„Wovor sollte ich Angst haben?“ – Zum Tod von Erzbischof Henryk Hoser

Arzt, Pallottiner, Missionar, Kuriale, Diözesanbischof und Sondervisitator für Medjugorje

Erzbischof Henryk Hoser, dessen letzte Aufgabe die eines päpstlichen Sondervisitators für Medjugorje war, ist am vergangenen Freitag verstorben.
Erzbischof Henryk Hoser, dessen letzte Aufgabe die eines päpstlichen Sondervisitators für Medjugorje war, ist am vergangenen Freitag verstorben.

(War­schau) Am 13. August ist in War­schau, sei­ner Hei­mat­stadt, der pol­ni­sche Erz­bi­schof und Päpst­li­che Son­der­vi­si­ta­tor für Med­jug­or­je, Msgr. Hen­ryk Hoser SAC, ver­stor­ben. Der Erz­bi­schof war 1942 als Sohn der bekann­ten War­schau­er Fami­lie Hoser gebo­ren wor­den. Sei­ne Vor­fah­ren stamm­ten aus Augs­burg und waren über Deutsch­böh­men nach Polen gelangt, als der im nord­böh­mi­schen Schwoi­ka bei Bürg­stein gebo­re­ne Peter Hoser 1846 Ober­gärt­ner des Säch­si­schen Gar­tens in War­schau wurde.

Im damals zu Ruß­land gehö­ren­den „Kon­greß­po­len“ bau­te er mit sei­nen ihm nach­fol­gen­den Brü­dern die Muster­gärt­ne­rei „Brü­der Hoser“ mit Gewächs­haus und Pflan­zen­zucht auf, die weit­um bekannt wur­de. Ihm und sei­nem Sohn zu Ehren wur­den meh­re­re Zier­pflan­zen benannt, dar­un­ter die Betu­la Hoseri. Sein Sohn Peter Fer­di­nand Hoser (1857–1939) wur­de Vor­sit­zen­der der War­schau­er Gar­ten­bau­ge­sell­schaft und Dozent an der Natur­wis­sen­schaft­li­chen Uni­ver­si­tät War­schau. Msgr. Hosers Groß­va­ter Hen­ryk und Vater Janusz, der in der pol­ni­schen Hei­mat­ar­mee, einer mili­tä­ri­schen Unter­grund­or­ga­ni­sa­ti­on, kämpf­te, auf die der War­schau­er Auf­stand zurück­geht, wur­den wäh­rend des Auf­stan­des 1944 beim Mas­sa­ker von Wola von deut­schen Ein­hei­ten erschos­sen. Ihre Lei­chen wur­den nie gefunden.

Die Mut­ter Hali­na zog die bei­den Kin­der Julia und Hen­ryk allein auf. Sie war die „Kate­che­tin“ ihres Soh­nes, wie die­ser spä­ter sagen soll­te. Die Mut­ter ver­such­te nach dem Krieg den Fami­li­en­be­trieb wei­ter­zu­füh­ren, der jedoch vom kom­mu­ni­sti­schen Regime ver­staat­licht wurde. 

Hen­ryk Hoser in jun­gen Jahren

Hen­ryk Hoser stu­dier­te Medi­zin, prak­ti­zier­te als Arzt in einem nie­der­schle­si­schen Kran­ken­haus und war als Assi­stent an der War­schau­er Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät tätig, bis sei­ne Beru­fung zum Prie­ster­tum immer stär­ker wur­de und er 1969 in den Pal­lot­ti­ner­or­den ein­trat und Phi­lo­so­phie und Theo­lo­gie stu­dier­te. 1974 wur­de er vom War­schau­er Weih­bi­schof Wla­dys­law Mizio­lek zum Prie­ster geweiht und wirk­te von 1975 bis 1995 als Mis­sio­nar in Ruan­da. Er ließ sich dafür in Tro­pen­me­di­zin aus­bil­den und war wäh­rend die­ser Zeit zehn Jah­re Regio­nal­obe­rer des Pal­lot­ti­ner­or­dens. Als es 1994 zum grau­sa­men Bür­ger­krieg zwi­schen Tut­si und Hutu kam, wur­de Hoser für die Zeit der Abwe­sen­heit des Apo­sto­li­schen Nun­ti­us zum Apo­sto­li­schen Visi­ta­tor für Ruan­da ernannt. Lan­ge beschäf­tig­te ihn, wie er sagen soll­te, die Ver­leum­dung der Kir­che und der Prie­ster, denen vor­ge­wor­fen wur­de, wäh­rend des Völ­ker­mor­des untä­tig geblie­ben zu sein. Als das Gemet­zel los­brach, hielt sich Hoser gera­de in Euro­pa auf. Einen Monat spä­ter kehr­te er in das blu­ten­de Land als päpst­li­cher Abge­sand­ter zurück und bemüh­te sich noch über ein Jahr um Frie­den und Versöhnung. 

„Es war unheim­lich. Über­all ver­streut lagen mensch­li­che Über­re­ste her­um. Es ist nicht leicht in Wor­te zu fassen.“

Der Völ­ker­mord, dem eine Mil­li­on Men­schen zum Opfer fie­len, vor allem Tut­si, führ­te nicht zur Abwen­dung, son­dern zur Hin­wen­dung zu Gott. 

„Die Sehn­sucht war sehr groß. Was folg­te, war eine gute Zeit.“

Von 1996–2004 war er Regio­nal­obe­rer der Ver­ei­ni­gung des Katho­li­schen Apo­sto­la­tes in Frank­reich. Er wur­de zum Mit­glied des Mis­si­ons­ra­tes der Kon­fe­renz der Höhe­ren Ordens­obe­ren in Frank­reich gewählt. Damals unter­nahm er im Auf­trag der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker meh­re­re apo­sto­li­sche Visi­ta­tio­nen von Prie­ster­se­mi­na­ren in den Missionsgebieten.

Ab 2004 lei­te­te er die Mis­si­ons­pro­kur der Pal­lot­ti­ner in Brüs­sel und wirk­te als Seel­sor­ger bei der Euro­päi­schen Gemein­schaft (EG). 2005 berief ihn Papst Johan­nes Paul II. als bei­geord­ne­ten Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker an die Römi­sche Kurie und ernann­te ihn zugleich zum Titu­lar­erz­bi­schof und Vor­sit­zen­den der Päpst­li­chen Mis­si­ons­wer­ke. Die Bischofs­wei­he spen­de­te ihm Kar­di­nal Cre­scen­zio Sepe in der Kapel­le der Pro­pa­gan­da Fide in Rom.

2008 ernann­te ihn Papst Bene­dikt XVI. zum Bischof von War­schau-Pra­ga, wobei Hoser sei­nen Rang als Erz­bi­schof ad per­so­nam bei­be­hal­ten konn­te. Das Bis­tum war erst 1992 von Johan­nes Paul II. aus Tei­len des Erz­bis­tums War­schau und des Bis­tums Plock errich­tet wor­den. 2011 wur­de Hoser zum Ehren­bür­ger der pol­ni­schen Haupt­stadt ernannt.

Die „Normalisierung“ von Medjugorje

Im Febru­ar 2017 wur­de Erz­bi­schof Hoser von Papst Fran­zis­kus zum Son­der­de­le­ga­ten für Med­jug­or­je ernannt, um dem Papst pasto­ra­le Vor­schlä­ge zu unter­brei­ten, wie die Seel­sor­ge der Pil­ger im kirch­li­chen Sinn sicher­ge­stellt und ver­bes­sert wer­den kön­ne. Im Sep­tem­ber 2017 über­gab Msgr. Hoser dem Papst sei­ne Vor­schlä­ge und gab öffent­lich zu ver­ste­hen, per­sön­lich von der Echt­heit der Mari­en­er­schei­nun­gen über­zeugt zu sein, wobei er sich im Sin­ne der Rui­ni-Kom­mis­si­on auf die ersten sie­ben Erschei­nun­gen von 1981 bezog. Katholisches.info schrieb dazu am 20. Juni 2018:

Wappen von Erzbischof Hoser
Wap­pen von Erz­bi­schof Hoser

„Hoser kün­dig­te im Herbst 2017 eine ande­re ‚Lösung‘ an: Rom könn­te von den rund 47.000 Erschei­nun­gen nur die ersten sie­ben von 1981 aner­ken­nen. Damit habe er, laut eige­ner Aus­sa­ge, an das Ergeb­nis der Rui­ni-Kom­mis­si­on ange­knüpft, die zwi­schen 2010 und 2012 im Auf­trag von Papst Bene­dikt XVI. Med­jug­or­je unter­such­te. Deren Bericht wur­de aber noch nicht ver­öf­fent­licht. Mit den Erschei­nun­gen der ersten Tage sind kei­ne Bot­schaf­ten ver­bun­den, was ein Haupt­punkt für den ’salo­mo­ni­schen‘ Vor­schlag einer Zwei­tei­lung des Phä­no­mens in die ersten Tage und den gro­ßen Rest zu sein scheint, mit dem man­che in Rom liebäugeln.“

Bei den 47.000 Erschei­nun­gen im Jahr 2018 han­del­te es sich um Schät­zun­gen, da kei­ne exak­te Zahl vor­liegt und je nach Zähl­wei­se die Schät­zun­gen weit aus­ein­an­der­lie­gen. Kurz zuvor hat­te Kar­di­nal Ernest Simo­ni beim Jugend­fe­sti­val in Med­jug­or­je, an dem er als Ver­tre­ter des Pap­stes teil­nahm, bekannt­ge­ge­ben, Fran­zis­kus habe zu Med­jug­or­je sei­ne „Mei­nung geän­dert“.

Im Dezem­ber des­sel­ben Jah­res eme­ri­tier­te Fran­zis­kus Msgr. Hoser als Bischof von War­schau-Pra­ga wegen Errei­chens der Alters­gren­ze. Am 31. Mai 2018 berief er Hoser zum Apo­sto­li­schen Son­der­vi­si­ta­tor der Pfar­rei Med­jug­or­je, ein Amt, das der Erz­bi­schof bis zu sei­nem Tod innehatte.

Damit unter­stell­te Fran­zis­kus die Pfar­rei, kon­kre­ter das Phä­no­men Med­jug­or­je, fak­tisch dem Hei­li­gen Stuhl, da Msgr. Hoser alle Letzt­ent­schei­dun­gen in der Pfar­rei zustan­den. Seit­her begann eine „Nor­ma­li­sie­rung“, nach­dem Papst Fran­zis­kus dem Phä­no­men Med­jug­or­je zunächst sehr ableh­nend gegen­über­stan­den war. Prie­ster und Bischö­fe dür­fen nun offi­zi­el­le Wall­fahr­ten in den her­ze­go­wi­ni­schen Ort durch­füh­ren. Im Som­mer 2019 unter­sag­te Hoser in Med­jug­or­je die Hand­kom­mu­ni­on. Im ver­gan­ge­nen Mai wur­de Med­jug­or­je in einen von Papst Fran­zis­kus initi­ier­ten Gebets­ma­ra­thon unter die welt­weit wich­tig­sten Mari­en­hei­lig­tü­mer eingereiht.

Mit der Eme­ri­tie­rung von Msgr. Rat­ko Perić als Bischof von Mostar im Juli 2020 und dem Tod von Erz­bi­schof Hen­ryk Hoser, der die Ernen­nung eines neu­en Son­der­vi­si­ta­tors not­wen­dig macht, könn­te Papst Fran­zis­kus einen wei­te­ren Schritt zur „Nor­ma­li­sie­rung“ von Med­jug­or­je setzen.

„Ich bereite mich ruhig auf den Tod vor“

In einem Inter­view mit Janusz Schwert­ner für das pol­ni­sche Inter­net­por­tal Onet wur­de der Erz­bi­schof im Juni 2017 gefragt, ob er Angst vor dem Tod habe:

„Wovor soll­te ich Angst haben? Ich berei­te mich ruhig auf den Tod vor. Ich glau­be an einen guten, barm­her­zi­gen und gerech­ten Gott. Ich lebe mein gan­zes Leben für Ihn.“

Ende Juli wur­de vom Bis­tum War­schau-Pra­ga bekannt­ge­ge­ben, daß der eme­ri­tier­te Diö­ze­san­bi­schof ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert wor­den war. Sein Nach­fol­ger als Bischof, Msgr. Romu­ald Kamin­ski, bat die Gläu­bi­gen um ihr Gebet. Zwei Wochen spä­ter ist der Erz­bi­schof ver­stor­ben. Sei­ne Schwe­ster Julia Hoser-Krau­ze war ihm bereits 2012 vorausgegangen.

Wäh­rend die Pol­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz am 13. August in einer knap­pen Erklä­rung den Tod von Erz­bi­schof Hen­ryk Hoser „im 48. Jahr sei­nes Prie­ster­tums und im 17. Jahr sei­nes bischöf­li­chen Amtes im Zen­tral­kran­ken­haus des Mini­ste­ri­ums für Inne­res und Ver­wal­tung nach lan­ger und schwe­rer Krank­heit“ bekannt­gab, erwähn­te die links­li­be­ra­le pol­ni­schen Tages­zei­tung Gaze­ta Wibor­c­za, daß Msgr. Hoser im ver­gan­ge­nen April wegen Covid-19 hospi­ta­li­siert wor­den war.

Im deut­schen Sprach­raum mach­ten katho­li­sche Medi­en dar­aus die Schlag­zei­le, Erz­bi­schof Hoser sei „an Covid-19 gestor­ben“ (sie­he Kath­press, kath.ch). Ein Zusam­men­hang ist jedoch aus­ge­schlos­sen. Bereits im Mai war Hoser wegen einer ande­ren Infek­ti­on erneut hospi­ta­li­siert wor­den. Jede Gele­gen­heit scheint „Offi­zi­el­len“ geeig­net, das regie­rungs­ge­wünsch­te Coro­na-Nar­ra­tiv zu verbreiten.

Die Gaze­ta Wibor­c­za, für ihre kir­chen­feind­li­che Hal­tung bekannt, unter­stütz­te jah­re­lang kam­pa­gnen­haft die Kri­tik an Erz­bi­schof Hoser, als die­ser Bischof von War­schau-Pra­ga war.

2015 wur­de Msgr. Hoser von Staats­prä­si­dent Andrzej Duda mit dem Groß­kreuz des Ordens Polo­nia Resti­tu­ta ausgezeichnet.

Am 20. August fin­det in der Micha­els­ka­the­dra­le von Pra­ga (einem Orts­teil von War­schau) das Requi­em für Erz­bi­schof Hen­ryk Hoser statt. Es wird von Kar­di­nal Kazi­mierz Nycz, dem Erz­bi­schof von War­schau, zele­briert wer­den. Die Pre­digt wird Msgr. Tade­usz Woj­da, der Erz­bi­schof von Dan­zig, hal­ten. Anschlie­ßend wer­den die sterb­li­chen Über­re­ste von Erz­bi­schof Hoser in der Kryp­ta sei­ner ehe­ma­li­gen Bischofs­kir­che beigesetzt.

In der Ver­laut­ba­rung des Bis­tums War­schau-Pra­ga schließt mit dem Gebet für die Toten aus der hei­li­gen Liturgie:

Herr, gib ihm die ewi­ge Ruhe.
Und das ewi­ge Licht leuch­te ihm.
Laß ihn ruhen in Frie­den.
Amen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Bis­tum War­schau-Pra­ga/­Ar­chi­wum (Screen­shots)

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1 Kommentar

  1. De mor­tuis nisi bene.
    Aber die Aus­sa­ge über die Echt­heit der Med­jug­or­je-Erschei­nung ist Unsinn.
    In den Akten des Vati­kans steht alles über die­sen Humbug.
    Nur 2 Aus­sa­gen der angeb­li­chen Got­tes­mut­ter: Alle Reli­gio­nen sind gut und als Gip­fel des Blöd­sinns hat sie mit den Kin­dern den Rosen­kranz gebe­tet, d. h. die Got­tes­mut­ter sag­te: ‚Ver­gib uns unse­re Schuld‘.
    Kom­men­tar überflüssig.
    RIP, lie­ber Pater.

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