„Polen: Die geistige Mauer gegen den Islam gefällt dem Papst nicht“

Mehr als eine Million Polen haben am vergangenen Samstag eine beispiellose Aktion gesetzt, doch dem Papst "gefällt das nicht".
Mehr als eine Million Polen haben am vergangenen Samstag eine beispiellose Aktion gesetzt, doch dem Papst "gefällt das nicht".

(Rom) „Die spi­ri­tu­el­le Mau­er gegen den Islam gefällt dem Papst nicht.“ Mit die­ser Schlag­zei­le reagier­te Ita­li­ens auf­la­gen­stärk­ste Wochen­zei­tung, die katho­li­sche Famiglia Cri­stia­na am Don­ners­tag auf die Gebets­ak­ti­on von über einer Mil­li­on Polen, die am ver­gan­ge­nen Sams­tag den Rosen­kranz für die Iden­ti­tät Polens und Euro­pas „bis an die Gren­zen“ gebe­tet haben.

„Dem Papst wird inzwischen schon von allen alles zugetraut“

Merhr als eine Million Polen legten ein Bekenntnis zur eigenen Identität ab
Mehr als eine Mil­li­on Polen leg­ten am 7. Okto­ber ein Bekennt­nis zur eige­nen Iden­ti­tät ab

Ob die­se Schlag­zei­le wirk­lich die Mei­nung des Pap­stes wie­der­gibt oder ihn nur vor­aus­ei­lend inter­pre­tiert oder gar die eige­ne Mei­nung zu der des Pap­stes sti­li­siert, läßt sich nicht mit Sicher­heit sagen. Demen­tiert der Vati­kan nicht, was bedau­er­li­cher­wei­se in der Ver­gan­gen­heit schon zu oft der Fall war, sind die Wor­te zu neh­men, wie sie geschrie­ben ste­hen.

Abwe­gig ist es ja nicht, die Aus­sa­ge tat­säch­lich als jene des Pap­stes anzu­neh­men. Es ist ein Wesens­zug die­ses Pon­ti­fi­kat, daß sich eigent­lich kei­ne Sei­te wirk­lich ganz sicher sein, nicht Moder­ni­sten und nicht Tra­di­tio­na­li­sten, nicht Pro­gres­si­ve und nicht Kon­ser­va­ti­ve oder Sonst­wie-Katho­li­ken, wenn man die­se unan­ge­neh­men Scha­blo­nen bemü­hen will, in die die Kir­che immer mehr zu zer­fal­len scheint. Wört­lich sag­te ein Prä­lat über Fran­zis­kus: „Ihm wird inzwi­schen schon von allen Sei­ten alles zuge­traut“, aber kei­ner eine Garan­tie hat, daß ihn der Schein nicht viel­leicht doch trügt. Die­ser letz­te Zwei­fel will nicht wei­chen.

Am Rosenkranz kann es nicht liegen

„Der Rosen­kranz beglei­tet mit immer in mei­nem Leben.“

Die­se Wor­te schrieb der Papst vor drei Jah­ren, im Sep­tem­ber 2014 im kur­zen Vor­wort zu einem Buch sei­nes kop­tisch-katho­li­schen Sekre­tärs Yoan­nis Lah­zi Gaid.

Am 8. Okto­ber sag­te Fran­zis­kus bei einer Maria­ni­schen Gebets­vi­gil zum Hei­li­gen Jahr der Barm­her­zig­keit:

„Das Rosen­kranz­ge­bet ist in vie­ler Hin­sicht die Zusam­men­fas­sung der Geschich­te der Barm­her­zig­keit Got­tes.“

Bei der Gene­ral­au­di­enz vom 26. Okto­ber 2016 sag­te Fran­zis­kus:

„Lieb den Rosen­kranz, ein ein­fa­ches Gebet, das Geist und Herz trö­stet.“

„Betet den Rosen­kranz, er bringt Frie­den in die Kir­che und die Welt.“

Das sag­te Fran­zis­kus am ver­gan­ge­nen 18. Juni in einer Video­bot­schaft an Msgr. Mario Grech, den Bischof von Gozo zur Ent­hül­lung eines Mosa­iks in einem Mari­en­hei­lig­tum des Insel­staa­tes. Bischof Grech gehört zu den Bischö­fen, die Amo­ris lae­ti­tia im Sin­ne von Kas­per, Schön­born und Fran­zis­kus aus­le­gen und wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne zu den Sakra­men­ten zulas­sen. Die Video­bot­schaft war ein klei­ner Gun­ster­weis des Pap­stes, der als Dan­ke­schön gedeu­tet wer­den kann.

Die Polen haben genau das getan

Rosenkranz bis an die Grenzen
Rosen­kranz bis an die Gren­zen

Alle die­se Aus­sa­gen geben wie­der, was die immense Schar von Gläu­bi­gen in Polen am ver­gan­ge­nen Sams­tag, dem Rosen­kranz­fest, getan hat. Sie haben den Rosen­kranz in die Hand und vie­le auch einen wei­ten Weg auf sich genom­men und haben gemein­sam an den Gren­zen des Lan­des gebe­tet. Was „gefällt“ dem Papst dar­an nicht?

Eine lei­se Ahnung liegt schon in der Luft. Die Polen haben ihre Gebets­ak­ti­on mit kon­kre­ten Anlie­gen ver­knüpft, alles ver­ständ­li­che, ver­nünf­ti­ge und katho­li­sche Anlie­gen. Anlie­gen, die ihnen unter den Nägeln bren­nen, die ihnen wich­tig sind, so wich­tig, daß sie sich die Mühe gemacht haben, für die selbst Gläu­bi­ge in ande­ren Län­dern nicht leicht zu bewe­gen wären.

Fran­zis­kus war es, der am 8. Dezem­ber 2016, bei der Maria­ni­schen Gebets­vi­gil auf dem Peters­platz auch gesagt hat:

„Das Rosen­kranz­ge­bet führt uns nicht von den Sor­gen des Lebens weg; im Gegen­teil, es ver­langt von uns, uns in die Geschich­te aller Tage hin­ein­zu­be­ge­ben.“

Genau das haben die Polen getan. Was sonst.

Und doch „paßt“ es Fran­zis­kus nicht.

Sind es absolutistische Gedanken?

Liegt es dar­an, daß das Volk selbst die Initia­ti­ve ergrif­fen hat? Der­glei­chen stör­te abso­lu­ti­sti­sche Für­sten. Andre­as Hofer ist der katho­li­sche Volks­held der Befrei­ungs­krie­ge. Ihm haben wir als Ant­wort auf die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­ons­pa­ro­le Ein­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit den Drei­klang Für Gott, Kai­ser und Vater­land zu ver­dan­ken. Er hat sein Leben für sei­nen Kai­ser und sei­ne Hei­mat Tirol hin­ge­ge­ben. Napo­le­on unter­zeich­ne­te eigen­hän­dig sein Todes­ur­teil. Sein Gang zur Hin­rich­tung ist ein Doku­ment mensch­li­cher Grö­ße und katho­li­scher Vor­bild­lich­keit.

Und den­noch ließ man die­sen Mann auch nach dem Sieg über den Kor­sen in frem­der Erde lie­gen, denn er hat­te es gewagt, einen Volks­auf­stand anzu­füh­ren. Selbst wenn es für die rich­ti­ge Sache geschah, war das imper­ti­nent. Erst drei­zehn Jah­re nach sei­ner Hin­rich­tung brach­ten jun­ge Offi­zie­re sei­nen Leich­nam geheim nach Inns­bruck, wo man ihn – da er nun mal da war – unter gro­ßer Volks­be­tei­li­gung begra­ben las­sen muß­te. Die Offi­zie­re aber wur­den bestraft. Viel­leicht sieht es Fran­zis­kus ähn­lich.

Ein Schritt zurück: „Restaurative Kräfte… wie vor dem Konzil“

Rosenkranz bis an die Grenzen
Rosen­kranz bis an die Gren­zen

Viel­leicht hilft ein ande­rer Schritt zurück. Am 6. Juni 2013 warn­te Fran­zis­kus die Vor­stands­mit­glie­der der Latein­ame­ri­ka­ni­schen und kari­bi­schen Kon­fe­renz der Ordens­leu­te (Con­fe­der­ación Lati­no­ame­ri­ca­na y Cari­be­ña de Reli­gio­sos y Reli­gio­sas, CLAR), vor „restau­ra­ti­ven Grup­pen“. Er erzäh­le die „Anek­do­te“ nicht, „um dar­über zu lachen“, denn er habe es mit Respekt ange­nom­men, aber es „beun­ru­higt mich“. Als er zum Papst gewählt wur­de, habe er „von einer die­ser Grup­pen“ einen Brief erhal­ten: „Eure Hei­lig­keit, wir bie­ten Ihnen die­sen geist­li­chen Schatz von 3.525 Rosen­krän­zen“ an, die für den neu­en Papst gebe­tet wur­den. Fran­zis­kus dazu: „War­um sagen sie nicht ein­fach ‚Wir beten für Sie, wir bit­ten‘, aber die­se Zäh­le­rei…“ Das sei­en For­men und Prak­ti­ken, „da fühlt man sich wie 60 Jah­re zurück­ver­setzt! Vor das Kon­zil … Man fühlt sich wie im Jahr 1940… Aber nicht mehr jetzt, heu­te gibt es die nicht mehr.“

Als die Bür­ger­be­we­gung Manif pour tous Mil­lio­nen Fran­zo­sen gegen die sozia­li­sti­schen Regie­rungs­plä­ne zur Per­si­flie­rung von Ehe und Fami­lie auf die Stra­ße brach­te, wur­den sie vom Papst igno­riert. Erst ein Jahr spä­ter durf­te deren Vor­sit­zen­de in einer län­ge­ren Schlan­ge ihm nach einer mor­gend­li­chen Mes­se in San­ta Mar­ta kurz die Hand schüt­teln.

An die­ser Stel­le soll dar­auf ver­zich­tet wer­den, auf­zu­li­sten, für wen alles sich Fran­zis­kus in den ver­gan­ge­nen vier­ein­halb Jah­ren Zeit nahm, viel Zeit nahm.

Als in Ita­li­en im Janu­ar 2016 zwei Mil­lio­nen Katho­li­ken und Men­schen guten Wil­lens gegen die dor­ti­gen sozia­li­sti­schen Regie­rungs­plä­ne zur Ein­füh­rung der „Homo-Ehe“ und der Gen­der-Ideo­lo­gie an den Schu­len demon­strier­ten, zeig­te ihnen Fran­zis­kus die kal­te Schul­ter.

Auch die­se Liste lie­ße sich fort­set­zen. Auch dar­auf soll ver­zich­tet wer­den.

Kein Konflikt mit dem (linken) Zeitgeist

Kaum zum Papst gewählt, eil­te Fran­zis­kus die Kun­de aus Argen­ti­ni­en nach, daß Jor­ge Mario Ber­go­glio kei­ne öffent­li­chen Kon­flik­te mit Anders­den­ken­den mag. 2010, als die pero­ni­sti­sche Staats- und Regie­rungs­chefin Cri­sti­na Kirch­ner in Argen­ti­ni­en die „Homo-Ehe“ ein­führ­te, schrieb Ber­go­glio zwar vier weib­li­chen Klaus­ur­klö­stern in einem Brief, sie soll­ten gegen das Gesetz beten. Gleich­zei­tig schick­te er als Pri­mas des Lan­des aber die Ver­tre­ter der katho­li­schen Orga­ni­sa­tio­nen nach Hau­se, die sich an ihn gewandt hat­ten, um den Wider­stand gegen den staat­li­chen Angriff auf die Ehe und die Fami­lie zu orga­ni­sie­ren. Die Stra­te­gie Ber­go­gli­os führ­te zu einer gro­ßen Nie­der­la­ge der katho­li­schen Sache.

Die Aus­sa­ge ist zu prä­zi­sie­ren.

Um genau zu sein, mag Papst Fran­zis­kus kei­ne Kon­flik­te mit der poli­ti­schen Lin­ken und dem domi­nan­ten Zeit­geist. Alles was rechts der Mit­te liegt, wobei der Ver­lauf die­ser Linie erst noch zu defi­nie­ren wäre, ist eine ganz ande­re Sache. Die Sache soll an einem kon­kre­ten Bei­spiel ver­an­schau­licht wer­den: Papst Fran­zis­kus und in sei­nem Namen sein eng­ster Mit­ar­bei­ter­stab, allen vor­an sein poli­ti­scher Arm, Kuri­en­bi­schof Mar­ce­lo San­chez Soron­do, ein Sproß der argen­ti­ni­schen Ober­schicht, las­sen kaum eine Gele­gen­heit aus, Sym­pa­thie­be­kun­dun­gen in Rich­tung der poli­ti­schen Lin­ken aus­zu­sen­den. Damit ist das gesam­te lin­ke Spek­trum gemeint bis weit hin­ein in den Links­ra­di­ka­lis­mus. Fran­zis­kus mei­det aber kon­se­quent jede Geste für einen Poli­ti­ker rechts der ima­gi­nä­ren Mit­te, katho­lisch hin oder her, die auch nur ent­fernt als päpst­li­ches Wohl­wol­len aus­ge­legt wer­den könn­te. Wer der „fal­schen“ Par­tei ange­hört, hat jen­seits pro­to­kol­la­ri­scher Zwän­ge kei­ne Chan­ce, in den Vati­kan ein­ge­la­den zu wer­den, wo sich lin­ke und links­lin­ke Poli­ti­ker hin­ge­gen die Tür­klin­ke in die Hand geben.

Wenn schon pole­mi­siert Fran­zis­kus mit nicht-lin­ken Poli­ti­kern und liest ihnen die Levi­ten, so gesche­hen, wenn auch ohne Namens­nen­nun­gen, in Euro­pa wegen der omi­nö­sen Flücht­lings­kri­se. Die Anti­pa­thie gegen US-Prä­si­dent Donald Trump oder kon­ser­va­ti­ve Staats­män­ner Latein­ame­ri­kas ist dage­gen gera­de­zu greif­bar. Der Affront, eben­so halt­los wie pein­lich, mit dem Fran­zis­kus im Juli 2015 dem para­gu­ay­ischen Prä­si­den­ten begeg­ne­te, müß­te heu­te gera­de­zu sprich­wört­lich sein, wür­den ihn die Medi­en nicht wohl­wol­lend ver­schwei­gen. Mit die­ser unter ande­rer media­ler Groß­zü­gig­keit schei­nen sich die Medi­en­ma­cher erkennt­lich zu zei­gen.

Nun hat mehr als eine Mil­li­on Polen den Rosen­kranz für den Frie­den und die Bekeh­rung in Polen, in Euro­pa und in der Welt gebe­tet. Wenn das dem Papst „nicht gefällt“, muß es – soweit dürf­te inzwi­schen klar sein – an den Anlie­gen gele­gen haben, näm­lich ihr Gebet für die christ­li­che Iden­ti­tät Polens und Euro­pas und damit gegen die Isla­mi­sie­rung Euro­pas und gegen einen lan­des­frem­den Kolo­nia­lis­mus, wie ihn der domi­nan­te Zeit­geist im Gewand der EU oder Olig­ar­chen a là  Geor­ge Soros nach Polen zu tra­gen ver­su­chen. Die Polen sind dafür hell­hö­ri­ger als die „West­ler“ dies­seits des Eiser­nen Vor­han­ges. Sie muß­ten ab 1939 50 Jah­re lan­des­frem­den NS- und KP-Kolo­nia­lis­mus erdul­den.

Mehr­fach äußer­te sich Papst Fran­zis­kus ein­deu­tig zugun­sten eines schran­ken­lo­sen Migra­ti­ons­rech­tes. San­chez-Soron­do nann­te wirt­schaft­li­che Schlech­ter­stel­lung und Kli­ma­wan­del als berech­tig­ten Grund zur in ein Land der frei­en Wahl ein­wan­dern zu kön­nen, das dies hin­zu­neh­men habe. Am 5. Sep­tem­ber 2015 for­der­te Fran­zis­kus auf dem Höhe­punkt der „Flücht­lings­kri­se“ von den Euro­pä­ern, als bereits bekannt war, daß der größ­te Teil weder Flücht­lin­ge waren noch aus Syri­en stamm­ten:

„Nehmt alle auf, Gute und Schlech­te.“

Am 21. August ver­öf­fent­lich­te Fran­zis­kus vor­zei­tig sei­ne Bot­schaft zum Welt­tag des Migran­ten und Flücht­lings 2018. Kri­ti­ker wer­fen ihm vor, damit direkt in Ita­li­en in die poli­ti­sche Dis­kus­si­on über ein neu­es Staats­bür­ger­schafts­ge­setz ein­grei­fen zu wol­len. Sei­ne Bot­schaft sei ein Modell zur „Öff­nung von Euro­pas Toren“ mit geschei­ter­ten mul­ti­kul­tu­rel­len Metho­den.

Bereits am 9. Juli mach­te ihm der Phi­lo­soph Mar­cel­lo Pera, ehe­ma­li­ger Prä­si­dent des ita­lie­ni­schen Ober­hau­ses und per­sön­li­cher Freund von Bene­dikt XVI., schwe­re Vor­wür­fe:

„Er macht nur Poli­tik, die weder von der Ver­nunft noch vom Evan­ge­li­um gelei­tet ist. Ganz ehr­lich, die­sen Papst ver­ste­he ich nicht. Was er sagt, liegt außer­halb eines ratio­na­len Ver­ständ­nis­ses. Es ist allen offen­sicht­lich, daß eine bedin­gungs­lo­se Auf­nah­me nicht mög­lich ist. Es gibt einen kri­ti­schen Punkt, der nicht über­schrit­ten wer­den darf. Wenn der Papst die­sen kri­ti­schen Punkt nicht berück­sich­tigt, wenn er auf eine mas­si­ve und tota­le Auf­nah­me beharrt, fra­ge ich mich: War­um sagt er das? Was ist der wirk­li­che Zweck sei­ner Wor­te? War­um läßt er es selbst an einem Mini­mum an Rea­lis­mus feh­len, jenem Mini­mum, das von jedem gefor­dert ist?
Ich kann mir dar­auf nur eine Ant­wort geben: Der Papst tut es, weil er den Westen ver­ach­tet, dar­auf abzielt ihn zu zer­stö­ren und alles tut, um die­ses Ziel zu errei­chen.“

Vielleicht sollte der Papst Zeitung wechseln – Was La Repubblica schrieb

Bekannt­lich liest Papst Fran­zis­kus laut eige­ner Anga­be nur eine Tages­zei­tung täg­lich: die lin­ke La Repub­bli­ca. Der Grün­der und Spi­ri­tus rec­tor, Euge­nio Scal­fa­ri, gab erst am Mon­tag bekannt, daß er, der Athe­ist aus frei­mau­re­ri­schem Haus, und der Papst „Freun­de gewor­den“ sind.

Von die­ser „Freund­schaft“ wis­sen wir nur aus dem Mun­de Scal­fa­ris. Solan­ge aber kein Demen­ti aus dem Vati­kan erfolgt, müs­sen wir es für bare Mün­ze neh­men. Wir wis­sen jeden­falls, daß und wie Fran­zis­kus von La Repub­bli­ca über die Gebets­ak­ti­on in Polen infor­miert wur­de, zumal die haus­ei­ge­nen päpst­li­chen Medi­en sich dar­über auf­fäl­lig aus­ge­schwie­gen haben.

Was also bekam Fran­zis­kus durch La Repub­bli­ca zu lesen?

„Polen: Katho­li­sche Inte­gra­li­sten demon­strie­ren an den Gren­zen gegen die ‚Inva­si­on des Islams‘“

„‘Der Rosen­kranz an der Gren­ze‘, so nennt sich die umstrit­te­ne Akti­on der katho­li­schen, pol­ni­schen Bewe­gun­gen. Mehr als eine Mil­li­on Gläu­bi­ge, ange­führt von Bischö­fen und ange­feu­ert von Bischofs­kon­fe­renz und Regie­rung, haben gegen die Isla­mi­sie­rung Euro­pas gebe­tet, was wie eine Art Mas­sen­ex­or­zis­mus scheint. In einer fast mit­tel­al­ter­li­chen Atmo­sphä­re und in einem Land, das fak­tisch kei­ne Flücht­lin­ge beher­bergt, erscheint es unge­wöhn­lich, daß die Chri­sten ein­wan­de­rer­feind­lich und zu Boten des Has­ses wer­den. Die pol­ni­sche Kir­che bestä­tigt damit aber, daß sie auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs mit Papst Fran­zis­kus ist, der jeden Tag von den inte­gra­li­sti­schen, katho­li­schen Medi­en bean­stan­det wird, allen vor­an vom mäch­ti­gen, hyperk­le­ri­ka­len Radio Mary­ja, dem Rück­grat der Mas­sen­kund­ge­bun­gen der katho­li­schen Ultras.“

„Inte­gra­lis­mus“, im deut­schen Spra­chen weni­ger gebräuch­lich, meint in Ita­li­en nicht min­der abschät­zig den Ultra­mon­ta­nis­mus. Die nega­ti­ve Spra­che („katho­li­sche Ultras“, „Mas­sen­ex­or­zis­mus“, „mit­tel­al­ter­li­che Atmo­sphä­re“, „Boten des Has­ses“) ist ein­deu­tig.

Viel­leicht soll­te Papst Fran­zis­kus die Tages­zei­tung wech­seln.

Famiglia Cristiana und die Angst vor Nachahmern

Famiglia Cri­stia­na ist aber nicht La Repub­bli­ca, son­dern eine katho­li­sche Wochen­zei­tung und sogar die größ­te auf der Apen­ni­nen­halb­in­sel. Mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit wird sie von Papst Fran­zis­kus nicht gele­sen. Was dort geschrie­ben steht, hat einen ande­ren Adres­sa­ten, das katho­li­sche Volk. Auf­hän­ger für den Arti­kel von Alber­to Bob­bio ist das Schwei­gen der Medi­en des Pap­stes:

„Kei­ne Nach­richt in den Vati­kan-Medi­en, nicht ein­mal in der offi­zi­el­len Tages­zei­tung des Hei­li­gen Stuhls. Der Osser­va­to­re Roma­no igno­riert das ‚Gebet an den Gren­zen‘, das heißt, den ‚Mas­sen­ro­sen­kranz‘ der Polen.“

Bob­bio ent­schul­digt die­ses Ver­hal­ten sei­nes vati­ka­ni­schen Kol­le­gen:

„Was hät­te die Zei­tung von Jor­ge Mario Ber­go­glio auch ande­res tun kön­nen, dem Papst, der kei­ne Gele­gen­heit aus­läßt, um zu sagen, daß nie Mau­ern auf­zu­rich­ten, son­dern Brücken zu bau­en sind, auch geist­li­che?“

„Fran­zis­kus schätzt den Schach­zug der Polen und ihrer natio­na­li­sti­schen Regie­run­gen nicht, den jemand in Ita­li­en zu wie­der­ho­len ver­sucht.“

Im letz­ten Halb­satz liegt des Pudels Kern begra­ben, der Anlaß für den Arti­kel unter Beru­fung auf den Papst ist. In der Tat hat die pol­ni­sche Gebets­ak­ti­on vie­le Katho­li­ken in ande­ren Län­dern auf­ge­rüt­telt. Ihnen wur­de vor Augen geführt, was mög­lich und rich­tig wäre. In meh­re­ren Län­dern wird dar­über dis­ku­tiert, ob und wie man eine sol­che Akti­on über­neh­men könn­te. In Ita­li­en haben tra­di­ti­ons­treue Katho­li­ken noch am 7. Okto­ber die Initia­ti­ve ergrif­fen und für den 13. Okto­ber, dem 100. Jah­res­tag der letz­ten Mari­en­er­schei­nung in Fati­ma, zu einer Gebets­ak­ti­on „für ein christ­li­ches Euro­pa“ auf­ge­ru­fen. Bob­bio weist aus­drück­lich dar­auf hin.

Bis gestern vor­mit­tag gab es mehr als 65.000 Ein­zel­zu­grif­fe auf die Auf­for­de­rung im Inter­net.

Die­se spon­ta­ne, viel­leicht sogar über­ha­ste­te Initia­ti­ve reich­te jedoch aus, um in eini­gen kirch­li­chen Eta­gen die Alarm­glocken erklin­gen zu las­sen. Bob­bi­os Arti­kel in der Famiglia Cri­stia­na ist als Gegen­zug zu ver­ste­hen, um dem „gläu­bi­gen Volk“ in Erin­ne­rung zu rufen, was Papst Fran­zis­kus nicht will.

Ein­deu­tig fiel dar­auf die Ant­wort der Leser im Kom­men­tar­be­reich aus. Alle Kom­men­ta­re, die von Famiglia Cri­stia­na frei­ge­schal­tet wur­den, üben Kri­tik am Arti­kel, am Kurs des Vati­kans in Sachen Ein­wan­de­rung und Isla­mi­sie­rung und äußern Lob für die Polen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Famiglia Cristiana/MiL/Rozance na granic/Stiftung Gott allein genügt (Screen­shots)

 

9 Kommentare

  1. Viel­leicht soll­te nicht mehr die Unter­schei­dung gemacht wer­den zwi­schen kon­ser­va­ti­ven und pro­gres­si­ven Katho­li­ken etc., wie oben im Arti­kel beschrie­ben. Ent­we­der ein rk Christ ist rk Christ oder er ist es nicht. Das bedeu­tet eben auch, daß jeder rk Christ dies aus Über­zeu­gung ist und das annimmt, was die rk Kir­che als Grün­dung und Leib Jesu Chri­sti über­lie­fert. Jesus Chri­stus ist das Fun­da­ment und der Eck­stein der rk Kir­che; und was die­se in Überlieferung/Tradition und Bibel von unse­rem Herrn und Hei­land über­kom­men hat, das ist zu glau­ben. Wer es nicht kann, soll­te sich mal hin­ter­fra­gen. Es ist doch ein Ana­chro­nis­mus, wenn man von pro­gres­si­ven Katho­li­ken spricht, da die­se doch alles anzwei­feln, was in den 2000 Jah­ren rk Christentums/ rk Kir­che über­lie­fert wur­de. Ent­we­der es ist Jemand rk Christ oder er ist es nicht. Es gibt nur einen Herrn, der sich selbst nicht wider­spricht. Es gibt nur eine Wahr­heit, und die heißt: Jesus Chri­stus! Der Beu­ro­ner Bene­dik­ti­ner­pa­ter Dani­el Feu­ling OSB (+1947) schrieb in sei­nem Buch „Haupt­fra­gen der Meta­phy­sik“ in der Tra­di­ti­on eines Tho­mas von Aquin und eines Ari­sto­te­les fol­ge­den Satz: „Wahr­heit ist die Über­ein­stim­mung des Den­kens mit dem Sein.“

    Anson­sten ist zu sagen, daß obi­ger Arti­kel sehr aus­führ­lich ist und eine gute Zusam­men­fas­sung Fran­zis­ka­ni­schen Den­kens und Han­delns abgibt. Vie­len Dank!

  2. Man woll­te alles „ent­dog­ma­ti­sie­ren“, von daher bricht alles aus­ein­an­der, weil dadurch jede noch so klei­ne Fra­ge zu einer offe­nen Streit­fra­ge wird. Betrüb­lich ist die gei­sti­ge Mau­er des heu­ti­gen Pap­stes mit­samt des Groß­teils der west­li­chen Bischö­fe, die vor dem Grau­en ein­fach die Augen ver­schlie­ssen, und die ver­folg­te Chri­sten­heit nicht nur ver­bal im Stich lässt:
    Sr.Hatune: Die Mos­lems haben uns fast aus­ge­rot­tet. Einst gab es in der Tür­kei, aus der Sr. Hatu­ne Dogan stammt, 70 Mil­lio­nen syrisch-ortho­do­xe Chri­sten, jetzt sind es weni­ger als 500.000 !

    Die Moham­me­da­ner haben bestimm­te Mit­tel, mit denen sie die Chri­sten in die Knie zwin­gen und christ­li­che Staa­ten in moham­me­da­ni­sche mutie­ren:

    1.Gewalt und Täu­schung, damit hat Moham­med sei­ne ersten Erobe­run­gen gemacht z.B. Medi­na und dann sta­tu­ier­te er ein Exem­pel am Stamm der Qura­isch, zunächst kam er ihnen freund­lich ent­ge­gen und als sie arg­los gemacht wor­den waren, schlach­te­te er sie gna­den­los ab!

    2.Zwangskonvertierung unter Gewalt­an­dro­hung. Ent­we­der Annah­me des Islam oder Tod.

    3.Wer moham­me­da­nisch wur­de, kann nie mehr zurück. Wer das ver­sucht in moham­me­da­ni­schen Staa­ten, wird vogel­frei. Mei­stens töten die Ver­wand­ten den Delin­quen­ten wegen der Fami­li­en­schan­de. Auf Apostasie=Glaubensabfall steht der Tod. Die Ehe eines Moslems/Moslemin ist sofort geschie­den, wenn er/sie Christ wer­den soll­te, die Kin­der ver­liert er/sie auto­ma­tisch. Dann ver­fällt er/sie der Stra­fe.

    4.gezielte Ver­meh­rung gilt als ver­dienst­lich. Die Frau­en wer­den dazu auf­ge­for­dert, der moham­menda­ni­schen Gemein­schaft= Umma durch zu gebä­ren­de Kin­der zur Ver­grö­ße­rung zu ver­hel­fen, daher ist kaum eine moham­me­da­ni­sche Ehe ohne Kind. Das ist der Gebur­ten-Dschi­had.

    5.gezielte Dis­kri­mi­nie­rung der Nicht­mus­li­me. Bei Ein­füh­rung der Scha­ria ver­lie­ren die Nicht­mus­li­me ihre Rech­te, auch die Men­schen­rech­te, sie wer­den Kuf­f­ar= Unter­men­schen. Das Zeug­nis eines Chri­sten gilt nichts vor Gericht, der Mos­lem bekommt immer recht, auch wenn er den Chri­sten grund­los aus­ge­raubt, getö­tet und sein Ver­mö­gen gestoh­len hat. Ein Christ kann nicht das Ver­mö­gen eines Mos­lems erben. Gute Arbeits­plät­ze bekom­men die Mos­lems vor den Chri­sten, im Regie­rungs­ap­pa­rat sind aus­schließ­lich Mos­lems, die Leh­rer sind Regie­rungs­an­ge­stell­te und daher alle Mos­lems, die Qua­li­fi­ka­ti­on ist zweit­ran­gig. Die Liste der Dis­kri­mi­nie­rung ist ellen­lang, die Chri­sten kön­nen sich dage­gen nicht weh­ren. Sie müs­sen den Mund hal­ten und wil­lig die Kopf­steu­er = Duldungssteuer/Dschizya zah­len. Wenn sie das mal nicht mehr kön­nen, wird ihr Ver­mö­gen ein­ge­zo­gen und sie wer­den fort­ge­jagt.

    6.Die Chri­sten wer­den gezielt zer­mürbt durch bru­ta­le Ver­ge­wal­ti­gung der Frau­en und Mäd­chen und durch Ent­füh­rung der Kin­der. Die­se wer­den an streng­gläu­bi­ge Mos­lems gege­ben und umpro­gram­miert. Halb­wüch­si­ge christ­li­che Mäd­chen wer­den ent­führt und dann an moham­me­da­ni­sche älte­re Män­ner zwangs­ver­hei­ra­tet. Ihre Eltern bekom­men sie gar nicht mehr zu Gesicht, ihnen wird nur gesagt, die Toch­ter wäre kon­ver­tiert und nun ver­hei­ra­tet (mit 12 und 13 Jah­ren).

  3. Gebets­ak­ti­on an der Gren­ze.
    Befürch­tet da jemand Nach­ah­mer? Die unter dem „Flüchtlings“-ansturm am mei­sten lei­den­den ita­lie­ni­schen Gemein­den könn­ten sich viel­leicht besin­nen und gemein­sam gewalt­frei weh­ren?

  4. Die Polen haben das von der EU sank­tio­nell pro­vo­zier­te Russ­land vor der Tür, sie leben teil­wei­se noch in Armut im Ver­gleich zu uns Mit­tel­eu­ro­pä­ern, es geht ihnen nicht „zu gut“ und dar­um haben sie den Blick auf die wah­ren Pro­ble­me der heu­ti­gen Zeit nicht ver­lo­ren. Geht es Men­schen zu gut, ver­lie­ren sie den Blick auf das Wich­ti­ge und Wesent­li­che, fal­len vom Glau­ben ab und dann ist auch der Rosen­kranz unwich­tig. Ganz anders ist es bei den Polen und das ist schön zu sehen.
    Von einem Papst wür­de ich mir des Amtes wegen erwar­ten, die­se wun­der­ba­re und gro­ße Akti­on freu­dig anzu­er­ken­nen und zu befür­wor­ten. Aber bis jetzt gab es kei­ne Stel­lung­nah­me von Papst Fran­zis­kus. Was lei­der zu gut zu sei­nem bis­he­ri­gen Pon­ti­fi­kat passt.

  5. Herz­li­chen Dank für die­sen sehr detail­lier­ten Arti­kel.
    Die Schil­de­rung der Gebets­ak­ti­on in Polen (inzwi­schen über die treu­ka­tho­li­schen elek­tro­ni­schen Medi­en und bei den vie­len pol­ni­schen Gläu­bi­gen in Deutsch­land gut bekannt), das Tot­schwei­gen in den offi­zi­el­len vati­ka­ni­schen Medi­en, die Zita­te und Aktio­nen von Bergoglio/Franziskus und die aus­führ­li­che Infor­ma­ti­on über die ver­schie­de­ne ita­lie­ni­sche Zei­tun­gen sind äusserst wich­tig.

  6. Haben Sie Papst Fran­zis­kus eigent­lich mal öffent­lich den Rosen­kranz beten gese­hen?
    Ich jeden­falls kann mich dar­an nicht erin­nern — im Gegen­satz zu sei­nen bei­den Vor­gän­gern.

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