Papst Franziskus wünscht „Amazonas-Synode“ — Fahrplan zur Abschaffung des Priesterzölibats?

Papst wünscht eine "Amazonas-Synode". Folgt ein Deja-vu: nach den wiederverheirateten Geschiedenen nun gegen den Priesterzölibat?
Papst wünscht eine "Amazonas-Synode". Folgt ein Deja-vu: nach den wiederverheirateten Geschiedenen nun gegen den Priesterzölibat?

(Rom) Papst Fran­zis­kus wünscht die Ein­be­ru­fung einer „Ama­zo­nas-Syn­ode“. Das sag­te er den perua­ni­schen Bischö­fen, die sich zum Ad-limi­na-Besuch in Rom auf­hal­ten, wie der Osser­va­to­re Roma­no in sei­ner heu­ti­gen Aus­ga­be berich­tet. Die Ankün­di­gung ist unmiß­ver­ständ­lich und bestä­tigt Kri­ti­ker, die seit einem Jahr dar­auf hin­wei­sen, daß hin­ter den Kulis­sen eine sol­che Syn­ode längst vor­be­rei­tet wird. Sie sehen dar­in den näch­sten Schritt auf dem Weg zu einem ver­hei­ra­te­ten „Ama­zo­nas-Prie­ster­tum“. An einem sol­chen wird von pro­gres­si­ven Bischö­fen, unter der Feder­füh­rung des ehe­ma­li­gen bra­si­lia­ni­schen Kuri­en­kar­di­nals Clau­dio Hum­mes und des eme­ri­tier­ten öster­rei­chi­schen Mis­si­ons­bi­schof Erwin Kräut­ler, seit 2014 inten­siv gear­bei­tet.

„Heute hat uns der Heilige Vater gesagt, daß er eine Synode für die Amazonas-Völker möchte“

Perus Bischöfe zum Ad-limina-Besuch bei Papst Franziskus
Perus Bischö­fe zum Ad-limi­na-Besuch bei Papst Fran­zis­kus

Seit dem 15. Mai befin­den sich die perua­ni­schen Bischö­fe zum Ad-limi­na-Besuch in Rom. Der Besuch wird bis zum 21. Mai dau­ern. Pri­mas von Peru ist mit Kar­di­nal Juan Luis Cipria­ni Thor­ne eine der pro­fi­lier­te­sten Gestal­ten unter den Bischö­fen Latein­ame­ri­kas. Der Erz­bi­schof von Lima, Ange­hö­ri­ger des Opus Dei, ist aber nicht Vor­sit­zen­der der Perua­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. Die­ser bedarf einer Mehr­heit unter den Bischö­fen, wäh­rend Kar­di­nal Cipria­ni Thor­ne zuneh­mend iso­liert ist. Die zuletzt 2013 unter­nom­me­nen Dis­kre­di­tie­rungs­ver­su­che gegen den „katho­li­schen Fel­sen in der latein­ame­ri­ka­ni­schen Bran­dung“ (Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigo­ña) schei­nen auf­ge­ge­ben wor­den zu sein. Aus Rom erfol­gen kei­ne Bischofs­er­nen­nun­gen mehr, die den Kar­di­nal stüt­zen. Im Kon­flikt mit der rebel­li­schen Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Peru ließ der Vati­kan den Kar­di­nal im Regen ste­hen und ent­zog ihm sogar das Amt des Groß­kanz­lers. Seit­her ist offen­kun­dig, wen Papst Fran­zis­kus in Peru unter­stützt und wen nicht. Einen offe­nen Kon­flikt gegen den Kar­di­nal sucht nie­mand mehr, denn Ende 2018 voll­endet er sein 75. Lebens­jahr und muß Papst Fran­zis­kus sei­nen Rück­tritt anbie­ten.

In sei­ner Aus­ga­be vom 17. Mai titel­te der Osser­va­to­re Roma­no: „Eine Syn­ode für die Völ­ker des Ama­zo­nas“. Dabei han­delt es sich um ein Inter­view mit Erz­bi­schof Sal­va­dor Piñei­ro Garcà­a‑Calderón, dem Vor­sit­zen­den der Perua­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz.

Osser­va­to­re Roma­no: Ist die Mis­si­on unter den indi­ge­nen Völ­kern eine ande­re gro­ße Auf­ga­be in Ihrem Land?

Erz­bi­schof Garcà­a‑Calderón: Heu­te hat uns der Hei­li­ge Vater gesagt, daß er eine Syn­ode für die Ama­zo­nas-Völ­ker in Vene­zue­la, Kolum­bi­en, Ecua­dor, Peru, Boli­vi­en und Bra­si­li­en möch­te. 63 Pro­zent von Peru gehö­ren zum Ama­zo­nas-Becken. Wir haben aber Ama­zo­ni­en den Rücken gekehrt, sind gegen­über dem Lei­den und der Aus­gren­zung wenig sen­si­bel. Wenig Per­so­nal, die Ent­fer­nun­gen. Es ist kei­ne leich­te Zone, und der Papst ist sehr besorgt. Als das Pro­blem mit dem Kau­tschuk war, mit der Aus­beu­tung: Wer war der Ein­zi­ge, der gespro­chen hat? Der hei­li­ge Pius X. Er war der Ein­zi­ge, der die Indi­os unse­res Lan­des ver­tei­digt hat. Es ist aber schwie­rig die ein­ge­bo­re­nen Völ­ker zu evan­ge­li­sie­ren. Seit kur­zem wur­de die Aus­saat begon­nen. Eini­ge mei­ner Brü­der, die in jener Zone sind, spre­chen die Ein­ge­bo­re­nen­spra­chen, um sich der Bevöl­ke­rung mehr anzu­nä­hern.

Alter Traum der kirchlichen 68er-Bewegung: Aufhebung des Priesterzölibats

Papst Fran­zis­kus reg­te die Ein­be­ru­fung einer Ama­zo­nas-Syn­ode an und ist damit Stich­wort­ge­ber und Schritt­ma­cher. Mit dem Stich­wort Ama­zo­nas-Syn­ode ist die „Ama­zo­nas-Werk­statt“ von Kar­di­nal Hum­mes ver­bun­den und ein alter Traum der kirch­li­chen 68er-Bewe­gung: die Auf­he­bung des Prie­ster­z­ö­li­bats und die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zum Prie­ster­tum.

Ende 2015: Die zwei­te Bischofs­syn­ode über die Fami­lie war hauch­dünn an einem Eklat vor­bei­ge­schrammt und hat­te mit einem bit­te­ren Unent­schie­den geen­det. Wäh­rend alle Betei­lig­ten erschöpft schie­nen, berich­te­te der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster erst­mals von Vor­be­rei­tun­gen im päpst­li­chen Umfeld, die näch­ste Bischofs­syn­ode zum The­ma Prie­ster­tum ein­zu­be­ru­fen und den Zöli­bat in Fra­ge zu stel­len. Am 12. Janu­ar 2016 bekräf­tig­te Magi­ster sei­ne Ent­hül­lung, die „mehr als nur eine Intui­ti­on“ sei. Die Rede ist von einer „deutsch-bra­si­lia­ni­schen Ach­se“ zur Auf­wei­chung des Zöli­bats­ge­bots in der latei­ni­schen Kir­che. Die For­de­rung gehört zum Kata­log der kirch­li­chen 68er-Bewe­gung. Da es dage­gen star­ke Wider­stän­de gibt, wird seit der Wahl von Papst Fran­zis­kus ein wei­ter Umweg in Kauf genom­men, um durch die hin­ter­ste Hin­ter­tür das ange­streb­te Ziel doch noch zu errei­chen. Und die­ser Umweg führt durch den Ama­zo­nas-Urwald.

Wegen der für den päpst­li­chen Hof­staat uner­war­tet hef­ti­gen Unru­he und dem Aus­maß der Kon­flik­te, die durch das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia aus­ge­löst wur­den, wur­de das Tem­po im Vati­kan etwas zurück­ge­nom­men. Die näch­ste Syn­ode wird sich daher mit dem The­ma Jugend befas­sen. Eine „Ver­schnauf­pau­se“, die auch mit dem „Amazonas“-Fahrplan zu tun hat, zu dem im Spät­som­mer 2016 erste Details bekannt wur­den. Der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti bestä­tig­te damals, daß „in aller Stil­le“ eine Syn­ode zur Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats vor­be­rei­tet wer­de.

Von der Amazonas-Werkstatt über die Amazonas-Synode zur Bischofssynode

Die römi­sche Bischofs­syn­ode über das Prie­ster­tum dürf­te 2021 statt­fin­den, außer Papst Fran­zis­kus beruft eine außer­or­dent­li­che Syn­ode ein, dann könn­te sie bereits 2020 abge­hal­ten wer­den. Ihr soll jedoch, so Tosat­ti im Sep­tem­ber des Vor­jah­res, als Weg­be­rei­ter eine ande­re Syn­ode vor­aus­ge­hen: die „Ama­zo­nas-Syn­ode“. Genau die­se erklär­te nun Papst Fran­zis­kus zu wün­schen.

Interreligiöser Einsatz gegen den menschenverschuldeten Klimawandel (2015); Kardinal Hummes (3.v.r.).
Inter­re­li­giö­ser Ein­satz gegen den men­schen­ver­schul­de­ten Kli­ma­wan­del (2015); Kar­di­nal Hum­mes (3.v.r.).

Der 2014 von Papst Fran­zis­kus ernann­te Bischof von Osas­co, Joà£o Bos­co Bar­bo­sa de Sou­sa, hat­te im Spät­som­mer 2016 zu einem Tref­fen in sei­ne Bischofs­stadt gela­den. Osas­co ist ein Suf­fra­gan­bis­tum des Erz­bis­tums Sao Pau­lo, das frü­her von Kar­di­nal Hum­mes gelei­tet wur­de. Bischof Bos­co hat­te als Haupt­gast den Kar­di­nal zu die­sem Tref­fen ein­ge­la­den. Bei­de gehö­ren dem Fran­zis­ka­ner­or­den an.

Hum­mes beklag­te bei die­ser Gele­gen­heit den Prie­ster­man­gel im Ama­zo­nas­becken und sprach von „Not­wen­dig­kei­ten“ eines „erwei­ter­ten“ Ver­ständ­nis­ses des Wei­he­sa­kra­ments. Als ein Tagungs­teil­neh­mer den Vor­schlag mach­te, einen Appell an alle Mis­si­ons­or­den der Kir­che zu rich­ten, je zwei Prie­ster zur Ver­fü­gung zu stel­len, denn damit kön­ne der not­wen­di­ge Bedarf an Prie­stern, von dem Hum­mes gespro­chen hat­te, gedeckt wer­den, wur­de der Kar­di­nal unge­hal­ten.

„Nein, nein“, sag­te er erregt, das sei nicht, was der Papst wol­le. Nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil dür­fe es kei­ne Mis­sio­na­re mehr geben. Jedes Volk müs­se sich selbst evan­ge­li­sie­ren. Es dür­fe nur mehr einen ein­hei­mi­schen Kle­rus geben, nur mehr ein­hei­mi­sche Prie­ster und Bischö­fe, auch ohne aka­de­mi­sche Bil­dung.

Kardinal Hummes: „Überwindung von Tabus“

Damit war die Kat­ze aus dem Sack. In sei­nen wei­te­ren Aus­füh­run­gen sprach Kar­di­nal Hum­mes von der „Über­win­dung von Tabus“: Heu­te sei es mög­lich, über „ver­hei­ra­te­te Prie­ster“ zu spre­chen. „Sprecht unter­ein­an­der dar­über“, habe Papst Fran­zis­kus zu ihm gesagt, so Hum­mes, der die­se Auf­for­de­rung „im Namen des Pap­stes“ wei­ter­gab. Fran­zis­kus habe ihm noch etwas „gera­ten“: Er sol­le „den Bischö­fen sagen, sie sol­len eine gro­ße Anzahl stän­di­ger Dia­ko­ne wei­hen“.

Die­ser „Rat­schlag“ ist Pro­gramm, denn sein Ziel sei es, so Hum­mes, den Weg für die Prie­ster­wei­he von ver­hei­ra­te­ten Lai­en zu ebnen, „um den Prie­ster­man­gel aus­zu­glei­chen“, wie Tosat­ti sei­nen Gewährs­mann zitier­te, der bei dem Tref­fen in Osas­co anwe­send war.

Anfang Sep­tem­ber 2016 fand, auf Anre­gung von Kar­di­nal Hum­mes, ein Tref­fen aller Bischö­fe des Ama­zo­nas-Beckens statt. Zweck des Tref­fens war die Aus­wahl der The­men für die Ama­zo­nas-Syn­ode. Eines von zahl­rei­chen Details einer lan­gen Vor­ge­schich­te, das Erz­bi­schof Garcà­a‑Calderón im Inter­view des Osser­va­to­re Roma­no nicht sag­te.

Der Fahrplan?

Nimmt man die War­nun­gen Magi­sters und die Hin­wei­se Tosat­tis zusam­men, ergibt sich ein Fahr­plan der Zöli­bats­geg­ner, der in etwa wie folgt aus­sieht. Die Bischofs­syn­ode von 2021 hät­te dem­nach die­sel­be Auf­ga­be wie die Fami­li­en­syn­ode von 2014/2015. Das offi­zi­el­le The­ma lau­te­te Ehe und Fami­lie, der eigent­lich Zweck war jedoch, die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten durch­zu­set­zen. Das offi­zi­el­le The­ma für 2021 wäre das Prie­ster­tum, der eigent­li­che Zweck aber die Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zum Prie­ster­tum zu errei­chen und damit den Prie­ster­z­ö­li­bat als kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment des sakra­men­ta­len Prie­ster­tums zu kip­pen.

Natür­lich, wie pro­gres­si­ve Krei­se nicht müde wer­den zu beto­nen, wer­de der Zöli­bat „nicht abge­schafft“, son­dern nur von einem „Zwang“ zu einer frei­wil­li­gen Ent­schei­dung. Damit wird aber nicht nur das Wesen des sakra­men­ta­len Prie­ster­tums ver­kannt, das sich auch in der Ehe­lo­sig­keit auf das direk­te Vor­bild Jesu Chri­sti stützt, son­dern eine Nai­vi­tät vor­ge­täuscht, die kaum unglaub­wür­di­ger sein könn­te. Das Ergeb­nis die­ser Frei­wil­lig­keit kann am Bei­spiel der ortho­do­xen Kir­chen abge­le­sen wer­den. In der Dis­kus­si­on bis­her gänz­lich igno­riert wird auch, daß die zwei­tau­send­jäh­ri­ge Bewah­rung des Prie­ster­z­ö­li­bats — der in allen ande­ren christ­li­chen Kir­chen und Deno­mi­na­tio­nen ver­lo­ren­ge­gan­gen ist — allein durch die römisch-katho­li­sche Kir­che, als Beweis und Bestä­ti­gung zu sehen ist für ihren Anspruch, die wah­re Kir­che Jesu Chri­sti zu sein.

Der Ama­zo­nas-Syn­ode kommt in die­sem Fahr­plan die Auf­ga­be zu, auf­grund eins tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen „Not­stan­des“ wegen des Prie­ster­man­gels ein ver­hei­ra­te­tes „Ama­zo­nas-Prie­ster­tum“ zu for­dern. Papst Fran­zis­kus wür­de dann die­sen „Hil­fe­ruf“ auf­grei­fen und in die Bischofs­syn­ode tra­gen. Auch 2014, am Vor­abend der ersten Bischofs­syn­ode über die Fami­lie. hat­te er mit über­trie­be­ner Dra­ma­ti­sie­rung von einem „Schrei des Vol­kes“ gespro­chen, den die Syn­oda­len hören müß­ten. Dazu rief er den „Geist von Pfing­sten“ an, damit die­ser „Schrei“ Gehör fin­de. Die Fol­ge ist eine gro­ße Ver­wir­rung in der gan­zen Kir­che und eine tie­fe Spal­tung, für die vor­erst kein Ende in Sicht ist, weil Papst Fran­zis­kus sich seit neun Mona­ten wei­gert, auf ele­men­ta­re Fra­gen eini­ger Kar­di­nä­le zu ant­wor­ten. Mit Dubia (Zwei­feln) zu Amo­ris lae­ti­tia haben sie ihn um Klä­rung umstrit­te­ner Pas­sa­gen ersucht. Ein „Schrei“, der bis­her bei Fran­zis­kus kein Gehör fand.

Antonio José de Almeida (links) mit Leonardo Boff
Anto­nio José de Almei­da (links) mit Leo­nar­do Boff

Stich­wort­ar­tig läßt sich sagen: Das The­ma der Ama­zo­nas-Syn­ode ist der Prie­ster­man­gel. Das Ziel ist die Über­win­dung des Prie­ster­z­ö­li­bats und ein neu­es Ver­ständ­nis des Wei­he­sa­kra­ments. Die Grund­la­ge bil­den die Vor­ar­bei­ten der soge­nann­ten „Ama­zo­nas-Werk­statt“. Die­se ent­stand um Bischof Kräut­ler und Kar­di­nal Hum­mes nach der Auf­for­de­rung von Papst Fran­zis­kus, „muti­ge Vor­schlä­ge“ zur Lösung des Prie­ster­man­gels zu machen.

Die „Ama­zo­nas-Werk­statt“ stützt sich auf die The­sen des baye­ri­schen Mis­si­ons­bi­schofs Fritz Lobin­ger, die vom bra­si­lia­ni­schen Theo­lo­gen Anto­nio José de Almei­da, Pro­fes­sor an der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Paraná (PUCPR) im Rah­men der Ama­zo­nas-Werk­statt wei­ter­ent­wickelt wur­den.

„Erweitertes“ Verständnis des Weihesakraments

Im Sep­tem­ber 2016 schrieb Tosat­ti:

„Die Idee, den Prie­ster­man­gel mit stän­di­gen Dia­ko­nen, die in ‚Lai­en­prie­ster‘ ver­wan­delt wer­den, aus­zu­glei­chen, die auch in Deutsch­land Unter­stüt­zung fin­det, wird von Hum­mes seit lan­gem stu­diert.“

Bereits als Prä­fekt der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on hat­te der Kar­di­nal den deut­schen und den US-ame­ri­ka­ni­schen Bischö­fen nahe­ge­legt, die stän­di­gen Dia­ko­ne der­sel­ben Aus­bil­dung wie für Prie­ster zu unter­zie­hen. Der Hin­ter­ge­dan­ke: Sie stün­den dann als ver­hei­ra­te­te Män­ner voll aus­ge­bil­det für die Prie­ster­wei­he bereit.

Tosat­ti deu­te­te ver­gan­ge­nes Jahr zudem ein beson­de­res Detail an, das für die Gesamt­dy­na­mik nicht uner­heb­lich sein könn­te. Kar­di­nal Hum­mes wird Anfang August 83, Papst Fran­zis­kus im Dezem­ber 81. Der bra­si­lia­ni­sche Kar­di­nal, so der Vati­ka­nist, scheint vom Gefühl getrie­ben, daß die Zeit für ihn knapp wird, er aber das „neue Prie­ster­tum“ noch erle­ben möch­te. Um die star­ken Wider­stän­de gegen einen direk­ten Angriff auf das Prie­ster­tum zu umge­hen, dient der Ama­zo­nas-Urwald mit sei­ner indi­ge­nen Bevöl­ke­rung als Brech­ei­sen, für deren Betreu­ung zu wenig Prie­ster zur Ver­fü­gung ste­hen und die selbst noch kei­ne Prie­ster­be­ru­fun­gen her­vor­brin­gen.

Die Rede ist von einem indi­ge­nen „Ama­zo­nas-Prie­ster­tum“. Viri pro­ba­ti, natür­lich ver­hei­ra­te­te Män­ner, sol­len nicht zu stän­di­gen Dia­ko­nen wer­den, son­dern aus ihrer Gemein­schaft für ihre Gemein­schaft gewählt wer­den und der Eucha­ri­stie­fei­er „vor­ste­hen“. Der Hin­ter­ge­dan­ke: Eine Aus­bil­dung für stän­di­ge Dia­ko­ne, für die Hum­mes ja die­sel­be Aus­bil­dung wie für Prie­ster­amts­an­wär­ter vor­ge­schla­gen hat­te, wür­de die aus­zu­wäh­len­den Indi­os – offen­bar ist an die Dorf­äl­te­sten gedacht oder deren Ver­tre­ter – über­for­dern und könn­te das gesam­te Pro­jekt schei­tern las­sen. Aus die­sem Grund wird nach neu­en Begrif­fen gesucht, um eine zusätz­li­che Wei­he­stu­fe ein­zu­füh­ren. Die Rede ist von Par­al­le­läm­tern: ein­mal für zöli­ba­tä­re Kle­ri­ker, ein­mal für ver­hei­ra­te­te Kle­ri­ker. In die­sem Sin­ne hat sich erst vor kur­zem Bischof Kräut­ler geäu­ßert. Damit könn­te der neue „Ama­zo­nas-Kle­rus“ mit einer ver­kürz­ten Aus­bil­dung geweiht wer­den. Soweit jeden­falls die Plä­ne von Kar­di­nal Hum­mes und sei­ner „Ama­zo­nas-Werk­statt“, auf die er und sei­ne Mit­strei­ter viel Ener­gie ver­wen­den.

Deja-vu: Wiederholt sich dieselbe Strategie?

Plä­ne, die Papst Fran­zis­kus zu unter­stüt­zen scheint, wie sein „Wunsch“ nach einer „Ama­zo­nas-Syn­ode“ zeigt. Magi­ster hat­te bereits am 9. Dezem­ber 2015 davor gewarnt: Es zeich­net sich ein Deja-vu der­sel­ben Stra­te­gie ab, mit der die Unauf­lös­lich­keit der sakra­men­ta­len Ehe gekappt wer­den soll­te. Gekappt wur­de? Das Unent­schie­den bringt das Dilem­ma zum Aus­druck, in das die katho­li­sche Kir­che durch das der­zei­ti­ge Pon­ti­fi­kat geführt wur­de. Wer sich also erwar­tet, daß sich Papst Fran­zis­kus offen für die Auf­he­bung des Prie­ster­z­ö­li­bats aus­spricht, wird lan­ge war­ten kön­nen. Das bedeu­tet aber nicht, daß er „in der Pra­xis“ und im offe­nen Angriff gegen die „hart­her­zi­gen Dok­to­ren des Geset­zes“ das­sel­be Spiel wie­der­holt, das die Kir­che mit der Fami­li­en­syn­ode und Amo­ris lae­ti­tia heu­te durch­macht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Osser­va­to­re Romano/Vatican.va/MiL (Screen­shots)

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5 Kommentare

  1. Es riecht nach stra­te­gi­schem Han­deln, in dem man in einer ein­fa­chen Regi­on das gewünsch­te eta­bliert um dann im Rest der Welt Mit­strei­ter zu bekom­men um die­se Lösung aus­zu­brei­ten. So wie es auch mit der Hand­kom­mui­on gesche­hen ist.

    Auf die­se Wei­se möch­te man evtl. das Zöli­bat und wei­te­res kip­pen. Spä­ter wird sicher noch die Jugend und auch die Tau­fe „bear­bei­tet“ wer­den.

    Die ein­fach­ste Lösung wäre die welt­wei­te ver­bind­li­che Ein­füh­rung des Prie­ster­don­ners­ta­ges mit Rosen­kranz, Beich­te, hl. Mes­se, Aus­set­zung und Anbe­tung. Aber dafür haben die­se Her­ren kei­nen Geist.

    Wel­chen Gott ver­eh­ren die­se geist­li­che Per­so­nen?

  2. Kar­di­nal Hum­mes: „Über­win­dung von Tabus“
    Kar­di­nal Marx bei der abschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz der letz­ten DBKon­fe­renz: „Es gibt kei­ne Tabus“.

    Dies lässt die Ver­mu­tung zu, dass nicht nur im Dunst­kreis des amtie­ren­den Pap­stes die­se Auf­fas­sung üblich ist, son­dern auch ihm selbst nichts unan­tast­bar, aus­zu­schlie­ßen, hei­lig ist.

    Papst Bene­dikt hat uns vor 7 Jah­ren auf die Fein­de in der Kir­che auf­merk­sam gemacht, aller­dings ohne die­se beim Namen zu nen­nen.

  3. Papst Fran­zis­kus wird nicht den Prie­ster­z­ö­li­bat abschaf­fen. Er wird nur die Tür, die durch Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ohne­hin schon einen Spalt offen steht (Prie­ster in den unier­ten Ost­kir­chen, ver­hei­ra­te­te Geist­li­che, die vom Pro­te­stan­tis­mus und Angli­ka­nis­mus kon­ver­tie­ren und geweiht wer­den), wei­ter auf­sto­ßen, mög­lichst auf eine Wei­se, dass die Ände­rung nach ihm nicht rück­gän­gig gemacht wer­den kann. Eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se ent­spricht mehr sei­nem Stil und sei­ner Auf­ga­be. Nichts Neu­es übri­gens — den­ken wir an die Ein­füh­rung der Hand­kom­mu­ni­on und der weib­li­chen Mini­stran­ten. Immer die glei­che Tak­tik.

  4. Die­se Zwei­glei­sig­keit hier zöli­ba­tä­rer Prie­ster dort der Lai­en­prie­ster funk­tio­niert doch nicht. Es muss eine kla­re ein­heit­li­che Linie geben. Man kann sehen was die Fami­li­en­syn­ode 2014 gebracht hat. Völ­li­ge Ver­wir­rung. Wenn Feh­ler in die­sem Pon­ti­fi­kat gemacht wer­den kön­nen die natür­lich auch wie­der revi­diert wer­den. Das Zöli­bat abschaf­fen, hie­ße ein Schis­ma zu ris­kie­ren. Das macht er nicht. Ich glau­be auch, dass er bei Amo­ris lati­tia zurück­ru­dern wird müs­sen. Im aktu­el­len Schrei­ben zur Aus­bil­dung der Prie­ster steht das Zöli­bat nicht zur Debat­te sie­he Absatz 84 e ff. (Das Geschenk der Beru­fung zum Prie­ster­tum ).

  5. Mit dem ver­hei­ra­te­ten Dia­ko­nat wur­de nach Vat.II schon längst eine Tür in die­se Rich­tung auf­ge­sto­ßen. Ein ver­hei­ra­te­ter Dia­kon ist mei­ner Mei­nung nach, nur ein Brems­klotz am Bein der Prie­ster: Über­all wol­len sie mit­mi­schen, ver­nach­läs­si­gen dabei aber meist ihre fami­liä­ren Auf­ga­ben und Pflich­ten. Nicht nur die kath. Sexu­al­mo­ral wird von vie­len verh. Dia­ko­nen öffent­lich kri­ti­siert und abge­lehnt, auch ande­re Glau­bens­wahr­hei­ten wer­den ent­stellt oder ver­wäs­sert.
    Ein Grund mehr, die triden­ti­ni­sche Mes­se auf­zu­su­chen!

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