Papst Franziskus erklärt „Amoris Laetitia“ — in einem seltsamen Telefonanruf

Heinrich VIII. von England
Heinrich VIII. von England

(Rom/London) Ein fik­ti­ves Tele­fon­ge­spräch zwi­schen Papst Fran­zis­kus und König Hein­rich VIII. von Eng­land. Die Sache mag respekt­los schei­nen, ist in Wirk­lich­keit aber schreck­lich ernst. Der seli­ge Iaco­po­ne von Todi und Dan­te Ali­ghie­ri erlaub­ten sich gegen­über Papst Boni­fa­ti­us VIII., die hei­li­ge Katha­ri­na von Sie­na gegen­über Papst Gre­gor XI. und Eras­mus von Rot­ter­dam gegen­über Papst Juli­us II. ganz ande­re Frei­hei­ten, ohne daß das für die Katho­li­ken ihrer Zeit ein Skan­dal gewe­sen wäre.

Pope Francis phones King Henry VIII

Telefonanruf vom Papst
Tele­fon­an­ruf vom Papst

Hein­rich VIII.: Hal­lo, Eure Hei­lig­keit? Ich bin es, Hein­rich.

Papst Fran­zis­kus: Hein­rich wer?

Hein­rich VIII.: Hein­rich, Hein­rich VIII., der König von Eng­land.

Papst Fran­zis­kus: Oh, wel­che Ehre. Legen Sie auf. Ich rufe Sie zurück. Für mich ist es bil­li­ger.

Hein­rich VIII.: Ich woll­te nur sagen, Sie kom­men 500 Jah­re zu spät … also gut, Eure Hei­lig­keit, ich lege auf …

(Es klin­gelt.)

Hein­rich VIII.: Ja!?

Papst Fran­zis­kus: Ich bin es, Fran­zis­kus aus Rom!

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, was für eine Freu­de. Wie kommt es nur, daß Sie mich anru­fen?

Papst Fran­zis­kus: Ich habe die­sen lan­gen Brief gese­hen, den Sie, wenn ich mich nicht irre, 1532 oder so her­um, dem Vati­kan geschrie­ben haben. Ich muß Ihnen sagen, daß mein Vor­gän­ger nicht gera­de freund­lich zu Ihnen war. Er war eben ein Mann, der ein biß­chen an den Geset­zen hing. Ein Jurist eben, hart und unfle­xi­bel, ein biß­chen Woj­ty­lia­ner und ein biß­chen Ratz­in­ge­ria­ner eben. Er war etwas fixiert auf die Sache mit der Ehe und gegen den Rela­ti­vis­mus. Aber jetzt haben sich die Din­ge geän­dert. Jetzt bin ich hier mit vie­len deut­schen Kar­di­nä­len, die alle mit Luther sym­pa­thi­sie­ren und gene­rell mit Schis­men: Kas­per, Marx … Ken­nen Sie die? Das sind die, die in ihren Län­dern die Kir­chen geleert haben und nun ande­ren Rat­schlä­ge geben, damit sie das genau­so machen. Eben, und ich möch­te Ihren Fall neu bewer­ten. Schau­en wir uns das doch kurz an. Ich hät­te da näm­lich an zwei mög­li­che Wege gedacht: der erste ist, zu sehen, ob Ihre Ehe ungül­tig war. Haben Sie da irgend­wel­che Hin­wei­se in die­se Rich­tung?

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, ich bedaue­re, aber ich glau­be nicht, daß sie ungül­tig ist. Wir hat­ten eine Toch­ter, Maria, und vie­le ande­re Kin­der, die Fehl­ge­bur­ten waren. Aber, was ver­ste­hen Sie denn genau unter ungül­tig?

Papst Fran­zis­kus: Nun, ich habe einen Text geschrie­ben, aber er ist ein biß­chen wirr. ((Das Motu pro­prio „Mit­is iudex Domi­nus Iesus“ vom 15. August 2015, ver­öf­fent­licht am 8. Sep­tem­ber 2015, über die Neu­re­ge­lung des Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­rens.)) Ich war etwas in Eile und zudem muß­te ich ihn fast ganz allei­ne schrei­ben. Mir selbst ist es nicht ganz klar, aber machen Sie sich des­halb kei­ne Sor­gen. Es gibt eine ande­re Lösung, die ist ganz frisch. Sie nennt sich „Von-Fall-zu-Fall-Beur­tei­lung“. Haben Sie Bischof Galan­ti­no ((Bischof Nun­zio Galan­ti­no, Papst-Ver­trau­ter und von Fran­zis­kus ernann­ter Gene­ral­se­kre­tär der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz.)) im Fern­se­hen gese­hen, als er sie erklärt hat? Galan­ti­no ist ein Phi­lo­soph, der kann gut reden … Er ist ein wirk­lich offe­ner Katho­lik. Denen vom Fami­ly Day ((Mas­sen­kund­ge­bung in Rom gegen die Ein­füh­rung der „Homo-Ehe“ und der Gen­der-Ideo­lo­gie an den Schu­len durch die ita­lie­ni­sche Links­re­gie­rung. Am 30. Janu­ar 2016 nah­men rund zwei Mil­lio­nen Men­schen dar­an teil. Bischof Galan­ti­no ver­such­te — nach Rück­spra­che mit dem Papst, wie es hieß — die Kund­ge­bung zu ver­hin­dern.)), und denen, die vor den Kran­ken­häu­sern gegen Abtrei­bung beten, hat er es so rich­tig gege­ben. Das ist sein vor­ran­gi­ges Enga­ge­ment neben der Ein­wan­de­rung und dem Nein zu Boh­run­gen nach Erd­gas in der Adria.

Hein­rich VIII.: Um ehr­lich zu sein: Ich schaue nur eng­li­sches Fern­se­hen. Ich ken­ne Mister Bean, aber Galan­ti­no ken­ne ich nicht.

Papst Fran­zis­kus: Ver­zei­hen Sie mir, Sie haben natür­lich recht. Nun, die Ange­le­gen­heit ist so: Wir sind nicht mehr so dra­stisch wie im Alten Testa­ment. Damals ist man ein biß­chen hart vor­ge­gan­gen: „Kei­nen Ehe­bruch bege­hen!“ und so. Fin­den Sie, daß man heut­zu­ta­ge noch so kate­go­risch sein kann? Wir haben daher das Alte Testa­ment einem aggior­na­men­to unter­zo­gen und es aktua­li­siert. Und auch das Neue. Stel­len Sie sich das vor: Das war 2000 Jah­re neu, aber jetzt … Des­halb ist der Satz von Jesus, „der Mensch soll nicht tren­nen, was Gott ver­eint hat“, zu inter­pre­tie­ren … Heu­te will das sagen: Er soll nicht tren­nen, außer … Haben Sie die Ein­füh­rungs­re­de von Kas­per zur Syn­ode gele­sen? Da hat er schon alles gesagt. Dann haben wir die­se elend­slan­ge Syn­ode abge­zo­gen in der Hoff­nung, daß die Syn­oden­vä­ter ver­ste­hen wür­den … Die Syn­oden­vä­ter haben aber nichts ver­stan­den. Sie haben sich Kas­per wider­setzt. Des­halb habe ich ent­schie­den, daß wir das mit der Syn­oda­li­tät machen müs­sen. Das ist eine schö­ne Sache, ein schö­nes Wort. Das gefällt Mel­lo­ni ((Alber­to Mel­lo­ni, Lei­ter der pro­gres­si­ven „Schu­le von Bolo­gna“, die eine fünf­bän­di­ge Geschich­te über das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil im Sin­ne der „Rhei­ni­schen Alli­anz“ her­aus­brach­te und die Deu­tung des Kon­zils zu mono­po­li­sie­ren ver­sucht.)) und Scal­f­a­ri ((Euge­nio Scal­f­a­ri, radi­kal­li­be­ra­ler Athe­ist aus frei­mau­re­ri­schem Haus, Grün­der, ehe­ma­li­ger Chef­re­dak­teur und Doy­en von La Repubbli­ca, der wich­tig­sten lin­ken Tages­zei­tung Ita­li­ens, bevor­zug­ter Gesprächs­part­ner von Papst Fran­zis­kus, der den Athe­isten nach eige­nem Bekun­den „nicht bekeh­ren will“.)), aber es braucht jemand, der ent­schei­det. Ren­zi ((Matteo Ren­zi, Links­de­mo­krat, seit 2014 ita­lie­ni­scher Mini­ster­prä­si­dent.)) wür­de sagen, es braucht „Regier­bar­keit“.

Hein­rich VIII.: Hei­lig­keit, wer ist Ren­zi?

Papst Fran­zis­kus: Ver­zei­hen Sie mir: Sie erwäh­nen Mister Bean, und ich darf nicht Ren­zi zitie­ren?

Hein­rich VIII.: Nein, nein, machen Sie das ruhig … es ist ja ein Tele­fo­nat unter Freun­den … Mich inter­es­siert aber mehr der Satz den Sie ange­fan­gen, aber nicht zu Ende geführt haben: „Der Mensch soll nicht tren­nen, außer …“, außer was?

Papst Fran­zis­kus: Ja, genau …  aber da gibt es kei­ne feste Regel. Wir beur­tei­len ein­fach von Fall zu Fall. Aber, erzäh­len Sie mir doch ein biß­chen von Ihrem Fall.

Hein­rich VIII.: Mein Fall ist, daß mei­ne Frau eine rich­ti­ge Ner­ven­sä­ge ist. Und dazu ist sie auch noch Spa­nie­rin. Und vor allem will sie mir kei­ne Söh­ne schen­ken. Und über­haupt ist Anna Boleyn wirk­lich schön. Und wenn man alles in allem zusam­men­nimmt … Sie ver­ste­hen das doch? Ohne männ­li­chen Erben ist das ein rich­ti­ges Schla­mas­sel. Es kann sogar zum Krieg kom­men, wenn ich ster­be. Ver­ste­hen Sie? Erin­nern Sie sich, daß auch Luther als eine der ersten Sachen dem Land­graf Phil­ipp I. von Hes­sen die Biga­mie erlaub­te? Luther wuß­te mit den Grund­sät­zen umzu­ge­hen, der Papst, Ihr Vor­gän­ger, nicht! Das war ein rich­ti­ger Rüpel!

Papst Fran­zis­kus: Ich ver­ste­he, ich ver­ste­he … Schau­en Sie, für mich ist das ganz schnell erle­digt. Sie gehen zu einem Prie­ster und sagen ihm, daß Sie mit mir gespro­chen haben, und alles regelt sich.

Hein­rich VIII.: Und wenn der Prie­ster böse ist, wie alle Päp­ste bis­her? Was, wenn das ein Pole ist, oder ein Neger wie Sarah. Oder wenn ich auf einen Deut­schen sto­ße, nicht einen von den guten und wohl­ge­nähr­ten wie Marx, son­dern auf einen von den dür­ren, den dür­ren und Theo­lo­gen wie Ratz­in­ger?

Papst Fran­zis­kus: Dann suchen Sie sich ein­fach einen ande­ren. Sie wer­den sehen, mit der neu­en „Von-Fall-zu-Fall“-Regel fin­det sich schon einer, der Sie los­spricht, und alles geht in Ord­nung. Jeder Prie­ster hat eine Blan­ko­voll­macht. Er muß nur sei­ne Abwä­gun­gen machen. Die Beur­tei­lung macht jeder ein­zel­ne Prie­ster für sich. Oder, wenn Sie mei­nen … dann braucht es im Forum inter­num nicht ein­mal ihn. Es genügt, daß Sie sich vor Ihrem Gewis­sen im Rei­nen füh­len. Wir haben eigens im Bereich der Moral die freie Prü­fung ein­ge­führt.

Hein­rich VIII.: Sie haben recht, dar­an habe ich noch gar nicht gedacht. Jetzt ver­ste­he ich die Mel­dung, daß Sie nach Schwe­den rei­sen wol­len. ((Papst Fran­zis­kus wird am 31. Okto­ber 2016 nach Stock­holm rei­sen, um an einer gemein­sa­men katho­lisch-luthe­ri­schen Gedenk­ver­an­stal­tung „500 Jah­re Refor­ma­ti­on“ Mar­tin Luthers teil­zu­neh­men.)) Jetzt sagen Sie mir aber unter uns: Wie hal­ten Sie das denn mit Johan­nes dem Täu­fer, der sich den Kopf abschla­gen ließ, weil er zu Hero­des sag­te: „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau dei­nes Bru­ders zu haben“? Und mit dem hei­li­gen Pau­lus, der sagt, daß die Ehe­bre­cher sich nicht täu­schen sol­len, was ihr ewi­ges Heil angeht?

Papst Fran­zis­kus: Pas­sen Sie auf: Der Täu­fer war ein Hitz­kopf. Er war ein­fach ein biß­chen zu naiv und ein biß­chen zu hart … Und auch Pau­lus, nach­dem er vom Pferd gefal­len ist …

Hein­rich VIII.: Gut, gut. Ich sehe, daß Ihr dort in Rom wie­der zu Ver­stand gekom­men seid. Das freut mich. Lie­ber spät als nie.

Papst Fran­zis­kus: Gut, lie­ber Hein­rich, jetzt grü­ße ich Sie, weil ich noch eine Pre­digt gegen die Dok­to­ren des Buch­sta­bens vor­be­rei­ten muß, die ihre Geset­ze über das Leben des Ein­zel­nen stel­len. Es ist schon die 345. Pre­digt in nur einem Jahr, aber das ist der Schlüs­sel. So habe ich die Kir­chen und die Prie­ster­se­mi­na­re in Argen­ti­ni­en gefüllt (jeden­falls scheint mir das so …): Hie­be und Knüp­pel für die Heuch­ler, die ihrer Frau und ihren Kin­dern treu sind, nur weil sie mit dem Fin­ger auf ande­re zei­gen wol­len! Wis­sen Sie, die machen das nur, damit sie sich selbst gut fin­den kön­nen. Hie­be und Knüp­pel auch für die Heuch­ler unter den Prie­stern. Die ver­wan­deln den Beicht­stuhl in eine Fol­ter­kam­mer! Haben Sie eine Ahnung, wie vie­le Prie­ster ihre Gläu­bi­gen fol­tern!? Es gibt eini­ge, wie die­sen Pater Pio, die hat man sogar hei­lig­ge­spro­chen, obwohl sie sich manch­mal gewei­gert haben, die Los­spre­chung zu geben! Was für ein Glück, daß heu­te nur mehr weni­ge beich­ten gehen! Sie hin­ge­gen sind mir ein tol­ler Bur­sche …

Hein­rich VIII.: Bestens, ich muß Sie aber um einen Gefal­len bit­ten. Den schul­den Sie mir. Ihr Vor­gän­ger, Pius XI., hat Tho­mas Morus ((Tho­mas Morus, Hei­li­ger und Mär­ty­rer, war seit 1517 Mit­glied des eng­li­schen Kron­rats, Diplo­mat im Dienst König Hein­richs VIII., als Ver­tei­di­ger der katho­li­schen Kir­che war er ein ent­schie­de­ner Geg­ner Mar­tin Luthers und des­sen „Refor­ma­ti­on“ und half Hein­rich VIII. Schrif­ten gegen Luther und zur Ver­tei­di­gung des katho­li­schen Glau­bens zu ver­fas­sen, 1523 wur­de er Par­la­ments­spre­cher, 1529 ernann­te ihn Hein­rich zum Lord­kanz­ler von Eng­land in der Hoff­nung, daß Morus die Annul­lie­rung der Ehe des Königs mit der Spa­nie­rin Katha­ri­na von Ara­gon unter­stüt­zen wür­de, was der Jurist bei­der Rech­te jedoch wegen sei­ner Treue zum katho­li­schen Glau­ben und wegen sei­nes Gewis­sens ablehn­te, 1532 trat er als Lord­kanz­ler zurück, weil er es mit sei­nem Gewis­sen nicht ver­ein­ba­ren konn­te, einem Mon­ar­chen und einer Regie­rung zu die­nen, die sich so ver­sün­digt hat­te, 1534 wur­de von Morus ein Eid ver­langt, die Legi­ti­mi­tät der Kin­der Hein­richs VIII. mit sei­ner ille­gi­ti­men Frau Anna Boleyn anzu­er­ken­nen und der Auto­ri­tät des Pap­stes in reli­giö­sen Din­gen abzu­schwö­ren, was Morus ablehn­te. Er wur­de zum Tode ver­ur­teilt und 1535 als Mär­ty­rer für den Glau­ben und sein Gewis­sen ent­haup­tet. Sein Kopf wur­de einen Monat lang in Lon­don öffent­lich zur Schau gestellt.)) hei­lig­ge­spro­chen, und Johan­nes Paul II. hat ihn zum Patron der Poli­ti­ker gemacht. In Wirk­lich­keit, ich ver­si­che­re es Ihnen, und ich muß das wis­sen, war Morus ein stumpf­sin­ni­ger Para­gra­phen­rei­ter. Das war so ein „Dok­tor des Buch­sta­bens“. Der war Rich­ter und woll­te mir das Recht abspre­chen, mei­ne Frau zu ver­sto­ßen, eine Spa­nie­rin, man stel­le sich das vor. Wer weiß, was der noch alles gesagt hät­te, wenn er gewußt hät­te, daß ich mir ins­ge­samt noch fünf Frau­en genom­men habe. Des­halb eine ganz ein­fa­che Sache: Holen Sie ihn von den Altä­ren run­ter.

Papst Fran­zis­kus: Das geht in Ord­nung, lie­ber Hein­rich. Im übri­gen habe ich eini­ge Poli­ti­ker als Ansprech­part­ner, die wirk­lich aus­ge­zeich­net sind. Ich habe sie auch schon öffent­lich gelobt. Zum Bei­spiel Emma Boni­no und Gior­gio Napo­li­ta­no … Ich wer­de einen von ihnen, sobald sie ster­ben, auf den Platz von Morus set­zen. Wenn ich mich nicht täu­sche, hat sich der zwei­te auch gewei­gert irgend­was zu tun, also irgend­wie so etwas wie Morus … ((Gior­gio Napo­li­ta­no, ita­lie­ni­scher Staats­prä­si­dent von 2006–2015, Mit­glied der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei von 1945 bis zur Umbe­nen­nung 1991, dann der links­de­mo­kra­ti­schen Nach­fol­ge­par­tei, wei­ger­te sich am 6. Febru­ar 2009 eine Not­ver­ord­nung der Regie­rung zu unter­zeich­nen, mit der die Eutha­na­sie­rung der Wach­kom­a­pa­ti­en­tin Elua­na Engla­ro ver­hin­dert wer­den soll­te. Um den Fall Engla­ro war eine hef­ti­ge Dis­kus­si­on über die Eutha­na­sie ent­brannt, bei dem sich katho­li­sche und anti­kle­ri­ka­le Kräf­te erbit­tert gegen­über­stan­den. Napo­li­ta­no schlug sich mit sei­ner Ent­schei­dung auf die Sei­te der Eutha­na­sie-Befür­wor­ter und besie­gel­te damit den Tod Engla­ros. Deren künst­li­che Ernäh­rung wur­de ein­ge­stellt. Am 9. Febru­ar 2009 starb sie.))

Hein­rich VIII.: Genau, Eure Hei­lig­keit. Fra­gen Sie Galan­ti­no, fra­gen Sie Tor­ni­el­li ((Andrea Tor­ni­el­li, Ver­trau­ter und Medi­en­be­ra­ter von Papst Fran­zis­kus, Vati­ka­nist der Tages­zei­tung La Stam­pa, Koor­di­na­tor von Vati­can Insi­der.)), fra­gen Sie Spa­daro ((Pater Anto­nio Spa­daro SJ, Papst-Ver­trau­ter und Schrift­lei­ter der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca.)), fra­gen Sie Ihre ita­lie­ni­schen Bera­ter. Sie wer­den Ihnen genau erzäh­len, wie das mit der Wei­ge­rung von Napo­li­ta­no im Fall Elua­na Engla­ro war. Das war eine rich­ti­ge Wei­ge­rung aus Gewis­sens­grün­den, ja, ja, genau so wie es Morus von sich behaup­tet hat­te. Napo­li­ta­no ist genau der rich­ti­ge Typ, um Morus zu erset­zen!

Papst Fran­zis­kus: Wie ich sehe, wis­sen Sie doch eini­ge Din­ge über Ita­li­en!

Hein­rich VIII.: Ja, eini­ge schon, des­halb weiß ich auch, daß Emma Boni­no ((Emma Boni­no, Femi­ni­stin, bekann­te­ste Abtrei­bungs­ak­ti­vi­stin Ita­li­ens, seit 1976 Mit­glied der Radi­ka­len Par­tei, bezich­tig­te sich selbst, 10.141 (!) unge­bo­re­ne Kin­der getö­tet zu haben, Idol des anti­au­to­ri­tä­ren Kamp­fes, ab 1979 für 25 Jah­re Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te, 1995–1999 EU-Kom­mis­sa­rin, 1999–2006 Mit­glied des Euro­päi­schen Par­la­ments, 2006–2008 ita­lie­ni­sche Euro­pa­mi­ni­ste­rin, 2008–2011 Prä­si­den­tin des Ita­lie­ni­schen Senats, 1998 erst­mals beim Tref­fen der Bil­der­ber­ger, 2011 Unter­zeich­ne­rin des Soros-Brie­fes für den EU-Ein­heits­staat, 2013/2014 ita­lie­ni­sche Außen­mi­ni­ste­rin, 2015 Kam­pa­gne zur Lega­li­sie­rung der Eutha­na­sie. Gegen Papst Bene­dikt XVI. demon­strier­te Boni­no auf dem Peters­platz mit der Paro­le „No Tali­ban, No Vati­can“. Von Papst Fran­zis­kus wur­de sie Anfang Febru­ar 2016 als „ganz Gro­ße“ gelobt.)) dafür gut geht. Die hat auch aus Gewis­sens­grün­den gegen das Abtrei­bungs­ver­bot gekämpft, nicht wahr!? Sowohl Boni­no als auch Napo­li­ta­no gehen gut. Haupt­sa­che Morus kommt weg. Und ja nicht den Mül­ler neh­men ((Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, seit 2012 Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on.)), nur daß wir uns ver­ste­hen!

Papst Fran­zis­kus: Das paßt schon. Wich­tig ist, daß wir uns ver­ste­hen. Und herz­li­che Grü­ße an Ihre Frau!

Hein­rich VIII.:  An Katha­ri­na?

Papst Fran­zis­kus: An … an die, die … Ich muß wie­der an die Arbeit, um die Sache noch bes­ser zu regeln, um mehr Klar­heit zu den Neue­run­gen zu schaf­fen. Ich wer­de eine syn­oda­le Ände­rung des Ehe­ver­spre­chens durch­füh­ren, ich, Spa­daro und Mel­lo­ni. Statt „Ich ver­spre­che dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesund­heit und Krank­heit, bis der Tod uns schei­det“, das ja nun doch ein biß­chen in die Jah­re gekom­men ist, wer­de ich die For­mu­lie­rung ein­set­zen: „Ich ver­spre­che Dir die Treue von Fall zu Fall je nach den Lebens­um­stän­den“. So pas­sen wir die Leh­re der Pasto­ral an. Ich grü­ße Sie, Hein­rich!

Text: Liber­tà  e Per­so­na
Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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3 Kommentare

  1. .…und wegen der fünf wei­te­ren Gat­tin­nen, die Sie ja teil­wei­se sogar selbst ent­sorgt haben, brau­chen Sie auch kei­ne Skru­pel zu haben, sich den Sakra­men­ten zu nähern, wer­ter Hein­rich, da Sie ja immer 100â„…ig treu den Ein­spre­chun­gen Ihres Gewis­sens gefolgt sind! Ein Gewis­sen muss ja auch nicht immer die Herz­mit­te eines Men­schen aus­ma­chen, es kann manch­mal durch­aus auch etwas wei­ter unter­halb der Gür­tel­li­nie ange­setzt wer­den! Das ist von Fall zu Fall ver­schie­den!
    Und es muss Ihnen ja auch unbe­dingt zugu­te gehal­ten wer­den, dass Sie immer
    v o l l k o m m e n prin­zi­pi­en­treu gehan­delt haben, wenn Sie nach dem höchst mora­li­schen Grund­satz ali­ve — behea­ded — died — ali­ve — behea­ded — died, vor­ge­gan­gen sind! Sag­te doch unser Herr schon, dass wir voll­kom­men sein sol­len wie auch ER voll­kom­men ist?
    Bra­vo Hen­ry, Sie haben wirk­lich ein sehr hohes Maß der Voll­kom­men­heit erreicht und ich wer­de Sie nun end­lich zur Ehre der Altä­re erhe­ben. Den Selig­spre­chungs­pro­zess kön­nen wir in Ihrem Fall getrost über­sprin­gen — für Sie gilt unbe­dingt S a n t o S u b i t o !!!

    • Hoch­ge­ehr­te @Pia,
      Soweit ich weiß, lern­ten die eng­li­sche Schul­kin­der den Vers als folgt:
      „Divorced-behea­ded-died,
      divorced-behea­ded-sur­vi­ved“;
      dies kor­re­spon­diert mit dem Schick­sal der Frau­en:
      Catha­ri­na v. Ara­gon (Ver­sto­ßung mit Schei­dung nach miß­lun­ge­ner Ungül­tig­erklä­rung), Anna Boleyn (geköpft), Jane Sey­mour (gestor­ben im Kran­ken­bett), Anna von Kle­ve (pro­te­stan­tisch geschie­den), Catha­ri­na Howard (geköpft) und Catha­ri­na Parr (über­leb­te den König Hein­rich VIII, wur­de jedoch von des­sen Toch­ter Eli­sa­beth (Toch­ter v. Anna Boleyn) iso­liert in Dau­er­haft gehal­ten).
      Da kann man mit dem alten Blü­cher und sei­nen gerin­gen Fran­zö­sisch­kennt­nis­sen, nach der Schlacht von Bel­le-Alli­an­ce/Wa­ter­loo den Her­zog von Wel­ling­ton begeg­nend, nur sagen: „Quel­le affai­re!“.
      (es sind natür­lich sehr vie­le Affai­res) 🙂

      • Lie­ber @ Adri­en Antoi­ne,
        ich las­se mich natür­lich gern eines bes­se­ren beleh­ren, da ich mir nicht eigens die Mühe gemacht habe, das Schick­sal der ein­zel­nen Mätres­sen Hein­richs VIII. von Eng­land zu recher­chie­ren. Herz­li­chen Dank also fuer Ihre Rich­tig­stel­lung, die man sich viel­leicht mit d b d — d b s mer­ken kann. Ich den­ke mal, dass auch die bei­den divorced-Damen über­lebt haben? Ein wirk­lich schau­ri­ges Kapi­tel der Kir­chen­ge­schich­te jeden­falls, das die grau­sa­me Katho­li­ken­ver­fol­gung in Eng­land ein­ge­lei­tet und viel Blut­ver­gie­ßen ver­ur­sacht hat. Bis auf den heu­ti­gen Tag ist dem bri­ti­schen Thron­fol­ger ver­bo­ten, eine Katho­li­kin zu ehe­li­chen, es sei denn er wäre bereit den Thron­ver­zicht zu erklä­ren.
        Armes Eng­land — was ist bloß aus dir gewor­den?

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