Trudeaus Pranger

Im Juli wird Papst Franziskus Kanada besuchen

Papst Franziskus empfing am 28. März eine Delegation der kanadischen Métis in Audienz. Dabei sprach er eine Entschuldigung aus für etwas, das so gar nie geschehen ist.
Papst Franziskus empfing am 28. März eine Delegation der kanadischen Métis in Audienz. Dabei sprach er eine Entschuldigung aus für etwas, das so gar nie geschehen ist.

(Otta­wa) Vom 24. bis 30. Juli wird Papst Fran­zis­kus Kana­da besu­chen. Sobald die Rei­se vom Hei­li­gen Stuhl offi­zi­ell bekannt­ge­ge­ben wur­de, reagier­te Kana­das Pre­mier­mi­ni­ster Justin Tru­deau mit For­de­run­gen an das Kirchenoberhaupt.

Justin Tru­deau ist seit 2015 Pre­mier­mi­ni­ster von Kana­da. Bereits sein Vater Pierre Tru­deau regier­te das Land von 1968 bis 1984. Bei­de als Ver­tre­ter der lin­ken Libe­ra­len Par­tei, des schlech­te­sten Libe­ra­lis­mus aller Zei­ten. Die Tru­deaus sind Katho­li­ken, doch in ihrer poli­ti­schen Tätig­keit ist davon wenig zu bemer­ken. Vater Tru­deau führ­te 1967 als Justiz­mi­ni­ster eine Teille­ga­li­sie­rung und als Pre­mier­mi­ni­ster 1975 die Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung ein. Seit­her wur­den in Kana­da mehr als 4,5 Mil­lio­nen unge­bo­re­ne Kin­der getö­tet. Justin Tru­deau ver­sucht auf der inter­na­tio­na­le Büh­ne die Abtrei­bung als „Men­schen­recht“ zu etablieren.

Trudeau, der radikale Young Global Leader

Tru­deau Juni­or, ein Young Glo­bal Lea­der der von Klaus Schwab geführ­ten Pri­vat­or­ga­ni­sa­ti­on namens Welt­wirt­schafts­fo­rum (WEF), Bil­der­ber­ger wie auch schon sein Vater und ver­netzt mit dem Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons, ist Aus­druck eines radi­ka­len Glo­ba­lis­mus, der innen­po­li­tisch immer offe­ner eine repres­si­ve Nei­gung zeigt. Dies gilt für die Lebens­rechts­fra­ge, die Gesell­schafts­po­li­tik und die Coro­na-Maß­nah­men. Die Son­der­be­stim­mun­gen zur Bekämp­fung und Bestra­fung von Coro­na-Maß­nah­men­kri­ti­kern im ver­gan­ge­nen Win­ter lie­ßen eine maß­lo­se Här­te erkennen.

Tru­deau mach­te aus Kana­da in den ver­gan­ge­nen sie­ben Jah­ren das Land mit dem welt­weit schlimm­sten Eutha­na­sie­ge­setz; in dem Prie­ster Fin­ger­ab­drücke abge­ben müs­sen, wenn sie mit Kin­dern arbei­ten wol­len; in dem eine Kran­ken­schwe­ster wie Mary Jean Mar­tin ent­las­sen wur­de, weil sie nicht bereit war, an einer gna­den­lo­sen Eutha­na­sie­lo­gik mit­zu­wir­ken; in dem reli­giö­se Dis­kri­mi­nie­rung bekämpft wird, aber nur jene gegen den Islam; in der die Lebens­rechts­ak­ti­vi­stin Mary Wag­ner für Jah­re ins Gefäng­nis muß, weil sie abtrei­bungs­ent­schlos­se­nen Frau­en eine Rose schenkt und mit ihnen über das Leben ihres unge­bo­re­nen Kin­des ins Gespräch kom­men will; in dem Sata­ni­sten öffent­lich „Schwar­ze Mes­sen“ fei­ern dür­fen; in dem Chri­sten für nicht geeig­net erklärt wer­den dür­fen, Kin­der zu adop­tie­ren, wenn sie sich zur natür­li­chen Fami­lie beken­nen. Kana­da ist ein Land, in dem heu­te jede drit­te Kir­che von der Umwand­lung in eine Dis­ko­thek, einen Super­markt oder ein Fit­nesstu­dio bedroht ist.

Der Papstbesuch und die katholischen Internatsschulen für Indianer

Am 13. Mai gab Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni bekannt, daß Papst Fran­zis­kus Ende Juli Kana­da einen Pasto­ral­be­such abstat­ten wird. Justin Tru­deau reagier­te umge­hend in der Öffent­lich­keit und for­der­te das Kir­chen­ober­haupt auf, sich bei den „indi­ge­nen“ Kana­di­ern, also den India­nern, für in der Ver­gan­gen­heit erlit­te­ne Miß­hand­lun­gen zu entschuldigen.

Vom Ende des 19. Jahr­hun­derts bis in das drit­te Vier­tel des 20. Jahr­hun­derts bestan­den katho­li­sche Inter­nats­schu­len für India­ner-Kin­der. Die­se hat­ten im Auf­trag der dama­li­gen Regie­run­gen an der Zivi­li­sie­rung der india­ni­schen Bevöl­ke­rung mit­zu­wir­ken. Im Zusam­men­hang mit die­sem Inter­nats­sy­stem wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die unglaub­lich­sten Anschul­di­gun­gen erho­ben. Es wur­de behaup­tet, man habe Mas­sen­grä­ber von ums Leben gekom­me­nen Kin­dern ent­deckt, die in Schul­nä­he ver­scharrt wor­den sei­en. An den Inter­nats­schu­len müß­ten daher grau­sam­ste Din­ge gesche­hen sein. Der Phan­ta­sie schie­nen kei­ne Gren­zen gesetzt. 

Eine Über­prü­fung der Ange­le­gen­heit brach­te jedoch ans Licht, daß nichts davon der Wahr­heit ent­sprach. Es gibt kei­ne Mas­sen­grä­ber. Die gefun­de­nen „Bewei­se“ waren völ­lig falsch; sie waren ober­fläch­lich inter­pre­tier­te Bild­aus­wer­tun­gen, die sich als Tier­kno­chen und sogar Wur­zeln her­aus­stell­ten. Was es an den Inter­nats­schu­len zu „ent­hül­len“ gab, war bereits seit den 80er Jah­ren bekannt, näm­lich eini­ge dama­li­ge Erzie­hungs­me­tho­den, die heu­te nicht mehr akzep­tiert wer­den. Die­se Metho­den gal­ten sei­ner­zeit aller­dings als beson­ders geeig­net und fort­schritt­lich und waren kein Spe­zi­fi­kum katho­li­scher Ein­rich­tun­gen, son­dern all­ge­mein im Inter­nats- und Schul­we­sen verbreitet.

Bischöfe und Papst gingen in die Knie

Sobald die Anschul­di­gun­gen, die sich dann als halt­los her­aus­stell­ten, gegen die Kir­che erho­ben und von welt­li­chen Medi­en bereit­wil­lig aus­ge­wälzt wur­den, ging die kirch­li­che Hier­ar­chie auch schon in die Knie. Die kana­di­schen Bischö­fe ent­schul­dig­ten sich. Eben­so tat es Papst Fran­zis­kus bei einer Audi­enz am 28. März, als er Ver­tre­ter der Inu­it (kana­di­sche Eski­mos) und der Métis (Nach­kom­men von Euro­pä­ern und India­nern, die stark in der india­ni­schen Kul­tur ver­wur­zelt sind) in Audi­enz emp­fing. So gaben es deren Dele­ga­tio­nen im Anschluß gegen­über der Pres­se bekannt.

Vati­kan­spre­cher Bruni beton­te ver­gan­ge­nen Frei­tag, daß sich Papst Fran­zis­kus bei sei­nem Kana­da-Besuch ins­be­son­de­re mit den First Nati­ons tref­fen wol­le, wie die Urein­woh­ner Kana­das genannt werden.

Tru­deau sprang kurz danach mit anti­kle­ri­ka­lem Zun­gen­schlag auf den Zug auf und stell­te die Kir­che erneut unter Ankla­ge. Papst Fran­zis­kus, so die offen­sicht­li­che Absicht des glo­ba­li­sti­schen Muster­kna­ben, soll unter Druck gesetzt wer­den, indem die Kir­che an den Pran­ger gestellt wird. Die Tat­sa­che, daß sich die Anschul­di­gun­gen im Zusam­men­hang mit den Inter­nats­schu­len als halt­los erwie­sen, scheint Tru­deau dabei nicht zu inter­es­sie­ren. Die Kir­che gehört für ihn offen­bar an den Pran­ger. Der Katho­lik Tru­deau spielt sein unsäg­li­ches Spiel wei­ter und wird dabei Papst Fran­zis­kus Ende Juli mit einem jugend­li­chen Lächeln begrü­ßen. Das ange­streb­te Ziel ist unschwer zu erken­nen: Die Stim­me der Kir­che soll nicht gehört wer­den bzw. nur in einer gewünsch­ten Form.

Aller­dings war es Papst Fran­zis­kus selbst, der die­se insze­nier­te Ankla­ge mög­lich mach­te, indem die Métis-Dele­ga­ti­on, die ihn am 28. März auf­such­te, anschlie­ßend unwi­der­spro­chen erklä­ren konn­te, der Papst habe eine wich­ti­ge „Ent­schul­di­gung“ aus­ge­spro­chen. Aller­dings wur­de bis­her nicht klar­ge­stellt, daß er sich für etwas ent­schul­dig­te, was so nie statt­ge­fun­den hat. Anders aus­ge­drückt: Es fehlt die Prä­zi­sie­rung, wofür sich Fran­zis­kus entschuldigte.

Die­se Prä­zi­sie­rung wäre auch des­halb wich­tig, da für den ober­fläch­li­chen Betrach­ter unter­schwel­lig der Vor­wurf im Raum steht, die Ent­deckung Ame­ri­kas 1492 und die fol­gen­de Chri­stia­ni­sie­rung sei­en kein Auf­sto­ßen der Tür zur Zivi­li­sa­ti­on und kei­ne Ver­kün­di­gung des Heils gewe­sen, son­dern ein nega­ti­ver Prozeß.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can Media (Screen­shot)

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