Bischof Mutsaerts: „Gott ist beim synodalen Prozeß nicht im Spiel“

Bischof zieht sich aus dem synodalen Prozeß zurück

Msgr. Robert Mutsaerts, Weihbischof von Herzogenbusch, meldet sich vom synodalen Prozeß ab, denn der Heilige Geist hätte damit rein "gar nichts zu tun".
Msgr. Robert Mutsaerts, Weihbischof von Herzogenbusch, meldet sich vom synodalen Prozeß ab, denn der Heilige Geist hätte damit rein "gar nichts zu tun".

(Amster­dam) In sei­nem Blog pran­gert Bischof Rob Mut­sa­erts, Weih­bi­schof von Her­zo­gen­busch in den Nie­der­lan­den, den syn­oda­len Pro­zeß an, der von Papst Fran­zis­kus nach dem Vor­bild des deut­schen syn­oda­len Wegs der Welt­kir­che auf­er­legt wur­de. Der dabei gern häu­fig im Mun­de geführ­te Hei­li­ge Geist habe, so Msgr. Mut­sa­erts, damit aller­dings nichts zu tun. Er scheint viel­mehr der gro­ße Aus­ge­schlos­se­ne zu sein.

Am Don­ners­tag, 27. Okto­ber, stell­te das Sekre­ta­ri­at der Bischofs­syn­ode in Rom das Arbeits­pa­pier „Für eine syn­oda­le Kir­che: com­mu­nio, par­ti­ci­pa­tio, mis­sio“ für die soge­nann­te „kon­ti­nen­ta­le Pha­se“ des syn­oda­len Pro­zes­ses der Bischofs­syn­ode über die Syn­oda­li­tät vor. Die Erklä­rung wur­de auf einer Pres­se­kon­fe­renz unter dem Vor­sitz von Kar­di­nal Grech, dem Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode, im Pres­se­zen­trum des Hei­li­gen Stuhls abge­ge­ben. Auf der Grund­la­ge aller Abschluß­do­ku­men­te der Tref­fen in den ver­schie­de­nen Kon­ti­nen­ten wird das Sekre­ta­ri­at der Bischofs­syn­ode das Instru­men­tum labo­ris, das Arbeits­pa­pier für die eigent­li­che Bischofs­syn­ode in den Jah­ren 2023 und 2024, ausarbeiten.

Dazu schreibt Bischof Mutsaerts:

„Das Man­tra des Pro­zes­ses lau­tet: Zuhö­ren. Wem? Allen.“

Dann ver­weist der Weih­bi­schof von Her­zo­gen­busch auf zwei­fel­haf­te Zita­te im vor­ge­stell­ten Arbeitspapier:

„Die­se Zita­te wur­den aus­ge­wählt, weil sie auf eine beson­ders kraft­vol­le, schö­ne oder prä­zi­se Wei­se Gefüh­le aus­drücken, die in vie­len Berich­ten all­ge­mei­ner aus­ge­drückt wer­den. Die syn­oda­le Erfah­rung kann als eine Form der Aner­ken­nung für die­je­ni­gen ver­stan­den wer­den, die sich in der Kir­che nicht aus­rei­chend aner­kannt fühlen.“

Dar­aus fol­gert er:

„Die Kon­tu­ren des syn­oda­len Pro­zes­ses wer­den immer deut­li­cher. Er bie­tet ein Sprach­rohr für nicht-reli­giö­se Ansich­ten. Das Doku­ment zeigt auf, wohin die syn­oda­le Rei­se letzt­lich füh­ren soll: ‚Es bedeu­tet eine Kir­che, die durch Zuhö­ren lernt, ihren Evan­ge­li­sie­rungs­auf­trag im Lich­te der Zei­chen der Zeit zu erneu­ern, um der Mensch­heit wei­ter­hin eine Art zu sein und zu leben anzu­bie­ten, in der sich alle als Prot­ago­ni­sten ein­be­zo­gen füh­len kön­nen.
Wer sind die­je­ni­gen, die sich aus­ge­schlos­sen füh­len? Absatz 39:
Unter den­je­ni­gen, die einen sinn­vol­le­ren Dia­log und einen ein­la­den­de­ren Raum for­dern, fin­den wir auch jene, die aus ver­schie­de­nen Grün­den eine Span­nung zwi­schen ihrer Zuge­hö­rig­keit zur Kir­che und ihren eige­nen Lie­bes­be­zie­hun­gen emp­fin­den, wie z. B. wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, Allein­er­zie­hen­de, Men­schen in poly­ga­men Ehen, LGBTQ-Men­schen usw.
Kurz gesagt, jene, die mit den Leh­ren der katho­li­schen Kir­che nicht ein­ver­stan­den sind. Was das Dis­kus­si­ons­pa­pier vor­zu­schla­gen scheint, ist, daß wir eine Liste von Miß­stän­den erstel­len und die­se dann dis­ku­tie­ren. Der Auf­trag der Kir­che ist ein ande­rer. Es geht nicht dar­um, alle Mei­nun­gen zu prü­fen und dann eine Eini­gung zu erzie­len. Jesus hat uns etwas ande­res auf­ge­tra­gen: die Wahr­heit zu ver­kün­den, denn sie ist es, ‚die euch frei machen wird‘. Die Bemer­kung, daß die Kir­che der Poly­ga­mie kei­ne Auf­merk­sam­keit schenkt, ist beson­ders merk­wür­dig. Dar­über hin­aus schenkt das Doku­ment den Tra­di­tio­na­li­sten kei­ne Beach­tung. Auch sie füh­len sich aus­ge­schlos­sen. Papst Fran­zis­kus betrach­tet sie sogar wört­lich als sol­che (Tra­di­tio­nis Custo­des). Offen­sicht­licht gibt es für die­se Grup­pe kei­ne Empathie.“

Dann wird Bischof Mut­sa­erts deutlicher:

„Bis­lang scheint der syn­oda­le Pro­zeß eher ein sozio­lo­gi­sches Expe­ri­ment zu sein und wenig mit dem Hei­li­gen Geist zu tun zu haben, der angeb­lich durch all den Lärm hin­durch­klingt. Das könn­te man fast als blas­phe­misch bezeich­nen. Es wird immer deut­li­cher, daß der syn­oda­le Pro­zess genutzt wird, um eine Rei­he von kirch­li­chen Posi­tio­nen zu ver­än­dern, wobei dann auch der Hei­li­ge Geist als Für­spre­cher ins Spiel gebracht wird, obwohl der Hei­li­ge Geist über die Jahr­hun­der­te hin­weg wirk­lich etwas Gegen­sätz­li­ches gehaucht hat. Das Wich­tig­ste, was bei dem Zuhö­ren her­aus­kommt, ist ein Glau­be, der sich ver­flüch­tigt hat, der nicht mehr prak­ti­ziert wird und der die Posi­tio­nen der Kir­che nicht akzep­tiert. Die Men­schen bekla­gen sich, daß die Kir­che ihre Ansich­ten nicht akzep­tiert. Dies ist übri­gens nicht ganz rich­tig. Die flä­mi­schen und deut­schen Bischö­fe gehen sogar noch wei­ter, was eigent­lich noch viel tra­gi­scher ist. Sie wol­len die Sün­de nicht mehr Sün­de nen­nen. Es wird also nicht mehr von Bekeh­rung und Reue gesprochen.“

Zu den For­de­run­gen nach der Zulas­sung von Frau­en zum Prie­ster­amt, die im Arbeits­pa­pier wie folgt wie­der­ge­ge­ben sind: ‚die akti­ve Rol­le der Frau­en in den Lei­tungs­struk­tu­ren der kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen, die Mög­lich­keit für ent­spre­chend aus­ge­bil­de­te Frau­en, in den Gemein­den zu pre­di­gen, und ein weib­li­ches Dia­ko­nat und Prie­ster­tum‘, schreibt Msgr. Mutsaerts:

„Ein sinn­lo­ses Unter­fan­gen, da die letz­ten drei Pon­ti­fi­ka­te aus­drück­lich fest­ge­stellt haben, daß dies unmög­lich ist. In der Poli­tik ist alles offen für Dis­kus­sio­nen und Debat­ten. In der Kir­che ist das nicht so. Es gibt eine Leh­re der Kir­che, die nicht von Zeit und Ort abhän­gig ist. Aber das Arbeits­do­ku­ment scheint wirk­lich alles in Fra­ge zu stel­len. So lesen wir in Absatz 60: ‚Der Auf­ruf zur Bekeh­rung der Kul­tur der Kir­che zur Ret­tung der Welt ist kon­kret mit der Mög­lich­keit ver­bun­den, eine neue Kul­tur mit neu­en Prak­ti­ken und Struk­tu­ren zu schaf­fen.‘ Und dann heißt es wei­ter: ‚Die Bischö­fe wer­den gebe­ten, nach geeig­ne­ten Mit­teln zu suchen, um ihre Auf­ga­be der Vali­die­rung und Annah­me des Schluß­do­ku­ments zu erfül­len, und daß es die Frucht eines authen­ti­schen syn­oda­len Weges ist, der den unter­nom­me­nen Pro­zeß respek­tiert und den ver­schie­de­nen Stim­men des Vol­kes Got­tes in jedem Kon­ti­nent treu ist.‘ Offen­bar wird das Amt des Bischofs dar­auf redu­ziert, ein­fach das umzu­set­zen, was letzt­lich der größ­te gemein­sa­me Nen­ner als Ergeb­nis einer Aus­lo­sung von Mei­nun­gen ist. Die even­tu­el­le End­pha­se des Syn­oden­pro­zes­ses kann nur wie ein pol­ni­scher Land­tag ablau­fen. Natür­lich wer­den alle, die sich nicht durch­set­zen kön­nen, behaup­ten, sie wür­den aus­ge­schlos­sen. Im vor­aus ist dies ein Rezept für eine Kata­stro­phe. Wenn jeder sei­nen Wil­len bekommt – was eigent­lich nicht mög­lich ist – ist die Kata­stro­phe kom­plett. Dann hat sich die Kir­che selbst ver­leug­net und ihre Iden­ti­tät verspielt.“

Bei der Vor­stel­lung des Arbeits­do­ku­ments mach­te Kar­di­nal Grech deut­lich, so Bischof Mut­sa­erts, daß es die Auf­ga­be der Kir­che sei, als Ver­stär­ker für alle Töne zu fun­gie­ren, die aus dem Inne­ren der Kir­che kom­men, auch wenn sie im Wider­spruch zu dem ste­hen, was die Kir­che immer ver­kün­det hat. Dazu der Bischof:

„Das war ein­mal anders. Zur Zeit der Gegen­re­for­ma­ti­on ließ die Kir­che in bezug auf die Klar­heit ihrer Ansich­ten nichts zu wün­schen übrig. Man über­zeugt Men­schen, indem man argu­men­ta­tiv und mit vol­ler Über­zeu­gung für den katho­li­schen Glau­ben ein­tritt. Man über­zeugt nie­man­den, wenn man nur zuhört und es dabei beläßt. Das Ärger­li­che dar­an ist, daß die Bischö­fe ange­wie­sen wur­den, zuzu­hö­ren und dann zu doku­men­tie­ren, was gesagt wur­de. Die­se Berich­te wur­den dann auf Ebe­ne der Kir­chen und Pro­vin­zen gesam­melt und an Rom wei­ter­ge­lei­tet: Berich­te, die zwangs­läu­fig Häre­si­en ent­hal­ten, mit der Unter­schrift der Bischofs­kon­fe­renz. Wir konn­ten nicht anders han­deln, aber ich bin kei­nes­wegs glück­lich dar­über. Die­sen Ton hat übri­gens auch so man­cher Kar­di­nal in Rom ange­schla­gen und noch ein­mal nach­ge­fragt, was Syn­oda­li­tät eigent­lich ist. Es gab kei­ne kla­re Antwort.“

Auf aus­blei­ben­de Ant­wor­ten muß­te man sich im Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus „gewöh­nen“. Aus die­ser Wei­ge­rung einer Klä­rung fol­gert der Weih­bi­schof von Herzogenbusch:

„Jesus wähl­te einen ande­ren Ansatz. Er hör­te den bei­den ent­täusch­ten Jün­gern auf ihrem Weg nach Emma­us zu. Aber irgend­wann ergriff er das Wort und mach­te ihnen klar, daß sie in die Irre gin­gen. Dies ver­an­laß­te sie, umzu­keh­ren und nach Jeru­sa­lem zurück­zu­keh­ren. Wenn wir nicht umkeh­ren, wer­den wir in Emma­us lan­den und noch wei­ter von zu Hau­se ent­fernt sein, als wir es ohne­hin schon sind.

Eines ist für mich klar. Gott ist in die­sem ver­nich­ten­den syn­oda­len Pro­zeß nicht im Spiel. Der Hei­li­ge Geist hat damit abso­lut nichts zu tun. Zu den Prot­ago­ni­sten die­ses Pro­zes­ses gehö­ren mei­ner Mei­nung nach zu vie­le Befür­wor­ter der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe, Leu­te, die Abtrei­bung nicht wirk­lich für ein Pro­blem hal­ten und sich nie wirk­lich als Ver­tei­di­ger des rei­chen Glau­bens­be­kennt­nis­ses der Kir­che zei­gen, weil sie vor allem von ihrer säku­la­ren Umge­bung gemocht wer­den wol­len. Wie unpa­sto­ral, wie lieb­los. Die Men­schen wol­len auf­rich­ti­ge Ant­wor­ten. Sie wol­len nicht mit noch mehr Fra­gen nach Hau­se gehen. Sie hal­ten Men­schen von der Erlö­sung ab. Ich habe mich inzwi­schen aus dem syn­oda­len Pro­zeß zurückgezogen.

+Rob Mut­sa­erts

Text/​Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ripo­ste Catholique

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1 Kommentar

  1. Ein muti­ger Bischof. Es ist erfreu­lich, dass immer irgend­wo jemand auf­steht. Er hat es gesagt: Sie wol­len die Kir­che Got­tes zer­stö­ren. Um nichts ande­res geht es. Des­halb ist es ihnen auch egal, dass die Kir­che sich auf­löst, mit dem was sie anstreben.

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