Abriß oder Umwidmung: Jede dritte Kirche in Kanada betroffen

Was tun mit nicht mehr gebrauchten Kirchen?

Umwidmung: Kirche mit Ring für Boxkämpfe (Bild: Reformierte Kelvinside Parish Church in Glasgow, Church of Scotland, heute: Bar, Nachtclub, Restaurant und Eventcenter).
Umwidmung: Kirche mit Ring für Boxkämpfe (Bild: Reformierte Kelvinside Parish Church in Glasgow, Church of Scotland, heute: Bar, Nachtclub, Restaurant und Eventcenter).

(Ottawa) Wegen Gläubigenmangels könnten Tausende von Kirchen in Kanada in Bibliotheken und Restaurants umgewandelt werden. Eine Nichtregierungsorganisation schlägt Alarm.

Der Schwund an Gläubigen läßt die verschiedenen christlichen Denominationen über eine anderweitige Nutzung der Kirchengebäuden in ihrem Besitz nachdenken. Der National Trust for Canada, eine Nichtregierungsorganisation, die sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz des Landes einsetzt, spricht von 9.000 Kirchen, die in den kommenden zehn Jahren von Schließung und Umwidmung gefährdet sein könnten. Das entspricht einem Drittel aller Kirchen in Kanada.

Umwidmung: Kirche als Braugasthaus (Bild: Katholische St. John the Baptist Church in Pittsburgh).
Umwidmung: Kirche als Braugasthaus (Bild: Katholische St. John the Baptist Church in Pittsburgh, USA).

Die Organisation beruft sich auf „Expertenmeinungen, Medienberichte und Mitteilungen von religiösen Gruppen“. Mögliche Schließungen können „sowohl ländliche als auch urbane Gebiete“ betreffen, so Robert Pajot, der Vorsitzende der zuständigen Arbeitsgruppe. In den Niederlanden und in Australien würden Umwidmungen bereits in größerem Stil umgesetzt, so Pajot.

Hauptgrund ist der Glaubensschwund. Die Statistiken machen es deutlich: In Kanada bezeichneten sich bei der Volkszählung 2011 67 Prozent der Bevölkerung als Christen. 24 Prozent als religionslos. 1971 waren noch fast 89 Prozent der Kanadier Christen. Zudem haben 62 Prozent derer, die sich selbst als Christen bezeichnen, in den zurückliegenden zwölf Monaten an keinem Gottesdienst teilgenommen. Getaufte Christen wenden sich von ihrer Religion ab. Ihre Kinder lassen sie nicht mehr taufen. Drei Viertel der Verluste gehen auf diese Gruppe. Daneben wächst die Zahl der nicht-christlichen Zuwanderer. Ein Viertel des statistischen Rückgangs der Christen geht auf diese Gruppe zurück.

Umwidmung: Kirche als privates Wohnzimmer (Bild: Anglikanische St. Nicholas Church in Kyloe, England)
Umwidmung: Kirche als privates Wohnzimmer (Bild: Anglikanische St. Nicholas Church in Kyloe, England)

Der Anteil der Katholiken ging zwischen 1971 und 2011 von 47 auf 39 Prozent zurück (Minus 15 Prozent), jener der Protestanten brach von 42 auf 27 Prozent ein (Minus 33 Prozent). Parallel verdreifachte sich durch Einwanderung der Anteil anderer Religionen von vier auf elf Prozent. Der Anteil derer, die ohne Religionszugehörigkeit sind, versechsfachte sich sogar vier auf 24 Prozent.

Der Erhalt der Kirchengebäude sei eine Kostenfrage. Die Erhaltung verschlinge große Summen und belaste die christlichen Gemeinden. Daher denken manche an einen Abriß oder den Verkauf nicht mehr gebrauchter Kirchen.

Der National Trust for Canada spricht von einschneidenden Konsequenzen, denn es gehe nicht nur um Geld. Die Kirchen haben eine „hohen, symbolischen Wert für die Gemeinschaft“. Sie sind Zeugen der Geschichte des Landes, dazu eine architektonisch und künstlerisch wertvolle Bausubstanz Es gehe zudem um Zentren des Gemeinschaftslebens, mit denen zahlreiche Aktivitäten und soziale Funktionen verbunden sind auch außerhalb der Gottesdienste.

Umwidmung: Kirche als Indoor-Skatepark (Bild: Katholische Santa Barbara-Kirche in Lllanera, Spanien; heute ein Jugendzenrtum).
Umwidmung: Kirche als Indoor-Skatepark (Bild: Katholische Santa-Barbara-Kirche in Llanera, Spanien; heute das Jugendzentrum „Kaos Tempel“).

Luc Noppen, Professor für Städtebau und architektonisches Erbe an der Universität Quebec sagt, man müsse zwischen der Situation in Quebec und dem Rest von Kanada unterscheiden, was den Kirchenbesuch betrifft. Auch Einwanderer würden zum Teil die christlichen Kirchen besuchen. Ihre Zahl könne aber nicht die Verluste im Land ausgleichen. Die Kirchen stellen ein wertvolles Kulturerbe dar, weshalb ihr Erhalt gerechtfertigt sei, so Noppen. Das müsse aber nicht unbedingt etwas über ihre Nutzung aussagen. Im Klartext: Kirchen könnten also mit Unterstützung der öffentlichen Hand erhalten werden, müßten aber nicht unbedingt Kirchen bleiben. Der Erhalt der Bausubstanz könne auch in einem musealen Rahmen gewährleistet werden oder durch andere Nutzung von öffentlichem Interesse, etwa als Bibliothek, als Museum oder unter denkmalpflegerischer Auflagen und Aufsicht sogar für kommerzielle Zwecke als Supermarkt, Boutiqen, Restaurants, so der Professor.

Der National Trust for Canada will sich keiner Lösung verschließen, fordert aber einen „Dialog über die Zukunft dieser Kirchengebäude“. Die „schlimmste Lösung“, so Pajot, sei ihr Abriß. Es brauche einen „nationalen Dialog“, der nicht nur dieReligionsverantwortlichen betreffe, sondern auch die „Regierung, Unternehmer und andere Institutionen und Organisationen“.

Siehe auch:

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Churchpop.com (Schreenshots)

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2 Kommentare

  1. Das lieber Herr Kasper, Bergoglio etc. sind die Früchte des Konzils und des unseligen NOM.
    Es interessiert sich niemand mehr für hohles Geschwätz ohne Glauben.
    Die größten Kirchen der Welt sind für eine einzige Sache gebaut worden, nämlich für das hl. Messopfer !
    Notre Dame zeigt es, die Fassade steht noch, innen ist es hohl und ausgebrannt, ohne Glauben.
    Dann haben die Kirchen auch keinen heiligen Zweck mehr und werden umgewidmet.
    Glauben geht eben nur 1 oder Null, ein bischen gibt es nicht.

  2. Aber diese ‚Kirchen‘ sind doch der genaue Spiegel dessen, wie sich Gläubige heute ihren Gott ‚vor-stellen‘: als Götzen ihrer Leidenschaften, Präferenzen und Lüste.
    Wir sehen die Eins-zu-Eins-Entsprechung des konkretisierten Aufrufs Fenster und Türen der Kirche weit aufzumachen.
    Es ist die Umkehrung des ehemaligen Glaubens, wie er sich in der Liturgie widerspiegelte. Der Kirchenraum war ein Rückzugsort von den den Sorgen dieser Welt, ein Zur-Ruhe-Kommen von Hast, Bewegung und Arbeitsstress.
    Es war ‚der ganz andere Bereich‘ des Himmels.
    Durch ihn und die himmlische Liturgie sollten alle Sorgen dieser Welt ‚geheilt‘ werden, indem sie als nachfolgend und nicht als dominierend angesehen wurden.

    Die Profanierung spiegelt die Profanierung des Glaubens wieder. Ob nun die Pariser Bischofskirche von innen ausbrennt oder eine ‚Umwidmung‘ vollzogen wird; es sind zwei Seiten derselben Medaille.

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