Der „Petrocchi-Bericht“: Ein klares Nein zum Frauendiakonat

Frauendiakonat ist theologisch unmöglich, ekklesiologisch destruktiv und lehramtlich unhaltbar


Nach dem Tod von Papst Franziskus wurde der Bericht der zweiten von ihm eingesetzten Studienkommission zum Frauendiakonat veröffentlicht, mit einem klaren Ergebnis: Es kann kein Frauendiakonat geben. Frauen als Diakonen, Priester oder Bischöfe (wie im Bild bei den Lutheranern) wird es in der katholischen Kirche nicht geben
Nach dem Tod von Papst Franziskus wurde der Bericht der zweiten von ihm eingesetzten Studienkommission zum Frauendiakonat veröffentlicht, mit einem klaren Ergebnis: Es kann kein Frauendiakonat geben. Frauen als Diakonen, Priester oder Bischöfe (wie im Bild bei den Lutheranern) wird es in der katholischen Kirche nicht geben

Der Vati­kan hat, end­lich und über­ra­schend offi­zi­ell, den Abschluß­be­richt jener zwei­ten Stu­di­en­kom­mis­si­on zum Frau­en­dia­ko­nat ver­öf­fent­licht, die Papst Fran­zis­kus im April 2020 ein­setz­te, nach­dem die erste von ihm beauf­trag­te Kom­mis­si­on von 2016 nicht das gewünsch­te Ergeb­nis gelie­fert hat­te. Nun liegt es zum wie­der­hol­ten Male schrift­lich vor, daß ein Frau­en­dia­ko­nat als Teil des Wei­he­sa­kra­ments nicht mög­lich ist. Genau das wuß­te die Kir­che schon immer, nur eini­ge Kir­chen­krei­se, die einem kir­chen­frem­den Den­ken anhän­gen, woll­ten es nicht wahrhaben.

Die Fra­ge hat­te bereits zur Jahr­tau­send­wen­de im Auf­trag von Papst Johan­nes Paul II. eine Kom­mis­si­on der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on unter Lei­tung von Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger stu­diert und war zu einem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis gelangt, das Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler als dama­li­ger Glau­bens­prä­fekt 2013 mit den Wor­ten zusam­men­faß­te: Für Dia­ko­nin­nen gibt es kei­ne Grund­la­ge und für Dia­ko­nis­sen kei­nen Bedarf.

Fran­zis­kus igno­rier­te jedoch die Schluß­fol­ge­run­gen ein­fach und setz­te 2016 sei­ne eige­ne Kom­mis­si­on ein, deren Arbeit er mit Begleit­mu­sik ver­sah, um die Rich­tung vor­zu­ge­ben. Das Gan­ze über­spiel­te er mit der ver­meint­lich scherz­haf­ten Aus­sa­ge, die Sache eigent­lich nur auf die „lan­ge Bank“ schie­ben zu wol­len. Woll­te er mit einer so frei­mü­ti­gen Aus­sa­ge die Femi­ni­stin­nen pro­vo­zie­ren oder viel­mehr die Kon­ser­va­ti­ven in Sicher­heit wie­gen? Fakt ist: Nie­mand weiß bis heu­te, zu wel­chem Ergeb­nis die­se erste Berg­o­glio-Kom­mis­si­on gekom­men ist. Ihr Bericht wur­de nie ver­öf­fent­licht. Fran­zis­kus selbst deu­te­te ledig­lich an, nur „die Inter­es­sier­ten“, also die direkt Betei­lig­ten, wüß­ten das Ergebnis.

Ein Frauendiakonat als sakramentalen Weihegrad kann es nicht geben

Nun aber liegt der ver­öf­fent­lich­te Abschluß­be­richt der zwei­ten Berg­o­glio-Kom­mis­si­on vor und ist daher nicht mehr in der Grau­zo­ne der Unver­bind­lich­keit ver­steck­bar. Der soge­nann­te „Petroc­chi-Bericht“, benannt nach Kar­di­nal Giu­sep­pe Petroc­chi, dem eme­ri­tier­ten Erz­bi­schof von L’Aquila, ist im Tenor unüber­hör­bar: Ein Frau­en­dia­ko­nat als sakra­men­ta­len Wei­he­grad kann es nicht geben. 25 Jah­re nach der Stu­di­en­kom­mis­si­on von Johan­nes Paul II. unter der Lei­tung von Glau­bens­prä­fekt Joseph Ratz­in­ger steht die Kir­che noch immer dort, wo sie zu ste­hen hat. Die Berg­o­glio-Kom­mis­sio­nen bedeu­te­ten nur ver­geu­de­te Jah­re, in denen Klar­heit hät­te ver­mit­telt wer­den kön­nen, anstatt Unsi­cher­heit zu säen und moder­ni­sti­sche Krei­se in fal­schen Illu­sio­nen zu wiegen.

Daß Leo XIV. die Ver­öf­fent­li­chung aus­drück­lich ver­füg­te, ist kei­nes­wegs neben­säch­lich. Es bedeu­tet, daß das Urteil die­ser Kom­mis­si­on nicht ein­fach als inter­ner Fall für den Papier­korb abge­tan wer­den kann. Vor allem steht nun der spä­ter von Fran­zis­kus ein­ge­setz­te Stu­di­en­kreis Nr. 5 der Syn­oda­li­täts­syn­ode unter erheb­li­chem Druck. Dem argen­ti­ni­schen Pon­ti­fex genüg­ten näm­lich zwei Stu­di­en­kom­mis­sio­nen nicht, wes­halb er noch eine drit­te ein­setz­te. Wem er mit all die­sem frucht­lo­sen Akti­vis­mus Honig um den Mund schmie­ren woll­te, scheint offensichtlich. 

Kar­di­nal Vic­tor Manu­el Fernán­dez, genannt „Tucho“, wird nun schwer­lich erklä­ren kön­nen, war­um und wie zwi­schen dem 18. Sep­tem­ber 2025, dem Datum die­ses nun öffent­lich gemach­ten Berichts, und dem noch aus­ste­hen­den, aber bis Jah­res­en­de vor­ge­se­he­nen Abschluß­do­ku­ment des von ihm gelei­te­ten Stu­di­en­krei­ses Nr. 5 plötz­lich irgend­ein „theo­lo­gi­scher Ent­wick­lungs­sprung“ erfolgt sein soll­te, der das Urteil der Petroc­chi-Kom­mis­si­on auf den Kopf stel­len könn­te. Die Kir­che ent­wickelt sich – aber sie wider­spricht sich nicht. Ein eher­nes, viel­mehr gött­li­ches Gesetz, an dem sich Moder­ni­sten seit über hun­dert Jah­ren die Zäh­ne ausbeißen.

Ein klares Nein – wenn auch mit vatikanischem Konjunktiv im Nachsatz

Das sie­ben Sei­ten star­ke Doku­ment faßt die Arbeit der seit 2021 akti­ven Petroc­chi-Kom­mis­si­on zusam­men. Sein Schlüs­sel­satz ist unmiß­ver­ständ­lich: Die histo­ri­sche und theo­lo­gi­sche For­schung ver­bie­tet, Frau­en zum sakra­men­ta­len Dia­ko­nat zuzulassen.

Aus­schlag­ge­bend dafür sind Hei­li­ge Schrift, Tra­di­ti­on und ver­bind­li­ches Lehr­amt. Das ist die Art von For­mu­lie­rung, die in römi­schen Tex­ten einem voll­stän­di­gen Stopp­si­gnal gleich­kommt, auch wenn pflicht­schul­dig hin­zu­ge­fügt wur­de, daß ein „end­gül­ti­ges Urteil“ angeb­lich noch nicht mög­lich sei – wie es hin­ge­gen in bezug auf die Ordi­na­ti­on von Frau­en zum Prie­ster­tum bereits end­gül­tig feststeht.

Die­se ver­blie­be­ne Rest­for­mel klingt jedoch nach rei­ner diplo­ma­ti­scher Kos­me­tik. Wer den Bericht liest, der weiß: Die Kir­che kann und wird Frau­en das Wei­he­amt nicht öff­nen, das in sei­ner sakra­men­ta­len Struk­tur unlös­bar mit Chri­stus, der als Mann Mensch gewor­den ist, und dem drei­ge­stuf­ten Wei­he­amt ver­bun­den ist. 

Da das Wei­he­sa­kra­ment untrenn­bar und unge­teilt ist, Frau­en aber – was unbe­strit­ten ist –, weder Bischö­fe noch Prie­ster wer­den kön­nen, ist ihnen auch das Dia­ko­nat ver­schlos­sen. Die Kom­mis­si­on, die in ihrer ersten Sit­zungs­run­de zunächst noch fest­stell­te, die Bezeich­nung „Diakonin/​Diakonisse“ für Frau­en sei geschicht­lich unein­heit­lich, kam schon 2021 ein­stim­mig zu einem ent­schei­den­den Punkt: Die Fra­ge des Dia­ko­nats kön­ne nicht iso­liert betrach­tet wer­den, son­dern nur inner­halb der Sakramenten­theologie des Ordo – und dort führt kein Weg am Wei­he­cha­rak­ter vorbei.

Befürworter in einem inneren Widerspruch

Der Bericht listet nüch­tern die Argu­men­te der Befür­wor­ter auf: Gleich­be­rech­ti­gung, sozio­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen, Beru­fung auf Gala­ter 3,28 und der Vor­wurf, die Tra­di­ti­on wider­spre­che der „Gleich­heit der Geschlech­ter“. Alle wur­den geprüft. Sie sind eine Blau­pau­se des Femi­nis­mus und des eman­zi­pa­to­ri­schen Mar­xis­mus, doch damit sind sie – und das legt der Bericht unver­blümt offen – nicht kirch­lich, son­dern gesell­schafts­po­li­tisch motiviert.

Dem steht die theo­lo­gi­sche Sub­stanz gegen­über: Die Männ­lich­keit Chri­sti ist kein aus­tausch­ba­res Detail, son­dern gehört zur sakra­men­ta­len Zeichenstruktur.

Es geht also nicht um eine theo­lo­gi­sche Unsi­cher­heit, die einer Klä­rung bedürf­te, son­dern um eine Front­li­nie, an der kei­ne theo­lo­gi­schen Theo­rien, son­dern zwei Welt­bil­der kol­li­die­ren, von denen eines nicht kirch­li­cher Natur ist.

Neue nicht-sakramentale Dienste

Dazu gibt es eine Kehr­sei­te im Doku­ment: Mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit (9 zu 1 Stim­men) sprach sich die Kom­mis­si­on dafür aus, neue beauf­trag­te Dien­ste für Frau­en zu schaf­fen – die jedoch kein Wei­he­amt sind. Auch dar­in darf man in erster Linie poli­ti­sche und nicht theo­lo­gi­sche Erwä­gun­gen sehen. Zu weit ist das welt­li­che Den­ken in die Kir­che ein­ge­drun­gen. Man glaubt, Trost­pfla­ster ver­tei­len zu müs­sen. Zugleich ist die­ses Ver­schie­ben auf ein Neben­gleis in Wirk­lich­keit ein wei­te­rer Hin­weis auf die Unver­rück­bar­keit der Leh­re über das Wei­he­sa­kra­ment: Die Kir­che kann Frau­en kei­ne sakra­men­ta­le Wei­he spen­den; sie kann ihnen nur Dien­ste über­tra­gen, die die­sem Bereich nicht angehören.

Gera­de die­ser Punkt ent­larvt den seit Jahr­zehn­ten andau­ern­den Ver­such als unhalt­bar, aus sozio­lo­gi­schen Argu­men­ten eine sakra­men­ta­le Berech­ti­gung zu kon­stru­ie­ren. Wo das sakra­men­ta­le Fun­da­ment fehlt, ersetzt man es eben durch funk­tio­na­le Dien­ste – genau das wur­de von der Kom­mis­si­on empfohlen.

Genau dies wird aller­dings schon seit einem hal­ben Jahr­hun­dert ver­sucht durch die Zulas­sung von Mäd­chen als Mini­stran­ten, von Frau­en als Lek­to­ren und außer­or­dent­li­che Kom­mu­ni­ons­pen­der. Von einer Erfolgs­ge­schich­te lie­ße sich aber nicht reden. Viel­mehr schei­nen sich zu vie­le Kir­chen­män­ner damit zu ger­ne der Auf­ga­be ent­zo­gen zu haben, das Wei­he­sa­kra­ment, den Zugang dazu und über­haupt die Rol­le von Mann und Frau in der Lit­ur­gie zu erklären. 

Der unauflösliche Knoten: Einheit des Weihesakraments

Die hei­kel­ste Stel­le des Berichts ist damit zugleich sei­ne schlag­kräf­tig­ste: Wenn man Frau­en zum Dia­ko­nat zulie­ße, wäre nicht erklär­bar, war­um sie nicht auch zu Prie­stern und Bischö­fen geweiht wer­den könn­ten. Genau des­halb beharrt die Kom­mis­si­on auf einer kla­ren theo­lo­gi­schen Linie, die wider­spruchs­frei die kirch­li­che Leh­re bewahrt: Der Ordo ist ein ein­zi­ges Sakra­ment mit drei abge­stuf­ten Gra­den. Die „Öff­nung“ des ersten Gra­des wür­de logisch die Öff­nung aller Gra­de bedeu­ten – was dog­ma­tisch aus­ge­schlos­sen ist.

Was bleibt? Ein Nein, das nicht kippen kann

Der Petroc­chi-Bericht spricht eine Spra­che, die sich von übli­chen vati­ka­ni­schen Ver­ne­be­lun­gen abhebt, die man im berg­o­glia­ni­schen Pon­ti­fi­kat zu hören bekam. Sei­ne Ver­öf­fent­li­chung mar­kiert eine Zäsur: Eine von Papst Fran­zis­kus selbst ein­ge­setz­te Kom­mis­si­on hat ein kla­res, durch Schrift, Tra­di­ti­on und Lehr­amt abge­si­cher­tes Nein aus­ge­spro­chen – und gleich­zei­tig offen­ge­legt, daß die Gegen­ar­gu­men­te im Kern nicht theo­lo­gi­scher Natur sind, son­dern einem kir­chen­fer­nen Den­ken entstammen.

Daß man den­noch auf ein „nicht end­gül­tig“ ver­weist, und die­sen Punkt durch man­che Krei­se in näch­ster Zeit noch aus­gie­big beto­nen wird, ist nicht Aus­druck einer theo­lo­gi­schen Unklar­heit, son­dern ledig­lich jener römi­schen Real­po­li­tik, auf die man­che glau­ben nicht ver­zich­ten zu kön­nen. Doch wer die Logik des Berichts liest, erkennt deut­lich: Ein Frau­en­dia­ko­nat im sakra­men­ta­len Sin­ne ist theo­lo­gisch unmög­lich, ekkle­sio­lo­gisch destruk­tiv und lehr­amt­lich unhaltbar.

Nicht alles, was man sprach­lich offen­läßt, ist inhalt­lich offen. Der Petroc­chi-Bericht schließt die Tür – und das lau­tet in Rom, sach­lich und unmiß­ver­ständ­lich: finis quae­stio­nis.

Roma locu­ta, cau­sa finita.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL