Fatima: vatikanische Täuschungen, gewollte Ignoranz, apokalyptische Weltlage (1. Teil)

Die Botschaft Mariens an Kirche und Welt


Fatima, der Krieg im Nahen Osten und die Gefahren einer falschen Echatologie
Fatima, der Krieg im Nahen Osten und die Gefahren einer falschen Echatologie

Von Wolf­ram Schrems*

Ange­sichts der kata­stro­pha­len Situa­ti­on der Kir­che müs­sen wir uns ein­ge­ste­hen, daß ent­ge­gen berech­tigt erschei­nen­der Erwar­tun­gen mit Papst Leo XIV. nichts bes­ser gewor­den ist. Lehr­aus­sa­gen und Per­so­nal­po­li­tik las­sen den wei­te­ren Nie­der­gang erken­nen. Das Erste Gebot ist obso­let. Schwe­re Sün­den wer­den qua­si kir­chen­amt­lich pro­pa­giert. Der Kli­ma­un­sinn wird wei­ter­ge­trie­ben. Es sieht nach mensch­li­chem Ermes­sen nicht so aus, daß die­ser Papst dem Petrus­amt sei­nen eigent­li­chen Sinn zurückgibt.

Wie die Din­ge im Vati­kan jetzt ste­hen, kann man daher auch nicht erwar­ten, daß end­lich die For­de­run­gen von Fati­ma umge­setzt wer­den: amt­li­che Ver­kün­di­gung der Ver­eh­rung des Makel­lo­sen Her­zen Mari­ens und der Andacht der fünf Süh­ne­sams­ta­ge und die ernst­haf­te, aus­fluchts­freie Wei­he Ruß­lands im Ver­ein mit dem Wel­tepi­sko­pat. Am 13. Juni 2029 wird sich der Auf­trag zur Wei­he Ruß­lands zum hun­dert­sten Mal jäh­ren. Man fragt sich unwill­kür­lich, ob hier nicht mög­li­cher­wei­se eine vom Him­mel gesetz­te Frist abläuft und was danach kommt. –

Die Fol­gen die­ser Ver­säum­nis­se wer­den, gemäß den bedin­gungs­wei­sen Ankün­di­gun­gen der Fati­ma-Bot­schaft, in den Ver­fol­gun­gen der Kir­che und den Krie­gen sichtbar.

Der Angriff Isra­els und der USA auf den Iran läßt die Welt­la­ge plötz­lich wei­ter eska­lie­ren. Wie per 3. März berich­tet wur­de, besteht der Ver­dacht von einem israe­li­schen Angriff unter fal­scher Flag­ge auf eine sau­di­sche Ölraf­fi­ne­rie. Da die Juden die­ser Tage Purim fei­ern, fühlt sich Isra­el mög­li­cher­wei­se zu wei­te­ren Akten der Aggres­si­on berech­tigt und ver­pflich­tet. Die Zwöl­fer-Schii­ten hof­fen bekannt­lich auf die Offen­bar­wer­dung des Mah­di, die Juden auf die des Mos­chiach. Bei­de schei­nen zu glau­ben, die Vor­gän­ge durch einen Wel­ten­brand beschleu­ni­gen zu kön­nen. „Christ­li­che Zio­ni­sten“ in den USA beför­dern Har­ma­ged­don zugun­sten Isra­els unter Beru­fung auf die Bibel.

Man sieht also, wohin eine fal­sche Escha­to­lo­gie führt.

Bekannt­lich wur­de in Fati­ma bedin­gungs­wei­se die Ver­nich­tung gan­zer Völ­ker ange­kün­digt. Offen­bar bewe­gen wir uns genau dorthin.

Im den fol­gen­den Aus­füh­run­gen sol­len eini­ge Eck­punk­te des bedau­erns­wer­ten Umgangs der Kir­chen­hier­ar­chie mit Fati­ma (die Erschei­nun­gen, die vom Orts­bi­schof, José Alves Cor­reia da Sil­va, im Jahr 1930 kirch­lich aner­kannt wur­den und die Bot­schaf­ten, die erst nach und nach bekannt gemacht wur­den) in Erin­ne­rung geru­fen wer­den. Wei­ters wird ein Blick auf das eigen­ar­ti­ge Ver­hal­ten kir­chen­of­fi­zi­el­ler Apo­sto­la­te in die­ser Fra­ge gewor­fen. Zuletzt soll die Per­so­na­lie Sr. Lucia noch ein­mal auf­ge­grif­fen wer­den. Wir hof­fen, damit zu einer Auf­klä­rung bei­tra­gen zu können.

Die Päpste und die Weigerung

Wir erin­nern uns: Seit Papst Pius XI. ver­wei­gert sich die Hier­ar­chie den For­de­run­gen nach der Wei­he Ruß­lands und der Ver­kün­di­gung der Süh­ne­sams­ta­ge, wobei Pius XII. ihnen noch am ehe­sten nach­kam (Apo­sto­li­sches Schrei­ben Sacro ver­gen­te anno von 1952 mit einer sozu­sa­gen rein schrift­lich durch­ge­führ­ten Wei­he der „Völ­ker Rußlands“).

Papst Johan­nes XXIII. lehn­te die für das Jahr 1960 gefor­der­te Ver­öf­fent­li­chung des Drit­ten Geheim­nis­ses, das er kann­te, ab, und ließ über die por­tu­gie­si­sche Nach­rich­ten­agen­tur ANI am 8. Febru­ar 1960 eine Pres­se­er­klä­rung ver­brei­ten, wonach „die Wor­te“ Unse­rer Lie­ben Frau, über deren Authen­ti­zi­tät man sich nicht sicher sein kön­ne, wahr­schein­lich immer unter Ver­schluß blei­ben würden.

Johan­nes Paul II. setz­te eini­ge Wei­he­ak­te, die ver­mut­lich begrenz­te segens­rei­che Wir­kun­gen ent­fal­te­ten, aber defi­zi­tär waren. Offen­bar wuß­te er das auch selbst.

Fran­zis­kus voll­zog 2022 tat­säch­lich einen Wei­he­akt (Ruß­land und die Ukrai­ne), aber ohne Invol­vie­rung des Wel­tepi­sko­pats und ohne die gefor­der­te Pro­mul­ga­ti­on der Süh­ne­sams­ta­ge, wie des Süh­ne- und Bekeh­rungs­ge­dan­kens über­haupt. Jor­ge Berg­o­glio war für die größ­te Ver­wir­rung in der Geschich­te der Petrus­nach­fol­ger ver­ant­wort­lich. Hier konn­te nichts Gutes entstehen.

Mit Papst Leo gehen der rela­ti­vi­sti­sche Kurs, die Ärger­nis­se und die Unter­drückung der Mes­se aller Zei­ten prak­tisch wei­ter. Von einem drin­gen­den Auf­ruf zur Bekeh­rung hat man nichts gehört. Um den destruk­ti­ven Kurs zu bestär­ken, bestä­tig­te Papst Leo sogar das fre­che Doku­ment Mater popu­li fide­lis, das man durch­aus als gegen die Vor­zü­ge Unse­rer Lie­ben Frau und daher auch gegen die Fati­ma-Bot­schaft gerich­tet ver­ste­hen muß.

Eine apo­ka­lyp­ti­sche Situa­ti­on. Ent­schlos­se­ner Glau­bens­ab­fall. Ver­rat an der Sen­dung. Und den­noch wol­len das vie­le nicht erken­nen. Bekla­gens­wert ist auch das Ver­hal­ten kir­chen­of­fi­zi­el­ler „kon­ser­va­ti­ver“ Kräfte:

Weltapostolat von Fatima (WAF) – kein Interesse an der Wahrheit?

Die­ser Tage unter­hielt ich mich mit einem Ver­tre­ter des vati­kan­of­fi­zi­el­len Fati­ma-Apo­sto­lats WAF. Erstaun­lich dabei war vor allem, daß die­ser offen­bar kein grö­ße­res Pro­blem in der Kir­chen­füh­rung sieht. Zumin­dest will er es nicht ein­ge­ste­hen. Die Fati­ma-Bot­schaft ist zwar, nach­dem sie in den vier­zi­ger und fünf­zi­ger Jah­ren sehr popu­lär war, so gut wie voll­stän­dig aus dem Bewußt­sein von Gläu­bi­gen und Kle­rus ver­schwun­den, aber für den vati­kan­of­fi­zi­el­len Fati­ma-Apo­stel stellt auch das kei­ne Schwie­rig­keit dar. Selbst­re­dend ist in sei­ner Mei­nung jede Nach­fra­ge nach der Iden­ti­tät von Sr. Lucia dos San­tos Abó­bo­ra1 nach 1957 sinn­los, denn Pater Luis Kon­dor (Postu­la­tor für den Selig­spre­chungs­pro­zeß von Jac­in­ta und Fran­cis­co Mar­to) habe sie ja schon lan­ge gekannt. Oder so ähnlich.

Daß zwi­schen 1957 und 1967 zwei völ­lig ver­schie­de­ne Phy­sio­gno­mien und zwei ver­schie­de­ne Bot­schaf­ten vor­lie­gen, stört offen­bar nicht. Was nicht sein darf, kann eben nicht sein.

Das ist eigent­lich bewuß­te Igno­ranz. Eine nüch­ter­ne Ana­ly­se der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on kann unmög­lich so opti­mi­stisch ausfallen.

Eigen­ar­tig ist auch die Poli­tik einer ande­ren, „kon­ser­va­ti­ven“ maria­ni­schen Initiative:

Legio Mariae – Widerstand gegen eine Anordnung von Fatima

Vor nicht lan­ger Zeit wur­de ich nach einer Mari­en­pro­zes­si­on in der Wie­ner Innen­stadt von zwei Damen der Legio Mariae ange­spro­chen und mit einer Wun­der­ba­ren Medail­le bedacht. Wir kamen dann ins Gespräch und erstaun­li­cher­wei­se argu­men­tier­te eine der Damen vehe­ment gegen die Pius­bru­der­schaft, mit all den übli­chen Schlag­wör­tern. Der Kampf gegen die Tra­di­ti­on als Anlie­gen der Legi­on Mariens?

Ich kon­fron­tier­te die Legio­nä­rin mit dem Fak­tum, daß inner­halb der Legio beim Rosen­kranz­ge­bet der Fati­ma-Zusatz nach der Deka­de nicht gebe­tet wird und frag­te, wie das sein kann. Sie bestritt das auch gar nicht, und begrün­de­te die­se Aus­las­sung mit der „Ein­heit“ in der Kir­che. Das ist nun wirk­lich erstaun­lich: Eine Initia­ti­ve, die sich „Legi­on Mari­ens“ nennt, lehnt die aus­drück­li­che Auf­for­de­rung der Mut­ter­got­tes zum Gebet für die See­len ab.2

Ich kon­fron­tier­te die Damen auch mit dem, was ich in der Publi­ka­ti­on der Legio Mater Legio­nis über die Wei­he Ruß­lands gele­sen hat­te. Die­ses Blatt ist natür­lich ganz auf Vati­kan-Linie und schreibt der Wei­he von Johan­nes Paul II. die Bekeh­rung Ruß­lands zu (o. ä.). Die bei­den Gesprächs­part­ne­rin­nen in der Wie­ner Innen­stadt mein­ten aber, daß das rus­si­sche Volk noch nicht mit­ge­zo­gen hät­te. Ja, eh. Der Aus­re­den sind immer viele.

Ehr­lich gesagt, ist die Hal­tung der Legio zu Fati­ma – bei allen son­sti­gen Ver­dien­sten von vie­len Legio­nä­ren – beklagenswert.

Ganz abge­se­hen davon, hat man dort noch nicht bemerkt, daß die übli­che Pfarr­seel­sor­ge in den wenig­sten Fäl­len noch als „katho­lisch“ bezeich­net wer­den kann, daß daher eine Wer­be- und Ein­la­dungs­ak­ti­on in die jewei­li­ge Ter­ri­to­ri­al­pfar­re, wenn sie „syn­odal“, „akzep­tie­rend“, „offen“ und „bunt“ ist, für den Glau­ben desa­strö­se Fol­gen haben muß. In weni­gen Pfar­ren exi­stiert noch der katho­li­sche Glau­be (soweit das unter Novus-Ordo-Ver­hält­nis­sen eben mög­lich ist).

Die Zei­ten haben sich ver­än­dert, aber die Vor­gangs­wei­se der Legio adap­tiert sich offen­bar nicht. Das ist ein Feh­ler. Auch und gera­de zum The­ma Fati­ma müß­te man sich dort mit der vati­kan­of­fi­zi­el­len Dar­stel­lung kri­tisch befassen.

Michael Hesemann – die willkürliche Periodisierung im Dienst der vatikanischen Täuschung

Der bekann­te Autor Dr. Micha­el Hese­mann (der sich lobens­wer­ter­wei­se auf die­ser Sei­te schon an einer Dis­kus­si­on um sei­ne Posi­tio­nen betei­ligt hat) leg­te zum The­ma Fati­ma und Wei­he Ruß­lands eine bis­lang unbe­kann­te Deu­tung der Ereig­nis­se vor: In sei­nem anson­sten sehr lesens­wer­ten Werk zu den Erschei­nun­gen von Herolds­bach Herolds­bach – Als der Him­mel die Erde berühr­te (Jestet­ten, 2024) mein­te er, daß Ruß­land im Jahr 1984 gemäß den Anord­nun­gen der Mut­ter­got­tes geweiht wor­den sei, daß 1989 mit dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs die Wir­kung der Wei­he ein­ge­tre­ten sei und daß die­se Wir­kung, näm­lich die Bekeh­rung Ruß­lands und die ver­spro­che­ne Peri­ode des Frie­dens, bis 2022 ange­dau­ert habe und von Prä­si­dent Putin durch sei­nen Krieg gegen die Ukrai­ne zer­stört wor­den sei. Die Peri­ode von 1989 bis 2022 habe dar­über hin­aus genau drei­und­drei­ßig Jah­re gedau­ert, was dem Lebens­al­ter Jesu ent­spre­che. Die­se letz­te­re Anga­be wird von Micha­el Hese­mann zur Unter­maue­rung sei­ner Deu­tung der Ereig­nis­se formuliert.

Mit Ver­laub, aber das ist alles falsch: Weder wur­de die Wei­he 1984 durch­ge­führt, noch hat sich Ruß­land 1989 bekehrt, noch ist eine Peri­ode des Frie­dens ein­ge­tre­ten (erster Golf­krieg, Bür­ger­krieg in den jugo­sla­wi­schen Nach­fol­ge­staa­ten und in Ruan­da, NATO-Angriff auf Jugo­sla­wi­en, isla­mi­scher Krieg gegen die Katho­li­ken in Ost-Timor, zwei­ter Golf­krieg, Krieg gegen die Bevöl­ke­rung des Don­bass durch das Mai­dan-Putsch-Regime in der Ukrai­ne, um die wich­tig­sten Argu­men­te gegen die Frie­dens­pe­ri­ode zu nennen).

Die Peri­odi­sie­rung von 1989 bis 2022 ist voll­kom­men will­kür­lich. Nur weil man irgend­wo auf der Zeit­lei­ste drei­und­drei­ßig Jah­re ein­tra­gen kann, heißt das ja wohl nicht, daß das schon ein Wink des Him­mels ist.

Es bleibt unver­ständ­lich, war­um Hese­mann gegen alle Evi­denz an der vati­kan­of­fi­zi­el­len Fati­ma-Linie fest­hält. Das Buch über Herolds­bach zeigt, daß Hese­mann sich tief in die dor­ti­gen Vor­gän­ge ein­ar­bei­ten und sie über­sicht­lich und mit gesun­dem sen­sus fidei dar­stel­len kann. Bei Fati­ma scheint jedoch eine star­ke Selbst­zen­sur im Sin­ne der offi­zi­el­len vati­ka­ni­schen Linie zu herrschen.

Das muß durch­bro­chen wer­den. Hese­mann hat Zugang zu vati­ka­ni­schen Archi­ven. Er hät­te daher die Mög­lich­keit, zu allen rele­van­ten Fati­mathe­men zu recherchieren.

Beson­ders inter­es­sant wäre natür­lich die Per­so­na­lie Sr. Lucia.

Auch auf die Gefahr hin, die Leser durch Wie­der­ho­lun­gen zu ermü­den, fra­gen wir daher noch einmal:

Was geschah zwischen 1957 und 1967?

(Fort­set­zung folgt.)

*Wolf­ram Schrems, Wien, Mag. theol., Mag. phil., Kate­chist, Pro-Lifer, seit 2011 mit der Pro­ble­ma­tik der vati­kan­of­fi­zi­el­len Fati­ma-Dar­stel­lung vertraut.

Bild: MiL


1 Nach Wil­liam Tho­mas Walsh, Our Lady of Fáti­ma, Dou­ble­day, New York, 1990 (Orig. Macmil­lan, 1947), S. 1, war der Fami­li­en­na­me von Sr. Lucia Abó­bo­ra. Inter­es­san­ter­wei­se wird das in der Lite­ra­tur prak­tisch nicht erwähnt. „Dos San­tos“ ist nicht der Fami­li­en­na­me, son­dern ein im Por­tu­gie­si­schen offen­bar übli­cher Zusatz zum Taufnamen.

2 Seit eini­ger Zeit ist die Dis­kus­si­on dar­über ent­brannt, ob der Fati­ma-Zusatz rich­tig wie­der­ge­ge­ben wur­de, ob es also heißt: „O mein Jesus, ver­zei­he uns unse­re Sün­den, bewah­re uns vor dem Feu­er der Höl­le, füh­re alle See­len in den Him­mel, beson­ders, jene, die Dei­ner Barm­her­zig­keit am mei­sten bedür­fen“ oder „füh­re alle Seel­chen [alm­in­has, gemeint sind nach dem por­tu­gie­si­schen Aus­druck die See­len am Rei­ni­gungs­ort] in den Him­mel, beson­ders, die am mei­sten ver­las­se­nen“. Sister​lu​cytruth​.com mit Dr. Cho­j­now­ski brach­te das auf (sie­he auf Rad­trad­tho­mist). Das wäre eine eige­ne Unter­su­chung wert, hier sei nur der Hin­weis ange­bracht, daß das Gebet um die Ret­tung der See­len dem Glau­bens­sinn und den bekann­ten Tei­len des Fati­ma­ge­heim­nis­ses entspricht.

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