Bischof im Hungerstreik

Protest gegen die Unterdrückung der Kirche und des Landes durch das sandinistische Regime

Bischof Rolando José Álvarez Lagos von Matagalpa in Nicaragua befindet sich seit dem Abend des 19. Mai in einem unbefristeten Hungerstreik, um gegen die Verfolgung der Kirche und das repressive Regime von Daniel Ortega und der Sandinisten zu protestieren.
Bischof Rolando José Álvarez Lagos von Matagalpa in Nicaragua befindet sich seit dem Abend des 19. Mai in einem unbefristeten Hungerstreik, um gegen die Verfolgung der Kirche und das repressive Regime von Daniel Ortega und der Sandinisten zu protestieren.

(Mana­gua) In Nica­ra­gua ist ein Bischof in den Hun­ger­streik getre­ten, um gegen die Repres­si­on des san­di­ni­sti­schen Regimes zu pro­te­stie­ren, mit der die Kir­che „zum Schwei­gen“ gebracht wer­den soll. In San­ta Mar­ta gilt das Orte­ga-Regime hin­ge­gen als „befreun­de­te“ Macht.

Bischof Rolan­do José Álva­rez Lagos, Bischof von Mata­g­al­pa, ist am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag, dem 19. Mai, in den unbe­fri­ste­ten Hun­ger­streik getre­ten. Auf die­se dra­sti­sche Wei­se pro­te­stiert der Ober­hir­te der zen­tral­ni­ca­ra­gua­ni­schen Diö­ze­se gegen die staat­li­che Unter­drückung der Kir­che in dem mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Land.

Die Lage sei uner­träg­lich gewor­den, so der 2011 von Papst Bene­dikt XVI. ernann­te Diö­ze­san­bi­schof gegen­über der inter­na­tio­na­len Pres­se­agen­tur AFP:

„Die Regie­rung woll­te immer eine stum­me Kir­che. Sie will nicht, daß wir spre­chen. Sie will nicht, daß wir den Men­schen Hoff­nung machen, ihnen ver­kün­den oder Unge­rech­tig­keit anpran­gern. Aber wenn wir schwei­gen, wer­den die Stei­ne schreien.“

Msgr. Álva­rez ist nicht nur Bischof von Mata­g­al­pa, son­dern zugleich auch Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor von Estelí, einer nörd­lich angren­zen­den Diö­ze­se, die seit Juli 2021 vakant ist. Er spricht somit für zwei der ins­ge­samt neun nica­ra­gua­ni­schen Bis­tü­mer. Zudem lei­tet er den Bereich Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Nica­ra­gua­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz.

2021 wur­den von der san­di­ni­sti­schen Orte­ga-Regie­rung 40 Regime­geg­ner ver­haf­tet, dar­un­ter sie­ben Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten. Der sozia­li­sti­sche Prä­si­dent miß­brauch­te die Staats­macht, um sei­ne direk­ten Kon­kur­ren­ten aus­zu­schal­ten. Sie wur­den zu bis zu drei­zehn Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt. Zugleich wur­den Dut­zen­de von Orga­ni­sa­tio­nen ver­bo­ten und die Orga­ni­sa­ti­on Ame­ri­ka­ni­scher Staa­ten (OAS) des Lan­des ver­wie­sen. Unter die­sen Bedin­gun­gen ließ sich Orte­ga im Vor­jahr zum vier­ten Mal in das Amt des Staats- und Regie­rungs­chefs wählen.

„Jeder in Nica­ra­gua erlebt eine Situa­ti­on des Ter­rors. Nicht nur die Ordens­leu­te und Prie­ster leben in einer Situa­ti­on per­ma­nen­ter Schi­ka­nen, son­dern auch die über­wie­gen­de Mehr­heit der Nica­ra­gua­ner“, so Bischof Álvarez.

Zahl­rei­che Gläu­bi­ge soli­da­ri­sier­ten sich mit dem Bischof und sind über sozia­le Netz­wer­ke und mit Gebe­ten in den Pfar­rei­en aktiv geworden.

Der unmit­tel­ba­re Anlaß für Bischof Álva­rez am Don­ners­tag abend in den Hun­ger­streik zu tre­ten, war sei­ne demon­stra­ti­ve Über­wa­chung durch die Poli­zei. Sie brach­te das Faß zum Über­lau­fen. Er habe die Poli­zi­sten auf­ge­for­dert, ihn nicht mehr zu ver­fol­gen. Die­se ant­wor­te­ten ihm, auf „höhe­ren Befehl“ zu handeln.

Der Bischof nahm dar­auf Zuflucht in einer Pfar­rei in Mana­gua, wor­auf die Kir­che von der Poli­zei umstellt wurde.

Pfarr­haus und Pfarr­kir­che in Mana­gua, wo Bischof Álva­rez Zuflucht such­te, wer­den seit­her von der Poli­zei überwacht.

Aus der Pfar­rei wur­de eine Mes­se des Bischofs über den Fern­seh­ka­nal der Bischofs­kon­fe­renz aus­ge­strahlt, bei der er deut­li­che Wor­te fand. Dar­auf kapp­te die staat­li­che Medi­en­auf­sichts­be­hör­de den Kanal der Bischö­fe aus dem Kabelfernsehnetz.

Cla­ro Nica­ra­gua, der Betrei­ber eines Kabel­net­zes, gab die Straf­ak­ti­on auf Twit­ter bekannt:

„Wir infor­mie­ren unse­re Abon­nen­ten von Fern­seh­ge­rä­ten dar­über, daß gemäß den Anwei­sun­gen von Tel­cor, der Regu­lie­rungs­be­hör­de, Kanal 51, Canal Cató­li­co, aus dem Pro­gramm­netz der Dien­ste ent­fernt wird.“

Laut Medi­en­be­rich­ten gilt die Sank­ti­on für alle Kabel­netz­be­trei­ber des Landes.

Der san­di­ni­sti­sche Staats­prä­si­dent Dani­el Orte­ga klag­te die Bischö­fe wie­der­holt an, „Putsch­ver­schwö­rer“ zu sein, weil sie Demon­stran­ten, die 2018 nach bru­ta­len Poli­zei­an­grif­fen zur Nie­der­schla­gung der Pro­te­ste sich in Kir­chen flüch­te­ten, Auf­nah­me gewährt hatten.

Die Bezie­hun­gen zwi­schen Kir­che und Staat waren jedoch schon zuvor zer­rüt­tet, da sich das Regime immer mas­si­ver in die Ange­le­gen­hei­ten der Kir­che ein­misch­te und eine immer restrik­ti­ve­re Kon­trol­le aus­übt. Die Bemü­hun­gen um einen Dia­log, der von den Bischö­fen ver­sucht wur­de, auch um Gesprä­che zwi­schen Regie­rung und Oppo­si­ti­on zu ver­mit­teln, blie­ben fruchtlos.

Obwohl die nica­ra­gua­ni­sche Ver­fas­sung nur zwei Amts­zei­ten eines Prä­si­den­ten vor­sah, ließ sich Orte­ga bereits zum vier­ten Mal hin­ter­ein­an­der wäh­len. Die­ser Ver­fas­sungs­bruch führ­te zu star­ken Ver­wer­fun­gen im Land. Hin­zu kommt, daß Orte­ga den Staat wie sein Fami­li­en­un­ter­neh­men führt und Posi­tio­nen mit Ver­wand­ten und eng­sten Ver­trau­ten besetzt. Rosa­rio Muril­lo, sei­ne Ehe­frau, ist Vize­prä­si­den­tin des Landes.

Im März wur­de dem Apo­sto­li­schen Nun­ti­us für Nica­ra­gua, Erz­bi­schof Wal­de­mar Som­mer­tag, die Akkre­di­tie­rung ent­zo­gen und er des Lan­des ver­wie­sen. Der Vati­kan zeig­te sich „ver­wun­dert“.

Vize­prä­si­den­tin Muril­lo warn­te im April:

„Jene, die es noch wagen im Namen Jesu Chri­sti zu schrei­en, sol­len sich schämen.“

Das sozia­li­sti­sche Regime von Dani­el Orte­ga und sei­ner mar­xi­sti­schen San­di­ni­sten ver­sucht seit 15 Jah­ren sich an der Macht fest­zu­bei­ßen. Sie hat­ten bereits von 1979 bis 1990 regiert, als ein mit Mos­kau ver­bün­de­tes Regime, muß­ten aber nach dem Zusam­men­bruch des Ost­blocks das Feld räu­men. 2006 gelang Orte­ga nach einer Rei­he uner­war­te­ter Ereig­nis­se, dar­un­ter die Zer­strit­ten­heit der bür­ger­li­chen Par­tei­en, mit 38 Pro­zent der Stim­men die Wahl zum Staats- und Regierungschef.

Soli­da­ri­täts­er­klä­rung der Bischöfe

Die San­di­ni­sti­sche Befrei­ungs­front (FSLN) stützt ihre Macht vor allem auf die Kon­trol­le der Haupt­stadt Mana­gua, deren Bür­ger­mei­ster sie seit 2001 unun­ter­bro­chen stellt. Die amtie­ren­de Bür­ger­mei­ste­rin Rey­na Rue­da wur­de 2018 laut amt­li­chem Ergeb­nis mit sagen­haf­ten 87,6 Pro­zent der Stim­men gewählt.

Wäh­rend die Kir­che in Nica­ra­gua lei­det, genießt das Regime nach wie vor die Sym­pa­thien von Papst Fran­zis­kus. Das argen­ti­ni­sche Kir­chen­ober­haupt hat­te zuvor zahl­rei­che Schrit­te zur Reha­bi­li­tie­rung füh­ren­der Ver­tre­ter der mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie unter­nom­men, die ein zen­tra­les Ele­ment der mar­xi­sti­schen Par­tei FSLN dar­stellt (sie­he auch Miguel D’Escoto – San­di­nist, Befrei­ungs­theo­lo­ge, mar­xi­sti­scher Revo­lu­tio­när, sus­pen­dier­ter Prie­ster – von Papst Fran­zis­kus wie­der­ein­ge­setzt). Auch durch die Eme­ri­tie­rung eines regime­kri­ti­schen Bischofs kam Fran­zis­kus Orte­ga entgegen. 

Der Vati­kan stell­te sich bis­her taub zu den Ereig­nis­sen in Nicaragua.

Im Gegen­satz dazu spra­chen die ande­ren Bischö­fe Nica­ra­gu­as Bischof Álva­rez gestern ihre Soli­da­ri­tät aus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Face­book (Screen­shots)

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