Ab Advent 2019 könnte in Frankreich das neue Missale gelten

Neuübersetzung mit einigen Schwierigkeiten

Die Französische Bischofskonferenz hat die Neuübersetzung des Missale Romanum ins Französische beschlossen.
Die Französische Bischofskonferenz hat die Neuübersetzung des Missale Romanum ins Französische beschlossen.

(Paris) Anläßlich der Vollversammlung der Französischen Bischofskonferenz, die in Lourdes tagt, haben die Bischöfe beschlossen, daß die Neuübersetzung des Missale Romanum für den Novus Ordo mit Beginn des Kirchenjahres 2019/2020  landesweit eingeführt wird.

Widerstand gegen Benedikt XVI. – Neue Flexibilität durch Franziskus

Papst Benedikt XVI. hatte 2006 für die gesamte lateinische Kirche angeordnet, daß die Wandlungsworte „pro multis“ in den Landessprachen mit „für viele“ und nicht „für alle“ wiedergegeben werden müssen. Seither sind zwölf Jahre vergangen und ganze Sprachgebiete haben die Anordnung noch immer nicht umgesetzt.

Missale Romanum
Missale Romanum

Papst Franziskus übertrug den Bischofskonferenzen im März 2017 mit dem Motu proprio Magnum principium überraschend Zuständigkeiten bei den Übersetzungen in die Landessprachen. Seither wurde der Entwurf für das neue Missale in französischer Sprache noch einmal überarbeitet. Die Rede ist von „Weiterentwicklung“ und einem „langen Prozeß“.

Die französische Neuausgabe des Missale war in seinem Inhalt wiederholt zwischen den Bischöfen und der zuständigen Übersetzungskommission in Rom hin und her gegangen. Dann kam das neue Motu proprio von Papst Franziskus und die Zuständigkeit der Überarbeitung ging an die französischen Bischöfe über. Kardinal Robert Sarah, der zuständige Präfekt der römischen Gottesdienstkongregation war dabei von Franzikus übergangen worden, sodaß er sich genötigt sah, seinerseits eine präzisierende Note zum Motu proprio zu veröffentlichen. Das hatte einen offenen Schlagabtausch mit Papst Franziskus zur Folge.

Im September 2018 wurde der Entwurf der französischen Neuübersezung schließlich allen Bischöfen übermittelt, damit sie ausreichend Zeit haben, ihn bis zur Vollversammlung zu studieren, um dann darüber abstimmen können.

Bischof Guy de Kerimel von Grenoble, Vorsitzender der Bischofskommission für die Liturgie, erklärte es am 7. November gegenüber Radio Chrétienne Francophone (RCF) so:

„Ein Dokument von Papst Johannes Paul II. lud zu einer wortwörtlichen Übersetzung ein. Das Motu proprio von Papst Franziskus gibt ein wenig mehr Flexibilität.“

Entscheidend sei, so de Kerimel, daß die Liturgie „uns hilft, in das Geheimnis der Eucharistie einzutauchen“.

„Die Liturgie muß ein Ort der Evangelisierung sein: Eine gelebte, gut vorbereitete, verinnerlichte, freudige, aber innere Liturgie muß eine echte Begegnung Christi in seiner Kirche sein, und wir nehmen sie in bestimmten Messen wahr, in denen wir das Gefühl haben, daß wir von oben empfangen, daß derjenige, der uns gerufen hat, da ist. Das ist die Liturgie.“

Neuübersetzung des Credo und Stillstand beim „pro multis“

Nach der umstrittenen Neuübersetzung des Pater noster ins Französische bringt das Missale eine Verbesserung beim Credo durch die Rückkehr zur überlieferten Tradition: Das „consubstantialem“ wird wieder, anstatt durch „de même nature“, als „consubstantiel“ wörtlich übersetzt. Die Frage war seit der Einführung der Volkssprache in den 60er Jahren umstritten. Kritisiert wurde nicht, daß die Übersetzung falsch ist, sondern daß sie unvollständig sei.

„Die Göttlichen Personen teilen nicht nur dieselbe göttliche Natur, sondern sind ein einziger Gott“, so Riposte Catholique. „Wenn dem nicht so wäre, hätten die Muslime Grund zur Annahme, daß Christen Polytheisten seine. Aber das ist falsch: Wir glauben an einen Gott.“

Bei den Wandlungsworten pro multis wird auf französisch die Formulierung „pour la multitude“ gebraucht, die zwar besser als die deutsche Übersetzung „für alle“ ist, allerdings auch nicht dem griechischen Original entspricht, das keinen Artikel aufweist. Papst Franziskus ließ aber am 3. November 2017 aber „diskret“, so La Croix, die Tageszeitung der Französischen Bischofskonferenz, erkennen, daß er in der Streitfrage die französische Übersetzung, also „für die Vielheit“, gut finde.

Wörtlich sagte Franziskus damals in der Messe für die im Laufe des Jahres verstorbenen Kardinäle und Bischöfe (Hervorhebung durch den Autor):

I „molti“ che risorgeranno per una vita eterna sono da intendere come i „molti“ per i quali è versato il sangue di Cristo. Sono la moltitudine che, grazie alla bontà misericordiosa di Dio, può sperimentare la realtà della vita che non passa, la vittoria completa sulla morte per mezzo della risurrezione.

In der offiziellen vatikanischen Übersetzung ins Französische:

Le „grand nombre“ qui ressuscitera pour une vie éternelle est à comprendre comme le „grand nombre“ pour lesquels le sang du Christ a été versé. Ils sont la multitude qui, grâce à la bonté miséricordieuse de Dieu, pourront faire l’expérience la réalité de la vie qui ne finit pas, la victoire complète sur la mort par la résurrection.

Bei der offiziellen vatikanischen Übersetzung ins Deutsche wollte sich offenbar kein Übersetzer die Finger verbrennen, da die Bischöfe des deutschen Sprachraums zu den renitentesten gegen die von Benedikt XVI. gewünschte originalgetreue Übersetzung gehören und die Neuübersetzung noch immer nicht vorgenommen haben. Dabei ermahnte sie Benedikt XVI. 2012 ausdrücklich mit einem Schreiben, das er damals stellvertretend an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg im Breisgau schickte. Der deutsche Übersetzungsdienst in Rom umschiffte die Frage so gut er konnte:

Die „Vielen“, die zum ewigen Leben erwachen, sind zu verstehen als die „Vielen“, für die das Blut Christi vergossen wurde. Es ist die große Zahl derer, die dank der barmherzigen Güte Gottes die Wirklichkeit des unvergänglichen Lebens erfahren dürfen, den durch die Auferstehung errungenen vollkommenen Sieg über den Tod.

Die Französische Bischofskonferenz hat die Neuübersetzung beschlossen. Zum Zeitpunkt der Einführung in die Liturgie meinte Bischof de Kerimel:

„Dieser Text geht nach Rom. Wir werden Rom um Bestätigung bitten. Und wenn Rom schnell antwortet, könnte es für die Adventszeit 2019 sein.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Riposte Catholique

2 Kommentare

  1. Die Jünger der Liturgiereform bleiben – wegen deren eigener, offenkundiger Sterilität – genötigt, bei den von ihnen seit den 1960er Jahren neidisch betrachteten weltlichen Wissenschaften sprachliche Anleihen zu nehmen. So sprechen sie wie Soziologen von „Entwicklung“ und „Prozeß“, wie Therapeuten weichen sie Verantwortlichkeit und Autorität semantisch auf (ein päpstliches Schreiben „lud … ein“), um beides guten Gewissens komplett ignorieren zu können.

    Statt Glaubenstreue wird vielmehr „Flexibilität“ gefordert – als ginge es nicht um das göttlich gestiftete Glaubensgut, sondern die persönliche Entfaltung der Geistlichen.
    Diese zeitgeistlich orientierte Hierarchie ist endgültig fertig, sie hat lediglich „den Schuß noch nicht gehört“…

  2. Danke Kirchfahrter Archangelus. Eine Liturgie des Gefühls der Weltmenschen – das ist die Zerstörung der Liturgie. Jegliche Übergabe von Kompetenzen aus Rom an die Bischofskonferenzen beschleunigt den Abbau der Kirche noch schneller, als es Papst Franziskus selbst könnte, denn das unsägliche Handeln aus Rom erfahren die Gläubigen der Weltkirche eher und können versuchen sich dagegen zu wehren. Das unsägliche Handeln von Bischofskonferenzen erfährt in der Regel außerhalb des jeweiligen Landes niemand. Die Gläubigen eines einzelnen Landes haben eine zu schwache Stimme, sich zu wehren. Teile und Herrsche heißt die Methode. Außerdem besteht ein nicht geringer Vorteil darin, dass sich andere „die Hände schmutzig machen“ für das, was man selbst will.

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