Papst engagiert sich für Migranten – aber nicht für alle

Spende für Einwanderer in Weißrußland

Kuba, das seit 63 Jahren von einem kommunistischen Einparteiensystem beherrscht wird, gehört nicht zur Migrationsagenda von Papst Franziskus.
Kuba, das seit 63 Jahren von einem kommunistischen Einparteiensystem beherrscht wird, gehört nicht zur Migrationsagenda von Papst Franziskus.

(Rom) Das Dikaste­ri­um für die ganz­heit­li­che Ent­wick­lung des Men­schen gab in einer Pres­se­er­klä­rung bekannt, daß von Papst Fran­zis­kus Geld zur Ver­sor­gung von Migran­ten gespen­det wur­de, die in Weiß­ruß­land an der Gren­ze zu Polen an der Ein­wan­de­rung in die EU gehin­dert wer­den. Die Migra­ti­on steht auf der päpst­li­chen Agen­da weit oben. Aller­dings gilt das nicht für alle Migranten.

In der gest­ri­gen Pres­se­er­klä­rung des Dikaste­ri­ums heißt es:

„Der Hei­li­ge Vater hat außer­dem beschlos­sen, eine Spen­de in Höhe von 100.000 Euro zugun­sten von Migran­ten­grup­pen zu lei­sten, die zwi­schen Polen und Weiß­rus­s­land blockiert sind, und als Hil­fe an Cari­tas Pol­ska [pol­ni­sche Cari­tas] bei der Bewäl­ti­gung des Migra­ti­ons­not­stands an der Gren­ze zwi­schen den bei­den Ländern.“

Für täti­ge Wer­ke der Näch­sten­lie­be des Pap­stes spen­den die Gläu­bi­gen auf der gan­zen Welt den Peters­pfen­nig. An den Kauf von Luxus­im­mo­bi­li­en in Lon­don dürf­ten die mei­sten Spen­der wahr­schein­lich nicht gedacht haben. Der der­zeit im Vati­kan statt­fin­den­de Pro­zeß u. a. gegen Kar­di­nal Ange­lo Becciu, den ehe­ma­li­gen Sub­sti­tu­ten des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats, rich­tet sich nicht gegen die Immo­bi­li­en­ge­schäf­te an sich, son­dern gegen Amts­miß­brauch, Unter­schla­gung, Vor­teils­nah­me und ande­re mut­maß­li­che Delikte.

Nicht alle Migran­ten erfah­ren die glei­che päpst­li­che Anteil­nah­me wie jene auf den Mit­tel­meer­rou­ten (Lam­pe­du­sa, Les­bos, Zypern) und an der EU-Außen­gren­ze. In Ame­ri­ka ist die Gren­ze zwi­schen Mexi­ko und den USA ein sol­cher „Hot­spot“. Am 17. Febru­ar 2016 besuch­te Papst Fran­zis­kus Ciu­dad Juá­rez, die mexi­ka­ni­sche Grenz­stadt, die im 21. Jahr­hun­dert wie kei­ne ande­re zum Sym­bol für die Mas­sen­ein­wan­de­rung in die USA wurde.

Logo der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Kubas

Kei­ne päpst­li­che Beach­tung fan­den bei die­sem Besuch, vor­her oder auch seit­her, die Kuba­ner, die vor dem sozia­li­sti­schen Regime auf ihrer Insel flie­hen. Eini­ge poli­ti­sche und auch kirch­li­che Krei­se spie­len die Flucht­be­we­gung seit Jahr­zehn­ten her­un­ter, indem sie behaup­ten, die Men­schen wür­den nicht vor der sozia­li­sti­schen Dik­ta­tur, son­dern „vor der Armut“ flie­hen, die durch die US-Sank­tio­nen gegen Kuba ver­schul­det seien.

  • Am 3. Janu­ar mel­de­te Reu­ters, daß Kuba­ner 2021 die dritt­größ­te Grup­pe von Asyl­be­wer­bern in Mexi­ko waren.
  • Allein in den ersten bei­den Wochen 2022 hat Mexi­ko rund 300 Kuba­ner an die sozia­li­sti­schen Dik­ta­to­ren auf Kuba zurück­ge­schickt.

Sie sind aber nicht nur in Mexi­ko nicht sicher: Selbst wenn es den Kuba­nern gelingt, die USA zu errei­chen, wohin die mei­sten auf­grund des Cuban Adjust­ment Act wol­len, wer­den den­noch vie­le von ihnen an das kom­mu­ni­sti­sche Castro-Regime zurück­ge­schickt, des­sen star­ker Mann heu­te Miguel Díaz-Canel ist. 

  • Eine erste Grup­pe von 119 Kuba­nern wur­de am 5. Janu­ar von US-Behör­den nach Kuba zurück­ge­stellt.

Der Athe­ist Díaz-Canel, Nach­kom­me astu­ri­scher Ade­li­ger, wur­de 2018 Staats­rats­vor­sit­zen­der, 2019 zugleich Staats­prä­si­dent und 2021 auch Erster Sekre­tär des ZK der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Kubas (PCC).

Der Cuban Adjust­ment Act von 1966 regelt den Sta­tus kuba­ni­scher Flücht­lin­ge in den USA. Kuba­ni­schen Staats­bür­gern, die sich seit min­de­stens zwei Jah­re in den USA auf­hal­ten, konn­te auf Antrag die US-Staats­bür­ger­schaft ver­lie­hen wer­den. 1976 wur­de die Dau­er auf ein Jahr verkürzt.

  • Am 15. Janu­ar wur­de berich­tet, daß eine Grup­pe kuba­ni­scher Migran­ten in Gua­te­ma­la gestran­det ist.

Täg­lich fin­den sich in den Medi­en latein­ame­ri­ka­ni­scher Staa­ten Berich­te über kuba­ni­sche Migran­ten, die Schwie­rig­kei­ten haben die Gren­zen zwi­schen Ecua­dor und Kolum­bi­en zu über­que­ren, die an der Gren­ze zwi­schen Kolum­bi­en und Pana­ma gestran­det sind, beim Durch­que­ren des Dschun­gels an der Gren­ze zwi­schen die­sen bei­den Staa­ten ster­ben usw.

Papst Fran­zis­kus äußer­te sich bis­her nicht zu der seit über 60 Jah­ren anhal­ten­den Flucht­be­we­gung der Kuba­ner. Nach wel­chen Kri­te­ri­en wählt Fran­zis­kus die Adres­sa­ten sei­ner Gesten zugun­sten der Migra­ti­on aus? War­um die Afgha­nen in Weiß­ruß­land, die Kuba­ner aber nie?

Ein Zufall ist es jeden­falls nicht. Am 24. Okto­ber 2021 war es auf dem Peters­platz in Rom zu einem Zwi­schen­fall gekom­men. Eine kuba­ni­sche Fah­ne stör­te, die von einem jun­gen Kuba­ner beim Ange­lus des Pap­stes gezeigt wur­de, um auf das Schick­sal sei­ner Hei­mat auf­merk­sam zu machen. Dabei sind Fah­nen auf dem Peters­platz anson­sten ger­ne gese­hen. Die ein­sa­me kuba­ni­sche Fah­ne war aber eine offen­sicht­lich so uner­träg­li­che Geste, daß vati­ka­ni­sche und ita­lie­ni­sche Sicher­heits­kräf­te inter­ve­nier­ten und die Fah­ne beschlag­nahm­ten. Ande­re Kuba­ner, die den Papst auf glei­che Wei­se um Hil­fe bit­ten woll­ten, waren zuvor erst gar nicht auf den Peters­platz gelas­sen worden.

Die Ent­fer­nung der Fah­ne wur­de anschlie­ßend damit begrün­det, daß es sich um eine „poli­ti­sche Akti­on“ gehan­delt habe. Ihre Ent­fer­nung war aber eine min­de­stens eben­so poli­ti­sche Akti­on. Auch die Sym­pa­thien für sozia­li­sti­sche Regime und die Scho­nung des Sozia­lis­mus fol­gen einer ideo­lo­gi­schen Ent­schei­dung und sind eine poli­ti­sche Aktion.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/​Wikicommons

Print Friendly, PDF & Email