Es sollte ein Zeichen der Hoffnung werden. Es wurde ein Zeichen der Ernüchterung. Die internationale Wallfahrt der Tradition Ad Petri Sedem kehrt auch 2026 nach Rom zurück. Seit 2012 ziehen Gläubige aus aller Welt zum Stuhl Petri und zum Grab des Apostelfürsten. Was als Dankwallfahrt für Papst Benedikt XVI. und sein Motu proprio Summorum Pontificum begann, hatte von Anfang an ein besonderes Ziel: Die überlieferte römische Liturgie sollte im Herzen der Weltkirche wieder sichtbar werden. Nun aber wird gerade dieser symbolische Mittelpunkt erneut verweigert. Und aller Welt wird sichtbar, wer ausgesperrt wird.
Das für den 23. bis 25. Oktober 2026 veröffentlichte Programm sieht zwar weiterhin den Einzug der Pilger in den Petersdom und ein Gebet dort vor. Ein Pontifikalamt im überlieferten Ritus als Höhepunkt und Abschluß der Wallfahrt wird im Petersdom aber nicht stattfinden. Der als Zelebrant vorgesehene Bischof Athanasius Schneider wird am 24. Oktober auf den Hochaltar von Santa Maria Maggiore ausweichen müssen.
Damit ist die Hoffnung, die das Jahr 2025 geweckt hatte, auch schon wieder zerstoben. Sie erweist sich als bloßes Strohfeuer.
Von Benedikt XVI. zu Franziskus
Die Geschichte dieser internationalen Wallfahrt der Tradition ist eng mit dem Pontifikat von Benedikt XVI. verbunden. Als sie 2012 erstmals stattfand, saß der deutsche Papst auf dem Stuhl Petri und nichts deutete auf seinen baldigen Amtsverzicht hin. Die Wallfahrt sollte dem Pontifex für Summorum Pontificum danken und zugleich die Rückkehr des überlieferten Ritus an einen Hauptaltar des Petersdoms sichtbar machen. Tatsächlich kehrte im Herbst 2012 der Vetus Ordo erstmals wieder offiziell in das Herz der Christenheit zurück.
Doch wenige Wochen später erfolgte der überraschende Amtsverzicht von Benedikt XVI., symbolträchtig von einem aufsehenerregenden Blitzeinschlag in die Peterskuppel begleitet. Unter seinem Nachfolger Franziskus änderte sich die Lage grundlegend. Nachdem der argentinische Papst jahrlang die Vertreter der Tradition attackiert und teils auf niederträchtige Weise diskreditiert hatte, schränkte er den überlieferten Ritus mit Traditionis custodes von 2021 massiv ein. Parallel erfolgte im selben Jahr auch eine besondere Verschärfung für den Petersdom: Eine vom Staatssekretariat erlassene Neuregelung verbannte die Zelebration des überlieferten Ritus aus dem Petersdom. Kritiker aus dem Kardinalskollegium stellten damals ausdrücklich die Zuständigkeit des Staatssekretariats für diese Anordnung in Frage.
Laut der Neuregelung darf im Petersdom nur mehr im Novus Ordo zelebriert werden, wobei die Zelebrationen auf zwei am Tag beschränkt wurden und dadurch alle Priester zur Konzelebration gedrängt werden.
Der überlieferte Ritus wurde in die Vatikanischen Grotten unterhalb des Petersdoms verbannt, wo auf engem Raum nur kleinen Gruppen die Teilnahme möglich ist.
Die Symbolik war unübersehbar. Unübersehbar wurde, wer akzeptiert und wer ausgegrenzt wird. Unübersehbar wurde, wer oben bestimmte, und wer in den Keller verbannt wurde.
Benedikt und der letzte große Konflikt
Die Verschärfung der liturgischen Politik fiel in eine Phase, in der Benedikt XVI. bereits seit Jahren emeritiert und gesundheitlich geschwächt war. Zuvor hatte der deutsche Papst jedoch noch einmal interveniert, als die Amazonassynode die Frage des Priestertums und insbesondere die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt auf die Tagesordnung setzte.
Bischof Athanasius Schneider und Kardinal Raymond Burke riefen damals gemeinsam zu Gebet und Fasten gegen die Aufweichung des priesterlichen Zölibats auf. Katholisches.info hatte bereits vor der Synode darauf hingewiesen, daß hinter der Amazonas-Idee weiterreichende Fragen nach der Gestalt des Priestertums standen.
Danach ging es tatsächlich Schlag auf Schlag, sobald Franziskus erkannte, daß Benedikt XVI. zu schwach geworden war, um sich ihm noch in den Weg zu stellen. So folgte Traditionis custodes und der Beginn einer neuen Phase der Verfolgung gegen Priester und Gemeinschaften, die dem überlieferten Ritus verbunden sind. Dieser sollte nicht mehr als legitime, dauerhaft bestehende und gleichwertige Form des römischen Ritus behandelt werden, sondern als Problem, das möglichst zurückgedrängt werden sollte.
Ein kurzes Aufleuchten unter Leo XIV.
Umso größer war die Überraschung im Sommer 2025. Am 22. August wurde Kardinal Raymond Burke von Leo XIV. in Audienz empfangen. Dabei legte dieser dem neuen Papst die Bitte um Gewährung der Zelebration im Rahmen der jährlichen internationalen Wallfahrt der Tradition vor. Und Leo XIV. gewährte sie großzügig.
Nach drei Jahren faktischer Verbannung kehrte der überlieferte Ritus für die Wallfahrt Ad Petri Sedem in den Petersdom zurück. Kardinal Raymond Burke zelebrierte am 25. Oktober 2025 ein feierliches Pontifikalamt am Kathedraaltar. Tausende Pilger nahmen daran teil. Es war ein Ereignis von weit über die konkrete Wallfahrt hinausreichender symbolischer Bedeutung.
Für viele traditionsverbundene Katholiken war dies das erste sichtbare Zeichen dafür, daß sich unter Leo XIV. etwas zum Positiven ändern könnte.
Vielleicht, so die Hoffnung, würde der neue Papst die von seinem Vorgänger geschlagenen Wunden heilen. Vielleicht würde Traditionis custodes korrigiert, gar zurückgenommen. Vielleicht würde Summorum Pontificum nicht wiederhergestellt, aber doch sein Kernanliegen anerkannt.
Die Großherzigkeit des neuen Papstes stieß in seinem Umfeld keineswegs auf Zustimmung und er selbst scheint keinen Bezug zum überlieferten Ritus zu haben.
Und so erwies sich die gehegte Hoffnung als voreilig. Nun liegt die letzte Bestätigung vor.
Roche spricht – und Leo schweigt
Ein Jahr später ist die Lage wesentlich klarer. Kardinal Arthur Roche, Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, erklärte Ende Juli 2026 unmißverständlich, daß Papst Leo XIV. Traditionis custodes nicht ändern und nicht zum Rechtszustand von Summorum Pontificum zurückkehren werde.
Dabei handelt es sich nicht um die belanglose Wortmeldung eines Kurienbeamten. Kardinal Roche ist der Mann, der wie kein anderer für die Umsetzung der unter Franziskus begonnenen liturgischen Restriktionen steht. Sein programmatisches Papier zur Liturgie, das Anfang 2026 im Umfeld des Kardinalskonsistoriums bekannt wurde, zeigt, daß diese Linie durch die Wahl des neuen Papstes keineswegs aufgegeben ist. Das Dokument ist vielmehr Ausdruck einer regelrechten liturgischen Amnesie.
Leo XIV. hat Roche nicht abberufen und Traditionis custodes nicht aufgehoben. Die Zelebrationserlaubnis des Vorjahres war eine reine Höflichkeitsgeste, die offenbar falsche Sicherheiten suggerieren sollte. Doch schon 2026 wird jenes Pontifikalamt im Petersdom nicht mehr zugelassen, das für die Wallfahrt das Zentrum bildet.
Bischof Athanasius Schneider, der im Dezember 2025 selbst an Leo XIV. appelliert hatte, eine dauerhafte Regelung für die überlieferte Liturgie zu schaffen, wird stattdessen in die Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore ausweichen müssen. Das ist mehr als eine Änderung des Veranstaltungsortes.
Der Zug ist tatsächlich abgefahren?
Kardinal Roche hat die Botschaft ausgesprochen: Eine Rückkehr zu Summorum Pontificum werde es nicht geben. Die Fakten bestätigen dies. Die Hoffnung auf eine liturgische Wende unter Leo XIV. hat sich nicht erfüllt. Der Petersdom bleibt für das Pontifikalamt der Wallfahrt verschlossen.
Dem Veranstalter nahestehende Quellen sagen: Die Pilger werden dennoch kommen. Sie werden zum Grab des Apostels Petrus ziehen. Sie werden im Petersdom beten. Und Bischof Schneider wird die heilige Messe im überlieferten Ritus zelebrieren – in Santa Maria Maggiore.
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Botschaft dieses Jahres: Die derzeitige Hierarchie kann den Ritus aus dem Petersdom verbannen. Man kann seine öffentliche Sichtbarkeit beschneiden. Man kann seine Zelebration von Genehmigungen abhängig machen und einschränken. Aber man kann nicht einfach auslöschen, was so viele Generationen von Katholiken vor der nachkonziliaren Liturgiereform als Teil ihrer liturgischen und geistlichen Heimat empfangen haben.
Der Konflikt ist damit nicht beendet.
Er ist nur wieder dort angekommen, wo er unter Franziskus begonnen hatte: bei der Frage, ob die überlieferte Liturgie in der katholischen Kirche einen legitimen Platz haben darf – oder ob sie auf Dauer in die Katakomben verbannt werden soll.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Katholisches.info/KI
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