Metropolit Antonij bekräftigte in Rom die Ablehnung von Fiducia supplicans

Audienz mit Papst Franziskus und Arbeitstreffen mit der Römischen Kurie


Metropolit Antonij von Wolokolamsk zelebrierte am Morgen des 12. Juli in einer orthodoxen Kirche in Rom und führte dann mehrere Arbeitsgespräche mit römischen Kurienvertretern.
Metropolit Antonij von Wolokolamsk zelebrierte am Morgen des 12. Juli in einer orthodoxen Kirche in Rom und führte dann mehrere Arbeitsgespräche mit römischen Kurienvertretern.

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag, dem 11. Juli, wur­de der „Außen­mi­ni­ster“ des Mos­kau­er Patri­ar­chats von Papst Fran­zis­kus emp­fan­gen. Katho​li​sches​.info berich­te­te. Inzwi­schen wur­de auch etwas vom Inhalt des Gesprächs bekannt, bei dem es auch um das umstrit­te­ne römi­sche Homo-Seg­nungs­do­ku­ment Fidu­cia sup­pli­cans ging.

Inzwi­schen wur­de von der Abtei­lung für die Außen­be­zie­hun­gen des Mos­kau­er Patri­ar­chats eine Erklä­rung zur Audi­enz von Metro­po­lit Anto­nij bei Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­licht. Dar­aus geht her­vor, daß es am Fol­ge­tag auch „meh­re­re Arbeits­tref­fen an der Römi­schen Kurie“ gab. Die­se dürf­ten unter ande­rem mit Kar­di­nal Vic­tor Manu­el „Tucho“ Fernán­dez statt­ge­fun­den haben, wenn die rus­si­sche Erklä­rung dies auch nicht näher aus­führt. Die Erklä­rung betont jedoch, daß Metro­po­lit Anto­nij von Wolo­ko­lamsk bei die­sen Tref­fen auch die rus­sisch-ortho­do­xe Posi­ti­on zu Fidu­cia sup­pli­cans, dem umstrit­te­nen Doku­ment des von Kar­di­nal Tucho Fernán­dez gelei­te­ten Glau­bens­dik­aste­ri­ums, „mit dem Segen Sei­ner Hei­lig­keit Kyrill, Patri­arch von Mos­kau und ganz Ruß­land“, bekräftigte.

Unter ande­rem wur­den bei den Tref­fen „gemein­sa­me Anstren­gun­gen im huma­ni­tä­ren Bereich erörtert“.

„Ins­be­son­de­re“ infor­mier­te Metro­po­lit Anto­nij sei­ne Gesprächs­part­ner „über die anhal­ten­de Ver­fol­gung der kano­ni­schen ortho­do­xen Kir­che in der Ukrai­ne“. Im Zuge des inne­rukrai­ni­schen Strei­tes über ein West- oder Ost­aus­rich­tung des Lan­des ist es zu einer Spal­tung der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che in der Ukrai­ne gekom­men, indem sich ein Teil davon als ukrai­nisch-ortho­do­xe Kir­che von Mos­kau abspal­te­te. Über deren Aner­ken­nung inner­halb der ortho­do­xen Welt ent­stand ein wei­te­rer Streit. Bei­de Tei­le gel­ten als etwa gleich stark. Die ukrai­ni­sche Staats­füh­rung, die bereits maß­geb­lich an der Ent­ste­hung des ukrai­ni­schen Zwei­ges betei­ligt war, unter­stützt die­sen und ver­sucht den rus­si­schen Zweig zu ver­drän­gen. Die­ser wehrt sich vehe­ment und bestrei­tet die Exi­stenz­be­rech­ti­gung einer ukrai­nisch-ortho­do­xen Kir­che, da es eine sol­che histo­risch nie gege­ben habe. Zu der kom­ple­xen kirch­li­chen Situa­ti­on in der Ukrai­ne sie­he: Katho­li­ken und Ortho­do­xe in der Ukrai­ne sowie auch Gedan­ken zur Ukrai­ne an einem dra­ma­ti­schen Tag.

Schließ­lich heißt es in der Erklä­rung noch: „Dar­über hin­aus erläu­ter­te Metro­po­lit Anto­nij von Wolo­ko­lamsk aus­führ­lich die Hal­tung der Rus­si­schen Ortho­do­xen Kir­che zum Doku­ment ‚Fidu­cia sup­pli­cans‘ und mach­te sie mit der Ant­wort der Biblisch-Theo­lo­gi­schen Kom­mis­si­on der Syn­ode vertraut.“

Die Biblisch-Theo­lo­gi­sche Kom­mis­si­on des Hei­li­gen Syn­od der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che hat­te sich im Auf­trag von Patri­arch Kyrill im ver­gan­ge­nen Früh­jahr mit dem römi­schen Doku­ment befaßt und gelang­te dabei zum Schluß, daß Fidu­cia sup­pli­cans „die gött­lich offen­bar­te Moral­leh­re ablehnt“. Daher kann „die Kir­che gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re in kei­ner Wei­se seg­nen, da dies die tat­säch­li­che Zustim­mung zu einer Ver­ei­ni­gung bedeu­ten wür­de, die ihrem Wesen nach sünd­haft ist“. Damit feg­te die Kom­mis­si­on des Hei­li­gen Syn­od auch römi­sche Win­kel­zü­ge weg, mit denen durch dia­lek­ti­sche Wort­klau­be­rei das Doku­ment einen Segen für Homo-Paa­re erlaubt, aber nach Wor­ten behaup­tet wird, daß die­ser Segen in Wirk­lich­keit kein Segen sei, son­dern nur … Ja, was?… Nur den Anschein eines Segens hat, aber kei­ner ist? Ein Schein­se­gen also? Ein Rein­le­ger für die Homo­se­xu­el­len? Oder gar ein Rein­le­ger für die gan­ze Kirche?

Die Mos­kau­er Kom­mis­si­on ermahn­te jeden­falls Rom, daß die Seel­sor­ge, die sich an Homo­se­xu­el­le wen­det, nie dar­auf abzie­len dür­fe „einen sün­di­gen Lebens­stil zu legi­ti­mie­ren, son­dern die See­le des­je­ni­gen zu hei­len, der dar­un­ter leidet“.

In der Ukrai­ne wur­de die Audi­enz für Metro­po­lit Anto­nij nega­tiv auf­ge­nom­men. Das Ver­hält­nis der ukrai­ni­schen Katho­li­ken zu Papst Fran­zis­kus ist seit dem 12. Febru­ar 2016 getrübt, als sich das Kir­chen­ober­haupt auf Kuba mit dem Mos­kau­er Patri­ar­chen Kyrill getrof­fen hat. Es war das bis­her erste Tref­fen eines Pap­stes mit dem Ober­haupt der rus­sisch-ortho­do­xen Kir­che seit der Errich­tung des Mos­kau­er Patri­ar­chats. Als Gegen­lei­stung für das Tref­fen löst Fran­zis­kus noch im sel­ben Jahr das römi­sche Rus­si­cum auf.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: mospat​.ru (Screen­shot)