Papst Franziskus emeritiert Kritiker von Daniel Ortega

Das sandinistische Regime und die Parlamentswahlen 2021

Bischof Juan Abelardo Mata Guevara SDB, einer der heftigsten Kritiker von Daniel Ortega und seinem Regime, wurde von Papst Franziskus emeritiert.
Bischof Juan Abelardo Mata Guevara SDB, einer der heftigsten Kritiker von Daniel Ortega und seinem Regime, wurde von Papst Franziskus emeritiert.

(Mana­gua) Gestern, drei­zehn Tage nach Voll­endung sei­nes 75. Lebens­jah­res, eme­ri­tier­te Papst Fran­zis­kus den Bischof von Estelí und Gene­ral­se­kre­tär der Nica­ra­gua­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz Msgr. Juan Abel­ar­do Mata Gue­va­ra SDB. Damit ver­schaff­te er der san­di­ni­sti­schen Regie­rung von Dani­el Orte­ga eine Ver­schnauf­pau­se. Bischof Mata gehör­te zu den ent­schie­de­nen Kri­ti­kern des Orte­ga-Regimes, das die katho­li­sche Kir­che verfolgt.

Wenn mög­lich erfol­gen die Eme­ri­tie­rung und die Ernen­nung eines Nach­fol­gers zeit­gleich. Aus gesund­heit­li­chen oder ande­ren Grün­den kann dem nicht so sein. Bischof Mata, ein Sale­sia­ner, befin­det sich bei guter Gesund­heit und ein Nach­fol­ger wur­de nicht ernannt. Das Kir­chen­recht hät­te erlaubt, den bis­he­ri­gen Bischof nach sei­ner Eme­ri­tie­rung zum Apo­sto­li­schen Admi­ni­stra­tor der Diö­ze­se zu ernen­nen. Auch das ist nicht gesche­hen. Es spricht viel dafür, daß es vor allem dar­um ging, den dem Regime lästi­gen Ober­hir­ten zu entfernen.

Papst Fran­zis­kus ernann­te statt­des­sen Msgr. Rolan­do José Álva­rez Lago, den Bischof von Mata­g­al­pa, zum Apo­sto­li­schen Admi­ni­stra­tor von Estelí.

Bischof Mata warn­te bereits 2009 vor dem san­di­ni­sti­schen Regime, was ihm damals die Kri­tik von Dani­el Orte­ga, aber auch von ande­ren Kir­chen­ver­tre­tern ein­brach­te. Seit 2011 regiert Orte­ga das Land durch einen offe­nen Ver­fas­sungs­bruch und bei Wider­spruch mit eiser­ner Hand. „Die trau­ri­ge Wahr­heit ist, daß die Ver­fas­sung für die Regie­ren­den nur noch ein Stück Toi­let­ten­pa­pier ist“, so Bischof Mata damals. Orte­ga baut Nica­ra­gua in ein sozia­li­sti­sches Fami­li­en­un­ter­neh­men um. Sei­ne Frau ist sei­ne Vize­prä­si­den­tin und sie­ben sei­ner Kin­der beset­zen füh­ren­de Posi­tio­nen im Staat.

Die San­di­ni­sti­sche Befrei­ungs­front (FSLN) spricht heu­te nicht mehr vom Kom­mu­nis­mus, son­dern vom Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­mus und ist Teil des links­ra­di­ka­len São Pau­lo Forum. Unver­än­dert blieb die befrei­ungs­theo­lo­gi­sche Kom­po­nen­te, die in ihr ent­hal­ten ist.

2020 for­der­te Bischof Mata in einer öffent­li­chen Bot­schaft die Anfüh­rer des Regimes auf, sich nicht an die Macht zu klam­mern, son­dern ihren „Ego­is­mus“ zu über­win­den, um den Weg frei­zu­ma­chen, damit die für den kom­men­den 7. Novem­ber vor­ge­se­he­nen Par­la­ments­wah­len „frei und trans­pa­rent“ statt­fin­den können.

Unre­gel­mä­ßig­kei­ten bei den Wah­len durch Schi­ka­nen, Will­kür und Behin­de­rung wer­den seit 2011 berich­tet. Inter­na­tio­na­le Wahl­be­ob­ach­ter wur­den 2016 von Orte­ga nicht gedul­det. Seit­her kon­trol­liert der FSLN 76 Pro­zent der Parlamentssitze.

Die Bezie­hun­gen zwi­schen den San­di­ni­sten und der Kir­che waren nie gut. Bereits wäh­rend der ersten san­di­ni­sti­schen Dik­ta­tur von 1979 bis 1990 wur­de die Kir­che vom Regime ver­folgt, wäh­rend Ver­tre­ter der mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie, wie die Prie­ster­brü­der Car­denal, als Mini­ster in der Regie­rung saßen. Legen­där ist die Papst­rei­se von Johan­nes Paul II. 1983 nach Nica­ra­gua, als er den 2020 ver­stor­be­nen Prie­ster und Mar­xi­sten Erne­sto Car­denal, der ihn am Flug­ha­fen begrüß­te, zum sofor­ti­gen Rück­tritt als Kul­tur­mi­ni­ster auf­for­der­te. Zur Papst­mes­se in Mana­gua wur­den orga­ni­sier­te Anhän­ger des Regimes beor­dert, die den vor­de­ren Bereich um den Papst­al­tar besetz­ten. Dadurch soll­ten Zustim­mungs­be­kun­dun­gen für den Papst und ent­spre­chen­de uner­wünsch­te Pres­se­bil­der ver­hin­dert wer­den. Statt­des­sen wur­de Johan­nes Paul II. mit dem „Unmut des Vol­kes“ kon­fron­tiert, der in Wirk­lich­keit ein geziel­tes Stör­ma­nö­ver der san­di­ni­sti­schen Macht­ha­ber war.

Seit der Rück­kehr Orte­gas an die Macht im Jahr 2006 ver­schlech­ter­te sich das Ver­hält­nis zwi­schen Staat und Kir­che zuse­hends. 2018 kam es zum end­gül­ti­gen Bruch, als Orte­ga den Bischö­fen vor­warf, einen „Putsch“ zu unter­stüt­zen. Bei der bru­ta­len Nie­der­kämp­fung von Pro­te­sten durch das Regime star­ben meh­re­re hun­dert Men­schen. Etli­che gel­ten noch immer als vermißt.

Zur Ein­schüch­te­rung der Kir­che wur­den von den San­di­ni­sten meh­re­re Got­tes­häu­ser geschän­det. Dabei wur­de im August 2020 in der Kathe­dra­le von Mana­gua die fast 400 Jah­re alte Dar­stel­lung Sang­re de Cri­sto ver­brannt, zu deren Füßen Johan­nes Paul II. gekniet und gebe­tet hatte.

Als die Bischö­fe des Lan­des mit Orte­ga bra­chen, schrieb ihm Papst Fran­zis­kus eine Gruß­bot­schaft, die das Regime pro­pa­gan­di­stisch aus­schlach­ten konn­te. Die Kir­che in Nica­ra­gua wird ver­folgt von Freun­den des Pap­stes.

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Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Youtube/EWTN (Screen­shot)

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