Papst Franziskus auf dem Weg in die Pyramide

Treffen der Welt- und Religionsführer in Nur-Sultan (Astana) in Kasachstan

Die Pyramide von Nur-Sultan (Astana), in der im September das Treffen "der Weltführer und Religionsführer" unter Anwesenheit von Papst Franziskus stattfinden soll.
Die Pyramide von Nur-Sultan (Astana), in der im September das Treffen "der Weltführer und Religionsführer" unter Anwesenheit von Papst Franziskus stattfinden soll.

(Rom) Das Pres­se­amt der kasa­chi­schen Prä­si­di­al­kanz­lei gab bekannt, daß Papst Fran­zis­kus Kasach­stan besu­chen wird. Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt bestä­tig­te indi­rekt eine Pasto­ral­rei­se nach Zen­tral­asi­en. Der Hin­ter­grund ist explosiv.

Nach einem Video­te­le­fo­nat zwi­schen dem kasa­chi­schen Staats­prä­si­den­ten Kas­sym-Schom­art Toka­jew und Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­lich­te die Pres­se­stel­le Toka­jews die Absicht des katho­li­schen Kir­chen­ober­haup­tes, Kasach­stan zu besu­chen. Kurz dar­auf bestä­tig­te Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni mehr oder weni­ger die Rei­se­plä­ne, ohne ein kon­kre­tes Datum zu nennen.

Hin­ter­grund der Papst-Rei­se ist jedoch nicht der Besuch Kasach­stans, son­dern die Teil­nah­me am VII. Con­gress of Lea­ders of World and Tra­di­tio­nal Reli­gi­ons, der für den kom­men­den 14./15. Sep­tem­ber geplant ist. Die­ses Tref­fen soll­te ursprüng­lich bereits im Juni 2021 statt­fin­den, wur­de aber wegen der Coro­na-Maß­nah­men auf 2022 verschoben.

Das Tref­fen der „Füh­rer der Welt und der tra­di­tio­nel­len Reli­gio­nen“ wird in Asta­na statt­fin­den, der Haupt­stadt Kasach­stans, die seit 2019 Nur-Sul­tan heißt. Zu die­sem Zweck wur­de 2018 in der Stadt eine 77 Meter hohe Pyra­mi­de errich­tet, die als „Pyra­mi­de des Frie­dens und der Ein­tracht“ bezeich­net wird. In die­ser Pyra­mi­de wird im Sep­tem­ber die Zusam­men­kunft der „Welt­füh­rer und Reli­gi­ons­ver­tre­ter“ erfolgen.

Video­kon­fe­renz von Papst Fran­zis­kus mit dem kasa­chi­schen Staats­prä­si­den­ten Tokajew

Kasach­stan ist neben der Ukrai­ne und Geor­gi­en das drit­te Land der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on bzw. zuvor bereits des Rus­si­schen Rei­ches, auf das sich der­zeit die von den USA ange­führ­ten west­li­chen Inter­ven­tio­nen kon­zen­trie­ren, um eine Ein­krei­sung Ruß­lands zu errei­chen. In die­sem Zusam­men­hang stan­den auch die Unru­hen im ver­gan­ge­nen Janu­ar, die zu einer von Ruß­land ange­führ­ten Mili­tär­in­ter­ven­ti­on zur „Wie­der­her­stel­lung der Ord­nung und der Sta­bi­li­sie­rung“ des Lan­des führ­te, die vom 6. bis 19. Janu­ar dauerte.

Mit der Teil­nah­me an dem Tref­fen der welt­li­chen und reli­giö­sen Eli­ten möch­te Fran­zis­kus den inter­re­li­giö­sen Dia­log und die Ein­heit för­dern, um die Län­der ein­an­der näher­zu­brin­gen, wie Prä­si­dent Toka­jew erklär­te, denn das, so wird Fran­zis­kus von der Pres­se­agen­tur EFE zitiert, „ist in der heu­ti­gen Welt sehr notwendig“.

Das Reich Nasarbajews und sein Erbe

Der Con­gress of Lea­ders of World and Tra­di­tio­nal Reli­gi­ons wur­de 2003 vom ersten Prä­si­den­ten des Lan­des, Nur­sul­tan Nasar­ba­jew, ins Leben geru­fen. Nasar­ba­jew, der Kasach­stan von 1990 bis zu sei­nem Tod 2019 dik­ta­to­risch regier­te, war bis zum Zer­fall der Sowjet­uni­on 1991 Gene­ral­se­kre­tär der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei der Kasa­chi­schen Sozia­li­sti­schen Sowjet­re­pu­blik und for­mal sun­ni­ti­scher Mus­lim, in Wirk­lich­keit aber über­zeug­ter Atheist. 

Obwohl durch und durch als Sowjet­mensch beschrie­ben, such­te Nasar­ba­jew unter den neu­en Vor­zei­chen schnell die Abna­be­lung von Mos­kau und begann sein Land zuneh­mend in Ost-West-Rich­tung auf Peking und Anka­ra aus­zu­rich­ten, wäh­rend er die Anbin­dung an Mos­kau schwäch­te und in Nord-Süd-Rich­tung sogar nach Tehe­ran schiel­te. Nasar­ba­jew, der die klas­si­sche Kar­rie­re eines kom­mu­ni­sti­schen Funk­tio­närs hin­ter sich hat­te, ver­stand es, die zen­tri­fu­ga­len Inter­es­sen geschmei­dig und not­falls mit Här­te aus­zu­glei­chen und sich dabei selbst zum mäch­ti­gen Auto­kra­ten zu machen. Als fak­ti­scher Dik­ta­tor ach­te­te er peni­bel dar­auf, es nicht zum offe­nen Bruch mit Mos­kau kom­men zu las­sen und dabei den Gesprächs­ka­nal nach Washing­ton und in ande­re west­li­che Län­der offenzuhalten. 

Nasar­ba­jew gelang es auf die­se Wei­se „neben­bei“, sei­ne Fami­lie zur mäch­tig­sten und reich­sten des Lan­des zu machen, mit einem geschätz­ten Pri­vat­ver­mö­gen von sie­ben Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Die Ver­net­zung mit dem west­li­chen „Hoch­adel“ des Gel­des erfolg­te naht­los. Die fran­zö­si­sche Roth­schild-Bank berät die kasa­chi­sche Zen­tral­bank. Kasach­stan ist flä­chen­mä­ßig grö­ßer als die hal­be EU und um ein Viel­fa­ches rei­cher an Boden­schät­zen. Da öff­nen sich leicht die wich­tig­sten Türen.

Zur Festi­gung sei­ner Macht dezi­mier­te Nasar­ba­jew par­al­lel die rus­si­sche Volks­grup­pe im Land. Gab es 1989 37,8 Pro­zent Rus­sen im Land, kaum weni­ger als Kasa­chen (39,7 Pro­zent), sank ihr Anteil seit­her auf 18,5 Pro­zent, wäh­rend jener der Kasa­chen auf 69 Pro­zent anwuchs.

Die rus­si­sche Spra­che ist aller­dings nach wie domi­nant, wird aber vom Kasa­chi­schen, einer Turk­spra­che, die den Sta­tus der Staats­spra­che genießt, immer mehr ver­drängt. Dane­ben gewinnt, staat­lich geför­dert, das Eng­li­sche als inter­na­tio­na­le Ver­kehrs­spra­che an Bedeutung.

Bis zur kom­mu­ni­sti­schen Okto­ber­re­vo­lu­ti­on wur­de für das Kasa­chi­sche die ara­bi­sche Schrift ver­wen­det. Nach 1917 wur­de sie durch die kyril­li­sche Schrift ersetzt, die nun ihrer­seits bis 2025 von der latei­ni­schen Schrift abge­löst wer­den soll. Auch dar­in zeigt sich die Neu­aus­rich­tung des Landes.

Beim Zusam­men­bruch der Sowjet­uni­on 1991 gab es in Kasach­stan, was im deut­schen Sprach­raum kaum bekannt ist, eine Mil­li­on Deut­sche (rund sechs Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung). Ihre Anwe­sen­heit ging auf die Depor­ta­ti­on der Ruß­land­deut­schen unter Sta­lin im Jahr 1941 zurück. Ihre Vor­fah­ren stamm­ten aus den ver­schie­den­sten deut­schen Gegen­den von der Schweiz bis Schles­wig. Der Groß­teil von ihnen wan­der­te in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ab. Heu­te leben noch an die 200.000 Deut­sche im Land und machen 1,1 Pro­zent der Bevöl­ke­rung aus.

Die religiösen Verhältnisse 

70 Pro­zent der Ein­woh­ner, vor allem Kasa­chen und ande­re Turk­völ­ker, gehö­ren dem sun­ni­ti­schen Islam an. Inner­halb der Sun­na fol­gen sie der hana­fi­ti­schen Schu­le, die unter den Turk­völ­kern, in Afgha­ni­stan, Paki­stan, Ban­gla­desch, Syri­en und Jor­da­ni­en füh­rend ist. Aller­dings gilt die Reli­gio­si­tät unter kasa­chi­schen Mus­li­men als ver­gleichs­wei­se gering, wenn­gleich Nasar­ba­jew, obwohl selbst Athe­ist, den Islam in einer kon­trol­lier­ten Form för­der­te und zahl­rei­che reprä­sen­ta­ti­ve Moscheen errich­ten ließ.

Der Anteil der Chri­sten im Land wird mit einem Vier­tel der Bevöl­ke­rung ange­ge­ben. Wegen der star­ken Abwan­de­rung der Rus­sen und Deut­schen sinkt ihr Anteil. Laut dem Inter­na­tio­nal Reli­gious Free­dom Report 2010 gibt es in Kasach­stan neun rus­sisch-ortho­do­xe Diö­ze­sen und 299 Kir­chen­ge­mein­den und Klö­ster, 83 römisch-katho­li­sche Pfar­rei­en in vier Diö­ze­sen und fünf grie­chisch-katho­li­sche Pfar­rei­en sowie 543 pro­te­stan­ti­sche Bet­häu­ser, die sich auf zahl­rei­che histo­ri­sche und vor allem frei­kirch­li­che Grup­pen verteilen. 

Die katho­li­sche Prä­senz im Land stützt sich auf die Nach­kom­men der unter Sta­lin depor­tier­ten Deut­schen, West­ukrai­ner und Polen. Die pro­te­stan­ti­sche Prä­senz geht auf deutsch­bal­ti­sche Luthe­ra­ner und men­no­ni­ti­sche Sied­ler zurück, die im 19. Jahr­hun­dert im Zuge der Ein­glie­de­rung des Lan­des in das rus­si­sche Zaren­reich ins Land kamen. Spä­ter folg­ten die Depor­tier­ten aus der deut­schen Wol­ga­re­pu­blik und den deut­schen Schwarz­meer­sied­lun­gen und seit dem Ende der Sowjet­uni­on zahl­rei­che frei­kirch­li­che Mis­si­ons­ge­sell­schaf­ten, vor­wie­gend aus den USA und Südkorea.

Mit der Umbe­nen­nung der Haupt­stadt Asta­na in Nur-Sul­tan zu Ehren Nasar­ba­jews setz­te sich die Distan­zie­rung von der rus­si­schen Ver­gan­gen­heit fort. Asta­na war 1830 als rus­si­sche Festung gegrün­det wor­den und hieß bis 1961 Akmo­linsk. Asta­na ist der Bischofs­sitz von Erz­bi­schof Tomasz Peta und Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der. Schnei­ders Fami­lie gehör­te zu den Depor­tier­ten vom Schwar­zen Meer.

Die Pyramide von Nur-Sultan

Die Pyra­mi­de von Nur-Sul­tan, der Tagungs­ort des VII. Con­gress of Lea­ders of World and Tra­di­tio­nal Reli­gi­ons, geht auf einen direk­ten Auf­trag Nasar­ba­jews zurück und erin­nert an eine dei­stisch-frei­mau­re­ri­sche Sym­bo­lik. Histo­risch gab es Pyra­mi­den mit einem glat­ten Man­tel nur im alten Ägyp­ten (Pyra­mi­den von Gizeh) aus der Zeit um 2500 v. Chr. Die Ces­ti­us-Pyra­mi­de in Rom, das Grab­mal des 12 v. Chr. ver­stor­be­nen Prä­tors und Volks­tri­bu­nen Gai­us Ces­ti­us Epu­lo, stellt eine Aus­nah­me dar. Erst im 18. Jahr­hun­dert fand die Pyra­mi­de in der Sym­bo­lik der frei­mau­re­ri­schen Geheim­bün­de neue Bedeutung. 

Die von dem Sozia­li­sten und Frei­mau­rer Fran­çois Mit­ter­rand, von 1981 bis 1995 Staats­prä­si­dent von Frank­reich, im Innen­hof des Lou­vre in Auf­trag gege­be­ne Glas­py­ra­mi­de wur­de 1989 zu den 200-Jahr­fei­ern der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on fer­tig­ge­stellt. Die sym­bo­li­schen Bezü­ge waren expli­zit und gewollt.

Die Pyra­mi­de hat nur in der Frei­mau­re­rei eine theo­re­tisch aus­for­mu­lier­te Bedeu­tung, die mit dem rau­hen Stein (dem unwis­sen­den, unpo­lier­ten Men­schen, der model­liert und ver­fei­nert wer­den soll) bzw. dem kubi­schen Stein (dem per­fek­ten Qua­der) zusam­men­hängt. Die Logen behaup­ten dabei eine okkul­te Bedeu­tung, die sich nur dem „Wis­sen­den“, also dem Frei­mau­rer, erschlie­ße. Im Frei­mau­rer-Wiki heißt es dazu: „Es geht offen­sicht­lich um eine bewußt­seins­er­wei­tern­de Kon­zen­tra­ti­ons­übung. Von sei­nem eige­nen Mit­tel­punkt aus­ge­hend soll ver­sucht wer­den eine Struk­tur zu visua­li­sie­ren, bei der jeder belie­bi­ge Punkt im ‚Kos­mos‘ ein Mit­tel­punkt sein kann.“ Dabei wird auf die jüdi­sche Kab­ba­la, die Bibel (Salo­mo­ni­scher Tem­pel, Stifts­hüt­te, Gehei­me Offen­ba­rung des Johan­nes) und die Kaa­ba in Mek­ka ver­wie­sen. Das ver­ste­he, wer kann. Von Rele­vanz scheint es nicht zu sein, außer für die Logenbrüder. 

Frank Albos Buch über Asta­na (Nur-Sul­tan)

War Nasar­ba­jew ein Logen­bru­der? Direk­te Hin­wei­se dar­auf gibt es nicht. Tat­sa­che ist jedoch, daß die von ihm umge­setz­te Stadt­pla­nung von Nur-Sul­tan (Asta­na) und die dabei errich­te­ten Bau­wer­ke ein gestei­ger­tes Inter­es­se fin­den und der kasa­chi­schen Haupt­stadt die Bezeich­nung als „Welt­haupt­stadt der Illu­mi­na­ten“ ein­brach­te.

Der Kana­di­er Frank Albo, Pro­fes­sor für Geschich­te an der Uni­ver­si­tät Win­ni­peg, spe­zia­li­siert auf Archi­tek­tur und Frei­mau­re­rei bzw. eso­te­ri­sche west­li­che Tra­di­ti­on, ver­öf­fent­lich­te 2017 das Buch „Asta­na: Archi­tec­tu­re, Myth & Desti­ny“. In der Buch­be­schrei­bung ist von einem „Grün­dungs­my­thos“ die Rede, wel­che die „atem­be­rau­ben­de Archi­tek­tur“ der kasa­chi­schen Haupt­stadt, mit „ver­bor­ge­nen Kom­ple­xi­tä­ten“, „ver­schlüs­sel­ten Bot­schaf­ten“, „gehei­men Leh­ren“ und als „Rät­sel vol­ler Geheim­nis­se und Myste­ri­en“ zum Aus­druck brin­ge. Die Stadt, wie sie sich heu­te prä­sen­tie­re, sei ein „her­me­ti­scher Code“ und ein „archi­tek­to­ni­scher Fahr­plan für ein fried­li­ches Schick­sal der Welt“ mit einer „ver­bor­ge­nen Botschaft“.

Albo hat­te zuvor mit staat­li­cher För­de­rung die frei­mau­re­ri­sche und her­me­ti­sche Sym­bo­lik am Par­la­ments­ge­bäu­de von Mani­to­ba erforscht. Der Archi­tek­tur­hi­sto­ri­ker äußert sich dazu nicht, doch dürf­te sei­ne Arbeit über Asta­na (Nur-Sul­tan) vor dem Hin­ter­grund ähn­li­cher Kon­tak­te zur kasa­chi­schen Staats­füh­rung zustan­de gekom­men sein. Die Fra­ge, ob Nur-Sul­tan die „Welt­haupt­stadt der Illu­mi­na­ten“ sei, stellt Albo zwar, ohne sie jedoch zu beant­wor­ten. Wegen sei­ner „Ent­hül­lung“ des Par­la­ments­ge­bäu­des von Mani­to­ba wird Albo der „kana­di­sche Dan Brown“ genannt. Als sol­cher scheint er ein Eigen­in­ter­es­se an wei­te­ren „Ent­hül­lun­gen“ zu haben.

Papst Franziskus und das Treffen der Weltführer und Religionsvertreter

Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr gab es Gerüch­te, Papst Fran­zis­kus beab­sich­ti­ge am Kon­greß der Welt­füh­rer und Reli­gi­ons­ver­tre­ter teil­zu­neh­men. Durch die Coro­na-beding­te Ver­schie­bung erüb­rig­te sich die Fra­ge, ohne daß es zu sei­nem Demen­ti oder einer Bestä­ti­gung gekom­men war – zumin­dest vor­erst. Die Ankün­di­gung eines Papst­be­su­ches durch die kasa­chi­sche Prä­si­di­al­kanz­lei weist nun jedoch mehr denn je in die­se Rich­tung. Eine offi­zi­el­le Bestä­ti­gung durch den Hei­li­gen Stuhl steht aller­dings noch aus.

Für Kasach­stan sei der Con­gress of Lea­ders of World and Tra­di­tio­nal Reli­gi­ons von „gro­ßer Bedeu­tung“, so Staats­prä­si­dent Toka­jew, der mög­lichst sanft eine Ent­mach­tung der Fami­lie Nasar­ba­jew anstrebt, um sei­ne eige­ne Stel­lung zu festigen.

Der Papst und Toka­jew erör­ter­ten bei der Video­kon­fe­renz die Aus­sich­ten für eine ver­stärk­te Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kasach­stan und dem Vati­kan sowie Fra­gen der För­de­rung der „inter­re­li­giö­sen Harmonie“.

Der Besuch von Fran­zis­kus in Kasach­stan wür­de auch ein Zusam­men­tref­fen mit dem dor­ti­gen katho­li­schen Epi­sko­pat mit sich brin­gen, das dem der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat unter allen Bischofs­kon­fe­ren­zen am mei­sten kri­tisch gegen­über­steht. Das hat auch mit der Absicht der Papst-Rei­se zu tun.

2017 haben kasa­chi­sche Bischö­fe als Reak­ti­on auf das umstrit­te­ne nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia das deut­lich­ste Bekennt­nis des Welt­epi­sko­pats zu den unver­än­der­li­chen Wahr­hei­ten des Ehe­sa­kra­ments abge­legt. Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der gehört zu den her­aus­ra­gend­sten Bischofs­ge­stal­ten unse­rer Zeit. Die Abschaf­fung des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Bene­dikt XVI. durch Papst Fran­zis­kus im Juli 2021 nann­te er einen „Macht­miß­brauch“. Im März 2019, als die Bischö­fe Kasach­stans zum Ad-limi­na-Besuch nach Rom rei­sten, besuch­ten sie auch Bene­dikt XVI. im Klo­ster Mater Eccle­siae und signa­li­sier­ten damit ihre Ver­bun­den­heit nicht nur mit sei­ner Per­son, son­dern auch mit sei­nem Pon­ti­fi­kat. Kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, wie die Ad-limi­na-Besu­che ande­rer Bischofs­kon­fe­ren­zen zei­gen. Atha­na­si­us Schnei­der wider­sprach Fran­zis­kus auch nach der Unter­zeich­nung der Erklä­rung von Abu Dha­bi: „Die Viel­falt der Reli­gio­nen ist nicht gott­ge­wollt. Die christ­li­che Reli­gi­on ist die ein­zig gül­ti­ge Reli­gi­on und der ein­zi­ge von Gott gewoll­te Glau­be“. Der öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph Josef Sei­fert nann­te das Abu-Dha­bi-Doku­ment „die Sum­me aller Häre­si­en“, die auto­ma­tisch dazu füh­ren müß­te, daß Fran­zis­kus sein Petrus­amt verliert.

Die Erklä­rung von Abu Dha­bi bil­de­te bis­her den Höhe­punkt in den Ein­heits­be­stre­bun­gen von Fran­zis­kus, die sich nicht nur auf die omi­nö­sen „abra­ha­mi­ti­schen“ Reli­gio­nen beschrän­ken. In einem Video vom Papst waren auch die Bud­dhi­sten mit­ein­be­zo­gen. Beim Assi­si-Tref­fen wur­de der Bogen noch wei­ter gespannt. In die­sem Kon­text einer „uni­ver­sa­len Brü­der­lich­keit“ aller Men­schen, die laut Fran­zis­kus alle „Kin­der Got­tes“ sind und wo es dabei einer­lei sei, wel­cher Reli­gi­on jemand ange­hö­re, Haupt­sa­che man gehe fried­lich mit­ein­an­der um, ist auch der Con­gress of Lea­ders of World and Tra­di­tio­nal Reli­gi­ons in Nur-Sul­tan im kom­men­den Sep­tem­ber zu sehen, an dem Fran­zis­kus teil­zu­neh­men beab­sich­tigt. Fran­zis­kus sieht sich dabei als Pri­mus inter pares und Spre­cher der Reli­gi­ons­füh­rer. So wur­de es ihm auf bei­spiel­lo­se Wei­se am 25. Sep­tem­ber 2015 von den welt­li­chen Mäch­ti­gen gewährt, als er die Fest­re­de vor der UNO-Gene­ral­ver­samm­lung in New York hal­ten konn­te, als die Agen­da 2030 (Zie­le für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung) beschlos­sen wurde.

Ins­ge­samt erhöht Fran­zis­kus die Rei­se­tä­tig­keit: Im Juni ist eine noch nicht bestä­tig­te Rei­se in den Liba­non im Gespräch, Anfang Juli erfolgt ein Besuch der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go und im Süd­su­dan und im sel­ben Monat auch eine Rei­se nach Kanada.

Video zu Frank Albos Buch über den „Asta­na-Mythos“. Im Bild die Pyra­mi­de, die für das Tref­fen „der Welt­füh­rer und Reli­gi­ons­ver­tre­ter“ errich­tet wurde

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Flickr/bbcworldservice/akorda.kz (Screen­shots)

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