Am vergangenen Donnerstag, dem 11. Juli, wurde der „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats von Papst Franziskus empfangen. Katholisches.info berichtete. Inzwischen wurde auch etwas vom Inhalt des Gesprächs bekannt, bei dem es auch um das umstrittene römische Homo-Segnungsdokument Fiducia supplicans ging.
Inzwischen wurde von der Abteilung für die Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats eine Erklärung zur Audienz von Metropolit Antonij bei Papst Franziskus veröffentlicht. Daraus geht hervor, daß es am Folgetag auch „mehrere Arbeitstreffen an der Römischen Kurie“ gab. Diese dürften unter anderem mit Kardinal Victor Manuel „Tucho“ Fernández stattgefunden haben, wenn die russische Erklärung dies auch nicht näher ausführt. Die Erklärung betont jedoch, daß Metropolit Antonij von Wolokolamsk bei diesen Treffen auch die russisch-orthodoxe Position zu Fiducia supplicans, dem umstrittenen Dokument des von Kardinal Tucho Fernández geleiteten Glaubensdikasteriums, „mit dem Segen Seiner Heiligkeit Kyrill, Patriarch von Moskau und ganz Rußland“, bekräftigte.
Unter anderem wurden bei den Treffen „gemeinsame Anstrengungen im humanitären Bereich erörtert“.
„Insbesondere“ informierte Metropolit Antonij seine Gesprächspartner „über die anhaltende Verfolgung der kanonischen orthodoxen Kirche in der Ukraine“. Im Zuge des innerukrainischen Streites über ein West- oder Ostausrichtung des Landes ist es zu einer Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche in der Ukraine gekommen, indem sich ein Teil davon als ukrainisch-orthodoxe Kirche von Moskau abspaltete. Über deren Anerkennung innerhalb der orthodoxen Welt entstand ein weiterer Streit. Beide Teile gelten als etwa gleich stark. Die ukrainische Staatsführung, die bereits maßgeblich an der Entstehung des ukrainischen Zweiges beteiligt war, unterstützt diesen und versucht den russischen Zweig zu verdrängen. Dieser wehrt sich vehement und bestreitet die Existenzberechtigung einer ukrainisch-orthodoxen Kirche, da es eine solche historisch nie gegeben habe. Zu der komplexen kirchlichen Situation in der Ukraine siehe: Katholiken und Orthodoxe in der Ukraine sowie auch Gedanken zur Ukraine an einem dramatischen Tag.
Schließlich heißt es in der Erklärung noch: „Darüber hinaus erläuterte Metropolit Antonij von Wolokolamsk ausführlich die Haltung der Russischen Orthodoxen Kirche zum Dokument ‚Fiducia supplicans‘ und machte sie mit der Antwort der Biblisch-Theologischen Kommission der Synode vertraut.“
Die Biblisch-Theologische Kommission des Heiligen Synod der russisch-orthodoxen Kirche hatte sich im Auftrag von Patriarch Kyrill im vergangenen Frühjahr mit dem römischen Dokument befaßt und gelangte dabei zum Schluß, daß Fiducia supplicans „die göttlich offenbarte Morallehre ablehnt“. Daher kann „die Kirche gleichgeschlechtliche Paare in keiner Weise segnen, da dies die tatsächliche Zustimmung zu einer Vereinigung bedeuten würde, die ihrem Wesen nach sündhaft ist“. Damit fegte die Kommission des Heiligen Synod auch römische Winkelzüge weg, mit denen durch dialektische Wortklauberei das Dokument einen Segen für Homo-Paare erlaubt, aber nach Worten behauptet wird, daß dieser Segen in Wirklichkeit kein Segen sei, sondern nur … Ja, was?… Nur den Anschein eines Segens hat, aber keiner ist? Ein Scheinsegen also? Ein Reinleger für die Homosexuellen? Oder gar ein Reinleger für die ganze Kirche?
Die Moskauer Kommission ermahnte jedenfalls Rom, daß die Seelsorge, die sich an Homosexuelle wendet, nie darauf abzielen dürfe „einen sündigen Lebensstil zu legitimieren, sondern die Seele desjenigen zu heilen, der darunter leidet“.
In der Ukraine wurde die Audienz für Metropolit Antonij negativ aufgenommen. Das Verhältnis der ukrainischen Katholiken zu Papst Franziskus ist seit dem 12. Februar 2016 getrübt, als sich das Kirchenoberhaupt auf Kuba mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill getroffen hat. Es war das bisher erste Treffen eines Papstes mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche seit der Errichtung des Moskauer Patriarchats. Als Gegenleistung für das Treffen löst Franziskus noch im selben Jahr das römische Russicum auf.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: mospat.ru (Screenshot)