US-Bischofskonferenz wagt den Aufstand nicht

Antrag auf Offenlegung der McCarrick-Akte abgelehnt

US-Bischofskonferenz wagt den Aufstand nicht.
US-Bischofskonferenz wagt den Aufstand nicht.

(Washing­ton) Als am Mon­tag bekannt wur­de, daß Papst Fran­zis­kus kei­ne Beschlüs­se der US-Bischofs­kon­fe­renz in Sachen sexu­el­lem Miß­brauchs­skan­dal „wünscht“, herrsch­te unter den Bischö­fen eine Schock­star­re. Man­che Beob­ach­ter spe­ku­lier­ten, daß sich die Bischö­fe auf­raf­fen könn­ten, dem päpst­li­chen „Wunsch“ zu trot­zen. Der ehe­ma­li­ge Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, for­der­te sie öffent­lich dazu auf, wie „muti­ge Hir­ten“ zu han­deln und nicht wie „ver­äng­stig­te Scha­fe“. Doch am Ende setz­ten sich nicht erste­re durch.

Wer dach­te, die US-Bischö­fe könn­ten im Kampf gegen den sexu­el­len Miß­brauch durch Kle­ri­ker ernst machen, viel­leicht gera­de wegen der päpst­li­chen Inter­ven­ti­on, sehen sich ent­täuscht. Gestern stimm­te die Mehr­heit gegen einen Antrag, Rom um die Öff­nung der Akte von Ex-Kar­di­nal Theo­do­re McCarrick zu ersu­chen.

„Das Ver­bot durch Rom, in der Voll­ver­samm­lung der Bischö­fe in Bal­ti­more Maß­nah­men gegen den sexu­el­len Miß­brauch zu beschlie­ßen, schien vie­len Bischö­fe die Augen geöff­net zu haben“, so Info­Va­ti­ca­na.

Kar­di­nal DiNar­do, der Vor­sit­zen­de der Bischofs­kon­fe­renz, ließ sei­nen Unmut über den römi­schen Ein­griff erken­nen: „Das klingt nicht sehr nach Syn­oda­li­tät“.

Bischof Strick­land von Tyler in Texas warn­te vor der „homo­se­xu­el­len Infil­tra­ti­on“ im Kle­rus, und Erz­bi­schof Cor­di­leo­ne von San Fran­cis­co in Kali­for­ni­en for­der­te eine wis­sen­schaft­li­che Stu­die über den Zusam­men­hang zwi­schen Homo­se­xua­li­tät und sexu­el­lem Miß­brauch im Kle­rus.

„Es schien sich etwas zu bewe­gen im schla­fen­den ame­ri­ka­ni­schen Epi­sko­pat.“

Doch am Ende wirk­ten „Ein­schlä­fe­rung und Ein­schüch­te­rung“, so ein US-Beob­ach­ter. Am letz­ten Tag der Herbst­voll­ver­samm­lung lehn­te die Mehr­heit der Bischö­fe mit 137 gegen 83 Stim­men (bei drei Ent­hal­tun­gen) den Antrag ab, den Hei­li­gen Stuhl auf­zu­for­dern, alle Doku­men­te über das sexu­el­le Fehl­ver­hal­ten des ehe­ma­li­gen Erz­bi­schofs von Washing­ton und Kar­di­nals McCarrick zu ver­öf­fent­li­chen.

Der ehe­ma­li­ge Nun­ti­us in Washing­ton, Erz­bi­schof Viganò, ver­wies im Dos­sier von Ende August und seit­her wie­der­holt dar­auf hin, daß alle Bewei­se für sei­ne Anschul­di­gun­gen in Rom im Akt über McCarrick zu fin­den sei­en. Eine ent­spre­chen­de Auf­for­de­rung zur Offen­le­gung durch die US-Bischö­fe wäre eine direk­te Kampf­an­sa­ge an Papst Fran­zis­kus gewe­sen. Die­ser wei­gert sich seit dem 26. August, dem Tag der Ver­öf­fent­li­chung des Viganò-Dos­siers, auf die Anschul­di­gun­gen zu ant­wor­ten.

Nun leg­te sein Haus­va­ti­ka­nist Andrea Tor­ni­el­li ein gan­zes Buch gegen Erz­bi­schof Viganò vor, ohne die Anschul­di­gun­gen wider­le­gen zu kön­nen. Statt­des­sen ver­sucht er die Schuld an Fehl­ent­wick­lun­gen den Vor­gän­gern von Papst Fran­zis­kus anzu­la­sten und eine Ver­schwö­rungs­theo­rie zu ver­brei­ten. Das Viganò-Dos­sier sei in Wirk­lich­keit „ein Putsch­ver­such“ gegen Papst Fran­zis­kus, so sein Medi­en­be­ra­ter Tor­ni­el­li.

Trotz der Unru­he, dem Rumo­ren und dem Unmut, der in die­sen Tagen in der US-Bischofs­kon­fe­renz herrsch­ten, schreck­te die Mehr­heit, als es dar­auf ankam, vor einer Kon­fron­ta­ti­on mit Rom zurück.

Den Antrag, Rom zur Akten­öff­nung auf­zu­for­dern, hat­te Bischof Earl Boyea von Lan­sing in Michi­gan ein­ge­bracht. Ein muti­ger und gewag­ter Schritt. In der Kir­che, beson­ders in höhe­ren Kir­chen­krei­sen, hat sich her­um­ge­spro­chen, daß Papst Fran­zis­kus nach­tra­gend ist.

Doch die Mehr­heit der Bischö­fe scheu­te den Kon­flikt. Die Fra­ge nach den Bewei­sen könn­te durch die Akten­öff­nung geklärt wer­den, doch dar­aus wird vor­erst nichts. Die Abstim­mungs­nie­der­la­ge könn­te viel­mehr die glau­bens­treu­en Bischö­fe, die ent­schlos­sen sind, den Augi­as­stall zu rei­ni­gen, wei­ter ent­mu­ti­gen. Aus Rom kön­nen sie nicht  mit Hil­fe rech­nen, son­dern mit Wider­stand, wie der päpst­li­che Verbots-„Wunsch“ am Beginn der Voll­ver­samm­lung ihnen vor Augen führ­te.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Info­Va­ti­ca­na