Gegner der Ostpolitik: Bischof Paul Hnilica (1921–2006)

Paul Hnilica
Bischof Paul Hnilica SJ gehörte der Untergrundkirche in der kommunistischen Tschechoslowakei an. Mit Nachdruck widersetzte er sich der Ostpolitik des Vatikans. Ein Rückblick aus aktuellem Anlaß.

Von Rober­to de Mattei*

Die Poli­tik der Zusam­men­ar­beit von Papst Fran­zis­kus mit dem kom­mu­ni­sti­schen Chi­na hat sei­ne direk­ten Vor­läu­fer in der Ost­po­li­tik von Johan­nes XXIII. und Paul VI. Gestern wie heu­te hat­te die Ost­po­li­tik star­ke Geg­ner, die es ver­die­nen, daß man sich an sie erin­nert. Einer von ihnen war der Slo­wa­ke Pavol Maria Hni­li­ca (1921–2006), an den ich erin­nern möch­te. Dabei stüt­ze ich mich, neben mei­nen per­sön­li­chen Erin­ne­run­gen, auf eine gründ­li­che Stu­die von Frau Pro­fes­sor Emi­lia Hrabo­vec über die­se Per­sön­lich­keit, die dem­nächst erschei­nen wird. Ihr brin­ge ich mei­nen beson­de­ren Dank zum Aus­druck, daß ich ihre Arbeit vor­ab ein­se­hen und zitie­ren durf­te.

Paul Hnilica SJ
Paul Hni­li­ca SJ

Als die vati­ka­ni­sche Diplo­ma­tie in den 60er Jah­ren begann, die Ost­po­li­tik umzu­set­zen, gab es in der Tsche­cho­slo­wa­kei, wie heu­te in der Volks­re­pu­blik Chi­na, zwei Kir­chen: die eine war die „patrio­ti­sche“ Kir­che, die von Prie­stern reprä­sen­tiert wur­de, die sich dem kom­mu­ni­sti­schen Regime unter­wor­fen hat­ten; die ande­re war die „Unter­grund­kir­che“, die Rom und sei­nem Lehr­amt treu geblie­ben war. Msgr. Paul Hni­li­ca, der aus Unatin in Gemer in der süd­li­chen Mit­tel­slo­wa­kei stamm­te, wur­de nach sei­nem Ein­tritt in den Jesui­ten­or­den von Msgr. Robert Pobozny, dem Bischof von Roz­na­va (Rosen­au), geheim zum Prie­ster (1950) und zum Bischof geweiht (1951). Auf die­se Wei­se konn­te er sei­ner­seits wie­der­um den damals 27jährigen, künf­ti­gen Kar­di­nal Jan Chry­zo­stom Korec (1924–2015) zum Bischof wei­hen, der nach neun Jah­ren, in denen er sein Bischofs­amt im Unter­grund aus­ge­übt hat­te, 1960 ver­haf­tet und zu zwölf Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt wur­de.

Als Bischof Kni­li­ca im Dezem­ber 1951 gezwun­gen war, sei­ne Hei­mat zu ver­las­sen, ging er nach Rom. Pius XII. appro­bier­te voll und ganz das Vor­ge­hen der Kir­che in der Slo­wa­kei, indem er die Gül­tig­keit der gehei­men Wei­hen bestä­tig­te und jedes Ein­ver­ständ­nis mit dem kom­mu­ni­sti­schen Regime ablehn­te. In der Radio­bot­schaft vom 23. Dezem­ber 1956 sag­te der Papst:

„Zu wel­chem Zweck soll­te man sich, im übri­gen, ohne eine gemein­sa­me Spra­che ver­stän­di­gen, oder wie soll­te es mög­lich sein, sich zu tref­fen, wenn die Wege ver­schie­den sind, wenn also von einer Sei­te ver­bis­sen die all­ge­mei­nen, abso­lu­ten Wer­te geleug­net wer­den, und damit jede ‚Koexi­stenz in der Wahr­heit‘ unmög­lich gemacht wird?“

Nach dem Tod von Pius XII., am 9. Okto­ber 1958, wan­del­te sich das Kli­ma, und Agosti­no Casa­ro­li wur­de zum Haupt­ak­teur der Poli­tik des Hei­li­gen Stuhls gegen­über dem Osten, die von Johan­nes XXIII. geför­dert, vor allem aber von Paul VI. ver­wirk­licht wur­de. In jenen Jah­ren hat­te Bischof Hni­li­ca Gele­gen­heit, Papst Mon­ti­ni häu­fig zu tref­fen und ihm ver­schie­de­ne Denk­schrif­ten zu über­ge­ben, in denen er ihn vor Illu­sio­nen warn­te. Er macht ihn dar­auf auf­merk­sam, daß die kom­mu­ni­sti­schen Regime nicht auf ihren Plan ver­zich­ten, die Kir­che zu besei­ti­gen, son­dern Gesprä­che mit dem Hei­li­gen Stuhl allein des­halb akzep­tier­ten, um dar­aus ein­sei­ti­ge Vor­tei­le zu zie­hen. Unter ande­rem dank der dadurch gewon­ne­nen Glaub­wür­dig­keit in ihren Län­dern und außer­halb, ohne auf ihre kir­chen­feind­li­che Poli­tik ver­zich­tet zu haben. „Hni­li­ca“, so Emi­lia Hrabo­vec, „for­der­te, sich nicht mit kos­me­ti­schen Zuge­ständ­nis­sen zufrie­den­zu­ge­ben, son­dern die Frei­las­sung und die Reha­bi­li­tie­rung aller Bischö­fe, Prie­ster und Ordens­leu­te und Gläu­bi­gen zu ver­lan­gen, die noch im Gefäng­nis saßen, die wirk­li­che Aner­ken­nung der frei­en Glau­bens­aus­übung zu for­dern, und nie der Ent­fer­nung der ver­hin­der­ten Bischö­fe aus ihrem Amt zuzu­stim­men, denn das wäre ‚die schlimm­ste Demü­ti­gung ihrer Per­son, und durch sie der gan­zen Mär­ty­rer­kir­che, vor den Ver­rä­tern, Fein­den und der gan­zen Öffent­lich­keit‘. Der exi­lier­te Bischof befürch­te­te, daß Ver­hand­lun­gen, die über die Köp­fe des hel­den­haf­te­sten Teils des Epi­sko­pats hin­weg geführt wer­den, und ein Abkom­men, das ohne nen­nens­wer­te Zuge­ständ­nis­se abge­schlos­sen wird, in den Katho­li­ken, vor allem den Besten, die mit Kraft und Treue der Ver­fol­gung stand­ge­hal­ten hat­ten, Ver­wir­rung aus­lö­sen wür­de und das Gefühl ent­ste­hen las­sen muß­te, sogar von der kirch­li­chen Obrig­keit im Stich gelas­sen wor­den zu sein.“

Paul Hnilica mit dem Speckpater Werenfried van Straaten
Paul Hni­li­ca mit dem Speck­pa­ter Weren­fried van Straa­ten

Wäh­rend das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil statt­fand, mach­te Paul VI. am 13. Mai 1964, die Bischofs­wür­de von Msgr. Hni­li­ca bekannt, die bis dahin geheim­ge­hal­ten wor­den war. Der neue Sta­tus ermög­lich­te es dem slo­wa­ki­schen Bischof an der letz­ten Ses­si­on des Kon­zils teil­zu­neh­men, wo er sich den Kon­zils­vä­tern anschloß, die eine Ver­ur­tei­lung des Kom­mu­nis­mus for­der­ten. Msgr. Hni­li­ca sag­te in der Kon­zil­s­au­la, daß das, was das Sche­ma Gau­di­um et Spes über den Athe­is­mus sag­te, so wenig war, „daß es dem gleich­kommt, als wür­de man nichts sagen“. Er füg­te hin­zu, daß ein gro­ßer Teil der Kir­che „unter der Unter­drückung durch den mili­tan­ten Athe­is­mus“ lei­det, „was man aber dem Sche­ma nicht ent­neh­men kann, obwohl es von der Kir­che in der Welt von heu­te spre­chen will!“. „Die Geschich­te wird uns für die­sen Schwei­gen zu Recht der Duck­mäu­se­rei oder der Blind­heit ankla­gen.“ Der Bischof erin­ner­te dar­an, daß er nicht abstrakt über das The­ma sprach, weil er zusam­men mit 700 Prie­stern und Ordens­leu­ten in einem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger inter­niert war. „Ich spre­che aus direk­ter Erfah­rung und der Erfah­rung der Prie­ster und Ordens­leu­te, die ich in Gefan­gen­schaft ken­nen­ge­lernt habe, und mit denen ich die Last und die Gefahr für die Kir­che getra­gen habe“ (AS, IV/2, S. 629ff).

Zu jener Zeit führ­te Bischof Hni­li­ca zahl­rei­che Gesprä­che mit Paul VI., um ihn von der Ost­po­li­tik abzu­brin­gen. Ver­geb­lich. Im Febru­ar 1965 wur­de der Erz­bi­schof von Prag und Pri­mas von Böh­men, Josef Beran (1888–1969) frei­ge­las­sen und kam nach Rom. Paul VI. kre­ierte ihn zum Kar­di­nal. Msgr. Hni­li­ca warn­te den Papst, daß er ver­meint­li­che Erfolg der vati­ka­ni­schen Diplo­ma­tie in Wirk­lich­keit ein Erfolg des kom­mu­ni­sti­schen Regimes war, daß sich mit der Exi­lie­rung des Erz­bi­schofs, eines immer lästi­ger wer­den­den, inter­na­tio­na­len Pro­blems ent­le­dig­te, ohne irgend etwas vom zag­haf­ten, neu­en Admi­ni­stra­tor des Pra­ger Erz­bis­tums befürch­ten zu müs­sen, der ein Mit­glied der regi­me­hö­ri­gen Bewe­gung der Frie­dens­prie­ster war.

Emi­lia Hrabo­vec erin­nert dar­an, daß es Rom gelun­gen war, 1964 ein Abkom­men mit Ungarn zu unter­zeich­nen, dem 1966 ein Abkom­men mit Jugo­sla­wi­en folg­te, und auf höch­ster Ebe­ne diplo­ma­ti­sche Tref­fen mit Spit­zen­ver­tre­tern der Sowjet­uni­on ein­zu­lei­ten. Die Gesprä­che mit der Tsche­cho­slo­wa­kei erwie­sen sich aber wei­ter­hin als sehr schwie­rig und zei­tig­ten weni­ger Ergeb­nis­se denn je. „Die tsche­cho­slo­wa­ki­schen Ver­tre­ter setz­ten sich an den Ver­hand­lungs­tisch mit der aus­drück­li­chen Anwei­sung, auf Zeit zu spie­len, jedes Zuge­ständ­nis abzu­leh­nen und nur das zu akzep­tie­ren, was ein­sei­tig ihnen einen Vor­teil ver­sprach oder die Gegen­sei­te schä­dig­te, sodaß die Ver­hand­lun­gen sich meist dar­auf beschränk­ten, die jewei­li­gen, unver­ein­ba­ren Stand­punk­te zu for­mu­lie­ren mit der Zusa­ge, die Tref­fen fort­zu­set­zen.“

Kar­di­nal Korec schil­der­te die Situa­ti­on nach sei­ner Frei­las­sung aus den kom­mu­ni­sti­schen Ket­ten so:

„Unse­re Hoff­nung war die Unter­grund­kir­che, die im Stil­len mit den Prie­stern in den Pfar­rei­en zusam­men­ar­bei­te­te und jun­ge Men­schen form­te, die zum Opfer bereit waren: Pro­fes­so­ren, Inge­nieu­re, Ärz­te, die bereit waren, Prie­ster zu wer­den. Die­se Per­so­nen arbei­te­ten im Ver­bor­ge­nen unter der Jugend und in den Fami­li­en. Sie ver­öf­fent­lich­ten im Gehei­men Zeit­schrif­ten und Bücher. In Wirk­lich­keit hat die Ost­po­li­tik die­se unse­re Akti­vi­tät ver­kauft für vage und unver­bind­li­che Ver­spre­chen der Kom­mu­ni­sten. Die Unter­grund­kir­che war unse­re gro­ße Hoff­nung. Statt­des­sen haben sie ihr die Puls­adern durch­ge­schnit­ten, haben sie Tau­sen­de von jun­gen Men­schen ange­wi­dert, Väter und Müt­ter und auch vie­le Unter­grund­prie­ster, die bereit waren, sich zu opfern. […] Für uns war das wirk­lich eine Kata­stro­phe, als hät­ten sie uns im Stich gelas­sen, weg­ge­fegt. Ich habe gehorcht, aber es war der größ­te Schmerz mei­nes Lebens. Die Kom­mu­ni­sten beka­men so die öffent­li­che Seel­sor­ge der Kir­che in die Hand.“((Interview in der Tages­zei­tung Il Giorna­le, 28. Juli 2000.))

Das vati­ka­ni­sche Staats­se­kre­ta­ri­at begann unter dem Druck der Pra­ger Regie­rung auch die öffent­li­chen Akti­vi­tä­ten des slo­wa­ki­schen Bischofs zu brem­sen, und 1971 wur­de er sogar auf­ge­for­dert, Rom zu ver­las­sen und nach Über­see zu gehen. Der Vor­wurf lau­te­te, so Hrabo­vec, der Bischof sei zur Bela­stung für die Ver­hand­lun­gen gewor­den, und damit der Grund, wes­halb die Kir­che in der Tsche­cho­slo­wa­kei noch immer ver­folgt wer­de, und er hand­le gegen den Wil­len des Pap­stes. Vor­wür­fe, die den Bischof schwer tra­fen, sodaß er sich bereit erklär­te, Rom zu ver­las­sen, aber nur, wenn der Papst oder sein Ordens­ge­ne­ral es ihm aus­drück­lich befiehlt. Da ein sol­cher Befehl weder von der einen noch der ande­ren Sei­te erfolg­te, blieb Hni­li­ca in der Ewi­gen Stadt und setz­te sei­ne Akti­vi­tä­ten fort, wenn auch sei­ne Kon­tak­te mit dem Staats­se­kre­ta­ri­at been­det wur­den.

Die Jah­re der Ost­po­li­tik waren auch jene des „Histo­ri­schen Kompromisses“((Bemühungen für eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen der oppo­si­tio­nel­len Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens (PCI) und den regie­ren­den Christ­de­mo­kra­ten (DC), die mit der Ent­füh­rung und Ermor­dung des ehe­ma­li­gen Mini­ster­prä­si­den­ten und christ­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­vor­sit­zen­den Aldo Moro durch die kom­mu­ni­sti­sche Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Rote Bri­ga­den (BR) 1978 ende­ten, Anm. des Über­set­zers.)) Als vie­len die kom­mu­ni­sti­sche Ver­fol­gung bereits ein Kapi­tel der Ver­gan­gen­heit schien, und die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Ita­li­ens bis dahin nicht gekann­te Wahl­er­fol­ge fei­er­te, „warn­te der Bischof wei­ter uner­müd­lich davor, daß die kom­mu­ni­sti­schen Regime nur ihre Tak­tik gewech­selt hat­ten und raf­fi­nier­te­re Metho­den anwand­ten, ohne auch nur einen Schritt von ihrem reli­gi­ons- und men­schen­feind­li­chen Pro­gramm abzu­rücken, und daß die Kir­che vor ihrem Gewis­sen ver­pflich­tet war, sich nicht mit dem kom­mu­ni­sti­schen Regime und sei­nen Geset­zen abzu­fin­den, son­dern wei­ter­hin des­sen Ver­bre­chen anzu­kla­gen und vor den Gefah­ren, die es dar­stell­te, zu war­nen“.

Hrabo­vec schreibt wei­ter:

„Mit der Radi­ka­li­tät des Evan­ge­li­ums, wie sie tiefre­li­giö­sen Men­schen eigen ist, war Hni­li­ca über­zeugt, daß in einer Zeit der ‚Letzt­ent­schei­dung für die Wahr­heit oder gegen die Wahr­heit, für Gott oder gegen Gott‘, eine neu­tra­le Posi­ti­on unmög­lich war. Er sich nicht auf die Sei­te der Wahr­heit stell­te, wur­de zum Kom­pli­zen der Lüge und mit­ver­ant­wort­lich für die Aus­brei­tung des Bösen. Mit die­sem Geist kri­ti­sier­te Hni­li­ca die west­li­che Poli­tik der Ent­span­nung und der Kom­pro­mis­se mit den kom­mu­ni­sti­schen Regi­men hart, eben­so die Schwä­che und Gleich­gül­tig­keit der Chri­sten im Westen, die zu sehr auf sich selbst fixiert waren, zu sehr erpicht dar­auf, den eige­nen mate­ri­el­len Wohl­stand zu ver­tei­di­gen und zu wenig bereit, sich für die Brü­der hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang zu inter­es­sie­ren und ein­zu­set­zen und zu wenig bereit, die eige­nen christ­li­chen Wer­te zu ver­tei­di­gen. In Anleh­nung an das bekann­te Wort von Pius XI. aus den 30er Jah­ren klag­te Hni­li­ca das Schwei­gen der Poli­tik, der Medi­en und der öffent­li­chen Mei­nung, auch der katho­li­schen, zum kom­mu­ni­sti­schen Regime und der Ver­fol­gung der Chri­sten hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang als ‚Ver­schwö­rung des Schwei­gens‘ an. Er bemerk­te damals, daß es frü­her üblich war, von der Kir­che hin­ter dem Eiser­nen Vor­hang als ‚Kir­che des Schwei­gens‘ zu spre­chen. Nun aber wäre es ange­brach­ter, damit die Kir­che (die Kir­chen) des Westens zu bezeich­nen.“

Bischof Paul Hni­li­ca war ein zutiefst guter Mensch und manch­mal auch etwas naiv. Als ich ihn 1976 ken­nen­lern­te, wur­de er von sei­nem Sekre­tär Witold Las­kow­ski beglei­tet, einem pol­ni­schen Ari­sto­kra­ten, poly­glott und von makel­lo­sen Manie­ren, der in sei­nen Gesichts­zü­gen und sei­ner gan­zen Sta­tur auf ver­blüf­fen­de Wei­se Win­s­ton Chur­chill ähnel­te. Las­kow­ski war nach Ita­li­en emi­griert und hat­te sich in den 20er Jah­ren der Armee von Gene­ral Wla­dis­law Anders ange­schlos­sen und sein Leben dem Kampf gegen den Kom­mu­nis­mus gewid­met. Er war eine Art „Schutz­en­gel“ von Bischof Hni­li­ca. Er durch­kreuz­te die Ope­ra­tio­nen und Manö­ver der kom­mu­ni­sti­schen Geheim­dien­ste, die sei­ne Grup­pe infil­triert hat­ten. Sie bedien­ten sich dabei nicht nur eines dich­ten Agen­ten­net­zes, son­dern auch der Hil­fe der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens. Wäre Las­kow­ski noch am Leben gewe­sen, wäre Msgr. Hni­li­ca in den 90er Jah­ren nie in eine üble Geschich­te ver­wickelt wor­den, als er sich vom Geschäf­te­ma­cher und Frei­mau­rer Fla­vio Car­bo­ni über­re­den ließ, ihm Geld zur Ver­fü­gung zu stel­len, um die nöti­gen Doku­men­te zu sam­meln, mit denen die Unschuld des Vati­kans am Zusam­men­bruch des Ban­co Ambro­sia­no bewie­sen wer­den sollte.((Die Insol­venz und der damit ver­bun­de­ne Finanz­be­trug des Ban­co Ambro­sia­no, der 1982 liqui­diert wur­de, war seit­her ein Skan­dal, der in der Sache schon geeig­net war, das Anse­hen der Kir­che zu beschä­di­gen, und dar­über hin­aus inter­na­tio­nal eif­rig, von man­chen bereit­wil­lig, von ande­ren gezielt, zur Anse­hens­schä­di­gung der Kir­che miß­braucht wur­de. Die Haupt­zu­tat lie­fer­te der Bri­te David Yallop mit sei­nem Buch „Im Namen Got­tes?“, in dem er Wahr­heit und Fik­ti­on zu einer rei­ße­ri­schen Ver­zer­rung ver­meng­te und behaup­te­te, Johan­nes Paul I. sei ermor­det wor­den. Rober­to Cal­vi, der Prä­si­dent des Ban­co Ambro­sia­no, war 1982 ermor­det wor­den. Car­bo­ni trat spä­ter an Bischof Hni­li­ca her­an und behaup­te­te, an die Akten­ta­sche Cal­vis gelangt zu sein. Dar­in befän­den sich Doku­men­te, wel­che die Unschuld des Vati­kans im Ban­ken­skan­dal bele­gen und den beschmut­zen Ruf von Papst Johan­nes Paul II. wie­der­her­stel­len könn­ten. Bischof Hni­li­ca kauf­te Car­bo­ni die Tasche ab und wur­de des­halb 1993 im Rah­men eines auf­ge­heiz­ten Kli­mas in Ita­li­en („Mani puli­te“), in dem offen­bar selbst man­che Rich­ter für wahr hiel­ten, was sie glau­ben woll­ten, wegen Heh­le­rei ver­ur­teilt. Ihm gelang es jedoch, die Wie­der­auf­nah­me des Ver­fah­rens zu errei­chen. 2000 wur­de er von allen Vor­wür­fen frei­ge­spro­chen. Eine bit­te­re Erfah­rung für ihn war der Vor­fall den­noch, Anm. des Über­set­zers.))

Bischof Hnilica mit Johannes Paul II.
Bischof Hni­li­ca mit Johan­nes Paul II.

Msgr. Hni­li­ca war ein gro­ßer Ver­eh­rer Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma. Er war über­zeugt, daß es sich bei die­ser Erschei­nung um eine der stärk­sten Mani­fe­sta­tio­nen Got­tes in der Mensch­heits­ge­schich­te seit der Zeit der Apo­stel han­del­te. In allen Kon­tak­te, die er mit den Päp­sten hat­te, dräng­te er immer dar­auf, daß die Wei­he Ruß­lands an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens durch­ge­führt wer­de, wie es die Got­tes­mut­ter am 13. Juli 1917 gewünscht hat­te. Johan­nes Paul II. schrieb, als er am 13. Mai 1981 bei einem Atten­tat schwer­ver­letzt wur­de, sein Über­le­ben dem wun­der­ba­ren Schutz der Got­tes­mut­ter von Fati­ma zu. Des­halb dräng­te es ihn, deren Bot­schaft in Fati­ma zu ver­tie­fen. Wäh­rend sei­ner Gene­sung in der Gemel­li-Kli­nik bat er Bischof Hni­li­ca um eine voll­stän­di­ge Doku­men­ta­ti­on zu Fati­ma. Am 13. Mai 1982 begab sich der Papst selbst auf Pil­ger­schaft nach Fati­ma, wo er der Got­tes­mut­ter „jene Men­schen und Natio­nen“ anver­traut und weih­te, „die die­ses Anver­trau­ens und die­ser Wei­he beson­ders bedür­fen“. Am Tag dar­auf kam es zur Begeg­nung zwi­schen Sr. Lucia und Bischof Hni­li­ca, der von Don Lui­gi Bian­chi und Wan­da Pol­taw­ska beglei­tet wur­de. Als sie die Ordens­frau frag­ten, ob sie die vom Papst durch­ge­führ­te Wei­he für gül­tig hal­te, mach­te die Sehe­rin mit der Hand eine Bewe­gung, mit der sie nein sag­te, um dann den Anwe­sen­den zu erklä­ren, daß es eine aus­drück­li­che Wei­he Ruß­lands brau­che.

Eine zwei­te Wei­he nahm Johan­nes Paul II. am 25. März 1984 auf dem Peters­platz in Gegen­wart der Sta­tue der Got­tes­mut­ter vor, die er eigens aus Por­tu­gal holen ließ. Auch in die­sem Fall wur­de Ruß­land nicht nament­lich genannt. Es gab nur einen indi­rek­ten Bezug auf „die Völ­ker, von denen Du Dir unse­re Wei­he und unser Anver­trau­en erwar­test“. Der Papst hat­te den Bischö­fen der gan­zen Welt geschrie­ben und sie gebe­ten, sich mit ihm zu ver­ei­nen. Zu den weni­gen, die dar­auf reagier­ten, gehör­te Paul Hni­li­ca, dem es in Indi­en, wo er sich gera­de auf­hielt, gelang, ein Tou­ri­sten­vi­sum für die Sowjet­uni­on zu erhal­ten. Am sel­ben 25. März begab er sich als Tou­rist in den Kreml, wo er hin­ter den gro­ßen Blät­tern der Praw­da ver­bor­gen, die Wor­te für die Wei­he an das Unbe­fleck­te Herz Mari­ens sprach.

Am 12. und 13. Mai 2000 war ich mit Bischof Hni­li­ca in Fati­ma, als Johan­nes Paul II. die bei­den Hir­ten­kin­der Jacin­ta und Fran­cis­co selig­sprach. Ich habe sei­nen über­zo­ge­nen Opti­mis­mus über das Pon­ti­fi­kat von Johan­nes Paul II. nicht geteilt, aber die Erin­ne­rung, die ich an ihn habe, mit dem ich 25 Jahr lang Kon­takt haben durf­te, ist die eines Man­nes von gro­ßem Glau­ben, der heu­te an der Sei­te jener ste­hen wür­de, die gegen das kämp­fen, was Kar­di­nal Zen den „Aus­ver­kauf der Kir­che“ nennt.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana/Wikicommons/alianciazanedelu.sk (Screen­shots)