Wo der „Papst der Gesten“ am Samstag innehielt

Die Seligsprechung von Jesuitengeneral Pedro Arrupe

Franziskus, der "Papst der Gesten", nützte eine Gedenkmesse am vergangenen Samstag in der römischen Jesuitenkirche, um am Grab des umstrittenen Ordensgenerals Pedro Arrupe zu beten.
Franziskus, der "Papst der Gesten", nützte eine Gedenkmesse am vergangenen Samstag in der römischen Jesuitenkirche, um am Grab des umstrittenen Ordensgenerals Pedro Arrupe zu beten.

Am Sams­tag nahm Papst Fran­zis­kus in der römi­schen Jesui­ten­kir­che „Il Gesù“ an einer Mes­se teil anläß­lich der Hei­lig­spre­chung „der Hei­li­gen Isi­dor von Madrid, Igna­ti­us von Loyo­la, Franz Xaver, Tere­sa von Jesus und Phil­ipp Neri“, so die offi­zi­el­le Bekannt­ga­be des Hei­li­gen Stuhls, vor 400 Jah­ren. Auf der Inter­net­sei­te des Hei­li­gen Stuhls wur­den wie gewohnt meh­re­re Bil­der ver­öf­fent­licht, unter denen eines hervorsticht.

Die Jesus­kir­che in Rom oder „Il Gesù“, wie sie all­ge­mein genannt wird, ist die Mut­ter­kir­che des Jesui­ten­or­dens und der vom Orden betreu­ten Maria­ni­schen Kon­gre­ga­ti­on. Das Patro­zi­ni­um bzw. der Titu­lus eccle­siae lau­tet offi­zi­ell Kir­che des aller­hei­lig­sten Namens Jesu. Das rie­si­ge Decken­fres­ko im Lang­schiff zeigt die Ver­herr­li­chung des Namens Jesu, der auch der Hoch­al­tar gewid­met ist. Mit dem Bau der Kir­che wur­de 1568 begon­nen, 34 Jah­re nach der Grün­dung des Ordens durch den hei­li­gen Igna­ti­us von Loyo­la. Sie wur­de ganz im Geist des Kon­zils von Tri­ent errich­tet und stil­prä­gend für die Barock­bau­kunst. Den Wunsch zu ihrer Errich­tung hat­te noch der hei­li­ge Ordens­grün­der kurz vor sei­nem Tod geäu­ßert. Ihm ist ein Sei­ten­al­tar gewid­met, unter dem er bestat­tet wur­de. Neben ande­ren bekann­ten Jesui­ten befin­det sich in der Kir­che seit 1614 auch eine Reli­quie des hei­li­gen Franz Xaver.

Das inter­es­san­te­ste vom Hei­li­gen Stuhl ver­öf­fent­lich­te Bild zeigt Papst Fran­zis­kus aber außer­halb des offi­zi­el­len Pro­gramms und allein an ganz ande­rer Stel­le, näm­lich andäch­tig vor dem Grab von Pedro Arru­pe (1907−1991), der von 1965 bis 1981 (1983) der 28. Gene­ral­obe­re des Jesui­ten­or­dens war.

Arru­pe steht für die Nach­kon­zils­zeit. Er rich­te­te den Jesui­ten­or­den poli­tisch auf den Sozia­lis­mus und kirch­lich auf den Moder­nis­mus aus. Die Fol­ge war ein schnel­ler Nie­der­gang. Am Sams­tag wich der amtie­ren­de Jesui­ten­ge­ne­ral Arturo Sosa Abas­cal wäh­rend des offi­zi­el­len Pro­gramms nicht von der Sei­te des Pap­stes. Gene­ral Sosa, seit 2016 im Amt, gehört zu jenen, die eine Alli­anz von Sozia­lis­mus und Chri­sten­tum beson­ders ernst­ge­nom­men haben. Der Jesui­ten­ge­ne­ral hat noch ande­re offe­ne Flan­ken (und hier).

Fran­zis­kus in der Kir­che „Il Gesù“

Der „Schwar­ze Papst“, wie der Gene­ral­obe­re der Gesell­schaft Jesu auch genannt wird, wird auf Lebens­zeit gewählt. Arru­pe war der erste Gene­ral des Ordens, der sei­nen Rück­tritt ein­reich­te. Um genau zu sein, zog Papst Johan­nes Paul II. die Not­brem­se, um den destruk­ti­ven Kurs auf­zu­hal­ten. Die­se Inter­ven­ti­on brach­te dem pol­ni­schen Papst die anhal­ten­de Feind­se­lig­keit eines Teils des Ordens ein.

Jor­ge Mario Ber­go­glio gehör­te zu jenen Jesui­ten, die von Arru­pe geför­dert wur­den. Er „war ein Pro­te­gé Arru­pes, der in Ber­go­glio einen auf­ge­hen­den, libe­ra­len Stern im Orden sah“, so der US-Publi­zist Geor­ge Neu­mayr.

Fran­zis­kus, der erste Jesu­it auf dem Stuhl des Petrus, nann­te Arru­pe 2019 einen „Pro­phe­ten“. Eini­ge Mona­te zuvor hat­te er das Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für Arru­pe ein­ge­lei­tet. Kri­ti­ker spre­chen vom Ver­such, damit auch Arru­pes „Kurs“ kano­ni­sie­ren zu wol­len, so wie mit der Kano­ni­sie­rung der Kon­zil­späp­ste impli­zit das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil „hei­lig­ge­spro­chen“ wer­den sollte.

Papst Fran­zis­kus, ein Mei­ster der Gesten, signa­li­sier­te durch sei­ne Geste erneut, daß er auf der Sei­te Arru­pes steht, so wie er durch die Reha­bi­li­tie­rung mar­xi­sti­scher Jesui­ten „Far­be“ bekannte.

[Update]: Von den 30 ver­stor­be­nen „Schwar­zen Päp­sten“ wur­den bis­her nur zwei zu den Altä­ren erho­ben: der Ordens­grün­der und erste Gene­ral­obe­re Igna­ti­us von Loyo­la sowie Franz Bor­gia, drit­ter Gene­ral­obe­rer des Ordens 1565–1572. Ursprüng­lich war irr­tüm­lich nur der hei­li­ge Igna­ti­us genannt worden.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild : Vati​can​.va (Screen­shot)


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2 Kommentare

  1. Im letz­ten Satz hat es einen Feh­ler: Neben dem hl. Igna­ti­us wur­de auch der hl. Franz Bor­gia zur Ehre der Altä­re erho­ben. Die­ser war der drit­te Gene­ral­obe­re der Jesuiten.

  2. Dan­ke für die­se hoch­in­ter­es­san­te Recherche!
    Die erste Reak­ti­on der Leser, die sich mit der The­ma­tik befas­sen, wird man so umschrei­ben können:
    „Jetzt geht die­ses Thea­ter um Arru­pe schon wie­der los!“
    Ja, genau, die Selig- oder Hei­lig­spre­chung des Ordens­ge­ne­rals durch Papst Fran­zis­kus hat gera­de noch gefehlt. 

    Soll­te es aber dazu kom­men, dann wür­de die­se aller­dings unfrei­wil­lig bezeu­gen, was vie­le Katho­li­ken schon seit lan­gem emp­fin­den, näm­lich, daß for­cier­te kir­chen­po­li­ti­sche Hei­lig­spre­chun­gen (und ohne Ver­eh­rung des Betref­fen­den an der „Basis“) unmög­lich bin­den kön­nen und daher de fac­to unwirk­sam, damit wohl auch nich­tig sind. Denn wenn sie es über­trei­ben mit der Hei­lig­spre­chung von Kon­zil­späp­sten und lin­ken Geist­li­chen, dann kracht das Kar­ten­haus der poli­ti­schen Hei­lig­spre­chun­gen eben zusam­men. Man wür­de mit dem Scha­ber­nack nicht mehr mitgehen.

    Ein Irr­tum ist im Arti­kel pas­siert, wo es heißt:

    ‚Von den 30 ver­stor­be­nen „Schwar­zen Päp­sten“ wur­de bis­her nur einer zu den Altä­ren erho­ben: der Ordens­grün­der und erste Gene­ral­obe­re Igna­ti­us von Loyola.‘

    Das stimmt nicht, da der drit­te Ordens­ge­ne­ral, Franz von Bor­ja, eben­falls kano­ni­siert wurde.

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