Sie nennen sie die „toten Kirchen“ – Christentum in den Niederlanden

Kahlschlag in calvinistischer Kirche der Niederlande(Amster­dam) Zwei christ­li­che Kir­chen­ge­bäu­de wer­den jede Woche geschlos­sen. Die Nie­der­lan­de sind „Spit­zen­rei­ter“ bei der Säku­la­ri­sie­rung. Ein Land, das sich sei­ner Frei­heit rühmt, das in Euro­pa als das freie­ste, libe­ral­ste Land gilt, aber auch als sehr liber­tin. Erz­bi­schof Wil­lem Jaco­bus Eijk von Utrecht beklag­te, daß „jähr­lich 100 Kir­chen geschlos­sen wer­den, in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren waren es 1000“.

Es ist inzwi­schen kei­ne Sel­ten­heit, reli­giö­se Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de und ande­re Gegen­stän­de aus hol­län­di­schen Kir­chen in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik, in Indo­ne­si­en, im Kon­go, auf den Phil­ip­pi­nen oder in ehe­mals kom­mu­ni­sti­schen Staa­ten des Ostens wie der Ukrai­ne zu fin­den. Die Nie­der­lan­de sind inzwi­schen zum aktiv­sten Markt für den Ver­kauf und die Aus­fuhr von reli­giö­sen Gegen­stän­den gewor­den. An Nie­der­rhein, Maas und Schel­de ist die Säku­la­ri­sie­rung das erste Mal seit 200 Jah­ren wie­der ein gro­ßes Geschäft gewor­den. Vor­erst. Hol­land ist ein Land, in dem sich die sozia­len Ver­än­de­run­gen sehr leicht fest­stel­len las­sen. Dies vor allem des­halb, weil die Auf­tei­lung der Gesell­schaft auf drei Pfei­ler, die zuilen, näm­lich Pro­te­stan­ten, Katho­li­ken und Lai­zi­sten, das grund­le­gen­de Merk­mal für die Nach­kriegs­zeit war. Ein Katho­lik wur­de in einem katho­li­schen Kran­ken­haus gebo­ren, besuch­te eine katho­li­sche Schu­le, las katho­li­sche Zei­tun­gen (de Volks­krant), hör­te katho­li­sche Radio­sen­der (RKK) und wähl­te katho­li­sche Par­tei­en. Noch heu­te tra­gen Schu­len, Kran­ken­häu­ser und Medi­en ihre katho­li­schen, pro­te­stan­ti­schen oder lai­zi­sti­schen Eti­ket­ten je nach ihrem Ursprung.

Teilnahme an Sonntagsmesse: 1959 90 Prozent, 2012 10 Prozent

„In Hol­land war die Teil­nah­me am Sonn­tags­got­tes­dienst der Katho­li­ken die höch­ste von ganz Euro­pa. Sie lag bei 90 Pro­zent“, sag­te der Jesu­it Jan Stuyt von Nim­we­gen. „Jetzt liegt sie bei zehn Pro­zent.“

Vor weni­gen Tagen hat die nie­der­län­di­sche Regie­rung beschlos­sen, den Reli­gi­ons­un­ter­richt an den Grund­schu­len abzu­schaf­fen. Grund ist die durch die­sel­be Regie­rung gestri­che­ne Finan­zie­rung des kon­fes­sio­nel­len Unter­richts. „Spar­zwän­ge“ heißt das Stich­wort. Nie­mand scheint sich wirk­lich auf­zu­re­gen. Es müs­se gespart wer­den. Man spa­re eben dort, wo es am wenig­sten weh­tue. Die Reak­ti­on ist aus­sa­ge­kräf­tig für den Zustand, in dem sich das oran­ge König­reich befin­det.

Von den 7000 Kir­chen, die es in den Nie­der­lan­den gibt, ste­hen 4000 unter Denk­mal­schutz. Die ande­ren, die von immer weni­ger Gläu­bi­gen auf­ge­sucht wer­den, wech­seln ihren Bestim­mungs­zweck.

Jedes Jah­re wer­den Got­tes­häu­ser geschlos­sen, ver­kauft oder abge­bro­chen. Das betrifft auch katho­li­sche Kir­chen. Von 1970 bis 2008 wur­den 205 katho­li­sche Kir­chen abge­bro­chen und 148 pro­fa­niert und in Buch­hand­lun­gen, Restau­rants, Turn­hal­len, Woh­nun­gen und Moscheen umge­wan­delt.
Man schätzt, daß von den ver­blie­be­nen Kir­chen, ob pro­te­stan­ti­sche oder katho­li­sche, etwa 25 Pro­zent in der Hand von Pfarr­ge­mein­den mit weni­ger als hun­dert prak­ti­zie­ren­den Gläu­bi­gen sind. Soll­te die der­zei­ti­ge Ent­wick­lung anhal­ten, sind auch sie dazu bestimmt, zu ver­schwin­den.

Kauf und Verkauf von Kirchen und Klöstern – Immobilienmakler spezialisieren sich

Die „toten Kir­chen“, wie sie genannt wer­den, kön­nen auch im Inter­net gekauft wer­den über die Por­ta­le www.redres.nl und www.reliplan.nl. Bei­de Immo­bi­li­en­mak­ler­agen­tu­ren sind spe­zia­li­siert auf koop of ver­koop van ker­ken en kloo­sters, auf den Kauf oder Ver­kauf von Kir­chen und Klö­stern. Das nie­der­län­di­sche Mini­ste­ri­um für Unter­richt, Kul­tur und Wis­sen­schaft, das seit Jahr­zehn­ten von sozia­li­sti­schen oder links­li­be­ra­len Mini­stern gelei­tet wird, hat eige­ne Richt­li­ni­en erar­bei­tet, wie bei der Umwid­mung auf­ge­las­se­ner Kir­chen vor­ge­gan­gen wer­den soll.

Die Moschee Fitih Camii in Amster­dam war eine katho­li­sche Kir­che. In Hol­land wur­de sie die „Gra­bes­kir­che“ genannt, weil sie nie­mand mehr auf­such­te.

Schillebeeckx „moderne“ Kirche führte in die Selbstauflösung

In den Nie­der­lan­den ist nicht nur der Athe­is­mus aus­ge­spro­chen akzen­tu­iert. Auch das Chri­sten­tum hat eine Geschich­te radi­ka­ler Gegen­sät­ze hin­ter sich. Die Ver­falls­er­schei­nun­gen der katho­li­schen Kir­che wer­den am deut­lich­sten vom domi­ni­ka­ni­schen Theo­lo­gen Edward Schillebe­eckx sym­bo­li­siert. In den Jah­ren des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils stieg er zu einem Star mit welt­wei­ter Beach­tung auf. Der Ver­tre­ter der Nou­vel­le Théo­lo­gie mar­schier­te im Gleich­schritt mit der vor­herr­schen­den pro­gres­si­ven Kul­tur sei­ner Zeit. Und er ver­such­te die Kir­che auf den­sel­ben Weg zu brin­gen. Vie­le sind ihm dabei gefolgt. Im Kon­flikt mit Rom zu ste­hen war gera­de­zu eine Aus­zeich­nung und „siche­res“ Indiz, daß der Gemaß­re­gel­te angeb­lich auf der „Höhe der Zeit“ war. Mit der Zeit geriet der gebür­ti­ge Fla­me Schillebe­eckx ein­fach in Ver­ges­sen­heit, weil der Weg, den er ein­ge­schla­gen hat­te, die Chri­sten, die ihm folg­ten, in ein Chri­sten­tum Light und häu­fig in der näch­sten Genera­ti­on in den Agno­sti­zis­mus führ­te. Er wur­de letzt­lich zum Opfer sei­ner eige­nen Theo­lo­gie, einer Theo­lo­gie der Selbst­auf­lö­sung.

Auf dem Kon­zil trat ein ande­rer Nie­der­län­der als Wort­füh­rer auf. Es war der Erz­bi­schof von Utrecht, Ber­nard Jan Kar­di­nal Alfrink, den Johan­nes XXIII. zum Kar­di­nal kre­iert hat­te. Er trieb die Ver­öf­fent­li­chung eines Nie­der­län­di­schen Kate­chis­mus vor­an, den Schillebe­eckx maß­geb­lich aus­ar­bei­te­te. Der Kate­chis­mus ritt alle gei­sti­gen Wel­len sei­ner Zeit vom Femi­nis­mus über die sexu­el­le Revo­lu­ti­on bis hin zu dem mit reli­giö­ser Gewiß­heit erwar­te­ten End­sieg des Mar­xis­mus. Ent­spre­chend wur­den Homo­se­xua­li­tät, Abtrei­bung, künst­li­che Ver­hü­tungs­mit­tel, Frau­en­prie­ster­tum und die Abschaf­fung des Prie­ster­z­ö­li­bats begrüßt und bewor­ben.

Alfrinks Niederländischer Katechismus – Konnte man noch mehr leugnen?

Aber nicht nur das: Der Kate­chis­mus leug­ne­te fak­tisch fast alle Dog­men der katho­li­schen Kir­che von der Trans­sub­stan­tia­ti­on über die Erb­sün­de bis zur Jung­frau­en­geburt Mari­ens. Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on ver­ur­teil­te den Kate­chis­mus, was von den pro­gres­si­ven Kräf­ten in der Kir­che als uner­hört auto­ri­tä­re Macht­de­mon­stra­ti­on ange­fein­det wur­de. Man konn­te in radi­ka­len Krei­sen sogar das Wort vom „römi­schen Faschis­mus“ hören. „Konn­te man noch mehr leug­nen?“ fra­gen sich heu­te jun­ge gläu­bi­ge Katho­li­ken.

Der Kon­flikt zwi­schen Alfrink und Kar­di­nal Alfre­do Otta­via­ni, dem Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on (1959–1968) ((Von 1959–1965 übte Kar­di­nal Otta­via­ni das Amt in der Funk­ti­on eines Sekre­tärs aus, wie der Prä­fekt genannt wur­de, wäh­rend die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on bis zur Umbe­nen­nung durch Papst Paul VI. Hei­li­ges Offi­zi­um hieß.)) ließ die Wider­sprü­che in der katho­li­schen Kir­che der Nie­der­lan­de explo­die­ren, die durch die Her­aus­for­de­rung durch den nie­der­län­di­schen Ultra­li­be­ra­lis­mus her­auf­be­schwo­ren wor­den waren. Ein Teil der Kir­che in den Nie­der­lan­den such­te die Lösung durch Anpas­sung. Der Spa­gat muß­te rei­ßen und er führ­te nicht so sehr zum Kon­flikt mit dem außer­kirch­li­chen Libe­ra­lis­mus, son­dern zu einem har­ten inner­kirch­li­chen Zusam­men­prall.

1970 beschloß der nie­der­län­di­sche Pasto­ral­rat mit gro­ßer Mehr­heit die Ver­pflich­tung zum prie­ster­li­chen Zöli­bat abzu­schaf­fen. Der Beschluß wur­de von Papst Paul VI. als per­sön­li­cher Affront auf­ge­faßt. Erst zwei Jah­re zuvor hat­te er mit der Enzy­kli­ka Sacer­do­ta­lis coe­li­ba­tus die Bedeu­tung und die Ver­bind­lich­keit des Zöli­bats bekräf­tigt.

Das Wort vom „schismatischen Holland“

Skat Park in Kirche von ArnheimSeit die­sem Zeit­punkt macht das Wort vom „schis­ma­ti­schen Hol­land“ die Run­de. Vom leuch­ten­den Vor­bild unter den katho­li­schen Gemein­schaf­ten war das Schmud­del­kind der Kir­che gewor­den.
Wie die „toten Kir­chen“ der Nie­der­lan­de, ist auch die­se „schis­ma­ti­sche“ nie­der­län­di­sche Kir­che tot. Ihr Idol war Hadri­an VI., der ein­zi­ge aus den heu­ti­gen Nie­der­lan­den stam­men­de Papst. Im 16. Jahr­hun­dert bestieg er den Thron Petri. Er ent­zog der Römi­schen Kurie Pri­vi­le­gi­en und ent­sand­te einen Dele­ga­ten auf den Reichs­tag, um über Luthers The­sen zu dis­ku­tie­ren. Das ist alles rich­tig und den­noch hät­te Hadri­an VI. nicht deut­li­cher miß­ver­stan­den wer­den kön­nen. Als Schutz­pa­tron moder­ni­sti­scher Theo­lo­gen und liber­ti­ner Katho­li­ken eig­ne­te er sich jeden­falls nicht.

Atheistische Pastoren — Die Niederlande glauben an das „Irgendetwas“

Folgt man einem Bericht der Tages­zei­tung Trouw, soll heu­te jeder sech­ste pro­te­stan­ti­sche Pastor in den Nie­der­lan­den, Refor­mier­te und Luthe­ra­ner zusam­men­ge­nom­men, Athe­ist oder Agno­sti­ker sein.

Einer der füh­ren­den Ver­tre­ter die­ses „neu­en säku­la­ri­sier­ten Kle­rus“ ist Pastor Klaas Hen­drik­se, der den Sonn­tags­got­tes­dienst an der Kir­che von Gorinchem der Pro­te­stan­ti­schen Kir­che in den Nie­der­lan­den abhält ((Die Pro­te­stan­ti­sche Kir­che der Nie­der­lan­de ging 2004 aus dem Zusam­men­schluß der cal­vi­ni­sti­schen Nie­der­län­disch-refor­mier­ten Kir­che, der cal­vi­ni­sti­schen Gere­for­me­er­de Ker­ken und der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che im König­reich der Nie­der­lan­de her­vor.)). Der Pastor wur­de 2007 durch sein Bekennt­nis bekannt, an kei­nen per­so­na­len Gott zu glau­ben, „weil es einen sol­chen gar nicht gibt“.

Sei­nen Athe­is­mus leg­te Hen­drik­se inzwi­schen in zwei Bücher vor: Gelo­ven in een God die niet bestaat. Mani­fest van een atheï sti­sche domi­nee (Glau­ben an einen Gott den es nicht gibt. Mani­fest eines athe­isti­schen Pastors, 2007) und God bestaat niet en Jezus is zijn zoon (Es gibt kei­nen Gott, und Jesus ist sein Sohn, 2011). Für den pro­te­stan­ti­schen Pastor exi­stiert weder ein Leben nach dem Tod noch ist Jesus von den Toten auf­er­stan­den. Den­noch denkt er nicht an einen Rück­tritt von sei­nem Pasto­ren­amt. Er sehe sich viel­mehr als Dienst­lei­ster, da er mensch­li­che Bedürf­nis­se befrie­di­ge. Man könn­te von einem fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um der Schi­zo­phre­nie spre­chen oder per­fek­tem Gauk­ler­tum.

Der Reli­gi­ons­so­zio­lo­ge Hji­me Stof­fels von der Frei­en Uni­ver­si­tät Amster­dam schrieb, daß die Nie­der­lan­de heu­te an das „Irgend­was“ glau­be, eine Mischung aus pro­gres­si­vem Chri­sten­tum und post­mo­der­nem Agno­sti­zis­mus mit indi­vi­du­el­len eso­te­ri­schen oder anders­re­li­giö­sen Ein­spreng­seln. Auch die katho­li­sche Kir­che habe sich dem Syn­kre­tis­mus geöff­net.

Augustinerkirche Nimwegen: Pastor und katholischer Laie feiern „demokratischen“ Gottesdienst

In Nim­we­gen wird in der dor­ti­gen Augu­sti­ner­kir­che der Got­tes­dienst von einem Pro­te­stan­ten und einem Katho­li­ken gemein­sam gefei­ert, die sich im Rota­ti­ons­ver­fah­ren abwech­seln, so daß ein­mal der eine den Wort­got­tes­dienst lei­tet und der ande­re den pseu­do-eucha­ri­sti­schen Teil und umge­kehrt. Beim Stich­wort Augu­sti­ner kommt der jüngst erfolg­te, zwei Mil­lio­nen teu­re eli­mi­na­to­ri­sche Umbau der Augu­sti­ner­kir­che in Würz­burg in Erin­ne­rung, den ein inzwi­schen zum Prie­ster geweih­ter Augu­sti­ner mit zwei­fel­haf­ten Ansich­ten vor­an­ge­trie­ben hat­te.

Der Katho­lik ist ein ein­fa­cher Laie, meist eine Frau. Statt des Eucha­ri­sti­schen Hoch­ge­be­tes des Römi­schen Mis­sa­le ver­wen­den die bei­den lie­ber frei „kom­po­nier­te“ Tex­te pro­gres­si­ver Jesui­ten. Brot und Wein wer­den an alle aus­ge­teilt. Von einer gül­ti­gen Meß­fei­er kann ohne­hin kei­ne Rede sein. Die Macher nen­nen das Gan­ze „demo­kra­ti­sche Kir­che“.

Antwort auf Summorum Pontificum war „Alternativritus“ von Kerk en Ambt

Als Papst Bene­dikt XVI. 2007 das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum ankün­dig­te, ant­wor­te­ten die nie­der­län­di­schen Kir­chen mit Kerk en Ambt (Kir­che und Amt), einer Art Hand­buch für einen nie­der­län­di­schen Weg des Chri­sten­tums. Der von Schillebe­eckx ver­tre­te­ne Geist, der selbst nicht mehr dar­an betei­ligt war, ist kräf­tig in die Bro­schü­re ein­ge­flos­sen. Fak­tisch han­delt es sich um einen „Alter­na­tiv­ri­tus“, in dem unter ande­rem häu­fig nicht kon­se­krier­te Hosti­en unter die kon­se­krier­ten gemischt und gemein­sam ver­teilt wer­den. Wer was bekommt, weiß kei­ner. Die Logik jener, die den Glau­ben an die Real­prä­senz Chri­sti den Men­schen aus­trei­ben wol­len. Der hier­ar­chi­schen Kir­che, in die­sen Krei­sen „Pyra­mi­den­kir­che“ genannt, müs­se eine „Kör­per­kir­che“ ent­ge­gen­ge­setzt wer­den, in der die Lai­en die Haupt­rol­le spie­len.

Das Ver­ständ­nis der Eucha­ri­stie ist zwangs­läu­fig auch „alter­na­tiv“. „Die Vor­stel­lung, daß die Mes­se ein ‘Opfer’ ist, ist an ein ‘ver­ti­ka­les’, hier­ar­chi­sches Modell eines zöli­ba­tä­ren männ­li­chen Prie­sters gebun­den, wie es eine anti­quier­te Sexu­al­theo­rie vor­schreibt“, heißt es in der Bro­schü­re.

Sechs Prozent Moslems: Tendenz steigend – Kirchen werden zu Moscheen

Auf 16 Mil­lio­nen Ein­woh­nern kom­men heu­te 900.000 ara­bisch-mos­le­mi­sche Ein­wan­de­rer und 20 Moscheen allein in Amster­dam. Der mos­le­mi­sche Bevöl­ke­rungs­an­teil wird 2013 auf sechs Pro­zent geschätzt. Ten­denz stei­gend. Die Oude Kerk, die Alte Kir­che, ist die älte­ste Kir­che der Stadt. Die 1306 dem hei­li­gen Niko­laus geweih­te Kir­che war 1345 Schau­platz eines eucha­ri­sti­schen Wun­ders. 1578 wur­de nach dem Sieg der Cal­vi­ni­sten eine refor­mier­te Kir­che dar­aus, die sie eine zeit­lang par­al­lel auch als Bör­se nütz­ten. Heu­te befin­det sich die Kir­che mit­ten im Rot­licht­di­strikt der Stadt und ist fast aus­schließ­lich von Bor­del­len umge­ben. Die Kir­che selbst dient für Kunst­aus­stel­lun­gen oder wird bei Bedarf auch für Gala-Essen ver­mie­tet. In der Advent- und Weih­nachts­zeit sind die roten Weih­nachts­mann­ka­pu­zen, die von den Pro­sti­tu­ier­ten getra­gen wer­den, die ein­zi­gen Hin­wei­se auf das christ­li­che Hoch­fest.

Die eben­falls einst katho­li­sche, heu­te refor­mier­te Nieu­we Kerk, die aus dem 15. Jahr­hun­dert stam­men­de, der Got­tes­mut­ter Maria geweih­te spät­go­ti­sche Krö­nungs­kir­che der nie­der­län­di­schen Köni­ge (seit 1811) ist hin­ge­gen ein Muse­um.

Ende der 60er Jahre: Seminaristen hielten Priestertum für erledigt — und gingen

Wirft man einen Blick in das Ver­zeich­nis des katho­li­schen Prie­ster­se­mi­nars von Haar­lem, fällt auf, wie die Prie­ster­wei­hen Ende der 60er Jah­re dra­ma­tisch ein­bre­chen. 1968 wur­de nur ein Neu­prie­ster geweiht. Das Prie­ster­tum schien selbst den Semi­na­ri­sten von damals am Ende. Sie such­ten sich einen ande­ren Weg.

Das Ordens­we­sen erleb­te gleich­falls einen radi­ka­len Ein­bruch. Allein seit 1996 ist die Zahl der Ordens­män­ner und Ordens­frau­en in den Nie­der­lan­den von 1.779 auf 1.259 zurück­ge­gan­gen. Die Zahl der Prie­ster sank von 3.131 auf 2.431. Die Zahl der Semi­na­ri­sten erleb­te einen Rück­gang von 31 Pro­zent.

Die Fol­ge war ein inner­kirch­li­cher Umbau, der vom damals all­ge­gen­wär­ti­gen Moder­nis­mus zu einem neu­en glau­bens- und kir­chen­treu­en Nach­wuchs führ­te. Prie­ster- und Ordens­be­ru­fun­gen erwach­sen in den Nie­der­lan­de heu­te fast nur mehr aus tra­di­tio­nel­len katho­li­schen Fami­li­en. Mit dem Schrump­fungs­pro­zeß setz­te damit bereits eine Gesun­dung der Kir­che, wenn auch auf zah­len­mä­ßig stark redu­zier­tem Niveau ein. Heu­te wird in Haar­lem sogar wie­der die außer­or­dent­li­che Form des Römi­schen Ritus zele­briert.

Aus Kirche wird Luxuswohnraum – „Der Mann, der die Kirchen schließt“

Das Erz­bis­tum Utrecht gilt als Wie­ge des hol­län­di­schen Katho­li­zis­mus. Die Zahl der Pfar­rei­en wur­de jedoch von 316 auf 232 redu­ziert. Die goti­sche Jaco­bus­kerk, eine der größ­ten und älte­sten Kir­chen von Utrecht wur­de zwi­schen 2007 und 2009 vom Archi­tek­ten­stu­dio Zecc in eine Luxus­re­si­denz umge­baut. Zecc ist spe­zia­li­siert auf die Umwand­lung von lee­ren Kir­chen in Wohn- und Geschäfts­räu­me der Nobel­klas­se im Bau­haus-Stil. Das Gan­ze nennt sich Woon­ker­kXL (Wohn­kirch­eXL).

Die Kir­chen­bän­ke der nie­der­län­di­schen Kir­chen wer­den nach Län­gen­preis ver­kauft. Die kür­ze­ren zu 3,6 Metern Län­ge wer­den für 40 Euro ange­bo­ten. Die län­ge­ren zu 6 Metern für 60 Euro. Marc de Bey­er, der Kura­tor der Kunst­mu­se­en wur­de von der Stadt­ver­wal­tung mit dem Ver­kauf der reli­giö­sen Gebäu­de beauf­tragt. Er ist „der Mann, der die Kir­chen schließt“.

1958 waren 42 Prozent der Niederländer katholisch, 2013 noch 26 Prozent

DNiederlande Konfessionsverhältnisse 1849: Die Zahlen haben sich verschoben, die Gebiete sind gleichgebliebenie Ent­wick­lung betrifft vor allem die Katho­li­ken. Sie ris­kie­ren in den näch­sten Jah­ren die Hälf­te ihrer Kir­chen zu ver­lie­ren. Das scheint ein Para­dox, da die Pro­te­stan­ten die Mehr­heits­be­völ­ke­rung stell­ten. Des­halb waren ja die Nie­der­lan­de als eige­ner Staat ent­stan­den. 1830 waren 34,5 Pro­zent der Nie­der­län­der katho­lisch. 63 Pro­zent pro­te­stan­tisch. 1958 erreich­te der Katho­li­ken­an­teil mit knapp 42 Pro­zent sei­nen Höhe­punkt. Die Ent­christ­li­chung erfaß­te die Pro­te­stan­ten jedoch viel frü­her als die Katho­li­ken, wes­halb es heu­te mehr Katho­li­ken als Refor­mier­te und Luthe­ra­ner in den Nie­der­lan­den gibt. Laut jüng­sten Anga­ben (die aller­dings etwas von­ein­an­der abwei­chen), die fol­gen­de stammt aus dem Jahr 2008, sind heu­te 26 Pro­zent der Nie­der­län­der katho­lisch, aber nur mehr 17 Pro­zent pro­te­stan­tisch.

Die pro­te­stan­ti­schen Kir­chen ver­lie­ren jedes Jahr 60.000 Ange­hö­ri­ge. Hält der Rhyth­mus an, wird die libe­ra­le pro­te­stan­ti­sche Mehr­heits­rich­tung in den Nie­der­lan­den 2050 aus­ge­stor­ben sein, wie die Ver­tre­ter der Pro­te­stan­ti­schen Kir­che der Nie­der­lan­de selbst sagen. Übrig­blei­ben wer­den die streng cal­vi­ni­sti­schen Grup­pen des soge­nann­ten Bibel­strei­fens, der sich histo­risch ent­lang der Gren­ze zum katho­li­schen Süden und Süd­osten des Lan­des her­aus­ge­bil­det hat­te. Sie ver­fü­gen über die Chri­sten Unie (CU) und die Staat­kun­dig Gere­for­me­er­de Par­tij (SGP) auch über einen poli­ti­schen Arm. Sie erziel­ten bei den jüng­sten Par­la­ments­wah­len zusam­men­ge­zählt 5,2 Pro­zent der Stim­men.

Buchhandlung, Supermarkt, Skate Park, Lap Dance – Die neue Nutzungsbandbreite

In Hel­mond, einer Stadt mit 90.000 Ein­woh­nern in Nord­bra­bant, das zum katho­li­schen Süden des Lan­des gehört, ist ein Super­markt in eine ent­weih­te Kir­che ein­ge­zo­gen. In der ein­sti­gen Domi­ni­ka­ner­kir­che von Maas­tricht hat eine Buch­hand­lung geöff­net und je eine Kir­che in Utrecht und Amster­dam wur­de in eine Moschee umge­wan­delt.

In der Josephs­kir­che in Arn­heim befin­det sich seit Ende Novem­ber ein Skate Park mit Ram­pen und Hür­den im Haupt­schiff. Die Ein­tritts­kar­te für die Ska­ter kostet vier Euro. Dafür kann man einen gan­zen Tag lang zwi­schen Hei­li­gen­sta­tu­en roll­schuh­lau­fen.

Die Katha­ri­nen­kir­che von Doe­tin­chem in Gel­dern hat der pro­te­stan­ti­sche Pastor Klaas Bak­ker der ört­li­chen Kar­ne­vals­ge­sell­schaft für ihre Kar­ne­vals­sit­zung über­las­sen. Im Haupt­schiff der Kir­che, die bis zur refor­ma­to­ri­schen Kir­chen­spal­tung einer der Haupt­or­te der katho­li­schen Kir­che der Gegend war, wur­de eine Stan­ge befe­stigt und dann trat eine Lap Dance-Tän­ze­rin auf, die sich an der Stan­ge zur Ergöt­zung des Publi­kums abre­agier­te.

In Amster­dam hat der Gebäu­de­kom­plex, den die Ein­woh­ner De Lief­de (Die Lie­be) nann­ten und ein Klo­ster mit Kir­che und Pfarr­haus umfaß­te, einer Wohn­an­la­ge wei­chen müs­sen.

Fast die Hälfte bezeichnet sich als „konfessionslos“

Die größ­te Grup­pe in den Nie­der­lan­den sind heu­te die Bui­tenker­ke­li­jk, die Kon­fes­si­ons­lo­sen. Auch in den katho­li­schen Gebie­ten und Arbei­ter­ge­gen­den wie Lim­burg nahe zu Deutsch­land, wo die Men­schen auf bei­den Sei­ten der Gren­ze noch die­sel­be Mund­art spre­chen, ist die Zahl der Gläu­bi­gen dra­stisch zurück­ge­gan­gen. Eine erschüt­tern­de Ent­wick­lung für ein Land, in dem bis in die Nach­kriegs­zeit hin­ein, das Leben fast jedes Ein­zel­nen vom Cal­vi­nis­mus oder vom Katho­li­zis­mus tra­di­tio­nel­ler Prä­gung geformt wur­de. Der Sonn­tag galt allen unter cal­vi­ni­sti­schem Ein­fluß in so stren­gem Maße als hei­lig, daß man kaum die Bet­ten machen oder die Zei­tung lesen durf­te.

Neue Religiösität

Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­ler und Kir­chen­ex­per­ten machen seit Jah­ren dar­auf auf­merk­sam, daß die Reli­gi­on einer­seits aus dem öffent­li­chen Leben ver­schwin­det, aber in den Häu­sern neue For­men der Blü­te zeigt.

Das Buch De Toe­komst van God (Die Zukunft Got­tes) erzählt von Unter­neh­men, inter­na­tio­na­len Fir­men und Indu­strie­be­trie­ben, in denen in immer grö­ße­rer Zahl nach ame­ri­ka­ni­schem Stil ein Mor­gen­ge­bet gehal­ten wird.
Eine Blü­te erle­ben auch die Haus­kir­chen. Das Phä­no­men ist im katho­li­schen Bereich erst im Ent­ste­hen und zeigt ande­re Cha­rak­te­ri­sti­ken als im pro­te­stan­ti­schen Bereich. Dort sind Haus­kir­chen eine Art Do it your self-Kir­chen.

Erosionsprozeß am Beispiel christlicher Parteien

Auf die streng cal­vi­ni­sti­schen Par­tei­en im nie­der­län­di­schen Par­la­ment wur­de bereits hin­ge­wie­sen. Die Katho­li­ken ken­nen nichts der­glei­chen. Die Katho­li­sche Volks­par­tei (KVP) ging 1980 im Chri­sten Demo­cra­tisch Appà¨l (Christ­de­mo­kra­ti­schen Auf­ruf, CDA) auf, einem Zusam­men­schluß mit zwei pro­te­stan­ti­schen Par­tei­en. Die KVP allein erreich­te bei den Par­la­ments­wah­len 1963 noch 32 Pro­zent der Stim­men. Im Durch­schnitt errang sie 30 Pro­zent, die sie seit dem Ende des Ersten Welt­krie­ges gehal­ten hat­te. Die bei­den pro­te­stan­ti­schen Par­tei­en erziel­ten 1963 gemein­sam wei­te­re 17 Pro­zent der Stim­men. Bereits 1977 tra­ten die drei Par­tei­en als gemein­sa­me CDA-Liste an und erreich­ten zusam­men nur mehr 32 Pro­zent, statt der 49 Pro­zent von 1963. 2012 beleg­te die einst stärk­ste Par­tei der Nie­der­lan­de mit 8,5 Pro­zent der Stim­men nur mehr den fünf­ten Platz und hat kaum mehr Stim­men als die bei­den streng cal­vi­ni­sti­schen Par­tei­en zusam­men.

Nicht nur die libe­ra­len pro­te­stan­ti­schen Kir­chen zei­gen Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen. Auch die pro­gres­si­sti­schen Katho­li­ken ver­schwin­den. Sie haben sich gewis­ser­ma­ßen selbst abge­schafft. Die famos-berüch­tig­te Grup­pe 8. Mai, die 1985 gegen den Besuch von Papst Johan­nes Paul II. in den Nie­der­lan­den pro­te­stier­te, muß­te sich 2003 wegen Mit­glie­der­man­gels auf­lö­sen.
Der Katho­li­ken­an­teil wird in den Nie­der­lan­den, soll­te der Trend anhal­ten, bis 2020 ins­ge­samt auf etwa zehn Pro­zent fal­len.

Besuch Johannes Pauls II.: Proteste machten Abwendung sichtbar

Die wäh­rend des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils von Alfrink und Schillebe­eckx ein­ge­läu­te­te „Kul­tur­re­vo­lu­ti­on“ erleb­te beim Besuch von Johan­nes Paul II. sei­nen sicht­ba­ren Höhe­punkt. Eigent­lich war es mehr ein Abge­sang. Der Mit­te der 60er Jah­re mit revo­lu­tio­nä­rer Umbruch­stim­mung ein­set­zen­de libe­ra­le Weg in der katho­li­schen Kir­che des Lan­des führ­te in die Abwen­dung von der Kir­che. Als Johan­nes Paul II. Utrecht, die katho­li­sche Haupt­stadt der Nie­der­lan­de besuch­te, blie­ben die Stra­ßen leer. Als der Papst vor­bei­fuhr, sah man auf einem Bal­kon vier Domi­ni­ka­ner in ihrer Ordens­tracht auf­tau­chen. Jeder hielt eine gro­ße Foto­gra­fie von Leo­nar­do Boff in der Hand, einem der füh­ren­den Ver­tre­ter der von Rom ver­ur­teil­ten, mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie.

In ’s‑Hertogenbosch nah­men an der Pro­zes­si­on mit dem Papst nur 8000 Gläu­bi­ge teil. Mehr­fach wur­de das Kir­chen­ober­haupt mit dem respekt­lo­sen Ruf Popie Jop­ie „begrüßt“. Man sah nur die Kir­chen­fah­ne. Die nie­der­län­di­sche Fah­ne wur­de aus Pro­test nicht aus­ge­hängt. Und dies nicht etwa von den cal­vi­ni­sti­schen Nie­der­län­dern, son­dern in den katho­li­schen Gegen­den des Lan­des.

Seit 1568 bestimmte der calvinistische Bildersturm die niederländische Landschaft

Man­che Wis­sen­schaft­ler füh­ren die radi­ka­le Ent­christ­li­chung der Nie­der­lan­de auf die Geschich­te des Lan­des zurück. Kai­ser Karl V. von Öster­reich ver­such­te die Aus­brei­tung pro­te­stan­ti­scher The­sen ein­zu­däm­men, unter ande­rem durch das Ver­bren­nen von Luthers Schrif­ten und die Ein­rich­tung der Inqui­si­ti­on im Jahr 1522.

Zur Zeit des Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­dens, der aller­dings nur für die Luthe­ra­ner galt, hat­te sich der Cal­vi­nis­mus in den Nord­pro­vin­zen durch­ge­setzt, wäh­rend die Süd­pro­vin­zen, zu denen damals auch das heu­ti­ge Bel­gi­en gehör­te, katho­lisch blie­ben. Als Karl V. das habs­bur­gi­sche Erbe zwi­schen sei­nem Sohn und sei­nem Bru­der auf­teil­te, die die spa­ni­sche und die öster­rei­chi­sche Linie des Hau­ses begrün­de­ten, kamen die Nie­der­lan­de zur spa­ni­schen Linie. Ab 1568 kam es zum Auf­stand der cal­vi­ni­sti­schen Nie­der­län­der gegen die spa­ni­sche Herr­schaft. Die Cal­vi­ni­sten for­der­ten die Aner­ken­nung wie sie 1555 den Luthe­ra­nern gewährt wor­den war. 1581 erklär­ten sie die Unab­hän­gig­keit. Ein har­ter, lang­wäh­ren­der Kon­flikt mit reli­giö­sem, poli­ti­schem, wirt­schaft­li­chem und eth­ni­schem Hin­ter­grund war die Fol­ge, der erst 1648 mit dem West­fä­li­schen Frie­den ende­te.

Die Nie­der­lan­de wur­den als selb­stän­di­ger Staat aner­kannt. Nur um Habs­burg zu schwä­chen, wur­den absur­der­wei­se auch katho­li­sche Pro­vin­zen dem cal­vi­ni­sti­schen Staat zuge­schla­gen. Die Katho­li­ken stell­ten ein gutes Drit­tel der Ein­woh­ner­schaft der nun unab­hän­gi­gen Repu­blik der Sie­ben Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de. Damit begann die Ver­fol­gung der Katho­li­ken. Den katho­li­schen Gebie­ten wur­de jede Selbst­ver­wal­tung ver­wei­gert, die die cal­vi­ni­sti­schen Pro­vin­zen genos­sen. Sie wur­den direkt von den Gene­ral­staa­ten ver­wal­tet. Die katho­li­sche Kir­che wur­de ver­bo­ten, eben­so die Fei­er der hei­li­gen Mes­se oder ande­rer reli­giö­ser Hand­lun­gen.

Die anti­ka­tho­li­sche Unter­drückung durch das „Land der Tole­ranz“ dau­er­te drei Jahr­hun­der­te. Erst Ende des 19. Jahr­hun­derts wur­de in den Nie­der­lan­den das Ver­bot der katho­li­schen Kir­che offi­zi­ell auf­ge­ho­ben.

Heute ist es der atheistische Ikonoklasmus, der die niederländische Landschaft umformt

Als Papst Johan­nes Paul II. in der Stadt war, ver­such­te eine Grup­pe Jugend­li­cher das Rei­ter­stand­bild des hei­li­gen Wil­li­brord, des Patrons der Nie­der­lan­de, vom Sockel zu stür­zen. Die Geste war ein Signal der Zeit, das ein­her­ging mit der Ver­mot­tung der kirch­li­chen Para­men­te und der fei­er­li­chen Meß­ge­wän­der, der Erset­zung der Hosti­en durch Hüh­ner­fleisch­stück­chen, der Ver­ach­tung des Altars (auch des Volks­al­tars) und des­sen Erset­zung durch eine lan­ge Tafel, wäh­rend der Rest der hei­li­gen Gerä­te und der nicht niet- und nagel­fe­sten Kir­chen­ein­rich­tung inzwi­schen auch auf Ebay ver­scher­belt wird.

Was in die­sem klei­nen und stark bevöl­ker­ten Eck des Alten Kon­ti­nents geschieht, wo die Säku­la­ri­sie­rung auf fata­le Wei­se fast voll­endet ist, kann in dem was man seit Kriegs­en­de West­eu­ro­pa nennt, auch anders­wo gesche­hen. Um es mit den Wor­ten des bri­ti­schen Jour­na­li­sten Dou­glas Mur­ray zu sagen: „Dort wo Hol­land hin­geht, fol­gen auch die ande­ren euro­päi­schen Staa­ten.“

Katholische Erneuerung findet bereits statt – Die Niederlande sind Missionsland

Personalpfarrei-zum-Seligen-Kaiser-Karl-von-Österreich-in-der-Diözese-Haarlem-AmsterdamRom hat sich seit dem Pon­ti­fi­kat Johan­nes Pauls II. bemüht, den moder­ni­sti­schen Trend in den Nie­der­lan­den zu stop­pen. Das Schis­ma konn­te ver­mie­den wer­den, eine Trend­um­kehr ist noch nicht gelun­gen. Dazu war das Vor­ge­hen zu zag­haft, zu sehr dar­an aus­ge­rich­tet eine neue Kir­chen­spal­tung zu ver­mei­den, die sich, das die gro­ße Befürch­tung in Rom, auf ande­re Län­der aus­wei­ten konn­te.

Neben den vie­len Ver­falls- und Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen sind auch Zei­chen der Erho­lung und eines neu­en Auf­blü­hens fest­zu­stel­len. Ita­lie­ni­sche Katho­li­ken unter­stüt­zen den Auf­bau eines Bene­dik­ti­ne­rin­nen­klo­sters in den Nie­der­lan­den mit anfangs 12 ita­lie­ni­schen Non­nen. Die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Sei­te Mes­sain­la­ti­no reg­te jüngst an, daß auch die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Katho­li­ken ein Neue­van­ge­li­sie­rungs­pro­jekt in den Nie­der­lan­den ins Leben rufen und unter­stüt­zen könn­ten.

Text: Il Foglio/Giuseppe Nar­di
Bild: Aaron Zwaal/031bmx/RefDag/

1 Kommentar

  1. Her­vor­ra­gen­de Zustands­be­schrei­bung der Situa­ti­on hier in den Nie­der­lan­den. Klei­ne Kor­rek­tur: der „katho­li­sche“ Sen­der heisst KRO (Katho­lie­ke Radio Omro­ep). RKK wur­de von der Bischofs­kon­fe­renz ins Leben geru­fen; die Radio- und Fern­se­hu­e­ber­tra­gun­gen wer­den von KRO aus­ge­strahlt.
    Die Fithi Camii Moschee heisst Fathi Camii; die ehe­ma­li­ge St. Igna­ti­us­kir­che wur­de 1971 von den Jesui­ten geschlos­sen und ver­kauft. Die unruehm­li­che Rol­le der Jesui­ten wae­re einen eige­nen Arti­kel wert. Der auch in den deutsch­spra­chi­gen Laen­dern belieb­te Ex-Jesu­it und „Dich­ter“ Huub Ooster­huys sei hier stell­ver­tre­tend genannt, des­sen Lied­tex­te auch im neu­en Got­tes­lob Ein­gang gefun­den haben.

Kommentare sind deaktiviert.