Auf die noch sehr junge Nachrichtenseite AdVaticanum haben wir bereits hingewiesen, als deren Vatikanist der Brite nepalesischer Abstammung Niwa Limbu hervorsticht. AdVaticanum ist seit September 2025 aktiv. Zuvor schrieb Limbu für den Catholic Herald.
Limbu veröffentlichte am 2. September ein Interview mit Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana, dem der Heilige Stuhl die Zelebration im überlieferten Ritus im Petersdom verweigert, die als Höhepunkt der diesjährigen internationalen Wallfahrt der Tradition Ad Petri Sedem stattfinden sollte. Inzwischen ist bereits die Fortsetzung des Interviews erschienen.
Die deutsche Übersetzung des Interviews stammt von Bruder Giovanni Maria.
„Bischof Schneider über Synodalität, die Miterlöserin und darüber, was ihn die Tränen seiner Mutter über die Kommunion in die Hand gelehrt haben“
Interview von Niwa Limbu
Bischof Athanasius Schneider ist einer der angesehensten und zugleich deutlichsten traditionalistischen Prälaten der heutigen Kirche. Als Weihbischof der Erzdiözese St. Maria in Astana, Kasachstan, wirkt er in einem Land, in dem Katholiken weniger als ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die Erzdiözese selbst wurde erst vor 23 Jahren errichtet, sodass der Bischofssitz zunächst als ein eher unwahrscheinlicher Ort erscheint, von dem aus sich eine so prominente Stimme des traditionellen katholischen Denkens entwickeln konnte.
Dennoch ist Bischof Schneider für eine Generation junger Priester, die der traditionellen lateinischen Messe verbunden sind und bei denen es seitens der kirchlichen Hierarchie häufig an Unterstützung mangelt, zu einer Quelle der Inspiration und Hoffnung geworden. Zugleich hat er sich als klare und kompromisslose Stimme in Fragen des Glaubens und der Moral etabliert.
Angesichts der zahlreichen Herausforderungen, mit denen die Kirche konfrontiert ist, hat Seine Exzellenz, ein Freund von AdVaticanum, ein ausführliches Interview gegeben, in dem er einige der umstrittensten kirchlichen Fragen erörtert. Der Bischof spricht über seine Äußerungen zur Priesterbruderschaft St. Pius X., die anhaltende Debatte über den traditionellen Römischen Ritus sowie über die Katechesenreihe von Papst Leo XIV. bei den Generalaudienzen, einschließlich der jüngsten Folge über Sacrosanctum Concilium.
Niwa Limbu (AdVaticanum): Exzellenz, in der Erklärung, die nach den Weihen am 1. Juli in Écône veröffentlicht wurde, haben Sie die Handlung der Bruderschaft als ein „seltenes Dilemma“ dargestellt: entweder die eindeutige Integrität des katholischen Glaubens, wie ihn das Lehramt im Laufe der Jahrhunderte gelehrt hat, zu bewahren oder weiterhin kanonisch vom Papst anerkannt zu bleiben. Sie haben dieses Dilemma mit dem des heiligen Athanasius unter Papst Liberius verglichen. Wie weit soll diese Analogie Ihrer Meinung nach reichen? Wollen Sie damit sagen, dass die gegenwärtigen Sanktionen gegen die weihenden und geweihten Bischöfe moralisch auf einer Linie mit Liberius’ Zensur gegen Athanasius stehen, oder dient der Vergleich lediglich der Veranschaulichung?
Bischof Schneider: Nun, kein Vergleich ist zu 100 Prozent exakt. In schwierigen historischen Situationen dient er eher der Veranschaulichung. Natürlich habe ich den Vergleich mit Athanasius nicht in Bezug auf den Weiheakt selbst gezogen. Das wäre falsch, und einige Autoren haben geschrieben, ich hätte dies getan. Ich habe nie behauptet, Athanasius habe Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat vorgenommen. Das wäre anachronistisch, da es zu jener Zeit kein päpstliches Mandat für Bischofsweihen gab. Jeder Metropolit hatte das Recht, mit Hilfe der anderen Suffraganbischöfe Bischöfe auszuwählen und zu weihen.
Auf jeden Fall wurde Athanasius nicht wegen der Weihen exkommuniziert, sondern wegen einer noch schwerwiegenderen Angelegenheit. In beiden Fällen lag der Vergleichspunkt nicht in den Weihen selbst. Der Vergleich bestand darin, dass es in beiden Fällen einen Akt des Ungehorsams gegenüber einer konkreten Anordnung eines Papstes gab.
Im Fall der Bruderschaft sind es die Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat. Im Fall von Athanasius war es die Anordnung des Papstes, dass er mit ketzerischen oder halbketzerischen Bischöfen im Osten in kirchliche Gemeinschaft treten solle. Athanasius weigerte sich, zu gehorchen. Er verweigerte dem Papst in einer sehr wichtigen Frage den Gehorsam, weil der Papst sinngemäß sagte: „Ich als Papst stehe in Gemeinschaft mit diesen Bischöfen. Wie können Sie, Athanasius, die Gemeinschaft mit einer Gruppe von Bischöfen verweigern, mit denen ich als Papst in Gemeinschaft stehe?“ Und dies ist meiner Meinung nach kirchlich gesehen schwerwiegender.
Die Situation des Athanasius war damals in dieser Hinsicht schwerwiegender als der konkrete Ungehorsam der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Bezug auf die Weihen. Jedenfalls wurde er wegen Ungehorsams und wegen der Störung des kirchlichen Friedens exkommuniziert, da er die Gemeinschaft mit den vom Papst anerkannten Bischöfen verweigerte.
Es gibt noch weitere Gründe, warum ich Athanasius als Vergleich herangezogen habe. Ein Grund ist, dass seine Handlungen einen Akt des Ungehorsams darstellten. Hätte Athanasius dem Papst gehorcht, hätte er sein Gewissen und die Integrität des Glaubens gefährdet, da er damit in gewisser Weise zumindest halb-ketzerische Bischöfe anerkannt hätte. Dies konnte er nicht tun. Ein weiterer Grund ist, dass er, nachdem er exkommuniziert worden war, die Exkommunikation des Papstes missachtete und seine Diözese weiterhin leitete. Das geht über die bloße Weihe eines Bischofs hinaus. Er übte als exkommunizierter Bischof die volle Jurisdiktion über seine Diözese und sogar über seine Metropolitansitze aus – er feierte nicht nur die Sakramente, sondern übte die volle kirchliche Jurisdiktion aus. Er hat die Exkommunikation eines Papstes schlichtweg missachtet.
In ähnlicher Weise missachtet auch die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Exkommunikation, die ihr im Juli auferlegt wurde, da sie diese für ungerecht und ungültig hält, weil sie sie daran hindern würde, ihr Wirken aus Liebe zur Kirche fortzusetzen. Und genauso verhielt es sich bei Athanasius: Als er die Exkommunikation von Papst Liberius missachtete, sagte er sinngemäß: „Ich muss meine Diözese und meine Metropolitanstruktur dort in Ägypten um der Kirche willen – aus Liebe zur Kirche – weiterhin leiten.“ In dieser Hinsicht war die Situation also vergleichbar.
Und in beiden Fällen gibt es noch einen weiteren Vergleichspunkt. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat nicht mit Bitterkeit auf die Exkommunikation reagiert, sondern betet weiterhin für den Papst und betrachtet ihn als ihren Vater. Selbst wenn ein Vater seinen Sohn schlägt, lieben sie ihn weiterhin – selbst während sie vom Papst geschlagen werden – und verrichten ihre Arbeit aus Liebe zum Heiligen Stuhl und zur gesamten Kirche. Das ist die Absicht. Auch der heilige Athanasius wurde von Papst Liberius geschlagen, und er reagierte nicht mit Bitterkeit. Der heilige Athanasius erwähnte diese Schwäche Liberius’ sogar in einer seiner Schriften sehr taktvoll. Er sprach sie sehr behutsam an, ohne ihn zu verurteilen, und entschuldigte ihn in gewisser Weise sogar, da er, wie der heilige Athanasius schrieb, unter Druck gehandelt habe. Wir sehen hier eine sehr feinfühlige Haltung. Dies waren die Vergleichselemente – nicht zu 100 Prozent, aber in gewisser Hinsicht lassen sie sich heranziehen. Dies war, würde ich sagen, der Kern meines Textes.
Niwa Limbu (AdVaticanum): Sie schrieben, dass es „den Anfang vom Ende des modernistischen Projekts innerhalb der Kirche“ bedeuten würde, wenn der Heilige Stuhl die Haltung der Piusbruderschaft ernst nähme und „objektive Mehrdeutigkeiten“ in bestimmten Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie im Ritus der Neuen Messe anerkennen würde. Was müsste dieses Eingeständnis beinhalten, um mehr als eine höfliche Floskel zu sein? Und sehen Sie unter Papst Leo XIV. irgendwelche Anzeichen dafür, dass Rom bereit ist, diese Zweideutigkeiten als solche zu benennen?
Bischof Schneider: Im Gegenteil. In der Erklärung von Kardinal Fernández im Februar, nach dem Treffen mit F. Pagliarani, wurde erneut betont, dass das Zweite Vatikanische Konzil nicht zur Diskussion stehe, und er sagte, die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils könnten nicht korrigiert werden.
Auch wenn es sich formal nicht um endgültige Lehren handelt – wie Paul VI. im Januar 1966 erklärte –, sind die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils keine unfehlbaren Lehren und keine endgültigen Lehren der Kirche. Ich meine die eigenen Lehren des Konzils. Wenn das Konzil Dogmen zitierte – und es zitierte viele Dogmen der Kirche –, bleiben diese natürlich Dogmen. Das ist nicht die Frage. Die Frage betrifft die eigenen Lehren des Konzils.
Wenn diese Texte also nicht endgültig sind, nicht ex cathedra, warum können sie dann nicht ergänzt, verbessert oder sogar korrigiert werden? Es gab Fälle in der Kirchengeschichte. Auf dem Konzil von Florenz gab es Lehraussagen – keine rein disziplinarischen –, die nicht als unfehlbar gedacht waren. Eine davon war die Erklärung von Florenz, dass die Materie (materia) des Weihe-Sakraments in der Übergabe der Kelche und der Instrumente bestehe und nicht in der Handauflegung.
Dies stand jedoch im Widerspruch zur langjährigen Tradition der Kirche, da während des gesamten ersten Jahrtausends sowohl im Osten als auch im Westen die Übergabe der Instrumente noch nicht praktiziert wurde. Diese kam erst später auf, vielleicht gegen Ende des ersten Jahrtausends. Lange Zeit bediente sich die Kirche ausschließlich der Handauflegung. Und auch zur Zeit des Konzils von Florenz praktizierte fast die Hälfte der Kirche – die Ostkirchen – noch immer ausschließlich die Handauflegung. Dabei handelt es sich um eine einzige Kirche mit einem einzigen Sakrament. Daher erschien es einigen Theologen seltsam, dass das Konzil diese Aussage traf. Sie war unausgewogen. Objektiv betrachtet handelte es sich um einen Irrtum. Doch der Heilige Stuhl war zu jener Zeit recht tolerant und verbot den Theologen nicht, darüber zu diskutieren oder gar Einwände gegen diese Formulierung zu erheben.
Jahrhundert für Jahrhundert vertrat die Mehrheit der Theologen die Auffassung, dass es sich bei der Materie ausschließlich um die Handauflegung handele. Diese Sichtweise reifte heran, und schließlich erklärte Papst Pius XII. in einem feierlichen Dokument endgültig, dass es sich bei der Materie ausschließlich – er betonte: ausschließlich – um die Handauflegung handele. Somit korrigierte er formal ein ökumenisches Konzil in einer Lehrfrage.
Der Heilige Stuhl war in jenen Jahrhunderten toleranter als heute. Heute verbietet der Heilige Stuhl Diskussionen sowie Korrekturen oder Änderungen bestimmter pastoral-dogmatischer Aussagen – Religionsfreiheit, Ökumene, Kollegialität: diese zwei oder drei Punkte, die für die Priesterbruderschaft St. Pius X. relevant sind. Man muss sie einfach akzeptieren; man muss sich intellektuell etwas anstrengen, ein wenig geistige Akrobatik betreiben, und dann ist alles in Ordnung. Das ist nicht ehrlich.
Der nächste Punkt: Dasselbe Konzil erklärte, dass jeder Ungetaufte, ob Säugling oder Erwachsener, der noch ungetauft stirbt, unmittelbar in die Hölle kommt. Eine solche Aussage ist sehr unausgewogen. Später hatten Theologen das Gefühl, dass hier etwas fehlte; es war nicht ganz korrekt. Die Kirche ließ eine Diskussion darüber bis ins 19. Jahrhundert zu. Pius IX. veröffentlichte zwei Dokumente, Enzykliken, in denen er diese Frage behandelte und die Lehraussage von Florenz korrigierte, indem er erklärte, dass ungetaufte Menschen, wenn sie in sogenannter unüberwindbarer Unwissenheit sterben, auf Wegen gerettet werden könnten, die nur Gott allein kennt.
Sie sehen also, wir haben bereits einige Beispiele. Warum nicht toleranter sein und sagen: „Na gut, lassen Sie uns diskutieren; diese drei Punkte sind vielleicht wichtiger; lassen Sie uns die Freiheit zur Diskussion gewähren“? Warum nicht Ergänzungen, ja sogar Änderungen oder Korrekturen vorschlagen, damit diese Texte nicht länger mehrdeutig sind?
Ein weiterer Fall in der Geschichte war Papst Honorius I. im siebten Jahrhundert. Er verfasste zwei Briefe, die zu seinem authentischen päpstlichen Lehramt gehören, an den Patriarchen von Konstantinopel zum Thema Christologie. Diese Briefe des Papstes waren so unklar, so mehrdeutig. Sie waren nicht direkt ketzerisch, nicht direkt irrtümlich, aber durchaus mehrdeutig. Diese beiden mehrdeutigen Briefe gaben dem ketzerischen Patriarchen in Konstantinopel und im Osten den Anstoß, dort weiterhin Ketzerei zu verbreiten. Sie beriefen sich auf Papst Honorius und verbreiteten Ketzerei.
Der unmittelbare Nachfolger von Honorius – denn der erste Nachfolger war nur wenige Monate im Amt – war Johannes IV. Er versuchte, die Situation zu retten und Honorius zu verteidigen, und das zu tun, was wir heute als Hermeneutik der Kontinuität bezeichnen würden. Doch dann akzeptierten die nachfolgenden Nachfolger von Honorius im selben Jahrhundert sowie das Dritte Konzil von Konstantinopel die Hermeneutik von Johannes IV. nicht. Sie sagten: „Nein, Ihre Auslegung ist nicht akzeptabel“ – nicht, weil es sich um Ketzerei handelte, sondern weil es ihr an Klarheit mangelte; sie war mehrdeutig. Und aus diesem Grund verurteilten sie ihn feierlich. Und der Papst, der heilige Leo II., der das ökumenische Konzil bestätigte, verurteilte seinen Vorgänger ebenfalls wegen dieser Mehrdeutigkeit.
Daher können wir nicht mit den mehrdeutigen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils fortfahren. Wir müssen sie korrigieren, damit sie in Bezug auf Ökumene und Religionsfreiheit glasklar sind, ohne jeglichen Anlass für mehrdeutige Auslegungen – wie sie in diesen sechs Jahrzehnten, diesen sechzig Jahren, bereits stattgefunden haben. Wir sehen nun die Folgen dieser mehrdeutigen Texte in einer falschen Ökumene, in einem falschen System des interreligiösen Dialogs, das im Grunde Relativismus ist und die einzige Wahrheit sowie die einzig wahre Religion untergräbt, nämlich die von Gott gegründete katholische Kirche. Und diese wird vollständig untergraben.
Wenn Sie die Priesterseminare und theologischen Fakultäten der vergangenen sechzig Jahre besuchen, wenn Sie heute mit den dortigen Vertretern sprechen und sie befragen, wird die Mehrheit der Priester und Seminaristen im sogenannten Novus Ordo, an den heutigen theologischen Fakultäten der katholischen Kirche, sagen: „Ja, die verschiedenen christlichen Gemeinschaften gehen alle denselben Weg zu Gott, zu Christus, und wir können miteinander koexistieren. Eine Bekehrung ist nicht unbedingt notwendig.“ Und dies erstreckt sich sogar auf Nichtchristen. Dies ist immer weiter verbreitet und wird an den Fakultäten gelehrt sowie von Priestern und sogar Bischöfen gepredigt.
Niwa Limbu (AdVaticanum): Eure Exzellenz, Sie haben die Weihen von Écône als eine Wahl zwischen der Bewahrung eines klaren Glaubens und der Anerkennung durch den Papst beschrieben, da Rom von der Piusbruderschaft verlangen würde, bestimmte neue Unklarheiten und die Legitimität der Neuen Messe zu akzeptieren. Sie selbst sind ein Bischof in voller Gemeinschaft, und Sie weisen schon seit langem auf genau diese Probleme hin. Haben Sie diese Bedingungen akzeptiert? Falls nicht, warum ist dies dann ein Dilemma nur für die Bruderschaft?
Bischof Schneider: Nun, als ich Bischof wurde, war mir dies noch nicht in vollem Umfang bewusst. Ich muss ehrlich sein. Inzwischen bin ich seit zwanzig Jahren Bischof. Ich bin Patristiker. Ich habe mich immer eingehender mit der Situation befasst: mit den Texten des Konzils, der Geschichte des Konzils, den Debatten. Ich habe das Konzil sorgfältig gelesen. Und so ist mir die Mehrdeutigkeit dieser Texte stärker bewusst geworden. Wir können solche Mehrdeutigkeiten nicht akzeptieren.
Dann auch der Novus Ordo: Durch das Studium der Texte und Zeugnisse ist mir zunehmend bewusst geworden, dass er nicht korrekt ist. Wir können nicht sagen, dass der Novus Ordo – mit anderen Worten: seine Richtigkeit oder Legitimität – keiner Korrektur bedarf. Wir können nicht mit einem derart mehrdeutigen liturgischen Ritus fortfahren, der die Klarheit des Opfercharakters der Messe untergräbt. Nun bin ich mir dessen bewusster. Und deshalb kann ich die Bruderschaft besser verstehen, die sich diesen Aussagen des Konzils und der Güte oder Richtigkeit der Neuen Messe nicht anschließen kann.
Ich gehörte vor zehn Jahren zu den apostolischen Visitatoren der Bruderschaft, und mir ist dies bewusst. Und eines der letzten Dokumente, das Kardinal Müller ihnen noch im Jahr 2017 vorlegte, habe ich vor mir. Darin werden sie gebeten, nicht nur die Gültigkeit der Neuen Messe und der neuen Sakramente anzuerkennen – wozu sie bereit sind. Stellen Sie sich vor: Sogar der Heilige Stuhl muss sich damit begnügen. Ich habe damals, zu meiner Zeit, zum Heiligen Stuhl gesagt: „Bitte geben Sie sich damit zufrieden, wenn sie bereit sind, die Gültigkeit anzuerkennen.“ Doch der Heilige Stuhl gab sich damit nicht zufrieden. Er verfolgte einen maximalistischen Ansatz und verlangte mehr von der Bruderschaft. Ich sagte zu ihm: „Bitte verfolgen Sie aus pastoralen und historischen Gründen den minimalistischen Ansatz.“
Die Bruderschaft akzeptierte den Vorschlag nicht, dass sie die Güte, die Legitimität und die Richtigkeit der Messe anerkennen müsse – nicht nur deren Gültigkeit. Und dann auch, dass die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils, allgemein gesprochen, Teil der Tradition der Kirche sind.
Im Februar dieses Jahres hat Kardinal Fernández die Anforderungen erneut klargestellt. Wenn man Bischöfe haben will, muss man diese Bedingungen akzeptieren. Wir müssen theologische Debatten führen, doch die Bruderschaft kennt das Ergebnis der Debatte bereits, ebenso wie der Heilige Stuhl: die Akzeptanz dieser zweideutigen Aussagen, die Anerkennung der Güte der Neuen Messe.
Niwa Limbu (AdVaticanum): Die letzte Frage zur Bruderschaft: Wenn Sie die Gelegenheit hätten, Seine Heiligkeit erneut zu treffen und sich mit Kardinal Fernández im Heiligen Offizium zu treffen, was würden Sie ihnen sagen? Wie würden Sie ihnen den Standpunkt der Bruderschaft darlegen?
Bischof Schneider: Ich würde zu ihnen sagen: „Begehen Sie keinen großen historischen Fehler, damit die Kirche nach Ihrem Tod nicht Buße tun muss – damit die nächsten Päpste nicht Buße tun müssen.“ Warum? Weil die Kirche zu dieser Zeit, im Jahr 2026, so starr war und nicht in der Lage war, ein pastorales Problem zu lösen – natürlich mit einigen lehrmäßigen Elementen, aber es geht nicht darum, direkt über ein Glaubensdogma zu diskutieren. Es geht vielmehr um die pastoralen Erläuterungen des Konzils.
Wir brauchen hierfür einen sehr großmütigen, einen wahrhaft pastoralen, ja sogar synodalen Ansatz und eine entsprechende Lösung: ein wenig mehr Offenheit und synodalen Geist. Wir sollten sagen: „Ja, das gewähren wir ihnen jetzt“, und dann die Weihe der Bischöfe zulassen – oder die Bischöfe anerkennen, nachdem sie geweiht wurden –, um ein Klima des gegenseitigen Vertrauens zu schaffen.
Da der Heilige Stuhl stärker ist, müssen diejenigen, die stärker sind, mehr Offenheit zeigen als diejenigen, die schwächer sind und nicht über so viel Macht verfügen. Es stehen also die Mächtigen den Machtlosen gegenüber. Die Bruderschaft ist, kanonisch gesehen, machtlos. Der Heilige Stuhl ist mächtig. Die gesamte Macht liegt dort. Warum also sollten Sie, die Sie mächtig sind, sich nicht ein wenig entgegenkommen, ein pastorales Entgegenkommen zeigen und so dieses Klima des gegenseitigen Vertrauens, dieses psychologische Klima, schaffen? Integrieren Sie sie ein wenig in das normale Leben der Kirche, und dann werden wir positivere und fruchtbarere Elemente sowie einen Rahmen haben, in dem wir die notwendigen Gespräche führen können.
Doch das kann Zeit brauchen. Es kann lange dauern. Die Kirche hat bei der Erörterung bestimmter Themen über viele, viele Jahre hinweg stets Zeit gewährt und Toleranz gezeigt. Integrieren Sie sie zunächst ein wenig.
Dem Heiligen Vater würde ich sagen: „Sie sind der Einzige, der dies lösen kann – mit großer väterlicher Nächstenliebe und Großmut.“
Niwa Limbu (AdVaticanum): Am 26. August beendete Papst Leo XIV. seine Mittwochsreihe über Sacrosanctum Concilium. Er stellte die nachkonziliare Reform als in der lebendigen Tradition verwurzelt dar und als auf eine bewusste, aktive Teilnahme ausgerichtet, statt auf „stille Zuschauer“. Sie haben von „lehrmäßiger und ritueller Unbestimmtheit“ in der Neuen Messe und einem Bruch mit dem traditionellen römischen Ritus gesprochen. Was haben Sie in dieser abschließenden Katechese vernommen? Lässt sich der Novus Ordo, wie er üblicherweise gefeiert wird, mit dem in Einklang bringen, was das Konzil tatsächlich forderte, oder nur mit einem späteren Reformgeist, der über den Text hinausging?
Bischof Schneider: Leo XIV. hat die wahre Realität dessen, was der Novus Ordo ist und wie er weltweit überwiegend gefeiert wird, nicht erfasst. Er stellt die Realität einfach nicht dar, akzeptiert sie nicht und sieht sie nicht. Es handelt sich eher um eine theoretische Rede, die nicht mit der Praxis, wie sie tatsächlich ist, übereinstimmt.
Der Novus Ordo in seiner jetzigen Form entspricht nicht der Absicht der Kirchenväter und der Konzilsväter. Dies muss der Papst anerkennen, denn wir verfügen über zahlreiche Zeugen aus jener Zeit. An erster Stelle steht Kardinal Ratzinger, Professor Ratzinger.
Er schrieb 1976 einen berühmten Brief an Professor Waldstein und erklärte darin – denn Ratzinger nahm als sogenannter peritus an allen Diskussionen des Konzils teil; er war anwesend –, dass „ich aufgrund meiner Teilnahme und Anwesenheit bei den Debatten über die Liturgie während des Konzils mit Sicherheit sagen kann, dass der Novus Ordo, wie wir ihn kennen, nicht das ist, was die Konzilsväter beabsichtigten“. Dies ist ein sehr wichtiges und gewichtiges Zeugnis.
Dann haben wir das Zeugnis von Kardinal Antonelli, der am Konzil und anschließend in der sogenannten Bugnini-Kommission mitwirkte. In seinen Memoiren kritisiert Kardinal Antonelli die Arbeit Bugninis am Novus Ordo, die über das hinausging, was das Konzil beabsichtigt hatte.
Dann der berühmte Liturgiker und Theologe Louis Bouyer. Auch er war als Peritus Mitglied des Konzils und anschließend der Bugnini-Kommission. Und in seinen Memoiren kritisiert er sehr deutlich die ideologische Arbeit Bugninis am Novus Ordo. Dann gibt es das kürzlich erschienene Buch von Archimandrit Boniface Luykx, A Wider View of Vatican II, in dem er anhand seiner eigenen Teilnahme am Konzil und im Ausschuss sehr fundiert darlegt, dass die Messe des Paul VI. tatsächlich nicht den Absichten der Konzilsväter entspricht.
Das sind Tatsachen. Wir können sie nicht leugnen. Es erschien mir, als würde man einfach die Augen verschließen und weiterhin rhetorische Floskeln wiederholen, die an sich zwar wahr sein mögen – die aber, wie ich meine, nicht der Realität und der Geschichte entsprechen.
Dann noch ein weiterer Aspekt: Ich würde sogar dem Heiligen Vater und seinen Beratern wärmstens empfehlen, die gesamten Debatten des Konzils zur Liturgie sorgfältig zu lesen. Es gibt ein vor vielen Jahren in Rom veröffentlichtes Buch, das alle Debatten der Konzilsväter zur Liturgie enthält. Ich habe es zweimal gelesen, allerdings ist es auf Latein. Und es ist aufschlussreich. Wenn man dies liest, sagt man: „Oh, die Konzilsväter waren so zögerlich, so vorsichtig, was drastische Veränderungen betraf.“ Die gesamte Debatte drehte sich im Grunde genommen um die Sprache, die Volkssprache oder das Latein.
Doch selbst in Sacrosanctum Concilium – und es überrascht mich, dass Papst Leo dies nicht erkannt hat – gibt es zwei Ziffern, die besagen, dass die lateinische Sprache bewahrt werden muss: Sie darf nicht nur bewahrt werden, sondern muss im lateinischen Ritus bewahrt werden. Es ist ein „muss“. Ein weiterer Absatz besagt, dass die Bischöfe dafür sorgen müssen, dass die Gläubigen das Ordinarium der Messe auf Latein kennenlernen können. Das bedeutet: Kyrie, Gloria, Credo, Agnus Dei, Sanctus.
Und dies wird in mehr als 90 Prozent der Fälle im Novus Ordo praktisch überhaupt nicht umgesetzt. Das steht also im Widerspruch zu einem ausdrücklichen Auftrag des Konzils, den der Heilige Vater ebenfalls berücksichtigen sollte, wenn er darüber spricht.
Und dann hatten wir beispielsweise während des Konzils, in der Debatte über die Liturgie, einen Bischof, der aufstand und sagte: „Ich schlage dies nicht vor; ich bin gegen diese Vorschläge zur Ausweitung der Volkssprache, denn wenn wir sie ausweiten“, so sagte dieser Konzilsvater, „dann wird die Messe mit der Zeit vollständig in der Volkssprache gefeiert werden.“ Und daraufhin begann fast das gesamte Konzil zu lachen, da dies unmöglich war.
Daraufhin erhob sich der Ausschussvorsitzende und sagte: „Eure Exzellenz, wir versichern Ihnen, dass dies nicht möglich ist. Es wird niemals dazu kommen, dass die gesamte Messe in der Volkssprache gefeiert wird.“ Sie sehen die psychologische Stimmung während des Konzils: Die Mehrheit der Konzilsväter konnte sich nicht vorstellen, dass die Messe vollständig in der Volkssprache abgehalten werden könnte.
Doch heute finden mehr als 90 Prozent der Novus-Ordo-Messen in der Volkssprache statt. Und es gibt sogar Diözesen, in denen Priester, die den Novus Ordo auf Latein feiern wollen, bestraft und daran gehindert werden. Das ist absurd.
Es gibt Menschen, die während der Messe wirklich schweigen möchten, um innerlich zu betrachten. Kontemplation ist auch während der Messe möglich. Natürlich bedeutet das nicht, dass die gesamte Gemeinde stumm ist und nicht spricht. Das ist nicht das Ideal. Das Ideal ist, dass sie dem Priester antworten. Aber wir müssen auch offen sein für die Möglichkeit, dass manche Menschen es vorziehen, in sich zu gehen.
Es kann auch eine aktive Teilnahme geben, die fruchtlos ist, weil keinerlei innere Teilnahme vorhanden ist.
Und dann noch ein weiterer Aspekt: Das erste Messbuch wurde gemäß den Normen von Sacrosanctum Concilium im Jahr ’65 vom Heiligen Stuhl veröffentlicht. Wir sollten das Messbuch von ’65 nicht vergessen, das bereits die erste liturgische Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils darstellte. Es war nicht ’69. Es war Anfang ’65.
Und als die Konzilsväter dann im September ’65 zu ihrer letzten Sitzung zurückkehrten, feierten sie bereits die reformierte Messe. Und sie waren alle glücklich und sagten: „Oh, das ist es, was wir eigentlich gemeint haben.“
Und was war das Missale von 1965? Es handelte sich im Grunde um eine sehr behutsame, organische Reform, wie es das Konzil forderte, sodass die gesamte traditionelle Messe beibehalten wurde, mit nur zwei Änderungen: Psalm 42 wurde gestrichen und das Letzte Evangelium wurde gestrichen. Doch beispielsweise wurde im alten Ritus Psalm 42 auch bei jeder Requiem-Messe für Verstorbene weggelassen. Und in den letzten zwei Wochen vor Ostern, in der Passionszeit, wurde Psalm 42 ebenfalls weggelassen. Es handelte sich also nicht um eine Neuerung.
Und worin bestand die große sichtbare Reform von 1965? Es handelte sich, wie von den Konzilsvätern vorgeschlagen, um einen umfassenderen, breiteren Gebrauch der Landessprache. So erfolgte der erste Teil der Messe bis zur Präfation in der Landessprache. Und nach dem Kanon erneut in der Landessprache. Von der Präfation bis zum Ende des Kanons erfolgte also alles in Latein. Es war vorgeschrieben, dass diese Teile in Latein gehalten wurden.
In der Messe von 1965 wurde der Kanon in Stille gesprochen. Es handelte sich um eine sehr behutsame Reform, und die Konzilsväter waren damit zufrieden. Und dann, im Jahr 1967, auf der ersten Bischofssynode, legte Bugnini den Entwurf der neuen Messe vor, die 1969 in Kraft treten sollte. Er hatte diesen Entwurf bereits 1967 vorgelegt, doch die Mehrheit der Synodenväter lehnte diesen Entwurf 1967 ab.
Sie sehen also: Eine Mehrheit der Synodenväter von 1967, die zwei Jahre zuvor noch Konzilsväter gewesen waren, stimmte der Messe von 1969 nicht zu.
Ich hätte mir gewünscht, dass Papst Leo dies untersucht hätte, bevor er seine Rede zu diesem Thema hielt: all diese historischen Elemente und Fakten zu studieren, die Debatten zu lesen und den Zeugen zuzuhören.
Bild: AdVaticanum (Screenshot)
Hinterlasse jetzt einen Kommentar