Traditionis custodes: Ein Krieg am Rande des Abgrunds

Wie könnte man die Bosheit und Heuchelei jener übersehen, die die Tradition zerstören wollen, indem sie sich "Hüter der Tradition" nennen?

Prof. Roberto de Mattei: "Traditionis custodes ist noch schlimmer als Amoris laetitia."
Prof. Roberto de Mattei: "Traditionis custodes ist noch schlimmer als Amoris laetitia."

Von Rober­to de Mattei*

Die Absicht des Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des von Papst Fran­zis­kus vom 16. Juli 2021 ist es, jeden Aus­druck der Treue zur tra­di­tio­nel­len Lit­ur­gie zu unter­drücken. Doch das Ergeb­nis wird sein, einen Krieg zu ent­fa­chen, der unwei­ger­lich mit dem Tri­umph der Tra­di­ti­on der Kir­che endet.

Als Paul VI. am 3. April 1969 den Novus Ordo Mis­sae (NOM) ver­kün­de­te, war es sei­ne Grund­idee, daß die über­lie­fer­te Mes­se in weni­gen Jah­ren nur noch eine Erin­ne­rung sein wür­de. Die Begeg­nung der Kir­che mit der moder­nen Welt, die Paul VI. im Namen eines „inte­gra­len Huma­nis­mus“ erhoff­te, sah das Ver­schwin­den aller Hin­ter­las­sen­schaf­ten der „kon­stan­ti­ni­schen“ Kir­che vor­aus. Und der über­lie­fer­te Römi­sche Ritus, den der hei­li­ge Pius V. 1570 nach der pro­te­stan­ti­schen lit­ur­gi­schen Ver­wü­stung wie­der­her­ge­stellt hat­te, schien dem Unter­gang geweiht zu sein.

Nie erwies sich jedoch eine Vor­her­sa­ge als fal­scher. Heu­te sind die Prie­ster­se­mi­na­re ohne Beru­fun­gen und die Pfar­rei­en, manch­mal von Prie­stern im Stich gelas­sen, die ihre Hei­rat und ihre Rück­kehr in das bür­ger­li­che Leben ankün­di­gen, lee­ren sich. Im Gegen­satz dazu sind die Orte, an denen die über­lie­fer­te Lit­ur­gie gefei­ert und der Glau­be und die Moral aller Zei­ten gepre­digt wer­den, mit Gläu­bi­gen gefüllt und Quel­len der Beru­fun­gen. Die tra­di­tio­nel­le Mes­se wird regel­mä­ßig in 90 Staa­ten auf allen Kon­ti­nen­ten zele­briert, und die Zahl der Gläu­bi­gen, die dar­an teil­neh­men, wächst von Jahr zu Jahr und speist sowohl die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. als auch die Eccle­sia-Dei-Insti­tu­te, die nach 1988 ent­stan­den sind. Das Coro­na­vi­rus hat zu die­sem Wachs­tum noch bei­getra­gen. Vie­le Gläu­bi­ge ver­las­sen nach dem Zwang zur Hand­kom­mu­ni­on, ange­wi­dert von die­ser Schän­dung, ihre Pfar­rei­en, um die hei­li­ge Eucha­ri­stie an den Orten zu emp­fan­gen, an denen sie wei­ter­hin in den Mund gespen­det wird.

Die­se Bewe­gung der See­len ent­steht als Reak­ti­on auf die „Form­lo­sig­keit“ der neu­en Lit­ur­gie, über die Mar­tin Mose­bach in sei­nem Buch Häre­sie der Form­lo­sig­keit (Karo­lin­ger, 2003; Neu­aus­ga­be Rowohlt, 2019) tref­fend geschrie­ben hat. Wenn pro­gres­si­ve Autoren wie Andrea Ric­car­di von der Gemein­schaft San­t’E­g­idio das gesell­schaft­li­che Ver­schwin­den der Kir­che bekla­gen (La Chie­sa bru­cia. Cri­si e futu­ro del cri­stia­ne­si­mo, Tem­pi nuo­vi, 2021), dann ist eine der Ursa­chen dafür gera­de die Unfä­hig­keit der neu­en Lit­ur­gie, anzie­hend zu sein, da sie nicht imstan­de ist, den Sinn des Hei­li­gen und der Tran­szen­denz aus­zu­drücken. Nur in der abso­lu­ten gött­li­chen Tran­szen­denz kommt Got­tes extre­me Men­schen­nä­he zum Aus­druck, bemerk­te Kar­di­nal Ratz­in­ger in dem Buch, das er vor sei­ner Wahl zum Papst dem Geist der Lit­ur­gie wid­me­te (Her­der, 2013). Der dama­li­ge Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, der die Lit­ur­gie stets in den Mit­tel­punkt sei­ner Inter­es­sen gestellt hat­te, ver­kün­de­te, nach sei­ner Wahl zum Papst Bene­dikt XVI., am 7. Juli 2007 das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum, mit dem er dem über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus (unglück­lich als „außer­or­dent­li­che Form“ bezeich­net) das vol­le Bür­ger­recht zurück­gab, der zwar recht­lich nie abge­schafft, aber vier­zig Jah­re lang fak­tisch unter­sagt gewe­sen war.

Summorum Pon­ti­fi­cum hat zur Ver­brei­tung tra­di­tio­nel­ler Meß­or­te und zur Blü­te einer umfang­rei­chen Samm­lung hoch­wer­ti­ger Stu­di­en über die alte und die neue Lit­ur­gie bei­getra­gen. Mit der Bewe­gung zur Wie­der­ent­deckung der über­lie­fer­ten Lit­ur­gie durch die Jugend ging eine so reich­hal­ti­ge Lite­ra­tur ein­her, daß sie hier nicht berück­sich­tigt wer­den kann. Unter den jüng­sten Wer­ken genügt es, an die Schrif­ten von Abbé Clau­de Bar­t­he: Histoire du mis­sel triden­tin et de ses ori­gi­nes (Via Roma­na, 2016) und La Mes­se de Vati­can II. Dos­sier histo­ri­que (Via Roma­na, 2018) zu erin­nern; eben­so an Micha­el Fied­ro­wicz: Die über­lie­fer­te Mes­se. Geschich­te, Gestalt und Theo­lo­gie des klas­si­schen römi­schen Ritus (3. aktua­li­sier­te Auf­la­ge, Car­t­hu­sia­nus, 2014) und von Peter Kwas­niew­ski: Noble Beau­ty, Tran­s­cen­dent Holi­ness. Why the Modern Age Needs the Mass of Ages (Ange­li­co, 2017). Auf pro­gres­si­ver Sei­te wur­de kei­ne gleich­wer­ti­ge Stu­die hervorgebracht.

Auf die­se Bewe­gung der kul­tu­rel­len und geist­li­chen Wie­der­ge­burt reagier­te Papst Fran­zis­kus, indem er die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on anwies, den Bischö­fen einen Fra­ge­bo­gen zur Anwen­dung des Motu pro­prio von Bene­dikt XVI. zu über­mit­teln. Die Erhe­bung war sozio­lo­gisch, aber die Schluß­fol­ge­run­gen, die Fran­zis­kus dar­aus zog, sind ideo­lo­gisch. Es bedarf kei­ner Umfra­ge, um zu sehen, wie die Kir­chen, die von Gläu­bi­gen besucht wer­den, die der lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on ver­bun­den sind, immer voll sind und die ordent­li­chen Pfar­rei­en sich zuneh­mend ent­völ­kern. In dem Brief an die Bischö­fe, der das Motu pro­prio vom 16. Juli beglei­tet, sagt Papst Fran­zis­kus aber: „Die ein­ge­gan­ge­nen Ant­wor­ten haben eine Situa­ti­on offen­bart, die mich schmerzt und beun­ru­higt und mir die Not­wen­dig­keit bestä­tigt, ein­zu­grei­fen. Lei­der wur­de die pasto­ra­le Absicht mei­ner Vor­gän­ger, die beab­sich­tigt hat­ten, ‘alle Anstren­gun­gen zu unter­neh­men, damit all denen, die wirk­lich die Ein­heit wün­schen, ermög­licht wird, in die­ser Ein­heit zu blei­ben oder sie wie­der­zu­fin­den‘, oft schwer­wie­gend miß­ach­tet.“ „Nicht weni­ger betrübt mich eine instru­men­tel­le Ver­wen­dung des Mis­sa­le Roma­num von 1962, die zuneh­mend durch eine wach­sen­de Ableh­nung nicht nur der lit­ur­gi­schen Reform, son­dern auch des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils gekenn­zeich­net ist mit der unbe­grün­de­ten und nicht halt­ba­ren Behaup­tung, es habe die Tra­di­ti­on und die ‚wah­re‘ Kir­che ver­ra­ten.“ Daher „tref­fe ich den festen Ent­schluß, alle frü­he­ren Nor­men, Anwei­sun­gen, Zuge­ständ­nis­se und Gebräu­che vor die­sem Motu pro­prio auf­zu­he­ben“.

Papst Fran­zis­kus hielt es nicht für not­wen­dig, wegen der Zer­rüt­tung der Ein­heit durch die deut­schen Bischö­fe zu inter­ve­nie­ren, die im Namen des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils schon oft der Häre­sie ver­fie­len, scheint aber über­zeugt zu sein, daß die ein­zi­ge Bedro­hung für die Ein­heit der Kir­che von jenen kommt, die zum Zwei­ten Vati­ca­num Zwei­fel geäu­ßert haben, so wie an Amo­ris lae­ti­tia Zwei­fel auf­ge­wor­fen wur­den, ohne jemals eine Ant­wort erhal­ten zu haben. Daher rührt der Art. 1 des Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des, laut dem „die von den Päp­sten Paul VI. und Johan­nes Paul II. in Über­ein­stim­mung mit den Dekre­ten des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils ver­kün­de­ten lit­ur­gi­schen Bücher der ein­zi­ge Aus­druck der lex oran­di des Römi­schen Ritus sind“.

Auf recht­li­cher Ebe­ne ist die Auf­he­bung des frei­en Rechts des ein­zel­nen Prie­sters, gemäß den lit­ur­gi­schen Büchern vor der Reform von Paul VI. zu zele­brie­ren, offen­sicht­lich unrecht­mä­ßig. Summorum Pon­ti­fi­cum von Bene­dikt XVI. bekräf­tig­te, daß der über­lie­fer­te Ritus nie außer Kraft gesetzt wur­de und jeder Prie­ster das vol­le Recht hat, ihn über­all auf der Welt zu zele­brie­ren. Tra­di­tio­nis custo­des inter­pre­tiert die­ses Recht als Pri­vi­leg, das als sol­ches vom Ober­sten Gesetz­ge­ber wie­der ent­zo­gen wird. Die­ser modus pro­ce­den­di ist jedoch völ­lig will­kür­lich, denn die Recht­mä­ßig­keit der über­lie­fer­ten Mes­se ergibt sich nicht aus einem Pri­vi­leg, son­dern aus der Aner­ken­nung eines sub­jek­ti­ven Rechts der ein­zel­nen Gläu­bi­gen, sei­en es Lai­en, Kle­ri­ker oder Ordens­leu­te. Ent­spre­chend hat Bene­dikt XVI. nie etwas „gewährt“, son­dern ledig­lich das Recht aner­kannt, das „nie abge­schaff­te“ Meß­buch zu ver­wen­den und geist­li­chen Nut­zen dar­aus zu ziehen.

Der Grund­satz, den Summorum Pon­ti­fi­cum aner­kennt, ist die Unver­än­der­lich­keit der Bul­le Quo pri­mum des hl. Pius V. vom 14. Juli 1570. Als bedeu­ten­der Kir­chen­recht­ler bemerkt Abbé Ray­mond Dulac (Le droit de la Mes­se romai­ne, Cour­ri­er de Rome, 2018), daß Pius V. selbst nichts Neu­es ein­ge­führt, son­dern eine alte Lit­ur­gie wie­der­her­ge­stellt und jedem Prie­ster auf ewig das Pri­vi­leg ein­ge­räumt hat, sie zu zele­brie­ren. Kein Papst hat das Recht, einen Ritus, der auf die Apo­sto­li­sche Tra­di­ti­on zurück­geht und sich im Lau­fe der Jahr­hun­der­te her­aus­ge­bil­det hat, wie es für die soge­nann­te Mes­se des hl. Pius V. der Fall ist, auf­zu­he­ben oder zu ändern, wie der gro­ße Lit­ur­gi­ker Msgr. Klaus Gam­ber in sei­nem Werk Die Reform der römi­schen Lit­ur­gie. Vor­ge­schich­te und Pro­ble­ma­tik (Pustet, 1981) bestä­tigt, des­sen fran­zö­si­sche Aus­ga­be La Réfor­me lit­ur­gi­que en que­sti­on (Edi­ti­ons Sain­te-Made­lei­ne, 1992) ein Vor­wort von Kar­di­nal Ratz­in­ger enthält.

In die­sem Sin­ne kann das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des als schwer­wie­gen­de­rer Akt ange­se­hen wer­den als das nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia. Nicht nur das: Das Motu pro­prio hat kir­chen­recht­li­che Anwen­dun­gen, die dem nach­syn­oda­len Schrei­ben feh­len. Wäh­rend Amo­ris lae­ti­tia jenen den Zugang zur Eucha­ri­stie zu gewäh­ren scheint, die kein Recht dazu haben, beraubt Tra­di­tio­nis custo­des jene des geist­li­chen Wohls der Mes­se aller Zei­ten, die ein Recht auf die­ses unver­äu­ßer­li­che Gut haben und das sie brau­chen, um im Glau­ben zu verharren.

Zudem ist das ideo­lo­gi­sche System offen­sicht­lich, das a prio­ri die Grup­pen von Gläu­bi­gen, die der lit­ur­gi­schen Tra­di­ti­on der Kir­che ver­bun­den sind, als Sek­tie­rer betrach­tet. Von ihnen wird gespro­chen, als ob sie Auf­rüh­rer wären, die ohne Defi­ni­ti­on von Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en unter Beob­ach­tung gestellt wer­den müs­sen (vgl. Nr. 1, 5 und 6), deren Ver­ei­ni­gungs­recht ein­ge­schränkt und der Bischof unter Ein­engung sei­ner Rech­te als Ordi­na­ri­us (vgl. CIC, can. 321, §2) dar­an gehin­dert wird, neue zuzu­las­sen. Die Gläu­bi­gen­grup­pen sind bis­her spon­tan ent­stan­den und wur­den zu Spre­chern für eini­ge Anträ­ge bei den legi­ti­men Auto­ri­tä­ten, aber sie wur­den nie „auto­ri­siert“. Die Not­wen­dig­keit zu behaup­ten, daß die Grün­dung einer Grup­pe auto­ri­siert wer­den müß­te, stellt ein ern­stes vul­nus (Ver­let­zung) der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit der Gläu­bi­gen dar, die das Zwei­te Vati­ca­num befür­wor­tet hat, so wie auch die Bestim­mung gegen das Kon­zil ver­stößt, die Bischö­fe zu blo­ßen Voll­streckern des päpst­li­chen Wil­lens macht.

Tra­di­tio­nis custo­des bestä­tigt den Pro­zeß zur Zen­tra­li­sie­rung der Macht von Papst Fran­zis­kus im Wider­spruch zu sei­nen stän­di­gen Hin­wei­sen auf die „Syn­oda­li­tät“ in der Kir­che. Den Wor­ten nach ist es „aus­schließ­lich“ Sache des Bischofs, die außer­or­dent­li­che Form in sei­ner Diö­ze­se zu regeln, aber in Wirk­lich­keit schränkt das Motu pro­prio (vgl. Art. 4) das Ermes­sen und die Auto­no­mie des Bischofs ein, wenn es vor­sieht, daß sei­ne Geneh­mi­gung nicht aus­reicht, damit die von einem Diö­ze­san­prie­ster erbe­te­ne Mes­se im über­lie­fer­ten Ritus zele­briert wer­den darf, son­dern in jedem Fall die Zustim­mung des Apo­sto­li­schen Stuhls ein­ge­holt wer­den muß. Das bedeu­tet, daß der Bischof die­se Ermäch­ti­gung (die nie als Befug­nis defi­niert wird, daher eher ein Pri­vi­leg zu sein scheint) nicht eigen­stän­dig ertei­len kann, son­dern sei­ne Ent­schei­dung noch von den „Vor­ge­setz­ten“ über­prüft wer­den muß. Wie Pater Ray­mond de Sou­za bemerkt:

„Die groß­zü­gi­gen Vor­schrif­ten sind ver­bo­ten, die restrik­ti­ven wer­den ermutigt“.

Das Ziel ist klar: die Prä­senz des über­lie­fer­ten Ritus mit der Zeit zu besei­ti­gen, um den Novus Ordo von Paul VI. als ein­zi­gen Ritus der Kir­che durch­zu­set­zen. Um die­ses Ziel zu errei­chen, ist eine gedul­di­ge Umer­zie­hung der Wider­spen­sti­gen not­wen­dig. Daher, wie man im Brief an die Bischö­fe lesen kann, sind „die Anwei­sun­gen zum Vor­ge­hen in den Diö­ze­sen haupt­säch­lich von zwei Grund­sät­zen dik­tiert: einer­seits für das Wohl derer zu sor­gen, die in der frü­he­ren Zele­bra­ti­ons­form (gemeint ist der über­lie­fer­te Römi­sche Ritus, Anm. d. Autors) ver­wur­zelt sind und Zeit brau­chen, um zum Römi­schen Ritus zurück­zu­keh­ren, der von den Hei­li­gen Paul VI. und Johan­nes Paul II. (der neue Römi­sche Ritus oder Novus Ordo Mis­sae, Anm. d. Autors) ver­kün­det wur­de; ande­rer­seits die Errich­tung neu­er Per­so­nal­pfar­rei­en abzu­bre­chen, die mehr mit dem Wunsch und Wil­len ein­zel­ner Prie­ster ver­bun­den sind als mit der wirk­li­chen Not des ‚hei­li­gen treu­en Vol­kes Got­tes‘.“

Tim Stan­ley liegt nicht falsch, wenn er im Spec­ta­tor vom 17. Juli von einem „erbar­mungs­lo­sen Krieg“ gegen den alten Ritus (The Pope’s mer­ci­less war against the Old Rite) spricht. Bene­dikt XVI. hat mit Summorum Pon­ti­fi­cum öffent­lich die Exi­stenz einer unver­än­der­li­chen lex oran­di der Kir­che aner­kannt, die kein Papst jemals auf­he­ben kann. Fran­zis­kus hin­ge­gen äußert sei­ne Ableh­nung der tra­di­tio­nel­len lex oran­di und impli­zit auch der lex creden­di, die der über­lie­fer­te Ritus zum Aus­druck bringt. Der Frie­den, der mit dem Motu pro­prio von Bene­dikt XVI. in der Kir­che zu sichern ver­sucht wur­de, ist zu Ende, und Joseph Ratz­in­ger ist acht Jah­re nach sei­nem Rück­tritt vom Pon­ti­fi­kat dazu ver­ur­teilt, wie im Epi­log einer grie­chi­schen Tra­gö­die Zeu­ge des Krie­ges zu wer­den, den sein Nach­fol­ger ent­fes­selt hat.

Der Kampf fin­det am Ran­de des Abgrunds zum Schis­ma statt. Papst Fran­zis­kus will sei­ne Kri­ti­ker hin­ein­stür­zen, indem er sie drängt, wenn nicht dem Prin­zip nach, so doch fak­tisch, eine ihm ent­ge­gen­ge­setz­te „wah­re Kir­che“ zu kon­sti­tu­ie­ren, aber er ris­kiert selbst, in den Abgrund zu ver­sin­ken, wenn er dar­auf beharrt, die Kir­che des Kon­zils jener der Tra­di­ti­on ent­ge­gen­zu­set­zen. Das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des ist ein Schritt in die­se Rich­tung. Wie könn­te man die Bos­heit und Heu­che­lei jener über­se­hen, die die Tra­di­ti­on zer­stö­ren wol­len, indem sie sich „Hüter der Tra­di­ti­on“ nen­nen? Und wie könn­te man über­se­hen, daß dies gera­de zu einer Zeit geschieht, in der Häre­si­en und Irr­tü­mer aller Art die Kir­che verwüsten?

Wenn Gewalt die unrecht­mä­ßi­ge Anwen­dung von Macht ist, dann ist das Motu pro­prio von Papst Fran­zis­kus ein objek­tiv gewalt­tä­ti­ger Akt, weil anma­ßend und miß­bräuch­lich. Wer jedoch der Ille­gi­ti­mi­tät der Gewalt mit ille­gi­ti­men For­men des Wider­spruchs begeg­nen woll­te, läge falsch.

Der ein­zi­ge legi­ti­me Wider­stand ist der jener, die das Kir­chen­recht nicht igno­rie­ren und fest an die Sicht­bar­keit der Kir­che glau­ben; jener, die dem Pro­te­stan­tis­mus nicht nach­ge­ben und nicht den Anspruch erhe­ben, sich zum Papst gegen den Papst zu machen; jener, die ihre Spra­che mäßi­gen und die unge­ord­ne­ten Lei­den­schaf­ten unter­drücken, die zu über­stürz­ten Schrit­ten füh­ren kön­nen; jener, die nicht apo­ka­lyp­ti­schen Phan­ta­sien ver­fal­len und im Sturm ein siche­res Gleich­ge­wicht hal­ten; schließ­lich jener, die alles auf das Gebet grün­den in der Über­zeu­gung, daß nur Jesus Chri­stus und nie­mand sonst sei­ne Kir­che ret­ten wird.

*Rober­to de Mattei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017 und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

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Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana

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17 Kommentare

  1. Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag besuch­te ich die hl. Mes­se der FSSP. Der Prie­ster erin­ner­te zu Begin sei­ner Pre­digt an die 1. Lesung, die für die­sen Sonn­tag, 18.07.2021, zwei Tage nach Fran­zis­kus Moto Pro­prio, im NO vor­ge­se­hen ist:
    Jere­mi­as 23, 1–6:
    1 Weh euch Hir­ten, die ihr die Her­de mei­ner Wei­de umbrin­get und zer­streu­et! spricht der Herr. 2 Dar­um spricht der HERR, der Gott Isra­els, von den Hir­ten, die mein Volk wei­den: Ihr habt mei­ne Her­de zer­streut und ver­sto­ßen und nicht besucht. Sie­he, ich will euch heim­su­chen um eures bösen Wesens wil­len, spricht der Herr. 3 Und ich will die übri­gen mei­ner Her­de sam­meln aus allen Län­dern, dahin ich sie ver­sto­ßen habe, und will sie wie­der­brin­gen zu ihren Hür­den, daß sie sol­len wach­sen und ihrer viel wer­den. 4 Und ich will Hir­ten über sie set­zen, die sie wei­den sol­len, daß sie sich nicht mehr sol­len fürch­ten noch erschrecken noch heim­ge­sucht wer­den, spricht der Herr. 5 Sie­he, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich dem David ein gerech­tes Gewächs erwecken will, und soll ein König sein, der wohl regie­ren wird und Recht und Gerech­tig­keit auf Erden anrich­ten. 6 Zu sei­ner Zeit soll Juda gehol­fen wer­den und Isra­el sicher woh­nen. Und dies wird sein Name sein, daß man ihn nen­nen wird: Der Herr uns­re Gerechtigkeit.

  2. Papst? Kei­ne Knie­beu­ge bei der Wand­lung, abwe­send in der Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie, abwe­send an Fron­leich­nam, redu­ziert die Mes­sen in Sankt Peter, Kom­mu­ni­on für alle. Was glaubt er eigent­lich, der Papst? Ist er sich gewiss, dass in der Mes­se des novus ordo even­tu­ell eine Kon­se­kra­ti­on gar nicht statt­fin­det? Als durch­aus rück­kehr­wil­li­ger ungläu­bi­ger Katho­lik weiß ich nicht, wohin ich mich wen­den soll.

    • An die Tra­di­tioin solan­ge Sie noch können!
      Frei­lich, biblisch unter­wei­sen müs­sen Sie sich sel­ber, da ken­ne ich kaum jeman­den, der einem die tie­fen Zusam­men­hän­ge zwi­schen Lit­ur­gie und der Bibel erklä­ren kann, geschwei­ge denn erklä­ren, was der Herr Jesus Chri­stus für die­se Zeit an Unter­wei­sung hin­ter­las­sen hat!
      Für die Lit­ur­gie, und war­um der katho­li­sche Glau­be mit Hier­ar­chie, altem Ritus, Hei­li­gen, spe­zi­ell Mari­en­ver­he­rung und nicht Anbe­tung zuteifst biblisch ist, und alle die das Gegen­teil behaup­ten ver­blen­det oder bewuss­te Lüg­ner (das sage ich, die ich eine Nach­fah­rin von Luthers Beicht­va­ter, Johan­nes Bug­en­ha­gen bin), lesen Sie das Buch von Scott und Kim­ber­ly Hahn, „Unser Weg nach Rom“ (Ori­gi­nal­ti­tel: Rome sweet Rome)
      und um zu wis­sen was heu­te los ist.

    • Es ist schon ein Greu­el. Die Hir­ten sind ent­zweit. Wo man schaut fin­den sich nur abge­fal­le­ne Hir­ten. Wenn in der Ent­zeit kei­ne Füh­rer der Men­schen zu fin­den sind, soll das wohl so sein. Es steht geschrie­ben, es ist eine böse Zeit. Uns steht die Bibel als Wort Got­tes zur Sei­te, mit jedem Wort.
      Wenn Sie zurück­keh­ren wol­len, sind Sie schon zurück und auf dem Weg.

  3. Der Schluss der Bul­le „Quo pri­mum“ lau­tet bekanntlich:
    „Über­haupt kei­nem Men­schen also sei es erlaubt, die­ses Blatt, auf dem Erlaub­nis, Beschluss, Anord­nung, Auf­trag, Vor­schrift, Bewil­li­gung, Indult, Erklä­rung, Wil­le, Fest­set­zung und Ver­bot von Uns auf­ge­zeich­net sind, zu ver­let­zen oder ihm im unbe­son­ne­nem Wag­nis zuwi­der­zu­han­deln. 
 
Wenn aber jemand sich her­aus­neh­men soll­te, dies anzu­ta­sten, so soll er wis­sen, dass er den Zorn des All­mäch­ti­gen Got­tes und Sei­ner Hei­li­gen Apo­stel Petrus und Pau­lus auf sich zie­hen wird.“ 

  4. Das Motu pro­prio „Tra­di­tio­nis custo­des“ ist mehr als ein Mei­len­stein in der Geschich­te der Kir­che. Es ist ein irrepa­ra­bler Bruch nicht nur im Ver­hält­nis zu Bene­dikt XVI und allen vor­aus­ge­hen­den Päp­sten son­dern vor allem zur Tra­di­ti­on der Kir­che. Vor die­sem Hin­ter­grund kann ich Ber­go­glio immer weni­ger als Papst ver­ste­hen. Ich erin­ne­re dabei an die beein­drucken­den Schluss­wor­te mit denen Papst Pius V sei­ne Bul­le „Quo pri­mum“, mit der er das im Auf­trag des Tri­en­ter Kon­zils her­aus­ge­ge­be­ne Mis­sa­le Roma­num ver­kün­de­te und Kraft setz­te, been­de­te : „Über­haupt kei­nem Men­schen also sei es erlaubt, die­ses Blatt, auf dem Erlaub­nis, Beschluss, Anord­nung, Auf­trag, Vor­schrift, Bewil­li­gung, Indult, Erklä­rung, Wil­le, Fest­set­zung und Ver­bot von Uns auf­ge­zeich­net sind, zu ver­let­zen oder ihm im unbe­son­ne­nem Wag­nis zuwi­der­zu­han­deln. Wenn aber jemand sich her­aus­neh­men soll­te, dies anzu­ta­sten, so soll er wis­sen, dass er den Zorn des All­mäch­ti­gen Got­tes und Sei­ner Hei­li­gen Apo­stel Petrus und Pau­lus auf sich zie­hen wird.“

  5. Das ist eine wah­re Aus­sa­ge, Signor Mattei: nur Chri­stus kann sei­ne Kir­che (und die Welt) retten.
    Dem­nach auch nicht die Tra­di­tio­na­li­sten, Triden­ti­ner, die Pius- und die Petrus-Brü­der und wie man sie alle nen­nen mag. Die jedoch glau­ben — so hin­ter­las­sen sie oft den Ein­druck bzw. ver­hal­ten sich in sol­cher Wei­se — sie hät­ten das Heil der Welt und die Selig­keit des Him­mels gepach­tet. Und nach wie vor spricht mich die lit­ur­gi­sche Reform der Mes­se, also der Novus Ordo, den Paul VI. stich­hal­tig und über­zeu­gend erläu­tert, stark an. Auch wenn mir jetzt sicher wie­der von man­chen Lesern unter­stellt wer­den wird, „kei­ne Ahnung von Lit­ur­gie“ zu besit­zen. Nun denn…! 

    Sie kön­nen jedoch nicht die Tat­sa­che abspre­chen, Signor Mattei, dass der Novus Ordo eben­so wesent­li­che Ele­men­te ent­hält, die auf die apo­sto­li­sche Tra­di­ti­on zurück­ge­hen bzw. in sei­nem Kern auf die apo­sto­li­sche Tra­di­ti­on grün­det. Und, wie Sie schrei­ben, ist auch der alte Ritus einer, der sich in sei­ner gesam­ten Ent­wick­lung „im Lau­fe der Jahr­hun­der­te her­aus­ge­bil­det hat“ (mit Ele­men­ten der apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on). Mit wel­chem Recht wird hier denn behaup­tet, dass kein Papst „das Recht“ habe, einen Ritus „wie es für die soge­nann­te Mes­se des hl. Pius V. der Fall ist, auf­zu­he­ben oder zu ändern.“ Welch eine Anma­ßung! Der hei­li­ge Pius V. war weder der Ret­ter der Kir­che, noch Gott selbst.

    Ein paar Wor­te all­ge­mein zu allen hier ver­öf­fent­lich­ten Bei­trä­gen über das Motu Pro­prio von Bene­dikt XVI. und dem neu­en von Papst Fran­zis­kus. Fran­ces­co hat als amtie­ren­der Papst sehr wohl das Recht, Din­ge der Kir­che zu belas­sen oder sie zu ver­än­dern. Er ändert oder tilgt ja nicht das Herz der Lit­ur­gie, das ihm genau­so hei­lig ist wie Ihnen allen: die Ein­set­zung der Eucha­ri­stie durch Jesus Chri­stus. Die­se fei­ert er ganz nach Sinn und Auf­trag Jesu: „Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis.“ Ver­än­de­run­gen bei Din­gen, die biblisch nicht fass­bar sind, sind weder Macht­miss­brauch, noch ein Faust­schlag ins Gesicht des zurück­ge­tre­te­nen Vor­gän­gers (die­ser hät­te übri­gens nicht zurück­tre­ten müs­sen und sein ihm anver­trau­tes Amt wei­ter­füh­ren kön­nen, bis Gott ihm ein irdi­sches Ende gesetzt hät­te). Es wäre an der Zeit, dies alles ein­mal zu berücksichtigen.

    Und was den hei­li­gen Pius V. betrifft: die­ser Papst war von einem fana­ti­schen, gna­den­lo­sen Ver­fol­gungs­wahn den Pro­te­stan­ten und z.T. auch den Juden gegen­über beses­sen. Er ließ 1561 sämt­li­che Wal­den­ser (die aus Pie­mont auf­grund von Ver­fol­gun­gen nach Kala­bri­en geflüch­tet waren) buch­stäb­lich abschlach­ten: über 2000 Män­ner, Frau­en und Kin­der fie­len dem Mas­sa­ker zum Opfer. Seit 2008 wird in Kala­bri­en an jenem Ort am „Gior­no del­la Memo­ria“, dem Tag der Erin­ne­rung der furcht­ba­ren Tat gedacht. Ein „fei­ner“ Die­ner Jesu Christi!

    Eben­so zeich­ne­te sich Pius V. durch repres­si­ve Maß­nah­men gegen die Juden aus. 1569 bestimm­te er in der Bul­le Hebraeo­rum Gens unter Andro­hung der Exe­ku­ti­on, dass die jüdi­schen Bewoh­ner alle sein Reich zu ver­las­sen hät­ten (mit Aus­nah­me von Rom).

    Gera­de für die „Triden­ti­ner“, von denen heu­te noch eine gan­ze Rei­he den Dia­log mit dem Juden­tum ableh­nen, wäre es ein­mal wich­tig, sich der Her­kunft Jesu aus dem Juden­tum zu besin­nen. Sei­ner Her­kunft, sei­ner Kul­tur und sei­nes Glau­bens, der getra­gen war von sei­ner urei­ge­nen inni­gen Hin­wen­dung an den Gott Abra­hams, Isaaks und Jakobs.
    Dr. Julia­na Bauer

    • Etwas Nach­hil­fe in Geschichte:

      Die „Schwar­ze Legen­de“ behaup­tet, eine blut­rün­sti­ge katho­li­sche Kir­che habe 1561 die okzi­ta­nisch­spra­chi­gen Wal­den­ser Kala­bri­ens in einem „Kreuz­zug“ aus­ge­rot­tet. Wer es etwas genau­er zu wis­sen meint, behaup­tet, daß die Trup­pen der Kir­che oder der Inqui­si­ti­on im spä­ten Früh­jahr 1561 zwei­tau­send oder gar sechs­tau­send Wal­den­ser in Kala­bri­en nie­der­met­zel­ten und der Befehl dazu von Kar­di­nal Miche­le Ghis­lie­ri, dem spä­te­ren Papst Pius V. (1566–1572), erteilt wor­den sei. Pius V. wur­de 1712 hei­lig­ge­spro­chen. Soll­te er ein „Mas­sen­mör­der“ sein? In anti-katho­li­schen Krei­sen und unter Geschichts­un­kun­di­gen fin­den sol­che Phan­ta­sien bereit­wil­li­ge Annah­me, doch was ist dar­an wahr?

      https://katholisches.info/2021/07/23/papst-pius-v-ein-massenmoerder-die-unbekannte-geschichte-der-waldenser-in-kalabrien/

      • Lei­der fällt die gro­ße Mas­se der Leu­te auf die mas­si­ve Geschichtsverfälschung,
        wel­che seit der fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on von den Frei­mau­rern betrie­ben wird herein.
        In den letz­ten 200 Jah­ren wur­den unglaub­lich vie­le Din­ge (wel­che vor allem
        die katho­li­sche Kir­che betref­fen) ver­dreht und zum Teil ins Gegen­teil verkehrt.
        Die besten Bei­spie­le sind die Hexen­ver­fol­gung (hier ist noch was wah­res dran) und vor
        allem die Kreuz­zü­ge zu nennen.
        Gera­de bei den Kreu­zü­gen wel­che vor allem die Pil­ger­we­ge wie­der sichern sollten
        wird nicht nur gelo­gen, son­dern mas­siv auch die eigent­li­che Ursa­che (die gewalttätigen
        mus­li­mi­schen Erobe­run­gen und Unter­jo­chun­gen der ehe­mals christ­li­chen Völker)
        kom­plett verschwiegen.
        Genau vor die­sem Hin­ter­grund ist es für mich unvor­stell­bar, dass ein Kar­di­nal (wel­cher
        spä­ter Papst und sogar hei­lig­ge­spro­chen wur­de) hier die Ver­ant­wor­tung an dem Massaker
        an den Wal­densern haben soll.
        Hier ist die Fra­ge zu stel­len: „Wem die­nen sol­che „Infor­ma­tio­nen“ ?

        In einem hat die Dame mei­ner Ansicht nach Recht:
        Auch im Novus Ordo kann die hei­li­ge Mes­se wür­dig gefei­ert werden.
        Jedoch nicht so wür­dig wie in der alten Mes­se und vor allem ebnet gerade
        der Novus Ordo dem lit­ur­gi­schen Miss­brauch Tür und Tor, was schon oft bewie­sen wurde
        und lei­der sich immer noch mehr ausbreitet.
        Auch bin ich mir sicher, dass Bene­dikt zum Rück­tritt gezwun­gen wur­de (wie auch immer)!
        Er wür­de schon längst nicht mehr leben, wenn er nicht zurück­ge­tre­ten wäre -
        auch des­sen bin ich mir sicher.
        Aus Sicht gewis­ser ‑unglaub­lich mäch­ti­ger- Krei­se war „die Zeit reif“ für einen neu­en Papst.
        Man sieht es an gewis­sen Ent­wick­lun­gen! Er wur­de von die­sen Krei­sen buch­stäb­lich zum Papst gemacht.
        Von wes­sen Sei­te bekommt er das mei­ste Lob?
        Seit wann wird der Stell­ver­tre­ter Chri­sti von der Welt gelobt?
        Ich spre­che die­sem „Papst“ ab Papst zu sein, denn er macht nach der Wand­lung kei­ne Kniebeuge
        vor unse­rem Herrn, sehr wohl aber vor den Men­schen (ande­ren Glau­bens) in der
        Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie und lässt im Vati­kan Göt­zen anbeten.
        Um nur eini­ge Punk­te zu nennen.

    • Sehr geehr­te Frau Bauer

      Was an der neu­en Mes­se gut ist, ist nicht neu;
      was an ihr neu ist, ist nicht gut.

      So ein­fach ist es. 

      Und dies noch: Ritus und Lit­ur­gie sind kei­ne Funk­tio­nen der Reli­gi­on und des Glau­bens, sie sind die Reli­gi­on, der Glau­be selbst. Wer das nicht ver­steht, hat lei­der tat­säch­lich kei­ne Ahnung von Liturgie.

  6. Soso Herr Professor,

    Die­se Sätze:
    „Wie könn­te man die Bos­heit und Heu­che­lei jener über­se­hen, die die Tra­di­ti­on zer­stö­ren wol­len, indem sie sich „Hüter der Tra­di­ti­on“ nen­nen? Und wie könn­te man über­se­hen, daß dies gera­de zu einer Zeit geschieht, in der Häre­si­en und Irr­tü­mer aller Art die Kir­che ver­wü­sten?“ aus Ihrem Munde?

    Wol­len Sie eigent­lich die­sen Men­schen, der die­se Wor­te gespro­chen hat, und der sich direkt gegen den dama­li­gen ober­sten Prie­ster wand­te, auch „Mäßi­gung“ empfehlen?

    „Ihr Schlan­gen! Ihr Ottern­ge­zücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Höl­le ent­ge­hen? 34 Sie­he, dar­um sen­de ich zu euch Pro­phe­ten und Wei­se und Schrift­ge­lehr­te; und etli­che von ihnen wer­det ihr töten und kreu­zi­gen, und etli­che wer­det ihr in euren Syn­ago­gen gei­ßeln und sie ver­fol­gen von einer Stadt zur ande­ren, 35 damit über euch alles gerech­te Blut kommt, das auf Erden ver­gos­sen wor­den ist, vom Blut Abels, des Gerech­ten, bis zum Blut des Zacha­ri­as, des Soh­nes Bara­chi­as, den ihr zwi­schen dem Tem­pel und dem Altar getö­tet habt. 36 Wahr­lich, ich sage euch: Dies alles wird über die­ses Geschlecht kommen!“

    Mat­thä­us 23, 33–36

    Wol­len Sie die­sem Men­schen auch nahe­le­gen: „Nicht in apo­ka­lyp­ti­sche Phan­ta­sien zu verfallen?“

    Wei­ter­hin spre­chen Sie sich mit dem Satz: „Der ein­zi­ge legi­ti­me Wider­stand ist der jener.…., schließ­lich jener, die alles auf das Gebet grün­den in der Über­zeu­gung, daß nur Jesus Chri­stus und nie­mand sonst sei­ne Kir­che ret­ten wird“ sel­ber das Urteil, da Sie für die selbst unter Athe­isten und Ver­tre­tern aller Reli­gio­nen äußerst umstrit­te­ne Imp­fung, die den­noch von gewis­sen Leu­ten, zu denen Sie sich gesellt haben, als „ein­zi­ge Ret­tung“ geprie­sen wird, eine Lan­ze bre­chen, und alle nie­der­ma­chen, die vor die­sem ver­meint­li­chen Impf­stoff warnen.

    Mit die­sen Zurecht­wei­sun­gen der letz­ten Sät­ze zei­gen Sie über­deut­lich, dass Sie wis­sen, dass Msgr. Viga­no die gan­ze Zeit Recht gehabt hat und immer noch hat, über den Sie in offen­sicht­li­cher intel­lek­tu­el­ler Unter­le­gen­heit und Hilf­lo­sig­keit die Lüge ver­brei­ten müs­sen, dass er sich zum Gegen­papst gemacht hätte.

    Hat die hei­li­ge Katha­ri­na von Sie­na sich also auch zur „Gegen­päp­stin“ erhe­ben wollen?
    Wie gut, dass Sie sich so unge­schickt anstel­len, so ist die Spal­tung, die Sie ver­ur­sa­chen, nicht ganz so schwer zu ertragen.

    Aci­es ordi­na­ta, ora pro nobis,
    lass Dein Heer nicht auseinanderbrechen!

  7. Hof­fent­lich gibt es genug Prie­ster und Gläu­bi­ge, die mutig genug sind, ihr Recht auf die Mes­se, das ihnen ohne­hin zusteht und ihnen kei­nes­wegs par ord­re de mouf­ti genom­men wer­den kann, ein­fach wei­ter­hin aus­zu­üben. Eine ent­spre­chen­de juri­sti­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Basis wäre von den klüg­sten Köp­fen auf der Sei­te der Guten noch auszuarbeiten!

    • Glau­ben Sie mir, die­je­ni­gen Prie­ster wel­che den diö­ze­sa­nen Bischö­fen unter­stellt sind
      wür­den „nie­der­ge­macht“ wer­den (ihre Lebens­grund­la­ge verlieren).
      Egal was sie da juri­stisch aus­ar­bei­ten. So eine Aus­ar­bei­tung wür­de igno­riert und
      ver­schwie­gen wer­den. Kein Rich­ter wür­de es wagen ihnen Recht zu geben!
      Nur bei den Pius­brü­dern wären sie (eini­ger­ma­ssen) sicher.

  8. Sie wol­len die Zei­ten­wen­de — und wir wol­len Chri­stus, das ewi­ge Rom. In Ihm blei­ben wir.

  9. Das Pro­blem ist, dass die Ursa­che noch viel tie­fer greift. Mit wachem Ver­stand betrach­tet, erkennt man ern­ste Anzei­chen von Apost­asie. Die alte Mes­se drückt die Über­na­tür­lich­keit des Glau­bens klar und deut­lich als heils­not­wen­di­ges Opfer für Gott aus. Bereits die­ses Ansin­nen ist den Kir­chen­spit­zen heu­te schon eine Pein­lich­keit, um es offen zu sagen. Da liegt der Grund­dis­sens. Die Über­na­tür­lich­keit wird ins­ge­heim schlicht bestrit­ten. Das kommt doch auch über­deut­lich in den heu­ti­gen Exege­sen zum Aus­druck. Alles zielt auf das zivi­le Ver­hal­ten des Men­schen ab.
    Ein wei­te­res Indiz dafür ist das Unver­ständ­nis, das den rein kon­tem­pla­ti­ven Orden inzwi­schen zukommt, so als würden
    sie für die Kir­che kei­nen sinn­vol­len „Zweck“ erfül­len. Auch Aus­wüch­se wie die Pach­a­ma­ma Ver­eh­rung gehö­ren in diesen
    Gesamt­kon­text. Letzt­lich misst man die­sen Din­gen gar kei­ne über­na­tür­li­che, rel­va­n­te Bedeu­tung zu, ledig­lich eine poli­ti­sche Bedeu­tung, und eine psy­cho­lo­gi­schen Bedeu­tung für ein zu wecken­des Natur­be­wusst­sein des Men­schen. Den eigent­li­chen, über­na­tür­li­chen, katho­li­schen Glau­ben tei­len von den eige­nen Wür­den­trä­ger mit Hoch­er Wahr­schein­lich­keit nur noch weni­ge. Nur offen sagen tut man dies so nicht.

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