Zweite Kehrtwende: Interkommunion

Interkommunion
In der Lutherkirche in Rom gab Franziskus 2015 den Anstoß, der von der Mehrheit der deutschen Bischöfe aufgegriffen und in ihrem Interkommunion-Beschluß umgesetzt wurde. Dann zog Franziskus die Handbremse, bestreitet aber, daß es sich um eine Handbremse gehandelt habe...

(Rom) In den ersten sechs Mona­ten von 2018 wur­de von Papst Fran­zis­kus zu drei Fra­gen in ent­schei­den­den Momen­ten eine Kehrt­wen­de voll­zo­gen. „Er gab aber nie zu ver­ste­hen, ob sie defi­ni­tiv und ehr­lich gemeint sind“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster.

Zweite Kehrtwende: Interkommunion

Am 15. Novem­ber 2015 besuch­te Papst Fran­zis­kus die luthe­ri­sche Chri­stus­kir­che von Rom. Bei die­ser Gele­gen­heit wur­den ihm Fra­gen gestellt, eine auch zur Inter­kom­mu­ni­on. Ob und wann sie als Luthe­ra­ne­rin mit ihrem katho­li­schen Mann in der katho­li­schen Mes­se die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen dür­fe, lau­te­te eine Fra­ge. Die Ant­wort von Fran­zis­kus war eben­so lang­at­mig wie kryp­tisch, vor allem aber zustim­men. So wur­de sie auch von den Anwe­sen­den ver­stan­den, die kraft­vol­len und zufrie­den Applaus spen­de­ten. Magi­ster sagt es zurück­hal­ten­der, aber nicht weni­ger deut­lich:

„Papst Fran­zis­kus lehn­te sich in zustim­men­dem Sinn weit aus dem Fen­ster“.

Der Vor­stoß der Mehr­heit der deut­schen Bischö­fe unter Füh­rung von Kar­di­nal Rein­hard Marx geht weni­ger auf Canon 844 des Codex des Kir­chen­rech­tes, zurück. Dort ist zwar miß­ver­ständ­lich von einer „Inter­kom­mu­ni­on“ in Not­fäl­len die Rede, aber nicht erst seit gestern, son­dern bereits seit 1983. Der Anstoß zum umstrit­te­nen Inter­kom­mu­ni­on-Beschluß der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz vom 20. Febru­ar 2018 geht viel­mehr auf die Ant­wort von Papst Fran­zis­kus in der Luther­kir­che von Rom zurück. Die Mehr­heit der deut­schen Bischö­fe, ange­führt vom Erz­bi­schof von Mün­chen und Frei­sing, hat die Papst­wor­te vom 15. Novem­ber 2015 ernst­ge­nom­men.

Das war nur eine Fra­ge der Zeit.

Daß es deut­sche Bischö­fe sind, die den ersten Schritt setz­ten, über­rascht nicht son­der­lich. Das Volk der Dich­ter und Den­ker lei­stet seit Jahr­zehn­ten im Guten wie im Schlech­ten ent­schei­den­de Denk­ar­beit in der Kir­che. Der Rhein floß bereits wäh­rend des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils in den Tiber. Auch das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus ist in die­ser Hin­sicht weit mehr ein deut­sches, als ein argen­ti­ni­sches Pon­ti­fi­kat. Die Gegen­po­si­tio­nen von Rah­ner, Küng, Dre­wer­mann, Leh­mann und Kas­per auf der einen und von Ratz­in­ger, Scheff­c­zyk, Brand­mül­ler, Mül­ler und Schnei­der auf der ande­ren Sei­te sind kein Zufall.

In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gibt es zahl­rei­che ver­schie­den­kon­fes­sio­nel­le Ehen, mehr als in den mei­sten euro­päi­schen Län­dern. Beden­ken gegen sol­che Ehe­schlie­ßun­gen, wie sie noch die Zwi­schen­kriegs­zeit präg­ten und zur Exkom­mu­ni­ka­ti­on von Joseph Goe­b­bels führ­ten, weil er im Dezem­ber 1931 eine geschie­de­ne Pro­te­stan­tin gehei­ra­tet hat­te, sind längst auf­ge­ge­ben. Der näch­ste Schritt war die immer ver­brei­te­te­re Dul­dung des Kom­mu­nion­emp­fangs durch die pro­te­stan­ti­schen Ehe­part­ner, obwohl sie weder kon­ver­tiert haben noch eine sol­che Absicht hegen. Der drit­te Schritt war schließ­lich die offi­zi­el­le Aner­ken­nung die­ser Situa­ti­on durch den Beschluß vom ver­gan­ge­nen Febru­ar.

Drei­zehn Bischö­fe stimm­ten jedoch dage­gen und sie­ben wand­ten sich an Rom. Papst Fran­zis­kus rief Mehr­heit und Min­der­heit zu sich nach Rom.

„Er ver­such­te Zeit zu gewin­nen, leg­te dann aber die Ange­le­gen­heit erneut in die Hand von Kar­di­nal Ladar­ia, der mit einem Brief vom 25. Mai, ‚mit aus­drück­li­cher Zustim­mung des Pap­stes‘ sowohl das Doku­ment (der deut­schen Bischö­fe) als auch die herr­schen­de Pra­xis (in Deutsch­land) blockier­te, indem er alles einer künf­ti­gen Über­le­gung ‚auf der Ebe­ne der Welt­kir­che‘ und einer gesamt­öku­me­ni­schen Über­ein­kunft anheim­stell­te. Damit wur­de alles in eine fer­ne und unwahr­schein­li­che Zukunft ver­scho­ben, „da die ortho­do­xen Kir­che ent­schie­den gegen die soge­nann­te ‚Inter­kom­mu­ni­on‘ sind.“

Auf dem Rück­flug aus Genf, wo er am 21. Juni den Welt­kir­chen­rat besuch­te, war aber Fran­zis­kus, der die durch Ladar­ia been­de­te Fra­ge aber wie­der aufs Tapet brach­te. Er lob­te einer­seits das Ladar­ia-Doku­ment, beton­te aber zugleich, daß es sich dabei nicht um eine „Not­brem­se“ gehan­delt habe.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL