Die Seligsprechung von Jesuitengeneral Pedro Arrupe – und seines Kurses

„Selig“ durch rapiden Niedergang und Widerstand gegen zwei Päpste

Seligsprechungsverfahren Pedro Arrupe
Seligsprechungsverfahren von Jesuitengeneral Pedro Arrupe wird am 5. Februar 2019 offiziell eröffnet.

(Rom) Die Zei­ten ändern sich der­zeit sehr schnell. Bei­spiel dafür ist der Ver­such der der­zei­ti­gen Gene­ral­ku­rie des Jesui­ten­or­dens, die Selig­spre­chung ihres frü­he­ren Gene­ral­obe­ren Pedro Arru­pe vor­an­zu­trei­ben.

Der Bas­ke Pedro Arru­pe (1907–1991) war der 28. Pater Gene­ral der Gesell­schaft Jesu, der volks­tüm­lich vor allem als „Schwar­zer Papst“ bekannt ist. Im Okto­ber 1965 wur­de Arru­pe, weni­ge Woche vor dem Ende des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, von der 31. Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on der Jesui­ten zum Ordens­ge­ne­ral gewählt. Der Jesui­ten­or­den wählt sei­nen Gene­ral­obe­ren auf Lebens­zeit. Arru­pes Wahl stand bereits im Zei­chen der Nach­kon­zils­zeit und stell­te die Wei­chen für die­se. Ent­spre­chend eng sind sei­ne Per­son und sei­ne Amts­zeit mit den Ent­wick­lun­gen und Fehl­ent­wick­lun­gen die­ser Zeit ver­knüpft.

„Rapider Niedergang“ während Arrupes Amtszeit

Pedro Arrupe 1973 auf der Titelseite des Time Magazine
Pedro Arru­pe 1973 auf der Titel­sei­te des Time Maga­zi­ne

In sei­ne Amts­zeit fiel eine tief­grei­fen­de Neu­aus­rich­tung des Jesui­ten­or­dens, des größ­ten und welt­weit am stärk­sten in die Welt hin­ein­wir­ken­den Ordens der katho­li­schen Kir­che. Der Orden wur­de auf der 32. Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on von Arru­pe poli­tisch auf den Sozia­lis­mus und kirch­lich auf den Moder­nis­mus aus­ge­rich­tet. Ins­ge­samt führ­te er „den Jesui­ten­or­den in einen rapi­den Nie­der­gang“, so der Theo­lo­ge und Phi­lo­soph Wolf­ram Schrems. Als Arru­pe die Lei­tung des Ordens über­nahm, zähl­te die­ser mehr als 36.000 Ordens­an­ge­hö­ri­ge. Heu­te sind es weni­ger als 16.000.

Papst Paul VI. war dazu in den 70er Jah­ren nicht wil­lens oder nicht imstan­de. Papst Johan­nes Paul II. hin­ge­gen ver­such­te nach sei­ner Wahl die Hand­brem­se zu zie­hen und ent­mach­te­te Arru­pe 1981. Er stell­te ihm einen päpst­li­chen Dele­ga­ten zur Sei­te und ließ 1983 Neu­wah­len durch­füh­ren. Als Grund wur­de offi­zi­ell der Gesund­heits­zu­stand Arru­pes genannt. Vie­le Jesui­ten haben Johan­nes Paul II. die­se Kurs­kor­rek­tur nie ver­zie­hen. „Obwohl die­ses Vor­ge­hen rechts­kon­form war und dem Selbst­ver­ständ­nis des Jesui­ten­or­dens als beson­de­rer Papst­gar­de voll­kom­men ent­sprach, trug es dem [pol­ni­schen] Papst unver­hoh­le­ne Feind­schaft ein“, so Schrems 2015 im drit­ten Teil sei­ner Auf­satz­rei­he „Der Jesu­it auf dem Papst­thron – Von zwei Kata­stro­phen in einer Per­son“.

Arru­pe hat­te den Jesui­ten­or­den „von den katho­li­schen und ursprüng­lich igna­tia­ni­schen Wur­zeln mehr oder weni­ger voll­stän­dig abge­schnit­ten und enor­me Ver­wir­rung gestif­tet. Sein blin­der Opti­mis­mus und sein über­stei­ger­tes Selbst­be­wußt­sein haben gro­ßen Scha­den ange­rich­tet.“

Wer mit Jesui­ten zu tun hat­te, weiß, wel­che Ver­klä­rung in eini­gen Jesui­ten­krei­sen um Pedro Arru­pe betrie­ben wird. Beson­ders unan­ge­nehm fällt dies im Gespräch mit jun­gen Jesui­ten auf, die kei­ne direk­te Erin­ne­rung an sei­ne Amts­zeit haben und Arru­pe auch nie per­sön­lich ken­nen­lern­ten. So etwas ist nur mög­lich, weil sie von älte­ren Jesui­ten offen­sicht­lich ent­spre­chend geformt wer­den.

Wie kann es aber sein, daß für einen Ordens­ge­ne­ral, des­sen Amts­zeit mit „rapi­dem Nie­der­gang“ in Ver­bin­dung steht, mit „über­stei­ger­tem Selbst­be­wußt­sein“, „gro­ßem Scha­den“ für den Orden und mit des­sen Aus­rich­tung auf Sozia­lis­mus und Moder­nis­mus, ein Selig­spre­chungs­pro­zeß ein­ge­lei­tet wird? Es kann. Die der­zei­ti­ge Gene­ral­ku­rie des Jesui­ten­or­dens lie­fert den Beweis.

Das Schreiben von Jesuitengeneral Sosa

Schreiben von General Sosa „an die ganze Gesellschaft“
Schrei­ben von Gene­ral Sosa „an die gan­ze Gesell­schaft“

Am 14. Novem­ber 2018 schrieb der amtie­ren­de Jesui­ten­ge­ne­ral, Pater Arturo Sosa, einen Brief an „die gan­ze Gesell­schaft“ (den gan­zen Orden) zur „Cau­sa der Selig­spre­chung von Pater Pedro Arru­pe“. Sosa, ein Jesu­it aus Vene­zue­la, der seit dem Okto­ber 2016 den Orden lei­tet, stell­te sich mit dem Auf­satz „Die mar­xi­sti­sche Ver­mitt­lung des christ­li­chen Glau­bens“ ganz in die von Arru­pe vor­ge­ge­be­ne Linie. Das war im Jahr 1978, also am Höhe­punkt der Ära Arru­pe. Der Öko­nom und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, End­re A. Bár­d­os­sy, befaß­te sich 2016 aus­führ­lich mit die­sem bezeich­nen­den Auf­satz. Zu Gene­ral Sosa und sei­nen umstrit­te­nen Aus­sa­gen und Gesten sie­he hier.

Der der­zei­ti­ge Schwar­ze Papst kün­dig­te in sei­nem Schrei­ben an, daß das Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Pedro Arru­pe am kom­men­den 5. Febru­ar 2019 in der Late­ran­ba­si­li­ka in Rom offi­zi­ell eröff­net wird. Der Tag fällt mit Arru­pes 28. Todes­tag zusam­men.

Sosas Schrei­ben an den Orden wur­de gestern, den 19. Novem­ber, bekannt­ge­ge­ben. Am 19. Novem­ber vor 111 Jah­ren wur­de Arru­pe gebo­ren.

„Es ist mir eine Freu­de, dem gesam­ten reli­giö­sen und apo­sto­li­schen Kör­per der Gesell­schaft Jesu mit­zu­tei­len, daß der Pro­zeß für eine mög­li­che Selig­spre­chung von Pater Arru­pe, 28. Gene­ral­su­pe­ri­or der Gesell­schaft Jesu, offi­zi­ell begon­nen hat.“

Der Pro­zeß erfolgt durch das Bis­tum Rom, da Arru­pe in Rom gestor­ben ist. Das Bis­tum Rom wie­der­um wird durch Papst Fran­zis­kus, den ersten Jesui­ten auf dem Papst­thron gelei­tet.

Sosa gab bekannt, daß „in die­sen Mona­ten“ bereits „zwei Kom­mis­sio­nen“ die Arbeit auf­ge­nom­men haben, um die „gesam­ten ver­öf­fent­lich­ten Tex­te“ Arru­pes zu sich­ten, „eben­so vie­le nicht ver­öf­fent­lich­te Doku­men­te“ von Arru­pe und „über ihn und den sozia­len und kirch­li­chen Kon­text, in dem er leb­te“.

Sosa lobt Arru­pes „Qua­li­tä­ten“ und bezeich­net ihn als „bei­spiel­haft“ für „den Wunsch, die besten Wer­te der Tra­di­ti­on mit der not­wen­di­gen Anpas­sung des Chri­sten­tums an die neu­en Zei­ten zu inte­grie­ren“.

Arrupe legte die Fundamente für Bergoglios Aufstieg

Die Gene­ral­ku­rie des Ordens rich­te­te, wie Sosa bekannt­gab, eine eige­ne Inter­net­sei­te ein, die dem neu­en „Die­ner Got­tes“ gewid­met ist. Die­se Sei­te soll über Arru­pe infor­mie­ren, über den Fort­schritt des Selig­spre­chungs­ver­fah­rens berich­ten, aber auch die Mög­lich­keit bie­ten, dem Gene­ral­po­stu­la­tor des Ordens in Rom Infor­ma­tio­nen über Arru­pe zukom­men zu las­sen.

General Arrupe mit P. Jorge Mario Bergoglio 1979 in Cochabamba
Gene­ral Arru­pe mit P. Jor­ge Mario Ber­go­glio 1979 in Cocha­bam­ba

Wört­lich schreibt Sosa über die Amts­zeit und das Wir­ken Arru­pes, daß er „die vie­len, radi­ka­len Ver­än­de­run­gen, die die Welt ver­wan­del­ten, erkann­te, und eben­so die Dring­lich­keit, die Mis­si­on der Gesell­schaft Jesu auf der Linie des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und mit einer unver­zicht­ba­ren Ver­pflich­tung zur Gerech­tig­keit zugun­sten der Armen und der Aus­ge­grenz­ten, anzu­pas­sen.“

Die aller­er­sten Schrit­te zur Selig­spre­chung erfolg­ten bereits 2012 als der dama­li­ge Ordens­ge­ne­ral Adol­fo Nicolás den öster­rei­chi­schen Jesui­ten, P. Anton (Toni) Wit­wer, mit den Vor­ar­bei­ten zur Ein­lei­tung des Selig­spre­chungs­pro­zes­ses beauf­trag­te. Wit­wer wirk­te die ver­gan­ge­nen bei­den Jahr­zehn­te an der Gene­ral­ku­rie des Ordens in Rom und lehr­te an der Gre­go­ria­na. Sei­ne Auf­ga­be in der Cau­sa Arru­pe scheint, wie der Brief Sosas zeigt, abge­schlos­sen. Seit Herbst ist er Supe­ri­or der Jesui­ten in Graz in der Stei­er­mark.

Sowohl die Wahl von Gene­ral Sosa als auch das Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Gene­ral Arru­pe sind ohne das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus kaum zu den­ken. Der der­zei­ti­ge Papst „war ein Pro­te­gé Arru­pes, der in Ber­go­glio einen auf­ge­hen­den, libe­ra­len Stern im Orden sah“, so der US-ame­ri­ka­ni­sche Publi­zist und Her­aus­ge­ber von Catho­lic World Report Geor­ge Neu­mayr 2017 in einem Inter­view mit der Histo­ri­ke­rin und Publi­zi­stin Mai­ke Hick­son.

„Des­halb mach­te er ihn im Alter von 36 Jah­ren zum Pro­vin­zi­al. Arru­pe lei­te­te den Orden wäh­rend der inten­siv­sten Peri­ode der Libe­ra­li­sie­rung und setz­te Ber­go­glio bei der berüch­tig­ten Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on der Jesui­ten von 1974/75, bei der die sozia­li­sti­sche und moder­ni­sti­sche Aus­rich­tung des Ordens beschlos­sen wur­de, als einen libe­ra­len Voll­strecker ein.“

Mit dem Selig­spre­chungs­ver­fah­ren soll nicht nur Arru­pe, son­dern wahr­schein­lich mehr noch sein Kurs zu den Altä­ren erho­ben wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Arrupe.jesuitgeneral.org/Time/sjcuria.global/Kantod.com (Screen­shots)




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3 Kommentare

  1. Der Jesu­it Papst Fran­zis­kus will die unbe­grenz­te Migra­ti­on, die sofor­ti­ge Teil­ha­be Frem­der am Sozi­al­sy­stem und damit die Zer­stö­rung Euro­pas. Der Jesui­ten­or­den war schon ver­bo­ten und hät­te nie wie­der erlaubt sein dür­fen.
    16.000 Jesui­ten bestim­men gegen die Men­schen über die Welt — unglaub­lich!

  2. Ber­go­glio, Sosa, Arru­pe, Spa­daro, Wucher­pfen­nig, Hagen­kord …, alles Namen von Jesui­ten, um derent­wil­len man sich auf dem Stuhl Petri eine Art „Reinkar­na­ti­on“ von Papst Cle­mens XIV. wün­schen wür­de, der die Gesell­schaft Jesu 1773 auf­ge­ho­ben hat. Ein­zig und allein der pro­mi­nen­te Jesu­it Hen­ri Bou­lad ver­dient unge­teil­te Sym­pa­thie und Zustim­mung. Er hat näm­lich 2017 die unga­ri­sche Staats­bür­ger­schaft ange­nom­men, um durch die­sen spek­ta­ku­lä­ren Schritt sei­ne Unter­stüt­zung für Ungarns restrik­ti­ve Migra­ti­ons­po­li­tik zum Aus­druck zu brin­gen. Wur­de natür­lich von allen poli­tisch kor­rek­ten Main­stream-Medi­en ver­schwie­gen. (Was wohl auch eine Art „Lügen­pres­se“ ist.)
    Und was spe­zi­ell die vom Orden ange­streb­te Kano­ni­sie­rung Arru­pes betrifft: Die Socie­tas Jesu möge sich doch die Kar­täu­ser zum Vor­bild neh­men. Die­ser Orden hat in sei­ner lan­gen Geschich­te von sich aus noch nie eine Kano­ni­sie­rung eines sei­ner Mit­glie­der ange­strebt.

    • Lie­ber Simon Cyre­na­eus,
      Zitat: „… ‑die Socie­tas Jesu möge sich doch die Kar­täu­ser zum Vor­bild neh­men.
      Die­ser Orden hat …noch nie eine Kano­ni­sie­rung …ange­strebt.“
      Nun, auch für die gesam­te Socie­tas Jesu, inklu­si­ve P. F., gilt:
      Von ‚Demut‘ reden und ‚vor­der­grün­dig‘ so tun als ob, das ist eine Sache.
      Die­se ‚Demut‘ aber in rea­li­ter prak­ti­zie­ren und leben,
      und zwar auch gegen­über denen, die nicht die­sel­ben Ansich­ten ver­tre­ten wie man sel­ber,
      das ist eine ganz ande­re Ange­le­gen­heit.

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