Instrumentum doloris

Die Synodalitätssynode und ein Gehen um des Gehens willen, ohne darüber nachzudenken, wohin der Weg führt


Die Synodalitätssynode im kommenden Oktober wird in der großen Audienzhalle stattfinden, obwohl das derzeitige Pontifikat der Welt nichts zu sagen hat und der Kirche schadet, so der argentinische Blogger Caminante Wanderer.
Die Synodalitätssynode im kommenden Oktober wird in der großen Audienzhalle stattfinden, obwohl das derzeitige Pontifikat der Welt nichts zu sagen hat und der Kirche schadet, so der argentinische Blogger Caminante Wanderer.

Von Cami­nan­te Wanderer*

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Ver­gan­ge­ne Woche wur­de das Instru­men­tum labo­ris der zwei­jäh­ri­gen Syn­ode über die Syn­oda­li­tät, die am 4. Okto­ber beginnt, ver­öf­fent­licht. In katho­li­schen Medi­en waren bereits meh­re­re Ana­ly­sen des sehr lan­gen Doku­ments zu lesen. Es geht also nicht dar­um, das zu wie­der­ho­len, was bereits gesagt wur­de, und das ist gut so, aber wir kön­nen eini­ge Über­le­gun­gen am Ran­de anstellen.

Die erste ist die offen­sicht­lich­ste: All dies ist ein dèjá vu, eine neu gemisch­te Ver­si­on aller Initia­ti­ven des Fran­zis­kus-Pon­ti­fi­kats, vor­ge­schla­gen in einer etwas ande­ren Rei­hen­fol­ge und dies­mal mit einem neu­en Zusatz, der auf Schritt und Tritt in dem Doku­ment auf­taucht und der in den Ant­wor­ten der Kar­di­nä­le Hol­le­rich und Grech wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz zur Vor­stel­lung des Doku­ments stän­dig wahr­zu­neh­men war. Ich mei­ne den ona­ni­sti­schen Cha­rak­ter die­ser gan­zen Pan­to­mi­me, denn es ist nicht mehr nur das übli­che Gepre­di­ge über Homo­se­xu­el­le, die sich lie­ben wol­len, über Ver­hei­ra­te­te, die sich schei­den las­sen wol­len, über Prie­ster, die hei­ra­ten wol­len – also ein Ver­such, das sech­ste Gebot außer Kraft zu set­zen –, und über Frau­en, die zu Prie­stern geweiht wer­den wol­len, und über Mut­ter Erde, die nicht ver­ge­wal­tigt wer­den will, son­dern, so wird uns gesagt, das Wich­tig­ste an der Syn­ode ist die Syn­oda­li­tät selbst. Es ist ein Gehen um des Gehens wil­len, ohne dar­über nach­zu­den­ken, wohin der Weg führt; es ist die „Tat­sa­che, gemein­sam zu gehen und sich nach dem Erle­ben die­ser Erfah­rung zu fra­gen“, so Kar­di­nal Grech. Eben eine ona­ni­sti­sche Übung, erdacht von einem skru­pel­lo­sen Poli­ti­ker wie Papst Fran­zis­kus, der immer wie­der Kanin­chen aus dem Hut zau­bert, um eine gewis­se Initia­ti­ve in einer Kir­che auf­recht­zu­er­hal­ten, die sich in einer Pha­se der Auf­lö­sung befin­det; eine Art Herz­mas­sa­ge an einem ster­ben­den Pon­ti­fi­kat, die es ihm ermög­licht, wenn auch nur auf der Grund­la­ge von Kin­der­ras­seln, den Anschein von Vita­li­tät auf­recht­zu­er­hal­ten, ohne sich auch nur im gering­sten um die Kon­se­quen­zen zu küm­mern, die die zu die­sem Zweck ein­ge­setz­ten Mit­tel her­vor­ru­fen werden.

Denn eine wei­te­re, für jeden Beob­ach­ter offen­sicht­li­che Tat­sa­che ist, daß die­se Syn­ode ein wei­te­res der „rega­li­tos“ ist, der „klei­nen Geschen­ke“, die Fran­zis­kus sei­nem Nach­fol­ger hin­ter­las­sen wird (eine häu­fi­ge Pra­xis in den ver­gan­ge­nen Wochen: Erz­bi­schof Jor­ge Gar­cía Cuer­va als „klei­nes Geschenk“ für die Gläu­bi­gen von Bue­nos Aires; Erz­bi­schof José Cobo Cano als „klei­nes Geschenk“ für die Gläu­bi­gen von Madrid und Erz­bi­schof Luc Ter­lin­den als „klei­nes Geschenk“ für die Gläu­bi­gen von Brüs­sel). Der wirk­lich wich­ti­ge und end­gül­ti­ge Teil der Syn­oden ist das nach­syn­oda­le apo­sto­li­sche Schrei­ben, das der Papst mit dem eigent­li­chen Lehr­amt, das die Ver­samm­lung hin­ter­las­sen hat, in der Regel ein Jahr nach deren Abschluß ver­kün­det. Mit ande­ren Wor­ten: Ein sol­ches Doku­ment soll­te bis Herbst 2025 das Licht der Welt erblicken. Das Alter und die Gebre­chen von Papst Fran­zis­kus deu­ten dar­auf hin, daß er bis dahin die­se Welt ver­las­sen haben oder sich in den letz­ten Vor­be­rei­tun­gen dar­auf befin­den wird. „Sol­len sich jene dar­um küm­mern, die kom­men wer­den“, sagt er und folgt damit der stän­di­gen Tak­tik der pero­ni­sti­schen Regie­run­gen, die wir in Argen­ti­ni­en gut ken­nen: Wäh­rend ihrer Regie­rungs­zeit geben sie viel Geld aus, sie geben aus und ver­schul­den sich, um die Mas­sen und ihre eige­nen Taschen zu erfreu­en, und über­las­sen dann das „klei­ne Geschenk“, den von ihnen ver­ur­sach­ten Schla­mas­sel auf­zu­räu­men, den Regie­run­gen, die nach ihnen kommen.

Am 8. Juli 2013, etwas mehr als hun­dert Tage nach der Wahl Berg­o­gli­os, haben wir in die­sem Blog geschrie­ben, daß das begin­nen­de Pon­ti­fi­kat durch „das Feh­len von Taten und theo­lo­gisch kohä­ren­ten und vor allem aus­sa­ge­kräf­ti­gen Reden geprägt ist, was durch die täg­li­chen Berg­o­gle­mas wett­ge­macht wird, die im End­ef­fekt nichts sagen“. Nach fast vier­tau­send Tagen müs­sen wir das Glei­che wie­der­ho­len, und das Instru­men­tum labo­ris bestä­tigt dies. Papst Fran­zis­kus hat sei­ne römi­sche Kar­rie­re mit drei oder vier schlech­ten, zer­stö­ren­den Ideen begon­nen, um sich als der Papst zu prä­sen­tie­ren, der gekom­men ist, um die Kir­che zu erneu­ern und die Füh­rung des Pro­gres­sis­mus in der Welt zu ver­kör­pern, und am Ende sei­ner Kar­rie­re ange­kom­men, stel­len wir fest, daß er wei­ter­hin auf den­sel­ben drei oder vier abge­nutz­ten Ideen besteht (Ideen und nicht Taten, denn die Syn­oda­li­tät besteht nur aus Wor­ten; in der Tat ist sein Pon­ti­fi­kat dik­ta­to­risch), er beschleu­nigt das Tem­po der Kir­che in Rich­tung ihrer end­gül­ti­gen Auf­lö­sung und von sei­ner vor­geb­li­chen pla­ne­ta­ri­schen Füh­rung bleibt nichts übrig als kläg­li­ches Affen­thea­ter. Wie wir ein­gangs sag­ten, ein dèjá vu; die The­men und sogar die Wor­te, die im Instru­men­tum labo­ris ste­hen, hät­ten, ohne daß man dazu ein Pro­phet sein müß­te, eben­so schon vor zehn Jah­ren auf­ge­li­stet wer­den können.

Schließ­lich ist das Instru­men­tum labo­ri (ja, mit dem gro­ben latei­ni­schen Schreib­feh­ler, den es in sei­ner ersten Fas­sung auf­wies) ein Doku­ment, das als Lese­stoff nur für eini­ge weni­ge aske­ti­sche Spe­zia­li­sten bestimmt ist, wor­auf meh­re­re Kom­men­ta­to­ren hin­ge­wie­sen haben. Kein gläu­bi­ger Katho­lik von durch­schnitt­li­cher Fröm­mig­keit und gei­sti­ger Gesund­heit wird sich zu Hau­se hin­set­zen und einen der­ar­ti­gen Mam­mut­band ger­ne lesen, der einer Pro­duk­ti­on von uner­hör­ten Ton­nen von Wor­ten ent­spricht, die nichts aus­sa­gen, wie wir es in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren gese­hen haben. Und es wird ein Spek­ta­kel wer­den, wenn Prä­la­ten, Prie­ster, Ordens­frau­en, Lai­en und Lai­in­nen mit die­sen Sei­ten „arbei­ten“. Es wur­de ange­kün­digt, daß die Sit­zun­gen nicht mehr im Syn­oden­saal, son­dern in der gro­ßen vati­ka­ni­schen Audi­enz­hal­le Aula Pao­lo VI statt­fin­den wer­den, um aus­rei­chend Tische auf­stel­len zu kön­nen, um die sich die Arbeits­grup­pen von jeweils zwölf Per­so­nen ver­sam­meln wer­den. Die­se topo­gra­fi­sche Anord­nung „erleich­tert die Dyna­mik des Gesprächs im Geist“, erklär­te Pater Gia­co­mo Costa SJ. Es wäre nicht ver­wun­der­lich, wenn eine Grup­pe von Erzie­hungs­wis­sen­schaft­le­rin­nen die Syn­oden­vä­ter und „-müt­ter“ auf­for­dern wür­de, ihre Ideen und Gefüh­le durch klei­ne, in Knet­mas­se gekne­te­te Tie­re aus­zu­drücken und gemein­sam ein Pla­kat zu erstel­len, das mit einer Thea­ter­auf­füh­rung endet. Alles ganz im Sin­ne des Geistes.

Wie bei der Ama­zo­nas­syn­ode, die die Kir­che in gro­ßen Streß stürz­te, um zu nichts wei­ter als dem gro­tes­ken Pacha­ma­ma-Spek­ta­kel zu füh­ren, die im Peters­dom her­um­ge­tra­gen (und in den Tiber gewor­fen) wur­de, wer­den wir die­ses Jahr ein wei­te­res pathe­ti­sches päpst­li­ches Varie­té erle­ben, das wie das gesam­te Pon­ti­fi­kat dazu bestimmt ist, den Gläu­bi­gen einen Ärger­nis zu berei­ten und der Braut Chri­sti Scha­den zuzufügen.

*Cami­nan­te Wan­de­rer ist ein argen­ti­ni­scher Blogger.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va. (Screen­shots)

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3 Kommentare

  1. Aha,man erwar­tet einen vor­zei­ti­gen Abgang des Papstes!
    Als Christ erwar­te ich im Fall Fran­zis­kus allein ein kraft­vol­les Han­deln Gottes.
    Ich bin mir sicher, dass Fran­zis­kus nicht einen ach so gewöhn­li­chen Tod fin­den wird, son­dern dass Gott selbst durch eine kraft­vol­le Tat des Gerichts Sei­ne Anwe­sen­heit und Voll­macht demonstriert.

    • Du sollst den Herrn dei­nen Gott nicht her­aus­for­dern.….. so steht es geschrie­ben. Ich bin mir sicher Sie spre­chen für vie­le hier, aber ihr Wunsch kann ganz schnell nach hin­ten los gehen. 

      Wenn ich den all­mäch­ti­gen oder die aller­see­lig­ste Jung­frau her­aus­ge­for­dert habe, dann wen­de­te sich das Blatt gegen mich. Dar­aus habe ich gelernt:
      Wir müs­sen uns im Her­ren Sin­ne fas­sen und getrost was geschieht gesche­hen las­sen. Er macht es rich­tig und gut für uns.
      Beten wir ohne unter­lass das ist das wichtigste.

  2. In Mat­thä­us, Kapi­tel 7 gibt uns der Herr das Gleich­nis über den guten und den schlech­ten Baum. „Jeder gute Baum bringt gute Früch­te her­vor, ein schlech­ter Baum aber schlech­te. Ein guter Baum kann kei­ne schlech­ten Früch­te her­vor­brin­gen und ein schlech­ter Baum kei­ne guten. Jeder Baum, der kei­ne guten Früch­te her­vor­bringt, wird umge­hau­en und ins Feu­er gewor­fen. An ihren Früch­ten also wer­det ihr sie erkennen.“ 

    Das sagt uns prak­tisch fol­gen­des. Erstens kön­nen wir den schlech­ten Baum an den schlech­ten Früch­ten erken­nen. Zwei­tens kön­nen wir erwar­ten, daß kei­ne guten Früch­te her­vor­ge­bracht wer­den. Wohl­ge­merkt: kei­ne. Drit­tens reicht es zur Beur­tei­lung, nur ein­mal eine auf­fäl­lig schlech­te Frucht des Bau­mes zu sehen, um zu wis­sen, wie es um alle ande­ren Früch­te aus­se­hen wird.

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