NYT: Internationale Konspiration zum Sturz von Papst Franziskus

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und Schloß St. Emmeram als konspirative Ort

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist für die New York Times der Dreh- und Angelpunkt einer konservativen Konspiration gegen Papst Franziskus.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist für die New York Times der Dreh- und Angelpunkt einer konservativen Konspiration gegen Papst Franziskus.

(New York) Die New York Times (NYT) ver­sucht den Ein­druck zu erwecken, daß es eine orga­ni­sier­te und kon­spi­ra­ti­ve Grup­pe in der katho­li­schen Kir­che gebe, die Papst Fran­zis­kus stür­zen wol­le. Und im Mit­tel­punkt stün­de Für­stin Glo­ria von Thurn und Taxis.

Wür­de es sich um ein ande­res Medi­um han­deln, könn­te man lächelnd dar­über hin­weg­ge­hen. Der Arti­kel wur­de jedoch am ver­gan­ge­nen 8. Dezem­ber, dem Hoch­fest Mariä Emp­fäng­nis, von der New York Times ver­öf­fent­licht. Die New Yor­ker Tages­zei­tung gilt nicht nur als ein­fluß­rei­ches Blatt welt­weit, son­dern ist vor allem das Leit­or­gan des glo­ba­len, links­li­be­ra­len Main­stream.

Ihr Gewicht soll an zwei Bei­spie­len kurz ver­deut­licht wer­den.

NYT, 8. Dezember 2018
NYT, 8. Dezem­ber 2018

Die New York Times gab am Tag nach den US-Prä­si­dent­schafts­wah­len 2016 die Paro­le aus, daß Inter­net – acht Jah­re zuvor, als Barack Oba­ma gewählt wur­de, von der­sel­ben Zei­tung als genia­les Instru­ment einer neu­en Gras­wur­zel­be­we­gung geprie­sen – die Ver­brei­tung von „Fake News“ gestat­te und dadurch erst die Wahl von Donald Trump ermög­licht habe. Eine direk­te Fol­ge die­ses Arti­kels ist die „Fake News“-Diskussion und das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Meh­re­re Arti­kel bele­gen, wie hell­hö­rig selbst im Vati­kan den Ver­laut­ba­run­gen der New Yor­ker Tages­zei­tung gelauscht wird. Mehr­fach reagier­te Papst Fran­zis­kus auf direk­ten Zuruf aus der Redak­ti­ons­zen­tra­le, und das nicht nur bei der Aberken­nung der Kar­di­nal­s­wür­de von Theo­do­re McCar­rick.

Am 8. Dezem­ber ver­öf­fent­lich­te Jason Horo­witz den Arti­kel „ ‚80sParty Girl Now Has a Salon for Con­ser­va­ti­ve Catho­lics. Die Rede ist von Glo­ria von Thurn und Taxis. Bemer­kens­wert dar­an ist nicht das dif­fe­ren­ziert gezeich­ne­te Por­trät der in Regens­burg resi­die­ren­den Für­stin, son­dern der Ver­such, der Welt­öf­fent­lich­keit ein neu­es Stich­wort zuzu­flü­stern.

Die New York Times führt die Paro­le in den Main­stream ein, es gebe eine inter­na­tio­nal orga­ni­sier­te, kon­spi­ra­ti­ve Grup­pe in der katho­li­schen Kir­che zum Sturz von Papst Fran­zis­kus. Es wird nicht gesagt, daß die Für­stin das Ober­haupt die­ser Ver­schwö­rung sei, aber zumin­dest ihr zen­tra­ler Dreh- und Angel­punkt. Ihr Schloß sei so etwas wie der Ort der Kon­spi­ra­ti­on.

Die Geschich­te klingt bekannt und erin­nert an den inner­kirch­li­chen Geheim­zir­kel von Sankt Gal­len, den Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ, der sei­ner­zei­ti­ge Erz­bi­schof von Mai­land, in den 90er Jah­ren ins Leben rief. Der Unter­schied: Den Geheim­zir­kel von Sankt Gal­len gab es wirk­lich, wäh­rend die angeb­li­che kon­ser­va­ti­ve Kon­spi­ra­ti­on eine Erfin­dung der New York Times ist. Kar­di­nal God­fried Dan­neels, nicht im Ver­dacht, ein Kon­ser­va­ti­ver zu sein, plau­der­te die Exi­stenz des pro­gres­si­ven Geheim­zir­kels sei­nen Bio­gra­phen aus und gab bei der Buch­vor­stel­lung 2015 selbst­be­wußt noch eine Drauf­ga­be, indem er ent­hüll­te, daß sich die Mit­glie­der des Geheim­zir­kels selbst „die Mafia“ nann­ten:

„Die Grup­pe hieß ‚Sankt Gal­len‘. Wir nann­ten sie aber ‚die Mafia‘.“

Täglich gibt die Fürstin in ihrem Schloß 300 warme Mahlzeiten für Arme aus.
Täg­lich 300 war­me Mahl­zei­ten im Schloß für Arme

Horo­witz ist bemüht, den Lesern und wohl beson­ders den Mul­ti­pli­ka­to­ren die Idee von der Exi­stenz eines kon­ser­va­ti­ven „Geheim­zir­kels von Sankt Gal­len“ in den Kopf zu set­zen. Dazu wirft er ziem­lich alles will­kür­lich in einen Topf, des­sen er gedank­lich greif­bar wur­de.

Da ist ein­mal die Für­stin, die alles ein­la­de und samm­le, was gegen Fran­zis­kus sei, also „kon­ser­va­ti­ve und tra­di­tio­na­li­sti­sche Katho­li­ken“, und natür­lich gebe es irgend­wie eine Ver­bin­dung zu US-Prä­si­dent Donald Trump, den Erz­feind der New York Times schlecht­hin. Es geht wei­ter mit dem ehe­ma­li­gen Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, mit Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke, mit dem alt­ri­tu­el­len Insti­tut Chri­stus König und Hoher­prie­ster, wenn man auch nicht genau ver­steht wie und war­um, dann ist da natür­lich Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, der vor sei­ner Beru­fung nach Rom Bischof von Regens­burg war, und sogar Ste­ve Ban­non kommt vor, der ehe­ma­li­ge Breit­bart-Chef, dem die unver­zeih­li­che „Schuld“ ange­la­stet wird, den erfolg­rei­chen Wahl­kampf von Donald Trump orga­ni­siert zu haben. Ban­non ver­sucht der­zeit mit Blick auf die Euro­pa­wah­len 2019 sein Husa­ren­stück zu wie­der­ho­len.

Berichterstattung der NYT
Bericht­erstat­tung der NYT

Die­se Ingre­di­en­zi­en schei­nen mehr den Zweck zu haben, auch reli­gi­ös weni­ger inter­es­sier­ten Lesern, die „poli­ti­sche“ Zuord­nung zu erleich­tern. Es soll schließ­lich ein­deu­tig klar ver­mit­telt wer­den, wer Freund und wer Feind ist, und daß der Kampf glo­bal statt­fin­det. Kein Zwei­fel wird dabei gelas­sen, auf wel­cher Sei­te Papst Fran­zis­kus steht bzw. ein­ge­reiht wird. Das Wall Street Jour­nal schrieb Ende 2016, als der erste Schock wegen des Trump-Wahl­siegs ver­flo­gen war und die Rei­hen neu geord­net wur­den:

„Papst Fran­zis­kus ist der neue Anfüh­rer der glo­ba­len Lin­ken“.

Es besteht kein Zwei­fel, daß es in der katho­li­sche Kir­che aus­rei­chend Gläu­bi­ge gibt, die sich lie­ber heu­te als mor­gen einen ande­ren Papst wünsch­ten. Es gibt auch sol­che Krei­se, die in Bene­dikt XVI. nach wie vor  den wirk­lich legi­ti­men Nach­fol­ger des Petrus sehen. Das ist die eine Sache. Eine ganz ande­re Sache ist aber eine Kon­spi­ra­ti­on zum Sturz von Papst Fran­zis­kus. Das weiß natür­lich auch Jason Horo­witz. Wenn er die „Sto­ry“ den­noch sug­ge­riert, dann nicht ohne Absicht. Die häu­fig­ste Absicht ist abzu­len­ken. Vor allem wird ein eher typisch lin­kes Den­ken auf die gegen­über­lie­gen­de Sei­te pro­ji­ziert. Ein Beleg mehr, daß es in- und außer­halb der Kir­che schwie­ri­ger gewor­den ist, sich gegen­sei­tig zu ver­ste­hen. Mehr noch: Auf lin­ker Sei­te scheint der Feind­bild­wahn gegen rechts so weit gedie­hen zu sein, daß nur mehr gerin­ge Ahnung vom „geg­ne­ri­schen“ Den­ken und Emp­fin­den vor­han­den ist. Es fehlt schlicht an der Bereit­schaft, sich über­haupt damit zu beschäf­ti­gen.

Der Arti­kel läßt noch etwas erken­nen: Papst Fran­zis­kus ist bestimm­ten Krei­sen des links­li­be­ra­len Estab­lish­ments wirk­lich ans Herz gewach­sen. So sehr, daß man ihn seit dem Tag sei­ner Wahl medi­al groß­zü­gig unter­stütz­te; so sehr, daß man ihn seit­her in erstaun­li­chem Maße schon­te; so sehr, daß man ihm wenn nötig sogar mit weni­ger seriö­sen Mit­teln zur Sei­te springt.

Elvina Für­stin Pal­la­vi­ci­ni

Horo­witz ver­wen­det noch eine ande­re Blau­pau­se. Er zeich­net die deut­sche Für­stin wie eine neue Für­stin Pal­la­vi­ci­ni. Von der römi­schen Für­stin (1914–2004) hieß es: Wer in ihrem Haus ver­kehrt, kann in Ita­li­en alles wer­den, sogar Staats­prä­si­dent. Die bei­den Für­stin­nen ver­bin­det vor allem die Treue und Lie­be zur katho­li­schen Kir­che. Der unter­schwel­li­ge Ver­gleich ehrt die Her­rin von Schloß St. Emmer­am. Denn eines tat die ener­gi­sche Röme­rin nicht: Weder kon­spi­rier­te sie noch woll­te sie einen Papst stür­zen. Nichts hät­te ihrem Den­ken fer­ner gele­gen, aber das scheint nicht nur Horo­witz nicht mehr zu ver­ste­hen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: NYT/Wikcommons/CR (Screen­shots)




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5 Kommentare

  1. Die NYT ist eine Waf­fe im Gei­stes­kampf der Welt­an­schau­un­gen. Über die Klün­gel der Sulz­ber­gers und Horo­wit­zens wür­de man da umge­kehrt natür­lich nie etwas lesen. Die schrei­ben eben mali­zi­ös über Hin­ter­grund­fi­gu­ri­nen eines viel­leicht kon­ser­va­ti­ven, ihnen ver­hass­ten Katho­li­zis­mus — das Glei­che über die klan­de­sti­nen Akteu­re der säku­la­ren Hau­te Jui­ve­rie kriegt man ja nir­gend­wo zu lesen.

    Was wür­de wohl ein Leon Bloy über die gegen­warts­kunst­sin­ni­ge Armen­spei­se­rin schrei­ben? Pfui, daß es das nötig hat! Mir, einem im Sin­ne von Gomez-Davilas erin­ner­tem Apho­ris­mus: Chri­stus ver­trau­en und alles ande­re mit Skep­sis anschau­en, — (hof­fent­lich) from­mem, links-reak­tio­nä­rem Agno­sti­ker sind die­se Gestal­ten alle gleich fern. Die stän­di­ge Gegen­über­stel­lung von rechts und links hier, der es eben­so um Eigen­tums­ver­hält­nis­se wie um ewi­ge Wahr­hei­ten zu gehen scheint, sowie eine Ari­sto­la­trie ein­schlä­gi­ger Krei­se stö­ren mich. Als tra­di­tio­nel­ler, aber reflek­tie­ren­der Katho­lik könn­te man doch wohl in einem nicht-mar­xi­sti­schen Sin­ne sogar auch Sozia­list sein!

    • Der Sozia­lis­mus ist eine Gegen­re­li­gi­on gegen die Wahr­heit, und die ist katho­lisch. Nur mit mas­si­ver Igno­ranz kann man die Schand­merk­ma­le des Sozia­lis­mus über­se­hen: Zer­stö­rung von Ehe und Fami­lie, räu­be­ri­sche Besteue­rung für idio­ti­sche Zwecke und die Men­schen­feind­lich­keit beweist der Kita-Wahn.
      Die ersten Toten des Sozia­lis­mus tau­chen in der Urkir­che, also im Neu­en Testa­ment auf.

  2. Papst Fran­zis­kus hat sich mit der Aus­sa­ge, daß Homo­se­xu­el­le eine Mode­er­schei­nung sei, kom­plett ins Aus geschos­sen!

  3. Es wun­dert mich nicht: sie wol­len jeden zer­stö­ren, der noch wirk­lich Christ ist. Nun auch Glo­ria von Turn und Taxis.
    Gott schüt­ze sie und ihre Fami­lie. Ich neh­me sie sofort in mein Gebet auf.
    Was hier abgeht, ist die End­zeit.

    • sie wol­len jeden zer­stö­ren, der noch wirk­lich Christ ist.

      Wir soll­ten gut über­le­gen, wer mit dem sie in die­sem Satz gemeint ist.

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