Das Ostern der drei Enzykliken

Die bis heute gültige Antwort auf drei ernsthafte Herausforderungen für die Kirche und die Menschheit


Pius XI. veröffentlichte zu Ostern 1937 drei Enzykliken, mit denen er jeweils Antwort auf eine der drei ernsthaften Herausforderungen jener Zeit gab, die jedoch bis zum heutigen Tag ihre Bedeutung behalten haben
Pius XI. veröffentlichte zu Ostern 1937 drei Enzykliken, mit denen er jeweils Antwort auf eine der drei ernsthaften Herausforderungen jener Zeit gab, die jedoch bis zum heutigen Tag ihre Bedeutung behalten haben

Von Rober­to de Mattei*

Anzei­ge

Der Titel „Das Ostern der drei Enzy­kli­ken“ soll an drei wich­ti­ge Doku­men­te erin­nern, die von Papst Pius XI. im März 1937 inner­halb weni­ger Tage ver­öf­fent­licht wur­den. Drei Enzy­kli­ken, die sich an alle Katho­li­ken in der gan­zen Welt rich­te­ten und die bis zum heu­ti­gen Tag ihre Bedeu­tung behal­ten haben.

Pius XI., acht­zig­jäh­rig und nach einer lan­gen Krank­heit, die ihn mona­te­lang außer Gefecht gesetzt hat­te, rekon­va­les­zent, wand­te sich gegen drei ernst­haf­te Her­aus­for­de­run­gen für die Kir­che: mit „Mit bren­nen­der Sor­ge“ gegen das Neu­hei­den­tum in Hit­ler­deutsch­land, mit „Divi­ni Redempto­ris“ gegen den Kom­mu­nis­mus in Sowjet­ruß­land und mit „Fir­mis­si­mam con­stan­ti­am“ gegen die Chri­sten­feind­lich­keit im lai­zi­sti­schen und frei­mau­re­ri­schen Mexi­ko. Die Ver­öf­fent­li­chung die­ser drei Enzy­kli­ken inner­halb von zwei Wochen war bei­spiel­los in der Geschich­te der Kirche.

Die erste Enzy­kli­ka, „Mit bren­nen­der Sor­ge“, war auf den Pas­si­ons­sonn­tag, den 14. März 1937, datiert. Pius XI. erklär­te: „Wer die Ras­se, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staats­form, die Trä­ger der Staats­ge­walt oder ande­re Grund­wer­te mensch­li­cher Gemein­schafts­ge­stal­tung – die inner­halb der irdi­schen Ord­nung einen wesent­li­chen und ehren­ge­bie­ten­den Platz behaup­ten – aus die­ser ihrer irdi­schen Wert­ska­la her­aus­löst, sie zur höch­sten Norm aller, auch der reli­giö­sen Wer­te macht und sie mit Göt­zen­kult ver­göt­tert, der ver­kehrt und fälscht die gott­ge­schaf­fe­ne und gott­be­foh­le­ne Ord­nung der Din­ge. Ein sol­cher ist weit von wah­rem Got­tes­glau­ben und einer sol­chem Glau­ben ent­spre­chen­den Lebens­auf­fas­sung ent­fernt. (…) Auf dem wah­ren und rein bewahr­ten Got­tes­glau­ben ruht die Sitt­lich­keit der Mensch­heit. Alle Ver­su­che, die Sit­ten­leh­re und sitt­li­che Ord­nung vom Fel­sen­bo­den des Glau­bens abzu­he­ben und auf dem wehen­den Flug­sand mensch­li­cher Nor­men auf­zu­bau­en, füh­ren frü­her oder spä­ter ein­zel­ne und Gemein­schaf­ten in mora­li­schen Nie­der­gang. Der Tor, der in sei­nem Her­zen spricht: ‚Es gibt kei­nen Gott’, wird Wege der sitt­li­chen Ver­dor­ben­heit wan­deln. Die Zahl sol­cher Toren, die heu­te sich unter­fan­gen, Sitt­lich­keit und Reli­gi­on zu tren­nen, ist Legi­on gewor­den.

Zwei Enzy­kli­ken gegen zwei Ideologien

Die zwei­te Enzy­kli­ka, „Divi­ni Redempto­ris“, wur­de am 19. März 1937 ver­öf­fent­licht, dem Fest des hei­li­gen Josef, dem Schutz­pa­tron der Kir­che und der christ­li­chen Arbei­ter. Pius XI. pran­ger­te den welt­wei­ten athe­isti­schen Kom­mu­nis­mus an, der sich von Ruß­land aus in der Welt aus­brei­te­te, und sag­te: „Zum ersten­mal in der Geschich­te sind wir Zeu­gen eines kalt geplan­ten und genau vor­be­rei­te­ten Kamp­fes des Men­schen gegen ‚alles, was Gott oder Hei­lig­tum heißt‘(2 Thess 2,4). (…) Sorgt dafür, ehr­wür­di­ge Brü­der, daß sich die Gläu­bi­gen nicht täu­schen las­sen! Der Kom­mu­nis­mus ist in sei­nem inner­sten Kern schlecht, und es darf sich auf kei­nem Gebiet mit ihm auf Zusam­men­ar­beit ein­las­sen, wer immer die christ­li­che Kul­tur ret­ten will. Und wenn man­che Getäusch­te zum Sie­ge des Kom­mu­nis­mus in ihrem Lan­de bei­tra­gen wür­den, gera­de sie wer­den als erste Opfer ihres Irr­tums fal­len. Je mehr ein Land, in das sich der Kom­mu­nis­mus ein­zu­schlei­chen weiß, durch Alter und Grö­ße sei­ner christ­li­chen Kul­tur her­vor­ragt, um so ver­hee­ren­der wird sich in ihm der Haß der Leu­te ‚ohne Gott‘ austoben.

Pius XI. rich­te­te einen „Auf­ruf an alle Gott­gläu­bi­gen“: „Aber in die­sem Kampf, der von den Mäch­ten der Fin­ster­nis sogar gegen die Got­tes­idee ent­facht wur­de, möch­ten Wir die tröst­li­che Hoff­nung hegen, daß außer denen, die sich des Namens Chri­sti rüh­men, auch alle jene star­ken Wider­stand lei­sten – und es ist die weit­aus grö­ße­re Mehr­zahl der Men­schen – die noch an Gott glau­ben und ihn anbe­ten. Wir erneu­ern daher den Auf­ruf, den Wir schon vor fünf Jah­ren in Unse­rem Rund­schrei­ben Cari­ta­te Chri­sti an sie gerich­tet haben, daß auch sie auf­rich­ti­gen Her­zens mit­hel­fen, ‚um von der Mensch­heit die gro­ße Gefahr fern­zu­hal­ten, die alle bedroht‘. Da – wie Wir damals aus­führ­ten – ‚der Glau­be an Gott das unzer­stör­ba­re Fun­da­ment jeder sozia­len Ord­nung und jeder Ver­ant­wort­lich­keit auf Erden ist, des­halb müs­sen wir alle jene, wel­che die Anar­chie und den Ter­ror ableh­nen, tat­kräf­tig mit­wir­ken, damit die Fein­de der Reli­gi­on nicht das Ziel errei­chen, das von ihnen so offen ver­kün­digt wird‘.“

Der Papst füg­te hin­zu: „Wo der Kom­mu­nis­mus die Mög­lich­keit hat­te, sich fest­zu­set­zen und sei­ne Herr­schaft auf­zu­rich­ten – Wir den­ken hier mit beson­de­rer väter­li­cher Teil­nah­me an die Völ­ker in Ruß­land und Mexi­ko –, da hat er sich (nach sei­nem eige­nen Geständ­nis) mit allen Mit­teln bemüht, die christ­li­che Kul­tur und Reli­gi­on radi­kal zu zer­stö­ren und jede Erin­ne­rung dar­an auch in den Her­zen der Men­schen, ins­be­son­de­re der Jugend, aus­zu­lö­schen. Er hat Bischö­fe und Prie­ster des Lan­des ver­wie­sen, zu Zwangs­ar­beit ver­ur­teilt, erschos­sen, auf unmensch­li­che Wei­se ums Leben gebracht; er hat schlich­te Lai­en, weil sie sich für die Reli­gi­on ein­ge­setzt hat­ten, ver­däch­tigt, bedrückt, ver­folgt, in die Gefäng­nis­se und vor den Rich­ter geschleppt.

Die drit­te Enzy­kli­ka, „Fir­mis­si­mam con­stan­ti­am“, die am Oster­sonn­tag, dem 28. März 1937, ver­öf­fent­licht wur­de, war Mexi­ko gewid­met. Dar­in erklär­te der Papst: „Wenn also die Grund­la­gen der reli­giö­sen und zivi­len Frei­hei­ten ange­grif­fen wer­den, so dür­fen folg­lich die katho­li­schen Bür­ger dies weder zulas­sen noch dul­den. (…) Ande­rer­seits wur­de von Euch aber auch gesagt, daß, wenn die­se Gewal­ten selbst die Gerech­tig­keit und Wahr­heit offen­kun­dig ver­let­zen, sodaß sie die Grund­la­gen der Auto­ri­tät zer­rüt­ten, es nicht ein­zu­se­hen ist, daß man jene Bür­ger tadeln soll, die sich zusam­men­schlie­ßen, um sich selbst und die Nati­on zu schüt­zen, und erlaub­te, wirk­sa­me Mit­tel anzu­wen­den gegen jene, die ihre Befehls­ge­walt zum Ruin des Staa­tes mißbrauchen.“

Pius XI. rief nicht zur Kapi­tu­la­ti­on auf, son­dern erin­ner­te die mexi­ka­ni­schen Katho­li­ken dar­an: „Im übri­gen wird die­se Tätig­keit der Katho­li­ken Mexi­kos, die einem rei­nen und edlen Motiv ent­springt, um so grö­ße­ren Erfolg haben, je mehr die Katho­li­ken sich um die Kennt­nis des über­na­tür­li­chen Lebens, die reli­giö­se und mora­li­sche Erzie­hung und die Aus­brei­tung des Rei­ches Chri­sti bemü­hen, um all das also, was Objekt der Katho­li­schen Akti­on ist. Wenn so die Gläu­bi­gen ein­mü­tig ableh­nen, die ihnen von Chri­stus erwor­be­ne Frei­heit (vgl. Gal. 4, 31) auf­zu­ge­ben, und sich fest zusam­men­schlie­ßen, wel­che mensch­li­che Macht oder Gewalt kann sie dann noch unter die Knecht­schaft der Sün­de brin­gen? Wel­che Gefahr, wel­che Ver­fol­gung kön­nen so star­ke See­len von der Lie­be Chri­sti tren­nen (Vgl. Röm 8,35)?“

Die mexi­ka­ni­schen Cri­ste­ros hat­ten im Namen von Chri­stus König zu den Waf­fen gegrif­fen. Pius XI. wand­te sich an die mexi­ka­ni­schen Katho­li­ken und erin­ner­te an sei­ne Enzy­kli­ka Quas pri­mas vom 11. Dezem­ber 1925, in der er Chri­stus zum König des Uni­ver­sums erklärt hat­te. Eine Wahr­heit, die er den anti­christ­li­chen Ideo­lo­gien ent­ge­gen­stell­te, die die Welt am Vor­abend des Zwei­ten Welt­kriegs bedroh­ten. Doch selbst in den dun­kel­sten Stun­den nährt die Tugend der Hoff­nung den Glau­ben der Chri­sten. So erklär­te Pius XI. in der Enzy­kli­ka Divi­ni Redempto­ris:

Mit nach oben gerich­te­ten Augen schaut unser Glau­be den ’neu­en Him­mel‘ und die ’neue Erde‘, von denen Unser erster Vor­gän­ger, der hei­li­ge Petrus, spricht (2 Petr 3,13). Wäh­rend die Ver­hei­ßun­gen der fal­schen Pro­phe­ten die­ser Erde in Blut und Trä­nen ver­sin­ken, erstrahlt in himm­li­scher Schön­heit die gro­ße apo­ka­lyp­ti­sche Pro­phe­zei­ung des Erlö­sers der Welt: ‚Sie­he, ich mache alles neu‘ (Offb. 21,5).“

Dies ist unser Oster­wunsch für das Auf­er­ste­hungs­fest 2024, das an das Ostern der drei glor­rei­chen Enzy­kli­ken von Pius XI. aus dem Jahr 1937 erinnert.

*Rober­to de Mat­tei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017, und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

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Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: La Por­te Latine

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