Der Vatikan hat, endlich und überraschend offiziell, den Abschlußbericht jener zweiten Studienkommission zum Frauendiakonat veröffentlicht, die Papst Franziskus im April 2020 einsetzte, nachdem die erste von ihm beauftragte Kommission von 2016 nicht das gewünschte Ergebnis geliefert hatte. Nun liegt es zum wiederholten Male schriftlich vor, daß ein Frauendiakonat als Teil des Weihesakraments nicht möglich ist. Genau das wußte die Kirche schon immer, nur einige Kirchenkreise, die einem kirchenfremden Denken anhängen, wollten es nicht wahrhaben.
Die Frage hatte bereits zur Jahrtausendwende im Auftrag von Papst Johannes Paul II. eine Kommission der Glaubenskongregation unter Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger studiert und war zu einem eindeutigen Ergebnis gelangt, das Kardinal Gerhard Müller als damaliger Glaubenspräfekt 2013 mit den Worten zusammenfaßte: Für Diakoninnen gibt es keine Grundlage und für Diakonissen keinen Bedarf.
Franziskus ignorierte jedoch die Schlußfolgerungen einfach und setzte 2016 seine eigene Kommission ein, deren Arbeit er mit Begleitmusik versah, um die Richtung vorzugeben. Das Ganze überspielte er mit der vermeintlich scherzhaften Aussage, die Sache eigentlich nur auf die „lange Bank“ schieben zu wollen. Wollte er mit einer so freimütigen Aussage die Feministinnen provozieren oder vielmehr die Konservativen in Sicherheit wiegen? Fakt ist: Niemand weiß bis heute, zu welchem Ergebnis diese erste Bergoglio-Kommission gekommen ist. Ihr Bericht wurde nie veröffentlicht. Franziskus selbst deutete lediglich an, nur „die Interessierten“, also die direkt Beteiligten, wüßten das Ergebnis.
Ein Frauendiakonat als sakramentalen Weihegrad kann es nicht geben
Nun aber liegt der veröffentlichte Abschlußbericht der zweiten Bergoglio-Kommission vor und ist daher nicht mehr in der Grauzone der Unverbindlichkeit versteckbar. Der sogenannte „Petrocchi-Bericht“, benannt nach Kardinal Giuseppe Petrocchi, dem emeritierten Erzbischof von L’Aquila, ist im Tenor unüberhörbar: Ein Frauendiakonat als sakramentalen Weihegrad kann es nicht geben. 25 Jahre nach der Studienkommission von Johannes Paul II. unter der Leitung von Glaubenspräfekt Joseph Ratzinger steht die Kirche noch immer dort, wo sie zu stehen hat. Die Bergoglio-Kommissionen bedeuteten nur vergeudete Jahre, in denen Klarheit hätte vermittelt werden können, anstatt Unsicherheit zu säen und modernistische Kreise in falschen Illusionen zu wiegen.
Daß Leo XIV. die Veröffentlichung ausdrücklich verfügte, ist keineswegs nebensächlich. Es bedeutet, daß das Urteil dieser Kommission nicht einfach als interner Fall für den Papierkorb abgetan werden kann. Vor allem steht nun der später von Franziskus eingesetzte Studienkreis Nr. 5 der Synodalitätssynode unter erheblichem Druck. Dem argentinischen Pontifex genügten nämlich zwei Studienkommissionen nicht, weshalb er noch eine dritte einsetzte. Wem er mit all diesem fruchtlosen Aktivismus Honig um den Mund schmieren wollte, scheint offensichtlich.
Kardinal Victor Manuel Fernández, genannt „Tucho“, wird nun schwerlich erklären können, warum und wie zwischen dem 18. September 2025, dem Datum dieses nun öffentlich gemachten Berichts, und dem noch ausstehenden, aber bis Jahresende vorgesehenen Abschlußdokument des von ihm geleiteten Studienkreises Nr. 5 plötzlich irgendein „theologischer Entwicklungssprung“ erfolgt sein sollte, der das Urteil der Petrocchi-Kommission auf den Kopf stellen könnte. Die Kirche entwickelt sich – aber sie widerspricht sich nicht. Ein ehernes, vielmehr göttliches Gesetz, an dem sich Modernisten seit über hundert Jahren die Zähne ausbeißen.
Ein klares Nein – wenn auch mit vatikanischem Konjunktiv im Nachsatz
Das sieben Seiten starke Dokument faßt die Arbeit der seit 2021 aktiven Petrocchi-Kommission zusammen. Sein Schlüsselsatz ist unmißverständlich: Die historische und theologische Forschung verbietet, Frauen zum sakramentalen Diakonat zuzulassen.
Ausschlaggebend dafür sind Heilige Schrift, Tradition und verbindliches Lehramt. Das ist die Art von Formulierung, die in römischen Texten einem vollständigen Stoppsignal gleichkommt, auch wenn pflichtschuldig hinzugefügt wurde, daß ein „endgültiges Urteil“ angeblich noch nicht möglich sei – wie es hingegen in bezug auf die Ordination von Frauen zum Priestertum bereits endgültig feststeht.
Diese verbliebene Restformel klingt jedoch nach reiner diplomatischer Kosmetik. Wer den Bericht liest, der weiß: Die Kirche kann und wird Frauen das Weiheamt nicht öffnen, das in seiner sakramentalen Struktur unlösbar mit Christus, der als Mann Mensch geworden ist, und dem dreigestuften Weiheamt verbunden ist.
Da das Weihesakrament untrennbar und ungeteilt ist, Frauen aber – was unbestritten ist –, weder Bischöfe noch Priester werden können, ist ihnen auch das Diakonat verschlossen. Die Kommission, die in ihrer ersten Sitzungsrunde zunächst noch feststellte, die Bezeichnung „Diakonin/Diakonisse“ für Frauen sei geschichtlich uneinheitlich, kam schon 2021 einstimmig zu einem entscheidenden Punkt: Die Frage des Diakonats könne nicht isoliert betrachtet werden, sondern nur innerhalb der Sakramententheologie des Ordo – und dort führt kein Weg am Weihecharakter vorbei.
Befürworter in einem inneren Widerspruch
Der Bericht listet nüchtern die Argumente der Befürworter auf: Gleichberechtigung, soziologische Entwicklungen, Berufung auf Galater 3,28 und der Vorwurf, die Tradition widerspreche der „Gleichheit der Geschlechter“. Alle wurden geprüft. Sie sind eine Blaupause des Feminismus und des emanzipatorischen Marxismus, doch damit sind sie – und das legt der Bericht unverblümt offen – nicht kirchlich, sondern gesellschaftspolitisch motiviert.
Dem steht die theologische Substanz gegenüber: Die Männlichkeit Christi ist kein austauschbares Detail, sondern gehört zur sakramentalen Zeichenstruktur.
Es geht also nicht um eine theologische Unsicherheit, die einer Klärung bedürfte, sondern um eine Frontlinie, an der keine theologischen Theorien, sondern zwei Weltbilder kollidieren, von denen eines nicht kirchlicher Natur ist.
Neue nicht-sakramentale Dienste
Dazu gibt es eine Kehrseite im Dokument: Mit überwältigender Mehrheit (9 zu 1 Stimmen) sprach sich die Kommission dafür aus, neue beauftragte Dienste für Frauen zu schaffen – die jedoch kein Weiheamt sind. Auch darin darf man in erster Linie politische und nicht theologische Erwägungen sehen. Zu weit ist das weltliche Denken in die Kirche eingedrungen. Man glaubt, Trostpflaster verteilen zu müssen. Zugleich ist dieses Verschieben auf ein Nebengleis in Wirklichkeit ein weiterer Hinweis auf die Unverrückbarkeit der Lehre über das Weihesakrament: Die Kirche kann Frauen keine sakramentale Weihe spenden; sie kann ihnen nur Dienste übertragen, die diesem Bereich nicht angehören.
Gerade dieser Punkt entlarvt den seit Jahrzehnten andauernden Versuch als unhaltbar, aus soziologischen Argumenten eine sakramentale Berechtigung zu konstruieren. Wo das sakramentale Fundament fehlt, ersetzt man es eben durch funktionale Dienste – genau das wurde von der Kommission empfohlen.
Genau dies wird allerdings schon seit einem halben Jahrhundert versucht durch die Zulassung von Mädchen als Ministranten, von Frauen als Lektoren und außerordentliche Kommunionspender. Von einer Erfolgsgeschichte ließe sich aber nicht reden. Vielmehr scheinen sich zu viele Kirchenmänner damit zu gerne der Aufgabe entzogen zu haben, das Weihesakrament, den Zugang dazu und überhaupt die Rolle von Mann und Frau in der Liturgie zu erklären.
Der unauflösliche Knoten: Einheit des Weihesakraments
Die heikelste Stelle des Berichts ist damit zugleich seine schlagkräftigste: Wenn man Frauen zum Diakonat zuließe, wäre nicht erklärbar, warum sie nicht auch zu Priestern und Bischöfen geweiht werden könnten. Genau deshalb beharrt die Kommission auf einer klaren theologischen Linie, die widerspruchsfrei die kirchliche Lehre bewahrt: Der Ordo ist ein einziges Sakrament mit drei abgestuften Graden. Die „Öffnung“ des ersten Grades würde logisch die Öffnung aller Grade bedeuten – was dogmatisch ausgeschlossen ist.
Was bleibt? Ein Nein, das nicht kippen kann
Der Petrocchi-Bericht spricht eine Sprache, die sich von üblichen vatikanischen Vernebelungen abhebt, die man im bergoglianischen Pontifikat zu hören bekam. Seine Veröffentlichung markiert eine Zäsur: Eine von Papst Franziskus selbst eingesetzte Kommission hat ein klares, durch Schrift, Tradition und Lehramt abgesichertes Nein ausgesprochen – und gleichzeitig offengelegt, daß die Gegenargumente im Kern nicht theologischer Natur sind, sondern einem kirchenfernen Denken entstammen.
Daß man dennoch auf ein „nicht endgültig“ verweist, und diesen Punkt durch manche Kreise in nächster Zeit noch ausgiebig betonen wird, ist nicht Ausdruck einer theologischen Unklarheit, sondern lediglich jener römischen Realpolitik, auf die manche glauben nicht verzichten zu können. Doch wer die Logik des Berichts liest, erkennt deutlich: Ein Frauendiakonat im sakramentalen Sinne ist theologisch unmöglich, ekklesiologisch destruktiv und lehramtlich unhaltbar.
Nicht alles, was man sprachlich offenläßt, ist inhaltlich offen. Der Petrocchi-Bericht schließt die Tür – und das lautet in Rom, sachlich und unmißverständlich: finis quaestionis.
Roma locuta, causa finita.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL