Das Martyrium des hl. Karl Lwanga: Botschaft für die Kirche — auch für Papst und Bischöfe

Heiliger Karl Lwanga, bitte für uns (Internetseite der Philippinischen Bischofskonferenz)
Heiliger Karl Lwanga, bitte für uns (Internetseite der Philippinischen Bischofskonferenz)

von Wolf­ram Schrems*

Das Fol­gen­de gibt einen Vor­trag wie­der, den MMag. Wolf­ram Schrems zur Vor­be­rei­tung auf eine Votiv­mes­se zu Ehren des hei­li­gen Karl Lwan­ga und sei­ner Gefähr­ten am 7. Juni 2016 auf Ein­la­dung von Una Voce Austria im Pfarr­saal der Pfar­re St. Karl Bor­ro­mä­us in Wien gehal­ten hat. Der Text wur­de vom Autor selbst bear­bei­tet.

Hoch­wür­di­ge Her­ren!
Sehr geehr­te Damen und Her­ren, lie­be Freun­de!

Ich dan­ke den Ver­an­stal­tern für die Ein­la­dung zu den ugan­di­schen Mär­ty­rern zu spre­chen. Denn erstens ist es immer eine Ehre in die­sem Rah­men zu spre­chen und zwei­tens erlaub­te mir die Auf­ga­ben­stel­lung eine inten­si­ve­re Beschäf­ti­gung mit Glau­bens­zeu­gen, die uns – etwa 150 Jah­re spä­ter und in einer ande­ren Welt­ge­gend – vie­les zu sagen haben.

Die Bio­gra­phie Karl Lwan­gas war mir per­sön­lich nicht näher bekannt. Ich erin­ne­re mich aber an ein Denk­mal, das ich 1999 in Fri­bourg im Vor­gar­ten des Hau­ses der Wei­ßen Väter gese­hen habe. Ich glau­be auch, mich an ein Pla­kat im Schau­ka­sten der Kar­me­li­ter­kir­che mei­ner Hei­mat­stadt erin­nern zu kön­nen, als mir der Name das erste Mal unter­kam. Es ist daher nicht so, daß der Hei­li­ge ein alter Bekann­ter gewe­sen wäre oder gar einer, zu dem ich eine beson­de­re inne­re Bezie­hung gehabt hät­te. Die nähe­re Beschäf­ti­gung eröff­ne­te mir aber eine wei­te­re Facet­te der Hei­lig­keit, die in der Kir­che exi­stiert. Ein jun­ger Mensch, der schon rein mensch­lich gese­hen, Vor­bild für ande­re war – und der unter dem Ein­fluß der Gna­de zum Hei­li­gen und zum über­na­tür­li­chen Vor­bild wur­de. Sehr ein­drucks­voll.

Ich erin­ne­re mich auch dun­kel an einen ugan­di­schen Prie­ster, der in Inns­bruck stu­dier­te. Ich hat­te prak­tisch kei­nen Kon­takt zu ihm. Aber er hat­te eine gute Aus­strah­lung. Kann man sagen, daß das Mar­ty­ri­um des hl. Karl und sei­ner Gefähr­ten bis heu­te in der Kir­che Ugan­das wei­ter­wirkt? Höchst­wahr­schein­lich schon! Höchst­wahr­schein­lich auch weit über die Gren­zen Ugan­das hin­aus. Mit dem heu­ti­gen Tag wirkt die Bot­schaft Karl Lwan­gas sogar bis Wien.

Von daher dan­ke ich dem Ver­an­stal­ter für die­se sehr spe­zi­fi­sche Hori­zont­er­wei­te­rung einer­seits, für die Mög­lich­keit als Mul­ti­pli­ka­tor einer wich­ti­gen und erha­be­nen Bot­schaft die­nen zu kön­nen, ande­rer­seits.

Noch ein­mal ande­rer­seits bedau­re ich aller­dings, im Zuge der fol­gen­den Über­le­gun­gen auch Kri­tik üben zu müs­sen: Kri­tik an einer Hier­ar­chie, die seit dem Amts­an­tritt von Papst Fran­zis­kus neu­er­dings auch von ganz oben Glau­ben und Moral unter­gräbt und für pro­fun­de Ver­wir­rung sorgt. Kri­tik ist nie erfreu­lich und nie Selbst­zweck. Sie muß aber als dis­cre­tio spi­ri­tu­um, als Unter­schei­dung der Gei­ster, fall­wei­se geübt wer­den, um Glau­ben­de in der Wahr­heit zu bestär­ken, Zwei­feln­den Halt zu geben und Suchen­de in ihrer Suche nach der Wahr­heit zu hel­fen. Viel­leicht sogar, um die Irren­den oder die Bös­wil­li­gen zur Umkehr zu bewe­gen. Denn, daß die­je­ni­gen, die als Hir­ten und Leh­rer der Kir­che Irr­leh­ren ver­brei­ten, ihre See­len in Gefahr brin­gen, ist ganz offen­kun­dig.

Sagen wir so: Hät­ten sich die ugan­di­schen Mär­ty­rer am Rela­ti­vis­mus von Papst Fran­zis­kus und Kar­di­nal Schön­born ori­en­tiert, wäre es höchst­wahr­schein­lich gar nicht zum Mar­ty­ri­um gekom­men. Sie hät­ten Kom­pro­mis­se geschlos­sen. Oder sie wären gleich über­haupt erst gar nicht Chri­sten gewor­den.

Das ist auch die Grund­aus­sa­ge mei­ner Betrach­tun­gen: Die ugan­di­schen Mär­ty­rer sind Zeu­gen der Gebo­te Got­tes, die man heu­te in der Hier­ar­chie der Kir­che auf unsäg­li­che Wei­se rela­ti­viert. Das betrifft vor allem das Erste Gebot und das betrifft die Leh­re vom in sich Bösen, vom intrin­se­ce malum. Johan­nes Paul II. hat in sei­ner Enzy­kli­ka Veri­ta­tis Sple­ndor von 1993 über die Moral­theo­lo­gie beson­ders beklagt, daß die Moral­theo­lo­gen kein intrin­se­ce malum mehr aner­ken­nen. Wie man an den Aus­sa­gen Kar­di­nal Schön­borns zur „Gra­dua­li­tät“ sieht, ist die­se Hal­tung tief in die Kir­chen­hier­ar­chie ein­ge­drun­gen. Das ist zwar schon län­ger so, aber unter Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI. haben sich vie­le noch nicht offen zu äußern gewagt.

Die hei­li­gen ugan­di­schen Mär­ty­rer sind durch ihr Zeug­nis daher auch eine Ankla­ge an eine ver­wirr­te, fei­ge oder apost­asier­te Hier­ar­chie.

Da wir jetzt nur etwa vier­zig Minu­ten Zeit haben, bit­te ich um Ver­ständ­nis, daß ich mich in etwas kom­pri­mier­ter Form fas­sen muß.

Der Plan der Aus­füh­run­gen ist daher fol­gen­der:

Erstens eine kur­ze Dar­stel­lung des Lebens von Karl Lwan­ga und Gefähr­ten. Zwei­tens eine moral­theo­lo­gi­sche Erklä­rung zum intrin­se­ce malum, aus­ge­hend von Veri­ta­tis Sple­ndor, und deren Kon­tra­stie­rung mit dem geschwät­zi­gen Text von Amo­ris Lae­ti­tia. Und drit­tens möch­te ich eini­ge über­ra­schen­de Beob­ach­tun­gen zum Kampf der Moder­ni­sten gegen den Begriff der Sün­de über­haupt aus­wer­ten. Denn die Schön­born­sche Anwen­dung der Gra­dua­li­tät auf das in sich Schlech­te, das intrin­se­ce malum, ist nicht neu.

Es ist die alte Irr­leh­re der Gno­sti­ker.

Gehen wir daher zum ersten Punkt.

1. Zum Leben und Martyrium von Karl Lwanga

Mei­ne Inter­net­re­cher­chen zei­gen die wesent­li­chen Ereig­nis­se des Lebens des Hei­li­gen ((DACB: Ugan­da; Wiki­pe­dia: Charles Lwan­ga. Vgl. a. Hei­li­gen­le­xi­kon: Karl Lwan­ga (Stand: 14.06.16) )), wenn­gleich mir man­che Details nicht ganz klar schei­nen. Ich rekon­stru­ie­re die Ereig­nis­se aus Dic­tion­a­ry of Afri­can Chri­sti­an Bio­gra­phy und Wiki­pe­dia:

Karl Lwan­ga wur­de 1860 oder 1865 im König­reich Bug­an­da, dem süd­li­chen Teil des heu­ti­gen Staa­tes Ugan­da, in eine heid­ni­sche Fami­lie und eine heid­ni­sche Gesell­schaft gebo­ren. Sei­ne gewin­nen­de Per­sön­lich­keit war der Grund dafür, daß er 1884 für alle könig­li­chen Pagen in der Gro­ßen Audi­enz­hal­le von König Mwan­ga II. ver­ant­wort­lich wur­de. Dabei gewann er das Ver­trau­en und die Sym­pa­thie sei­ner ihm Anver­trau­ten. Sein unmit­tel­ba­rer Vor­ge­setz­ter, der künf­ti­ge Mär­ty­rer Joseph Bali­kud­dem­be Muka­sa, ein Kate­chist, ver­ließ sich mehr und mehr auf Lwan­ga in der Aus­bil­dung und Füh­rung der Pagen. Er ver­ließ sich auch dar­auf, daß Lwan­ga sie von den bösen Ein­flüs­sen am Hof beschütz­te. Der König hat­te vie­le Frau­en, ver­ging sich aber auch an den Pagen. Hier zeigt das Hei­den­tum sei­ne unbe­herrsch­te Maß­lo­sig­keit – Macht und Lust, die Ver­su­chun­gen des Teu­fels für die Skru­pel­lo­sen.

Karl Lwanga und Gefährten
Karl Lwan­ga und Gefähr­ten

Das will man ange­sichts irrea­ler Afri­ka-Roman­tik in unse­ren Tagen nicht wahr­ha­ben. Es ist unfaß­bar, wie Afri­ka-Ver­an­stal­tun­gen in Wien explo­si­ons­ar­tig zuge­nom­men haben. Alle sind sie heid­nisch, alle sind sie impli­zit oder expli­zit offen für das Böse (so beim Afri­ka-Fest auf der Donau­in­sel vor etwa drei oder vier Jah­ren, bei der ein Tän­zer „die Schön­heit des Satans“ dar­zu­stel­len vor­gab). Der Rück­fall in das Hei­den­tum ist hier beson­ders tra­gisch, da die Ver­kün­di­gung der Wahr­heit in Afri­ka rela­tiv rezent ist (von Ägyp­ten und Äthio­pi­en abge­se­hen) und teil­wei­se auch nicht tief gegan­gen ist. Seit dem Kon­zil ist man auch inner­halb der Kir­che dazu geneigt, das Hei­den­tum zu roman­ti­sie­ren und zu beschö­ni­gen. Digni­ta­tis huma­nae des II. Vati­can­ums bot dazu die ideo­lo­gi­sche Grun­die­rung. Das ist natür­lich Ver­rat am Auf­trag Jesu Chri­sti.

Aber zurück zu den Ereig­nis­sen:

Füh­rer der ugan­di­schen Katho­li­ken war der gera­de genann­te Lai­en­ka­te­chist Joseph Bali­kud­dem­be Muka­sa, Major­domus des Königs. Joseph kri­ti­sier­te den König wegen der Ermor­dung angli­ka­ni­scher Chri­sten. Dar­auf­hin ließ ihn der König ent­haup­ten und ernann­te Karl Lwan­ga zum Nach­fol­ger von Joseph Muka­sa als Vor­ste­her der Pagen. Das war am 15. Novem­ber 1885. Am sel­ben Tag gin­gen Karl Lwan­ga und ande­re könig­li­che Die­ner, deren Leben in Gefahr war, weil sie Katechu­me­nen waren, zur Katho­li­schen Mis­si­on und wur­den von Pater Sime­on Lour­del getauft (ande­re Inter­net­in­for­ma­tio­nen sagen es war Pà¨re Giraud). Am näch­sten Tag ver­sam­mel­te der König, der vor den Chri­sten Angst hat­te, weil er mein­te, die Mis­sio­nie­rung wäre eine Stra­te­gie der Euro­pä­er, sein König­reich zu unter­wan­dern, alle Pagen und for­der­te sie unter Todes­dro­hun­gen auf, ihren christ­li­chen Glau­ben zu beken­nen. Alle, und zwar Katho­li­ken und Angli­ka­ner, außer drei, taten das. König Mwan­ga war von die­sem Mut über­rascht und zöger­te noch. Mehr­fach ver­such­te der König, die Pagen ein­zu­schüch­tern. Katho­li­sche und angli­ka­ni­sche Mis­sio­na­re ver­such­ten ver­geb­lich, auf den König Ein­fluß aus­zu­üben (ein Angli­ka­ni­scher „Bischof“ ((Die Kir­che betrach­tet die angli­ka­ni­schen Wei­hen als nich­tig. Das wur­de 1896, Apo­sto­li­sches Schrei­ben Apo­sto­li­cae Curae, von Papst Leo XIII., fest­ge­stellt. Das schließt nicht aus, daß sich angli­ka­ni­sche Chri­sten, wie genann­ter James Han­ning­ton, in vor­bild­li­cher Wei­se für den christ­li­chen Glau­ben ein­setz­ten — und noch ein­set­zen. Es sei beson­ders an C. S. Lewis (1898 – 1963) erin­nert. In der Gegen­wart betreibt etwa der angli­ka­ni­sche Pastor Gor­don Hick­son, Oxford, eine vor­bild­li­che Mis­si­on unter den Mus­li­men.)), James Han­ning­ton, war bereits der Mord­lust des Königs zum Opfer gefal­len). Karl Lwan­ga erklär­te dem König gegen­über sei­ne Loya­li­tät (und wies die Unter­stel­lun­gen, er wür­de die Wei­ßen begün­sti­gen, zurück).

Ugandas Märtyrer, Kirchenfenster
Ugan­das Mär­ty­rer, Kir­chen­fen­ster

Nach einem Brand im könig­li­chen Palast am 22. Febru­ar 1886 ver­leg­te König Mwan­ga sei­ne Resi­denz in sein Jagd­haus am Vic­to­ria­see. Karl Lwan­ga schütz­te auch hier die Pagen vor den homo­se­xu­el­len Auf­dring­lich­kei­ten des Königs und berei­te­te sich auf das mög­li­che Mar­ty­ri­um vor. Zu die­ser Zeit hat Mwan­ga die Zustim­mung sei­ner Für­sten für ein Mas­sa­ker an den Chri­sten erhal­ten. In der Zwi­schen­zeit tauf­te Karl Lwan­ga fünf von den viel­ver­spre­chend­sten Katechu­me­nen. Am 26. Mai betra­ten die Pagen den könig­li­chen Hof, um ihr Urteil zu erhal­ten. Sie wur­den wie­der­um auf­ge­for­dert ihren Glau­ben zu beken­nen. Das taten sie auch und erklär­ten, sie wären eher bereit zu ster­ben, als ihren Glau­ben zu ver­leug­nen. König Mwan­ga befahl, daß alle, 16 Katho­li­ken und 10 Angli­ka­ner, in Namu­go­n­go leben­dig ver­brannt wer­den soll­ten. Der Mis­sio­nar Lour­del war ver­zwei­felt und war­te­te ver­geb­lich auf eine Audi­enz. Er bemerk­te die Ruhe der Todes­kan­di­da­ten und vor allem ihre freu­di­ge Dis­po­si­ti­on ange­sichts des Todes.

Wei­te­re Inter­ven­tio­nen katho­li­scher und angli­ka­ni­scher Mis­sio­na­re blie­ben frucht­los.

Am 3. Juni wur­de Karl Lwan­ga vor den ande­ren Mär­ty­rern hin­ge­rich­tet. Er wur­de in eine Schilf­mat­te gewickelt und bekam ein Joch um den Hals gespannt. Um ihn mehr zu quä­len, wur­den erst sei­ne Bei­ne völ­lig ver­brannt, bis man das Feu­er den Rumpf errei­chen ließ. Dem spot­ten­den Hen­ker ant­wor­te­te Karl: „Du ver­brennst mich, aber es ist, wie wenn du Was­ser über mei­nen Leib gießt. Bekeh­re dich und wer­de auch ein Christ.“ Dann bete­te er ruhig wei­ter. Kurz vor dem Ende rief er laut „Mein Gott!“

Eini­ge Tage nach sei­nem Tod wur­den die ande­ren Ver­ur­tei­len ver­brannt.

Lwan­ga wur­de mit 21 ande­ren Mär­ty­rern von Papst Bene­dikt XV. 1920 selig­ge­spro­chen. Alle 22 wur­den dann von Papst Paul VI. 1964 kano­ni­siert. 1969 leg­te Paul VI. den Grund­stein für das Hei­lig­tum in Namu­go­n­go, wo das Mar­ty­ri­um statt­ge­fun­den hat­te. Das Hei­lig­tum wur­de am Todes­tag des Hei­li­gen, am 3. Juni 1975, von einem päpst­li­chen Lega­ten, Kar­di­nal Ser­gio Pig­ne­do­li, ein­ge­weiht.

Soweit zur Bio­gra­phie des Mär­ty­rers.

Damit zum zwei­ten Punkt:

2. Das Zeugnis der Ugandischen Märtyrer für die Wahrheit

Karl Lwan­ga und Gefähr­ten spre­chen mit ihrem Mar­ty­ri­um heu­te in eine dunk­le Zeit hin­ein. Denn heu­te ist es nicht so wie zu ihren Leb­zei­ten, daß es ein­fach heid­ni­sche König­rei­che gab, die von Jesus Chri­stus nichts wuß­ten – und auch nichts wis­sen woll­ten. Heu­te ist die Situa­ti­on viel schlech­ter. Denn wir haben es mit dem Phä­no­men der Apost­asie zu tun. Der Abfall vom Glau­ben ist kla­rer­wei­se viel schlim­mer und schänd­li­cher als der Zustand des­sen, der nie geglaubt hat. Das betrifft nicht nur die Indi­vi­du­en, son­dern auch die Natio­nen. Und es betrifft die Hier­ar­chie der Kir­che.

Der Petersdom in Rom
Der Peters­dom in Rom

Wie ange­kün­digt soll hier auf die Enzy­kli­ka Veri­ta­tis Sple­ndor von Papst Johan­nes Paul II. zurück­ge­grif­fen wer­den, um die mora­li­sche und moral­theo­lo­gi­sche Kri­se der Kir­che zu behan­deln. Dabei ist es nicht so, daß das Pon­ti­fi­kat von Johan­nes Paul II. unter jeder Rück­sicht sehr glück­lich gewe­sen wäre. Dok­tri­nä­re Unschär­fen (ein­schließ­lich die inter­re­li­giö­sen Tref­fen von Assi­si und der berüch­tig­te Koran­kuß) und per­so­nal­po­li­ti­sches Zögern sowie die Nicht-Umset­zung der Bot­schaft von Fati­ma las­sen die­ses Pon­ti­fi­kat ambi­va­lent erschei­nen – unge­ach­tet vie­ler Ver­dien­ste des pol­ni­schen Pap­stes. Zu die­sen gehört eben die Enzy­kli­ka von 1993. Auch die­se ist nicht schlecht­hin per­fekt, vor allem die Anknüp­fung an Digni­ta­tis Huma­nae des II. Vati­can­ums erscheint gezwun­gen und von Wunsch­vor­stel­lun­gen inspi­riert zu sein. Aber es ist ein tief­sin­ni­ger, spi­ri­tu­el­ler und theo­lo­gisch aus­sa­ge­kräf­ti­ger Text. Lei­der stieß er im deut­schen Sprach­raum auf haß­er­füll­te Ableh­nung. Davon bin ich aus Inns­brucker Tagen Ohren­zeu­ge. ((Zu die­sem The­ma vgl. mei­ne Aus­füh­run­gen in: Der Jesu­it auf dem Papst­thron — Von zwei Kata­stro­phen in einer Per­son (3. Teil/2) ))

Johan­nes Paul stellt für sei­ne Zeit eine Kri­se um die Wahr­heit fest (32). Damit wird auch das ursprüng­li­che Ver­ständ­nis des Gewis­sens auf­ge­ge­ben, das Gewis­sen in eine auto­no­me Instanz der Norm­ge­bung umge­lo­gen. So ist es ja auch heu­te üblich.

Ich zitie­re in die­sem Zusam­men­hang aus Num­mer 32:

Nach­dem die Idee von einer für die mensch­li­che Ver­nunft erkenn­ba­ren uni­ver­sa­len Wahr­heit über das Gute ver­lo­ren gegan­gen war, hat sich unver­meid­lich auch der Begriff des Gewis­sens gewan­delt; das Gewis­sen wird nicht mehr in sei­ner ursprüng­li­chen Wirk­lich­keit gese­hen, das heißt als ein Akt der Ein­sicht der Per­son, der es obliegt, die all­ge­mei­ne Erkennt­nis des Guten auf eine bestimm­te Situa­ti­on anzu­wen­den und so ein Urteil über das rich­ti­ge zu wäh­len­de Ver­hal­ten zu fäl­len; man stell­te sich dar­auf ein, dem Gewis­sen des Ein­zel­nen das Vor­recht zuzu­ge­ste­hen, die Kri­te­ri­en für Gut und Böse auto­nom fest­zu­le­gen und dem­entspre­chend zu han­deln. Die­se Sicht ist nichts ande­res als eine indi­vi­dua­li­sti­sche Ethik, auf­grund wel­cher sich jeder mit sei­ner Wahr­heit, die von der Wahr­heit der ande­ren ver­schie­den ist, kon­fron­tiert sieht. In sei­nen äußer­sten Kon­se­quen­zen mün­det der Indi­vi­dua­lis­mus in die Ver­nei­nung sogar der Idee einer mensch­li­chen Natur.

Aus der Ana­ly­se der Kri­sen­sym­pto­me kommt der Papst zur kla­ren Wei­sung, daß die Moral­theo­lo­gen selbst­ver­ständ­lich an der Leh­re vom intrin­se­ce malum fest­zu­hal­ten haben.

Es gibt Taten, die in sich böse und daher nicht zu recht­fer­ti­gen sind. Sie kön­nen auch nicht „geret­tet“ wer­den, indem man dem Täter gute Moti­ve unter­stellt.

Der Papst bekräf­tigt die Leh­re vom Natur­recht. Die­se ist den pro­gres­si­ven Theo­lo­gen, die sich men­ta­li­täts­mä­ßig der Frei­mau­re­rei und deren absur­dem Eigen­dün­kel ver­pflich­tet füh­len (übri­gens ist das auch eine der gif­ti­gen Früch­te Kants), erfah­rungs­ge­mäß nur einen ver­ächt­li­chen Lacher wert. Das Natur­recht ist aber eine Ein­rich­tung der Weis­heit Got­tes und ist jedem Men­schen ins Herz geschrie­ben (nach Röm 2,15).

Das Natur­recht läßt erken­nen, daß das Leben des ande­ren, sei­ne Sexua­li­tät und sein Eigen­tum zu schüt­zen ist. Es läßt auch erken­nen, daß die Wahr­heit unbe­ding­te For­de­run­gen an den Men­schen stellt und die Lüge immer etwas ver­werf­li­ches ist. Das Natur­recht hat im 20. Jahr­hun­dert in den Per­so­nen von Johan­nes Mess­ner und – beson­ders wich­tig, da leicht zu popu­la­ri­sie­ren – von C. S. Lewis (Aboli­ti­on of Man) wich­ti­ge Ver­tei­di­ger gefun­den. In unse­rem Jahr­hun­dert hat Wolf­gang Wald­stein mit sei­nem Werk Ins Herz geschrie­ben einen nicht zu über­schät­zen­den Bei­trag gelei­stet. Papst Bene­dikt XVI. hat es mehr­fach zitiert.

Johan­nes Paul sagt in den ein­schlä­gi­gen Para­gra­phen sei­ner Enzy­kli­ka zum in sich Schlech­ten (in Aus­zü­gen):

80. Nun bezeugt die Ver­nunft, daß es Objek­te mensch­li­cher Hand­lun­gen gibt, die sich »nicht auf Gott hino­rd­nen« las­sen, weil sie in radi­ka­lem Wider­spruch zum Gut der nach sei­nem Bild geschaf­fe­nen Per­son ste­hen. Es sind dies die Hand­lun­gen, die in der mora­li­schen Über­lie­fe­rung der Kir­che »in sich schlecht« (intrin­se­ce malum), genannt wur­den: Sie sind immer und an und für sich schon schlecht, d.h. allein schon auf­grund ihres Objek­tes, unab­hän­gig von den wei­te­ren Absich­ten des Han­deln­den und den Umstän­den. Dar­um lehrt die Kir­che — ohne im gering­sten den Ein­fluß zu leug­nen, den die Umstän­de und vor allem die Absich­ten auf die Sitt­lich­keit haben -, daß »es Hand­lun­gen gibt, die durch sich selbst und in sich, unab­hän­gig von den Umstän­den, wegen ihres Objekts immer schwer­wie­gend uner­laubt sind«. (…) »Was zum Leben selbst in Gegen­satz steht, wie jede Art von Mord, Völ­ker­mord, Abtrei­bung, Eutha­na­sie und auch der frei­wil­li­ge Selbst­mord; was immer die Unan­tast­bar­keit der mensch­li­chen Per­son ver­letzt, wie Ver­stüm­me­lung, kör­per­li­che oder see­li­sche Fol­ter und der Ver­such, psy­chi­schen Zwang aus­zu­üben; was immer die mensch­li­che Wür­de angreift, wie unmensch­li­che Lebens­be­din­gun­gen, will­kür­li­che Ver­haf­tung, Ver­schlep­pung, Skla­ve­rei, Pro­sti­tu­ti­on, Mäd­chen­han­del und Han­del mit Jugend­li­chen, sodann auch unwür­di­ge Arbeits­be­din­gun­gen, bei denen der Arbei­ter als blo­ßes Erwerbs­mit­tel und nicht als freie und ver­ant­wort­li­che Per­son behan­delt wird: all die­se und ande­re ähn­li­che Taten sind an sich schon eine Schan­de; sie sind eine Zer­set­zung der mensch­li­chen Kul­tur, ent­wür­di­gen weit mehr jene, die das Unrecht tun, als jene, die es erlei­den. Zugleich sind sie in höch­stem Maße ein Wider­spruch gegen die Ehre des Schöp­fers«.

(…) »Wenn es auch in der Tat zuwei­len erlaubt ist, ein sitt­li­ches Übel hin­zu­neh­men, in der Absicht, damit ein grö­ße­res Übel zu ver­hin­dern oder ein höhe­res sitt­li­ches Gut zu för­dern, ist es doch nicht erlaubt, nicht ein­mal aus sehr schwer­wie­gen­den Grün­den, das sitt­lich Schlech­te zu tun, damit dar­aus das Gute her­vor­ge­he (vgl. Röm 3, 8), d.h. etwas zum Gegen­stand eines posi­ti­ven Wil­lens­ak­tes zu machen, was an sich Unord­nung besagt und daher der mensch­li­chen Per­son unwür­dig ist (…).

81. Wenn die Kir­che das Bestehen »in sich schlech­ter« Hand­lun­gen lehrt, greift sie die Leh­re der Hei­li­gen Schrift auf. Der Apo­stel stellt kate­go­risch fest: »Täuscht euch nicht! Weder Unzüch­ti­ge noch Göt­zen­die­ner, weder Ehe­bre­cher noch Lust­kna­ben, noch Kna­ben­schän­der, noch Die­be, noch Hab­gie­ri­ge, kei­ne Trin­ker, kei­ne Läste­rer, kei­ne Räu­ber wer­den das Reich Got­tes erben« (1 Kor 6, 9–10). ((Die Zita­te aus den kirch­li­chen Doku­men­ten stam­men von der offi­zi­el­len Vati­kan­sei­te www.vatican.va.))

Dar­aus geht ohne wei­te­res her­vor, daß die hei­li­gen Mär­ty­rer von Ugan­da rich­tig gehan­delt haben, als sie den Göt­zen­dienst ihrer heid­ni­schen Umge­bung ver­lie­ßen und Chri­sten gewor­den sind. Sie haben auch rich­tig gehan­delt, als sie die homo­se­xu­el­len Über­grif­fe des Königs kri­ti­siert und letzt­lich in eige­ner Per­son abge­wie­sen haben. Es gibt hier nichts zu dis­ku­tie­ren. ((Vgl. KKK 1867: „Die kate­che­ti­sche Tra­di­ti­on erin­nert auch dar­an, daß es him­mel­schrei­en­de Sün­den gibt. Zum Him­mel schrei­en das Blut Abels, die Sün­de der Sodo­mi­ten [Gen 18, 20; 19, 13], die lau­te Kla­ge des in Ägyp­ten unter­drück­ten Vol­kes, die Kla­ge der Frem­den, der Wit­wen und Wai­sen und der den Arbei­tern vor­ent­hal­te­ne Lohn.“ In einem latei­ni­schen Merk­vers liest sich das so: Cla­mi­tat ad coel­um / vox san­gui­nis et sodo­morum, / vox oppres­sorum, / mer­ces detenta labo­rum.)) Das Gebot Got­tes ist, wie es ist. Es gilt für jeden. Wer es über­tritt, belei­digt die Ehre Got­tes und scha­det sich selbst. Der Süh­ne­tod Chri­sti wird dann am ein­zel­nen unwirk­sam, wenn der ein­zel­ne sich nicht durch sein Han­deln der Erlö­sung wür­dig erweist.

Dem steht das ufer­lo­se Geschwätz, das der­zeit aus Rom und schon gut fünf­zehn Jah­re aus dem erz­bi­schöf­li­chen Palais in Wien kommt, radi­kal ent­ge­gen. De fac­to haben Papst Fran­zis­kus und Kar­di­nal Schön­born, die bei eini­gen sti­li­sti­schen Unter­schie­den doch Gei­stes­ver­wand­te sind, eine rela­ti­vi­sti­sche Situa­ti­ons­ethik ein­ge­führt, mit der man prak­tisch alles recht­fer­ti­gen kann.

Ist es nicht ver­wun­der­lich, daß ledig­lich elf Jah­re nach dem Tod von Johan­nes Paul II. von Kar­di­nal Schön­born, immer­hin einst Redak­ti­ons­se­kre­tär des Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che unter dem­sel­ben Johan­nes Paul, die posi­ti­ven Antei­le von des­sen Erbe völ­lig ver­spielt wor­den sind? Denn in den letz­ten Jah­ren sagt er das Gegen­teil von dem, was er frü­her gesagt hat. Es ist auch bekannt, daß er gegen­über „from­men Leu­ten“, „Fans“ und Semi­na­ri­sten ganz anders spricht als in der Öffent­lich­keit. Die­se Zer­ris­sen­heit muß ihm schwer zu schaf­fen machen. Ab und zu kommt das auch durch. Aber das ist ein ande­res The­ma. ((Zu die­sem The­men­kom­plex vgl. Die Flücht­lin­ge und die Ver­wir­run­gen der Kir­chen­hier­ar­chie und Die Kir­che und der Flücht­lings-Irr­sinn.))

Daher noch ein­mal zu Veri­ta­tis Sple­ndor, wo Johan­nes Paul II. klar for­mu­lier­te:

Die Kir­che legt das Bei­spiel zahl­rei­cher Hei­li­ger vor, die die sitt­li­che Wahr­heit gepre­digt und bis zum Mar­ty­ri­um ver­tei­digt oder den Tod einer ein­zi­gen Tod­sün­de vor­ge­zo­gen haben. Indem die Kir­che sie zur Ehre der Altä­re erhob, hat sie ihr Zeug­nis bestä­tigt und ihre Über­zeu­gung für rich­tig erklärt, wonach die Lie­be zu Gott auch unter den schwie­rig­sten Umstän­den die Ein­hal­tung sei­ner Gebo­te und die Wei­ge­rung, sie zu ver­ra­ten — und sei es auch mit der Absicht, das eige­ne Leben zu ret­ten — ver­bind­lich ein­schließt (91).

Kei­ne Rede von Gra­dua­li­tät und Kom­pro­mis­sen! Wir müs­sen aller­dings auch dar­um beten, nicht in die Ver­su­chung einer sol­chen Situa­ti­on geführt zu wer­den.

Auch ohne blu­ti­ges oder feu­ri­ges Mar­ty­ri­um kann man aber unter Druck gesetzt wer­den. Vie­len von uns ist das ja aus eige­nem Erle­ben ver­mut­lich schon bekannt. Weil aber die jet­zi­ge Hier­ar­chie unver­ant­wort­lich an der Moral­leh­re her­ump­fuscht, bekommt das Böse Ober­hand. Oder der Böse.

Amo­ris Lae­ti­tia bringt dage­gen eine gefähr­li­che Rela­ti­vie­rung der über­lie­fer­ten Leh­re mit sich, ein­fach schon durch den Wort­wust und die vie­len, gezielt ein­ge­setz­ten Zwei­deu­tig­kei­ten. Fol­gen­de Stel­le ist etwa sehr gefähr­lich:

304. Es ist klein­lich, nur bei der Erwä­gung ste­hen zu blei­ben, ob das Han­deln einer Per­son einem Gesetz oder einer all­ge­mei­nen Norm ent­spricht oder nicht, denn das reicht nicht aus, um eine völ­li­ge Treue gegen­über Gott im kon­kre­ten Leben eines Men­schen zu erken­nen und sicher­zu­stel­len. (…) Es ist wahr, dass die all­ge­mei­nen Nor­men ein Gut dar­stel­len, das man nie­mals außer Acht las­sen oder ver­nach­läs­si­gen darf, doch in ihren For­mu­lie­run­gen kön­nen sie unmög­lich alle Son­der­si­tua­tio­nen umfas­sen. Zugleich muss gesagt wer­den, dass genau aus die­sem Grund das, was Teil einer prak­ti­schen Unter­schei­dung ange­sichts einer Son­der­si­tua­ti­on ist, nicht in den Rang einer Norm erho­ben wer­den kann. Das gäbe nicht nur Anlass zu einer uner­träg­li­chen Kasu­istik, son­dern wür­de die Wer­te, die mit beson­de­rer Sorg­falt bewahrt wer­den müs­sen, in Gefahr brin­gen.

Das ist ein gefähr­li­ches Geschwätz! ((Und ein selbst­wi­der­sprüch­li­ches, da ja die Kasu­istik gera­de durch die neue Beto­nung der Ein­zel­fall­prü­fung zu wuchern beginnt!)) Lei­der kön­nen wir das hier nicht genau­er ana­ly­sie­ren. Jeden­falls hät­te es aber Karl Lwan­ga nicht moti­vie­ren kön­nen. Denn er hät­te sich dar­auf hin­aus­re­den kön­nen, daß es König Mwan­ga ja eh irgend­wie gut meint, zumal die­ser ja auch (irgend­wie) mit Gott in Ver­bin­dung steht.

Sehr sub­ver­siv ist auch der näch­ste Para­graph:

305. Daher darf ein Hir­te sich nicht damit zufrie­den geben, gegen­über denen, die in „irre­gu­lä­ren“ Situa­tio­nen leben, nur mora­li­sche Geset­ze anzu­wen­den, als sei­en es Fels­blöcke, die man auf das Leben von Men­schen wirft. Das ist der Fall der ver­schlos­se­nen Her­zen, die sich sogar hin­ter der Leh­re der Kir­che zu ver­stecken pfle­gen, »um sich auf den Stuhl des Mose zu set­zen und – manch­mal von oben her­ab und mit Ober­fläch­lich­keit – über die schwie­ri­gen Fäl­le und die ver­letz­ten Fami­li­en zu rich­ten«.

Man fragt sich, in wel­cher Welt der Papst lebt. Die mora­li­sche Ver­kün­di­gung ist ohne­hin wei­test­ge­hend zusam­men­ge­bro­chen. Nie­mand wirft Fels­blöcke. Kaum jemand ver­kün­digt die Wahr­heit. Wie man sich „hin­ter der Leh­re der Kir­che ver­stecken“ kann, bleibt schlei­er­haft. Karl Lwan­ga hat die­se Leh­re jeden­falls trotz sei­ner kur­zen Zeit in der Kir­che ver­stan­den und – wenn man so will – sich „hin­ter ihr ver­steckt“. Die Leh­re der Kir­che war ihm die Leh­re Got­tes.

Der Papst hat aber offen­bar noch eine Leh­re hin­ter der Leh­re in der Hin­ter­hand.

Kar­di­nal Schön­born kom­men­tier­te Amo­ris Lae­ti­tia offi­zi­ell im Auf­trag des Pap­stes. In unse­rem Zusam­men­hang ist nur die viel­leicht berüch­tigt­ste Stel­le aus dem Text zu zitie­ren. Berüch­tigt ist die­se Stel­le, weil die katho­li­sche Auf­fas­sung von regu­lär und irre­gu­lär ver­wor­fen wird. Die angeb­lich bibli­sche Begrün­dung ist ein Miß­brauch der Bibel­stel­le. So wie der Kar­di­nal argu­men­tiert, ist es eigent­lich klas­sisch luthe­risch: Jeder sün­digt sowie­so immer, also sün­di­gen wir tap­fer wei­ter – und glau­ben noch tap­fe­rer.

Schön­born sag­te also fol­gen­des, man beach­te auch die typisch eupho­ri­sier­te For­mu­lie­rung am Anfang:

Mei­ne gro­ße Freu­de an die­sem Doku­ment ist, dass es kon­se­quent die künst­li­che, äußer­li­che, fein säu­ber­li­che Tren­nung von „regu­lär“ und „irre­gu­lär“ über­win­det und alle unter den gemein­sa­men Anspruch des Evan­ge­li­ums stellt, gemäß dem Wort des Hl. Pau­lus: „Er hat alle in den Unge­hor­sam ein­ge­schlos­sen, um sich aller zu erbar­men“ (Röm 11,32). ((Vgl. Papst Fran­zis­kus ver­weist zu Amo­ris lae­ti­tia auf Kar­di­nal Schön­born — Was sag­te Schön­born am 8. April wört­lich?))

Wenn Karl Lwan­ga sich von die­sem Gedan­ken­gang bestim­men hät­te las­sen, hät­te er sich den Feu­er­tod spa­ren kön­nen. Denn wenn ohne­hin immer alle sün­di­gen, hät­te er den König ruhig han­deln las­sen kön­nen, wie es ihm belieb­te.

Wir sehen also wie­der­um, daß eine gefähr­li­che Ver­wir­rung in der kirch­li­chen Hier­ar­chie Platz gegrif­fen hat. Karl Lwan­ga und sei­ne Gefähr­ten hät­ten dage­gen pro­te­stiert. Und auch wenn sie die genaue Argu­men­ta­ti­on man­gels ein­schlä­gi­ger theo­lo­gi­scher Bil­dung nicht hät­ten ent­fal­ten kön­nen, hät­ten sie doch gemerkt, daß etwas faul ist, daß etwas stinkt.

Damit möch­te ich zum letz­ten Teil über­lei­ten:

3. Die Leugnung der Sünde als vermeintliche Befreiung von ihr

Es gibt eine unter­grün­di­ge Tra­di­ti­on, die dem Men­schen ein­zu­re­den ver­sucht, es gäbe gar kei­ne Sün­de. Wenn wir die Wor­te der Schlan­ge im Para­dies als Anfang die­ser Ten­denz und Tra­di­ti­on anset­zen wol­len, dann han­delt es sich eben um eine teuf­li­sche Ver­su­chung. Es gibt so vie­le Mög­lich­kei­ten, die Sün­de und damit die Ankla­ge durch das Schlech­te Gewis­sen weg­zu­er­klä­ren, zu ratio­na­li­sie­ren: Klas­si­sche Bei­spie­le dafür sind Psy­cho­ana­ly­se, Dar­wi­nis­mus und Athe­is­mus. Die gan­ze Psy­cho­ana­ly­se beruht dar­auf, in geschäfts­tüch­ti­ger Absicht den Leu­ten gleich­sam die Abso­lu­ti­on zu ver­kau­fen. Die Leu­te sind nie schul­dig – und um das zu hören, bezah­len sie ger­ne gro­ße Sum­men an den Ana­ly­ti­ker.

Dahin­ter steckt eine bestimm­te Gei­stes­hal­tung:

In der Para­bel vom Groß­in­qui­si­tor in den Brü­dern Kara­ma­sow läßt Dosto­jew­ski den Groß­in­qui­si­tor sagen, daß er und sei­ne Ver­bün­de­ten den Men­schen die Last der Frei­heit und der Ver­ant­wor­tung abneh­men wer­den. Dafür wür­den sie von den Men­schen geliebt wer­den. Der Groß­in­qui­si­tor wirft dem wie­der­ge­kehr­ten Chri­stus vor, Er wür­de die Men­schen über­for­dern mit Sei­nem Appell an den guten Wil­len, an die sitt­li­che Ein­sicht und an die freie, eigen­mo­ti­vier­te und belast­ba­re Lie­be zu Gott. Daher wer­de er dar­auf hin­ar­bei­ten, den Men­schen die Frei­heit von die­ser Über­for­de­rung zu ermög­li­chen.

Es läuft dann dar­auf hin­aus, daß ein tota­ler Sozi­al­staat ohne per­sön­li­che Frei­heit und ohne die Wür­de des sitt­li­chen Sub­jekts errich­tet wird. Der Groß­in­qui­si­tor beruft sich dabei auf den „mäch­ti­gen und klu­gen Geist in der Wüste“, der (nach Mt 4) dem Herrn die rich­ti­gen Vor­schlä­ge gemacht hät­te. Man müs­se den Leu­ten eben Brot und Spie­le bie­ten und dür­fe sie nicht mit der Ver­eh­rung Got­tes und dem Auf­ruf zu rich­ti­gem Han­deln über­for­dern.

Dosto­jew­ski mein­te die­se nicht ganz leicht zu deu­ten­de und kom­pli­zier­te Para­bel höchst­wahr­schein­lich als Ankla­ge gegen die Katho­li­sche Kir­che. Da aber Iwan Kara­ma­sow der Erzäh­ler ist, ist die Para­bel ver­mut­lich nicht ganz die Mei­nung von Dosto­jew­ski. Aljoscha, der jün­ge­re Bru­der von Iwan, weist Iwan ja auch zurecht und rela­ti­viert die anti­ka­tho­li­schen Spit­zen. Als anti­ka­tho­li­sche Para­bel ist sie auch unwahr­haf­tig und unge­recht.

Was aber rich­tig gese­hen ist, ist, daß die Die­ner des Teu­fels über das Gewis­sen der Men­schen Macht aus­üben. Sie hel­fen den Men­schen nicht, ihr Gewis­sen zu schär­fen und in Frei­heit und Wahr­heit das Gute zu tun, son­dern erlau­ben den Men­schen zu sün­di­gen – aller­dings unter ihren Vor­ga­ben.

Der Groß­in­qui­si­tor sagt zum Bei­spiel zum wie­der­ge­kehr­ten Chri­stus:

Weißt Du, daß die Mensch­heit in eini­gen Jahr­hun­der­ten durch den Mund ihrer Wei­sen und Gelehr­ten ver­kün­den wird, es gäbe kein Ver­bre­chen, gäbe also auch kei­ne Sün­de, son­dern es gäbe ein­zig und allein Hung­ri­ge? ((Zit. nach: Dosto­jew­ski, Der Groß­in­qui­si­tor, neu über­setzt und her­aus­ge­ge­ben von Wolf­gang Kasack, Insel, Frank­furt am Main und Leip­zig, 2003))

Erin­nert uns das nicht an das berühm­te Brecht­sche Dic­tum Zuerst kommt das Fres­sen, dann kommt die Moral? Ist bei Brecht nicht schon die Ent­wür­di­gung des Men­schen ein­kal­ku­liert: Fres­sen ist bekannt­lich ein Aus­druck aus der Tier­welt. Die Moral ist also nur die Drauf­ga­be für die Sat­ten?

Der Groß­in­qui­si­tor sagt auch:

Doch der Frei­heit des Men­schen bemäch­tigt sich nur der­je­ni­ge, der ihr Gewis­sen beru­higt.

und

Haben wir etwa die Mensch­heit nicht geliebt, die wir in sol­cher Demut ihre Schwä­che erkann­ten, in Lie­be ihre Last erleich­ter­ten und ihrer wil­lens­schwa­chen Natur erlaub­ten, sogar auch zu sün­di­gen, aller­dings mit unse­rer Geneh­mi­gung?

Wie gesagt: Die Para­bel bedarf der Erklä­rung. Was aber klar ist, ist fol­gen­des:

Die in der Para­bel dar­ge­stell­ten Ten­den­zen sind tat­säch­lich in die Kir­che ein­ge­drun­gen. Sie wur­den dann beson­ders mani­fest, als etwa der Jesui­ten­or­den sich unter dem Gene­ral­obe­ren Pedro Arru­pe dem Mar­xis­mus zuwand­te: Brot für die Armen, neue Struk­tu­ren in der Poli­tik, Par­ti­zi­pa­ti­on, Räte – von Sün­de, Höl­le, Bekeh­rung und Hei­li­gung ist nicht mehr die Rede. Die Befrei­ungs­theo­lo­gie ist auch in meh­re­ren Gestal­ten eine Art Ent­la­stung des Gläu­bi­gen vom Gewis­sen, weil die Indi­vi­dual­mo­ral mas­siv hin­ter die Sozi­al­mo­ral zurück­tritt – und die­se wird ja in Komi­tees und Räten aus­ge­heckt. ((Dazu vgl. die pro­fun­de Abhand­lung von Mala­chi Mar­tin, The Jesuits: The Socie­ty of Jesus and the Betra­y­al of the Roman Catho­lic Church, Simon & Schu­ster, New York, 1987.))

Aus eige­ner Erfah­rung weiß ich, daß die Jesui­ten und mit ihnen ande­re Orden und wei­te Tei­le der Hier­ar­chie die Sün­de qua­si geleug­net oder auf weni­ge The­men beschränkt haben. ((Daß die Orden beson­ders stark in den Glau­bens­ab­fall invol­viert sind bzw. in naher Zukunft sein wür­den, sag­te Sr. Lucia von Fati­ma in dem berühm­ten Inter­view mit Augu­stin Fuen­tes am 26.12.1957 (!), also noch Jah­re vor den Kon­zils­wir­ren. Vgl. Fati­ma: Third Secret)) Damit haben sie zu einer fal­schen (und daher unwirk­sa­men) Gewis­sens­be­ru­hi­gung vie­ler bei­getra­gen – und zu deren geist­li­chem Ruin.

Daher also jetzt noch ein­mal:

De fac­to ist es jetzt so, daß Schön­borns Gra­dua­li­tät auch im Schlech­ten noch Gutes – ver­meint­lich – fin­den läßt. Die Irr­leh­re Schön­borns liegt dar­in, daß das intrin­se­ce malum, das nie­mals gerecht­fer­tigt wer­den kann, jetzt plötz­lich eine Art unvoll­kom­me­ner Ver­wirk­li­chung eines (ohne­hin kaum erreich­ba­ren und somit doch obso­le­ten) Ide­als wäre. Die Gra­dua­li­tät, die im Guten tat­säch­lich exi­stiert und sinn­vol­ler­wei­se unter­sucht wer­den kann, kann aber nicht auf das Schlech­te aus­ge­dehnt wer­den! Ehe­bruch, Kon­ku­bi­nat, Homo­se­xua­li­tät sind nicht unvoll­kom­me­ne Vor­stu­fen eines Ide­als, son­dern radi­kal abzu­leh­nen­de Sün­de!

Jetzt plötz­lich so zu tun, als könn­te man dort wich­ti­ge Ele­men­te des Guten fin­den, ist absurd. Daher ist es auch absurd, eine Unter­schei­dung von regu­lä­ren und irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen abzu­leh­nen. Man fragt sich, wel­cher Dämon einen Papst rei­tet, der genau die­se Ableh­nung durch­führt!

Gei­stes­ge­schicht­lich geht das auf die Gno­sis zurück – und auf Mar­tin Luther, der bekannt­lich auch eine Unter­schei­dung von Gut und Böse prak­tisch unmög­lich macht. Gei­stes­ge­schicht­lich ord­net sich Kar­di­nal Schön­born hier bei den Gno­sti­kern ein. Die alten Fein­de der Kir­che wer­den zufrie­den sein.

Resümee

Das Mar­ty­ri­um der ugan­di­schen Mär­ty­rer, auch der nicht-katho­li­schen, ist ein Zeug­nis für die Wahr­heit der Gebo­te Got­tes. Als sol­ches ver­dient es unse­ren höch­sten Respekt. Karl Lwan­ga und Gefähr­ten tra­ten gegen den heid­ni­schen König für das Erste Gebot und gegen des­sen sexu­el­le Ver­ir­run­gen für die Wahr­heit der mensch­li­chen Sexua­li­tät ein. Hier gibt es kei­ne „Gra­dua­li­tät“, kei­ne Ver­mi­schung von „regu­lä­ren“ und „irre­gu­lä­ren“ Situa­tio­nen – und kei­nen Kom­pro­miß mit dem Bösen. ((Kar­di­nal Schön­born offen­bar­te in den letz­ten Jah­ren eine unver­hoh­le­ne Affi­ni­tät zur Homo­se­xua­li­tät (die beson­ders in dem Skan­dal um ein Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glied im nie­der­öster­rei­chi­schen Stüt­zen­ho­fen erkenn­bar wur­de, vgl. Kar­di­nal Schön­born, die Homo­se­xua­li­tät und der Rela­ti­vis­mus in Öster­reichs Kir­che. Beson­ders bizarr war sein rezen­ter Auf­tritt beim Red Rib­bon — Kon­zert am 10.06.16.))

Die ugan­di­sche Regie­rung wur­de in den letz­ten Jah­ren vom Westen kri­ti­siert, weil sie Keusch­heits­kam­pa­gnen zur Ein­däm­mung von AIDS lan­ciert hat­te. Wie man Inter­net­quel­len ent­neh­men konn­te, durch­aus mit gutem Erfolg. ((Vgl. z. B. Ugan­da Win­ning the Batt­le Against AIDS Using Absti­nence)) Die ugan­di­sche Gesetz­ge­bung sah auch in jüng­ster Zeit mas­si­ve Stra­fen für prak­ti­zier­te Homo­se­xua­li­tät vor, wobei mei­nem Kennt­nis­stand nach die ganz radi­ka­len Vor­schlä­ge nicht umge­setzt wur­den. Man darf hier auch nicht das Kind mit dem Bad aus­schüt­ten – aller­dings ist es Auf­ga­be des Staa­tes, die Öffent­lich­keit rein zu hal­ten und beson­ders die Kin­der und Jugend­li­chen zu schüt­zen. ((Auch die rus­si­sche Gesetz­ge­bung der letz­ten Jah­re ging hier in die rich­ti­ge Rich­tung.))

Man wird nicht fehl gehen, wenn man die posi­ti­ven Erschei­nun­gen in der ugan­di­schen Kir­che und Gesell­schaft dem anhal­ten­den Ein­fluß der heroi­schen jun­gen Leu­te von 1886 zuschreibt. Das Mar­ty­ri­um war kla­rer­wei­se nicht umsonst.

Johan­nes Paul II. dazu in Veri­ta­tis Sple­ndor:

92. Als Bekräf­ti­gung der Unver­brüch­lich­keit der sitt­li­chen Ord­nung kom­men im Mar­ty­ri­um die Hei­lig­keit des Geset­zes Got­tes und zugleich die Unan­tast­bar­keit der per­sön­li­chen Wür­de des nach dem Abbild und Gleich­nis Got­tes geschaf­fe­nen Men­schen zum Leuch­ten: Es ist eine Wür­de, die nie­mals, und sei es auch aus guter Absicht, her­ab­ge­setzt oder ver­stellt wer­den darf, wie auch immer die Schwie­rig­kei­ten aus­se­hen mögen. Mah­nend gibt uns Jesus mit größ­ter Stren­ge zu beden­ken: »Was nützt es einem Men­schen, wenn er die gan­ze Welt gewinnt, dabei aber sei­ne See­le ver­liert?« (Mk 8,36).

 (…)

93. Das Mar­ty­ri­um ist schließ­lich ein leuch­ten­des Zei­chen der Hei­lig­keit der Kir­che: die mit dem Tod bezeug­te Treue zum hei­li­gen Gesetz Got­tes ist fei­er­li­ches Zeug­nis und mis­sio­na­ri­scher Ein­satz usque ad san­gui­nem, auf daß nicht der Glanz der sitt­li­chen Wahr­heit in den Gewohn­hei­ten und Denk­wei­sen der Men­schen und der Gesell­schaft um sei­ne Leucht­kraft gebracht wer­de. Ein sol­ches Zeug­nis bie­tet einen außer­or­dent­lich wert­vol­len Bei­trag, damit man — nicht nur in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft, son­dern auch inner­halb der kirch­li­chen Gemein­schaf­ten — nicht in die gefähr­lich­ste Kri­se gerät, die den Men­schen über­haupt heim­su­chen kann: die Ver­wir­rung in bezug auf Gut und Böse, was den Auf­bau und die Bewah­rung der sitt­li­chen Ord­nung der ein­zel­nen und der Gemein­schaf­ten unmög­lich macht. (…) Durch [der Mär­ty­rer] her­vor­ra­gen­des Zeug­nis für das Gute sind sie ein leben­di­ger Vor­wurf für all jene, die das Gesetz über­schrei­ten (vgl. Weish 2, 12 ), und las­sen in stän­di­ger Aktua­li­tät die Wor­te des Pro­phe­ten neu erklin­gen: »Weh euch, die ihr das Böse gut und das Gute böse nennt, die ihr die Fin­ster­nis zum Licht und das Licht zur Fin­ster­nis macht, die ihr das Bit­te­re süß macht und das Süße bit­ter« (Jes 5,20).

Die hei­li­gen Mär­ty­rer von Ugan­da kla­gen die Hier­ar­chen der Kir­che der Gegen­wart an. Ihr Zeug­nis wider­legt das wider­sprüch­li­che, ver­drall­te und häre­sie­ver­däch­ti­ge Geschwätz, das der­zeit aus dem Vati­kan zu uns dringt und das in der Per­son von Kar­di­nal Schön­born einen ein­fluß­rei­chen Mul­ti­pli­ka­tor besitzt.

Es ist die afri­ka­ni­sche Kir­che, deren Sinn für das Hei­li­ge, so unaus­ge­reift dort man­ches auch sein mag, die deka­den­te Kir­che des Westens beschämt – und auch ein völ­lig ver­un­glück­tes Pon­ti­fi­kat. Der Mut afri­ka­ni­scher Hir­ten trug wesent­lich dazu bei, daß die kon­spi­ra­tiv ange­leg­te Dop­pel­syn­ode zu Ehe und Fami­lie nicht den geplan­ten bischöf­li­chen Zuspruch zu einer sub­ver­si­ven Agen­da brach­te, son­dern im Gegen­teil die glau­bens­treu­en Katho­li­ken und – kann man anfü­gen – ande­re Men­schen guten Wil­lens alar­mier­te.

Wer hät­te noch vor einer Genera­ti­on gedacht, daß Afri­ka uns mis­sio­nie­ren wird? Nicht alles, was von dort kommt, wird uns immer hel­fen, aber der Glau­bens­sinn vie­ler Prie­ster und Bischö­fe kann uns Vor­bild sein. Den­ken wir nur an Kar­di­nal Robert Sarah und an die nige­ria­ni­schen Bischö­fe.

Den­ken wir eben auch an die schon erwähn­te Kam­pa­gne der ugan­di­schen Regie­rung zur AIDS-Prä­ven­ti­on durch Keusch­heit und ehe­li­cher Treue – gegen die kri­mi­nel­le Ener­gie von Welt­be­völ­ke­rungs­pla­nern. Wir kön­nen anneh­men, daß das Zeug­nis des hl. Karl Lwan­ga und sei­ne Für­spra­che die Kul­tur Ugan­das nach­hal­tig geprägt hat. Das ist schön. Möge es auch das der­zei­ti­ge Rom prä­gen. Und Wien auch.

Bit­ten wir jetzt in der hl. Mes­se die ugan­di­schen Mär­ty­rer um ihre Für­spra­che. Ich glau­be, sie wer­den uns ger­ne hel­fen, wenn wir unse­ren Bei­trag lei­sten.

Dan­ke.

A.M.D.G.

*MMag. Wolf­ram Schrems, katho­li­scher Theo­lo­ge und Phi­lo­soph, Kate­chist, rei­che Erfah­rung im inter­kon­fes­sio­nel­len Aus­tausch.

Bild: CBCP/Catholic Saints/Wikicommons

2 Kommentare

  1. Ein her­vor­ra­gen­der Arti­kel!
    Sowohl dem Autor Hr. MMag. Wolf­gang Schrems als auch katholisches.info sei herz­lichst gedankt für die­sen hoch­qua­li­ta­ti­ven Arti­kel und die epi­kri­ti­sche Wür­di­gung in unse­rer Zeit und in unse­ren Gebie­ten (id est Wien und Rom).

    Wie ein jün­ge­rer viel­be­le­se­ne und nach­denk­li­che Theo­lo­ge aus dem schweiz-öster­rei­chi­schen Raum vor weni­gen Jah­ren schrieb und auf einem katho­li­schen forum ver­öf­fent­lich­te:
    „Das Bege­hen der Sün­de ist schon schlimm genug; viet schlim­mer und gefähr­li­cher ist es, die began­ge­ne Sün­de mit schö­nen Wor­ten zu deko­rie­ren und zu ver­nied­li­chen, damit man sie dann spä­ter umso leich­ter erneut bege­hen kann“.

  2. In die­sem Zusam­men­hang fällt mir die Äuße­rung Kar­di­nal Kas­pers zu den afri­ka­ni­schen Bischö­fen ein, die er im Vor­feld der Syn­ode zum besten gab und die er nach hef­ti­ger Kri­tik, hef­tig demen­tier­te, was anhand des Beweis­ma­te­ri­als (Film- und Ton­band­mit­schnit­te) ein­fach nur lächer­lich war!
    Es ist nicht zu leug­nen oder klein zu reden: Die afri­ka­ni­sche Kir­che lebt, wächst, blüht und gedeiht, wäh­rend die euro­päi­sche schrumpft, ein­geht und stirbt! Dafür ver­ant­wort­lich sind in erster Linie die Gebur­ten­ra­ten, die der Kir­che ein fröh­li­ches oder trau­ri­ges Gesicht geben und sie zur Hoff­nungs­trä­ge­rin oder zum Trau­er­ver­ein wer­den las­sen. Setzt man die Ver­tei­lung von Jung und Alt in Rela­ti­on zuein­an­der, so erhält man hier­zu­lan­de eine Urne, wäh­rend die afri­ka­ni­schen Ver­hält­nis­se ein Haus bil­den: Von Afri­ka kön­nen wir viel ler­nen. Die mei­sten Afri­ka­ner las­sen sich nach wie vor kei­ne Gebur­ten­kon­trol­le auf­drücken, auch wenn Plan­ned Paren­t­hood alles dran­setzt das zu ändern. Ver­hü­tungs­men­ta­li­ta­et und Glau­bens­ab­fall aber, gehen Hand in Hand!
    Des­halb ist die Kir­che in Afri­ka jung und hat Schwung!

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