Papst Franziskus macht Fehler und wiederholt sie – Eine Dokumentation

Papst Franziskus und eine Reihe von "Unfällen" in den vergangenen Monaten
Papst Franziskus und eine Reihe von "Unfällen" in den vergangenen Monaten - manche "Unfälle" wurden von ihm trotz Hinweis sogar wiederholt

(Rom) Papst Fran­zis­kus spricht, im Gegen­satz zu sei­nen Vor­gän­gern, am lieb­sten frei. Damit sind aller­dings beacht­li­che Risi­ken ver­bun­den. Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster stell­te ein Ver­zeich­nis der jüng­sten „Unfäl­le“ des Pap­stes zusam­men und kommt dabei allein in den ver­gan­ge­nen vier Mona­ten auf ein Dut­zend. Neun wer­den hier dokumentiert.

Bereits im ver­gan­ge­nen Juni hat­te Magi­ster auf ver­schie­de­ne „Miß­ver­ständ­nis­se, Faux­pas, Gedächt­nis­lücken und Feh­ler“ in den päpst­li­chen Anspra­chen hin­ge­wie­sen. „Zwei der genann­ten Feh­ler wie­der­hol­te Jor­ge Mario Ber­go­glio seit­her erneut“, so der Vati­ka­nist. Feh­ler bege­hen „ist mensch­lich“, sagt der Volks­mund, die aber wiederholen …

Unfall 1

Der erste die­ser „Feh­ler“ war es, Kar­di­nal Schön­born eine Rol­le zuzu­schrei­ben, „die die­ser nicht hat­te: näm­lich die eines ‚Sekre­tärs‘ der Glaubenskongregation“.

Das erste Mal bezeich­ne­te Fran­zis­kus den Wie­ner Erz­bi­schof als „Sekre­tär“ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on am 16. April 2016 auf dem Rück­flug von der grie­chi­schen Insel Les­bos. Der Papst woll­te damit die Auto­ri­tät Schön­borns in Sachen Aus­le­gung des nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris Lae­ti­tia unter­strei­chen. In der etwas spä­ter ver­öf­fent­lich­ten offi­zi­el­len Nie­der­schrift kor­ri­gier­te das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt die irr­tüm­li­che Beför­de­rung. Schön­born wur­de nicht als „Sekre­tär“, son­dern als rich­ti­ger­wei­se als ein­fa­ches „Mit­glied“ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on angeführt.

Am 16. Juni wie­der­hol­te Papst Fran­zis­kus jedoch sei­nen Feh­ler. An jenem Tag wur­de in der Late­ran­ba­si­li­ka die „kirch­li­che Tagung der Diö­ze­se Rom“ zur Umset­zung von Amo­ris Lae­ti­tia eröff­net. Bei der Beant­wor­tung von Fra­gen der Teil­neh­mer beton­te der Papst die erneut die Auto­ri­tät Schön­borns als „authen­ti­scher“ Inter­pret des umstrit­te­nen päpst­li­chen Schrei­bens, indem er ihn als ehe­ma­li­gen „Sekre­tär“ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on bezeich­ne­te. Fran­zis­kus woll­te den Prie­stern sei­nes Bis­tums nahe­le­gen, Amo­ris Lae­ti­tia „rich­tig“ zu lesen und emp­fahl ihnen dazu, auf den „gro­ßen Theo­lo­gen“ aus Wien zu hören, der einst sogar „Sekre­tär “ der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on gewe­sen sei, eben einer, der also von der Sache etwas ver­steht. Das hat­te auch damit zu tun, daß der amtie­ren­de Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, in Sachen Amo­ris Lae­ti­tia ande­rer Mei­nung als der Papst ist, und daher von die­sem dazu über­gan­gen wird (sie­he „Gro­ße Mehr­heit“ oder „ein Teil“ der sakra­men­ta­len Ehen ungül­tig? – Papst Fran­zis­kus und die spon­ta­ne Rede und Das Kapi­tell von Vézelay: Papst Fran­zis­kus in der Schu­le von Eugen Dre­wer­mann?).

Bei der offi­zi­el­len Ver­öf­fent­li­chung der Papst-Ant­wor­ten durch das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt wur­de der Feh­ler die­ses Mal nicht korrigiert.

Der Nach­druck, mit dem Fran­zis­kus den Feh­ler wie­der­hol­te, ließ in Rom bereits Gerüch­te auf­kom­men, der Papst sähe lie­ber Schön­born an der Spit­ze der Glaubenskongregation.

Unfall 2

Dafür wur­de in der offi­zi­el­len Ver­öf­fent­li­chung ex post eine ande­re Rich­tig­stel­lung vor­ge­nom­men. Papst Fran­zis­kus hat­te in der Late­ran­ba­si­li­ka die Begeg­nung Jesu mit der Ehe­bre­che­rin geschil­dert. Laut offi­zi­ell ver­öf­fent­lich­ter Ver­si­on sag­te Papst Franziskus:

„Und Jesus stellt sich ein wenig dumm, lässt Zeit ver­strei­chen, schreibt auf die Erde …“.

In Wirk­lich­keit hat­te Fran­zis­kus gesagt:

„Und Jesus macht ein biß­chen den Schwachkopf …“.

Der vom Papst gebrauch­te Aus­druck „sce­mo“ (Schwach­kopf, Trot­tel) hat im Ita­lie­ni­schen eine deut­lich stär­ke­re Bedeu­tung als das Wort „fin­to ton­to“ (sich dumm stellen).

Unfall 3

Die zwei­te Wie­der­ho­lung hat mit einer fik­ti­ven Über­set­zung zu tun, die im Westen erfun­den wur­de und ger­ne von US-ame­ri­ka­ni­schen Poli­ti­kern im Mund geführt wird, aber eben falsch ist. Es geht um das chi­ne­si­sche Wort „wei­ji“, das „Kon­flikt“ bedeu­tet. Laut der Fal­sch­über­set­zung hand­le es sich dabei um zwei Ideo­gram­me mit der Bedeu­tung „Risi­ko“ und „Gele­gen­heit“.

Die­se irri­ge Über­set­zung gebrauch­te Papst Fran­zis­kus das erste Mal am ver­gan­ge­nen 24. April bei einer über­ra­schen­den Begeg­nung mit der Foko­lar-Bewe­gung bei einer „Eine-Welt“-Veranstaltung in Rom (sie­he „Earth Day“ und Eine-Welt-Reli­gi­on – Papst Fran­zis­kus: Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit „ist nicht wich­tig!“).

Obwohl Magi­ster auf den Feh­ler auf­merk­sam gemacht hat­te, wie­der­hol­te ihn der Papst am 18. Juni bei einem Besuch der Vil­la Naza­reth in Rom  erneut (sie­he Papst Fran­zis­kus fällt ver­folg­ten Chri­sten in den Rücken – „Mir gefällt es nicht, wenn man von Geno­zid an den Chri­sten spricht“).

Unfall 4

„Fran­zis­kus stol­per­te aber auch in neue Feh­ler, die der Rei­he hin­zu­zu­fü­gen sind“, so Magister.

Papst widerholt begangene Fehler
Papst wie­der­holt began­ge­ne Fehler

Einer von ihnen löste eine Dis­kus­si­on aus und wur­de in der offi­zi­el­len Nie­der­schrift des Vati­kans kor­ri­giert. Bei der erwähn­ten Tagung am 16. Juni in der Late­ran­ba­si­li­ka sag­te Fran­zis­kus, eine „gro­ße Mehr­heit“ der sakra­men­ta­len Ehen sei „ungül­tig“, denn die Braut­leu­te wüß­ten „nicht, was sie tun“. Die Zuhö­rer­schaft staun­te nicht wenig. In der nach­träg­li­chen Nie­der­schrift wur­de die „gro­ße Mehr­heit“ zu „ein Teil“ abgeschwächt.

Weni­gen, so Magi­ster, sei damals in der Auf­re­gung auf­ge­fal­len, daß Fran­zis­kus kurz dar­auf beim sel­ben Anlaß fak­tisch das genaue Gegen­teil sagte.

Nach­dem er zunächst behaup­tet hat­te, die „gro­ße Mehr­heit“ der sakra­men­ta­len Ehen sei ungül­tig, sag­te er wenig spä­ter, daß er die „Wil­de Ehe“, also das Zusam­men­le­ben ohne Trau­schein, für „ech­te Ehen“ hal­te, denen die „ehe­li­che Gna­de“ zuteil werde.

Dazu führ­te Fran­zis­kus an, daß der­glei­chen in länd­li­chen Gegen­den Argen­ti­ni­ens „üblich“ sei. Man grün­de in jun­gen Jah­ren eine Fami­lie, hei­ra­te aber erst im spä­ten Alter, so die Erklä­rung des Papstes.

Unfall 5

Der 16. Juni war reich an kurio­sen, bizar­ren und selt­sa­men Wort­mel­dun­gen des Pap­stes. Immer in der Late­ran­ba­si­li­ka erwähn­te er gleich zwei­mal ein mit­tel­al­ter­li­ches Kapi­tell in der fran­zö­si­schen Basi­li­ka von Vézelay.

Das Kapi­tell zei­ge, so der Papst, auf der einen Sei­te den Selbst­mord von Judas Iska­ri­ot, der Jesus an den jüdi­schen Hohen Rat ver­ra­ten hat­te. Die ande­re Sei­te des­sel­ben Kapi­tells zei­ge aber, Jesus als Guten Hir­ten, der Judas auf den Schul­tern tra­ge. Das sei ein Sym­bol der Barm­her­zig­keit und Beleg, daß auch Judas Iska­ri­ot, der Letz­te der Sün­der, Barm­her­zig­keit fin­de und geret­tet sei.

Papst Franziskus am 16. Juni in der Lateranbasilika
Papst Fran­zis­kus am 16. Juni in der Lateranbasilika

Eine sol­che Inter­pre­ta­ti­on stellt jedoch eine Erfin­dung des moder­ni­sti­schen Theo­lo­gen Eugen Dre­wer­mann dar. Dre­wer­mann wur­de wegen sei­nes Unge­hor­sams und wegen häre­ti­scher Leh­ren von der Kir­che ver­ur­teilt. 2005 trat er selbst aus der Kir­che aus. Die Kunst­hi­sto­ri­ker leh­nen Dre­wer­manns Inter­pre­ta­ti­on ent­schie­den ab. Zur dama­li­gen Zeit habe es gar kei­ne Dar­stel­lun­gen vom Guten Hir­ten gege­ben. Vor allem sei die ste­hen­de Figur, die laut Dre­wer­mann Jesus dar­stel­len soll, nicht als Jesus erkenn­bar. Mit Sicher­heit hand­le es sich dabei nicht um eine Dar­stel­lung des Got­tes­soh­nes, da die Figur bart­los ist, wäh­rend Jesus seit der Spät­an­ti­ke aus­nahms­los mit Bart dar­ge­stellt wird. Das ver­zerr­te Gesicht der Figur wei­se, wenn schon, auf die Dar­stel­lung eines Dämons hin.

Anders aus­ge­drückt: Fran­zis­kus ver­wech­sel­te Jesus mit dem Teu­fel. Ein beacht­li­cher Faux­pas für einen Papst. Die­ser hat­te die mut­maß­li­che Dämo­nen­frat­ze sogar als eine Art zustim­men­des Lächeln Jesu inter­pre­tiert, als sei Jesus ein „Kom­pli­ze“ des ihn ver­ra­ten­den Judas.

Obwohl Anto­nio Soc­ci bereits im Juni auf die­se „unge­heu­er­li­che Ver­wechs­lung“ hin­ge­wie­sen hat­te, wie­der­hol­te Fran­zis­kus sei­nen Feh­ler am 2. August in Kra­kau vor den pol­ni­schen Bischö­fen und gleich noch ein­mal am 2. Okto­ber auf dem Rück­flug aus Aser­bai­dschan vor den mit­flie­gen­den Journalisten.

Der Vor­fall zeigt, daß ent­we­der der Papst selbst, oder einer sei­ner eng­sten Mit­ar­bei­ter, Eugen Dre­wer­mann liest. „Eine wenig ver­trau­ens­er­wecken­de Vor­stel­lung“, so Mes­sa in Lati­no.

Unfall 6

Manch­mal stol­pert Fran­zis­kus in sprach­li­che Miß­ver­ständ­nis­se, da sei­ne Mut­ter­spra­che Spa­nisch und nicht Ita­lie­nisch ist. So gebraucht er ger­ne und häu­fig den Begriff „extra­co­mu­ni­ta­rio“, aber in fal­schem Zusam­men­hang. Der Begriff meint in der ita­lie­ni­schen Spra­che ein­fach nur die Nicht-EU-Bür­ger im Gegen­satz zu den EU-Bürgern.

„Der Papst scheint aber über­zeugt davon zu sein, daß die­ses Wort etwas Grau­sa­mes mei­ne“, so Magister.

Wört­lich sag­te Fran­zis­kus am 28. Juli in Kra­kau beim Welt­ju­gend­tag zu den Jugend­li­chen: „Genau die­se Grau­sam­keit, die es macht, daß du, der du aus einem ande­ren Land stammst, zu einem ‚extra­co­mu­ni­ta­rio‘ wirst. Sie schlie­ßen sich aus der Gemein­schaft aus, sie neh­men dich nicht auf. Das ist eine Sache, gegen die wir sehr kämp­fen müssen.“

Unfall 7

Ande­re Male han­delt es sich um fal­sche Zuschrei­bun­gen. Am 12. Okto­ber bei­spiels­wei­se wand­te sich Fran­zis­kus an die Chri­sti­an World Com­mu­ni­ons. Er erwähn­te bei die­ser Gele­gen­heit das Mar­ty­ri­um „der kop­tisch-ortho­do­xen Ordens­leu­te, denen an der liby­schen Küste die Keh­le durch­ge­schnit­ten wurde“.

Die­se Mär­ty­rer, die von der kop­tisch-ortho­do­xen Kir­che inzwi­schen hei­lig­ge­spro­chen wur­den, waren zwar kop­ti­sche Ägyp­ter, aber kei­ne Ordens­leu­te, son­dern Lai­en. Die betref­fen­de Stel­le wur­de auch in der offi­zi­el­len Nie­der­schrift der Papst­wor­te nicht korrigiert.

Unfall 8

Am 24. Janu­ar 2015 emp­fing Papst Fran­zis­kus einen Trans­se­xu­el­len samt „Braut“ in Pri­vat­au­di­enz. Der Spa­ni­er Die­go Neria Lajar­ra­ga ist eigent­lich ein Frau, der eine Geschlechts­um­wand­lung durch­füh­ren ließ und nun mit einer ande­ren Frau zusammenlebt.

Am ver­gan­ge­nen 2. Okto­ber erzähl­te Papst Fran­zis­kus die Geschich­te Lajar­ra­gas auf dem Rück­flug von Aser­bai­dschan. Die Schil­de­rung des Pap­stes weicht in etli­chen Punk­ten von dem ab, was die Trans­se­xu­el­le sei­ner­zeit bereit­wil­lig den Medi­en erzähl­te. Vor allem ver­mit­tel­te der Papst den Ein­druck, als sei eine Geschlechts­um­wand­lung eine selbst­ver­ständ­li­che Lösung. Eben­so stell­te er es als selbst­ver­ständ­lich dar, daß die Kir­che Trans­se­xu­el­len zu ihrer „Ehe­schlie­ßung“ ihren Segen gebe, und die­se zur Kom­mu­ni­on gehen könnten.

„Das war nicht so sehr eine Ver­geß­lich­keit. Hier hat Fran­zis­kus einen bewuß­ten Bruch mit der kirch­li­chen Dis­zi­plin voll­zo­gen, ohne es aber zu sagen“, so Magister.

Der nam­haf­te Psych­ia­ter Chri­sti­an Spa­e­mann, Sohn des bekann­ten deut­schen Phi­lo­so­phen Robert Spa­e­mann, ver­faß­te dazu „Anmer­kun­gen zu den Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus über Trans­se­xu­el­le“.

Unfall 9

„Bei einer ande­ren Gele­gen­heit irr­te sich Papst Fran­zis­kus mit einer Vor­her­sa­ge und geriet damit auf Kol­li­si­ons­kurs mit dem Epi­sko­pat eines gan­zen Lan­des, jenem von Kolum­bi­en“, so Magister.

Der Feh­ler betraf den Aus­gang der Volks­ab­stim­mung vom 2. Okto­ber über das Frie­dens­ab­kom­men der kolum­bia­ni­schen Regie­rung mit der mar­xi­sti­schen Gue­ril­la­or­ga­ni­sa­ti­on FARC.

Papst Fran­zis­kus hat­te am 26. Sep­tem­ber Ver­tre­ter des Jüdi­schen Welt­kon­gres­ses in San­ta Mar­ta emp­fan­gen. Im Gespräch mit die­sen sag­te der Papst vor­aus, daß bei der Volks­ab­stim­mung in Kolum­bi­en das Ja zum Frie­dens­ab­kom­men sie­gen wer­de. Der Papst lehn­te sich mit sei­nem frei­mü­ti­gen Urteil weit aus dem Fen­ster. Für die Unter­stüt­zer des Abkom­mens äußer­te er gro­ße Wert­schät­zung und mein­te, daß die­se „alles für den Frie­den ris­kie­ren“. Die Geg­ner des Abkom­men kri­ti­sier­te das Kir­chen­ober­haupt hin­ge­gen und beschul­dig­te sie, „alles zu ris­kie­ren, um den Krieg fort­zu­set­zen, und das ver­letzt die Seele“.

In Wirk­lich­keit lehn­te das kolum­bia­ni­sche Wahl­volk am 2. Okto­ber das Frie­dens­ab­kom­men mit knap­per Mehr­heit ab. Zu den Geg­nern des Abkom­mens gehör­te auch der Groß­teil der kolum­bia­ni­schen Kir­che. Der Papst unter­stell­te damit dem Epi­sko­pat des Lan­des, nicht den Frie­den, son­dern den Krieg zu wol­len. In Wahr­heit wol­len die Geg­ner den Frie­den, aber nicht zu den Bedin­gun­gen des Abkom­mens. Die mar­xi­sti­schen Gue­ril­le­ros haben das Land immer­hin 50 Jah­re lang mit Krieg über­sät, der mehr als 200.000 Tote gefor­dert hat.

Da sich die Bischö­fe eine Teil­nah­me ver­wei­ger­ten, muß­te am 27. Sep­tem­ber Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin aus Rom nach Kolum­bi­en rei­sen, um an der Ver­trags­un­ter­zeich­nung zwi­schen Regie­rung und FARC teil­zu­neh­men. Die Bischofs­kon­fe­renz rief die Kolum­bia­ner nicht auf, wie es Papst Fran­zis­kus gewünscht hät­te, für das Abkom­men zu stim­men, son­dern eine Gewis­sens­ent­schei­dung zu treffen.

Die Papst­wor­te an die Ver­tre­ter des Jüdi­schen Welt­kon­gres­ses (WJC) „fan­den glück­li­cher­wei­se kei­nen Ein­gang in die offi­zi­el­len Akten“, so Magi­ster, weil sie im Rah­men einer Pri­vat­au­di­enz gefal­len sind. Aller­dings mach­ten sie die jüdi­schen Gästen des Pap­stes gleich im Anschluß an die Audi­enz publik.

Rund um die Volks­ab­stim­mung kam es zu einem kurio­sen Hin und Her bezüg­lich eines mög­li­chen Papst-Besu­ches in Kolum­bi­en. Der Grund ist in die­sen Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zu suchen und im Ver­such des Pap­stes, Ein­fluß auch die Volks­ab­stim­mung zu nehmen.

Der Vor­sit­zen­de der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Luis Augu­sto Castro Qui­ro­ga, ver­such­te den Bruch wie­der zu kit­ten, indem er aller­dings dem Papst wider­sprach. Der Erz­bi­schof sag­te Radio Vati­kan: „Es ist nicht so, daß eini­ge Ja sagen zum Frie­den und ande­re Nein. Jene, die Nein sagen, sind der Ansicht, daß das Abkom­men in eini­gen Punk­ten zu kor­ri­gie­ren ist, aber auch sie wol­len den Frie­den. Hier geht es nicht um Krieg oder Frieden.“

Unfall 10

„Der aber viel­leicht auf­se­hen­er­re­gend­ste Feh­ler­fal­le, in die Ber­go­glio in jüng­ster Zeit getappt ist, betrifft die Volks­re­pu­blik Chi­na“, so Magister.

Am 2. Okto­ber gab der Papst den Jour­na­li­sten auf dem Rück­flug von Aser­bai­dschan „eini­ge Infor­ma­tio­nen, die in jenem Augen­blick nie­mand über­prü­fen konnte.“

Die erste Infor­ma­ti­on lau­te­te: „Ich glau­be, dass die Vati­ka­ni­schen Muse­en eine Aus­stel­lung in Chi­na gemacht haben, die Chi­ne­sen wer­den eine im Vati­kan machen“.

Die zwei­te Infor­ma­ti­on lau­te­te: „Vor­ge­stern gab es zum Bei­spiel in der [Päpst­li­chen] Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ein – ich glau­be zwei­tä­gi­ges – Sym­po­si­um über die Lau­da­to si und dort gab es eine chi­ne­si­sche Dele­ga­ti­on des Prä­si­den­ten. Und der chi­ne­si­sche Prä­si­dent hat mir ein Geschenk über­sen­det. Es bestehen gute Beziehungen“.

Ein Geschenk des ZK-Vorsitzenden der KPCh an Papst Franziskus? "Unmöglich"
Ein Geschenk des ZK-Vor­sit­zen­den der KPCh an Papst Fran­zis­kus? „Unmög­lich“

Am 7. Okto­ber berich­te­te die Pres­se­agen­tur Égli­ses d’A­sie, eine aus­ge­zeich­net infor­mier­te Stel­le der Gesell­schaft des Pari­ser Mis­si­ons­se­mi­nars (Socié­té des Mis­si­ons Etran­gè­res de Paris, MEP) jedoch den doku­men­tier­ten Bericht „Le pré­si­dent Xi Jin­ping a‑t-il vrai­ment envoyé un cadeau au pape Fran­çois?“ (Hat Prä­si­dent Xi Jin­ping wirk­lich Papst Fran­zis­kus ein Geschenk über­sandt?), die bei­de Infor­ma­tio­nen „demo­lier­te“.

Die Vati­ka­ni­schen Muse­en haben vom 5. Febru­ar bis 2. Mai 2016 eine Aus­stel­lung über das Papst­tum, die katho­li­sche Ost­mis­si­on, die Lit­ur­gie und die Sakra­men­te ver­an­stal­tet. Die Aus­stel­lung wur­de aber nicht in der Volks­re­pu­blik Chi­na gezeigt, son­dern auf Tai­wan. Der Unter­schied zwi­schen Rot­chi­na und Natio­nal­chi­na ist aus­rei­chend beacht­lich, als daß ein Papst dar­über Bescheid wis­sen soll­te. Bei­de Staa­ten sind erklär­te Gegner.

„Was das angeb­li­che Geschenk von Staats­präsdent Xi Jin­ping an Papst Fran­zis­kus betrifft, so rekon­stru­ier­te Égli­ses d’A­sie detail­liert das Ver­hält­nis zwi­schen Peking und dem Vati­kan und gelang­te zum Schluß, daß ein sol­ches schlicht ‚undenk­bar‘ ist.“

Am 11. Okto­ber ver­öf­fent­lich­te auch die eben­falls sehr gut infor­mier­te Pres­se­agen­tur Asia­news des Päpst­li­chen Insti­tuts für die aus­wär­ti­gen Mis­sio­nen (PIME) den Bericht aus Paris und stell­te ihn gleich in meh­re­ren Spra­chen den Lesern zur Verfügung.

Text: Set­ti­mo Cielo/Giuseppe Nardi
Bild: Set­ti­mo Cielo/vatican.va/MiL (Screen­shots)

3 Kommentare

  1. Zu „Unfall 5“ der Inter­pre­ta­ti­on des mit­tel­al­ter­li­chen Säu­len­ka­pi­tells von Vezelay:

    Es ist schon erstaun­lich, was in eine Arbeit eines unbe­kann­ten Stein­met­zen alles heut­zu­ta­ge theo­lo­gisch hin­ein­ge­heim­nist wird, ohne dass das auch nur im Gering­sten eine biblisch fun­dier­te Grund­la­ge hat.

  2. Bei die­sen Faux Pas von „Unfäl­len“ zu spre­chen, scheint mir nicht ange­bracht, da es sich um bewuss­te Äuße­run­gen von­sei­ten Ber­go­gli­os han­delt. Schließ­lich ist er kein „sce­mo“, son­dern macht höch­stens auf „fin­to tonto“!

  3. Ein äusserst wich­ti­ger Artikel.

    Unfall 2 stei­gert noch die blas­phe­mi­sche Spra­che, wie sie am 23.12.2013 ver­wen­det wur­de bei einer Pre­digt im domus San­ta Mar­ta, wo der Got­tes­mut­ter Maria total unmög­li­che Aus­sa­gen und Gedan­ken unter­stellt wurden;
    tota­le Kon­tra­dik­ti­on des Sta­bat Maters und inhä­ren­te Nega­ti­on der Con­cep­tio Immaculata.
    Nach der Mut­ter komt jetzt der Sohn dran.

    Und in Unfall 4 erscheint jetzt zum ersten Mal in einem Arti­kel über die Wir­ren im Vati­kan in den letz­ten 41 Mona­ten das Wort „Dämon“.
    Sehr interessant.

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