Das Dokument über die „menschliche Brüderlichkeit“ von Abu Dhabi – im vollständigen Wortlaut

Papst Franziskus und Ahamd Al-Tayyeb - Westen und Orient












Papst Franziskus und Großimam Al-Tayyeb unterzeichnen das Dokumennt über die menschliche Brüderlichkeit.
Papst Franziskus und Großimam Al-Tayyeb unterzeichnen das Dokument über die menschliche Brüderlichkeit.

(Abu Dhabi) Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Montag mit dem Großimam von Al-Azhar (Kairo) ein gemeinsames „Dokument über die menschliche Brüderlichkeit“ unterzeichnet. Katholisches.info dokumentiert den vollständigen Wortlaut in eigener Übersetzung. Das Dokument besteht aus einer Einleitung, einem erklärenden Teil, Forderungen und einem Schlußteil:

Dokument für die menschliche Brüderlichkeit

Abu Dhabi, 4. Februar 2019

Im Namen Gottes, der alle Menschen gleich in den Rechten, den Pflichten und der Würde erschaffen hat und sie gerufen hat, wie Brüder untereinander zusammenzuleben, um die Erde zu bevölkern und in ihr die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten.

Im Namen der unschuldigen menschlichen Seele, deren Tötung Gott verboten hat, denn tötet einer einen Menschen, ist es, als würde er die ganze Menschheit töten, und rettet einer einen Menschen, ist es, als würde er die gesamte Menschheit retten.

Im Namen der Armen, der Elenden, der Bedürftigen und der Ausgegrenzten, denen zu helfen, Gott als Pflicht geboten hat, die von allen Menschen eingefordert ist und besonders von jedem reichen und wohlhabenden Menschen.

Im Namen der Waisen, der Witwen, der Flüchtlinge und der aus ihren Häusern und ihren Ländern Vertriebenen; aller Opfer der Kriege, der Verfolgungen und der Ungerechtigkeiten; der Armen, aller, die in der Angst leben, der Kriegsgefangenen, der Gefolterten in irgendeinem Teil der Welt, ohne jeden Unterschied.

Im Namen der Völker, die die Sicherheit, den Frieden und das gemeinsame Zusammenleben verloren haben, indem sie Opfer der Zerstörungen und der Kriege geworden sind.

Im Namen der „menschlichen Brüderlichkeit“, die alle Menschen umarmt, sie eint und gleichmacht.

Im Namen dieser Brüderlichkeit, die von der Politik der Integralismen und der Spaltungen und den Systemen des zügellosen Gewinns und der haßerfüllten ideologischen Tendenzen zerrissen ist, die die Handlungen und Schicksale der Menschen manipulieren.

Im Namen der Freiheit, die Gott allen Menschen geschenkt hat, indem er sie frei erschaffen und dadurch ausgezeichnet hat.

Im Namen der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit, die Grundlagen des Wohlstandes und Pfeiler des Glaubens sind.

Im Namen aller Menschen guten Willens in jedem Winkel der Erde.

Logo des Treffens
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Im Namen Gottes und von dem allem erklärt Al-Azhar al Sharif – mit den Muslimen des Orients und des Westens –, zusammen mit der Katholischen Kirche – mit den Katholiken des Orients und des Westens –, die Kultur des Dialogs als Weg, die gemeinsame Zusammenarbeit als Verhaltensweise, das gegenseitige Kennenlernen als Methode und Kriterium anzunehmen.

Wir – die an Gott glauben, in der letzten Begegnung mit Ihm und Seinem Gericht –, ausgehend von unserer religiösen und moralischen Verantwortung und von diesem Dokument, ersuchen uns selbst und die Führer der Welt, die Verantwortlichen der internationalen Politik und der Weltwirtschaft, sich ernsthaft für die Verbreitung der Kultur der Toleranz, des Zusammenlebens und des Friedens einzusetzen; so schnell als möglich einzugreifen, um das Vergießen von unschuldigem Blut zu stoppen und den Kriegen, den Konflikten, der Umweltzerstörung und dem kulturellen und moralischen Niedergang, die die Welt erlebt, ein Ende zu setzen.

Wir wenden uns an die Intellektuellen, an die Philosophen, an die Religionsvertreter, die Künstler, die Medienmacher und die Menschen von Kultur in jedem Teil der Erde, auf daß sie die Werte des Friedens, der Gerechtigkeit, des Guten, der Schönheit, der menschlichen Brüderlichkeit und des gemeinsamen Zusammenlebens wiederentdecken, um die Wichtigkeit dieser Werte als Anker der Rettung für alle bekräftigen und versuchen, sie überall zu verbreiten.

Diese Erklärung, die von einer tiefen Reflexion über unsere heutige Wirklichkeit ausgeht – ihre Erfolge schätzt und ihre Schmerzen, ihre Katastrophen und Unglücke erlebt –, glaubt fest, daß zu den wichtigsten Ursachen für die Krise der modernen Welt ein betäubtes menschliches Gewissen und die Abkehr von religiösen Werten gehören sowie die Vorherrschaft des Individualismus und der materialistischen Philosophien, die den Menschen vergöttlichen und die weltlichen und materiellen Werte an die Stelle der höchsten und transzendenten Prinzipien setzen.

Wir unterstreichen, wenngleich wird die positiven Schritte anerkennen, die unsere moderne Gesellschaft in den Bereichen der Wissenschaft, der Technologie, der Medizin, der Industrie und der Wohlfahrt vollbracht hat, besonders in den Entwicklungsländern, daß sich zusammen mit diesen historischen, großen und geschätzten Fortschritten eine Verschlechterung der Ethik, des internationalen Handelns und eine Schwächung der spirituellen Werte und des Verantwortungsbewußtseins vollzieht. Das alles führt zur Ausbreitung eines allgemeinen Gefühls von Frustration, Einsamkeit und Verzweiflung, die viele dazu verleitet, entweder in den Abgrund des atheistischen und agnostischen Extremismus oder des religiösen Integralismus, Extremismus und blinden Fundamentalismus zu fallen, und dadurch andere Menschen dazu zu bringen, sich Formen von Abhängigkeit und individueller und kollektiver Selbstzerstörung auszuliefern.

Die Geschichte bestätigt, daß der religiöse und nationale Extremismus und die Intoleranz in der Welt sowohl im Westen wie auch im Orient hervorgebracht haben, was als Zeichen eines „Dritten Weltkriegs in Stücken“ bezeichnet werden könnte, Zeichen, die in verschiedenen Teilen der Erde und unter unterschiedlichen, tragischen Umständen begonnen haben, ihr grausames Gesicht zu zeigen; Situationen, von denen man nicht genau weiß, wie viele Opfer, Witwen und Waisen sie verursacht haben. Zudem gibt es andere Gegenden, die sich vorbereiten, Schauplatz neuer Konflikte zu werden, wo Glutnester der Spannung entstehen und Waffen und Munition angehäuft werden in einer Weltlage, die von Unsicherheit, Enttäuschung und Zukunftsangst beherrscht und von kurzsichtigen Wirtschaftsinteressen kontrolliert wird.

Wir bekräftigen zudem, daß die heftigen politischen Krisen, die Ungerechtigkeit und das Fehlen einer gerechten Verteilung der natürlichen Ressourcen – von denen nur eine kleine Minderheit von Reichen profitieren zum Nachteil der Mehrheit der Völker der Erde – zu einer enormen Anzahl von Kranken, Bedürftigen und Toten geführt haben und weiterhin führen, indem sie eine tödliche Krise provozieren, deren Opfer verschiedene Länder sind trotz ihrer Bodenschätze und ihrer Ressourcen an jungen Generationen, die sie prägen. Zu diesen Krisen, die dazu führen, daß Millionen von Kindern an Hunger sterben, die bereits – wegen der Armut und des Hungers – zu menschlichen Skeletten abgemagert sind, herrscht ein untragbares internationales Schweigen.

Es ist diesbezüglich offensichtlich, wie notwendig die Familie als Grundzelle der Gesellschaft und der Menschheit ist, um Kindern das Leben zu schenken, sie aufzuziehen, zu erziehen und ihnen eine solide Moral und den familiären Schutz zu bieten. Die Institution Familie anzugreifen, sie zu verachten oder die Wichtigkeit ihrer Rolle zu bezweifeln, stellt eines der gefährlichsten Übel unserer Epoche dar.

Wir bezeugen auch die Bedeutung, wieder den religiösen Sinn zu wecken und die Notwendigkeit, ihn in den Herzen der neuen Generationen wiederzubeleben durch eine gesunde Erziehung, moralische Werte und richtige religiöse Lehren, um den individualistischen, egoistischen und widersprüchlichen Tendenzen, dem Radikalismus und blinden Extremismus in allen seinen Formen und Erscheinungen entgegenzutreten.

Das erste und wichtigste Ziel der Religionen ist, an Gott zu glauben, Ihn zu ehren und alle Menschen aufzurufen, daran zu glauben, daß dieses Universum von einem Gott abhängt, der es regiert, und daß der Schöpfer, der uns mit Seiner göttlichen Weisheit geformt hat, uns das Geschenk des Lebens gewährt hat, um es zu bewahren. Niemand hat das Recht, dieses Geschenk zu entziehen, zu bedrohen oder nach seinem Belieben zu manipulieren. Im Gegenteil, alle müssen dieses Geschenk des Lebens von seinem Beginn bis zu seinem natürlichen Tod bewahren. Deshalb verurteilen wir alle Praktiken, die das Leben bedrohen wie die Genozide, terroristischen Taten, Zwangsmigrationen, Organhandel, Abtreibung und Euthanasie, und alle Formen der Politik, die das alles unterstützen.

Weiters erklären wir – mit Entschiedenheit –, daß die Religionen nie zum Krieg anstiften und weder zu Gefühlen des Hasses, der Feindschaft, des Extremismus noch zur Gewalt oder zum Blutvergießen aufrufen. Diese Katastrophen sind das Ergebnis der Abirrung von den religiösen Lehren, der politischen Benutzung der Religionen und auch der Interpretationen von Gruppen von Religionsvertretern, die – in einigen historischen Phasen – den Einfluß der religiösen Gefühle auf die Herzen der Menschen mißbraucht haben, um sie zu verleiten, zu tun, was nichts mit der Wahrheit der Religionen zu tun hat, um politische Ziele und kurzsichtige, weltliche wirtschaftliche Ziele zu verwirklichen. Deshalb ersuchen wir alle, die Instrumentalisierung der Religionen, um zum Haß, zur Gewalt, zum Extremismus und zum blinden Fanatismus aufzurufen, zu beenden und aufzuhören, den Namen Gottes zu mißbrauchen, um Mord, Vertreibung, Terrorismus und Unterdrückung zu rechtfertigen. Wir ersuchen darum im Namen unseres gemeinsamen Glaubens an Gott, der die Menschen nicht erschaffen hat, damit sie getötet werden, oder um sich untereinander zu bekämpfen und auch nicht, um gefoltert oder in ihrem Leben und in ihrer Existenz gedemütigt zu werden. Gott, der Allmächtige, hat es nicht nötig von jemand verteidigt zu werden, und Er will nicht, daß Sein Name gebraucht wird, um die Menschen zu terrorisieren.

Dieses Dokument, in Übereinstimmung mit den vorhergehenden Internationalen Dokumente, die die Bedeutung der Rolle der Religionen beim Aufbau des Weltfriedens unterstrichen haben, bezeugt:

  • Die feste Überzeugung, daß die wahren Lehren der Religionen dazu einladen, in den Werten des Friedens verankert zu bleiben; die Werte der gegenseitigen Kenntnis, der menschlichen Brüderlichkeit und des gemeinsamen Zusammenlebens zu unterstützen; die Weisheit, die Gerechtigkeit und die Liebe wiederherzustellen und den Sinn der Religiosität unter den Jugendlichen wieder zu wecken, um die neuen Generationen vor der Herrschaft des materialistischen Denkens, der Politik der ungezügelten Gewinngier und der Gleichgültigkeit, die auf dem Gesetz des Stärkeren und nicht auf der Stärke des Gesetzes beruhen, zu schützen.
  • Die Freiheit ist ein Recht eines jeden Menschen: Jeder besitzt die Freiheit des Bekenntnisses, des Denkens, der Meinung und des Handelns. Der Pluralismus und die Verschiedenheit der Religion, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Rasse und der Sprache entsprechen dem weisen, göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem das Recht zur Freiheit des Bekenntnisses und zur Freiheit der Verschiedenheit herrührt. Deshalb wird es verurteilt, die Leute zu zwingen, einer bestimmten Religion oder einer bestimmten Kultur folgen zu müssen, wie auch einen bestimmten Gesellschaftsstil aufzuzwingen, die andere nicht akzeptieren.
  • Die auf die Barmherzigkeit gegründete Gerechtigkeit ist der Weg, der zu beschreiten ist, um ein Leben in Würde zu erreichen, auf das jeder Mensch ein Recht hat.
  • Der Dialog, das Verständnis, die Verbreitung einer Kultur der Toleranz, der Akzeptanz des anderen und das Zusammenleben zwischen den Menschen werden beträchtlich dazu beitragen, viele wirtschaftliche, soziale, politische und ökologische Probleme zu reduzieren, die große Teile der Menschheit bedrängen.
  • Der Dialog zwischen den Gläubigen bedeutet, sich im enormen Raum der gemeinsamen geistlichen, menschlichen und sozialen Werte zu begegnen, und das in die Verbreitung der höchsten moralischen, Tugenden einzubringen, die von den Religionen angemahnt werden; er bedeutet auch, unnötige Diskussionen zu vermeiden.
  • Der Schutz der Kultorte – Tempel, Kirchen, Moscheen – ist eine Pflicht, die von den Religionen, den menschlichen Werten, den Gesetzen und den internationalen Konventionen garantiert wird. Jeder Versuch, die Kultorte anzugreifen oder sie durch Attentate oder Explosionen oder Abriß zu bedrohen, ist eine Abirrung von den Lehren der Religionen sowie eine klare Verletzung des internationalen Rechts.
  • Der abscheuliche Terrorismus, der die Sicherheit der Menschen bedroht, sowohl im Orient als auch im Westen, sowohl im Norden wie im Süden, indem er Panik, Terror und Pessimismus verbreitet, geht nicht auf die Religionen zurück – auch wenn die Terroristen sie instrumentalisieren –, sondern geht auf die angehäuften, falschen Interpretationen der religiösen Texte zurück, auf die Politik des Hungers, der Armut, der Ungerechtigkeit, der Unterdrückung und der Arroganz; deshalb ist es notwendig, die Unterstützung für terroristische Bewegungen durch Nachschub an Geld, Waffen, Plänen oder Rechtfertigungen und auch mediale Rückendeckung zu beenden und das alles als internationale Verbrechen zu sehen, die die Sicherheit und den Weltfrieden bedrohen. Es ist notwendig, einen solchen Terrorismus in allen seinen Formen und Erscheinungen zu verurteilen.
  • Das Verständnis von Staatsbürgerschaft gründet auf der Gleichheit der Rechte und der Pflichten, unter deren Schutz alle Gerechtigkeit genießen. Deshalb ist es notwendig, sich einzusetzen, um in unseren Gesellschaften das Verständnis der vollen Staatsbürgerschaft festzulegen und auf einen diskriminierenden Gebrauch des Begriffs Minderheit zu verzichten, der den Samen in sich trägt, sich isoliert und  minderwertig zu fühlen; er bereitet den Boden für Feindseligkeiten und Zwietracht und entzieht diskriminierend einigen Bürgern die Errungenschaften und die religiösen und zivilen Rechte.
  • Das Verhältnis zwischen Orient und Westen ist eine unleugbare, gegenseitige Notwendigkeit, die weder ersetzt werde kann noch vernachlässigt werden darf, damit beide sich gegenseitig durch die Zivilisation des anderen, durch den Austausch und den Dialog der Kulturen bereichern können. Der Westen könnte in der Zivilisation des Orients Abhilfe gegen einige seiner geistigen und religiösen Krankheiten finden, die durch die Herrschaft des Materialismus verursacht sind. Und der Orient könnte in der Zivilisation des Westens viele Elemente finden, die ihm helfen können, sich vor der Schwäche, der Spaltung, dem Konflikt und dem wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Niedergang zu retten. Es ist wichtig, die religiösen, kulturellen und historischen Unterschiede zu beachten, die eine wesentliche Komponente der Persönlichkeitsformung, der Kultur und der orientalischen Zivilisation sind; und es ist wichtig, die allgemeinen Menschenrechte zu festigen, um beizutragen, ein würdiges Leben für alle Menschen im Orient und im Westen zu garantieren und eine Politik des zweierlei Maßes zu vermeiden.
  • Es ist eine unerläßliche Notwendigkeit, das Recht der Frau auf Ausbildung, Arbeit und Ausübung des eigenen politischen Rechts anzuerkennen. Zudem muß daran gearbeitet werden, sie von historischem und sozialem Druck zu befreien, die den Grundsätzen des eigenen Glaubens und der eigenen Würde widersprechen. Es ist auch notwendig, sie vor der sexuellen Ausbeutung und vor der Behandlung als Ware, Lustobjekt oder ökonomischen Nutzen zu bewahren. Deshalb müssen alle unmenschlichen Praktiken und vulgären Umgangsformen beendet werden, die die Würde der Frau demütigen, und muß auf eine Änderung der Gesetze hingearbeitet werden, die den Frauen den vollen Zugang zu ihren Rechten verwehren.
  • Der Schutz der Grundrechte der Kinder, in einem familiären Umfeld aufzuwachsen, auf Nahrung, Erziehung und Unterstützung, ist eine Pflicht der Familie und der Gesellschaft. Solche Rechte müssen garantiert und geschützt werden, damit sie keinem Kind in keinem Teil der Erde fehlen und verweigert werden. Es ist notwendig, jede Form zu verurteilen, die die Würde der Kinder und ihre Rechte verletzt. Es ist ebenso wichtig, wachsam zu sein gegenüber den Gefahren, denen sie ausgesetzt sind – besonders im digitalen Bereich –, und den Handel mit ihrer Unschuld und jede Verletzung ihrer Kindheit als Verbrechen zu betrachten.
  • Der Schutz er Rechte der Alten, der Schwachen, der Behinderten und der Unterdrückten ist eine religiöse und soziale Notwendigkeit, die garantiert sein und bewahrt bleiben muß durch eine strenge Gesetzgebung und Anwendung der bezüglichen internationalen Konventionen.

Zu diesem Zweck kündigen die Katholische Kirche und Al-Azhar durch eine gemeinsame Kooperation an und versprechen, dieses Dokument zu den Autoritäten, den einflußreichen Führern, den Religionsvertretern der ganzen Welt, den zuständigen regionalen und internationalen Organisationen, den Organisationen der Zivilgesellschaft, den religiösen Institutionen und den führenden Denkern zu bringen; und sich zur Verbreitung der Grundsätze dieses Dokuments auf allen regionalen und internationalen Ebenen zu verpflichten, indem sie auf die Umsetzung in Politik, Entscheidungen, Gesetzestexte, Studienprogramme und Kommunikationsmaterialien drängen.

Al-Azhar und die Katholische Kirche ersuchen, daß dieses Dokument Gegenstand der Forschung und der Reflexion an allen Schulen, Universitäten, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen wird mit dem Ziel, dazu beizutragen, neue Generationen zu formen, die das Wohl und den Frieden bringen und das Recht der Unterdrückten und Letzten überall verteidigen.

Abschließend hoffen wird, daß diese Erklärung:

  • eine Einladung zur Versöhnung und zur Brüderlichkeit zwischen allen Gläubigen, vielmehr, zwischen den Glaubenden und den Nicht-Glaubenden sei, und zwischen allen Menschen guten Willens;
  • ein Appell an jedes lebendige Gewissen sei, damit die abscheuliche Gewalt und der blinde Extremismus zurückgewiesen werden; ein Appell an alle, die die Werte der Toleranz und der Brüderlichkeit lieben, die von den Religionen gefördert und ermutigt werden;
  • ein Zeugnis der Größe des Glaubens an Gott sei, der die getrennten Herzen eint und den menschlichen Geist erhebt;
  • ein Symbol der Umarmung von Ost und West, von Nord und Süd und zwischen all jenen sei, die glauben, daß Gott uns erschaffen hat, damit wir uns kennenlernen, untereinander zusammenarbeiten und wie Brüder leben, die sich lieben.

Das hoffen wir und versuchen wir zu verwirklichen mit dem Ziel, einen universalen Frieden zu erreichen, den alle Menschen in diesem Leben genießen können.

Abu Dhabi, 4. Februar 2019

 Seine Heiligkeit……………………………….. Großimam von Al-Azhar
Papst Franziskus…………………………………… Ahmad Al-Tayyeb

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshots)

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5 Kommentare

  1. Eines zieht sich durch die ganzen Wortmeldungen von Papst Franziskus. Er streift mit seinen Aussagen mehr an menschengemachten Ideologien als an der katholischen Glaubenslehre.
    Wenn irgendjemand „menschliche Brüderlichkeit“ sagen würde, hätte das meist wenig Bedeutung. Sagt das aber jemand im Papstgewand, müssen die Worte für gewöhnlich eine Tiefe aufweisen. Das tun sie auch hier, denn zu wichtig ist das Papstamt, um es für sinnloses Geschwafel zu verwenden. Soll heißen, hier wird zwei Mal eine Ideologie angekündigt. Nämlich erstens ein Fokus auf das Menschliche, aber nur um den Humanismus zu meinen. Und zweitens der Freimaurer-Begriff „Brüderlichkeit“, den Papst Franziskus wiederholt gebraucht.
    Es wäre naheliegender, „Geschwisterlichkeit“ oder einen vergleichbaren Begriff zu gebrauchen. Aber nein, Brüderlichkeit ist ein klassisch freimaurerischer Begriff. Es passt auch nicht zur Linie der katholischen Kirche unter Papst Franziskus, in die eigentlich heiligen Paulus-Briefe, die Lehramt der Kirche sind, die „Brüder und Schwestern“ hineinzuschreiben, obwohl „Adelfos“ Brüder und nicht Schwestern in der Originalübersetzung bedeutet. Und dann auf einmal Brüderlichkeit, ohne tieferen Sinn begrifflich zu verwenden.
    Und ein Papst, egal welcher, darf niemals mit der Freimaurerei gut sein. Das ist als ob sich Jesus mit dem Teufel einlassen würde, einfach undenkbar.

  2. Aufgrund dieses vom Papst Franziskus unterschriebenen Dokumentes über die „menschliche Brüderlichkeit“ von Abu Dhabi muss die Frage gestellt werden, inwieweit ist eine kirchliche Organisation, die dieses Dokument mit einem Bekenntnis zu einem synkretistischen Glauben weitergibt, noch die Kirche Jesu Christi oder inwieweit ist dieses Dokument mit einer freimaurerischen Terminologie in Wahrheit nur mehr die Ideologie zum Machtgewinn für die Eine-Weltordnung mit der Einen-Welt Religion. Das Dokument ist nicht vereinbar mit der bisherigen Sprache der Kirche. Ich verweise auf Dominus Jesus, vor allem das Kapitel 6., aber auch auf die Lehre der vorausgehenden Päpste und nicht zuletzt aus auf das entscheidende Bekenntnis Petri zu Jesus „Du bist der Sohn des lebendigen Gottes“. Er sagte dies als Antithese, weil in Caesaraea Philippi die toten aber staatstragenden und synkretistischen Göttern (besser Götterwelt) der Römer verehrt wurden und ihnen Opfer dargebracht wurden. Heute müssen wir in dem Dokument von Abu Dhabi erkennen, dass sich Franziskus von diesem Bekenntnis des Petrus löst und alle toten Götter mit dem lebendigen Gottessohn gleichsetzt, unabhängig, was diese von den Menschen fordern – diese Forderungen können bekanntlich bis zum Menschenopfer und zum Mord an Menschen führen. Vor diesem Hintergrund lesen wir ein äußerst verwirrendes Dokument und müssen fragen, ob der Inhalt nur haeretisch oder gar apostatisch ist.

    • „Heute müssen wir in dem Dokument von Abu Dhabi erkennen, dass sich Franziskus von diesem Bekenntnis des Petrus löst und alle toten Götter mit dem lebendigen Gottessohn gleichsetzt, unabhängig, was diese von den Menschen fordern – diese Forderungen können bekanntlich bis zum Menschenopfer und zum Mord an Menschen führen.“

      Sehr richtig.

      Leider hat Papst Johannes Paul II hierfür schon die falschen Weichen gestellt.

      Er hat die humane Kirche bereits vorbereitet. Zwar handelte er in gutem Glauben; aber er war ein furchtbarer Fehler.

      Immer wenn ich an das ‚ökum.‘ Asissi-Gebetstreffen muss ich an das Gericht über die Baalspriester denken.
      Hat Joh.P.II hier mglicherweise auf die Gnade Gottes vertrauend den Stärkebeweis Gottes zwischen den Religionen herausgefordert, so dass sich alle anderen Religionen bekehren würden?

      Nach allem, was ich jetzt weiß, wollte aber schon Joh. Paul II eine Kirche im Schulterschluss mit dem Freigeist des Antichristen und der Freimaurerei, weil er möglicherweise den Glauben an die Hölle aufgegeben hatte.

      Denn die Botschaft war doch in sich eine zerrissene:

      Einerseits bewahren wir das Glaubensgut, nehmen aber alle anderen Religionen als gottgewollt mit hinein.

      Andererseits hoffen wir auf die Bekehrung – und lassen die anderen wie sie sind.

      Die fatale Folge war, dass sich die Kirche aus der eigenen Mitte mehr und mehr entfernte, bis diese von dem Geist der ‚Ränder‘ ausgehöhlt und entleert war.

      Altvater der Orthodxie, Josef der Hesychast, hingegen lehrte, was auch einst katholisches Glaubensgut war: wir müssen die Andersgläubigen lieben, dürfen aber ansonsten keine Gemeinschaft mit ihnen habe, da sonst ihr Ungeist auf uns übergeht.

      Das Srichwort sagt es ja bereits: „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir wer du bist.“

      Nun gut, ging aber nicht auch Jesus an die Ränder?

      Ja, aber nur, weil er in der Fülle des heiligen Geistes war. Er übertrug diese Fülle auf die anderen Menschen und übertrug diese Fülle auf diese: sie bekehrten sich.

      Die Altväter gehen so weit zu sagen: nur wer im heiligen Geist west, soll über das Heilige zu den Menschen sprechen.

      Ansonsten verschluckt uns der Geist des Widersachers.

      Die Schrift sprcht dann von Moloch oder Sündenpfuhl, in dem alle eins sind.

      (Moloch, biblische Bezeichnung für phönizische-kanaanäische Opferriten, die nach der biblischen Überlieferung die Opferung von Kindern durch Feuer vorsahen.)

  3. Man muss sich öfters schon die Frage stellen, ob die Kirche die man sonntags besucht, dieselbe Konfession hat wie die Kirche, der Papst Franziskus(zumindest dem Gewande nach) vorsteht.

  4. Die Erklärung ist aus der Sicht des christlichen Glaubens nicht zu verstehen. Ich erlaube mir beispielhaft einige Zitate, die unverständlich sind:
    1.Im Namen der unschuldigen menschlichen Seele, die zu töten Gott verboten hat…Die Idee von der Unsterblichkeit der Seele gehört in nahezu allen Religionen zum festen Glaubensbestand. Die Seele kann folglich nicht getötet werden. Der Mord tötet jedoch nur den Leib und nicht die Seele… Was will die Erklärung damit sagen?
    2. Integralismus …Unter Integralismus versteht man eine kirchenpolitische Tendenz, alle Lebensbereiche aus dem Katholizismus heraus zu gestalten. Was das Dokument dagegen schreiben will, ist unklar,
    3. Wir – die wir an Gott* und an die endgültige Begegnung mit ihm und an sein Gericht glauben… Der Gottesbegriff „an Gott“ ist sehr allgemein. Er trifft hier auch auf Allah zu ebenso wie auf Jupiter, Zeus und wie auch auf alle von Menschen geschaffenen Götzen zu. Mit dem Begriff Gott wird hier jeder Götze beschrieben und den Dreifaltigen gleichgesetzt. Aber ein Bekenntnis an den dreieinigen Gott, unseren Gott muss anders lauten. Die Frage lautet, wie weit ist dieser Papst von dem überzeugenden Bekenntnis unseres g(* Der Gottesbegriff „an Gott“ ist sehr allgemein. Er trifft hier auch auf Allah zu ebenso wie auf Jupiter, Zeus und wie auch auf alle von Menschen geschaffenen Götzen. Mit dem Begriff Gott wird jeder Götze beschrieben. Lese ich die Rede von Benedikt XVI in Regensburg genau, so muss auch Allah mit seinen Eigenschaften als ein von Menschen gemachter und damit als Götze zu verstehen sein.
    3. Im Text erscheint der seltene und zu deutende Begriff „Integralismus“. Das Wort Integralismus ist abgeleitet vom französischen intégrisme. Der Begriff ist polemisch und bezeichnet die Geisteshaltung derjenigen kirchlichen Kräfte, die den Abwehrkampf des Papsttums gegen den Modernismus fortsetzen. Geschichtlich wurde sie vor allem in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt. Als Zeitrahmen kann die Zeit gelten zwischen der Einführung des Antimodernisteneids durch Papst Pius X. 1910 sowie dessen Abschaffung durch Papst Paul Vl. 1967 .
    4. „Das erste und wichtigste Ziel der Religionen ist es (so die Erklärung), an Gott zu glauben, ihn zu ehren und alle Menschen dazu aufzurufen zu glauben, dass dieses Universum von einem Gott abhängig ist, der es führt, der der Schöpfer ist, der uns mit seiner göttlichen Weisheit geformt hat und uns die Gabe des Lebens geschenkt hat, um uns zu behüten. Aber es fehlt in diesem Satz die
    für Katholiken entscheidende Aussage, dass Gott uns als Erlöser das Heil gebracht hat.
    5. Im Text der Erklärung steht: Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese Aussage ist mit dem Katholischen Glauben nicht übereinstimmbar, da ein Gott, der auch in Bezug auf Religionen eine plurale Welt geschaffen hat, sich selbst widersprechen würde und auch keine Wahrheit erkennen lassen würde.
    Die Abschlussfrage muss lauten, was bedeutet diese Erklärung für den katholischen Glauben? Der Glaube oder präziser das tiefe Vertrauen in die bisherige Lehre hätte bei Akzeptanz dieser Erklärung keine Bedeutung mehr. Aber ich bekenne weiter meinen Glauben ohne Einschränkung und bezeuge allen meine Dankbarkeit, die mich die innere Logik dieser Lehre erkennen ließen

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