Der deutsche Synodale Irrweg – zum Vierten

Konzentrierter Angriff auf das sakramentale Priestertum

Der deutsche Synodale Irrweg der Protestantisierung (rechts im Bild: Kardinal Marx mit EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm).
Der deutsche Synodale Irrweg der Protestantisierung (rechts im Bild: Kardinal Marx mit EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm).

Von Hubert Hecker.

Zusam­men­fas­sung: Im Gefol­ge der wis­sen­schaft­lich nicht gedeck­ten Emp­feh­lun­gen der MHG-Stu­die wird dem zöli­ba­tä­ren Prie­ster­tum die Gene­rie­rung von drei nega­ti­ven Hal­tun­gen in die Schu­he gescho­ben: Kle­ri­ka­lis­mus, Macht­miss­brauch und sakra­le Über­hö­hung. Unter die­sem Vor­wand ver­sucht das Syn­odal­fo­rum ‚Macht und Gewal­ten­tei­lung‘ das vom Kon­zil bestä­tig­te sakra­men­ta­le Prie­ster­tum aus­zu­he­beln, ins­be­son­de­re die prie­ster­li­che Beauf­tra­gung der Hei­li­gung, der Leh­re und der Lei­tung. Statt­des­sen wol­len die Syn­oda­len in Nach­ah­mung staat­li­cher Struk­tu­ren mit Gewal­ten­tei­lung und Macht­kon­trol­le die Kir­che auf den post­ka­tho­li­schen Irr­weg der Pro­te­stan­ti­sie­rung füh­ren.

Im Jah­re 2012 beauf­trag­te die Deut­sche Bischofs­kon­fe­renz Prof. Chri­sti­an Pfeif­fer mit einer Miss­brauchs­stu­die im Bereich der diö­ze­sa­nen Kir­che Deutsch­lands. Auf­grund sei­ner vor­her­ge­hen­den Stu­die (sie­he Der deut­sche Syn­oda­le Irr­weg – zum Drit­ten) ging der Kri­mi­no­lo­ge von der Hypo­the­se aus, dass der Zöli­bat bei Miss­brauch ein pro­tek­ti­ver Fak­tor sei, wie das auch die Unter­su­chun­gen von den Foren­si­kern Krö­ber und Ley­graf bestä­tig­ten. Nach ein­ein­halb Jah­ren wur­de die Zusam­men­ar­beit wegen ver­schie­de­ner Streit­punk­te der Ver­trags­par­tei­en been­det. Im Som­mer 2014 schloss die DBK mit dem For­scher­kon­sor­ti­um MHG einen neu­en Beauf­tra­gungs­ver­trag.

Der neue For­schungs­an­satz der Pro­fes­so­ren aus Mann­heim, Hei­del­berg und Gie­ßen stand im kras­sen Gegen­satz zu den Posi­tio­nen von Pfeif­fer und Ley­graf, ins­be­son­de­re zur Ein­schät­zung des Zöli­bats. Es war schon vor For­schungs­be­ginn klar, dass mit dem ent­schei­den­den drit­ten Pro­jekt­ziel die spe­zi­fisch katho­li­schen Struk­tu­ren, Tra­di­tio­nen und Lehr­aus­sa­gen gene­rell als ‚miss­brauchs­be­gün­sti­gend‘ iden­ti­fi­ziert wer­den soll­ten. Kon­kret soll­te mit den Punk­ten Zöli­bat, Sexu­al­mo­ral und hier­ar­chisch-sakra­men­ta­le Ord­nung der Kir­che die spe­zi­fisch kirch­lich-katho­li­schen Dimen­sio­nen dis­kre­di­tiert wer­den, die die Kir­che von den pro­te­stan­ti­schen Gemein­schaf­ten unter­schei­det.

War das den füh­ren­den DBK-Bischö­fen beim Ver­trags­ab­schluss nicht bewusst? Waren sie zu naiv oder haben sie sich viel­leicht all­zu leicht­gläu­big über den Tisch zie­hen las­sen?

Die Diskreditierung katholischer Positionen war bischöflich gewollt

Bei der Publi­ka­ti­on der MHG-Stu­die im Herbst 2018 war zu beob­ach­ten, dass die mei­sten deut­schen Bischö­fe sehr eil­fer­tig den von den For­schern emp­foh­le­nen Abbau der katho­li­schen Posi­tio­nen akzep­tier­ten. Der DBK-Vor­sit­zen­de Kar­di­nal Marx und sein Stell­ver­tre­ter Bischof Bode gin­gen sogleich in die Öffent­lich­keits­of­fen­si­ve mit den For­de­run­gen, den Zöli­bat infra­ge zu stel­len, die kirch­li­che Ehe- und Sexu­al­mo­ral „ohne Tabus“ neu zu kon­zi­pie­ren und die Lei­tungs­auf­ga­ben von Bischö­fen und Prie­stern abzu­bau­en. Schließ­lich einig­te man sich mit dem Zen­tral­ko­mi­tee der Deut­schen Katho­li­ken, die­se drei Haupt­for­de­run­gen in drei Arbeits­grup­pen einer deut­schen Syn­ode spruch­reif zu machen. Spä­ter kam noch eine vier­te Arbeits­grup­pe zur Rol­le der Frau­en in der Kir­che dazu. Die­ses Forum wur­de eben­falls von dem MHG-Stu­di­en­lei­ter Harald Dreß­ing begrüßt: „Hilf­reich wäre auch ein Auf­bre­chen der geschlos­se­nen Män­ner­bün­de, zum Bei­spiel durch die Zulas­sung von Frau­en zu Wei­he­äm­tern.“i

Auf die­sem Hin­ter­grund drän­gen sich anstel­le der oben notier­ten Fra­gen ganz ande­re The­sen auf: Den Bischö­fen muss das kir­chen­kri­ti­sche Pro­gramm­ziel der MHG-For­scher bewusst gewe­sen sein. Sie erwar­te­ten und begrüß­ten die Aus­sa­gen der Autoren, in kirch­li­chen Struk­tu­ren die allei­ni­ge Schuld an Miss­bräu­chen von Geist­li­chen zu sehen. Sie igno­rier­ten die fun­dier­te Kri­tik von Man­fred Lütz an den Unter­su­chungs­er­geb­nis­sen und den wis­sen­schaft­lich nicht gedeck­ten Emp­feh­lun­gen. Denn die Stu­die lie­fer­te der DBK-Füh­rung einen per­fek­ten Vor­wand, schon län­ger ange­streb­te kirch­li­che „Refor­men“ als Anpas­sung an den Pro­te­stan­tis­mus und den Zeit­geist auf den (syn­oda­len) Weg zu brin­gen.

Angriff auf den priesterlichen Zölibat …

Kar­di­nal Marx hat­te im Sep­tem­ber 2018 bei der Publi­ka­ti­on der MHG-Stu­die ver­kün­det, der Zöli­bat sei für die ergeb­nis­of­fe­ne Dis­kus­si­on frei­ge­ge­ben. Damit ermun­ter­te er pro­gres­si­ve Theo­lo­gen, Lai­en­gre­mi­en und Kir­chen­me­di­en zum all­sei­ti­gen Angriff auf die prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit. Nach einem Jahr antiz­ö­li­ba­tä­rer Pro­pa­gan­da fass­te ein Kom­men­ta­tor der Katho­li­schen Nach­rich­ten-Agen­tur die kirch­li­che Main­stream-Mei­nung so zusam­men: „Im Zuge von Prie­ster­man­gel und Miss­brauchs­skan­dal“ sei die Abschaf­fung des Zöli­bats beson­ders dring­lich. Denn die zöli­ba­tä­re Lebens­wei­se för­de­re „einen män­ner­bün­di­schen Kle­ri­ka­lis­mus, Macht­miss­brauch und ein über­höh­tes Prie­ster­bild. Mit sei­nem Weg­fall kön­ne eine part­ner­schaft­li­che­re Kir­che ent­ste­hen.“ii Eini­ge Mona­te spä­ter schloss sich der Spre­cher der Opfer-Initia­ti­ve ‚Ecki­ger Tisch‘, Mat­thi­as Katsch, eben­falls dem Kampf gegen den Zöli­bat an: „Der Zöli­bat in sei­ner jet­zi­gen Form ist Teil des Macht­sy­stems der katho­li­schen Kir­che. Das ist der orga­ni­sa­to­ri­sche Schlüs­sel, der die kle­ri­ka­le Pyra­mi­de zusam­men­hält.“iii

An der KNA-Pas­sa­ge ist bemer­kens­wert, dass die sexu­el­len Miss­brauchs­fäl­le nur noch als Anlass für eine Umwand­lung in eine ande­re, „part­ner­schaft­li­che“ Kir­che gese­hen wer­den. Die­se Begrün­dungs­ver­än­de­rung ist wohl der Kri­tik dar­an geschul­det, dass es in der Tat ein fehl­ge­hen­des Argu­ment ist, bei 96 Pro­zent unbe­schol­te­nen Prie­stern und vier von hun­dert über­grif­fi­gen Geist­li­chen weit­rei­chen­de „Struktur-“Änderungen in der Kir­che zu for­dern. Gleich­wohl bleibt der Zöli­bat im Faden­kreuz der inner­kirch­li­chen Angrif­fe. Man fährt gro­ße Geschüt­ze auf, um die prie­ster­li­che Ehe­lo­sig­keit zu dele­gi­ti­mie­ren. Dem zöli­ba­tä­ren Prie­ster­tum wird die Gene­rie­rung von drei nega­ti­ven Hal­tun­gen in die Schu­he gescho­ben: Kle­ri­ka­lis­mus, Macht­miss­brauch und sakra­le Über­hö­hung des Prie­ster­sta­tus.

… und die hierarchisch verfasste Kirche

Alle drei Vor­wür­fe sind unbe­rech­tigt. Die ersten bei­den ‚Ankla­ge­punk­te‘ sind im vor­he­ri­gen Teil der Serie als halt­los auf­ge­wie­sen wor­den: Die Daten der MHG-Stu­die zei­gen ein­deu­tig, dass die Mehr­zahl der Über­grif­fe nicht durch Aus­nut­zung kle­ri­ka­ler Macht, son­dern mit den Metho­den post-kle­ri­ka­ler Erschlei­chung von Ver­trau­en ange­bahnt und aus­ge­führt wur­de. Die drit­te The­se von der sakra­len Über­hö­hung des Prie­ster­tums soll im Fol­gen­den erör­tert wer­den.

Wie aus den oben erwähn­ten Stel­lung­nah­men ersicht­lich, hat sich der Angriffs­fo­kus vom Zöli­bat auf den zöli­ba­tä­ren Prie­ster ver­scho­ben – und auch das ist nur ein Etap­pen­ziel. Das wei­ter­ge­hen­de Ziel besteht dar­in, die hier­ar­chisch ver­fass­te Kir­che („kle­ri­ka­le Pyra­mi­de“) zum Ein­sturz zu brin­gen, indem das zen­tra­le Bau­ele­ment des sakra­men­ta­len Wei­he­prie­ster­tums von Pfar­rern und Bischö­fen abge­schafft wer­den soll. Auf den Trüm­mern möch­te man dann eine post-katho­li­sche ‚part­ner­schaft­li­che‘ After­kir­che auf­bau­en.

Bis zum Okto­ber 2019 sahen sich die kirch­li­chen Mei­nungs­füh­rer durch die Vordoku­men­te der Ama­zo­nas-Syn­ode bestärkt, dass die ‚viri pro­ba­ti‘ und damit der Ein­stieg in den Aus­stieg zum Zöli­bat kom­men wür­de – zuerst im Prä­ze­denz­fall Ama­zo­ni­en, danach in allen Län­dern mit „Prie­ster­man­gel“. Ihre Träu­me von der päpst­li­chen Frei­ga­be von ver­hei­ra­te­ten Prie­stern platz­ten aber zunächst mit dem apo­sto­li­schen Schrei­ben im Febru­ar 2020. Eigent­lich hät­ten die Zöli­bats­ver­äch­ter schon aus dem Brief des Pap­stes an die deut­schen Katho­li­ken im Som­mer 2019 ent­neh­men kön­nen, dass sie sich in Zei­ten des zuneh­men­den Glau­bens­ver­lu­stes mehr um die Stär­kung einer evan­ge­li­sie­ren­den Kir­che küm­mern soll­ten als um Struk­tur­re­for­men oder Ein­mi­schung in welt­kirch­li­che Lehr­fra­gen.

Die­se päpst­li­chen Mah­nun­gen wur­den von den DBK- und ZdK-Füh­rern in der gewohn­ten Manier umge­deu­tet als Ermu­ti­gung zum Wei­ter­ge­hen auf dem ‚Syn­oda­len Weg‘, also einem natio­nal­kirch­li­chen Son­der­weg. Seit dem Ersten Advent 2019 hat die deut­sche Syn­ode mit ihrer Arbeit begon­nen. Die Zöli­bats­dis­kus­si­on ist dabei etwas zurück­ge­fah­ren wor­den. In dem Forum ‚Prie­ster­li­che Lebens­form‘ besteht nur eine von vie­len Fra­gen dar­in: „Ist der Zöli­bat die dem Wesen des Prie­ster­tums allein ange­mes­se­ne Lebens­form?“

Anson­sten unter­schei­det sich das vier­ein­halb­sei­ti­ge Arbeits­pa­pier des Forums in sei­ner geist­li­chen Aus­rich­tung deut­lich von den moder­ni­sti­schen The­sen der drei ande­ren Foren. Das Forum will sei­ne Bera­tun­gen den Impul­sen von Papst Fran­zis­kus ent­spre­chend „an dem Pri­mat des Evan­ge­li­ums und des sen­sus eccle­siae aus­rich­ten“ – etwa mit der Fra­ge: Wie kön­nen Bischö­fe, Prie­ster und Lai­en sich selbst evan­ge­li­sie­ren, in Glau­be, Hoff­nung und Lie­be wach­sen, um dann ihrem Ver­kün­di­gungs- und Sen­dungs­auf­trag in der Welt und ins­be­son­de­re gegen­über der säku­la­ri­sier­ten Gesell­schaft nach­zu­kom­men? Aller­dings zei­gen sich in den wei­te­ren Aus­fal­tun­gen die­ser grund­le­gen­den Auf­ga­ben­stel­lung die Schwä­chen und Inkon­se­quen­zen der Ori­en­tie­rung an Fran­zis­kus: Man soll die Zei­chen der Zeit wahr­neh­men, die aktu­el­le Wirk­lich­keit anneh­men, dar­in und in den Wor­ten der ande­ren „den Hei­li­gen Geist hören“, statt mit dem Hören auf das Wort Got­tes im Evan­ge­li­um zu begin­nen. Gegen­über dem wohl­fei­len Reden von den (auto­ma­tisch wir­ken­den) Cha­ris­men der Getauf­ten betont das Papier, dass das „sakra­men­ta­le Tauf­be­wusst­sein der erwach­se­nen-kate­che­ti­schen“ Ver­tie­fung bedarf, um die Cha­ris­men zu wecken und den Sen­dungs­auf­trag der Lai­en bewir­ken zu kön­nen. Im Bekennt­nis zur Sakra­men­ta­li­tät des Prie­ster­tums, ein­ge­bet­tet in die Kir­che als Grundsa­kra­ment, wird gefragt, wie die Wei­he­voll­macht durch das Glau­bens- und Gebets­le­ben der Prie­ster so aus­ge­stal­tet wer­den kann, dass die Hir­ten­voll­macht der Pfar­rer sich zu einer guten geist­li­chen Lei­tung für den prie­ster­li­chen Dienst am Volk Got­tes ent­wickelt.iv

Grundstürzende ekklesiologische Forderungen auf dem Synodalen Weg

Eine ganz ande­re Aus­rich­tung ist in dem Forum: „Macht und Gewal­ten­tei­lung in der Kir­che. Teil­nah­me und Teil­ha­be am Sen­dungs­auf­trag“ fest­zu­stel­len, bei dem es eben­falls um die Wei­he­äm­ter von Bischof und Prie­ster geht. In dem neun­zehn­sei­ti­gen Papier wer­den weni­ger Fra­gen gestellt oder auf Bibel- und Kon­zils­wor­te gehört, als for­sche The­sen und Behaup­tun­gen in den Vor­der­grund gerückt. Man gefällt sich im hohen Ton aka­de­mi­scher Aus­füh­run­gen über angeb­li­che histo­ri­sche und sozio­lo­gi­sche Fehl­ent­wick­lun­gen in der Kir­che. Die Ver­fas­ser schrei­ben im Duk­tus bes­ser­wis­se­ri­scher Beleh­run­gen bei offen­sicht­lich eli­tä­rem Selbst­be­wusst­sein.

Pas­sa­gen­wei­se liest sich der Text wie ein poli­ti­sches Pro­gramm: Erst im 19. Jahr­hun­dert sei es in der Kir­che zu einer „Auf­la­dung des Wei­he­am­tes als ‚hei­li­ge Gewalt‘ gekom­men“, wodurch eine „Zusam­men­bal­lung von sakra­men­ta­ler, legis­la­ti­ver, exe­ku­ti­ver, admi­ni­stra­ti­ver und juri­sti­scher Voll­macht“ ent­stan­den wäre. Das sei den heu­ti­gen Zeit­ge­nos­sen „nicht mehr plau­si­bel“ zu machen. Des­halb müs­se sich die Kir­che an den „nor­ma­ti­ven Ansprü­chen“ ori­en­tie­ren, „die in moder­nen demo­kra­ti­schen Ver­fas­sungs­staa­ten geleb­te Pra­xis“ sei­en.v

Wei­ter schrei­ben die Ver­fas­ser: „Sexua­li­sier­te Gewalt von Amts­trä­gern und ihre Ver­schleie­rung hän­gen mit einer Form der Sakra­li­sie­rung kirch­li­cher Macht zusam­men, (…) die sich auf Gott beruft, um sich der Kon­trol­le durch das Volk Got­tes zu ent­zie­hen.“ Im Rah­men die­ses sozio-poli­ti­schen Macht­be­griffs for­dert man Macht­kon­trol­le durch das Volk als demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on, Par­ti­zi­pa­ti­on und Gewal­ten­tei­lung nach staat­li­chem Vor­bild. Die inner­kirch­li­chen Struk­tu­ren und Pro­zes­se sol­len denen des säku­la­ren Staa­tes nach­ge­bil­det wer­den. Aber wer braucht eine sol­che Ver­dopp­lung des Staa­tes in der Kir­che? Und was hät­te die anvi­sier­te säku­la­ri­sier­te Insti­tu­ti­on mit der von Chri­stus gestif­te­ten Kir­che gemein? Man for­dert, „die Ver­lei­hung von Lei­tungs­äm­tern aus­schließ­lich auf Zeit“ zu ver­ge­ben (vier Jah­re wie bei Volks­ver­tre­tern und Regie­rung?), „Kon­trol­le von Füh­rungs­per­so­nen durch unab­hän­gi­ge Per­so­nen und den Pre­digt­dienst von Gläu­bi­gen in der Hei­li­gen Mes­se zu beschlie­ßen“.

Mit die­sen grund­stür­zen­den ekkle­sio­lo­gi­schen For­de­run­gen soll die biblisch fun­dier­te Leh­re von der Kir­che abge­löst wer­den,

  • dass der auf­er­stan­de­ne Chri­stus in sei­ner Kir­che als mysti­schem Leib fort­lebt,
  • dass Chri­stus alle Gläu­bi­gen zu sei­nen Jün­gern, Nach­fol­gern, Ver­kün­di­gern und Mis­sio­na­ren beru­fen hat,
  • dass er aber die zwölf Apo­stel zu dem beson­de­ren Dienst der Hir­ten­sor­ge beauf­tragt hat, die sich in den drei Dien­sten Heiligungs‑, Lei­tungs- und Lehr­amt voll­zieht,
  • dass folg­lich die Apo­stel (Bischö­fe, Prie­ster) Chri­stus als Haupt und Hir­ten der Kir­che reprä­sen­tie­ren und sicht­bar machen,
  • dass Chri­stus die Apo­stel im Abend­mahls­saal beauf­tragt hat, das Myster­ion (Sakra­ment) sei­ner Kreu­zes­hin­ga­be als Sün­den­ver­ge­bung und Erlö­sungs­tod zu ver­ge­gen­wär­ti­gen.vi

Die­se Kir­chen­leh­re hat das Kon­zil in sei­ner Dog­ma­ti­schen Kon­sti­tu­ti­on über die Kir­che Lumen gen­ti­um bewahrt und aus­ge­fal­tet. Für die von Chri­stus beauf­trag­ten und gesand­ten Bischö­fe und Prie­ster wer­den die drei beson­de­ren prie­ster­li­chen Auf­ga­ben im Lehr‑, Hei­li­gungs- und Lei­tungs­dienst bestä­tigt. In die­sem Rah­men stellt das Kon­zil fest, dass die geweih­ten Prie­ster sich von den ein­fa­chen Gläu­bi­gen „dem Wesen, nicht dem Grad nach“ unter­schei­den. Denn die Amtsprie­ster „bil­den kraft ihrer hei­li­gen Gewalt, die sie inne­ha­ben, das prie­ster­li­che Volk her­an und lei­ten es“.

Missbrauch bei der Konzilsexegese

Gegen die­se Kon­zils­be­stä­ti­gung der her­aus­ge­ho­be­nen Beru­fung und Beauf­tra­gung der Prie­ster lau­fen nicht nur die Ver­fas­ser des Forums­tex­tes Sturm. Die offe­ne oder indi­rek­te Miss­bil­li­gung der betref­fen­den Kon­zils­aus­sa­gen fin­det man bei zahl­rei­chen moder­ni­sti­schen Theo­lo­gen und Bischö­fen. Sie kommt auch in der Kri­tik meh­re­rer Bischö­fe an der päpst­lich appro­bier­ten Instruk­ti­on zu den Pfarr­ge­mein­den und ihrer Lei­tung vom 20. Juli zum Aus­druck. Bischof Bode bemän­gelt in sei­ner Stel­lung­nah­me zu dem römi­schen Doku­ment das „Prie­ster­bild“, das „die Beson­der­heit des (prie­ster­li­chen) Dien­stes zu stark betont“. Der Bischof ver­weist in die­sem Punkt auf die Bera­tungs­fo­ren des Syn­oda­len Wegs, die die „römi­sche Her­aus­for­de­rung“ der Instruk­ti­on parie­ren und rela­ti­vie­ren sol­len. Das Forum ‚Macht und Gewal­ten­tei­lung‘ hat dazu schon Vor­ga­ben gemacht:

  • Die angeb­lich pro­ble­ma­ti­sche „Ein­heit von Lei­tung, Leh­re und Sakra­men­ten­spen­dung“ für die Wei­he­äm­ter soll auf­ge­bro­chen wer­den;
  • „die Lei­tungs­ge­walt und Ent­schei­dungs­macht ist nicht exklu­siv an die Wei­he zu bin­den“;
  • kirch­li­che Macht und Gewalt soll „durch Par­ti­zi­pa­ti­on und Gewal­ten­tei­lung“ nach staat­li­chem Vor­bild in die Schran­ken gewie­sen wer­den.

Die syn­oda­len Text­au­toren bezie­hen sich bei ihren For­de­run­gen nach einem ekkle­sio­lo­gi­schen Para­dig­men­wech­sel aus­schließ­lich auf das zwei­te von acht Kapi­teln der dog­ma­ti­schen Kir­chen­kon­sti­tu­ti­on des Kon­zils. In die­sem Teil von Lumen gen­ti­um mit dem Titel ‚Das Volk Got­tes‘ geht es um die Beru­fung und Sen­dung aller Gläu­bi­gen zu gei­sti­gen Opfern und zur Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums (sie­he oben). Inso­fern sind sie ein „prie­ster­li­ches Volk“, jedoch mit unter­schied­li­chen Dien­sten und Auf­ga­ben sowie in orga­ni­scher Ein­heit.
Die beson­de­ren Dien­ste von Bischö­fen, Prie­stern und Dia­ko­nen wer­den im drit­ten Kapi­tel der Kon­sti­tu­ti­on unter den Num­mern 18 bis 29 gelehrt und erläu­tert. Die­sen Teil der Kon­zils­aus­sa­gen igno­rie­ren die deut­schen Syn­oda­len voll­stän­dig. Nicht wahr­ha­ben wol­len sie die bestän­di­ge Leh­re der Kir­che, dass die Bischö­fe zusam­men mit den Prie­stern und Dia­ko­nen „an Got­tes Stel­le der Her­de vor­ste­hen, deren Hir­ten sie sind, als Leh­rer in der Unter­wei­sung, als Prie­ster im hei­li­gen Kult, als Die­ner in der Lei­tung“. Die Amts­voll­mach­ten der Hei­li­gung, der Leh­re und der Lei­tung wer­den den Bischö­fen und Prie­stern in der Wei­he über­tra­gen. Sie über­neh­men in sicht­ba­rer Wei­se die Auf­ga­ben Chri­sti, des Leh­rers, Hir­ten und Prie­sters, und han­deln in sei­ner Per­son (Lumen gen­ti­um 19–21).

Es ist ein ille­gi­ti­mes Ver­fah­ren, wenn das Syn­odal­pa­pier in einer selek­ti­ven Aus­le­gung zen­tra­le Kapi­tel eines Kon­zils­do­ku­men­tes igno­riert und sich nur bestimm­te Pas­sa­gen her­aus­pickt, um mit deren Inter­pre­ta­ti­on das Gesamt­do­ku­ment für ein­sei­ti­ge Ansich­ten zu ver­ein­nah­men. Die syn­oda­len Autoren täu­schen die kirch­li­che Öffent­lich­keit mit dem ver­mit­tel­ten Ein­druck, ihr ekkle­sio­lo­gi­scher Para­dig­men­wech­sel erge­be sich aus dem Kon­zils­do­ku­ment.

Angriff gegen das sakramentale Priestertum

Ein wei­te­rer Pfad zur Dele­gi­ti­mie­rung von Prie­stern und Pfar­rern besteht in der The­se, die geweih­ten Per­so­nen und ihre Ämter wür­den durch Sakra­li­sie­rung und Sakra­men­ta­li­sie­rung zu ille­gi­ti­men Macht­po­si­tio­nen auf­ge­baut, die sich gegen jeg­li­che Kri­tik und Kon­trol­le immu­ni­sie­ren woll­ten. Ange­sto­ßen hat­te die Sakra­li­sie­rungs­dis­kus­si­on der Salz­bur­ger Theo­lo­ge Prof. Dr. Gre­gor Maria Hoff, der beim DBK-Stu­di­en­tag am 13. März 2019 in Lin­gen zu einem Vor­trag mit dem Titel: „Sakra­li­sie­rung der Macht“ ein­ge­la­den war. Hoffs The­sen sind ziem­lich ver­klau­su­liert – um nicht wirr zu sagen: „Die katho­li­sche Kir­che befin­det sich ange­sichts ihres Miss­brauchs­pro­blems in einer Sakra­li­sie­rungs­fal­le. Der sakra­men­ta­le Code greift immer (…). Aber er droht gegen­über der Sakral­macht, die er vor­aus­setzt, blind zu blei­ben, indem er sie bean­sprucht.“vii

Bei die­ser ver­rät­sel­ten Dia­lek­tik drängt sich die Fra­ge auf, ob die Leser ver­ste­hen sol­len, was der Autor meint. Zwei­fel sind ange­bracht ange­sichts der sozio-poli­ti­schen For­mel, die Hoff unver­mit­telt wie eine Zau­ber­for­mel aus dem Hut zieht für das angeb­li­che kirch­li­che „System­pro­blem“: „Gewal­ten­tei­lung von innen her und Macht­kon­trol­le von außen“.

Noch fun­da­men­ta­ler ist die Kri­tik des Kir­chen­hi­sto­ri­kers Huber­tus Lut­ter­bach an dem sakra­men­ta­len Cha­rak­ter von Kir­che und kirch­lich-lit­ur­gi­schem Han­deln, wie ihn das Kon­zil bestä­tigt hat. „Der Autor will Schüt­zen­hil­fe lei­sten für die Schaf­fung einer neu­en Kir­che, wie sie der Syn­oda­le Weg für Deutsch­land her­bei­füh­ren soll.“viii Lut­ter­bachs Visi­on besteht in einer radi­ka­len Pro­fa­ni­sie­rung aller sakra­men­ta­len und reli­gi­ös-sym­bo­li­schen Ritua­le sowie aller sakra­len Gegen­stän­de, Bil­der und Kir­chen­räu­me. Was von der Kir­che blei­ben soll, wäre dann eine cal­vi­ni­stisch-säku­la­re Gemein­schaft, die von einer NGO nicht mehr unter­scheid­bar wäre. Der Rück­griff auf die Sakral­kri­tik des frü­hen 16. Jahr­hun­derts zeigt an, wohin die Entsa­kra­li­sie­rungs­be­stre­bun­gen im Rah­men des Syn­oda­len Wegs lau­fen sol­len: Die „deut­sche römisch-katho­li­sche Kir­che“ (S. 19) soll auf den Irr­weg der Pro­te­stan­ti­sie­rung geführt wer­den und damit ihre katho­li­sche Iden­ti­tät auf­ge­ben.

Weckruf zur Umkehr vom nationalkirchlichen Irrweg in die weltkirchliche Gemeinschaft

Wel­che Bedeu­tung hat die kürz­lich vom Papst appro­bier­te Instruk­ti­on über die Pfarr­ge­mein­den für den deut­schen Syn­odal­weg? Das vati­ka­ni­sche Doku­ment drückt im Titel sei­ne Ziel­set­zung aus: „Pasto­ra­le Umkehr der Pfarr­ge­mein­de im Dienst an der mis­sio­na­ri­schen Sen­dung der Kir­che“. Der Papst mahnt – wie schon in sei­nem letzt­jäh­ri­gen Brief an die deut­schen Katho­li­ken, dass in der Kir­che „die Evan­ge­li­sie­rung unser Leit­kri­te­ri­um schlecht­hin sein muss“. Unter der „Lei­tung der Hir­ten“ sol­len alle Gläu­bi­gen auf­ge­ru­fen und geför­dert wer­den, „akti­ve Prot­ago­ni­sten der Evan­ge­li­sie­rung“ zu sein in der „orga­ni­schen Gemein­schaft“ der Pfarr­ge­mein­de mit ihren unter­schied­li­chen Dien­sten und Beru­fun­gen (Nr. 38f). In der Fei­er der hei­li­gen Eucha­ri­stie als Quel­le und Höhe­punkt des gan­zen christ­li­chen Lebens „ent­steht die Pfarr­ge­mein­de“ immer wie­der neu, gelei­tet vom Pfar­rer in sei­nen Dien­sten als geweih­ter Prie­ster, Leh­rer und Hir­te. Auf die­ser kon­zils­dog­ma­ti­schen Grund­la­ge hat die vati­ka­ni­sche Instruk­ti­on die Fest­le­gung des Kir­chen­rechts von 1983 bestä­tigt, dass allein geweih­te Prie­ster als Pfar­rer zur Lei­tung von Pfar­rei­en befugt sind.

Indem eini­ge füh­ren­de deut­sche Bischö­fe „das Prie­ster­bild“ der Instruk­ti­on ableh­nen, ver­wei­gern sie den zugrun­de lie­gen­den dog­ma­ti­schen Kon­zils­aus­sa­gen ihren gläu­bi­gen Respekt. Aber vor allem soll der anti-römi­sche Pro­test ver­decken, dass die Instruk­ti­on den Syn­oda­len Weg ins Unrecht setzt bezüg­lich des Kir­chen­rechts und der Dog­ma­tik. Die stei­len The­sen des Syn­odal­fo­rums „Macht und Gewal­ten­tei­lung“ (sie­he oben) zei­gen sich als kirch­li­cher Irr­weg, indem die sakra­men­ta­le Legi­ti­mie­rung der Wei­he­prie­ster für die reprä­sen­ta­tio Chri­sti in der Gemein­de als Leh­rer, Hir­te und Prie­ster geleug­net wird. Auch die Syn­oden­per­spek­ti­ve von Kar­di­nal Marx wirkt auf die­sem Hin­ter­grund mehr als unglaub­wür­dig. Der ehe­ma­li­ge DBK-Vor­sit­zen­de hat­te die Posi­tio­nen der deut­schen Son­der­weg­syn­ode als „hilf­reich auch für die Welt­kir­che und für ande­re Bischofs­kon­fe­ren­zen“ ange­prie­sen.ix Indem die vati­ka­ni­sche Instruk­ti­on die deutsch-kirch­li­chen Posi­tio­nen als abwe­gig erweist, kann sich Marx sei­nen über­heb­li­chen Vor­schlag hin­ter den Spie­gel stecken.

Nach dem Papst­brief vom Som­mer 2019 soll­te die vati­ka­ni­sche Instruk­ti­on von den deut­schen Bischö­fen als wei­te­rer Weck­ruf beher­zigt wer­den, von dem natio­nal­kirch­li­chen Irr­weg umzu­keh­ren in die welt­kirch­li­che Gemein­schaft mit dem Papst und allen ande­ren Bischö­fen

Bild: Syn­oda­ler Weg/DBK (Screen­shots)


i FAZ vom 20. 5. 2019

ii Chri­stof Arens am 12. 9. 2019 auf katholisch.de

iii Der Spie­gel vom 11. 1. 2020

iv Forum „Prie­ster­li­che Lebens­form“. The­men- und Fra­gen­samm­lung, Stand vom 13./14. 9. 2019

v Arbeits­pa­pier des vor­be­rei­ten­den Forums zu ‚Macht und Gewal­ten­tei­lung in der Kir­che. Gemein­sa­me Teil­nah­me und Teil­ha­be am Sen­dungs­auf­trag‘, Stand vom 13./14. Sep­tem­ber 2019

vi Die Aus­füh­run­gen ori­en­tie­ren sich an dem Bei­trag: Funk­tio­när oder Gesand­ter Chri­sti? Von Chri­stoph Bin­ni­ger, ao. Pro­fes­sor für Dog­ma­tik in Hei­li­gen­kreuz, im Bei­heft 03 ‚welt & kir­che‘ der Tages­post vom 26. 3. 2020

vii Prof. Dr. Gre­gor Maria Hoff: Sakra­li­sie­rung der Macht. Theo­lo­gi­sche Refle­xio­nen zum katho­li­schen Miss­brauch-Kom­plex, Vor­trag auf dem Stu­di­en­tag der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz am 13. 3. 2019 in Lin­gen, in: Pres­se­mit­tei­lung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz vom 13. 3. 2019

viii Fron­tal­an­griff auf die Sakra­men­ta­li­tät der Kir­che, Kom­men­tar von Micha­el Kra­ger zu Huber­tus Lut­ter­bachs Auf­satz in der Her­der­kor­re­spon­denz 4/2020, in: Die Tages­post vom 30. 4. 2020

ix Marx weist Kri­tik aus Rom mit schar­fen Wor­ten zurück: FAZ vom 16. 9. 2019

1 Kommentar

  1. Ein klei­nes Wun­der des „Syn­oda­len Irr­we­ges“
    Eigent­lich wird zuerst ein Pro­blem wahr­ge­nom­men und dann eine Lösung für das Pro­blem gefun­den. Ganz anders geht da der „Syn­oda­le Irr­weg“ vor, denn schon bevor er ins Leben geru­fen wur­de, um bestimm­te Kir­chen­pro­ble­me zu lösen, stand das The­ra­pie­kon­zept fest. Die anti­ka­tho­li­sche Bewe­gung „Wir sind Kir­che“ popu­la­ri­sier­te (als die zig­fach­ste Neu­auf­la­ge der Rot­te Korach­pa­ro­le: Kampf der Hier­ar­chie, 4. Mose 16): das Reform­pro­gramm: Kampf dem Zöli­bat, Demo­kra­ti­sie­rung der Kir­che, Moder­ni­sie­rung der Sexu­al­mo­ral­leh­re der Kir­che und die Ein­füh­rung des Frau­en­prie­ster­tu­mes. Das gei­stert nun in der Kir­che her­um, bis es nun rich­tig Fleisch anneh­men soll im „Syn­oda­len Irr­weg“.
    Was hat nun dies ursprüng­li­che Ver­pro­te­stan­ti­sie­rungs­kon­zept mit dem Skan­dal der sexu­el­len Miß­brauchs­fäl­le zu tun? Nichts, denn dies Pro­gramm stand schon fest lan­ge bevor die Miß­bräu­che publik wur­den. Aber die Miß­brauchs­fäl­le sol­len nun zur Legi­ti­mie­rung die­ser Alt68er-Reform­an­lie­gen instru­men­ta­li­siert wer­den.
    Wie pas­sen denn nun die­se „Wir sind Kirche“-Deformvorhaben zu dem Pro­blem der Miß­brauchs­fäl­le. Gar nicht, solan­ge die­se Vor­komm­nis­se nicht im Sin­ne die­ser Deform­vor­ha­ben umin­ter­pre­tiert wer­den. Dazu war es einer­seits not­wen­dig, den Zusam­men­hang zwi­schen der homo­se­xu­el­len Aus­rich­tung der Täter und dem Fak­tum, daß die Mehr­heit der Opfer männ­li­chen Geschlech­tes sind, zu tabui­sie­ren und ande­rer­seits ein Täter­bild zu ent­wer­fen, das die­sem Deform­vor­ha­ben nütz­lich ist. Ein­fach gesagt: Man fand im Prie­ster­z­ö­li­bat und der kirch­li­chen Hier­ar­chie die Schul­di­gen, und natür­lich in der Sexu­al­mo­ra­leh­re. War­um nun aber gera­de hete­ro­se­xu­el­le unter dem Zöli­bat lei­den­de Prie­ster mit einem eher con­ser­va­ti­ven, also kle­ri­ka­len Amts­ver­ständ­nis sich an Jun­gen und Män­nern sexu­ell ver­grei­fen sol­len, ist dabei eines der gro­ßen Geheim­nis­se die­ses Irr­we­ges. Mäd­chen und Frau­en wären dann doch wohl deren Prä­fe­renz­op­fer.
    Aber da das The­ra­pie­pro­gramm schon fest­stand, bevor die Miß­bräu­che bekannt wur­den, muß­ten die eben so umge­schrie­ben wer­den, daß sie zur The­ra­pie paß­ten. Das führt nun aber zu einem sehr unglaub­wür­di­gem Nar­ra­tiv, ähn­lich unglaub­wür­dig, als wenn erzählt wür­de, daß hung­ri­ge Vege­ta­ri­er enthu­sia­stisch Schweins­bra­ten äßen, wenn sie län­ge­re Zeit gefa­stet hät­ten. Daß nun gar die con­ser­va­ti­ve bzw reak­tio­nä­re Moral­leh­re der Kir­che die­se Miß­bräu­che mit­ver­schul­det hät­ten, mag auch nicht recht zu über­zeu­gen, oder woll­te wer ernst­haft behaup­ten, daß das Gebot: „Du sollst nicht ehe­bre­chen“ schuld sei am Fremd­ge­hen, daß die Kir­che also das Gebot der ehe­li­chen Treue auf­he­ben müs­se, damit die Ehe­gat­ten nicht mehr so häu­fig fremd­ge­hen? Sol­che Abstru­si­tä­ten mutet der „Syn­oda­le Irr­weg“ uns zu, nur um end­lich die satt­sam bekann­te Alt68er-Defor­men der Kir­che durch­zu­set­zen, damit die Kir­che end­lich, ganz ver­welt­licht, auf­hört, die Kir­che Jesu Chri­sti zu sein.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*