„Die großen Häresien“ von Hilaire Belloc – ein wichtiges Buch endlich auf Deutsch

Buchbesprechung

Hilaire Belloc und das Rüstzeug für die Unterscheidung, um die Grundlagen Europas zu verstehen und zu verteidigen.
Hilaire Belloc und das Rüstzeug für die Unterscheidung, um die Grundlagen Europas zu verstehen und zu verteidigen.

Der bedeu­ten­de eng­lisch-fran­zö­si­sche katho­li­sche Histo­ri­ker und Apo­lo­get Hil­ai­re Bel­loc (geb. 1870 in Paris, gest. 1953 in Sur­rey, Eng­land) ist im deut­schen Sprach­raum bis­lang nur weni­gen bekannt. Deut­sche Über­set­zun­gen sei­nes Wer­kes sind schwer greif­bar. Der Reno­va­men-Ver­lag hat sich dan­kens­wer­ter­wei­se der Über­set­zung und Ver­öf­fent­li­chung Bel­loc­scher Wer­ke in deut­scher Spra­che ange­nom­men.

Über­aus ver­dienst­voll ist die Her­aus­ga­be von The Gre­at Here­sies. Die­ser Trak­tat stammt aus dem Jahr 1938. Er war also noch nicht von der Ver­wir­rung betrof­fen, die knapp drei­ßig Jah­re spä­ter mit dem II. Vati­ca­num über die Kir­che her­ein­bre­chen soll­te.

Der Ver­lag gab den Unter­ti­tel Der Kampf gegen Euro­pa bei, der sich aus dem Inhalt des Trak­ta­tes ergibt:

Für Bel­loc ist Euro­pa der Glau­be und der Glau­be ist Euro­pa. Das mag für heu­ti­ge Ohren kli­schee­haft oder anstö­ßig klin­gen. Sicher ist die­ses bon mot auch nicht ganz rich­tig, weil der Glau­be auch außer­halb Euro­pas kul­tur­prä­gend gewirkt hat­te (Arme­ni­en, Ägyp­ten, Äthio­pi­en u. a.). Aber Bel­loc kann sich auf das Evi­den­te beru­fen, näm­lich daß Euro­pa erst durch den wah­ren, katho­li­schen Glau­ben zu dem gewor­den ist, was es ist. Die­sen hat­te es durch einen spe­zi­el­len Auf­trag Got­tes durch den Mund eines Maze­do­ni­ers, also Euro­pä­ers, erhal­ten, den die­ser an den hl. Pau­lus rich­te­te: „Komm her­über nach Maze­do­ni­en und hilf uns!“ (Apg 16,9).

Wor­um geht es also?

Es geht um die kon­ti­nu­ier­li­chen Angrif­fe auf die Chri­sten­heit durch Häre­si­en:

Was heißt „Häresie“?

Bel­loc defi­niert Häre­sie so:

„Häre­sie ist die Ver­zer­rung eines kom­plet­ten und selb­stän­di­gen Systems durch die Ein­füh­rung einer neu­ar­ti­gen Leug­nung eines sei­ner wesent­lich­sten Tei­le“ (20).

Sie ist also nicht nur Ver­nei­nung:

„Die pau­scha­le Leug­nung eines Systems ist kei­ne Häre­sie und hat auch nicht die schöp­fe­ri­sche Kraft einer Häre­sie. Es ist ein Wesens­be­stand­teil der Häre­sie, daß sie einen gro­ßen Teil der Struk­tur, die sie angreift, intakt läßt. Aus die­sem Grund kann sie Gläu­bi­ge anzie­hen und wei­ter­hin deren Leben beein­flus­sen, indem sie von ihren ursprüng­li­chen Eigen­ar­ten weg­führt. Daher wird von Häre­si­en gesagt, daß sie ‚durch die Wahr­hei­ten, die sie bei­be­hal­ten, über­dau­ern‘.“ (22)

Die Häre­sie „nimmt“ also etwas aus dem Glau­bens­gut der Kir­che, dem depo­si­tum fidei (vgl. 1 Tim 6,20; 2 Tim 1,12), „her­aus“, grie­chisch αἱρεῖν, (hai­reîn), davon αἵρεσις, (haí­re­sis), „Häre­sie“, und ver­wirft es ent­we­der oder aber ver­ab­so­lu­tiert es auf Kosten des Gan­zen. Eine sol­che Vor­gangs­wei­se rich­tet sich in wei­te­rer Fol­ge immer gegen die Kir­che und die Chri­sten­heit selbst.

Die Häre­sie betrifft die gesam­te Gesell­schaft, ihre Kul­tur, ihre Moral, ihre wei­te­re Ent­wick­lung – gege­be­nen­falls in die Bar­ba­rei – und ist für den Histo­ri­ker, der sich mit Euro­pa beschäf­tigt, von größ­ter Rele­vanz:

„Des­we­gen kann nie­mand, der die Ent­ste­hung und Ver­än­de­rung Euro­pas ver­ste­hen will, die Häre­sie als etwas Unwich­ti­ges bei­sei­te­schie­ben“ (23f).

Hil­ai­re Bel­locs Kern­aus­sa­ge in sei­nem Buch.

Bel­loc begreift fünf wirk­mäch­ti­ge Bewe­gun­gen gegen die euro­päi­sche Chri­sten­heit als „Häre­si­en“ und stellt sie aus­führ­lich dar: den Aria­nis­mus, den Islam, die albi­gen­si­sche Häre­sie, den Pro­te­stan­tis­mus und den „moder­nen“ Angriff auf die Kir­che („Moder­nis­mus“).

Es ist bemer­kens­wert, daß Bel­loc bereits 1938 ein Wie­der­erstar­ken der zu sei­nen Leb­zei­ten bereits sehr kraft­los gewor­de­nen isla­mi­schen Macht vor­her­sag­te bzw. für sehr wahr­schein­lich hielt.

Wer­fen wir einen beson­de­ren Blick aber auf zwei der ande­ren Häre­si­en:

Manichäismus und Dualismus im Katharertum, Bogomilentum und der albigensischen Häresie

Heut­zu­ta­ge besteht unter Katho­li­ken und Euro­pä­ern so gut wie kein histo­ri­sches Pro­blem­be­wußt­sein zur viel­ge­stal­ti­gen Häre­sie des Manichäis­mus – bzw. man ver­wen­det den Begriff falsch: Ein öster­rei­chi­scher Bischof, der der Frei­mau­re­rei nahe steht, kri­ti­sier­te etwa ein­mal die Kri­tik am Islam fälsch­li­cher­wei­se als „manichä­isch“.

Erstausgabe von 1938
Erst­aus­ga­be von 1938

Der Manichäis­mus (abge­lei­tet vom Per­ser Mani, 3. Jhd. n. Chr.) lehrt zwei gleich ewi­ge Prin­zi­pi­en von Gut und Böse, die gegen­ein­an­der strei­ten („Dua­lis­mus“). Dabei wird die mate­ri­el­le Welt als böse betrach­tet. Ergo kann es auch kei­ne Sakra­men­te geben (die ja immer mate­ri­ell sind).

Die­se Irr­leh­re trat in Euro­pa macht­voll als Bogo­mi­l­en­tum (in Bul­ga­ri­en und Bos­ni­en) und als albi­gen­si­sche Häre­sie (in Frank­reich) auf. Letz­te­re ent­fal­te­te im 13. Jahr­hun­dert eine destruk­ti­ve und revo­lu­tio­nä­re Kraft, die das gesam­te Kul­tur­ge­fü­ge bedroh­te. Das Bogo­mi­l­en­tum lei­ste­te dar­über hin­aus der Isla­mi­sie­rung des Bal­kans Vor­schub (wor­auf man bei­spiels­wei­se vor gut 20 Jah­ren in Bos­ni­en gera­de­zu stolz war, wie der Rezen­sent selbst fest­stell­te).

Da man also heu­te kei­ne adäqua­te Vor­stel­lung davon hat, geben wir kurz Hil­ai­re Bel­loc das Wort:

„Wie sehr die­se [die katho­li­sche] Kul­tur [durch die Albi­gen­ser] bedroht war, läßt sich anhand der Haupt­grund­sät­ze erken­nen, die offen gepre­digt und ent­spre­chend denen gehan­delt wur­de. Alle Sakra­men­te wur­den auf­ge­ge­ben. […] Die Ver­meh­rung der Mensch­heit wur­de ange­grif­fen, die Ehe wur­de ver­ur­teilt, und die Füh­rer der Sek­te ver­brei­te­ten all die Extra­va­gan­zen, die um den Manichäis­mus oder Puri­ta­nis­mus schwe­ben, wo auch immer er auf­taucht. Wein war böse, Fleisch war böse, Krieg war immer abso­lut falsch, genau­so die Todes­stra­fe. Aber die eine unent­schuld­ba­re Sün­de war die Ver­söh­nung mit der katho­li­schen Kir­che“ (125).

Nach dem Mord an dem päpst­li­chen Lega­ten, Zister­zi­en­ser­abt Pierre de Castel­nau, am 15. Jän­ner 1208 durch Albi­gen­ser began­nen die Kampf­hand­lun­gen, die als Kreuz­zug ver­stan­den wur­den. Die lan­gen Bemü­hun­gen von Papst Inno­zenz III. (1160–1216), den Frie­den „durch Pre­digt und Bei­spiel her­zu­stel­len“ (125), waren nicht nur ver­geb­lich, sie erlaub­ten das Wachs­tum der Häre­sie und deren Amal­ga­mie­rung mit den Revo­lu­ti­ons­ge­lü­sten und Macht­in­ter­es­sen loka­ler Poten­ta­ten.

Die Kämp­fe waren sehr grau­sam.

Für eine roman­ti­sie­ren­de Sicht auf die­se Häre­sie exi­stiert also kein Grund.

Gewis­se Grund­kon­stan­ten der Häre­sie, vor allem die Abwer­tung der mate­ri­el­len Welt und auch der mensch­li­chen Natur, die vom Schöp­fer als männ­lich oder weib­lich geschaf­fen wur­de, tre­ten heu­te macht­voll im Gewand des Bud­dhis­mus und der Gen­der-Ideo­lo­gie in Euro­pa wie­der auf.

Von daher han­delt es sich nicht ledig­lich um ein histo­ri­sches Phä­no­men.

Was heu­te aber all­ge­gen­wär­tig ist, ist, was Bel­loc als „moder­ne Häre­sie“ bezeich­net.

Die „moderne Häresie“

In die Lebens­zeit Bel­locs fällt die Ent­fal­tung „moder­ner“ Irr­leh­ren. Mar­xis­mus, Dar­wi­nis­mus, Posi­ti­vis­mus, Psy­cho­ana­ly­se, Bibel­kri­tik, Gno­sis und Athe­is­mus brei­ten sich zunächst außer­halb der Kir­che aus. Aber auch inner­halb der Kir­che war der Keim des Bösen schon gelegt wor­den. Zu Leb­zei­ten Bel­locs warn­ten etwa Leo XIII. und der hl. Pius X. davor.

Bel­loc schuf mehr als 100 Publi­ka­tio­nen.

Bel­loc bemerk­te scharf­sin­nig, daß der „moder­ne“ Angriff mate­ria­li­stisch und aber­gläu­bisch gleich­zei­tig ist. Die­ser Angriff unter­mi­niert zunächst die Ver­nunft.

Bel­loc beschreibt die Vor­gangs­wei­se der Frei­mau­re­rei und der ande­ren Geheim­ge­sell­schaf­ten gegen den über­lie­fer­ten Glau­ben und die Scho­la­stik, die bei­de immer ein Hort der Ver­nunft gewe­sen waren:

„Als der moder­ne Angriff sich vor weni­gen Lebens­span­nen gesam­melt hat­te und wäh­rend er immer noch auf eine klei­ne Zahl Aka­de­mi­ker beschränkt war, begann der erste Sturm­an­griff auf die Ver­nunft. Außer­halb eines beschränk­ten Zir­kels schien er wenig Erfolg zu haben. Der ein­fa­che Mann und sein gesun­der Men­schen­ver­stand (der wahr­haft eine Basti­on der Ver­nunft ist) war davon nicht betrof­fen. (…) Aber die Ver­nunft ist heu­te aller­orts in Ver­ruf. Der alt­ehr­wür­di­ge Pro­zeß der Über­zeu­gung durch Argu­men­te und Bewei­se wird durch die wie­der­hol­te Behaup­tung ersetzt. Fast alle Begrif­fe, die einst der Ruhm der Ver­nunft waren, tra­gen nun den Ruch der Ver­ach­tung an sich. Man schaue sich z. B. an, was mit den Wör­tern ‚Logik‘ oder ‚Kon­tro­ver­se‘ geschah; man höre sich so ver­brei­te­te Redens­ar­ten an wie ‚Argu­men­te haben noch nie­man­den über­zeugt‘ oder ‚wenn man möch­te, kann man alles bewei­sen‘ (…) Die all­täg­li­che Spra­che wird mehr und mehr mit Aus­drücken durch­setzt, die Ver­ach­tung über den Gebrauch von Intel­li­genz aus­drücken. Aber der Glau­be und der Gebrauch der Ver­nunft sind untrenn­bar mit­ein­an­der ver­wo­ben“ (200f).

Wir erken­nen in den Bel­loc­schen Aus­füh­run­gen die unver­nünf­ti­gen und selbst­wi­der­sprüch­li­chen Ideo­lo­gien unse­rer Tage, ein­schließ­lich der theo­lo­gi­schen und pseu­do­theo­lo­gi­schen – und natür­lich den gan­zen Non­sens, der seit Jahr­zehn­ten von deutsch­spra­chi­gen Bischö­fen ver­brei­tet wird. Und der seit sechs Jah­ren vom Stuhl Petri kommt.

Daher noch ein wich­ti­ger Punkt:

Die Katholische Kirche und das „Christentum schlechthin“

Bel­loc ist in gewis­ser Hin­sicht ein Gegen­satz zu sei­nem angli­ka­ni­schen Zeit­ge­nos­sen C. S. Lewis (1898–1963), der – unge­ach­tet sei­ner Ver­dien­ste – den theo­lo­gi­schen und histo­ri­schen Irr­tum ver­brei­te­te, es gäbe ein „rei­nes Chri­sten­tum“ bzw. ein „Chri­sten­tum schlecht­hin“. Bel­loc hat­te schon eini­ge Jah­re vor der Aus­ar­bei­tung der Radio­an­spra­chen von C. S. Lewis, die etwa zehn Jah­re spä­ter unter dem Titel Mere Chri­stia­ni­ty (1952) her­aus­ka­men, auf das Evi­den­te hin­ge­wie­sen:

„Es gibt kei­ne Reli­gi­on, die ‚Chri­sten­tum‘ genannt wird – solch eine Reli­gi­on hat es nie gege­ben. Es gibt und hat immer nur die Kir­che gege­ben und ver­schie­de­ne Häre­si­en, die aus einer Ableh­nung irgend­ei­nes kirch­li­chen Dog­mas durch Men­schen her­vor­ge­hen, die immer noch einen Rest ihrer Leh­re und Moral bei­be­hal­ten wol­len. Es gab jedoch nie eine all­ge­mei­ne christ­li­che Reli­gi­on – noch kann oder wird es sie jemals geben –, zu der sich Men­schen beken­nen, die alle ein paar wich­ti­ge Dog­men akzep­tie­ren, wäh­rend sie sich dar­über einig sind, daß sie bei ande­ren ande­rer Mei­nung sind. Es hat von Anfang an immer nur die Kir­che gege­ben und es wird nur sie immer geben, sowie aller­lei Häre­si­en, die ent­we­der zum Nie­der­gang ver­dammt sind, oder, wie der Moham­me­da­nis­mus, zu einer eigen­stän­di­gen Reli­gi­on erwach­sen. Von einem gemein­sa­men Chri­sten­tum gab es nie und kann es nie­mals eine Defi­ni­ti­on geben, denn ein sol­ches hat nie exi­stiert“ (188).

Streng genom­men hat Bel­loc recht, auch wenn wir im All­tag nor­ma­ler­wei­se nicht so scharf den­ken. Die For­mu­lie­rung Bel­locs bedeu­tet nicht, daß gläu­bi­ge nicht-katho­li­sche Chri­sten kei­ne Chri­sten wären. Sie bedeu­tet aller­dings, daß die heu­te übli­che „Öku­me­ne“ doch eher eine Illu­si­on ist.

Aber es ist heil­sam, den Din­gen wirk­lich auf den Grund zu gehen.

Zwei kleine Einsprüche

Erstens schreibt Bel­loc wie­der­holt, daß der dog­ma­ti­sche Pro­te­stan­tis­mus irrele­vant oder gar tot sei (vgl. 187f, 203). Die­se Beur­tei­lung über­rascht ange­sichts der zu Leb­zei­ten Bel­locs immer noch star­ken pro­te­stan­ti­schen Natio­nal­kir­chen und ein­fluß­rei­chen pro­te­stan­ti­schen Welt­ver­bän­de. Heu­te, acht­zig Jah­re nach Erschei­nen des Buches, sind pro­te­stan­ti­sche Über­zeu­gun­gen in vie­len Welt­ge­gen­den stär­ker als je zuvor, man den­ke nur an das durch die mar­xi­sti­sche Befrei­ungs­theo­lo­gie des katho­li­schen Glau­bens ent­leer­te Latein­ame­ri­ka. Auch als zio­ni­sti­sche und pro­is­rae­li­sche Pro­pa­gan­di­sten sind ein­zel­ne pro­te­stan­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen sehr ein­fluß­reich.

Hilaire Belloc in seiner Zeit als Parlamentsabgeordneter.
Hil­ai­re Bel­loc in sei­ner Zeit als Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ter.

Schließ­lich hät­te sich Bel­loc nie­mals träu­men las­sen, daß pro­te­stan­ti­sche Theo­lo­gen an der soge­nann­ten „Lit­ur­gie­re­form“ mit­zu­wir­ken ein­ge­la­den sein wür­den und daß Mar­tin Luther selbst im Vati­kan zu Ehren gelan­gen wür­de. Hier hat sich Bel­loc offen­bar getäuscht.

Zwei­tens scheint Bel­loc den Aus­druck „Text­kri­tik“ falsch zu ver­ste­hen (21). „Text­kri­tik“ bedeu­tet, zumin­dest wie sie heu­te ver­stan­den wird, aus­schließ­lich das Bemü­hen, den – bekannt­lich archäo­lo­gisch nicht vor­han­de­nen – Urtext der bibli­schen Schrif­ten zu rekon­stru­ie­ren. „Text­kri­tik“ bedeu­tet für sich genom­men daher kei­nes­wegs, Inhal­te der Bibel zu kri­ti­sie­ren, etwa die histo­ri­sche Zuver­läs­sig­keit der Evan­ge­li­en und hier beson­ders der Wun­der­be­rich­te zu bestrei­ten.

Resümee

Das vom Ver­lag aus­ge­wähl­te Titel­bild zeigt die bren­nen­de Kathe­dra­le von Not­re Dame in Paris.

Euro­pa brennt, die Chri­sten­heit brennt.

Die jahr­hun­der­te­lan­gen Angrif­fe auf die Kir­che sind in die­sem Brand sinn­bild­lich dar­ge­stellt. Auch wenn es sich bei der Brand­ur­sa­che tat­säch­lich um einen (offen­bar äußerst unwahr­schein­li­chen) Unfall han­deln soll­te, so läßt sich an den unzäh­li­gen Anschlä­gen, Schän­dun­gen und Beset­zun­gen von Kir­chen in Frank­reich ein sol­cher kon­ti­nu­ier­li­cher Angriff ohne wei­te­res erken­nen. Beson­ders spek­ta­ku­lär war etwa die Beset­zung der mitt­ler­wei­le inmit­ten einer isla­misch-afri­ka­ni­schen No-Go-Area gele­gen Kir­che von Saint-Denis, Grab­le­ge der fran­zö­si­schen Köni­ge, durch links­ra­di­ka­le „Akti­vi­sten“ und „Migran­ten“ im März letz­ten Jah­res.

Die theo­lo­gi­schen Angrif­fe auf den wah­ren Glau­ben, den Gott geof­fen­bart hat, sind somit kei­ne müßi­gen aka­de­mi­schen Dis­kus­sio­nen. Die dok­tri­nä­ren Angrif­fe auf den Glau­ben „inkar­nie­ren“ sich in mili­tä­ri­schen Angrif­fen auf die Chri­sten­heit. Sie brin­gen Spal­tung, Bür­ger­krieg und Gemet­zel: Bel­loc war von den Grau­sam­kei­ten der kom­mu­ni­sti­schen Revo­lu­tio­nä­re in Ruß­land und in Spa­ni­en ent­setzt.

Hil­ai­re Bel­loc (1870–1953)

Und sie gefähr­den das See­len­heil der Gläu­bi­gen.

Hil­ai­re Bel­locs blei­ben­des Ver­dienst ist es, den Katho­li­ken einer­seits ein Instru­men­ta­ri­um zur Unter­schei­dung der Gei­ster, ande­rer­seits ein wohl­be­grün­de­tes Selbst­be­wußt­sein zu ver­mit­teln bzw. wie­der­her­zu­stel­len.

Die Kon­sul­ta­ti­on des Bel­loc­schen Wer­kes macht aber auch schmerz­lich bewußt, wie sehr Euro­pa den Glau­ben bereits ver­lo­ren hat. Sie macht auch bewußt, daß die euro­päi­schen Katho­li­ken über so gut wie kei­ne tie­fe­re Geschichts­kennt­nis­se und kei­ner­lei histo­ri­schen Stolz ver­fü­gen. Dabei war es doch die Kir­che, die Euro­pa erst gebil­det hat.

Die Apost­asie ging aller­dings, wie bekannt, von oben aus. Bel­loc blieb es erspart, das Zwei­te Vati­ca­num oder die fälsch­lich so genann­te „Lit­ur­gie­re­form“ mit­er­le­ben zu müs­sen.

Damit hat sich der teil­wei­se posi­ti­ve Aus­blick Bel­locs (201ff) durch die wei­te­re Ent­wick­lung als zumin­dest unvoll­stän­dig erwie­sen. Er hat­te auch recht, daß sich die Angrif­fe ver­schär­fen wür­den, aber er rech­ne­te offen­bar nicht mit dem Aus­maß von Ver­rat und Glau­bens­ab­fall in der Hier­ar­chie.

Soweit der Rezen­sent das Bel­loc­sche Werk kennt, ist es nicht ersicht­lich, wie Bel­loc zu Fati­ma stand. Wie auch immer: Er war einer der „Unglücks­pro­phe­ten“, die am II. Vati­ca­num kri­ti­siert und abge­tan wur­den. Er hat aber recht behal­ten. Lei­der.

Dank und Aner­ken­nung dem Ver­lag, der mit der Her­aus­ga­be die­ses Buches den Zeit­geist her­aus­for­dert, beson­ders den inner­kirch­li­chen.

Möge es nüt­zen.

Hil­ai­re Bel­loc, Die gro­ßen Häre­si­en – Der Kampf gegen Euro­pa, mit einem Vor­wort von Dr. Robert Hick­son, Reno­va­men-Ver­lag, Bad Schmie­de­berg 2019, 209 Sei­ten

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Lebens­schüt­zer, begei­ster­ter Leser des Wer­kes von Hil­ai­re Bel­loc (mit der Ein­schrän­kung von des­sen „Dis­tri­bu­tis­mus“), Msgr. Robert Hugh Ben­son, C. S. Lewis und ande­rer eng­lisch­spra­chi­ger Autoren in Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart

Bild: Wiki­com­mon­s/­MiL/­Face­boo­k/­Re­no­va­men-Ver­lag (Screen­shots)

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3 Kommentare

  1. Sehr gelun­ge­ne Rezen­si­on von Herrn Schrems. Auch die Bil­der sind gut aus­ge­wählt und pas­sen sich in den Arti­kel her­vor­ra­gend ein.

    Bel­loc muss ein star­ker Cha­rak­ter gewe­sen sein. Sei­ne Por­traits strah­len Über­zeu­gung, Kampf­geist und Cha­rak­ter­stär­ke aus. Im Alter scheint er ent­kräf­tet, mög­li­cher­wei­se auch des­il­lu­sio­niert gewe­sen zu sein, so als har­re er als Sehen­der vol­ler Mit­leid auf die Schrecken des gro­ßen Glau­bens­ab­falls, wie wir ihn heu­te erle­ben; sein Geist strahlt aber unver­brüch­li­che Glau­bens­treue und geläu­ter­te Rein­heit aus.

    Auch Pater Pio sag­te nach dem Kon­zil, Angst mache ihm nicht so sehr die Gegen­wart, son­dern die Zukunft.

    Bel­loc sieht die Wahr­heit nicht in einem irgend­wie gear­te­ten Chri­sten­tum, son­dern in der Kir­che und in der Ver­kün­di­gung der unver­fälsch­ten Dog­mas. Denn Gna­de und Dog­ma fal­len zusam­men. Wenn das Dog­ma durch den Bei­stand des Spi­ri­tus Rec­tor durch­drun­gen ist, wird man das Dog­ma als ein­zig hei­lig­ma­chen­des Gna­den­ge­schenk erken­nen und leben. Erst dann wird das Kir­chen­volk wie­der wach­sen kön­nen.

    Die Abnah­me am kirch­li­chen Leben ist ja dra­ma­tisch. Hier nur ein Bei­spiel aus dem Atha­na­si­us­bo­ten 6/2019:
    Als Kom­men­tar an ande­rer Stel­le schon ein­mal von mir ange­führt:

    „Cha­os, Abbruch, Ver­dun­ke­lung des Glau­bens“, so ist ein im neu­en Atha­na­si­us­bo­ten (Juni/2019) abge­druck­tes Inter­view mit Pater Franz Schmid­ber­ger über­schrie­ben. Schmid­ber­ger veweist als Bei­spiel des Nie­der­gangs im kirch­li­chen Leben auf eine nie­der­län­di­sche, einst blü­hen­de Gemein­de. Schmid­ber­ger: „[I]n der Pro­vinz Lim­burg, wur­de 1931 eine herr­li­che gro­ße Kir­che mit 800 Sitz­plät­zen gebaut. Vor dem Kon­zil war sie jeden Sonn­tag fünf­mal bis auf den letz­ten Platz gefüllt, es gab also 4 000 Got­tes­dienst­be­su­cher. Heu­te wird noch eine Sonn­tags­mes­se zele­briert, an der 90 Gläu­bi­ge teil­neh­men. Eine Abnah­me also von fast 98 %. Nach Aus­kunft des Pfar­rers gehen von die­sen [wie­der­um] noch 10 % zur hei­li­gen Beich­te …“ Das sind 9 Leu­te, die noch Sün­den­be­wusst­sein und Reue haben bzw. die­se noch vor Gott brin­gen. Wahr­schein­lich sind dies zudem vor­wie­gend alte Leu­te. Wir sind längst pro­te­stant­an­tisch gewor­den. Erreicht wur­de dies durch das unbe­wuss­te Ver­drän­gen der hei­li­gen Eucha­ri­stie als leben­di­ges Süh­nop­fer für unse­re Sün­den. Heu­te redet man nur noch von einem Mahl.

    Doch zurück zum Buch: Ich kann­te das hier vor­ge­stell­te Buch und den Autor bis­her noch nicht, wer­de mir das Buch aber sicher bestel­len. Habe schon man­che gute Buch­an­re­gung auf die­ser Sei­te bekom­men.

    Dan­ke, Herr Schrems, für Ihre gelun­ge­ne Arbeit in Form die­ser Rezen­si­on.

  2. Eine vor 50 Jah­ren zu jeder Hl. Opfer­mes­se ber­stend vol­le Kir­che, wird heu­te im Novus Ordo sonn­tags um 11:00 Uhr noch von eher weni­gen haupt­säch­lich älte­ren Men­schen besucht, die aber offen­sicht­lich auch schon nicht mehr die zwei­ten Fei­er­ta­ge an Weih­nach­ten, Ostern und Pfing­sten ken­nen. 9:30 in der Fami­li­en­mes­se sind Kin­der­gar­ten­lei­te­rin und Pasto­ral­as­si­sten­tin sehr krea­tiv. Auf­kei­men­de Initia­ti­ven von Pie­stern, die noch Sou­ta­ne tra­gen, biri­tu­ell fei­ern, wur­den nach 5 Mona­ten vom Erz­bi­schof abrupt been­det, er konn­te es wohl nicht ertragen,dass es Sonn­tags Abend sie­ben Jun­gen im Jugend­al­ter gab, die es in kur­zer Zeit gelernt hat­ten in men­schen­wür­di­ger Kör­per­hal­tung zu gehen, zu ste­hen, zu knien, zu beten und als Mini­stran­ten zu die­nen ‑Sonn­tag für Sonn­tag abend, wo es doch der Lebens­wirk­lich­keit männ­li­cher Jugend­li­cher in unse­rer gott­fer­nen Gesell­schaft eher ent­spricht, abzu­hän­gen, zu chil­len, zu kif­fen, zu sau­fen, Gewalt-Com­pu­ter­spie­le zu spie­len.
    Eine Kir­che in der Nähe, in der Pius-Prie­ster die Hl. Opfer­mes­se fei­ern, wird erfreu­li­cher­wei­se immer vol­ler und zwar mit jun­gen Men­schen, der­zeit soll dort eine vier­te Hl. Opfer­mes­se am Sonn­tag ange­bo­ten wer­den.
    Aber alte 68ér Bischö­fe und Prie­ster wol­len alle in ihr gott­fer­nes Welt­bild zwin­gen.
    War­um las­sen wir und das alles gefal­len — schon seit Jahr­zehn­ten? Ste­hen wir auf und for­dern von unse­ren Bischö­fen wie die Wit­we im Alten Testa­mentr „schaf­fe mir Recht“, solan­ge bis sie es tun, wenn auch nur, um uns los zu sein und ihre Ruhe zu haben.

    • @bellis
      Genau­so ist es, die Fra­ge ist mehr als berech­tigt, war­um wir als „Kist“ Zah­ler uns die­sen Schwach­sinn gefal­len las­sen?
      Ant­wort, weil Frei­mau­rer-Chri­sten­tum bequem ist, weil Dies­sei­tig­keit begreif­bar ist, weil man lie­ber an etwas glaubt was man sieht (auch wenn das kein Glau­be ist), als an die Tran­szen­denz.
      Auch wird die kath. Chri­sten­heit seit Vat. II kon­se­quent Gehirn­ge­wa­schen und merkt ihren Abfall schon gar nicht mehr.
      Hier sind dia­bo­li­sche Kräf­te am Werk, die Häre­si­en und Irr­we­ge der letz­ten Päp­ste schrei­en zum Him­mel.
      Den letz­ten vor­läu­fi­gen trau­ri­gen Höhe­punkt beschreibt das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus, der täg­lich neue Kata­stro­phen erzeugt, die jedem ersicht­lich sind.
      Durch das Kri­tik­ver­bot der DBK plap­pern alle „fran­zis­ka­nisch“ ohne nach­zu­den­ken.
      Aber auch nur weil das so schön in den Zeit­geist passt bei Papst Bene­dikt war es genau anders­her­um.
      Das Gan­ze hat schon etwas End­zeit­li­ches.

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