„Im Buchstaben abgeschlossen“ (Papst Franziskus) — Versuch zur Überwindung von Verständnisbarrieren

Kardinal Raymond Burke
Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke, links Kar­di­nal Tag­le

Gast­kom­men­tar von Cle­mens Vic­tor Olden­dorf.

Mein gestern hier erschie­ne­ner Bei­trag „Kar­di­nal Bur­ke — Hoff­nungs­trä­ger Sisy­phos?“ hat in kur­zer Zeit eine rela­ti­ve Flut von Leser­zu­schrif­ten pro­vo­ziert. Viel­leicht ist sie noch gar nicht abge­ebbt. Bis gestern nacht haben die Kom­men­ta­re jeden­falls ganz über­wie­gend gezeigt, daß mein Arti­kel ins­ge­samt unver­stan­den geblie­ben, zumin­dest sei­tens der mei­sten, die sich dazu geäu­ßert haben, miß­ver­stan­den wor­den ist. Das gilt schlimm­sten­falls auch für mei­ne bis­he­ri­gen, auf oder für Katholisches.info ver­öf­fent­lich­ten Über­le­gun­gen. Dem möch­te ich mit die­ser Erwi­de­rung ent­ge­gen­wir­ken, mich aber damit zual­ler­erst für das Inter­es­se und das Enga­ge­ment bedan­ken, die durch die Dis­kus­si­on bewie­sen wur­den. Um das Ver­ständ­nis wirk­lich auf­zu­hel­len, bemü­he ich mich im fol­gen­den um wo mög­lich merk­satz­haf­te Kür­ze.

Zu meinem Argumentationsansatz

Was Kar­di­nal Wal­ter Kas­per errei­chen will, ist wahr­schein­lich noch unstrit­tig. Es geht ihm dar­um, wie­der­ver­hei­ra­te­ten, geschie­de­nen Gläu­bi­gen den Emp­fang der hei­li­gen Kom­mu­ni­on zu ermög­li­chen. In wei­te­rer Kon­se­quenz zusätz­lich Per­so­nen, die in homo­se­xu­el­len (Ein­ge­tra­ge­nen) Part­ner­schaf­ten leben. Er spricht das nicht so deut­lich aus, aber um die­se Zie­le zu errei­chen, ent­schließt er sich dazu, die in der klas­si­schen Moral­theo­lo­gie all­ge­mei­ne Über­zeu­gung von der Exi­stenz eines Natur­rechts zu ver­ab­schie­den. Auf die­se Wei­se soll sich erge­ben, daß es kei­ne Hand­lun­gen mehr gibt, die über­all und zu allen Zei­ten, unter allen Umstän­den „in sich schlecht“ und damit unbe­dingt ver­bo­ten, sowie moral­theo­lo­gisch objek­tiv immer „schwer sünd­haft“ sind. Pro for­ma könn­te der Kar­di­nal mei­nes Erach­tens zu Recht dar­auf hin­wei­sen, daß die Natur­rechts­vor­stel­lung ihren Kon­sens­cha­rak­ter längst ein­ge­büßt hat, mitt­ler­wei­le eigent­lich nur noch von der katho­li­schen Moral­theo­lo­gie auf­recht­erhal­ten wird, wo er aller­dings auch schon schwin­det, jeden­falls argu­men­ta­tiv nicht mehr ein­ge­setzt wer­den kann, um Per­so­nen, die noch nicht glau­ben, zu über­zeu­gen.

Es ist rela­tiv offen­sicht­lich, daß Kas­per wei­ter geht. Er ist selbst davon über­zeugt, daß es kein Natur­recht gibt. Das hat er spä­te­stens deut­lich gemacht, indem er gera­de zur Pro­ble­ma­tik der Homo­se­xua­li­tät auf unter­schied­li­che Kul­tur­krei­se ver­wies, in denen sie jeweils unter­schied­lich zu beur­tei­len sei. Zwi­schen den Ver­tre­tern die­ser ver­schie­de­nen Kul­tur­krei­se, nament­lich den afri­ka­ni­schen Bischö­fen, die Kas­per Wider­stand gelei­stet hat­ten und Kas­per selbst sowie den Befür­wor­tern sei­ner The­se, kön­ne es nicht ein­mal zu einer Ver­stän­di­gung, geschwei­ge denn zu einer über­ein­stim­men­den, gemein­sa­men Beur­tei­lung der Homo­se­xua­li­tät kom­men.

Doch die Abkehr Kas­pers vom Natur­recht ist nur der erste Teil sei­ner Argu­men­ta­ti­on. Vor allem möch­te er — mit Schön­born — einen Trans­fer lei­sten von der öku­me­ni­schen Annah­me des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils, es gebe außer­halb der sicht­ba­ren Gren­zen der katho­li­schen Kir­che ekkle­sia­le Ele­men­te, die in Gesamt­heit in der katho­li­schen Kir­che Roms zu vol­ler Gestalt ver­wirk­licht, in den getrenn­ten Kir­chen und kirch­li­chen Gemein­schaf­ten mehr oder weni­ger vor­han­den sei­en und, je voll­zäh­li­ger, desto stär­ker, auf die katho­li­sche Ein­heit mit und unter Petrus und sei­nen Nach­fol­gern hin­dräng­ten.

Kas­per und Schön­born wol­len die­se Ele­ment­e­theo­rie von der Ekkle­sio­lo­gie, wo sie nicht ganz unbe­rech­tigt ist, weil die Kir­che nie die Exi­stenz gül­ti­ger Sakra­men­te bei Schis­ma­ti­kern bestrit­ten hat und die­se auch immer auf­ge­for­dert hat, (wie­der) zur Ein­heit mit ihr zu fin­den, auf die Ehe über­tra­gen. Auch die­ser Gedan­ke ist nicht rund­weg falsch, gera­de, weil im Sakra­ment der Ehe ekkle­sio­lo­gisch sehr­wohl eine Ent­spre­chung des bräut­li­chen Ver­hält­nis­ses Chri­sti zu sei­ner Kir­che vor­liegt. Doch nicht die­se tat­säch­li­che Ana­lo­gie wol­len Kas­per und Schön­born von neu­em bestä­ti­gen, son­dern eine neue Schnitt­men­ge und Ent­spre­chung zwi­schen der sakra­men­ta­len Ehe und der staat­li­chen Zivil­ehe, letzt­lich zwi­schen der sakra­men­ta­len Ehe und jeder, wenig­stens auf Dau­er ange­leg­ten, in geschlecht­li­cher Anzie­hung moti­vier­ten, Lebens­ge­mein­schaft (zwei­er) Men­schen fin­den. Sol­che Gemein­sam­kei­ten sol­len zum Bei­spiel sein: Dau­er (Treue), gegen­sei­ti­ge Für­sor­ge und gege­be­nen­falls gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung für Nach­kom­men oder ande­re Schutz­be­foh­le­ne.

Wirklichkeit des Naturrechts und katholische Moral

Da ich per­sön­lich die Wirk­lich­keit des Natur­rechts aner­ken­ne und sie für die Kon­zep­ti­on einer katho­li­schen Moral­theo­lo­gie für unent­behr­lich hal­te, gleich­zei­tig aber über­zeugt bin, daß man nicht umhin­kommt, anzu­er­ken­nen, daß das Natur­recht in den kon­kret exi­stie­ren­den Staa­ten, bes­ser wür­de man bereits poli­ti­schen Gesell­schaf­ten sagen, als Rechts­quel­le unwirk­sam gewor­den ist und auch phi­lo­so­phisch nicht mehr mit Natur­recht argu­men­tiert wer­den kann, wes­we­gen ich zwi­schen Gül­tig­keit und Gel­tung des Natur­rechts unter­schie­den habe, habe ich über­legt, wie man moral­theo­lo­gisch argu­men­tie­ren müß­te, um zu Kas­pers gewünsch­tem Ergeb­nis zu gelan­gen, ohne wie die­ser Gül­tig­keit und Anspruch des Natur­rechts preis­zu­ge­ben und doch rea­li­stisch zu sehen, daß es prak­tisch im Staat momen­tan nicht mehr gilt und auch phi­lo­so­phisch und juri­stisch nicht mehr wahr­ge­nom­men wird.

Zugleich habe ich eine Lösung gesucht, unter Wah­rung des Natur­rechts­an­spruchs und des über­lie­fer­ten Dog­mas zu einem Ergeb­nis zu gelan­gen, in dem ein Kom­mu­nion­emp­fang durch geschie­de­ne Wie­der­ver­hei­ra­te­te, unver­hei­ra­te­te Paa­re und Per­so­nen glei­chen Geschlechts, die dau­er­haft in einer gege­be­nen­falls staat­lich aner­kann­ten Geschlechts­ge­mein­schaft leben, nicht zwin­gend als Zustand schwe­rer Sün­de und der Kom­mu­nion­emp­fang des­we­gen nicht zwangs­läu­fig in jedem Fall als sakri­le­gisch ein­zu­stu­fen wäre.

Skizze dieser Lösung

Die sakra­men­ta­le Ehe ist streng­ge­nom­men bloß der Son­der­fall einer natur­recht­li­chen Ein­ehe, die, wenn zwei kom­ple­men­tär­ge­schlecht­li­che Chri­sten sie unter­ein­an­der schlie­ßen, von Chri­stus zur Wür­de eines Sakra­men­tes erho­ben und unauf­lös­lich ist, sobald die Ehe­part­ner die­se Ehe nach der Ehe­schlie­ßung wenig­stens ein­mal voll­zo­gen haben.

Wie man aus dem Alten Testa­ment erken­nen kann, ist Mono­ga­mie kein not­wen­di­ges Ele­ment jeder Natur­recht­sehe.

Die Zivil­ehe, wie wir sie in unse­ren Staa­ten tra­di­tio­nell ken­nen, ist frei­lich eine Ein­ehe. Eine natur­recht­li­che Ein­ehe ist auch nicht unauf­lös­lich, selbst die sakra­men­ta­le Ehe ist dies prin­zi­pi­ell nicht, solan­ge sie nicht voll­zo­gen ist. Die Unauf­lös­lich­keit der Ehe kann also nicht natur­recht­lich argu­men­tiert wer­den. Für die Zivil­ehe indes ist der Voll­zug der Ehe recht­lich uner­heb­lich. Die Mög­lich­keit der Schei­dung einer voll­zo­ge­nen Zivil­ehe ist also nicht unbe­dingt ein Wider­spruch zu einer Ana­lo­gie zur sakra­men­ta­len Ehe, zeigt aber doch an, daß eine sozu­sa­gen säku­la­ri­sier­te , gleich­sam ver­staat­lich­te, Kon­zep­ti­on von Ehe schon sehr früh begon­nen hat, sich vom zwei­fel­los reli­gi­ös-christ­li­chen Vor­bild zu ent­fer­nen.

Staats­theo­re­tisch war das Natur­recht histo­risch durch­aus grund­le­gend, sogar anthro­po­lo­gisch ver­an­kert. Wenn aber heu­ti­ge Staa­ten selbst gleich­ge­schlecht­li­che Ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaf­ten recht­lich ermög­li­chen, die sie der Zivil­ehe de fac­to und de jure prak­tisch gleich­stel­len und gege­be­nen­falls auch offi­zi­ell Ehe nen­nen, muß man schluß­fol­gern, daß ein sol­cher Staat für sei­ne Zivil­ehe außer (bis jetzt) der Mono­ga­mie jede Gemein­sam­keit mit der natur­recht­li­chen Ein­ehe, wie sie das mit­tel­ba­re Vor­bild der ursprüng­li­chen Zivil­ehe war, auf­ge­ge­ben hat.

Ich argu­men­tie­re nun, Kas­per müs­se tak­ti­scher sagen, Zivil­ehe und erst recht Ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft hät­ten nichts mehr mit der natur­recht­li­chen Ein­ehe gemein­sam und des­we­gen noch viel weni­ger irgend­wel­che Berüh­rungs­punk­te mit der sakra­men­ta­len Ehe. Dann bedeu­tet näm­lich das Ein­ge­hen einer sol­chen Ver­bin­dung nicht mehr die Begrün­dung eines Sta­tus‘, bei des­sen Vor­lie­gen die Moral­theo­lo­gie qua­si auto­ma­tisch schon rein for­mal den Zustand schwe­rer Sün­de vor­aus­set­zen muß.

Das mein­te ich, als ich neu­lich aus­führ­te, solan­ge aus einer sol­chen Ver­bin­dung kei­ne Kin­der her­vor­gin­gen, kön­ne man gar kei­ne Unzucht­s­sün­den zwi­schen den Ehe­part­nern bewei­sen, andern­falls höch­stens ein­zel­ne, die man aber ja wie alle Tod­sün­den bereu­en und beich­ten kann und anschlie­ßend sogar wie­der kom­mu­ni­zie­ren soll, um die Kraft zu schöp­fen, nicht aber­mals schwer zu sün­di­gen.

Bei gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaf­ten ist die Ent­spre­chung zur sakra­men­ta­len Ehe noch radi­ka­ler auf­ge­ho­ben, weil sie nicht ein­mal mehr ein schat­ten­haf­ter Abglanz der bräut­li­chen Bezie­hung Chri­sti zu sei­ner Kir­che ist. Hier liegt, nur ganz neben­bei gesagt, mei­nes Erach­tens das dog­ma­ti­sche Haupt­ar­gu­ment gegen das sakra­men­ta­le Amtsprie­ster­tum der Frau.

Da aber bei homo­se­xu­ell prak­ti­zie­ren­den Part­nern eige­ne Nach­kom­men­schaft prin­zi­pi­ell aus­ge­schlos­sen ist, kann man in die­sem Fal­le eine sexu­el­le Pra­xis über­haupt nicht bewei­sen, es sei denn, man wird Augen­zeu­ge — oder die Betrof­fe­nen bekun­den es öffent­lich.

Da aber auch bei einer Ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft vom Gesetz­ge­ber kei­ne gemein­sa­me sexu­el­le Pra­xis zur Bedin­gung gemacht wird, begrün­det sogar eine sol­che nicht per se eine sozu­sa­gen staat­li­che Insti­tu­tio­na­li­sie­rung von etwas, das moral­theo­lo­gisch zwangs­läu­fig ein Zustand schwe­rer Sün­de ist.

Auch hier sind also höch­stens ein­zel­ne Unzucht­s­sün­den denk­bar, und homo­se­xu­ell emp­fin­den­de Men­schen kön­nen sie wie alle Sün­den und wie jeder ande­re bereu­en und beich­ten und sind dann zur Kom­mu­ni­on zuzu­las­sen.

Solan­ge jemand das nicht pro­vo­kant sagt oder öffent­lich tut, hat dar­über­hin­aus nie­mand ein Recht, vor­aus­zu­setz­ten, daß jemand gleich­ge­schlecht­lich sün­digt, nicht bereut, nicht beich­tet und trotz­dem kom­mu­ni­ziert!

So müss­te und könn­te mei­nes Erach­tens eine Argu­men­ta­ti­on aus­se­hen, die im Ergeb­nis mit Kas­pers Ziel über­ein­stimmt, zugleich aber mit prak­ti­schem Rea­li­täts­sinn zur Kennt­nis, kei­nes­wegs kapi­tu­lie­rend hin­nimmt, daß das Natur­recht momen­tan nir­gend­wo mehr gilt oder als Argu­ment bemüht wird, ohne damit den Natur­rechts­an­spruch auf­zu­ge­ben oder selbst Gül­tig­keit und Wirk­lich­keit des Natur­rechts zu bestrei­ten oder zu igno­rie­ren.

Wie eine sol­che Argu­men­ta­ti­on auch einen wür­di­gen und frucht­brin­gen­den Kom­mu­nion­emp­fang ermög­li­chen könn­te, ohne gegen die Prin­zi­pi­en der klas­si­schen Moral­theo­lo­gie zu ver­sto­ßen, habe ich gera­de gezeigt. Nicht mehr und nicht weni­ger habe ich immer gesagt. Es ist mir schlei­er­haft, wie man das so tief­grei­fend miss­ver­ste­hen kann, daß man mir unter­stellt, für Kas­per Par­tei ergrif­fen oder gar Sinn­frei­es geschrie­ben zu haben.

Meine Probleme mit der Synode

Als Pro­blem betrach­te ich, daß Kas­per und Schön­born gera­de nicht so argu­men­tie­ren und trotz­dem wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne und Per­so­nen, die homo­se­xu­ell leben, zu den Sakra­men­ten zulas­sen wol­len.

Wei­ters, daß die Mehr­heits­ver­hält­nis­se kei­nes­wegs so kom­for­ta­bel von der Zwei­drit­tel­mehr­heit ent­fernt waren, daß man jetzt mit Blick auf 2015 Ent­war­nung geben könn­te und der Papst ohne­hin selbst an ein qua­li­fi­ziert ableh­nen­des Votum einer Bischofs­syn­ode nicht gebun­den ist, was Papst Paul VI. 1967 mit der Mis­sa Nor­ma­ti­va und 1969 mit dem Novus Ordo Mis­sae vor­ex­er­ziert hat.

Das Pro­blem, das am schwer­sten wiegt, betrifft aber eigent­lich gar nicht die jetzt ver­gan­ge­ne oder die bevor­ste­hen­de Syn­ode und ihr wahr­schein­li­ches Resul­tat. Man muß näm­lich fol­gen­des sagen: Bis­her hat das römi­sche Lehr­amt an der klas­si­schen katho­li­schen Moral­theo­lo­gie fest­ge­hal­ten, die sich auf das Natur­recht grün­det und ihm in allem ent­spricht, in vie­lem aber auch nur direkt aus dem tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Glau­ben abge­lei­tet wer­den kann, gera­de in der Ehe­mo­ral. Katho­li­sche Moral ist eine Kon­se­quenz aus dem katho­li­schen Glau­ben. Seit Paul VI. und unter Johan­nes Paul II. hat man sozu­sa­gen aus dem kon­zi­lia­ren Glau­ben eine katho­li­sche Moral abge­lei­tet. Wenn Ände­run­gen à  la Kas­per fol­gen, ist das eigent­lich viel kon­se­quen­ter, dann folgt aus dem öku­me­nisch-kon­zi­lia­ren Glau­ben eine öku­me­nisch-kon­zi­lia­re Moral.

Das gra­vie­rend­ste Pro­blem ist die Reak­ti­on, die ich gestern erlebt habe. Die Kon­ser­va­ti­ven wol­len wei­ter­hin eine kon­ser­va­ti­ve Inter­pre­ta­ti­on des kon­zi­lia­ren Glau­bens der tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Moral­leh­re und ‑pra­xis zuord­nen, die Tra­di­tio­na­li­sten bestä­ti­gen voll­um­fäng­lich das Bild, das Papst Fran­zis­kus in sei­ner Abschluß­an­spra­che von ihnen gezeich­net hat, aber sie wider­le­gen auch sei­ne The­se einer weit­ge­hen­den Gleich­set­zung von katho­li­schem Tra­di­tio­na­lis­mus und Intel­lek­tua­lis­mus, denn sie kön­nen den katho­li­schen Glau­ben und sei­ne Glau­bens­pra­xis offen­bar eben nicht mehr intel­lek­tu­ell begrün­den, sobald sie dazu ihre gewohn­ten Erklä­rungs­mu­ster auf­ge­ben oder auch nur vari­ie­ren müs­sen. Letz­te­res habe ich gestern ver­sucht, sonst nichts. Wie soll man die Moder­ni­sten sonst wider­le­gen, wenn nicht so? Wie Men­schen zum katho­li­schen Glau­ben hin­füh­ren, wenn es nun­mal Tat­sa­che ist, daß das Natur­recht­s­ar­gu­ment außer­halb von Krei­sen, die ihm sowie­so zustim­men, nicht mehr über­zeugt, nicht ein­mal mehr bekannt ist?

Bild: Info­Va­ti­ca­na

90 Kommentare

  1. Was Sie mit Ihrem Arti­kel aus­sa­gen woll­ten, das ist uns schon klar, wenn­gleich es müh­sam ist, das gan­ze theo­lo­gi­sche Gebäu­de zu lesen und zu durch­den­ken. Nun mei­nen Sie, das braucht man, um den Moder­ni­sten Paro­li bie­ten zu kön­nen. Das ist aber ein gra­vie­ren­der Denk­feh­ler: Moder­ni­sten wie Kas­par set­zen nicht die Theo­lo­ge ein, um Inhal­te zu begrün­den, son­dern ihre pri­vat zusam­men­ge­schu­ster­ten Inhal­te wer­den der Theo­lo­gie auf­ge­zwun­gen. Des­halb ist eine Aus­ein­an­der­set­zung wie die Ihre rein aka­de­misch und ist in der Pra­xis des Glau­bens­kamp­fes nicht ein­setz­bar. Gän­gi­ge Aus­sa­gen und Leit­sät­ze dage­gen sehr wohl. Sie irren natür­lich nicht, wenn Sie die Moral als etwas sehen, was in den letz­ten Jahr­zehn­ten noch so ziem­lich das Ein­zi­ge war, dass nicht rela­ti­viert wur­de. Aber egal, was Sie argu­men­tie­ren: Ber­go­glio wird das ziem­lich wurscht sein. Er denkt nicht theo­lo­gisch. Und wen Sie hier über­zeu­gen, das sind- wie Sie sel­ber fest­stel­len- mit Sicher­heit nicht die Con­ser­va­ti­ven und schon gar nicht die Tra­di­tio­na­li­sten. Blei­ben also noch noto­ri­sche Que­ru­lan­ten, die einen sei­ten­wei­se mit ihrer angeb­li­chen Bil­dung lang­wei­len und jubeln­de Moder­ni­sten, die Ihren Bei­trag zwar über­haupt nicht kapie­ren, aber in der übli­chen moder­ni­sti­schen Ver­zer­rung für sich miß­brau­chen. Wem ist dem­zu­fol­ge damit gedient? Wenn zu mir ein Tra­di sagt, Ber­go­glio sei ein Häre­ti­ker, dann stim­me ich dem zu, weil ich es genau­so sehe. Wenn ein Con­ser­va­ti­ver den letz­ten Rest unver­fälsch­ter katho­li­scher Moral ret­ten möch­te, dann stim­me ich dem zu. Ich stim­me in unver­brüch­li­cher Soli­da­ri­tät auch dann zu, wenn ich selbst der Mei­nung bin, die Moral sei nicht alles. Sie ist aber das letz­te, was wir noch bis­lang ret­ten konn­ten- alles ande­re ist bereits zer­trüm­mert, zer­stört, eli­mi­niert. Dem­zu­fol­ge wür­de ich bei jeder Abstim­mung prin­zi­pi­ell für den Weg der Tra­di­tio­na­li­sten und/oder Kon­ser­va­ti­ven stim­men. Die Zeit der gro­ßen theo­lo­gi­schen Refelk­tio­nen eines gro­ßen Pap­stes sind vor­bei- der Mini­ma­lis­mus und Rela­ti­vis­mus lun­gert nuschelnd in Rom her­um und den gro­ßen Barm­her­zig­keits­dik­ta­tor- ich sag­te es bereits- inter­es­siert Theo­lo­gie einen feuch­ten Kericht.

    • Da nach dem Vat. I die Mei­nung, die Sie hier äußern, sogar als Irr­leh­re ver­wor­fen wird, soll­ten Sie dar­über nach­den­ken, was Sie sagen: der Glau­be ist lt. „Dei Fili­us“ immer im Kleid der Ver­nunft sowohl selbst zu ergrei­fen als auch zu ver­mit­teln (lehr­amt­lich) und zu bezeu­gen (durch das allg. Prie­ster­tum). Eine rein gefühl­te Opti­on ist unzu­läs­sig, es sei denn, man hat wirk­lich nicht das Zeug dazu, einer intel­lek­tu­el­len Aus­ein­an­der­set­zung zu fol­gen — dann wäre jedoch eher Zurück­hal­tung ange­sagt als das etwas vul­gä­re Drauf­dre­schen auf die, die sich ernst­haf­te Gedan­ken machen.

      Nor­ma­ler­wei­se müss­te dies ein intak­tes Lehr­amt lei­sten. Das haben wir aber nicht. Auch wenn tie­fe­res Nach­den­ken Sie lang­weilt, wie Sie oben sagen — ob das vor dem ewi­gen Rich­ter gel­ten kann?
      Das alles hier ist kein Selbst­zweck, son­dern fin­det in einer Welt statt, die ver­geht im Zorn Got­tes. Wie­viel Lie­be haben wir, wenn wir nicht alles so sorg­fäl­tig wie mög­lich durch­den­ken, um den „Grie­chen“ tat­säch­lich „Grie­chen“ zu wer­den?

  2. Sehr geehr­ter Cle­mens Vic­tor Olden­dorf: Sind Sie nun dafür, dass Wider­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne, die sexu­ell mit­ein­an­der ver­keh­ren und aktiv Homo­se­xu­el­le (wenn sie dies aber nicht laut hin­aus­po­sau­nen) die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on erhal­ten, JA oder NEIN. Denn Sie kom­men mir vor wie ein Poli­ti­ker, der mit vie­len Wör­tern nichts aus­sagt.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen

    • Es ist doch ganz klar, dass Olden­dorf Ihre Fra­ge per­sön­lich mit NEIN beant­wor­tet. Trotz­dem kann der Prie­ster nie­man­den von der Kom­mu­ni­on aus­schlie­ßen, von dem er annimmt irgend­ei­ne Tod­sün­de began­gen und nicht gebeich­tet zu haben. Beson­ders letz­te­res kann man eigent­lich nie wis­sen. Übri­gens ist es da auch ganz egal, um wel­che Art Tod­sün­de es sich da han­deln soll­te.

    • @Armin: es ist unschwer zu erken­nen, wor­auf Herr Olden­dorf abziehlt. Es geht mit vie­len Wor­ten dar­um, die Leh­re Chri­sti zu ver­fäl­schen und in einen Relat­vis­mus hin­ein abzu­än­dern- genau das Pro­g­armm von Herrn Ber­go­glio und sei­ner Ein­peit­scher.
      Die Leh­re Chri­sti ist endeu­tig- das has­sen heu­ti­ge Theo­lo­gen und Klü­geln­de in der Regel. Wenns nicht so wäre- also ein­deu­ti­ge Gebo­te- gäbs hier­zu auch kei­ne zu bereu­en­den Sün­den mehr. Es ist genau das Pro­gramm des Duch­ein­an­der­wer­fers, des Lüg­ners von Anfang an.
      Man soll­te kei­ne Theo­lo­gie stu­die­ren, denn wer sich ver­der­ben will und weiß nicht wie stu­die­re Theo­lo­gie. Das sind Tat­sa­chen, nur weni­ge Aus­nah­men bestä­ti­gen die­se Regel. Meist haben aber Theo­lo­gen von „Acker­bau und Vieh­zucht“ kei­ne Ahnung, denn es sind Ver­bür­ger­lich­te, Ver­weich­lich­te und wer­den ja ver­weich­licht durch das Stu­di­um hin­durch: das ist das Pro­blem der Kir­che min­de­stens seit Luthers Zei­ten: die ver­bür­ger­lich­ten Mau­er­be­woh­ner. Die waren ja sein Anhang. Von Chri­stus aber haben sol­che kei­ne Ahnung.

  3. Ich den­ke, dass es Hw Prof. May auf den Punkt gebracht hat, als er vor nicht all­zu lan­ger Zeit in einem Inter­view mit der „Kirch­li­chen Umschau“ beton­te:

    „Was immer man für oder gegen das Kon­zil sagen mag:
    Mit dem Kon­zil begann das Ende jeder Sicher­heit in Fra­gen der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re sowie der kirch­li­chen Ord­nung.
    Die nach­kon­zi­lia­re Bewe­gung ist nicht nur über das Kon­zil hin­aus­ge­schrit­ten, son­dern hat sich in gewich­ti­gen Punk­ten gegen das Kon­zil gestellt.“
    +
    „Was in die­ser Zeit vor sich gegan­gen ist, das ist die – ver­such­te – Selbst­zer­stö­rung.“
    +
    „Die Zer­stö­rung der kirch­li­chen Leh­re geht von den Theo­lo­gen aus.“
    +
    „Lie­ber Dut­zen­de von Pro­fes­so­ren und viel­leicht gan­ze Fakul­tä­ten ver­lie­ren als die­se Ein­falls­to­re der Häre­sie wei­ter offen hal­ten.“
    +
    „Das Schlimm­ste, was der Kir­che in der gegen­wär­ti­gen Kri­se pas­sie­ren könn­te, wäre die Nach­gie­big­keit gegen­über den For­de­run­gen des Pro­gres­sis­mus und des Zeit­gei­stes – was bei­des oft zusam­men­fällt.“
    +
    „Es ist offen­kun­dig, daß die Kri­se der Kir­che eine Kri­se der Bischö­fe ist.“

    Hw May for­der­te wei­ter,
    dass die Aus­bil­dung der Prie­ster zu den Prin­zi­pi­en zurück­keh­ren müss­te, die vor dem Vati­ca­num II. gal­ten.

    Soll nun das näch­ste Kapi­tel der „Öff­nung zur Welt“ geschrie­ben wer­den ?
    Die „Moder­ni­sie­rung“ der Sit­ten- und Moral­leh­re etwa ?!

    Hw Sie­be­rer :
    -
    „In den Pfar­ren fin­det man immer wie­der älte­re Prie­ster, die sich selbst als „fru­strier­te
    Kon­zils­ge­nera­ti­on” bezeich­nen, und Jahr­zehn­te lang die Anthro­po­zen­trik bis zum Glau­bens­zwei­fel gelebt haben. Doch was ist aus dem ange­kün­dig­ten gro­ßen Auf­bruch nach dem Kon­zil gewor­den? War die Öff­nung zur Welt nicht häu­fig eine erstaun­lich ein­falls­lo­se Anbie­de­rung an den Zeit­geist? Wo sind die Mas­sen in die Kir­che geströmt, die man durch die „Moder­ni­sie­run­g” der Lit­ur­gie und Ver­kün­di­gung gewin­nen woll­te?

    Zehn­tau­sen­de Prie­ster haben in der Zeit nach dem Kon­zil ihr Amt auf­ge­ge­ben, vie­le sind in ihrem Den­ken und Tun zum Pro­te­stan­tis­mus kon­ver­tiert und unzäh­li­ge haben vor lau­ter Ent-täu­schun­gen mit den Men­schen ihre Freu­de an Gott ver­lo­ren. “
    -

  4. Dan­ke für Ihre sach­li­chen Bei­trä­ge.

    Es wäre wohl sinn­voll einen aus dem „Tra­di­tio­na­lis­mus“ dar­auf ant­wor­ten zu las­sen nur um die Argu­men­te bes­ser abwä­gen zu kön­nen.

    Sicher­lich könn­te die Redak­ti­on jeman­den um eine Stel­lung­nah­me zu den Aus­füh­run­gen von Hr. Olden­dorf bit­ten.

    Durch Ihre Bei­trä­ge wird das Niveau und die Serio­si­tät die­ser Sei­te sehr ange­ho­ben.

    Katholisch.info scheint mir die ein­zi­ge deut­sche tra­di­tio­nel­le Sei­te ohne Ein­fluss von Außen zu sein. Kath.net ist ja lei­der Schön­born und Marx loy­al.

  5. Ich ver­ste­he immer noch nichts — und will es ehr­lich gesagt auch nicht mehr.
    (Ich glau­be eher, dass sich der Teu­fel auch hier mit die­sem Bei­trag schon lang­sam ein­schleicht)
    Euer Ja soll ein Ja sein und Euer Nein soll ein Nein sein !!
    Natür­lich kann es auch sein, dass mein Intel­lekt hier ein­fach nicht mit­kommt — ohne Iro­nie.

    • Die Argu­men­ta­ti­on wird mir in sich nicht ver­ständ­lich. Theo­re­tisch hat Herr Olden­dorf recht: Was gar nichts mehr mit der Ehe und dem Natur­recht zu tun hat, kann auch nicht dar­an her­an­rei­chen (an Ehe und Natur­recht). Bereut habend stün­de den ‚Sün­dern‘ also dem Zugang zur Kom­mu­ni­on nichts ent­ge­gen.
      Aber es wäre doch kin­disch zu glau­ben, Herr Kas­per wer­de die Denk­wei­se anneh­men, die Per­so­nen­grup­pe der wie­der­verh. Geschie­de­nen wie der homo­se­xu­el­len staat­lich ‚ver­ehe­lich­ten‘ Paa­re, wür­de all­mäh­lich bereu­en und wie­der zur trad. katho­li­schen natur­recht­li­chen Ehe hin­stre­ben. Ein­mal soll das Natur­recht gel­ten, dann wie­der nicht?! Wenn Herr Kas­per nicht an das Natur­recht glaubt, kann er da Herr Olden­dorfs Posi­ti­on auch nicht ver­mit­teln. Viel­mehr muss er (Kas­per) untheo­lo­gisch und rein ‚human‘ den­ken, was er ja auch de fac­to tut.
      Viel­mehr erfolg­te doch fak­tisch und prak­tisch eine Sank­tio­nie­rung und Sta­bi­li­sie­rung von dem, was ’nicht‘ sakra­men­tal, also sünd­haft ist.
      Wie soll man aber etwas ‚Nicht-Sakra­men­ta­les‘ zum Sakra­ment zulas­sen, es damit also still­schwei­gend, solan­ge unbe­reut und fort­be­stehend, selbst zum Schat­ten-Sakra­ment erhe­ben und schließ­lich noch erwar­ten, so etwas wie natür­li­ches Den­ken, d. h. Natur­rechts­emp­fin­den wür­de sich im Ver­ständ­nis des Sün­ders (in der Berüh­rung mit Jesus in der Kom­mu­ni­on) all­mäh­lich wie­der ein­stel­len und die sünd­haf­ten Gemein­schaf­ten wür­den also in der Kon­fron­ta­ti­on mit dem Sakra­met zur Ein­sicht kom­men. D.h. sie lösten sich post­hum sel­ber wie­der auf.
      Der­art quer könn­te selbst ein Kar­di­nal Kas­per nicht den­ken.
      Die Ver­nunft sagt doch, wer gegen ein Gebot ver­stößt, ver­stößt indi­rekt gegen alle ande­ren.
      Wenn wir glau­ben, dass Sakra­met ver­wa­de­le uns gegen unse­ren (bösen) Wil­len, dann unter­lie­gen wir in Wirk­lich­keit einem magi­schen Den­ken. Gott rührt den Wil­len eines Men­schen aber nicht magisch an.
      Logi­scher ist für Kas­per der bis­her gegan­ge­ne Weg. Zumin­dest wür­de dies für die wie­der­ver. Geschie­de­nen gel­ten: Man schaut, wo Men­schen im Rah­men der ‚Erste­he‘ zwar äußer­lich das Sakra­ment geschlos­sen haben, das ehe­li­che Grund­ver­ständ­nis aber erst in der neu­en Zivil­ehe ver­wirk­li­chen. Das wäre schwer zu beur­tei­len, m.E. aber sogar mensch­lich und barm­her­zig.
      Pro­ble­ma­tisch dar­an wären nur die sich sicher ein­stel­len­den Aus­wüch­se in der Pra­xis. Denn die Erfah­rung zeigt doch: nur sel­tenst wird aus einem Sau­lus ein Pau­lus; und um den alten Part­ner los­zu­wer­den und legi­tim einen neu­en zu erhal­ten, damit die Repu­ta­ti­on wie­der stimmt, ver­spricht man so ziem­lich alles, auch vor Gott. Die Pro­ble­ma­tik ist in sich so viel­schich­tig, dass man aufs Glatt­eis kommt und sich ver­wir­ren wür­de. Des­halb plä­die­re ich dafür, man prüft geau­er in den Diö­ze­san­of­fi­zi­en den Glau­ben wie auch in den Gemein­den vor Ort und schärft den Blick für die Glau­bens­pra­xis, bevor man über­haupt ein Ehe-Sakra­met vor dem Prie­ster Got­tes ’spen­den lässt‘. Das wäre alles in allem noch rigie­der, aber auch ehr­li­cher. Im Moment wird lei­der nur getrickst.

  6. Olden­dorf ‑der „die“ (!) gest­ri­ge Reak­ti­on auf sei­ne Aus­füh­run­gen für das „gra­vie­rend­ste Pro­blem“ hält (letz­ter Absatz, im vor­letz­ten ist das „Pro­blem, das am schwer­sten wiegt“ , noch ein ande­res) , erklärt sich also nun deut­li­cher. Er beläßt es dies­mal nicht bei dem all­ge­mei­nen Hin­weis, es gehe nicht um Wesent­li­ches. Der Nach­weis soll geführt wer­den, daß man zum vom Kas­per gewünsch­ten Ergeb­nis auch ohne Preis­ga­be der Natur­rechts­leh­re und des Dog­mas gelan­gen kön­ne. Ob die­ser Ver­such nur pro­phy­lak­ti­schen Erwä­gun­gen im Hin­blick auf ekkle­sio­lo­gi­sche Kon­se­quen­zen, die sich nach dem Okto­ber 2015 erge­ben könn­ten, geschul­det ist, oder anders moti­viert ist, mag man vor­läu­fig auf sich beru­hen las­sen.

    Anschei­nend lau­tet der eigent­li­che „Beweis“ ‑befreit von sei­nem krau­sen Bei­werk- wie folgt:

    Das Natur­recht wird heu­te nicht mehr aner­kannt, ja nicht ein­mal mehr ver­stan­den. Infol­ge­des­sen ist die Zivil­ehe (gleich­gül­tig, ob zwi­schen ver­schie­den- oder neu­er­dings auch gleich­ge­schlecht­li­chen Per­so­nen), wie sie in moder­nen Staa­ten und Gesell­schaf­ten eta­bliert ist, etwas ande­res als die natur­recht­li­che und erst recht als die sakra­men­ta­le Ehe. Sexu­el­le Akte sei­en für das Ein­ge­hen die­ser Zivil­ehen kei­ne wesent­li­che Bedin­gung, daher könn­ten sie in kon­kre­ten Fäl­len auch nicht ein­fach vor­aus­ge­setzt wer­den. Von dem­je­ni­gen, der in einer sol­chen Zivil­ehe lebt, kann manal­so nicht behaup­ten, daß er mit sei­nem (neu­en) „Part­ner“ Gesch­echts­ge­mein­schaft pflegt, es sei denn dies sei irgend­wie bekannt. Also kön­nen, soweit es das Forum exter­num betrifft, sol­chen Per­so­nen die Sakra­men­te auch dann nicht ver­wei­gert wer­den, wenn eine oder bei­de bereits ander­wei­tig gebun­den sind (durch das sakra­men­ta­le Ehe­band) oder es sich um gleich­ge­schlecht­li­che Per­so­nen han­delt . (Das Forum inter­num wird von O. nicht in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen.)

    Wei­ter unten spricht O. von prak­ti­schem Rea­li­täts­sinn. Damit hat aber ‑um nur dies zu erwäh­nen- sein Kon­strukt nichts zu tun hat. Ver­mut­lich hat O. noch nie­mals etwas von den „princi­pia refle­xa“ gehört, prak­ti­schen, auf Rea­li­täts­sinn beru­hen­den Klug­heits­re­geln, die der (recht­gläu­bi­gen) Moral­theo­lo­gie gemäß auf Fäl­le anzu­wen­den sind, bei denen die Fak­ten­la­ge nicht evi­dent ist. Eines die­ser Prin­zi­pi­en lau­tet nun: „Ex com­mu­ni­ter con­tin­gen­ti­bus pru­dens fit praesump­tio“. Das bedeu­tet, ange­wen­det auf die Zivil­ehe, ganz beson­ders auf die „Homo­ehe“: Die Ver­mu­tung steht dafür, daß es zu Geschlechts­ak­ten kommt. Leu­te, die „wie Ehe­leu­te“ zusam­men­le­ben, wer­den dies in der Regel auch bezüg­lich der geschlecht­li­chen Intim­sphä­re tun. Es ist kei­ne Sün­de (etwa „fre­vent­li­ches Urteil“), dies anzu­neh­men, son­dern schlich­ter Rea­li­täts­sinn. Es müß­te also in foro exter­no in jedem ein­zel­nen Fal­le öffent­lich(!!!) bewie­sen wer­den bzw., fest­ste­hen, daß es nicht zu Geschlechts­ak­ten kommt, da anson­sten bei der Spen­dung der Sakra­men­te scan­dalum vor­lie­gen wür­de. Dies ist aber prak­tisch undurch­führ­bar. Oder soll etwa der Pfar­rer dies von der Kan­zel ver­kün­den?

    • Fort­set­zung:

      Wie bereits ange­deu­tet, ist es nicht mei­ne Absicht, auf alle Über­le­gun­gen O.s ein­zu­ge­hen. Auf eine bril­li­an­te Ein­las­sung gegen Ende des Arti­kels sei noch hin­ge­wie­sen. O. wört­lich: „Die Kon­ser­va­ti­ven wol­len wei­ter­hin eine kon­ser­va­ti­ve Inter­pre­ta­ti­on des kon­zi­lia­ren Glau­bens der tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Moral­leh­re- und pra­xis zuord­nen…“. Wenn ich die­se sprach­li­che Zumu­tung rich­tig ver­stan­den habe (dies nur als Kau­te­le, sonst äußert O. sicher wie­der umge­hend Zwei­fel an der der intel­lek­tu­el­len Kapa­zi­tät „der“ Kon­ser­va­ti­ven — wie erbärm­lich, aller­dings nicht für „die“ Kon­ser­va­ti­ven), ist es nach O. falsch, das Vati­ca­num II im katho­li­schen Sin­ne zu ver­ste­hen — und die sich dar­aus erge­ben­den moral­theo­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen zu zie­hen. Dann ist es aber frag­lich, was das Gan­ze über­haupt soll. Wenn die katho­li­sche Inter­pre­ta­ti­on des Kon­zils nicht die ein­zig rich­ti­ge wäre, dann wür­de es sich bei der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che (und deren Syn­oden) um eine unka­tho­li­sche Ver­an­stal­tung han­deln, die einen Katho­li­ken a prio­ri kalt las­sen könn­te.

      Viel­leicht gehe ich im Lau­fe des Tages ‑der Ärger über O.s Arti­kel hat mich bis jetzt wach­ge­hal­ten und wei­ter­schrei­ben las­sen- noch auf wei­te­re Aspek­te ein. Mal sehen.

      • Ich glau­be, Sie müs­sen fol­gen­den satz aus O.s davor­lie­gen­dem Abschnitt dazu lesen:

        “ Seit Paul VI. und unter Johan­nes Paul II. hat man sozu­sa­gen aus dem kon­zi­lia­ren Glau­ben eine katho­li­sche Moral abge­lei­tet. Wenn Ände­run­gen à la Kas­per fol­gen, ist das eigent­lich viel kon­se­quen­ter, dann folgt aus dem öku­me­nisch-kon­zi­lia­ren Glau­ben eine öku­misch-kon­zi­lia­re Moral.“

        Das meint also: Die­se schein­ba­re letz­te Basti­on einer katho­li­schen Ehe­mo­ral, die gewis­ser­ma­ßen als ein­zi­ges Ele­metn aus der über­lie­fer­ten Leh­re noch wei­ter­ge­tra­gen wur­de, ist im kon­zi­lia­ren „neu­en“ GGlau­ben merk­wür­dig fremd­ar­tig, passt d eigent­lich nicht rein!
        O. weist damit auch dar­auf hin, dass anson­sten ja die alte Leh­re weit­ge­hend ver­formt oder ganz auf­ge­ge­ben wur­de.
        Mit die­ser kon­ser­va­ti­ven Sexu­al­mo­ral hielt man die Kon­ser­va­ti­ven bei der Stan­ge und ver­hin­der­te ihren Absprung. es war ganz offen­sicht­lich für die Kon­ser­va­ti­ven weni­ger gra­vie­rend, dass man die Hl. Mes­se ver­schmutz­te — aber beim The­ma Sex rasten sie aus!

        Der Vor­wurf an die Kon­ser­va­ti­ven ist damit klar: sie wol­len sich wei­ter­hin etwas vor­ma­chen, indem sie mit­tels intak­ter Sexu­al­mo­ral die Illu­si­on näh­ren, die Hier­ar­chie sei doch noch recht­gläu­big.

    • …Sie haben zwar Recht damit, dass man im kon­kre­ten Fall von Per­so­nen, die man kennt, anneh­men kann, dass es zu Geschlechts­ak­ten kommt. Kann — nicht muss. manch­mal weiß man es wirk­lich nicht und dann gilt: In dubio pro reo, v.a. bei schon älte­ren Leu­ten.
      Aber ich habe Herrn O. nicht so ver­stan­den, dass er das aus­blen­den will.
      Ihm ging es wohl dar­um, dass man rein theo­re­tisch aber über die­se Fäl­le nichts ver­fü­gen kann, wenn rein theo­re­tisch zu einer bür­ger­li­chen „Ehe“ der Voll­zug der Sexua­li­tät nun mal nicht gehört.

      Eine Aus­sa­ge über die kon­kre­te Kennt­nis von Per­so­nen in einer Pfar­rei, bei denen man mit gutem Grund anneh­men kann, dass sie ehe­bre­che­risch leben, ist davon nicht berührt.

      Herr O. will wahr­schein­lich dar­auf hin­aus, dass man die­se Fra­ge rein theo­re­tisch und for­mell nicht lösen kann, son­dern nur in der kon­kre­ten Begeg­nung.
      Also: man kann weder aus einer katho­li­schen Sicht für die Zulas­sung noch gegen die Zulas­sung zur Hl. Kom­mu­ni­on plä­die­ren, jeden­falls nicht mehr oder weni­ger als in dem Sinn, in dem man sowie­so schon dem Unzüch­ti­gen die Hl. Kom­mu­ni­on ver­bie­tet und ja auch da nicht kon­trol­lie­ren kann, ob er dies­bezgl. tat­säch­lich sün­digt oder nicht.
      es ist schlicht irrele­vant, ob dafür nun auch noch Trau­schei­ne vor­lie­gen oder nicht. Dar­an hängt doch gar nichts!

      • Bezug (zu O.):
        „Also: man kann weder aus einer katho­li­schen Sicht für die Zulas­sung noch gegen die Zulas­sung zur Hl. Kom­mu­ni­on plä­die­ren, jeden­falls nicht mehr oder weni­ger als in dem Sinn, in dem man sowie­so schon dem Unzüch­ti­gen die Hl. Kom­mu­ni­on ver­bie­tet und ja auch da nicht kon­trol­lie­ren kann, ob er dies­bezgl. tat­säch­lich sün­digt oder nicht.“
        Impuls: Wenn man schließ­lich so ent­schei­dungs­un­si­cher ist, kann man nur noch
        — allen die Kom­mu­ni­on geben
        — kei­nem die Komm­ni­on geben
        — nur unwür­dig die Kom­mu­ni­on geben
        — nur schein­bar die Kom­mu­ni­on geben
        — sakri­le­gisch die Kom­mu­ni­on geben/empfangen
        Fazit: Wenn wir anfan­gen zu dis­ku­tie­ren und kei­ne Nor­men mehr gel­ten las­sen, müs­sen wir im Grun­de auch auf die Zei­chen des Heils ver­zich­ten, da die­se ja de fac­to mehr aus- als ein­gren­zen.
        Argi­u­men­ta­tiv kommt man dem Pro­blem nicht bei. Des­halb müs­sen äuße­re For­men die Maß­ga­be blei­ben, der sich Men­schen beu­gen.
        Ein Buch­ti­tel lau­te ‚Lei­den an der Kir­che‘: Ich den­ke an die­sem Lei­den kommt man so oder so nicht vor­bei.

      • „es ist schlicht irrele­vant, ob dafür nun auch noch Trau­schei­ne vor­lie­gen oder nicht. Dar­an hängt doch gar nichts!“
        Inter­es­sant. Ich fra­ge mich auch war­um z.B. jemand kath. hei­ra­ten darf, der zuvor ehe­ähn­lich, aber in jeder Hin­sicht ohne Trau­schein mit einer Frau zusam­men­leb­te und sogar Kin­der hat­te. Das ist doch sicher­lich nicht im Sin­ne des Erfin­ders.

        “ Eine sakra­men­ta­le Ehe besteht nur zwi­schen zwei getauf­ten Per­so­nen, die ihren Ehe­wil­len öffent­lich bekun­det haben und sich in einem recht­li­chen Akt ein­an­der ehe­lich ver­pflich­ten. “
        Sind also auch Pro­te­stan­ten, die pro­te­stan­tisch gehei­ra­tet haben, sakra­men­tal ver­bun­den?

      • @ Pater Pio

        Lei­der haben Sie mei­nen Gedan­ken­gang bzw. mei­nen Nach­voll­zug des Gedan­ken­gangs Herrn O.s gar nicht ver­stan­den.

        Die Hl. Kom­mu­ni­on darf nie­man­dem ohne siche­res Wis­sen dar­über, dass er sie sakri­le­gisch emp­fängt, ver­wei­gert wer­den. Wann aber haben wir die­ses siche­re Wis­sen?
        Eben! So gut wie nie! Der spen­den­de Prie­ster müss­te sicher wis­sen, dass der, der gera­de kommt, NICHT bereut und gebeich­tet hat, falls ihm eine schwe­re Sün­de des Betref­fen­den über­haupt SICHER bekannt sein soll­te.
        Spe­renz­chen, wie ich sie aus der Prie­ster­bru­der­schaft ver­nom­men habe, dass Leu­ten die Hl. Kom­mu­ni­on ver­wei­gert wor­den war, weil sie Kri­tik am Kurs des Gene­ral­obe­ren geübt haben, sind sel­ber ein mas­si­ver Nor­men­ver­stoß. Denn es ist erstens kei­ne schwe­re Sün­de, wenn man dem Gene­ral­obe­ren wider­spricht und zwei­tens sowie­so über­haupt nicht mal eine läss­li­che Sün­de ‑so lax also auf der einen Sei­te in der Kon­zils­kir­che, so ver­quer inzwi­schen auf der ande­ren Sei­te!
        Dass bei sol­chen Miss­bräu­chen in „der“ Tra­di­ti­on ein Kas­per mit Recht sagen kann, die Hl. Kom­mu­ni­on sei kei­ne „Beloh­nung“ fürs Artig­sein, trifft dann also einen wun­den Punkt.

        Auch schon vor 200 Jah­ren wur­de dar­über geklagt, dass vie­le die Hl. Kom­mu­ni­on unwür­dig emp­fin­gen. Dar­aus folgt mes­ser­scharf, dass es nicht Usus war, die Leu­te ohne ganz hand­fe­ste Bewei­se aus­zu­schlie­ßen. Auch der hl. Pau­lus spricht bereits von der Pro­ble­ma­tik — und dele­gier­te das aber nicht an rigi­de Spen­der, son­dern appe­lier­te an eine Sen­si­bi­li­sie­rung des Gewis­sens des Emp­fän­gers!

        Weder Herrn O. oder gar mir geht es dar­um, die kirch­li­chen Nor­men in Fra­ge zu stel­len — das haben Sie kom­plett in den fal­schen Hals bekom­men.
        Es geht dar­um, wie man die Nor­men über­haupt noch in die Gehir­ne bringt in der desa­strö­sen Lage. Und wie man ver­hin­dert, dass wäh­rend des aus­fal­len­den Lehr­am­tes irgend­wel­che selbst­er­nann­ten Hüter von was auch immer sich zu Her­ren der Hl. Kom­mu­ni­on machen — gleich ob bei den Libe­ra­len oder den Tra­di­tio­na­li­sten.

      • @ zeit­schnur
        Sie haben recht. So, wie ich mich auf ihr State­ment bezo­gen habe, schei­ne ich Sie nicht ver­stan­den zu haben. Gut dass Sie die Sache noch ein­mal erklärt haben.
        Wobei ich schon glau­be, sowohl Herrn O wie auch Sie ganz gut ver­stan­den zu haben. Gera­de, da mir Ihre Posi­tio­nen immer sehr ein­leuch­tend, aus­ge­wo­gen und begriff­lich dif­fe­ren­ziert erschei­nen.
        Lei­der ist man manch­mal im Eifer des Gefechts so ver­blen­det, dass man mit einem ‚Impuls‘ auf eine Aus­sa­ge reagiert, die­se aus dem Zusam­men­hang löst, was natür­lich unsach­lich und nicht statt­haft ist.
        Ich wer­de mir mehr Mühe geben.

  7. Ihr Gedan­ken­gang, lie­ber Herr Olden­dorf, för­dert ein Pro­blem zuta­ge, das viel­leicht voll­kom­men unter­schätzt wird.

    Unter­schätzt wird, dass das, was der Staat als „Ehe“ ver­steht, auch schon vor­her mit dem, was Ehe nach katho­li­scher Auf­fas­sung ist, nicht viel gemein hat. Sie wei­sen auf meh­re­re Dif­fe­ren­zen in der Auf­fas­sung hin, die aber auch vie­len Forums­teil­neh­mern nicht klar sind und aus einer inzwi­schen jahr­zehn­te­lang schie­fen Kate­che­se resul­tie­ren.

    1. Eine sakra­men­ta­le Ehe besteht nur zwi­schen zwei getauf­ten Per­so­nen, die ihren Ehe­wil­len öffent­lich bekun­det haben und sich in einem recht­li­chen Akt ein­an­der ehe­lich ver­pflich­ten. Für Katho­li­ken besteht dabei die Form­pf­licht, dies in der Kir­che zu voll­zie­hen, für ande­re Getauf­te des­halb nicht, weil sie ja nicht dem katho­li­schen Ritus fol­gen kön­nen. Den­noch gel­ten auch sie als sakra­men­tal ver­hei­ra­tet. Die­se Ehe ist aber nur dann gül­tig, wenn sie sexu­ell voll­zo­gen wird. Andern­falls ist sie null und nich­tig. Blo­ßes Sex­ha­ben mit jeman­dem ist eben­falls kei­ne Ehe, son­dern Unzucht.

    Das ist vie­len Katho­li­ken über­haupt nicht klar!

    Das kann man gut an der Hei­li­gen Fami­lie sehen, die immer als Vor­bild für eine Muster­ehe her­hal­ten soll — das war kei­ne Ehe! Das war ein Zusam­men­le­ben eines zöli­ba­tä­ren Man­nes mit einer zöli­ba­tä­ren Frau, wobei die­se Frau die­sem Mann natür­lich auch nicht „unter­stellt“ war, wie das so zwang­haft und gebets­müh­len­ar­tig per­ma­nent kol­por­tiert wird. Die Mut­ter des Herrn ist und war nie­man­dem unter­stellt außer Gott selbst — so beschreibt es auch das Evan­ge­li­um. Josef ist als Schutz und Bei­stand beru­fen, aber das ist was erheb­lich ande­res. So taucht er nur an drei Stel­len als der auf, der Instruk­tio­nen erhält, um die­sen Schutz getreu­lich zu bie­ten, solan­ge das Kind klein ist und Maria ja nicht als angeb­li­che Ehe­bre­che­rin gefähr­det wer­den durf­te — noch dem erwach­se­nen Jesus wer­fen ja ein paar Juden vor, er sei die Frucht eines Ehebruchs…Ansonsten hat er in den Evan­ge­li­en kei­ne aus­ge­spro­che­ne geist­li­che Rol­le. Alle pro­phe­ti­schen Wor­te hin­sicht­lich Jesu und ihrer Got­tes­mut­ter­schaft erhält eben nun mal Maria direkt und aus­schließ­lich.
    Das alles mit einer gewöhn­li­chen „Ehe“ zu ver­glei­chen, ist abwe­gig.
    Die Hei­li­ge Fami­lie ist bereits himm­lisch — und da wird, laut Jesus, nicht mehr gehei­ra­tet!

    Es liegt also schon an die­ser Stel­le eine unmerk­li­che Ver­schie­bung auch im Den­ken und Leh­ren der Katho­li­ken seit 100 Jah­ren — fest­ge­macht an der Gestalt des Hl. Josef, der plötz­lich unge­heu­er „auf­ge­wer­tet“ wur­de. (Er hat natür­lich eine rie­si­ge Gna­den­rol­le, aber nicht in dem sug­ge­rier­ten Sinn — weder als ehe­li­ches „Haupt“ der Got­tes­mut­ter noch als der „Josef der Arbei­ter“ bis hin zu einer Ein­fü­gung in den Mess­ka­non…). Das ist aber ein deut­li­ches Zei­chen der Ver­wir­rung, weil die Kir­che die­se Neue­run­gen nie­mals in die­ser Nuan­cie­rung gelehrt hat­te!

    Die­se Ver­schie­bung der Auf­fas­sung trifft sich mit der Ein­füh­rung der bür­ger­li­chen Ehe, die auch dann gilt, wenn sie nicht voll­zo­gen wird!

    (Forts.)

    • Die Ehe zwi­schen Maria und Josef war, obwohl sie nicht voll­zo­gen wur­de, eine wah­re Ehe, unbe­scha­det der Jung­fräu­lich­keit der Got­tes­mut­ter und des hei­li­gen Josef. Schon der hl. Augu­sti­nus weist dar­auf hin, dass in die­ser Ehe die drei Güter der Ehe ver­wirk­licht waren („fides“ — unver­brüch­li­che Treue, „pro­les“ — das Kind Jesus, „sacra­men­tum“ — unauf­lös­li­che Bin­dung als Teil­ha­be am Myste­ri­um der gött­li­chen Lie­be). Die Kir­che aner­kennt dem­ge­mäß eine Ehe als gül­tig, auch wenn sie noch nicht voll­zo­gen wur­de.

      • Nach dem Kir­chen­recht kommt eine Ehe nicht gül­tig zustan­de, bei der von vorn­her­ein das Recht auf ihren sexu­el­len Voll­zug aus­ge­schlos­sen ist.
        Das war bei Maria aber der Fall.

        Was immer Augu­sti­nus da meint zu sehen — es ist hoch­gra­dig gefähr­lich, mit solch abge­ho­be­nen Gedan­ken zu ope­rie­ren. Immer­hin kann das, so for­mu­liert, eben gera­de die schwu­le Sze­ne sehr wohl und sehr gut per­fekt für sich in Anspruch neh­men.
        Denn offen­sicht­lich „ver­gei­stigt“ auch Augu­sti­nus jeden natur­recht­li­chen Anklang hier total — was aber dann einen Wider­spruch ergibt: denn „Ehe“ zwi­schen Men­schen ist nur vom Natür­li­chen her zu den­ken! Im Him­mel gibt es kei­ne Ehe mehr!

        Ich sag­te ja: die Hl. Fami­lie ist eine himm­li­sche Fami­lie. Dann folgt dar­aus aber auch, dass sie weder eine natür­lich noch sakra­men­tal ver­stan­de­ne Ehe sein kann.
        Was Augu­sti­nus unter einer „wah­ren Ehe“ ver­steht, ist hier nicht mehr greif­bar — spitz gesagt: Man neh­me irgend­ein Kind, einen Mann, eine Frau und ewi­ge Treue ohne Sex und schon haben wir eine wah­re Ehe?!

        Logisch in sich wider­sprüch­lich erscheint mir hier aber auch, dass Maria das Kind eben nicht von einem Mann hat, son­dern von Gott. Die gesam­te gül­ti­ge Tra­di­ti­on sieht sie daher als Braut des Hl. Gei­stes, im erwei­ter­ten Sinn auch als Braut Jesu (Neue Eva — neu­er Adam). Die „wah­re Ehe“ Mari­as als sakra­men­ta­les Abbild voll­zieht eben nicht mit Josef, weil sie ja buch­stäb­lich in per­so­na für die gan­ze Kir­che, den gan­zen Neu­en Bund im Ver­hält­nis zu Chri­stus steht. Der bräut­li­che Bezugs­punkt Mari­as ist ein­deu­tig Gott selbst. Dar­auf deu­ten alle NT-Aus­sa­gen hin, nicht zuletzt auch die Tat­sa­che, dass sich die Spur Josefs ganz schnell ver­liert, was nicht nur auf einen mög­li­chen frü­hen Tod hin­weist, son­dern auch dar­auf, dass er tat­säch­lich nicht Mari­as bräut­li­cher Part­ner im Sin­ne einer natur­recht­lich ver­stan­de­nen Ehe ist.
        Gera­de im spä­te­ren Leben Jesu, auch wenn noch „Eltern“ erwähnt wer­den, ist Maria die­je­ni­ge, die aus­drück­lich genannt wird oder auch redet. Dien rele­van­te Bin­dung scheint viel eher zwi­schen ihr und Jesus zu bestehen, als zwi­schen ihr und Josef. Tut mir leid, aber etwas ande­res gibt für mich das NT nicht her.

    • (Forts.)

      Plötz­lich sah man „Ehe“ als rei­nen Rechts­akt, der nicht zwin­gend sexu­ell voll­zo­gen wer­den muss­te.
      Dass die Kir­che das mit­voll­zog (teil­wei­se schon Leo XIII. durch die För­de­rung der Ver­eh­rung der Hl. KLEIN-Fami­lie/­Pi­us XII./JoXXIII,), und ideo­lo­gisch auch noch fest­klopf­ten (s. Aus­füh­run­gen im ersten Feld), kann nur als Ver­ir­rung betrach­tet wer­den — nun im Nach­hin­ein, wo die­se Ver­ir­rung ihre ver­hee­ren­den Früch­te trägt.
      Ursprüng­lich waren Dar­stel­lun­gen der „Hei­li­gen Fami­lie“ Dar­stel­lun­gen der hei­li­gen Sip­pe, teil­wei­se mit Eli­sa­beth und Johan­nes dem Täu­fer dabei, teil­wei­se aber auch nur die Frau­en + Jesus­kind (Hl. Anna selb­dritt). Alles also deu­tet dar­auf hin, dass in kei­ner Wei­se ein­ge­grenzt die „Ehe“ zwi­schen Maria und Josef Gegen­stand er Andacht war!

      2. Wenn eine Ehe sich aber haupt­säch­lich oder sogar aus­schließ­lich auf die blo­ße Rechts­form grün­det, dann gibt es kei­nen Grund, sie nicht zu öff­nen für jeder­mann. So wird ja in der Debat­te von Schwu­len oft das Argu­ment vor­ge­bracht, sie woll­ten eben auch wie jeder Mensch das Recht auf gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zungs­ver­pflich­tung haben dür­fen. Ob sie Sex haben oder nicht, spielt in der „Ehe“-Deabtte ja ohne­hin kei­ner­lei Rol­le — denn den haben sie so wie es ihnen beliebt ohne­hin…

      3. Die Fra­ge nach der Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ner und Homo­se­xu­el­ler zur Hl. Kom­mu­ni­on greift daher m.E. für die Kir­che ins Lee­re — ganz ein­fach, weil die­se Per­so­nen nach katho­li­scher Auf­fas­sung nicht ver­hei­ra­tet sind.
      Die Fra­ge, inwie­weit sie Unzucht leben, ent­zieht sich tat­säch­lich der Kennt­nis aller Außen­ste­hen­den, es sei denn sie täten es öffent­lich oder bekun­de­ten es öffent­lich. Ein Ver­bot, zur Kom­mu­ni­on zu gehen aus die­sen rein for­ma­len Grün­den ist also auch leer.

      4. Immer hört man auch hier im Forum, die Kir­che hät­te das Zusam­men­le­ben von Män­nern und Frau­en, die kei­ne sexu­el­len Bezie­hun­gen haben, „immer ver­bo­ten“, um kei­nen Ver­dacht in der Außen­welt zu erre­gen.
      Das ist offen­kun­dig unsin­nig — mit die­sem Argu­ment hät­ten Prie­ster nie mit ihrer Haus­häl­te­rin in einem Haus­stand leben dür­fen… Wenn übri­gens Paa­re der ech­ten Hei­li­gen Klein­fa­mi­lie am ehe­sten ent­spre­chen, dann Prie­ster und Haus­häl­te­rin­nen (aber das nur am Ran­de).
      Dage­gen hat die Kir­che wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen, die nicht ein­fach „aus­stei­gen“ kön­nen, das zöli­ba­tä­re Leben nahe­ge­legt und traut ihnen auch zu, dass das mit der Gna­de mög­lich ist.
      Heu­te dürf­te dann über­haupt nie­mand mehr mit dem ande­ren zusam­men­le­ben — seit Homo ist ja ohne­hin alles unter Ver­dacht!

      6. Was bleibt?
      Zuerst mal eine sau­be­re Begriffs­klä­rung und die Wie­der­ent­deckung des­sen, was die katho­li­sche Kir­che unter „Ehe“ ver­steht.
      Dann die Wie­der­ent­deckung nor­ma­ler freund­schaft­li­cher Bezie­hun­gen zwi­schen den Geschlech­tern! Gera­de in der katho­li­schen Kir­che gab es vie­le geist­li­che Freund­schaf­ten zwi­schen Män­nern und Frau­en — das ist schon sehr lan­ge und sehr gut bezeugt.
      Was die „Welt“ macht, kann jeden­falls unter gar kei­nen Umstän­den rele­vant sein — weder so noch so!

  8. Man kann heu­te sehr wohl mit Natur­recht argu­men­tie­ren, man nennt es dann halt „evo­lu­ti­ons­bio­lo­gi­sche Not­wen­dig­keit“.
    Aber: Es geht hier nicht um Natur­recht. Es geht um Got­tes Gebot.
    Die Kir­che hat Got­tes Gebot zu ver­kün­di­gen, und Gott ändert sich nicht. Und er ist auch der­sel­be in Afri­ka, Indi­en und Grön­land.
    Was Kas­per und Kon­sor­ten wol­len, ist das die Kir­che die Ver­kün­di­gung der letz­ten 2000 Jah­re als Lüge erklärt.
    Und was ist dann noch wahr? Was kommt als Näch­stes? Die Tri­ni­tät, die Auf­er­ste­hung? Wozu dann noch Kir­che?

    Das Schiff sinkt, doch wo ist das Ret­tungs­boot?

    • @Wolfgang Franz
      „Aber: Es geht hier nicht um Natur­recht. Es geht um Got­tes Gebot.“
      Das sehe ich auch so. Das Wort „Natur­recht“ ist doch ein völ­lig emo­ti­ons­lo­ses Wort.
      Das inter­es­siert doch kei­nen. Man soll­te von der von „Gott gesetz­ten Ord­nung „spre­chen. Aber da wir nach dem Kon­zil von einer Ver­meh­rung vie­ler Göt­ter spre­chen müs­sen bleibt uns als Vehi­kel nur das Natur­recht zur Ver­tei­di­gung des Herrn. Damit ist der Kampf um die 10. Gebo­te in die­ser Welt ver­lo­ren. Wer hat nur die­ses Wort zwi­schen dem Drei­fal­ti­gen Gott und sei­ne Gebo­te gescho­ben.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Die gan­ze Debat­te geht doch ins Boden­lo­se, wenn wir jetzt auch noch den Ehe­be­griff auf den sexu­el­len Akt ein­gren­zen wol­len. Jeder Begriff lässt sich auch zer­re­den.
        Kurz und gut geht es um ein natür­li­ches Emfin­den, was jedem Men­schen bei­gege­ben ist. Die­ses ent­hält die fol­gen­de Fest­stel­lung:
        Die Sexua­li­tät als purer Akt ver­spricht viel, hält aber nichts bzw. ist nur ein Schat­ten von dem, was sie ver­spro­chen hat. Im Trieb­haf­ten geht der Geist unter, umge­kehrt muss der Trieb im Geist auf­ge­hen. Das bedeu­tet aber eine vor­he­ri­ge Befe­sti­gung im Gei­ste und eine Prio­ri­tä­ten­ver­schie­bung.
        Des­halb muss die erste Fra­ge über­haupt sein: Will sich der ein­zel­ne im ‚Got­tes­dienst‘ der Lebens­wei­ter­ga­be ver­wirk­li­chen? Das meint Ehe.
        Wer hin­ge­gen los­ge­lö­ste Gewohn­hei­ten aus­prägt, gerät in Abhän­gig­kei­ten, die ihn unfrei machen. Die Dia­gno­se lau­tet: Dau­er­täu­schung. Das sind dann staat­lich sank­tio­nier­te Lebens­ge­mein­schaf­ten, die durch­aus ehe­ähn­li­che Ele­men­te in sich tra­gen kön­nen, der Voll­form jedoch nicht gerecht wer­den. Kei­ne Voll­form ist aber eine ande­re Form, wes­halb hier nicht von Ehe gespro­chen wer­den kann.
        Ehen der Voll­form müs­sen immer im Him­mel geschlos­sen wer­den! Nicht sexu­ell., nicht auf Pro­be, nicht vor­erst staat­lich.
        Die himm­li­sche Ehe ist zues­ret eine Ehe, die ich (als Teil der Kir­che) mit Gott ein­ge­he, der mir real einen Men­schen bei­stellt, mit dem ich mich zusam­men auf den Weg zu ihm mache.
        Sexu­ell domi­nier­te Ver­bin­dun­gen ohne Got­tes­be­zug ‚müs­sen‘ schei­tern. Christ­li­che Ehen hal­ten hin­ge­gen, weil 99% Hin­wen­dung zu Gott ist und nur 1% dem Schein geschul­det ist.
        Das zu sehen ist gesun­der Men­schen­ver­stand. Über die Pro­zen­te lässt sich natür­lich strei­ten.

  9. „Ver­mut­lich hat O. noch nie­mals etwas von der „princi­pia refle­xa gehört…“ zitie­re ich aus dem Kom­men­tar von @Antifebronius, der natür­lich wei­ter gele­sen wer­den muss.

    Doch ich beschrän­ke mich auf die­sen Halb­satz. Wenn Olden­dorf tat­säch­lich noch nie davon gehört hat, was anzu­neh­men ist, dann bricht sei­ne Argu­men­ta­ti­on wie ein Kar­ten­haus zusam­men.
    Hier han­delt es sich nur noch um Gedan­ken­akro­ba­tik, die zur Rea­li­tät kei­nen Bezug mehr hat. Zur Rea­li­tät in der Kir­che, zur heu­ti­gen Zeit, zu den von der Zeit gepräg­ten ein­zel­nen Men­schen hat die­ser Bei­trag kaum noch Bezug. Nach mei­nem Dafür­hal­ten.

    Kas­per und all sei­ne Gefähr­ten im Bischofs- und Prie­ster­amt wol­len „die Kom­mu­ni­on für alle.“ Sie wol­len die Auf­lö­sung des Ehe­sa­kra­ments, weil es in unse­rer por­no­gra­fi­sier­ten Gesell­schaft über­haupt nicht mehr ver­stan­den wird. 90 % der Katho­li­ken in unse­ren Lan­den sind Kir­chen­steu­er­zah­ler ohne unse­ren Glau­ben zu ken­nen und zu prak­ti­zie­ren. Die Sakra­men­te sind für sie vor allem dazu da, wich­ti­ge Wen­de­punk­te im Leben fei­er­lich zu umrah­men. Wei­gert sich die katho­li­sche Kir­che, die­sen Ser­vice zu lei­sten, ver­liert sie immer mehr Kir­chen­steu­er­zah­ler. Wenn der Trend anhält, sind auf Dau­er all die über­be­setz­ten Ordi­na­ria­te, der gan­ze büro­kra­ti­sche Macht­ap­pa­rat nicht mehr zu finan­zie­ren.

    Dar­um geht es Um einen ganz weich­ge­spül­ten Glau­ben. Der den Namen „Glau­be“ nicht mehr ver­dient, der zum „Sakra­men­ten­ser­vice“ ver­kommt. Und Ser­vice muss bezahlt wer­den. Anders ist die Kir­chen­steu­er nicht mehr zu hal­ten.

    Zollitsch, Kas­per, Leh­mann, Herr Ber­go­glio, alle die­se Miet­lin­ge, sie inter­es­sie­ren sich nicht für das Natur­recht. Sie miss­brau­chen stän­dig das Wort „Barm­her­zig­keit“, ver­dre­hen und ver­zer­ren die­ses Wort bis zur Unkennt­lich­keit. Und sie besit­zen die unglaub­li­che Unver­schämt­heit, sich dabei auf unse­ren Herrn Jesus Chri­stus zu beru­fen.

    Und das ist ein Skan­dal, ein Ärger­nis, das uner­träg­lich ist.

    Ich hät­te zur Gedan­ken­akro­ba­tik des Herrn O. geschwie­gen. Wenn Herr Olden­dorf nicht die Drei­stig­keit besit­zen wür­de, die­je­ni­gen, die vom über­lie­fer­ten Glau­ben her argu­men­tie­ren und sich nicht auf sei­ne Gedan­ken­akro­ba­tik ein­las­sen wol­len, als dum­me Tra­di­tio­na­li­sten zu kenn­zeich­nen.

    • Sie, die Miet­lin­ge, wol­len nicht nur die Kir­chen­steu­er. Das ist für Deutsch­land spe­zi­fisch. Sie wol­len end­lich von der Welt geliebt sein. Von der Welt, die schon unse­ren Herrn gehasst hat.
      Das Pon­ti­fi­kat von Franz I. steht dafür. Die Ehe­leh­re der katho­li­schen Kir­che auf­zu­lö­sen, die Sexu­al­mo­ral der Kir­che den mora­lisch dege­ne­rier­ten west­li­chen Gesell­schaf­ten anzu­pas­sen ist das Ziel. Wie gern badet Franz I. in der Zustim­mung der Leit­me­di­en.
      Auch die völ­lig an die Welt ange­pass­te Kir­che wird nicht von ihr geliebt wer­den. Sie hat schließ­lich 2000 Jah­re Chri­sten­tum auf dem Gewis­sen. Das ist unver­zeih­lich. Denn der gekreu­zig­te Erlö­ser ist nicht mehr aus der Welt zu schaf­fen…

  10. Dan­ke an Hw Anti­fe­bro­ni­us für sei­ne wert­vol­le moral­theo­lo­gi­sche Klar­stel­lung –bit­te mehr davon!–, die Herrn Olden­dorfs Argu­men­ta­ti­on zum Ein­sturz bringt. Sowie­so fin­de ich es abstrus, sich für Kar­di­nal Kas­per und Gesin­nungs­brü­der den Kopf zu zer­bre­chen, wie sie am schon­end­sten ihren Umsturz bewerk­stel­li­gen kön­nen.
    Dan­ke auch Ihnen, Theo­lo­gus, für Ihre Ver­tei­di­gung der wah­ren Ehe der Eltern des Herrn, in Über­ein­stim­mung mit der tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Theo­lo­gie, aber auch der Hei­li­gen Schrift, wo Josef als der Mann Mari­ens („an‚er“) und Maria als sei­ne Frau („gyn‚e“) bezeich­net wird, d.i. Ehe­mann und Ehe­frau. Über Josef ist wenig geschrie­ben, aber das Weni­ge ist so groß, dass dar­aus zu erken­nen ist, wie wür­dig er als Nähr- und Zieh­va­ter des Herrn und als Bräu­ti­gam sei­ner hei­lig­sten Mut­ter gewe­sen sein muss — und die­ser Ruhm bleibt ihm für immer.

    • Dan­ke Ihnen Herr Leo Lämm­lein. Sie spre­chen mir aus dem Her­zen. Sie sagen die Wahr­heit.
      Josef und Maria und Jesus sind eine ech­te und von allen nach­zu­ah­men­de Fami­lie.

      • Die Ehe Mari­ens mit Joseph war aller­dings noch gar kein Sakra­ment, Maria und Joseph zu die­sem Zeit­punkt auch gar kei­ne Chri­sten, son­dern Juden. Die Ehe unter Chri­sten wur­de ja erst durch Chri­stus zum Sakra­ment erho­ben. Selbst­ver­ständ­lich aber war die­se Ehe gül­tig. Maria und Joseph hät­ten sie ja auch voll­zie­hen k ö n n e n. Aber das ist egal. Eine nicht sakra­men­ta­le Ehe kann auch nach ihrem Voll­zug geschie­den oder auf­ge­löst wer­den. Wäre die Ehe Mari­ens mit Joseph ein Sakra­ment des neu­en Bun­des gewe­sen (und hät­te es schon ein Papst gege­ben), hät­te die­se Ehe vom Papst jeder­zeit auf­ge­löst wer­den kön­nen, eben, weil Maria und Joseph nie­mals die Ehe geschlecht­lich voll­zo­gen haben. Sie sehen schon, wenn man hier alles auf die Spit­ze treibt, wird es lächer­lich. Und in die­sem Sin­ne ist nichts dage­gen zu sagen, wenn sich die Syn­ode mal mit sol­chen Fra­gen befasst und nicht ein­fach alte Ant­wor­ten wie­der­holt, die vor­aus­set­zen, dass alle Welt ein Natur­recht wie selbst­ver­ständ­lich als exi­stie­rend annimmt und des­sen kon­kre­te Rechts­ver­bind­lich­keit im juri­sti­schen, nicht bloß abstrakt rechts­phi­lo­so­phi­schen, Sin­ne akzep­tiert.

      • @Fragender:
        Ich weiß nicht, wie sie ihre For­mu­lie­run­gen wirk­lich mei­nen:
        „Die Ehe Mari­ens mit Joseph war aller­dings noch gar kein Sakra­ment, Maria und Joseph zu die­sem Zeit­punkt auch gar kei­ne Chri­sten, son­dern Juden. Die Ehe unter Chri­sten wur­de ja erst durch Chri­stus zum Sakra­ment erho­ben.“
        Mög­li­cher­wei­se bewe­gen wir uns, wenn wir der­art for­mu­lie­ren, zu sehr im begriff­lich For­ma­len. Es fehlt dann die Spi­ri­tua­li­tät.
        Wenn der Geist in Gott ist, kann der Mensch drauf­auf­bau­en, und das sieht dann m.E. eben katho­lisch aus, nennt sich unter Beru­fung auf Chri­stus christ­lich, Sakra­ment, Ehe, Neu­er Bund usw.
        Jesus war Jude und kein Christ und den­noch war er Christ, näm­lich der Gesalb­te des Herrn. Auch Adam und Eva waren dem Gei­ste nach vor dem Sün­den­fall Chri­sten, ver­bun­den mit dem drei­ei­n­i­gen Gott, also auch mit Chri­stus.
        Begrif­fe kön­nen nichts auf­bau­en und Dis­kus­sio­nen auch nicht. Allein kla­re Ent­schei­dun­gen und Lebens­füh­run­gen ver­mö­gen irgend etwas im Glau­ben.
        Jeder kennt es doch sicher von sich sel­ber, man kann reden und reden und reden und noch so viel wis­sen und doch hin­ter­her ganau das Gegen­teil tun, um sich des Wis­sens­ba­lasts zu ent­le­di­gen.
        In dem Buch „Licht über Aqui­no“ heißt es, jemand kön­ne sehr wei­se Bücher schrei­ben und doch gegen­tei­lig han­deln.
        Am Wor­te Got­tes muss man lei­den, es aus­hal­ten, es hin­neh­men, ins Opfer gehen. Die Gebo­te um jeden Preis han­deln bedeu­tet Ofern.
        Erst gestern las ich wie­der ein­mal in Maria Sim­mas „Gesprä­chen mit Armen See­len“. Dar­in hieß es an einer Stel­le, ein Ort sei von einer gewal­ti­gen Lawi­ne nur des­halb halb­wegs ver­schont geblie­ben, weil eine Frau im Ort seit 30 Jah­ren gedul­dig litt und die Lei­den für die Gemein­schaft auf­op­fe­te. In der Lite­ra­tur gibt es zwahl­rei­che sol­cher Bei­spie­le.

    • @ Leo Lämm­lein

      Die­sen Ruhm habe ich ihm nicht abge­spro­chen — im Gegen­teil. Lesen Sie halt, was ich geschrie­ben habe.

      Die Pro­te­stan­ten, denen Sie sich ja inzwi­schen ange­schlos­sen haben, lei­ten übri­gens aus den Wör­tern, die Sie auf­grei­fen ab, dass Maria und Josef nach Jesus wei­te­re Kin­der hat­ten.…

      Ich habe ja nir­gends behaup­tet, dass Maria und Josef nicht den äuße­ren Anschein einer Ehe gelebt hät­ten. Aber das letzt­gül­ti­ge Kri­te­ri­um für die Unauf­lös­lich­keit einer voll­kom­me­nen sakra­men­ta­len Ehe ist eben nun mal auch der Voll­zug.
      Zwar ist das öffent­li­che Ehe­ver­spre­chen (bei Maria und Josef ist nur von einem Ver­löb­nis die Rede oder irre ich da, jeden­falls nicht von einer Ehe­schlie­ßung?) schon der erste Teil des Ehe­sa­kra­men­tes, aber ohne den zwei­ten Teil bleibt die­se Kon­struk­ti­on immer noch auf­lös­bar.

  11. Ich muss „zeit­schnur“ noch­mals wider­spre­chen! Nicht der fak­ti­sche Aus­schluss sexu­el­ler Bezie­hun­gen macht eine Ehe nach katho­li­schem Ver­ständ­nis ungül­tig, son­dern der Aus­schlus­ses des Rechts auf sol­che Bezie­hun­gen. Bei Maria und Josef lag genau des­halb eine wah­re Ehe vor, weil sie sich natür­lich bewusst waren, dass sie ein Recht dar­auf gehabt hät­ten, ihre Ehe auch sexu­ell zu voll­zie­hen. Um einer höhe­ren Beru­fung wil­len ver­zich­te­ten sie aber auf die Aus­übung die­ses Rechts, nicht auf das Recht als sol­che, das ja in die Natur einer Ehe ein­ge­schrie­ben ist.

      • Genau dar­in liegt ja der Unter­schied zwi­schen Eva und Maria, Josef/Jesus und Adam. Adam und Eva hat­ten die Erk­ent­nis von Gut und Böse auch schon vor dem Sün­de­fall, sie hat­ten die­se sogar unver­fälsch­ter als wir heu­te, da sie wahr­haft wuss­ten was gut ist. Sie brauch­ten kei­ne lan­gen Dis­kus­sio­nen, solan­ge sie ‚in Gott‘ waren. Erst nach­dem sie aus Gott her­aus­ge­gan­gen waren, frag­te Gott sie in ihren Gei­ssen, wo sie sei­en (Gewis­sen). „Adam, wo bist du?“, was soviel heißt wie: „Glaub­test du wirk­lich, du könn­test dich vor mir ver­stecken, vor mir dei­nem Gott, der immer in dir ist, alles sieht und hört, dich bes­ser kennt als su selbst. Wie konn­test du glau­ben, dass ich nicht immer alles sehe.“ Erst als Adam das Wis­sen vom rei­nen Guten preis­gab, indem er sich auf das Böse kon­zen­trier­te, begab er sich ‚aus Gott‘ (sei­nem Gar­ten). Und indem er das Böse getan hat­te, war es sank­tio­niert.
        Die mora­li­sche Wer­tig­keit sei­nes Han­deln, („Wenn du von dem Bau­me isst, musst du ster­ben!“) war ihm jedoch vor­her schon klar bzw. noch kla­rer, näm­lich völ­lig klar (Rein­heit), bis er anfing zu dir­ku­tie­ren!!!
        Jesus dis­ku­tier­te ’nicht‘. Er sprach mit Voll­macht. (Wei­che von mir!) Maria dis­ku­tier­te ’nicht‘, sie gab sich ganz hin ( Ganzhingabe/Bleiben im gött­li­chen Gebot/Reinheit).
        Nun kann spe­ku­liert wer­den, ob Adam und Eva vor dem Sün­de­fall allein durch Wil­lens­kraft im Ein­klang mit Gott (ihr Wil­le = Got­tesdwil­le) Nach­wuchs her­vor­brin­gen konn­ten.
        Eine nicht unin­ter­es­san­te Les­art der Sym­bol­spra­che des Bau­mes im Para­dies scheint mir im übri­gen, nur neben bei bemerkt, die zu sein: Der Baum in der Mit­te des Gar­tens stellt die Sexua­li­tät dar. Der Gar­ten ist der Mensch vor und in Gott sel­ber, d.h. der in Got­tes Wil­len freie Mensch.
        Wir kom­men des­halb nicht umhin,Mensch und Gott, Sexua­li­tät und Reli­gi­on zusam­men sehen.

    • Gut — statt­ge­ge­ben, das sehe ich so for­mu­liert ein.

      Bloß — war­um ist dann bei einer nicht voll­zo­ge­nen Ehe, auch wenn damit bei­de ein­ver­stan­den sind, immer der Weg in die Annu­lie­rung offen? Sie müs­sen mir schon zuge­ste­hen, dass das kei­ne ganz sau­be­re Sache ist — argu­men­ta­tiv jeden­falls. Es gibt ja genau genom­men außer im Fall der hei­li­gen Eltern, kei­nen so viel „höhe­ren“ Grund, dass man eine Ehe schlie­ßen müss­te, um sie dann nicht zu voll­zie­hen.
      Da steckt schon ein ver­wir­ren­des Poten­zi­al drin.

      • Wie man es dreht und wen­det — die Josef­se­he kann zwar im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis gelebt wer­den, aber sie ist den­noch pin­zi­pi­ell jeder­zeit als ungül­tig erklär­bar — vor­aus­ge­setzt sie war von Anfang an nicht voll­zo­gen. Allei­ne das ist ein „Sta­chel im Fleisch“ und qua­li­fi­ziert die Josef­se­he nicht als eigent­li­che Ehe, son­dern eher als eine Art „Schein­ehe“, das äußer­lich legi­ti­mier­te Zusam­men­le­ben von Mann und Frau, auch wenn es inner­lich nicht ehe­lich zugeht.

        Wei­ter habe ich Zwei­fel — Maria sagt doch dem Engel klar, dass sie nicht vor­ha­be, mitr einem Mann zu schla­fen. Josefs Ent­täu­schung über die Schwan­ger­schaft ist dage­gen mehr­fach deut­bar.

      • „Bloß – war­um ist dann bei einer nicht voll­zo­ge­nen Ehe, auch wenn damit bei­de ein­ver­stan­den sind, immer der Weg in die Annu­lie­rung offen?“
        Ich den­ke mir es könn­te dar­an lie­gen das sie nicht eins gewor­den sind.
        Aber es könn­te auch noch ande­re Erklä­run­gen geben. Ja, es ist ver­wir­rend.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Wenn wir von einer sakra­men­ta­len Ehe aus­ge­hen, dann gilt: Sie wird gül­tig durch den Kon­sens (d.h. die bei­der­sei­ti­ge Wil­lens­er­klä­rung der Gat­ten) im Rah­men der dazu nöti­gen kirch­li­chen Form; voll­zo­gen wird sie durch das sexu­el­le Einswer­den der Gat­ten. Es ist nicht rich­tig, dass eine nicht voll­zo­ge­ne Ehe jeder­zeit annul­liert wer­den könn­te! Die Annul­lie­rung wür­de ja besa­gen, dass nie eine wah­re Ehe bestan­den hat. Viel­mehr kann eine nicht voll­zo­ge­ne Ehe kirch­li­cher­seits auf­ge­löst wer­den: ent­we­der durch Able­gung der fei­er­li­chen Ordens­pro­zess oder durch Auf­lö­sung von­sei­ten des Pap­stes. Nur die gül­tig geschlos­se­ne und voll­zo­ge­ne sakra­men­ta­le Ehe ist abso­lut unauf­lös­lich, bis der Tod die Gat­ten schei­det.
        Maria und Josef leb­ten also in einer gül­ti­gen, wenn auch nicht voll­zo­ge­nen Ehe! Da im Zen­trum ihrer Ein­heit Jesus Chri­stus stand, der Quell jeder Gna­de, war ihre Ehe wohl auch sakra­men­tal.

      • @ Theo­lo­gus

        Dan­ke für die sach­li­che Ant­wort!
        Eines hab ich nicht sicher ver­stan­den:

        „Viel­mehr kann eine nicht voll­zo­ge­ne Ehe kirch­li­cher­seits auf­ge­löst wer­den: ent­we­der durch Able­gung der fei­er­li­chen Ordens­pro­zess oder durch Auf­lö­sung von­sei­ten des Pap­stes.“

        Was mei­nen Sie genau mit „durch Able­gung der fei­er­li­chen Ordens­pro­zess“ (wahr­schein­lich doch „Ordens­pro­Fess“?)? Was hat eine Ordens­pro­fess mit einer Ehe­an­nul­lie­rung zu tun? Kann eine Ordens­pro­fess nicht auch nach voll­zo­ge­ner Ehe im Ein­ver­ständ­nis mit bei­den Ehe-Part­nern abge­legt wer­den?

      • Wobei bei alle­dem zu beach­ten ist, dass die Fra­ge des geschlecht­li­chen Ehe­voll­zugs ja erst im Mit­tel­al­ter eine Rol­le spiel­te und im Osten sowie­so so nie gestellt wur­de. Die vom @Theologus geschil­der­te Rege­lung (im Kern die Kom­pro­miss­for­mel Alex­an­der III.) lässt sich m.E. kaum in die älte­ren Zei­ten zurück­pro­ji­zie­ren, wo es die Dis­kus­si­on zwi­schen Kon­sens- und Kopu­la­ti­ons­theo­rie gar nicht gab. Man könn­te hier natür­lich eine Art Ent­fal­tung einer im Kern schon ange­leg­ten Ehe­leh­re anneh­men statt einer Ent­wick­lung, aber das wirkt doch schon etwas ver­krampft, mei­ne ich. Zumal ja vie­le der spä­te­ren Rege­lun­gen auch expli­zit gera­de zur „Ret­tung“ der Josephse­he ange­sichts der für die­se durch­aus „gefähr­li­chen“ Kopu­la­ti­ons­theo­rie kon­stru­iert wur­den.

        Die Ordens­pro­fess löst eine nicht voll­zo­ge­ne Ehe nach der gel­ten­den Kano­ni­stik voll­gül­tig auf, been­det sie also (wie eine Schei­dung oder ein Petrus-Pri­vi­leg). Die Ehe wird nicht anul­liert (ex tunc), es gab also wirk­lich eine, son­dern auf­ge­löst (ex nunc).

    • Dan­ke!
      Eine wich­ti­ge und not­wen­di­ge Berich­ti­gung für das rech­te Ver­ständ­nis von katho­li­scher Ehe und deren Gül­tig­keit.

  12. Im Kern ist das ja noch­mal die glei­che Argu­men­ta­ti­on wie gestern und geht mei­ner Ansicht nach am eigent­li­chen Pro­blem vor­bei. Hier noch­mals Tei­le mei­nes Kom­men­tars von gestern:

    „Sie haben anschei­nend nicht bedacht, dass das The­ma der soge­nann­ten wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen und der Homo­se­xu­el­len nur zwei ganz exem­pla­ri­sche Kampf­fel­der für eine viel tie­fer­lie­gen­de und den Kern des Glau­bens tat­säch­lich MASSIV betref­fen­de Dis­kus­si­on ist! Es pral­len hier näm­lich zwei ganz­lich wider­sprüch­li­che Wel­ten auf­ein­an­der:

    a) die katho­lisch Sicht: der Glau­be ist eine über­na­tür­li­che Tugend, durch die wir alles, was von Gott geof­fen­bart wur­de, unter dem Bei­stand der Gna­de fel­sen­fest für wahr hal­ten, nicht weil wir es selbst ein­ge­se­hen hät­ten, son­dern weil Gott es gesagt hat – die Kir­che ist Stif­tung Got­tes und ihr Lehr­amt ist Garant für die von Gott offen­bar­te (und damit ewig gül­ti­ge) Wahr­heit

    b) die moder­ni­sti­sche Sicht: die Kir­che ist im Kern ein Zusam­men­schluss der Gläu­bi­gen und Ihre Leh­re ein Aus­fluss aus eben deren Bedürf­nis­sen und reli­giö­sen Erfah­run­gen. Der Glau­be der Kir­che ent­wickelt sich damit mit den ver­än­der­ten reli­giö­sen Bedürf­nis­sen der Gläu­bi­gen

    Hier ste­hen sich im Kern ein Deo­zen­tri­sches und ein Anthro­po­zen­tri­sches Kir­chen­bild unver­söhn­lich gegen­über. Das letz­te­re wur­de vom hei­li­gen Pius X als kla­re Häre­sie ver­ur­teilt.

    Ich bin der Ansicht, dass es aktu­ell genau um die­sen Kampf geht und dass die Fami­li­en­syn­ode mit den bei­den pro­mi­nen­ten Bei­spie­len nur das aktu­el­le Schlacht­feld bil­den. Ihr Arti­kel bleibt damit an der Ober­flä­che des wirk­li­chen Pro­blems hän­gen und daher kann ich ihn nicht gut hei­ßen.“

    Die gan­ze Natur­rechts­dis­kus­si­on lenkt doch nur von die­ser eigent­li­chen und ele­men­ta­ren Fra­ge­stel­lung ab.

    • Die im Hin­ter­grund ste­hen­den Hal­tun­gen („katho­lisch“ vs. „moder­ni­stisch“) sind hier ganz gut beschrie­ben. Aller­dings ist das, was als „katho­lisch“ bezeich­net wird, offen irra­tio­nal (also Aber­glau­be, sünd­haft) und führt zudem zwangs­läu­fig in Apo­rien. Wie oft muss­te ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren erle­ben, wie Gläu­bi­ge die­ser Fas­son zusam­men­bra­chen, weil sie erken­nen muss­ten, dass das kath. Lehr­amt in Wirk­lich­keit nach­weis­bar gar kein so wider­spruchs­frei­es Gebäu­de ist, wie sie mein­ten. Des­halb ist die­se aber­gläu­bi­sche Art zu „glau­ben“ sehr gefähr­lich, man läuft Gefahr, den gesam­ten Glau­ben zu ver­lie­ren, wenn man bemerkt, dass es so nicht wei­ter­geht.

      Außer­dem ist es eben für einen den­ken­den Men­schen eine Sün­de, Din­ge zu glau­ben, die der bes­se­ren Ein­sicht wider­spre­chen. Das stell­ten schon der sel. Lul­lus und nach ihm zuletzt wie­der Ratz­in­ger in sei­ner „Ein­füh­rung“ fest. Die­se fidei­sti­sche Art zu „glau­ben“ (i.S.v. Für-Wahr-Hal­ten erfun­de­ner Din­ge auf Teu­fel komm raus) ist der Glau­be der Dämo­nen, er führt zum reli­giö­sen Wahn und zu Mord und Tot­schlag und fin­det sich im Isla­mis­mus und bei den Sek­ten eben­so wie im Tra­di­tio­na­lis­mus“.
      Alles dies sind Irr­leh­ren, die *nicht* dem christ­lich-kath. Glau­ben aller Zei­ten ent­spre­chen, auch wenn es sowas natür­lich auch im Chri­sten­tum immer wie­der gab und gibt. Ratz­in­ger nennt es „Fehl­for­men“ von Reli­gi­on. Hat mit katho­lisch“ vs. „moder­ni­stisch“ nix zu tun.

      „Moder­ni­stisch“ im Sin­ne der Ver­ur­tei­lung Pius X. geht tats. in die beschrie­be­ne Rich­tung, die Leh­re als Aus­fluss der eige­nen Bedürf­nis­se zu betrach­ten und nicht als etwas auf Gott aus­ge­rich­te­tes. Natür­lich geht es um Gott und nicht um uns. Aber Gott ist real, kei­ne Erfin­dung, die man sich krampf­haft ein­bil­den muss. Des­halb wider­spricht gesun­der Glau­be nicht einem gesun­den Rea­li­täts­sinn. Dies ist kei­ne „moder­ne“ Erkennt­nis, son­dern wur­de von christl. Den­kern aller Epo­chen ver­tre­ten.
      Außer­dem ist „Moder­nis­mus“ eine Art Fort­schritts­glau­be, der die Tra­di­ti­on und Geschich­te nicht ernst­nimmt. All das trifft auf die hier kri­ti­sier­ten theol. Ansät­ze nicht zu. Dass Pius X. das per­sön­lich anders sah, heißt ja nix.

      Also: Glau­ben bedeu­tet *nicht*, etwas (auch noch „fest“) für wahr zu hal­ten, von dem man im Grun­de weiß oder wis­sen könn­te, dass es nicht stimmt. Dann hät­te Nietz­sche ja recht mit sei­nem Ein­wurf: Glau­ben heißt, nicht wis­sen wol­len, was wahr ist.

      Die­ser irra­tio­na­le Glau­be ist bei einem bibli­zi­sti­schen Evan­ge­li­ka­len, einem SED-Funk­tio­när oder einem isla­mi­sti­schen Fun­da­men­ta­li­sten eben­so zu fin­den und nichts spe­zi­fisch Christ­li­ches oder gar Katho­li­sches, es ist ein­fach eine irra­tio­na­le Über­zeu­gung, die falsch ist, weil sie den Blick auf die Rea­li­tät ver­stellt statt ihn zu schär­fen, wie es der christl. Glau­be tut.
      Christ­lich glau­ben heißt, Jesus Chri­stus nach­zu­fol­gen; kath. glau­ben meint, dies in und mit der einen und ein­zi­gen Kir­che zu tun (das berühm­te sen­ti­re cum), die nach geist­li­chem Ermes­sen am treue­sten an sei­nen Leh­ren fest­ge­hal­ten hat, jdfs. im Westen.

  13. „Pro for­ma könn­te der Kar­di­nal mei­nes Erach­tens zu Recht dar­auf hin­wei­sen, daß die Natur­rechts­vor­stel­lung ihren Kon­sens­cha­rak­ter längst ein­ge­büßt hat, mitt­ler­wei­le eigent­lich nur noch von der katho­li­schen Moral­theo­lo­gie auf­recht­erhal­ten wird, wo er aller­dings auch schon schwin­det, jeden­falls argu­men­ta­tiv nicht mehr ein­ge­setzt wer­den kann, um Per­so­nen, die noch nicht glau­ben, zu über­zeu­gen.“
    Der Kon­sens­cha­rak­ter gegen­über Jesus Chri­stus ist zer­bro­chen und jetzt schla­gen sich die Gei­ster um das „Natur­recht“. Die katho­li­sche Moral­theo­lo­gie befin­det sich auf der Flucht wie die Tür­ken vor Wien.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Einen Kon­sens­cha­rak­ter gegen­über Jesus Chri­stus hat es nie gege­ben, denn es gab ja nie aus­schließ­lich Katho­li­ken auf der Welt. Nicht ein­mal aus­schließ­lich Chri­sten.

      • In dem Bei­trag wur­de von katho­li­scher Moral­theo­rie gespro­chen und dar­an habe ich mich ori­en­tiert. Das zb. der Islam kei­nen Kon­sens­cha­rak­ter zu Chri­stus hat ist mir nicht ver­bor­gen geblie­ben.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Natür­lich woll­te ich katho­li­sche Moral­theo­lo­gie schrei­ben. Ent­schul­di­gung!
        Übri­gens gehen sie mal in eine nor­ma­le katho­li­sche Fami­lie von heu­te rein und suchen sie den Kon­sens zu Chri­stus und sei­ner Kir­che. Ich wün­sche ihnen viel Spaß.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

  14. @Pater Pio: gute, christ­li­che Ehen wer­den im Him­mel geschlos­sen- zunächst. Und dann ver­wirk­licht sich das sicht­bar in der kirch­li­chen Ehe­schlie­ßung. Ich stim­me da mit Ihnen über­ein, wenn ich Sie rich­tig ver­ste­he. Denn das ist die Wahr­heit, sich zu prü­fen, ob mir die Gat­tin von Gott soz. über­ant­wor­tet ist oder ob es mein eigen­süch­ti­ger Gedan­ke ist. Frü­her hat­ten die Eltern den Kin­dern den Ehe­part­ner oft aus­ge­sucht, was sicher­lich ganz gut war. Die neu­mo­di­sche „Lie­bes­hei­rat“ schei­tert ja meist, offen oder ver­deckt, indem man sich zwar nicht trennt, es aber inner­lich ist.

    Bei der hei­li­gen Ehe von Josef und Maria hat­te Gott Maria dem Josef zuge­teilt. Die hat­ten sich nicht gegen­sei­tig aus­ge­kuckt. Es war dann eine gül­ti­ge, Gott wohl­ge­fäl­li­ge Ehe­schlie­ßung vor der reli­giö­sen jüdi­schen Auto­ri­tät. Die Ehen der Juden sind des­we­gen auch genau­so gül­tig wie „unse­re“.

    Die Men­schen hät­ten sich auch ohne Sün­den­fall soz. begat­tet, aber ohne „Gewalt“, denn sie soll­ten sich ja fort­men­schen, fort„pflanzen“, aber sün­den­los wäre das gewe­sen, anders. Da wäre kei­ne Flei­sches­be­gier­de gewe­sen.
    Weil man sich das nicht gut vor­stel­len kann, ist es kei­nes­wegs unrich­tig, son­dern ent­spricht der Wahr­heit. Auch hät­ten die Frau­en ja nicht wie üblich gebo­ren, son­dern so wie Maria den Erlö­ser gebo­ren hat­te: sie war in Licht gehüllt, auch irgend­wie in Tran­ce und plötz­lich war Jesus da.

    Man muß dazu sagen, daß Adam und Eva vor der Sün­de ande­re Mensch­hen waren- mehr Geist- als Fleisch­men­schen wie wir es gewor­den sind durch die Ursün­de. Der Kör­per der Stamm­eltern waren rein, sahen anders aus, viel schö­ner.

    Das Pro­blem ist: eine Fort­pflan­zung ohne Kraft/Gewalt ist uns nicht mög­lich, außer bei künst­li­cher Befruch­tung usw. Wir sind und blei­ben in gewis­ser Wei­se auch als Getauf­te Adams­söh­ne und Evas­töch­ter aber mit der Opti­on zu Men­schen zu wer­den wie Jesus und Maria- ohne Sün­den, ganz rein. Das ist das Heil, die Heils­bot­schaft, von der Ver­derb­nis des Flei­sches befreit zu wer­den, sich selbst zu befrei­en mit Blick auf den Gekreu­zig­ten, der das Fleisch gekreu­zigt hat­te, obgleich Er des­sen nicht bedurf­te.

    Die hl. Hil­de­gard von Bin­gen hat­te in all die­sen Fra­gen (Gott, Welt, Mensch, Natur, Kos­mos) den Durch­blick. War­um wir heu­te so ein Thea­ter dar­über machen?!

  15. Der Autor des Bei­tra­ges argu­men­tiert for­mal logisch und führt den­noch in eine Irre, die in der Kon­se­quenz sowohl rechts­po­si­ti­vi­stisch als auch para­dox ist. Denn er sagt ja impli­zit: Je geschlam­per­ter die Ver­hält­nis­se sind, in denen einer lebt, umso recht­mä­ßi­ger ist sein Kom­mu­nion­emp­fang.

  16. Es gibt kei­ne Tra­di­tio­na­li­sten und auch kei­ne Pro­gres­si­sten, son­dern nur Katho­li­ken, die die Gebo­te hal­ten. Der Katho­lik hält sich an die 1287 Sei­ten Wahr­heit der Bibel, an das Evan­ge­li­um in sei­ner vol­len Län­ge und beschränkt sich nicht auf Rosi­nen­picke­rei und ver­wir­ren­de Hirn­win­dun­gen, die einen Glau­ben ver­steh­bar machen wol­len. Er hält sich an die immer­wäh­ren­de Leh­re der katho­li­schen Kir­che. Er spricht nicht über Gott, son­dern mit Gott, auch nicht über den Nach­barn, son­dern mit dem Nach­barn. Er erhebt sich mit der Kir­che zu Gott, und erhebt die Kir­che nicht über Gott. Der Katho­lik lebt in der Gna­de, und erhebt sich immer wie­der von der Ungna­de zur Gna­de durch Bus­se und Opfer ange­sichts unser aller mensch­li­chen Schwä­che. Aber auch die Untat des Schwei­gens, Schwamm und Deckel dar­über, leben in Ungna­de und Ungna­de hei­li­gen, tun und las­sen, was einem beliebt, selbst schon all die Unge­dan­ken sind eines Katho­li­ken nicht wür­dig. Wer schliess­lich davon­läuft ist schon nicht mehr katho­lisch, auch wenn er katho­lisch getauft wur­de, von der Erb­sün­de befreit in das Reich Got­tes auf­ge­nom­men wur­de. Wenn unser­ei­ner dann durch die Sün­de in Ungna­de gefal­len in der Ungna­de ver­harrt und um Ein­lass bit­tet, ohne die schmut­zi­gen Schu­he aus­zie­hen zu wol­len, statt sich könig­lich zu klei­den und in das König­reich Got­tes ein­zu­tre­ten, benimmt sich wie ein unreu­mü­ti­ger Schand­tä­ter. Ja es macht frei von Gott, dem Göt­zen Demo­kra­tie zu die­nen und sich über das Volk Got­tes zu stel­len, den Zio­nis­mus über das aus­er­wähl­te Volk, das Volk des fal­schen Pro­phe­ten Moham­med mit wei­ssen Hand­schu­hen anfas­sen. Der frei­mau­re­ri­sche Göt­zen­die­ner aus der Fin­ster­nis der Auf­klä­rung, der demo­kra­ti­sche Frei­geist, der huma­ni­sti­sche Pro­phet und sei­ne Wis­sen­schaft des Ver­der­bens erhebt sich über den Kai­ser und den Statt­hal­ter, die von Gott gesandt wur­den.

    Das kli­schee­haf­te Spre­chen und Urtei­len des Autors über den Katho­li­zis­mus trifft mich als Katho­lik nicht, son­dern ver­an­lasst mich nur vor einem fal­schen Katho­li­zis­mus zu war­nen. Der Autor hat sich nicht berich­tigt, son­dern nur bestä­tigt, denn nicht die Auf­fas­sung, son­dern nur der Glau­be hält die Gläu­bi­gen in der Kir­che. Die Aus­sa­ge von Kar­di­nal Bur­ke ist mehr als recht, wem es nicht passt steht es offen die katho­li­sche Kir­che zu ver­las­sen. Nie­mand ist gehal­ten, dar­in zu blei­ben, und ich sage, wenn er zum Trotz bleibt, erweist er sich schliess­lich als Feind der katho­li­schen Kir­che.

    Der Pro­phet Malea­chi spricht über die Prie­ster (Mal,1,6 ff): .. Wenn ich der Herr bin, wo bleibt da die Furcht vor mir?, spricht der Herr der Heer­scha­ren zu euch ihr Prie­ster, die ihn in mei­nem Namen ver­ach­ten…

    Und der Pro­phet Sach­ar­ja spricht über den Hir­ten (Sach 13, 7ff.):… Schwert wach auf gegen mei­nen Hir­ten und gegen den Mannn, der mir so nahe steht, Spruch des Herrn der Heer­scha­ren. Schlag den Hir­ten, dass sich die Scha­fe zer­streu­en. .. Es wird gesche­hen im gan­zen Land, Spruch des Herrn Zwei Drit­tel wer­den dar­in ver­nich­tet. Die­ses Drittel.…Sie wer­den mei­nen Namen anru­fen und ich wer­de sie erhö­ren.. Ich wer­de sagen: Das ist mein Volk. Und es wird sagen: Der Herr ist mein Gott.

    • „Er spricht nicht über Gott, son­dern mit Gott, auch nicht über den Nach­barn, son­dern mit dem Nach­barn. “ Sehr gut, sehr gut, sehr gut; so ein­fach kann man es sagen.

    • „Die Aus­sa­ge von Kar­di­nal Bur­ke ist mehr als recht, wem es nicht passt steht es offen die katho­li­sche Kir­che zu ver­las­sen.“ Noch­mals mei­ne Zustim­mung. Denn nur wer in Voll­macht (Auto­ri­tät) spricht, wird gefürch­tet, er dient als Vor­bild und wird letzt­lich dar­in geach­tet und auch geliebt.
      Mit Lali­fa­ri schnurrt die Kat­ze zwar, fällt dann aber von der Mau­er. Und wer ist dann schuld.….…..?

  17. Wenn ich mir die Kom­men­ta­re so durch­le­se, ent­steht der Ein­druck eines ziem­li­chen Wirr­warrs, was für mich dar­auf hin­deu­tet, dass die tra­di­tio­nel­le kirch­li­che Ehe­leh­re gar nicht so klar ist wie behaup­tet. Das tie­fe­re Pro­blem liegt womög­lich in dem Ver­such, die gött­li­che Dimen­si­on in prak­ti­ka­ble (all­tags­taug­li­che) juri­sti­sche Begrif­fe zu packen.

    Ich kann Olden­dorf fol­gen, auch wenn mir sei­ne Argu­men­ta­ti­on etwas for­ma­li­stisch anmu­tet: Die „Homo-Ehe“ ist m. E. ledig­lich eine zivil­recht­li­cher Ver­trag, sel­bi­ges gilt für eine Zweit­ehe — aus der Per­spek­ti­ve der Kir­che han­delt es sich nicht um Ehen, sie sind als Ehen nicht exi­stent; des­halb sind sie so zu behan­deln wie unehe­li­che Bezie­hun­gen. Ande­rer­seits: Der­ar­ti­ge Ver­bin­dun­gen haben doch mit einer natur­recht­li­chen Ehe die gegen­sei­ti­ge Für­sor­ge gemein, so dass es sich doch nicht um ganz unter­schied­li­che Rea­li­tä­ten han­delt.

    Was auf dem Spiel steht, ist, mei­ne ich, aber weni­ger die Ehe­leh­re der Kir­che als deren Sexu­al­mo­ral (auch wenn das aus Sicht des Lehr­amts nicht zu tren­nen ist), also die Fra­ge, ob Sexua­li­tät legi­tim nur in einer mono­ga­men Ehe zwi­schen Mann und Frau und zum Zweck der Fort­pflan­zung aus­ge­übt wer­den darf. Denn: Wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne dür­fen nach der­zeit gül­ti­ger Leh­re die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen, wenn sie sich zu einem sexu­ell absti­nen­ten Leben bereit erklä­ren.

    Was wei­ter auf dem Spiel steht (im Hin­ter­grund): Das katho­li­sche Lehr­amt nimmt für sich in Anspruch, das Moral- und Sit­ten­ge­setz unfehl­bar aus­zu­le­gen. Kor­rek­tu­ren oder Kurs­wech­sel sind dabei nicht vor­ge­se­hen — andern­falls ent­fie­le ja die Unfehl­bar­keit. Und des­halb sind selbst die Refor­mer bemüht, einen Kurs­wech­sel als Wei­ter­ent­wick­lung dar­zu­stel­len. Den Par­al­lel­fall hat man bzgl. Reli­gi­ons­frei­heit. Wobei man sich dar­über strei­tet, wel­chen Rang jene päpst­li­chen Ver­laut­ba­run­gen ein­neh­men, die die Reli­gi­ons­frei­heit offen­sicht­lich ver­ur­tei­len. Auch hier ist inter­es­sant, dass kei­ne lehr­amt­li­che Ver­laut­ba­rung exi­stiert (jeden­falls ist mir kei­ne bekannt), die fest­hält, die dam­li­gen Päp­ste hät­ten sich eben geirrt. Für einen Lai­en wie mich ist das alles nicht durch­schau­bar.

    • „Für einen Lai­en wie mich ist das alles nicht durch­schau­bar.“
      Wie­so ist das für sie nicht durch­schau­bar?
      Sie haben doch das tie­fe Grund­pro­blem exakt beschrie­ben.
      „Das tie­fe­re Pro­blem liegt womög­lich in dem Ver­such, die gött­li­che Dimen­si­on in prak­ti­ka­ble (all­tags­taug­li­che) juri­sti­sche Begrif­fe zu packen.“
      Ich ver­su­che es mal auf Schafs­ni­veau.
      Die gro­ße Mehr­heit der Katho­li­ken will schon zurück­grei­fen auf das Heils­ver­spre­chen des Herrn haben aber kei­ne Lust sich an sei­ne Vor­ga­ben zu hal­ten.
      Da sie aber mit ihm nicht debat­tie­ren kön­nen machen sie es mit sei­ner Kir­che. Sie sol­le sich gefäl­ligst ändern und end­lich barm­her­zig sein. Unter dem Strich soll die hei­li­ge Kir­che zu allem ja sagen was ihnen gefällt und soll alles weg­räu­men was ihnen in die­ser Welt in der Que­re liegt. Wenn sie nicht so bequem wären könn­te sie sich doch eine eige­ne Kir­che grün­den und schon wäre alles topp für sie. Aber das trau­en sie sich dann doch nicht, denn eine all­tags­taug­li­che Kir­che ist doch wohl ein biß­chen zu banal.
      Per Mari­am ad Chri­stum.

      • „Die gro­ße Mehr­heit der Katho­li­ken will schon zurück­grei­fen auf das Heils­ver­spre­chen des Herrn haben aber kei­ne Lust sich an sei­ne Vor­ga­ben zu hal­ten.“ Abge­se­hen davon, dass Sie mich miss­ver­stan­den haben: Ich mein­te, dass die Kir­che den Glau­ben ver­recht­licht hat. Abge­se­hen wei­ter, dass das total über­zeich­net ist — eini­ge mögen tat­säch­lich kei­ne Lust haben, sich dar­an zu hal­ten; die Mehr­heit der Mehr­heit glaubt aber schlicht­weg nicht dar­an, dass es wahr ist, dass es sich um gött­li­che Vor­ga­ben han­delt -, ist das gar nicht „mein“ Pro­blem. Das Pro­blem ist, wel­che lehr­amt­li­che Aus­sa­ge wel­chen dog­ma­ti­schen Rang bean­sprucht und wel­che Leh­re daher ver­än­der­lich ist und wel­che nicht. Das ist eine Meta­ebe­ne, auf der sich m. E. auch der Streit zwi­schen Rom und der Pius­bru­der­schaft bewegt. Für mich sieht das so, als hät­te sich das Lehr­amt ver­hed­dert.

        Oder um es mit den tref­fen­den Wor­ten von K (Kom­men­tar 24.10.2014 19.50) zu sagen: „Wie oft muss­te ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren erle­ben, wie Gläu­bi­ge die­ser Fas­son zusam­men­bra­chen, weil sie erken­nen muss­ten, dass das kath. Lehr­amt in Wirk­lich­keit nach­weis­bar gar kein so wider­spruchs­frei­es Gebäu­de ist, wie sie mein­ten.“

      • @Zeno Cosi­ni
        „Oder um es mit den tref­fen­den Wor­ten von K (Kom­men­tar 24.10.2014 19.50) zu sagen: „Wie oft muss­te ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren erle­ben, wie Gläu­bi­ge die­ser Fas­son zusam­men­bra­chen, weil sie erken­nen muss­ten, dass das kath. Lehr­amt in Wirk­lich­keit nach­weis­bar gar kein so wider­spruchs­frei­es Gebäu­de ist, wie sie mein­ten.“

        Das kommt davon wenn man die Kon­zils­kir­che nicht von der katho­li­schen Kir­che unter­schei­den kann. Es ist eben alles nicht so ein­fach wie man­che es sich den­ken. Natür­lich haben die­se Gläu­bi­gen durch­aus recht wenn sie die Wider­sprü­che in der katho­li­schen Kir­che fin­den . Gefähr­lich ist es für sie nur wenn sie ihre eige­nen Wider­sprü­che suchen und fin­den.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

      • Zeno Cosi­ni
        Ach­so, das hat­te ich ver­ges­sen.
        „eini­ge mögen tat­säch­lich kei­ne Lust haben, sich dar­an zu hal­ten; die Mehr­heit der Mehr­heit glaubt aber schlicht­weg nicht dar­an, dass es wahr ist, dass es sich um gött­li­che Vor­ga­ben han­delt –, “
        Wo liegt das Pro­blem? Solan­ge sie nicht mit vor­ge­hal­te­ner Maschi­nen­pi­sto­le gezwun­gen wer­den katho­lisch zu sein kön­nen sie doch dort hin­ge­hen wo es kei­ne Wider­sprü­che gibt. Übri­gens mag ich Mehr­hei­ten von Mehr­hei­ten über­haupt nicht, die sind mir zeit­geist­mä­ßig zu glatt gestrie­gelt.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

  18. Ich den­ke, daß ich den bei­den Bei­trä­gen des Autors dahin­ge­hend fol­gen kann als er sich wie ein Ver­tei­di­ger vor Gericht (unab­hän­gig von sei­ner ande­ren Ansicht) durch logisch nach­voll­zieh­ba­re Win­kel­zü­ge und auf Grund mög­li­cher­wei­se nicht beweis­ba­rer Vor­gän­ge dem „Ange­klag­ten“ zu sei­nem ver­meint­lich ein­klag­ba­rem Anrecht auf Ehe trotz Gleich­ge­schlecht­lich­keit und daher auch Anrecht auf Ver­ei­ni­gung mit Chri­stus im Aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­ment des Lei­bes u n d des Blu­tes zu ver­hel­fen. Der Autor ver­sucht durch die­se rein juri­sti­sche Denk­wei­se den mög­li­chen Gedan­ken­gän­gen der­je­ni­gen Bischö­fe zu fol­gen, die die soge­nann­te Öff­nung gegen­über Homo­se­xu­el­len und Les­bie­rin­nen real oder vor­erst „nur“ gedank­lich suchen.
    Per­sön­lich den­ke ich, daß die­se Art der Öff­nung ein ele­men­ta­rer Feh­ler ist, da sie den offen­kun­di­gen Wider­spruch zur Natur der Ehe dar­stellt, die auschließ­lich zwi­schen einem unge­bun­de­nen Mann und einer unge­bun­de­nen Frau mög­lich bzw. erlaubt ist. Wei­ters steht die­se Art der Öff­nung dem Ärger­nis, ja schwe­rer Sün­de, der gleich­ge­schlechtl­chen kör­per­li­chen „Ver­ei­ni­gung“ ent­ge­gen die der Wei­ter­ga­be mensch­li­chen Lebens n i ch t bemäch­tigt wur­de. Außer durch jetzt der moder­nen Medi­zin mög­lich gewor­de­nen künst­li­chen Befruch­tung und der Leih­mut­ter­schaft, bei­des in der Natur n i c h t vor­ge­se­he­ne Mani­pu­la­tio­nen . Daß Gott trotz­dem die­se Art der „Erzeu­gung“ von Kin­dern zuläßt , wie auch durch Ver­ge­wal­ti­gung (wobei auch ein zeit­wei­ses Nicht­wol­len der Frau inner­halb einer gül­ti­gen Ehe für mich eine Ver­ge­wal­ti­gung dar­stellt) bleibt für mich SEIN Geheim­nis.
    Wenn die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe und die Zulas­sung zu den Sakra­men­ten der Buße und des Alta­res auf Grund juri­sti­scher Gedan­ken­zü­ge käme, wäre das genau so die Men­schen in die Irre füh­rend wie die jet­zi­ge Rechts­la­ge die Abtrei­bung betref­fend: ein schwe­rer Rechts­bruch der n i c h t bestraft wir !!! Und des­sen Durch­füh­rung durch den­sel­ben irdi­schen Gesetz­ge­ber eif­rigst geför­dert wird.

    In den diver­sen Kom­men­ta­ren wur­den Maria, die Mut­ter Jesu des Gott­men­schen, und Josef der bräut­li­che Beschüt­zer von Mut­ter und Kind und was denn d a s für eine „Ehe“ gewe­sen sein kann, die n i e kör­per­lich voll­zo­gen wur­de .… eif­rigst durch­dis­ku­tiert. Ich gebe zu n i c h t alle Kom­men­ta­re gele­sen zu haben. Viel­leicht wur­de das nun fol­gen­de bereits gesagt. Trotz­dem:
    Maria war Josef ver­spro­chen, was einer offi­zi­ell noch n i c h t voll­zo­ge­nen Ehe ent­sprach, solan­ge er sie noch nicht zu sich genom­men hat­te. Nun erwar­te­te Maria das in der Kraft des Hei­li­gen Gei­stes gezeug­te Jesus­kind und wäre, der Rechts­la­ge ent­spre­chend der Stei­ni­gung aus­ge­setzt gewe­sen, da sie von Josef noch n i c h t zu sich genom­men wor­den war. Josef wird durch den Engel in das Geheim­nis Mari­ens ein­ge­weiht und die­ser wahr­haft gro­ße Gerech­te nimmt Maria mit dem noch unge­bo­re­nen Jesus­kind zu sich. Er legi­ti­miert Maria und den noch Unge­bo­re­nen vor aller Welt durch den äußer­li­chen Ehe­voll­zug des Zusich­neh­mens. ff

  19. ff In einem Reli­gi­ons­buch jüdi­schen Glau­bens aus dem, glau­be ich, 19.Jhd. , in deut­scher Spra­che las ich ein­mal fol­gen­des:
    Ein Gel­üb­te, und Maria hat­te das Gel­üb­te getan “ kei­nen Mann zu erken­nen“ , muß dem Ehe­mann unmit­tel­bar nach dem „Zusich­neh­men“ , ent­spricht unse­rer jet­zi­gen Hoch­zeit, geof­fen­bart wer­den . Und auch umge­kehrt. Unver­hei­ra­tet zu sein war unüb­lich. Wenn der jewei­li­ge Ehe­part­ner die­ses Gel­üb­te akzep­tier­te, konn­te bzw. durf­te es auch gelebt wer­den. Wenn der jewei­li­ge Ehe­part­ner die­ses Gel­üb­te n i c h t akzep­tier­te stand, ( bzw. steht ) die Ehe als Gott­ge­woll­ter Bund zwi­schen Mann und Frau ü b e r dem abge­leg­ten Gel­üb­te und mußte/muß(?) daher n i c h t extra im Tem­pel vom Prie­ster gelöst wer­den. S o hoch stand/steht (noch heu­te?) der Bund der Ehe im jüdi­schen Reli­gi­ons­ge­setz !!!
    Da die immer­wäh­ren­de Jung­fräu­lich­keit Mari­ens, der Mut­ter Got­tes, unver­brüch­li­cher Glaubenssatz/schatz i s t. , hat, so schlie­ße ich, Josef der Gerech­te die völ­li­ge Zueig­nung Mari­ens an Gott voll­kom­men aner­kannt.
    Trotz­dem war das vor dem Gesetz und den Men­schen ein voll­gül­ti­ger Ehe­bund und mit dem Gott­mensch­li­chen Jesus­kind eine rich­ti­ge Fami­lie.

    • Das steht in Nume­ri 30:

      „7 Wenn eine Frau vor ihrer Hei­rat ein Gelüb­de abge­legt oder unbe­dacht dem Herrn etwas ver­spro­chen hat,
      8 dann bleibt das Gelüb­de auch nach ihrer Hei­rat gül­tig, sofern der Ehe­mann kei­nen Ein­spruch erhebt.
      9 Ver­bie­tet er ihr aber, das Gelüb­de zu erfül­len, und zwar noch am sel­ben Tag, an dem er davon erfährt, so ist es ungül­tig gewor­den. Der Herr wird ihr kei­ne Schuld anrech­nen, wenn sie es nicht erfüllt.
      10 Eine Wit­we oder eine geschie­de­ne Frau jedoch muss alles hal­ten, was sie ver­spro­chen hat.
      11 Wenn eine ver­hei­ra­te­te Frau dem Herrn irgend­ein Gelüb­de ablegt,
      12 dann ist es gül­tig, sofern der Ehe­mann kei­nen Ein­spruch erhebt.
      13 Ver­bie­tet er ihr aber, das Gelüb­de zu erfül­len, und zwar noch am sel­ben Tag, an dem er davon hört, so ist es ungül­tig gewor­den. Der Herr wird ihr kei­ne Schuld anrech­nen, wenn sie es nicht erfüllt; denn ihr Mann hat es ihr ver­wehrt.
      14 Wenn eine Frau dem Herrn etwas gelobt oder schwört, auf etwas zu ver­zich­ten, hat der Ehe­mann das Recht, das Gelüb­de sei­ner Frau gel­ten zu las­sen oder auf­zu­he­ben.
      15 Wenn er aber nicht am sel­ben Tag, an dem er davon hört, Ein­spruch erhebt, bil­ligt er durch sein Schwei­gen das Gelüb­de sei­ner Frau.
      16 Erhebt er erst spä­ter Ein­spruch und hin­dert sei­ne Frau dar­an, ihr Gelüb­de zu erfül­len, so macht er und nicht die Frau sich schul­dig und er muss die Fol­gen tra­gen.“

      Man sieht also — dass das nur ganz schwie­rig mit der Maria-Josef-Geschich­te zusam­men­ge­bracht wer­den kann hin­sicht­lich des dis­ku­tier­ten The­mas. Im mosai­schen Gesetz ist das Gelüb­de der Frau also schnup­pe, wenn es dem Mann nicht passt, sogar ein Gelüb­de vor dem Herrn!

      Nun hat aber Gott bei Maria gera­de die­sen Wil­lens­vor­rang des Man­nes über­haupt nicht berück­sich­tigt, son­dern regel­recht umge­kehrt: Josef wur­de in der Tat nichts gefragt! Maria wur­de gefragt und sag­te ihr Fiat! Josef hat­te die Wahl zu akzep­tie­ren oder nicht. Aus dem jüdi­schen Kon­text her­aus kann man sagen: Maria hät­te folg­lich ihren Auf­trag in jedem Fall durch­ge­zo­gen — ob mit oder ohne Josefs nach­träg­li­che Zustim­mung. Es war ihr ja durch­aus bewusst, wie das Gesetz lau­tet!

      Nein — das passt also nicht recht.

      Mir ging es ja an sich nicht um die­se grund­sätz­li­che Debat­te, son­dern dar­um, dass die „Hei­li­ge Fami­lie“ an sich kein ech­tes „Vor­bild“ für die Ehe sein kann — ein­fach weil die Rah­men­be­din­gun­gen 100% ein­ma­lig sind und es nicht kor­rekt ist, nun alles mög­li­che Gewünsch­te auf die­se außer­or­dent­li­che Ehe zu pro­ji­zie­ren, zumal wir über­haupt nichts aus der Schrift dar­über wis­sen!

      Mir ging es dar­um, dass die­se Ehe — weil sie nicht über­trag­bar und in ihrer All­täg­lich­keit völ­lig unklar ist — eine teil­wei­se sen­ti­men­ta­le und schie­fe Kate­che­se her­vor­ge­ru­fen hat.

      Wenn etwas wirk­lich hand­fest ist für Chri­sten, dann die „Haus­ta­feln“ in den Pasto­ral­brie­fen. Dort ist auch von nor­ma­len und erwart­ba­ren Ehen die Rede.
      Es ist ohne­hin unklar, war­um man den Auf­wand einer Ehe betrei­ben soll­te, wenn man ohne­hin nicht ehe­lich leben will?!

  20. C. Olden­dorfs Über­le­gun­gen erin­nern vllt. ein wenig an Luther, der ja auch die bür­ger­li­che Ehe (das berühm­te „welt­lich Ding“) von der christ­li­chen Ehe unter­schied. Die Zivil­ehe kann der Staat Luther zufol­ge schei­den und erlau­ben, wie er will; sie dient nur der gesell­schaft­li­chen Ord­nung und hat kei­ne spe­zi­fisch christl. Bedeu­tung. Die christ­li­che Ehe, die durch alles ver­zei­hen­de Lie­be und stren­ge Treue bis zum Tod gekenn­zeich­net ist, hielt Luther dagg. für strikt unauf­lös­lich. Eine Wie­der­hei­rat gestat­te­te er auch nach Tren­nung nicht bzw. (wg Mt 5,32) nur dann, wenn ein Ehe­bruch zur Schei­dung geführt hat­te und eine Ver­söh­nung aus­ge­schlos­sen war (zumin­dest theo­re­tisch, in der Pra­xis gibt es dann bei ihm natür­lich auch Wider­sprü­che).

    Luthers „christ­li­che Ehe“ unter­schei­det sich rein äußer­lich nicht von der staat­li­chen Ehe, er geht ja typi­scher­wei­se immer davon aus, dass sich Glau­ben und Unglau­ben nur im Inne­ren abspie­len und äußer­lich nicht sicht­bar sind (ent­ge­gen unse­rer Leh­re von der Sicht­bar­keit der Kir­che). Das trägt zu dem Miss­ver­ständ­nis vie­ler Katho­li­ken bei, die mei­nen, Luther hät­te die Schei­dung oder gar die Wie­der­hei­rat erlaubt. Das hat er (abge­se­hen von den erwähn­ten Inkon­si­sten­zen) aber kei­nes­wegs, denn der wah­re Gläu­bi­ge muss natür­lich Luther zufol­ge eine christ­li­che Ehe füh­ren, kei­ne bloß äußer­li­che, bür­ger­li­che. Des­halb das stren­ge Schei­dungs­ver­bot für Chri­sten bei gleich­zei­tig libe­ra­ler Schei­dungs­pra­xis auf der welt­li­chen Sei­te. Das käme Olden­dorfs Idee ja doch nahe, mei­ne ich.

    Hin­wei­sen müss­te man noch auf den in dem (auch hier bewor­be­nen) letz­ten engl. Com­mu­nio-Heft (Sum­mer 2014) zur Wie­der­hei­rat abge­druck­ten Arti­kel von José Gra­na­dos vom röm. JPII-Insti­tut über das Ver­hält­nis zw. Glau­ben und Ehe­schlie­ßung (S. 244–267), der sich genau der­sel­ben Schnitt­stel­le wid­met (inwie­weit kann feh­len­der Glau­be den sakra­men­ta­len Cha­rak­ter der Ehe­schlie­ßung beein­träch­ti­gen). Der Ansatz ist mit Olden­dorf vglb., aller­dings geht Gra­na­dos stren­ger vom klas­si­schen Begriff der Ehe unter Chri­sten als per se und auto­ma­tisch sakra­men­tal aus, den Olden­dorf hier auf­ge­ben zu müs­sen scheint. Inso­fern wäre die­ser Arti­kel eine sinn­vol­le Ergän­zung, mei­ne ich.

    • „…vom klas­si­schen Begriff der Ehe unter Chri­sten als per se und auto­ma­tisch sakra­men­tal aus, den Olden­dorf hier auf­ge­ben zu müs­sen scheint…“

      Das ver­ste­he ich nicht — inwie­fern gibt O. das auf?

  21. Ich habe mir Ihre Aus­füh­rung nun mehr­mals durch­ge­le­sen und wich­ti­ge Stel­len mar­kiert um es zu ver­ste­hen:

    1. 2 katho­li­sche Men­schen vom glei­chen Geschlecht kön­nen eine staat­li­che ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft ein­ge­hen und trotz­dem alle Sakra­men­te emp­fan­gen-solan­ge sie 1. keusch leben oder 2. ihre began­ge­ne Unzucht bereu­en und beich­ten. Ist das so rich­tig? Man wird ja wohl nicht auto­ma­tisch exkom­mu­ni­ziert wenn man so eine Part­ner­schaft ein­geht, oder? Dem­nach ist das kein Pro­blem-das Pro­blem besteht nur in einer recht­li­chen Gleich­stel­lung mit der ehe, dem ver­lan­gen einen kirch­li­chen Segen zu bekom­men und die Adop­ti­on von kin­dern. aber wenn 2 prak­ti­zie­ren­de Katho­li­ken so eine Part­ner­schaft ein­ge­hen und keusch leben bzw ihre Unzucht bereu­en und beich­ten ist das kein Pro­blem-obwohl immer gesagt wird das ein Beicht­va­ter ver­su­chen wird dass sich die bei­den tren­nen-aber wenn sie wie Brüder/Schwestern zusam­men­le­ben gäbe es doch kein Pro­blem. Man muss ja der näch­sten Gele­gen­heit zur Sün­de nur aus­wei­chen dh. aber nicht not­ge­drun­gen dass man sich tren­nen muss.
    die fra­ge ist auch wo beginnt Unzucht-da gibt es doch bestimmt detail­lier­te Aus­füh­run­gen dazu? in der Schrift heißt es Män­ner sol­len nicht mit­ein­an­der lie­gen wie mit Frau­en aber das geht ja sowie­so nicht-ist dem­nach ein getrenn­tes Bett Vor­aus­set­zung?

    2. Ihren Aus­füh­run­gen ent­neh­me ich, dass Katho­li­ken die eine kirch­lich ehe voll­zo­gen haben und sich dann tren­nen und jeweils eine neue zivi­le Part­ner­schaft ein­ge­hen auch zu den Sakra­men­ten gehen kön­nen? aber leben sie nicht in schwe­rer Sün­de? und wird der ehe­li­che Akt unter Ver­wen­dung von künst­li­chen Ver­hü­tungs­mit­teln als voll­zo­gen ange­se­hen oder nicht. muss man das beich­ten?
    Das 1. ver­steh ich und macht sinn. beim 2. jedoch kom­me ich nicht mit. Viel­leicht kön­nen Sie Auf­klä­rung lei­sten.

    PS: Dem­nach wäre es kein Pro­blem wenn ein Prie­ster eine zivi­le ehe ein­geht-eine kirch­li­che geht ja nicht. aber ich kann nicht glau­ben dass die Zeu­gung von kin­dern der ein­zig gül­ti­ge beweis ist für eine voll­zo­ge­ne ehe-gibt es da auch nicht ande­re Kri­te­ri­en-gemein­sa­mes haus,konto,tisch etc. und wenn 3 von 4 erfüllt sind gilt das als voll­zo­ge­ne ehe?

    dem­nach sehen sie die gan­ze Dis­kus­si­on gelas­sen und es ist kei­ner­lei kampf mehr mit kas­per und Kon­sor­ten nötig.
    Dan­ke!

  22. § 2. Haben die Ehe­gat­ten nach der Ehe­schlie­ßung zusam­men­ge­wohnt, so wird der Voll­zug der Ehe so lan­ge ver­mu­tet, bis das Gegen­teil bewie­sen wird.

    Reicht es wenn bei­de Part­ner sagen die Ehe wur­de nicht voll­zo­gen? Oder brauch es da noch ande­re Bewei­se?

  23. 1Thess 4 3 Denn das ist der Wil­le Got­tes: Eure Hei­li­gung: daß ihr euch der Unzucht ent­hal­tet,..

    Pau­lus war ein geschei­ter Mann, von Gott erleuch­tet. Hat der sich Gedan­ken über den Begriff „Natur­recht“ gemacht??? Völ­li­ge Zeit­ver­schwen­dung!

    • „Pau­lus war ein geschei­ter Mann, von Gott erleuch­tet. Hat der sich Gedan­ken über den Begriff „Natur­recht“ gemacht??? Völ­li­ge Zeit­ver­schwen­dung!“
      Ich weiß auch nicht woher die­ser blö­de Begriff kommt. Ich ver­mu­te das es heu­te nicht mehr schick ist den Glau­ben an Chri­stus mit ihm selbst zu ver­tei­di­gen. Die­ser neu­tra­le Begriff „Natur­recht“ wenn man ihm noch eine grü­ne Schlei­fe umhängt ist heut­zu­ta­ge bei jeder­mann ohne grö­ße­re Pro­te­ste unter­zu­brin­gen. Ich jeden­falls pfeif auf Mut­ter Natur und ihr Recht.
      „Seg­ne uns Maria“
      Per Mari­am ad Chri­stum.

  24. Wenn ich mir das so anschaue, dann gehts doch um Fol­gen­des:

    Ich den­ke mir mal, es gibt in Deutsch­land den einen oder ande­ren Bischof, den ich hei­ra­ten könn­te. Home­he auf dem Stan­des­amt wäre ja kein The­ma, obgleich ich selbst ganz anor­mal bin, also mich zum ande­ren Geschlecht hin­ge­zo­gen füh­le. Wie auch immer: ich hei­ra­te die­sen von mir erwähl­ten Bischof auf dem Stan­des­amt; kirch­lich nicht. Dann bin ich näm­lich finan­zi­ell aus dem Schnei­der, muß nicht mehr arbei­ten gehen und für mei­ne Pen­si­on ist gesorgt. Ich wer­de aller­dings nur eine Fern­ehe mit ihm füh­ren, blei­be in mei­ner eige­nen Woh­nung.

    Ich hab‚ aber seit Jah­ren 2 Bekann­te. Die arbei­tet beim Aldi als Kas­sie­re­rin und die nade­re räumt bei der Kon­kur­renz, beim Lidl, Waren ein. Bei­de wis­sen nichts von­ein­an­der. Ich sehe bei­de wöchent­lich, wir grü­ßen ein­an­der, sind nett zuein­an­der, sagen das eine oder ande­re.

    Nun­mehr, finan­zi­ell abge­si­chert durch mei­ne Erste­he, kann ich einer der bei­den einen Hei­rats­an­trag machen. Nur einer: ich bin näm­lich sau­ber. Die hei­ra­te ich aber wohl­weis­lich nur kirch­lich.
    Wir machen dann in der Kir­che unse­ren Got­tes­dienst und geben uns das Ja-Wort. Mehr­e­he geht ja, denn wir haben uns lieb und wol­len Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der tra­gen. Sie braucht nun, da ich genug Geld von mei­nem Part­ner erhal­te, nicht mehr schaf­fen zu gehen. Sie kann das tun, muß aber nicht.
    So wür­de ihre Arbeit­stel­le gege­be­nen­falls frei wer­den: das ist sozi­al. Dann ist jedem damit gehol­fen.
    Mei­ne Bekann­te bringt auch noch 1 Kind mit in die Ehe und dann bin ich sogar Vater. Ich selbst brin­ge noch ein 2‑jähriges Kätz­chen, weib­lich, mit in die­se Ehe.

    Aller­dings: ich wür­de ger­ne mein Kätz­chen eben­falls hei­ra­ten und zwar sowohl stan­des­amt­lich wie kirch­lich. Wir waren immer sehr für­sorg­lich zuein­an­der, da ist Treue, da ist gegen­sei­ti­ge Ver­ant­wor­tung. Ich brin­ge ihr die Mahl­zei­ten und sie leckt mir manch­mal die Hand. Das hilft mir see­lisch und macht mich aus­ge­gli­chen. Ich will mein Kätz­chen des­we­gen stan­des­amt­lich hei­ra­ten, weil ich sie als ihr Ehe­part­ner (ich wer­de Güter­ge­mein­schaft ver­an­las­sen) im Testa­ment beden­ken will, damit, wenn ich vor ihr ster­ben soll­te, für ihr Alter gesorgt ist. Ich suche jetzt schon einen Pfle­ge­platz für sie, denn man weiß ja nie. Also das soll mein Kätz­chen schon haben; das ist mir mei­ne Tin­ka alle­mal wert.

    Und der kirch­li­chen Ehe, die Bedin­gun­gen sind wie gesagt erfüllt, steht auch nichts im Wege. Das wird dann sicher eine schö­ne Hoch­zeit wer­den, wenn der Prie­ster uns den Segen gibt.
    Da freue ich mich schon drauf. Dann bin ich glück­lich 3mal ver­hei­ra­tet. So viel ist das ja nicht!

    • Sehen Sie, Sie trei­ben das iro­nisch auf die Spit­ze, was mir eben auch an der „Josef­se­he“ auf­stößt: sie erfüllt nicht den natür­li­chen Sinn einer Ehe — und zwar schon vom Ansin­nen her, und man muss sich fra­gen, wozu man sie über­haupt schließt, wenn nicht aus rein ver­sor­gungs­recht­li­chen Grün­den.
      Wenn es aber nur ums Ver­sor­gen und Beschüt­zen geht — das könn­te man aller­dings auch als Mäzen — wozu die­ses Thea­ter von wegen „Ehe“? war­um nicht dann eine ande­re recht­lich bin­den­de ver­pflich­tung ein­ge­hen?
      Ich geste­he, dass mir das ein­fach nicht in den Kopf will.

      Noch anders gesagt: Wer die Josef­se­he ver­tei­digt, beraubt sich unge­wollt sei­ner Argu­men­te gegen die Homo­ehe. Damit kom­me ich nicht klar. Und ich den­ke, in dem Dilem­ma steckt auch wohl die Kir­che.

      • Und wei­ter:
        Wenn man mal das oben von Theo­lo­gus zitier­te Kri­te­ri­en­gefü­ge des Augu­sti­nus nimmt, erin­nert mich das so frap­pie­rend an Sät­ze wie „Fami­lie, das ist da, wo Kin­der sind“ (Ger­hard Schrö­der).
        Wir haben ja heu­te das Pro­blem, dass geschie­de­ne Väter, deren Kin­der bei der Mut­ter mit neu­em Mann leben, schon um ihre Rech­te als der eigent­li­che Vater kämp­fen müs­sen. Oder sogar von zwei Les­ben habe ich das gele­sen — dem natür­li­chen Vater des Kin­des der einen Ehe­frau wur­de vor Gericht von der Ehe­frau Nr. 2 das Erzie­hungs­recht bestrit­ten, das sie auf sich über­tra­gen sehen woll­te, weil sie ja nun die recht­mä­ßi­ge Ehe­frau der Mut­ter sei.… Etc.

        Die Ehe Mari­as und Josefs war nach jüdi­schem Recht sehr wohl auf­lös­bar, als nicht voll­zo­ge­ne Ehe sowie­so auch nach kirch­li­chem Recht (das Kri­te­ri­um über­zeugt mich also auch nicht).

        Dafür lässt sich aber eben gera­de die­se „Josef­se­he“ bestens von den rei­nen Posi­tiv­recht­lern ver­ein­nah­men und in die Kir­che tra­gen.

    • @Frenzel
      Ich habe end­lich mal wie­der herz­lich gelacht.
      Aller­dings ist der rei­ne Tat­be­stand zum Wei­nen. Denn so weit von der Rea­li­tät ist das gar nicht mal ent­fernt, was sie da sehr phanst­asie­voll beschrei­ben.
      So ist das, wenn Opfer Opfer von Opfern wer­den… Dann braucht es kein Opfer mehr. Die Men­schen berei­ten sich sel­ber ihre Höl­le auf Erden.
      Ich kann mich in die­sem Zusam­men­hang an die Aus­sa­ge eines Schau­spie­lers erin­nern, der sag­te, er sei in sei­nem Leben 5 Mal ver­hei­ra­tet gewe­sen. Das sei ja wohl gerech­net auf 50 Jah­re nicht viel. Alle 10 Jah­re nur eine Frau!
      Und von Udo Jür­gens war anläss­lich sei­nes 80. Geburts­ta­ges zu lesen: Nun ja, mit der Treue, das sei so eine Sache. Treue hän­ge doch schließ­lich ab von Gele­gen­hei­ten. Auch Hein­rich Hei­ne, bekannt als leich­ter Jun­ge, ent­schul­dig­te sei­nen zwei­fel­haf­ten Lebens­wan­del noch vom Kran­ken­la­ger aus so: „Den einen hat Gott als Lamm geschaf­fen. Den ande­ren mit den Kräf­ten eines Löwen.“ Des­halb soll­ten die Läm­mer nicht über die Natur der Löwen urtei­len.
      Wenn ich mich zudem bei unse­ren Poli­ti­kern so umse­he, von ande­ren Per­so­nen der Öffent­lich­keit wie etwa Schau­spie­lern oder Schow­ma­stern ganz zu schwei­gen, dann mache ich mir schon gar kei­ne Sor­gen mehr, dass wir das Ding schon klein krie­gen.
      Jetzt sind nur noch wir hier wohl sowas wie die letz­ten Mohi­ka­ner, die offen­bar an einer Sexu­al­neu­ro­se lei­dend, nicht ein­se­hen wol­len, dass die sakra­men­ta­le Ein­ehe — welch ein Wort — offen­bar aus­ge­dient hat. „Es war ein­mal…“
      Aber im ernst. Man­chaml fragt man sich wirk­lich, schwer ver­un­si­chert, ob man nicht alles viel zu eng sieht. Und der Teu­fel reibt sich die Hän­de.

  25. @Franzel
    Ihr Bei­trag gefällt mir sehr gut. Er zeich­net kom­pro­miß­los auf was heut­zu­ta­ge alles mög­lich ist. Das mit der Hei­rat von dem Kätz­chen soll­te man nicht auf die leich­te Schul­tern neh­men. Ich hal­te es durch­aus in ange­mes­ser­ne Zeit für mög­lich das es Gläu­bi­ge gibt die ihr Pferd hei­ra­ten wol­len. Natür­lich nur aus Grün­den der Barm­her­zig­keit. Tier­got­tes­dien­ste soll es schon geben.
    Wie dem auch sei. Für die Syn­oda­len in Rom wird es auch in der Zukunft bestimmt nicht lang­wei­lig wer­den. Des­sen bin ich gewiß. Die glau­ben doch wohl nicht im Ernst das der Wahn­sinn vor Chri­stus Gren­zen kennt.
    „Da freue ich mich schon drauf. Dann bin ich glück­lich 3mal ver­hei­ra­tet. So viel ist das ja nicht!“
    Das stimmt. 3mal ver­hei­ra­tet wird irgend­wann der Stan­dard sein. Wer dar­un­ter liegt wird ver­däch­tigt Gedan­ken­gut aus dem fin­ste­ren Mit­tel­al­ter zu pfle­gen. Also wer will dann schon noch nega­tiv auf­fal­len.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Also bit­te­schön: Blin­de­hun­de dür­fen doch mit in die hl. Mes­se. War­um soll ich gemei­ner Mensch nicht auch mei­nen Hund mit­brin­gen dür­fen? Der kann auch, wenn schon denn schon, mit zur Kom­mu­ni­on gehen. Näch­stens wird dann ein Fut­ter­napf auf den Altar gestellt, den der Prei­s­ter dann mit­weiht.
      Kol­lek­ti­ver Wahn­sinn. Aber das kommt von oben: von den Bischö­fen.

  26. Ganz bana­le Info nach all den klu­gen Dis­kus­si­ons­bei­trä­gen. Bei dem Bischof rechts im Bild dürf­te es sich um Peter Takeo Oka­da, den Erz­bi­schof von Tokio han­deln (wenn schon Kar­di­nal Tag­le erwähnt wird…)

  27. Ent­ge­gen anders­lau­ten­der Reak­tio­nen möch­te ich mich für Ihre sehr anre­gen­den, gründ­lich durch­dach­ten Arti­kel, @Clemens Vic­tor Olden­dorf, bedan­ken. Man braucht mit Ihnen nicht einer Mei­nung zu sein – ich sel­ber schwan­ke noch –, um nicht den­noch Ihr berech­tig­tes Anlie­gen erken­nen und die gedank­li­che Tie­fe und Kon­se­quenz Ihres Lösungs­an­sat­zes wür­di­gen zu kön­nen. Es ist offen­sicht­lich, dass er kei­ne aus dem Augen­blick gebo­re­ne sophi­stisch-for­ma­li­sti­sche Flau­se, son­dern das Resul­tat lan­gen und ern­sten, dem Erbe der Kir­che ver­pflich­te­ten Nach­den­kens, viel­fa­cher (und wohl auch lei­di­ger) Erfah­rung in und mit der Kir­che ist. Ich muss Ihre Idee erst noch län­ger im Gei­ste hin- und her­wen­den, sich set­zen las­sen, um mir dazu ein (vor­läu­fi­ges) Urteil zu bil­den. Aber ich ten­die­re spon­tan dazu, dar­in in der Tat einen erwä­gens­wer­ten, wert­vol­len Ansatz zu sehen, die Tra­di­ti­on der Kir­che den Men­schen von heu­te zu erschlie­ßen. Und eben in Letz­te­rem erken­ne ich Ihr sehr berech­tig­tes und drän­gen­des Grund­an­lie­gen: „Men­schen zum katho­li­schen Glau­ben hin­füh­ren, wenn es nun­mal Tat­sa­che ist, daß das Natur­recht­s­ar­gu­ment außer­halb von Krei­sen, die ihm sowie­so zustim­men, nicht mehr über­zeugt, nicht ein­mal mehr bekannt ist.“

    Wäh­rend die Tak­tik Kas­pers & Co. dar­auf hin­aus­läuft, das Ehe­sa­kra­ment mit Blick auf die Zivil­ehe und die ausser­ehe­li­chen Part­ner­schaf­ten zu ver­welt­li­chen – in der Tat ein schand­ba­res, gegen den Hei­li­gen Geist gerich­te­tes Unter­fan­gen – impli­ziert Ihre Idee ja im Gegen­teil, das Ehe­sa­kra­ment gegen die heu­ti­gen zivi­len Schwund­for­men in sei­ner wah­ren Bedeu­tung gera­de her­aus­zu­stel­len. Gleich­zei­tig regen Sie an, die heu­ti­gen Part­ner­schaf­ten, ob zivil­recht­lich getraut oder nicht, nüch­tern als das zu erken­nen, was sie zum größ­ten Teil sind: Zusam­men­le­ben bar jeden Bezu­ges zum Glau­ben in Chri­sto. Wo Kas­per & Co. die­se rein welt­li­chen For­men mit ihrer Ele­ment­e­theo­rie gewis­ser­ma­ßen „ver­christ­li­chen“ wol­len, schon rein natür­lich (nur dann in qua­li­ta­tiv ver­schie­de­ner Wei­se!) vor­han­de­ne Anla­gen und Tugen­den wie Für­sor­ge, Treue, Ver­ant­wor­tung für den Nach­wuchs in den Strah­len­kreis der christ­li­chen, über­na­tür­li­chen Ehe ein­rücken und letz­te­re – just durch solch ver­steck­te Sub­sti­tu­ie­rung der Über­na­tur – indi­rekt ent­wer­ten (!), beto­nen Sie, Herr Olden­dorf, im Gegen­teil den Kon­trast zwi­schen wah­rer christ­li­cher Ehe und der heu­ti­gen Pra­xis der anti­christ­li­chen Schwund­for­men. Aber nicht nur das: Mit Ihrer Idee hal­ten Sie denen, die in sol­chen Ver­bin­dun­gen leben, zugleich die Hand hin, indem Sie die Gott­fer­ne, in der die mei­sten befan­gen sind, nüch­tern aner­ken­nen, ohne sie des­halb – die Reue und die Beich­te vor­aus­ge­setzt – von der leben­spen­den­den Kom­mu­ni­on, von der leib­haf­ti­gen näh­ren­den Begeg­nung mit dem Schöp­fer Him­mels und der Erden, a prio­ri aus­zu­schlie­ßen; indem Sie die gott­fer­ne Befan­gen­heit aner­ken­nen, in die unse­re ent­christ­lich­te Gesell­schaft so vie­le sich trei­ben las­sen­de Ein­zel­ne, zu Tei­len ohne deren bewuss­ten Wil­len, hin­ein­stößt.

  28. (Fort­set­zung)

    In Ihrem höchst beden­kens­wer­ten Vor­schlag ist die Kir­che sowohl der Ort die­ses An-Erken­nens und somit ech­ter, lie­ben­der Barm­her­zig­keit, als auch der Ort des unmiss­ver­ständ­li­chen, ja beton­ten Fest­hal­tens an der Wahr­heit der ver­pflich­ten­den Dok­trin; wohin­ge­gen das süß­lich-schwäch­li­che Schön­re­den aller Part­ner­schafts­for­men mit­tels Ele­ment­e­theo­rie à la Kas­per nur zur anti­gei­sti­gen Rela­ti­vie­rung des Ehe­sa­kra­ments und somit zur wei­te­ren Depo­ten­zie­rung des Glau­bens führt. Durch den hohen Abstrak­ti­ons­grad Ihrer so eigen­stän­di­gen wie tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gedan­ken mag leicht ver­kannt wer­den, wie him­mel­weit Ihre Aus­füh­run­gen mit­hin von der Posi­ti­on Kas­pers ent­fernt sind.

    Womit Sie m.E. aber auf jeden Fall recht haben, sind Ihre Bemer­kun­gen zu einem Zen­tral­pro­blem der post­kon­zi­lia­ren Kir­che über­haupt: „Katho­li­sche Moral ist eine Kon­se­quenz aus dem katho­li­schen Glau­ben. Seit Paul VI. und unter Johan­nes Paul II. hat man sozu­sa­gen aus dem kon­zi­lia­ren Glau­ben eine katho­li­sche Moral abge­lei­tet.“ Da ich wie Sie dar­in in der Tat eines der aktu­el­len kirch­li­chen Pro­ble­me sehe, die „am schwer­sten wieg(en)“, erlau­be ich mir, auf eini­ge Kom­men­tar­zei­len aus eige­ner Hand vom März die­ses Jah­res zurück­zu­kom­men: nicht etwa des­halb, weil ich sie beson­ders gelun­gen fän­de, son­dern weil ich es wohl auch heu­te ähn­lich sagen wür­de, mit­hin aus Bequem­lich­keit – und weil ich es der Wich­tig­keit des The­mas für ange­mes­sen erach­te, dabei noch zu ver­wei­len. Kei­ne neu­en Erkennt­nis­se mit­hin, nur eini­ge Mäan­der zur Expli­ka­ti­on des von Ihnen Ange­reg­ten:

    • Immer, wenn es um die katho­li­sche Ehe- und Sexu­al­mo­ral geht, drängt sich mir als The­ma ein grund­sätz­li­ches, schwer­wie­gen­des Pro­blem auf. Es ist m. E. den Men­schen heu­te kaum mehr zu ver­mit­teln, wes­halb sie sich (in einer durch und durch sexua­li­sier­ten Gesell­schaft) an die­se hohen, ja höch­sten Ansprü­che zu hal­ten hät­ten, wenn die­sem Teil der katho­li­schen Leh­re, der bis anhin von Rom noch so eben ver­tei­digt wird, lot­te­ri­ge Tole­ranz und Nivel­lie­rung in allen übri­gen Berei­chen gegen­über­steht.

      Die Ehr­furcht vor dem drei­fal­ti­gen Gott, vor dem Numi­no­sum, das Gefühl für sei­ne Grö­ße und Herr­lich­keit, für die alles über­stei­gen­de Kost­bar­keit, Tie­fe und den Reich­tum unse­res Glau­bens: ja, wie sol­len die armen Leu­te dem auch nur auf die Spur kom­men, wenn ihnen in so öden wie lang­wei­li­gen, nicht sel­ten gera­de­zu „tra­shi­gen“ Eucha­ri­stie­fei­ern bar jeden Myste­ri­ums ein Got­tes­bild ver­mit­telt wird, das die gött­li­chen Per­so­nen als alles ver­zei­hen­den, macht­lo­sen Groß­va­ter, sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­ren Bru­der Jesus und Hap­py Day-“Geist“ (recht eigent­lich blas­phe­misch) kari­kiert.

      Und doch muss die See­le vom Glanz der Wahr­heit berührt wer­den, von der ech­ten Sub­stanz der gött­li­chen Gna­de zumin­dest in Spu­ren­ele­men­ten kosten, um „auf die Spur“ gebracht zu wer­den. Wenn das fehlt, wenn nur gere­det wird – auf all­täg­lich­ste Art in Reli­gi­ons­un­ter­richt, Kate­che­se und Pre­digt – „inspi­riert“ von einer Theo­lo­gie, die den Namen nicht ver­dient; wenn das Wich­tig­ste, das mysti­sche Mess­op­fer, im Voll­sinn fehlt, des­sen die gan­ze dämo­ni­sche Funk­tio­na­li­sie­rung und Durch­ra­tio­na­li­sie­rung des heu­ti­gen Lebens radi­kal durch­bre­chen­de, tran­szen­die­ren­de Gewalt; und dazu kom­men dann noch die gan­zen von den Medi­en auf­ge­bausch­ten „Skan­da­le“: Ja, dann rufe nur, Kir­che, Dei­ne Sexu­al­mo­ral laut in die Welt hin­aus (was Du aller­dings nicht mehr tust), der Ruf wird unge­hört ver­hal­len.

      In einer Kul­tur des Todes sucht allen vor­an die Jugend nach wie vor nach höch­ster Leben­dig­keit – und meint sie in den sexu­el­len Bezie­hun­gen zu fin­den. Dass sie nach dem Leben selbst stre­ben soll, nach einer ungleich höhe­ren Leben­dig­keit, gegen die all die Ent­zückun­gen, die sie heu­te frei genie­ßen will, ver­blas­sen, ein Leben, für das es sich wahr­haf­tig lohnt, Opfer zu brin­gen: DAS ist es, was man ihr mit aller Macht wie­der ver­mit­teln soll­te, wonach die See­len in der Tie­fe auch dür­sten.

      Aber man geht nach wie vor den Weg der Anpas­sung an die Äußer­lich­kei­ten des moder­nen Lebens (wel­che just in vie­lem Sym­pto­me der Ent­christ­li­chung sind) und ver­al­tet dadurch von Tag zu Tag. Para­do­xer­wei­se? Natür­lich nicht.

      Eine kraft­lo­se, vom moder­nen All­tag durch­ne­bel­te Kir­che kann nicht an gegen die Kraft der sexu­el­len Anzie­hung und das Poten­ti­al, dadurch der funk­tio­na­li­sier­ten Ratio­na­li­tät, dem emp­fin­dungs­ar­men Leben für Augen­blicke zu ent­kom­men.

    • Solan­ge sich die Kir­che nicht theo­lo­gisch und ritu­ell erneu­ert – und zwar im Rück­griff auf die gewal­ti­gen Quel­len der Tra­di­ti­on (allem vor­an das Mess­op­fer, die ech­ten, alten Riten!), deren Reich­tum es, im tie­fen Sin­ne, zeit­ge­mäß zu erschlie­ßen gilt – solan­ge wird das Fest­hal­ten an der Sexu­al­mo­ral – je län­ger, desto aus­schließ­li­cher – nur mehr als rigi­de Stur­heit eines kul­tu­rel­len Dino­sau­ri­ers erschei­nen. Und sogar mit einem gewis­sen Recht: Denn wenn die Kir­che ihr strah­len­des Ant­litz ver­dun­kelt und bis zur Unkennt­lich­keit ver­hüllt, kann sie nicht erwar­ten, dass die Welt just anhand von Nor­men, wel­che die leben­di­ge Sicht­bar­keit die­ses Ant­lit­zes vor­aus­set­zen, um erfüllt zu wer­den, der unge­heu­ren Attrak­ti­vi­tät ihres „Ange­bo­tes“ auf die Spur kommt.

      • Theo­lo­gie (Spre­chen von Gott) und Ritus (Schu­le und Quel­le der Durch­drin­gung) sind Aus­druck der Gott­ver­bun­den­heit, bzw. müs­sen es sein.
        Der Ritus wirkt nicht auf magi­sche Wei­se!
        Er ist Aus­druck unse­rer alles­um­fas­sen­den Gott­ver­bun­den­heit.
        In die­sem Zusam­men­hang den­ke ich an ein Bege­ben­heit, wie sie von einem öst­li­chen Gott­su­cher beschrie­ben wur­de (freie Nach­er­zäh­lung von mir).
        Er kam in einen Tem­pel und sah dort einen altar­glei­chen Stein, der die gan­ze Welt vor Got­tes Ange­sicht ver­sinn­bild­lich­te. Spe­zi­el­le ritu­el­le Abläu­fe gaben vor, wie man sich dem Stein zu nähern und ihn zu umrun­den hat­te. Der Gott­su­cher dach­te bei sich: „Was soll ich mich da einem toten Ritus hin­ge­ben, da Gott doch über­all ist und um wie­viel mehr in mir selbst.“ Er nahm den Ritus nicht ersnst.
        Nach­dem er den Tem­pel ver­las­sen und den pro­fa­nen Ritus miss­ach­tet hat­te, begeg­ne­te er auf dem Weg zu den Höh­len des Hima­la­jas, in denen er Gott in stren­ger Medi­ta­ti­on suchen und fin­den woll­te, einem „Erleuch­te­ten“.
        Der kam auf ihn zu und sag­te, er habe ihn bereits erwar­tet. War­um er sich denn im Tem­pel nicht dem Ritus unter­zo­gen habe, da Gott doch über­all sei. Zur Stra­fe habe er sich auf dem Weg ver­lau­fen.
        Ja, wie konn­te der Erleuch­te­te das wis­sen? In der Tat, der jun­ge Gott­su­cher hat­te sich, nach­dem er den Tem­pel ver­las­sen hat­te, ver­lau­fen. (Der Wei­se besaß die See­len­schau.) Als Zei­chen des Heils/der Gott­ver­bun­den­heit nahm der Wei­se dem Gott­su­cher nun sogar noch ein Rücken­lei­den ab und sag­te beschei­den, um aller Bewun­de­rung zu ent­ge­hen, von sich selbst: Was habe „ich“ schon getan im Leben: 15 Jah­re habe ich in der einen und 15 in der ande­ren Höh­le Gott gesucht.
        Der Erleuch­te­te schich­te den jun­gen Gott­su­cher dar­auf­hin ener­gich zurück: „Dein Hima­la­ja ist dein Zim­mer. Denn wis­se: Man kann Gott über­all fin­den.“ Auf dem Rück­weg kam der Gott­su­cher wie­der am Tem­pel vor­bei und ver­rich­te­te dies­mal mit beson­de­rer Inbrunst den Ritus, den er kur­ze Zeit vor­her noch miss­ach­tet hat­te. Dabei öff­ne­te sich ihm uner­war­tet der Him­mel.
        Denn wenn wir Gott ernst neh­men, öff­net sich uns der Him­mel über­all. Der Him­mel geht über uns auch zei­chen­haft für die ande­ren auf.
        Ritus und Lebens­füh­rung müs­sen stim­mig sein! Der Ritus des zen­tra­len Aus­ge­rich­tet­seins (als Spra­che) geht unter, wenn Gott nicht mehr im Mit­tel­punkt der „Lebens­schu­le Welt“ steht.

  29. (Fort­set­zung)

    Ich füge heu­te hin­zu: Ihre etwas abstrakt for­mu­lier­te, inhalt­lich aber ins Schwar­ze tref­fen­de Bemer­kung, die (Neo)konservativen woll­ten „wei­ter­hin eine kon­ser­va­ti­ve Inter­pre­ta­ti­on des kon­zi­lia­ren Glau­bens der tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Moral­leh­re und ‑pra­xis zuord­nen“, führt mit­ten in die­ses cha­rak­te­ri­sier­te Pro­blem der Depo­ten­zie­rung des Glau­bens. Was durch das brav-kon­ser­va­ti­ve Zurecht­bie­gen eines nivel­lier­ten (kon­zi­lia­ren) Glau­bens ent­steht, ist weit­hin Gedie­gen­heit ohne Kraft, kor­rek­te Bemüht­heit ohne Feu­er, schein­klu­ges Lavie­ren zwi­schen Welt und Gott. Wür­de und eher­ne Kraft des Glau­bens wer­den nicht mehr offen­bar; das Myste­ri­um tre­men­dum ac fasci­no­sum lässt nicht mehr erschau­ern, weil der schwa­che anthro­po­zen­tri­sche Blick es nicht mehr sucht, ihm auch gar nicht stand­hiel­te.

    Die unend­li­che Maje­stas Domi­ni bläht der Kir­che nicht mehr die Segel, weil sie die­se nicht nach dem all­be­we­gen­den Braus des Schöp­fer­got­tes rich­tet: in anti­me­ta­phy­si­scher, dena­tu­rier­ter Theo­lo­gie und schä­bi­ger All­tags­pa­sto­ral stecken weder Kraft noch Anzie­hung. Kein Wun­der, wol­len die Jun­gen nicht an Bord! Kein Wun­der auch, wird nicht mehr erkannt, was der wel­len­rei­che Hafen der Ehe wahr­haft bedeu­tet.

    • Das ist wahr — in die­ser „Depo­ten­zie­rung des Glau­bens“ kann man unmög­lich die Sexu­al­mo­ral auf­recht erhal­ten.

      Mir ist in der letz­ten Zeit durch ver­schie­de­ne kon­kre­te Erleb­nis­se und Begeg­nun­gen klar gewor­den, dass die­se Depo­ten­zie­rung quer durch die Lager ver­läuft.

      Depo­ten­zie­rung des Glaubens…es ist eigent­lich auch schon psy­cho­lo­gisch klar: wenn man sei­ne gan­ze Mis­si­on dar­in sieht, wacker den Moder­nis­mus nie­der­zu­kämp­fen, kann dabei nichts her­aus­kom­men. Die Potenz des Glau­bens kann in die­ser nega­ti­ven Ver­kür­zung nicht ent­fal­tet wer­den, eben­so wenig wie im Moder­nis­mus selbst, der ja jede Potenz schon im Kern unter den Ver­dacht der histo­ri­schen Rela­ti­vi­tät stellt.

      Es sind ver­mut­lich zwei Din­ge, die offen sind:

      1. Zual­ler­erst die demü­ti­ge Akzep­tanz ganz ein­fa­cher, mysti­scher Mit­tel, wie Maria sie gefor­dert hat: Rosen­kranz, Andacht zu ihrem unbe­fleck­ten Her­zen (nicht um sie anzu­be­ten, son­dern um in die­sem gehei­lig­ten mensch­li­chen Spie­gel über­haupt wie­der Zugang zu erhal­ten zu den ver­lo­ren gegan­ge­nen gött­li­chen Geheim­nis­sen, dem Wort des Vaters, das in die­sem unbe­fleck­ten Her­zen frucht­bar wer­den konn­te — dies also als Vor­bild und Spie­gel für Nor­mal­sterb­li­che…), Buße und Russ­land­wei­he — noch vor 150–100 Jah­ren waren sich selbst aka­de­mi­sche Per­so­nen nicht zu fein für sol­che mysti­schen, from­men Hal­tun­gen — sehen wir die Lebens­bil­der sol­cher Män­ner und Frau­en an.

      2. Eine maxi­ma­le Bemü­hung, die auf dem Vati­ca­num I defi­nier­te und gefor­der­te, bis­lang unein­ge­lö­ste Ver­bin­dung von Glau­be und Ver­nunft, von Myste­ri­um und Refle­xi­on zu üben, um wie­der in die­se Span­nung von Natur- und Gna­den­ord­nung ein­zu­tre­ten. (Die ent­spre­chen­den Bemü­hun­gen JPII. und BXVI. sind durch ihre prin­zi­pi­ell histo­ri­sie­ren­de Grund­la­ge lei­der für den katho­li­schen Glau­ben nicht wirk­lich brauch­bar m. E.)

      An sich war der Weg Leos XIII. nach dem Vat. I aus­ge­wo­gen, und man kann sagen, dass er bis heu­te immer noch rei­che­re Früch­te trägt als die Wege der Päp­ste danach und tie­fer im Bewusst­sein über­lebt hat. Danach pola­ri­sier­te sich die Kir­che ein­deu­tig und zer­fiel in zwei Lager, die sich in ihrem Ant­ago­nis­mus gegen­sei­tig so sehr schwäch­ten, dass sie wie zwei inein­an­der ver­bis­se­ne Hun­de immer wei­ter abwärts zu Tale rol­len.

      • „Das ist wahr – in die­ser „Depo­ten­zie­rung des Glau­bens“ kann man unmög­lich die Sexu­al­mo­ral auf­recht erhal­ten.“
        Ich über­set­ze es mal für ganz nor­ma­le ein­fa­che Katho­li­ken.
        Je schwä­cher euer Glau­ben an eurem Gott ist zu dem ihr getauft sind umso grö­ßer wer­den eure Sün­den sein. Die Flei­sches­lust wird euch selbst in euren Träu­men ver­fol­gen. Ihr seid nur noch Getrie­be­ne eurer Lust die alles zer­stört was vor eurem Gott hei­lig ist. Und dann kommt Kar­di­nal Kas­per der euch von den Resten eures Gewis­sens befrei­en will. Er ist ein Wolf im Schafs­pelz.
        Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Dan­ke Kyrillus,begnatete Worte,die ich selbst nicht kann,jedoch,hoffe ich,verstehe.Mögen vie­le Men­schen sol­che Wor­te hören (lesen)können.Wieder sehen,fühlen können,in Got­tes Hand,zurückzukehren,können.Danke.Gelobt sei Jesus Kri­stus.

  30. Eben schrieb ich eine gan­ze Rei­he von Sät­zen, die ich wie­der lösch­te, weil mir auf­ging, dass das gan­ze Reden nichts bringt. Denn wir müs­sen als zen­tra­les Pro­blem ein­fach erken­nen, dass das Para­dox des Glau­bens nur den Toren, nicht aber den Jun­kies die­ser Welt zu ver­mit­teln ist.
    Gott ist im Säu­seln des Win­des und in der Stil­le (des Her­zens). Nicht im evan­ge­li­ka­len Gejauch­ze und Geschun­kel pro­fa­nen Fei­erns; nach sol­chem die Men­schen ent­leert nach Hau­se zurück­keh­ren.
    Ent­falm­m­te, begei­ster­te Men­schen, die den Schatz in der Stil­le emp­fan­gen haben, müss­ten in die Welt gehen und dort mis­sio­nie­ren, allein durch ihr Feu­er.
    Nur: Dies allein wür­de nicht funk­tio­nie­ren, da sich das Feu­er in der Welt ver­liert.
    Wo zwei oder drei in mei­nem Namen zusam­men sind, da bin ich mit­ten unter ihnen. Dies gilt für die Begeg­nun­gen des All­tags. Aber es gilt nicht für die Gott­su­che.
    Alle Wei­sen haben stets ver­mit­telt, dass die Hei­lig­keit nicht den Men­schen (auf-)sucht. Der Hei­li­ge geht nicht zu den Men­schen. Ich weiß, dies ist ein schein­bar Empö­rung her­vor­ru­fen­der Satz.
    Der Hei­li­ge, WIRD auf­ge­sucht.
    Lei­der reden von tau­send, hun­dert­tau­send, ja 10 Mil­lio­nen Men­schen alle vom Evan­ge­li­um, von Selbst­ver­wirk­li­chung und Hei­lig­keit.
    Ich aber sage, wenn auch nur eine Sün­de des Stol­zes auf dem Men­schen lastet, egal wie sie sich ins Fleisch und in die See­le gebrannt hat; sie wird sich im Kon­takt mit den Men­schen über­tra­gen. Unser Grund­pro­blem ist, dass es kei­ne Hei­li­gen mehr gibt, die alles auf eine Kar­te set­zen; die Jesu Evan­ge­li­um wirk­lich erst neh­men.
    Gehen Sie mit ihren Sün­den in die Kate­che­se oder in die ehr­wür­di­ge Lit­ur­gie. Sie sind nicht mit dem Herr zusam­men. So kön­nen Sie auch nur Cha­os und Sün­de ver­mit­teln. Ein biss­chen Evan­ge­li­um funk­tio­niert lei­der nicht.
    Lei­der Got­tes den­ken wir immer zu gut von unse­ren Mit­men­schen, weil wir sel­ber uns Schwach­hei­ten her­aus­neh­men. Aber noch­mals: Es gibt kei­ne Hei­li­gen mehr. Das ist das Grund­pro­blem, dem nur weni­ge fol­gen kön­nen.
    Statt­des­sen ergießt man sich lie­ber in Ver­fah­rens­ab­läu­fen, Ver­klau­su­lie­run­gen, Debat­ten, Ver­hand­lun­gen…
    Ich rate allen, das Wort des Evan­ge­li­ums bis zum letz­ten Iota ernst zu neh­men; dann kann man auch hin­aus­ge­hen und Frucht brin­gen. Vor­her muss man sich aber selbst in Chri­stus voll­kom­men abge­stor­ben zu sein.
    Und beim Hin­aus­ge­hen müs­sen wir uns bewusst sein, dass wir allen­falls 1% des Erfol­ges unse­res Han­delns aus­ma­chen; 99 % liegt bei Gott.
    Aus die­sem Bewusst­sein, d.h. wenn man es bewahrt, kann man erfolg­reich han­deln. Ich den­ke hier an Mut­ter The­re­sa.
    Auch Papst J.P. II fällt mir ein. Er bete­te jeden Tag 6 Stun­den, um sich nicht in den Sor­gen die­ser Welt zu ver­lie­ren.
    Unse­re Auf­ga­be ist, uns beleuch­ten zu las­sen und den Glanz abzu­strah­len auf die Welt, die unter­schwel­lig danach hun­gert.
    Mei­ne Aus­füh­run­gen sind nun­mehr sehr spi­ri­tu­ell und weni­ger metho­sich. Sie sind auch nicht sehr hoch­ge­sto­chen, da mir die­se „Fach­spra­che“ ein­fach nicht liegt.

  31. @Pater Pio: Sie haben ganz recht. Man kann nur in die Nähe Got­tes kom­men, wenn man zu den Men­schen Distanz hält. Man muß in die Stil­le gehen, weg von allem. Das war schon immer so.
    Was der Teu­fel ja gera­de seit lan­ger Zeit macht bzw. immer schon gemacht hat, ist ja den Lärm und das Getö­se den Men­schen auf­zu­zwin­gen, und heu­te ist Lärm ja über­all. Die Men­schen mei­nen, das sei nor­mal, wis­sen aber nicht, daß das schäd­lich ist und krank, vor allem psych­sich krank macht. Um dem zu ent­kom­men, macht man alles Unmög­li­che und „treibts noch mehr“. Vie­le rau­chen, ande­re kon­su­mie­ren Alko­hol, schau­en Fern­se­hen usw. bis zum Über­druß- und kom­men vom Teu­fel nicht los.

    Man sich am besten an, macht alles mit und sogar mehr als gewünscht: deut­scher Michel. Nur ein klei­nes Bei­spiel: da hat sich jemand vor 15 Jah­ren von all sei­nen vie­len Büchern getrennt, weil ja damals die „neue deustche Recht­schrei­bung“ ein­ge­führt wur­de. Somit sind die alten Bücher logi­scher­wei­se falsch- und lan­den in der Papier­ton­ne. Dann wur­de vom Staat für Autos eine sog. Schrott­prä­mie ein­ge­führt für Fahr­zeu­ge ab 8 Jah­ren. Der klu­ge Michel hat natür­lich ent­spre­chend gehan­delt. Sein 9‑jähriger Wagen, der noch top war, den hat er selbst­ver­ständ­lich ver­schrot­ten las­sen und hat die Prä­mie für den Neu­wa­gen kas­siert.
    Der klu­ge Deut­sche kauft auch eigens deutt­sche Boh­nen, deut­schen Spar­gel, deut­sche Kar­tof­feln, deut­sches Fleisch frisch aus deut­schen Lan­den, deut­sche Eier garan­tiert Frei­land­hal­tung, Bio-gemü­se, Bio-Äpfel und „fair gehan­del­ten“ Kaf­fee. Er bringt sei­ne Kin­der mit Freu­de mor­gens zur Kita. Der Staat will das so und am besten paßt man sich klu­ger­wei­se an.

    Und nicht anders ists bei einem Kar­di­nal Kas­per, ein deut­scher Michel par excel­lence wie auch Kar­di­nal Marx und vie­le ande­re. Da gibts dann eben eine Schrott­prä­mie für die Leh­ren der Kir­che. Dass all das vor allem in Län­dern deut­scher Zun­ge pro­pa­giert wird, wun­dert nicht, wenn man Deutsch­land und sei­ne Lands­leu­te kennt.
    Die gesam­te Dis­kus­si­on, von Herrn Olden­dorf begin­nend, ist typisch deutsch. Da wird eine Ange­le­gen­heit so sophi­sti­ziert und ver­kom­pli­ziert, daß man nur noch sei­ne deut­sche Fah­ne, Schwarz-Rot-Gold, zur Kapi­tu­la­ti­on his­sen kann. Deutsch­land- Nar­ren­land- es ist so.

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