Peterspfennig um 37 Prozent eingebrochen

Finanzierungsboykott?

Innerhalb von fünf Jahren brachen die Einnahmen beim Peterspfennig um ganze 37 Prozent ein.

(Rom) Im Vati­kan wird der Ein­bruch des Peters­pfen­nigs mit Sor­ge beob­ach­tet. Die Nega­tiv­ent­wick­lung erfolgt gleich dop­pelt: Nicht nur das Spen­den­auf­kom­men ist rück­läu­fig, auch die Rück­la­gen des Peters­pfen­nigs haben sich wegen des Lon­do­ner Immo­bi­li­en­skan­dals um ein Drit­tel reduziert.

Der Peters­pfen­nig, die jähr­lich statt­fin­den­de Kol­lek­te für den Papst, hat den zwei­fa­chen Zweck, den Hei­li­gen Stuhl und die wohl­tä­ti­gen Wer­ke des Pap­stes zu finan­zie­ren. Bei­de ganz unter­schied­li­chen Aspek­te sind von gro­ßer Bedeu­tung und ver­wei­sen auf die frü­he­ste Zeit des Papst­tums, wenn­gleich der Dena­ri­us Sanc­ti Petri, wie der Peters­pfen­nig offi­zi­ell heißt, „erst“ rund 1.250 Jah­re alt ist. Sein Auf­kom­men geht auf die Sach­sen zurück, die im 5. Jahr­hun­dert nach Bri­tan­ni­en über­setz­ten und den Grund­stock zum spä­te­ren Eng­land legten.

Die Besorg­nis im Vati­kan hängt direkt mit dem „dra­ma­ti­schen Ein­bruch“ der Ein­nah­men der Vati­ka­ni­schen Muse­en auf­grund der Ein­schrän­kun­gen wegen des Coro­na­vi­rus CoV‑2 zusam­men, die von den Regie­run­gen, ein­schließ­lich der päpst­li­chen im Vati­kan­staat, ver­hängt wurden.

Auch der Rück­gang des Peters­pfen­nigs steht im Zusam­men­hang mit den Coro­na-Maß­nah­men. Die jähr­li­che Kol­lek­te für 2020 war nur teils am 29. Juni durch­ge­führt, teils auf den Herbst ver­scho­ben wor­den. Es gibt aber noch ande­re Grün­de: Der Ein­nah­men­rück­gang aus dem Peters­pfen­nig wur­de bereits seit 2015 regi­striert. Die jüng­sten Zah­len, die in den ver­gan­ge­nen Tagen bekannt wur­den, bestä­ti­gen den Negativtrend.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wies die Römi­sche Kurie jeweils ein Defi­zit von meh­re­ren Dut­zend Mil­lio­nen Euro auf. Grund dafür sind die zu zah­len­den Mit­ar­bei­ter­ge­häl­ter, da die Aus­ga­ben der Dikaste­ri­en die Ein­nah­men über­stei­gen. Zuletzt fehl­ten rund 80 Mil­lio­nen. Ein Teil davon wur­de durch den Peters­pfen­nig gedeckt.

Die Londoner Investitionen von Substitut Becciu

Die­ser Fonds wur­de vom Sub­sti­tu­ten des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs auf eher undurch­sich­ti­ge Wei­se ver­wal­tet. Seit dem Skan­dal um Inve­sti­tio­nen in Lon­do­ner Luxus­im­mo­bi­li­en (die Rede ist von einem Gesamt­aus­ga­ben­vo­lu­men von 300 Mil­lio­nen) wird näher hin­ge­schaut. Es wur­den auch eini­ge Neu­re­ge­lun­gen getrof­fen und nicht zuletzt wird gegen ein hal­bes Dut­zend Vati­kan­be­am­te wegen Ver­un­treu­ung und Mit­hil­fe bei der Unter­schla­gung durch Drit­te ermittelt.

Kar­di­nal Ange­lo Becciu, der als Sub­sti­tut bis 2018 den Peters­pfen­nig ver­wal­te­te und für die Immo­bi­li­en­käu­fe ver­ant­wort­lich zeich­net, muß­te Ende Sep­tem­ber 2020 alle sei­ne Ämter zurück­le­gen. Er erklär­te zudem, nicht auf die Wür­de, aber auf die Vor­rech­te eines Kar­di­nals zu ver­zich­ten. Einen sol­chen Sta­tus kennt das Kir­chen­recht aller­dings nicht, wes­halb er auch wei­ter­hin offi­zi­ell als Kar­di­nal mit allen Rech­ten und Pflich­ten geführt wird.

Der Peters­pfen­nig wird jedes Jahr am 29. Juni bzw. am nächst­lie­gen­den Sonn­tag gesam­melt. Es gilt in Rom als „Iro­nie des Schick­sals“, daß der Rück­tritt von Kar­di­nal Becciu als Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs am 29. Juni 2018 erfolg­te. Sein Wech­sel in das ihm von Papst Fran­zis­kus anver­trau­te neue Amt des Prä­fek­ten der Hei­lig­spre­chungs­kon­gre­ga­ti­on erfolg­te am 1. Sep­tem­ber des­sel­ben Jahres.

Laut den nun von P. Juan Anto­nio Guer­re­ro SJ, seit Novem­ber 2019 Prä­fekt des vati­ka­ni­schen Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats, vor­ge­leg­ten Zah­len, sind die Ein­nah­men aus dem Peters­pfen­nig zwi­schen 2015 und 2019 fast um ein Vier­tel zurück­ge­gan­gen. Im Coro­na-Jahr 2020 folg­te ein zusätz­li­cher Ein­bruch um wei­te­re 18 Pro­zent. Die Ein­nah­men fie­len von 53 Mil­lio­nen Euro im Jahr 2019 auf 44 Mil­lio­nen im Jahr 2020. Das ent­spricht samt der Infla­ti­on einem Gesamt­ein­bruch um 37 Pro­zent. Zudem weist der Peters­pfen­nig-Fonds wegen der Lon­do­ner Spe­ku­la­tio­nen zum Jah­res­en­de 2020 einen Rück­gang um 114 Mil­lio­nen Euro auf.

Die vier Hauptfaktoren für den Rückgang

Main­stream-Medi­en wie die spa­ni­sche Tages­zei­tung ABC nen­nen zur Erklä­rung nur zwei von vier Hauptfaktoren: 

  1. die Ent­täu­schung vie­ler Gläu­bi­gen wegen der „Ver­tu­schung von sexu­el­len Mißbrauchsskandalen“,
  2. der Ärger wegen der Immo­bi­li­en-Inve­sti­tio­nen in London. 
  3. Nicht genannt wer­den die Coro­na-Maß­nah­men und die dadurch nur bedingt durch­führ­ba­re bzw. durch­ge­führ­te Jahreskollekte,
  4. Uner­wähnt bleibt auch die sin­ken­de Bereit­schaft, vor allem unter Katho­li­ken in den USA, das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus und des­sen Agen­da zu finanzieren. 

Bis zur Wahl von Papst Fran­zis­kus waren es vor allem „rom­treue“ Gläu­bi­ge, wie man damals sag­te, also glau­bens­treue Katho­li­ken, die ein unge­trüb­tes Ver­hält­nis zum Papst­tum haben, die „Rom“ auch finan­zi­ell stützten.

Inzwi­schen gibt es, ins­be­son­de­re in den USA, unter prak­ti­zie­ren­den Katho­li­ken erste For­men von orga­ni­sier­tem Boy­kott einer wei­te­ren Finan­zie­rung des der­zei­ti­gen Pontifikats.

P. Guer­re­ro erklär­te, das Defi­zit des Hei­li­gen Stuhls sol­le künf­tig aus dem Immo­bi­li­en­ver­mö­gen des Vati­kans in Rom finan­ziert wer­den. Dadurch sol­len die Spen­den der Gläu­bi­gen voll­stän­dig und aus­schließ­lich für wohl­tä­ti­ge Zwecke ver­wen­det wer­den können. 

Bis dahin ist es noch ein wei­ter und nicht unge­fähr­li­cher Weg. Wel­che Begehr­lich­kei­ten geweckt und wel­che undurch­sich­ti­gen Gestal­ten sich um den Vati­kan drän­geln wer­den, sobald Immo­bi­li­en in der Ewi­gen Stadt in die Hand genom­men wer­den, kann erah­nen, wer die Ver­hält­nis­se am Tiber kennt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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3 Kommentare

  1. Von mir kei­nen Peters-Cent. Vor­erst wur­de sich ja an den Orden schad­los gehal­ten. Klö­ster auf­ge­las­sen und das Ver­mö­gen geht.……na, wohin wohl?
    Ich stel­le mir vor, dass ich müh­sam Ange­spar­tes einem Klo­ster ver­er­be, dann Kom­mis­sar, dann Auf­las­sung, dann das müh­sam Ange­spar­te in einer Immo­bi­lie in Lon­don. Also, ich spen­de nur glau­bens­treu­en, gut geprüf­ten Emp­fän­gern und jetzt auch noch so, dass es vor jedem Kom­mis­sar aus­ge­ge­ben wer­den muss.

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