McCarrick: Mindestens sieben weitere Opfer des homosexuellen Mißbrauchs

„Er versucht die Opfer zu diskreditieren“

Der Fall McCarrick bleibt offen - offen bleibt auch die Wunde homosexueller Netzwerke in der Kirche.
Der Fall McCarrick bleibt offen - offen bleibt auch die Wunde homosexueller Netzwerke in der Kirche.

(New York) Im homo­se­xu­el­len Miß­brauchs­skan­dal des Ex-Kar­di­nals Theo­dor McCar­rick gibt es min­de­stens sie­ben wei­te­re Opfer. Dies berich­te­te die Washing­ton Post in ihrer gest­ri­gen Aus­ga­be.

Theo­dor McCar­rick hat­te es in sei­ner kirch­li­chen Kar­rie­re bis zum Erz­bi­schof der US-Bun­des­haupt­stadt Washing­ton und zum Kar­di­nal gebracht. Als Initia­tor und Vor­sit­zen­der einer Stif­tung, die dem Papst Geld zur Ver­fü­gung stell­te, sicher­te er sich zusätz­li­chen Ein­fluß bis in die höch­sten Eta­gen. In den USA tat er dies durch ein Homo-Netz­werk. Von Papst Bene­dikt XVI. mit Sank­tio­nen belegt, wur­de er von Papst Fran­zis­kus wie­der davon befreit und zu sei­nem ein­fluß­rei­che Bera­ter für die USA. Eine Ent­wick­lung, die noch immer der Auf­klä­rung harrt. Doch Fran­zis­kus schweigt sich seit dem Som­mer 2018 dazu aus.

Damals wur­de McCar­rick der Kar­di­nal­s­wür­de ent­klei­det und spä­ter vom Prie­ster­tum sus­pen­diert. Der Hei­li­ge Stuhl wies ihm ein Kapu­zi­ner­klo­ster in den USA als ver­pflich­ten­den Auf­ent­halts­ort zu.

Zum Sturz kam es, weil die New York Times Anschul­di­gen gegen ihn ver­öf­fent­lich­te, zwei Min­der­jäh­ri­ge homo­se­xu­ell miß­braucht zu haben. Wei­te­re Vor­wür­fe kamen hin­zu, auch der, sich sei­nen eige­nen Semi­na­ri­sten homo­se­xu­ell genä­hert zu haben.

Nun wur­den wei­te­re Fäl­le bekannt. Laut Washing­ton Post soll McCar­rick zwi­schen 1970 und 1990 min­de­stens sie­ben Kin­der miß­braucht haben. Die Zei­tung beruft sich auf drei Quel­len, dar­un­ter eine, die Ein­blick in das Dos­sier hat­te, das die zustän­di­gen Kir­chen­be­auf­trag­ten in den USA im ver­gan­ge­nen Janu­ar dem Vati­kan über­mit­telt haben.

Hin­zu­kom­men bis­her sechs Anzei­gen von ehe­ma­li­gen Semi­na­ri­sten, die an Rom ergan­gen sind. Eini­ge von ihnen sind heu­te Prie­ster, ande­re haben das Prie­ster­se­mi­nar ver­las­sen – nicht zuletzt wegen McCar­ricks Ver­hal­ten.

Laut den Infor­man­ten der Zei­tung kann­ten sich meh­re­re der aus­nahms­los männ­li­chen Opfer, da McCar­rick sie auf Rei­sen mit­nah­men, bei denen er quer durch die USA Spen­den sam­mel­te und Wohl­tä­ter besuch­te. Die­se Rei­sen, so die Mut­ma­ßung der Zei­tung, dien­ten McCar­rick auch dazu, sei­ne homo­se­xu­el­len Phan­ta­si­en aus­zu­le­ben.

Ein von der Zei­tung zitier­tes Opfer erklär­te, daß er ver­gan­ge­nen Jahr mit wei­te­ren Opfern mit kirch­li­chen und staat­li­chen Ermitt­lern zusam­men­ge­ar­bei­tet hat und auch mit Ver­tre­tern des Vati­kans zusam­men­ge­trof­fen ist.

Der inzwi­schen 90-jäh­ri­ge McCar­rick selbst sag­te in sei­nem jüng­sten Inter­view, er sei „nicht so schlecht“, wie er dar­ge­stellt wer­de. Wört­lich:

„Ich glau­be nicht, daß ich die Din­ge getan habe, die man mir vor­wirft.“

Es sei unwahr­schein­lich, so die Washing­ton Post, daß McCar­rick je straf­recht­lich belangt wird, wegen der genann­ten Fäl­le. Das habe mit sei­nem Alter und Ver­jäh­rungs­fri­sten zu tun. Sein Anwalt woll­te zu den neu­en Anschul­di­gun­gen nicht Stel­lung neh­men.

Ein Opfer reagier­te erst nach dem jüng­sten Inter­view des Ex-Kar­di­nals, weil es ihn pro­vo­zier­te:

„Er hat ver­sucht, sei­ne Miß­brauchs­op­fer zu dis­kre­di­tie­ren, obwohl er Spal­tung und Ver­wir­rung in unse­rer Kir­che gestif­tet hat.“

Alle Anzei­gen von Opfern sind bis­her, mit einer Aus­nah­me, in den USA ein­ge­bracht wor­den. Die­se Aus­nah­me betrifft Irland. Ins­ge­samt berich­te­ten die Opfer zusam­men­ge­nom­men von mehr als 100 Rei­sen mit Über­nach­tung, immer so gelegt, daß einer der min­der­jäh­ri­gen Beglei­ter bei McCar­rick schla­fen muß­te, die im Zusam­men­hang mit sei­nen kirch­li­chen Funk­tio­nen oder Geld­samm­lun­gen stan­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Washing­ton Post (Screen­shot)




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