, ob er das Evan­ge­li­um annimmt. Die Zei­chen der Zeit drän­gen uns, das Evan­ge­li­um zu suchen. Dies nicht zu tun wird immer mehr eine wil­lent­li­che Unterlassung. 

    Hal­tet Euch bereit, denn der Men­schen­sohn kommt zu einer Stun­de, die Ihr nicht erwartet.

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