Frauenpriestertum definitiv unmöglich

Neo-Kardinal Ladaria Ferrer mit Kardinal Müller, der damals noch Präfekt der Glaubenskongregation war.
Neo-Kardinal Ladaria Ferrer mit Kardinal Müller, der damals noch Präfekt der Glaubenskongregation war.

(Rom) Zu den von Papst Fran­zis­kus desi­gnier­ten neu­en Kar­di­nä­len, die er am 28. Juni kre­ieren wird, und die am 29. Juni erst­mals als Kar­di­nä­le öffent­lich mit ihm kon­ze­le­brie­ren wer­den, gehört auch der Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Luis Ladar­ia Fer­rer SJ. Gestern ver­öf­fent­lich­te er im Osser­va­to­re Roma­no eine Stel­lung­nah­me zu Dubia (Zwei­feln) über den defi­ni­ti­ven Cha­rak­ter der Leh­re von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis. Der Glau­bens­prä­fekt bekräf­tig­te, was Kir­chen­ver­tre­ter und Theo­lo­gen seit Jah­ren sagen, daß Papst Johan­nes Paul II. mit die­sem Apo­sto­li­schen Schrei­ben von 1994 end­gül­tig, also dog­ma­tisch defi­niert fest­stell­te, daß ein Anteil der Frau­en am Wei­he­sa­kra­ment aus­ge­schlos­sen, weil unmög­lich ist.

Die Klar­stel­lung ist von gro­ßer Bedeu­tung. Die gele­gent­lich, vor allem im deut­schen Sprach­raum erho­be­ne For­de­rung pro­gres­si­ver Kir­chen­krei­se nach Frau­en­dia­ko­nat und Frau­en­prie­ster­tum stel­len aller­dings nicht die drän­gend­ste Her­aus­for­de­rung dar. Die­se betrifft der­zeit die Tren­nung von Zöli­bat und Prie­ster­tum durch die For­de­rung, ver­hei­ra­te­te Män­ner zur Prie­ster­wei­he zuzu­las­sen.

Für Okto­ber 2019 wur­de von Papst Fran­zis­kus die soge­nann­te Ama­zo­nas­syn­ode ein­be­ru­fen. Die von Papst Fran­zis­kus mit der Vor­be­rei­tung betrau­ten REPAM-Ver­tre­ter, Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes (REPAM-Gesamt) und Mis­si­ons­bi­schof Erwin Kräut­ler (REPAM-Bra­si­li­en), las­sen kei­nen Zwei­fel, daß ihr Ziel die Abschaf­fung des Zöli­bats als Vor­aus­set­zung für Prie­ster­wei­he und Prie­ster­tum ist. Bei­de spra­chen sich in der Ver­gan­gen­heit auch schon für das Frau­en­prie­ster­tum aus. Dem­nach gilt als sicher, daß die Ama­zo­nas­syn­ode über „ver­hei­ra­te­te Prie­ster“ spre­chen wird, wenn­gleich das The­ma mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit vor Syn­oden­be­ginn nie offi­zi­ell Erwäh­nung fin­den wird.
Es wäre daher ein vor­ran­gi­ges Gebot der Stun­de , daß sich die Kir­che auch bemüht, den Sinn des Priester­z­ö­li­bats mit eben­sol­cher Klar­heit „zu ver­tie­fen“.

Der voll­stän­di­ge Wort­laut der Klar­stel­lung des desi­gnier­ten Kar­di­nals Ladar­ia:

Zu einigen Zweifeln über den definitiven Charakter der Lehre von Ordinatio sacerdotalis

„Bleibt in mir und ich blei­be in euch. Wie die Rebe aus sich kei­ne Frucht brin­gen kann, son­dern nur, wenn sie am Wein­stock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt“ (Joh 15,4). Nur dank ihrer Ver­wur­ze­lung in Jesus Chri­stus, ihrem Grün­der, kann die Kir­che der gan­zen Welt Leben und Heil brin­gen. Die­se Ver­wur­ze­lung erfolgt in erster Linie durch die Sakra­men­te, deren Mit­te die Eucha­ri­stie ist. Von Chri­stus ein­ge­setzt, sind die Sakra­men­te Grund­säu­len der Kir­che, die sie fort­wäh­rend als sei­nen Leib und sei­ne Braut auf­er­bau­en. Zutiefst mit der Eucha­ri­stie ver­bun­den ist das Wei­he­sa­kra­ment, durch das sich Chri­stus der Kir­che als Quel­le ihres Lebens und Han­delns gegen­wär­tig macht. Die Prie­ster wer­den „Chri­stus gleich­för­mig“ gemacht, „so dass sie in der Per­son des Haup­tes Chri­stus han­deln kön­nen“ (Pres­by­terorum ordi­nis, Nr. 2).

Chri­stus woll­te die­ses Sakra­ment den zwölf Apo­steln ver­lei­hen, die alle Män­ner waren, und die­se haben es ihrer­seits ande­ren Män­nern über­tra­gen. Die Kir­che wuss­te sich immer an die­se Ent­schei­dung des Herrn gebun­den, die es aus­schließt, das Prie­ster­tum des Dien­stes gül­tig Frau­en zu über­tra­gen. Johan­nes Paul II. lehr­te in dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis vom 22. Mai 1994: „Damit also jeder Zwei­fel bezüg­lich der bedeu­ten­den Ange­le­gen­heit, die die gött­li­che Ver­fas­sung der Kir­che selbst betrifft, besei­tigt wird, erklä­re ich kraft mei­nes Amtes, die Brü­der zu stär­ken (vgl. Lk 22,32), dass die Kir­che kei­ner­lei Voll­macht hat, Frau­en die Prie­ster­wei­he zu spen­den, und dass sich alle Gläu­bi­gen der Kir­che end­gül­tig an die­se Ent­schei­dung zu hal­ten haben“ (Nr. 4). Die Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re bekräf­tig­te in Ant­wort auf eine Fra­ge zur Leh­re von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis, dass es sich hier um eine Wahr­heit han­delt, die zum Glau­bens­gut (depo­si­tum fidei) der Kir­che gehört.

In die­sem Licht erfüllt es mich mit gro­ßer Sor­ge, dass in eini­gen Län­dern Stim­men zu hören sind, die den end­gül­ti­gen Cha­rak­ter der genann­ten Leh­re wie­der in Zwei­fel zie­hen. Um zu ver­tre­ten, dass die­se Leh­re nicht defi­ni­tiv sei, wird das Argu­ment ange­führt, dass sie nicht ex cathe­dra defi­niert wor­den sei und des­halb von einem zukünf­ti­gen Papst oder Kon­zil ver­än­dert wer­den könn­te. Das Aus­streu­en sol­cher Zwei­fel weckt gro­ße Ver­wir­rung unter den Gläu­bi­gen, und zwar nicht nur bezüg­lich des Wei­he­sa­kra­ments, das zur gött­li­chen Ver­fas­sung der Kir­che gehört, son­dern auch bezüg­lich des ordent­li­chen Lehr­amts, das die katho­li­sche Leh­re unfehl­bar vor­le­gen kann.

Zum ersten Punkt: Was das Prie­ster­tum des Dien­stes anbe­langt, weiß die Kir­che, dass die Unmög­lich­keit der Frau­en­wei­he zur „Sub­stanz“ des Sakra­men­tes gehört (vgl. DH 1728). Die Kir­che hat nicht die Voll­macht, die­se Sub­stanz zu ändern, denn durch die von Chri­stus ein­ge­setz­ten Sakra­men­te wird sie als Kir­che auf­er­baut. Es geht hier nicht nur um eine Fra­ge der Dis­zi­plin, son­dern der Leh­re, weil die Struk­tur der Sakra­men­te betrof­fen ist, der ursprüng­li­chen Orte der Begeg­nung mit Chri­stus und der Wei­ter­ga­be des Glau­bens. Wir ste­hen also nicht vor einer Gren­ze, wel­che die Kir­che dar­an hin­dern wür­de, ihre Sen­dung in der Welt wirk­sa­mer zu erfül­len. Wenn die Kir­che in die­ser Fra­ge nicht inter­ve­nie­ren kann, so liegt der Grund dafür dar­in, dass hier die ursprüng­li­che Lie­be Got­tes inter­ve­niert. Er selbst han­delt bei der Wei­he der Prie­ster, so dass in der Kir­che immer und in jeder Situa­ti­on ihrer Geschich­te Jesus Chri­stus „als Haupt­quel­le der Gna­de“ (Papst Fran­zis­kus, Evan­ge­lii gau­di­um, Nr. 104) sicht­bar und wirk­sam ist.

Im Bewusst­sein, die­se Tra­di­ti­on aus Gehor­sam gegen­über dem Herrn nicht ändern zu kön­nen, bemüht sich die Kir­che auch dar­um, ihren Sinn zu ver­tie­fen. Denn der Wil­le Jesu Chri­sti, des Logos, ist nie ohne Sinn. Der Prie­ster han­delt in der Per­son Chri­sti, des Bräu­ti­gams der Kir­che, und sein Mann-Sein ist ein unent­behr­li­cher Aspekt die­ser sakra­men­ta­len Reprä­sen­tanz (vgl. Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, Inter insi­gnio­res, Nr. 5). Gewiss bringt die Ver­schie­den­heit der Auf­ga­ben zwi­schen Mann und Frau kei­ne Unter­ord­nung mit sich, son­dern eine gegen­sei­ti­ge Berei­che­rung. Es sei dar­an erin­nert, dass das voll­kom­me­ne Bild der Kir­che Maria ist, die Mut­ter des Herrn, der das apo­sto­li­sche Amt nicht über­tra­gen wur­de. So wird sicht­bar, dass die ursprüng­li­che Spra­che des Mann- und Frau-Seins, die der Schöp­fer in den mensch­li­chen Leib ein­ge­schrie­ben hat, im Werk unse­rer Erlö­sung auf­ge­nom­men wur­de. Gera­de die Treue zum Plan Chri­sti mit dem Prie­ster­tum des Dien­stes erlaubt es des­halb, die spe­zi­fi­sche Rol­le der Frau in der Kir­che immer mehr zu ver­tie­fen und zu för­dern, denn „im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau“ (1 Kor 11,11). So kann auch ein Licht auf unse­re Kul­tur fal­len, die Mühe hat, die Bedeu­tung und Schön­heit der Ver­schie­den­heit von Mann und Frau zu ver­ste­hen, wel­che auch ihre sich gegen­sei­tig ergän­zen­de Sen­dung in der Gesell­schaft betrifft.

Zum zwei­ten Punkt: Die erho­be­nen Zwei­fel über den defi­ni­ti­ven Cha­rak­ter von Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis haben auch gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die Art, das Lehr­amt der Kir­che zu ver­ste­hen. Es ist wich­tig zu bekräf­ti­gen, dass sich die Unfehl­bar­keit nicht nur auf fei­er­li­che Erklä­run­gen durch ein Kon­zil oder auf päpst­li­che Defi­ni­tio­nen ex cathe­dra bezieht, son­dern auch auf das ordent­li­che und all­ge­mei­ne Lehr­amt der in aller Welt ver­streu­ten Bischö­fe, wenn sie in Gemein­schaft unter­ein­an­der und mit dem Papst die katho­li­sche Leh­re als end­gül­tig ver­pflich­tend vor­tra­gen. Auf die­se Unfehl­bar­keit bezog sich Johan­nes Paul II. in Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis. Er ver­kün­de­te also kein neu­es Dog­ma, son­dern bekräf­tig­te, um jeden Zwei­fel zu besei­ti­gen, mit der ihm als Nach­fol­ger Petri ver­lie­he­nen Auto­ri­tät in einer förm­li­chen Erklä­rung, was das ordent­li­che und all­ge­mei­ne Lehr­amt in der gan­zen Geschich­te als zum Glau­bens­gut gehö­rend vor­ge­tra­gen hat. Gera­de die­se Art der Dar­le­gung ent­spricht einem Stil kirch­li­cher Gemein­schaft, weil der Papst nicht allein han­deln woll­te, son­dern als Zeu­ge im Hören auf eine unun­ter­bro­che­ne und leben­di­ge Über­lie­fe­rung. Zudem wird nie­mand leug­nen, dass sich das Lehr­amt unfehl­bar zu Wahr­hei­ten äußern kann, die not­wen­dig mit dem förm­lich geof­fen­bar­ten Gut ver­bun­den sind. Denn nur so kann es sei­ner Auf­ga­be nach­kom­men, das Glau­bens­gut hei­lig zu bewah­ren und treu aus­zu­le­gen.

Ein wei­te­rer Beweis der Mühe, die Johan­nes Paul II. für die Prü­fung die­ser Fra­ge auf­ge­bracht hat, ist die vor­aus­ge­hen­de Bera­tung mit den Vor­sit­zen­den jener Bischofs­kon­fe­ren­zen, die mit der Pro­ble­ma­tik beson­ders befasst waren. Alle ohne Aus­nah­me erklär­ten mit vol­ler Über­zeu­gung, dass die Kir­che aus Gehor­sam gegen­über dem Herrn kei­ne Voll­macht hat, Frau­en die Prie­ster­wei­he zu ertei­len.

Auch Bene­dikt XVI. bekräf­tig­te die­se Leh­re. In der Chri­sam-Mes­se am 5. April 2012 erin­ner­te er dar­an, wie Johan­nes Paul II. „in unwi­der­ruf­li­cher Wei­se“ erklär­te, dass die Kir­che im Bezug auf die Frau­en­or­di­na­ti­on „kei­ne Voll­macht vom Herrn erhal­ten hat“. Bene­dikt XVI. frag­te sich dann im Blick auf eini­ge, die die­se Leh­re nicht annah­men: „Aber ist Unge­hor­sam wirk­lich ein Weg? Spü­ren wir dar­in etwas von der Gleich­ge­stal­tung mit Chri­stus, die die Vor­aus­set­zung jeder wirk­li­chen Erneue­rung ist oder nicht doch nur den ver­zwei­fel­ten Drang, etwas zu machen, die Kir­che nach unse­ren Wün­schen und Vor­stel­lun­gen umzu­wan­deln?“

Papst Fran­zis­kus hat eben­falls zu die­ser Fra­ge Stel­lung genom­men. In sei­nem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Evan­ge­lii gau­di­um unter­strich er: „Das den Män­nern vor­be­hal­te­ne Prie­ster­tum als Zei­chen Chri­sti, des Bräu­ti­gams, der sich in der Eucha­ri­stie hin­gibt, ist eine Fra­ge, die nicht zur Dis­kus­si­on steht“. Er rief auch dazu auf, die­se Leh­re nicht als Aus­druck von Macht, son­dern als Dienst zu inter­pre­tie­ren, so dass die glei­che Wür­de von Mann und Frau im einen Leib Chri­sti bes­ser ver­stan­den wer­den kann (Nr. 104). In der Pres­se­kon­fe­renz wäh­rend des Rück­flugs von der Apo­sto­li­schen Rei­se nach Schwe­den am 1. Novem­ber 2016 beton­te Papst Fran­zis­kus: „Hin­sicht­lich der Wei­he von Frau­en in der katho­li­schen Kir­che hat der hei­li­ge Johan­nes Paul II. das letz­te kla­re Wort gespro­chen, und das bleibt“.

In unse­rer Zeit ist die Kir­che geru­fen, auf vie­le Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Kul­tur zu ant­wor­ten. Dafür ist es wesent­lich, dass sie in Jesus Chri­stus bleibt wie die Reben am Wein­stock. Der Mei­ster lädt uns des­halb ein, dass sei­ne Wor­te in uns blei­ben: „Wenn ihr mei­ne Gebo­te hal­tet, wer­det ihr in mei­ner Lie­be blei­ben“ (Joh 15,10). Nur die Treue zu sei­nen Wor­ten, die nicht ver­ge­hen, garan­tiert unse­re Ver­wur­ze­lung in Chri­stus und in sei­ner Lie­be. Nur die Annah­me sei­nes wei­sen Pla­nes, der in den Sakra­men­ten Gestalt annimmt, stärkt die Kir­che an ihren Wur­zeln, damit sie für das ewi­ge Leben Frucht brin­gen kann.

Luis F. Ladar­ia, S.I., Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re

Ein­lei­tung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Natio­nal Catho­lic Regi­ster (Screen­shot)




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