Päpstliche Verweigerungshaltung: Wird Franziskus auch beim Konsistorium am 28. Juni die Begegnung mit den Kardinälen meiden?

Für den 28. Juni hat Papst Franziskus ein Konsistorium einberufen. Wir er sich davor erneut die Begegnung mit den Kardinälen meiden? "„Nur ein Blinder kann leugnen, daß wegen Amoris laetitia in der Kirche die größte Verwirrung herrscht“, hatte Kardinal Carlo Caffara im vergangenen Januar gesagt.
Für den 28. Juni hat Papst Franziskus ein Konsistorium einberufen. Wir er sich davor erneut die Begegnung mit den Kardinälen meiden? "„Nur ein Blinder kann leugnen, daß wegen Amoris laetitia in der Kirche die größte Verwirrung herrscht“, hatte Kardinal Carlo Caffara im vergangenen Januar gesagt.

(Rom) Papst Fran­zis­kus hat den Dia­log zum Mar­ken­zei­chen sei­nes Pon­ti­fi­kats erho­ben, tut sich offen­bar selbst aber etwas schwer damit, sobald Kri­tik an sei­nem Kurs laut wird.

Eine dop­pel­te Ver­wei­ge­rung erle­ben die vier Kar­di­nä­le Brand­mül­ler, Bur­ke, Caf­farra und Meis­ner, die seit Mona­ten Beden­ken und Sor­ge zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia äußern, aber beim Papst kein Gehör fin­den. Ganz im Gegen­teil.

Sie taten es am 19. Sep­tem­ber 2016 schrift­lich in der Form von Dubia (Zwei­feln) und erhiel­ten kei­ne Ant­wort von Fran­zis­kus. Vier Kar­di­nä­le bit­ten den Papst um Klä­rung zwei­deu­ti­ger Text­stel­len zu zen­tra­len Glau­bens- und Moral­fra­gen und erhal­ten ein­fach kei­ne Ant­wort.

Wegen der aus­ge­blie­be­nen Ant­wort des Pap­stes mach­ten sie ihre Zwei­fel am 14. Novem­ber 2016 öffent­lich bekannt. Dar­auf beka­men sie eine Ant­wort, aller­dings eine ganz ande­re als die erhoff­te und nicht vom Papst. Sie ern­te­ten teils wüste Angrif­fe und per­sön­li­che Her­ab­set­zun­gen durch eng­ste Mit­ar­bei­ter und Ver­trau­te des Pap­stes, wäh­rend die­ser sich wei­ter­hin in Schwei­gen hüll­te.

Nicht die Wei­ge­rung des Pap­stes, auf grund­le­gen­de Fra­gen des Glau­bens und der Moral zu ant­wor­ten, wur­de als Skan­dal ange­pran­gert, son­dern der Umstand, daß die vier Kar­di­nä­le ihre Dubia der Öffent­lich­keit mit­ge­teilt hat­ten.

Seit­her sind neun Mona­te ver­gan­gen, und Papst Fran­zis­kus ist sei­ne Ant­wort noch immer schul­dig geblie­ben.

Das Gan­ze erlebt seit gestern ein Déja-vu.

Ein Déja-vu

Am 25. April schrie­ben die vier Kar­di­nä­le, weil sie vom Papst kei­ne Ant­wort erhal­ten hat­ten, einen zwei­ten Brief. Dar­in baten sie das Kir­chen­ober­haupt, ihnen eine Audi­enz zu gewäh­ren, damit sie ihre Dubia erklä­ren und auf­zei­gen könn­ten, was für eine „gro­ße Ver­wir­rung“ in der Kir­che durch Amo­ris lae­ti­tia ent­stan­den ist.

Erneut kam von Papst Fran­zis­kus kei­ne Reak­ti­on. So wie er ihnen eine Ant­wort auf die Dubia ver­wei­gert, so wei­gert er sich, sie in Audi­enz zu emp­fan­gen.

Wegen der aus­ge­blie­ben­den Ant­wort des Pap­stes mach­ten die Kar­di­nä­le gestern auch ihr Gesuch um eine Audi­enz öffent­lich bekannt und ern­ten dafür erneut Kri­tik.

Wie­der­um wird von bestimm­ten Medi­en und Kom­men­ta­to­ren nicht die Ver­wei­ge­rungs­hal­tung des Pap­stes the­ma­ti­siert, son­dern an den Pran­ger gestellt, daß die Kar­di­nä­le die­se Ver­wei­ge­rungs­hal­tung offen­ge­legt haben. Kri­ti­siert wird, wer unan­ge­neh­me Fra­gen stellt.

Dialog als Markenzeichen — Schweigen als Skandal

Am 1. Juni 2014 sagt Papst Fran­zis­kus in sei­ner Bot­schaft zum Welt­tag der sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel:

„Die Kul­tur der Begeg­nung macht es erfor­der­lich, dass wir bereit sind, nicht nur zu geben, son­dern auch von den ande­ren zu emp­fan­gen.“

Wäh­rend sei­ner Apo­sto­li­schen Rei­se nach Kuba sag­te Papst Fran­zis­kus am 20. Sep­tem­ber 2015 zu den Jugend­li­chen:

„Und ich bit­te euch, daß ihr, auch wenn ihr unter­schied­li­che Denk­wei­sen habt, auch wenn ihr unter­schied­li­cher Ansich­ten seid, gemein­sam geht.“

Im Zusam­men­hang mit der Wei­ge­rung, den vier Kar­di­nä­len nicht ein­mal eine Audi­enz zu gewäh­ren, sie also nicht ein­mal anzu­hö­ren, sprach der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei von einem „Skan­dal des Schwei­gens“.

Heu­te gab das Amt für die Lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes die Fei­er­lich­kei­ten zum Ordent­li­chen und Öffent­li­chen Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um vom 28. Juni bekannt, bei dem die neu­en Kar­di­nä­le kre­iert wer­den.

Wird Papst Fran­zis­kus auch bei die­ser Gele­gen­heit eine Begeg­nung mit den Kar­di­nä­len mei­den?

Konsistorium ohne Begegnung zwischen Papst und Kardinälen?

Bis­her war es üblich, daß der Papst zwei Tage vor dem Kon­si­sto­ri­um mit den Kar­di­nä­len ver­brach­te, um einen Infor­ma­ti­ons- und Mei­nungs­aus­tausch zu ermög­li­chen. Eine Zeit, die vor allem genützt wur­de, um aktu­el­le Fra­gen der Kir­che zu bespre­chen.

Am 19. Novem­ber 2016 kre­ierte Fran­zis­kus 17 neue Kar­di­nä­le. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te er die Dubia (Zwei­fel) der vier Kar­di­nä­le bereits seit mehr als zwei Mona­ten unbe­ant­wor­tet gelas­sen. Mit Span­nung wur­de daher die Begeg­nung erwar­tet. Doch dann kam es zu einer „unge­wöhn­li­chen Ano­ma­lie“: Die Begeg­nung fand nicht statt. Die zwei Tage des unge­zwun­ge­nen Gesprächs unter Aus­schluß der Öffent­lich­keit wur­den gestri­chen. Auf die­se Wei­se mied Fran­zis­kus, von den vier Kar­di­nä­len und wahr­schein­lich wei­te­ren Pur­pur­trä­gern mit den Dubia zu Amo­ris lae­ti­tia kon­fron­tiert zu wer­den und auf die Fra­gen der Kar­di­nä­le ant­wor­ten zu müs­sen.

Am 28. Juni kre­iert Fran­zis­kus erneut eini­ge Kar­di­nä­le. Wird er wie­der­um einer Begeg­nung mit den „Sena­to­ren“ der Kir­che aus dem Weg gehen?

Der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti schrieb kurz vor dem 19. Novem­ber 2016:

„Genau aus die­sem Grund ist beim Kon­si­sto­ri­um am Sams­tag kei­ne kol­le­gia­le Begeg­nung mit den Pur­pur­trä­gern vor­ge­se­hen. Es hät­te zu wirk­lich pein­li­chen Aus­wir­kun­gen für den Papst kom­men kön­nen. So hat er es vor­ge­zo­gen …“

Glei­ches gilt unver­än­dert für den kom­men­den 28. Juni. Die Fra­ge ist sogar noch drän­gen­der gewor­den, denn inzwi­schen ist der Papst seit neun Mona­ten die Ant­wort schul­dig geblie­ben. Gestern ist noch wei­te­re Fra­gen hin­zu­ge­kom­men: War­um ver­wei­gert der Papst sei­nen Kar­di­nä­len eine Audi­enz? Gilt das von Fran­zis­kus postu­lier­te Dia­log-Gebot gegen­über den Pur­pur­trä­gern nicht?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

1 Kommentar

  1. Mein tie­fer Respekt gilt jenen vier Kar­di­nä­len, wel­che demü­tig aber auch beharr­lich auf die wah­re Leh­re wei­ter drin­gen. Beten wir für sie!

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