„Weg mit den sakrilegischen Händen vom Petersdom“

Frontalangriff von Kardinal Zen auf das vatikanische Staatssekretariat

Kardinal Zen am 10. Januar 2018 als er am Rande einer Generalaudienz verstohlen Papst Franziskus Hilferufe chinesischer Untergrundkatholiken zusteckte, weil er sonst nicht an den Papst herankam.
Kardinal Zen am 10. Januar 2018, als er am Rande einer Generalaudienz verstohlen Papst Franziskus Hilferufe chinesischer Untergrundkatholiken zusteckte, weil er sonst nicht an den Papst herankam.

(Rom) Kar­di­nal Joseph Zen ist der fünf­te Kar­di­nal, der gegen die Neu­re­ge­lung der Zele­bra­tio­nen im Peters­dom pro­te­stiert. Sein Offe­ner Brief an Kar­di­nal Sarah wur­de heu­te in ita­lie­ni­scher Spra­che veröffentlicht.

Seit dem 22. März sind Ein­zelze­le­bra­tio­nen und Zele­bra­tio­nen im über­lie­fer­ten Ritus im Peters­dom ver­bo­ten. Erlaubt sind nur mehr vier Mes­sen im Novus Ordo, bei dem alle Prie­ster zu kon­ze­le­brie­ren haben. Der über­lie­fer­te Ritus wur­de in die Vati­ka­ni­schen Grot­ten ver­bannt und darf eben­falls nur vier­mal zu den­sel­ben Zei­ten wie die Novus-Ordo-Mes­sen zele­briert wer­den und eben­falls höch­stens drei­ßig Minu­ten dauern.

Den Kar­di­nä­len Brand­mül­ler, Bur­ke, Mül­ler und Sarah, der gestern mit einer Stel­lung­nah­me an die Öffent­lich­keit ging, ist heu­te Kar­di­nal Zen, die graue Emi­nenz der chi­ne­si­schen Unter­grund­kir­che, gefolgt.

Er wähl­te dafür die Form eines offe­nen Brie­fes an Kar­di­nal Sarah, der bis zum 20. Febru­ar Prä­fekt der römi­schen Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on war. Die Pur­pur­trä­ger beto­nen, daß die Neu­re­ge­lung, da unrecht­mä­ßig, null und nich­tig sei. Die neu­en Bestim­mun­gen ergin­gen von der Ersten Sek­ti­on des Staats­se­kre­ta­ri­ats. Die­ses habe aber kei­ne Zustän­dig­keit, so die Kar­di­nä­le, wes­halb es auch in der Über­gangs­si­tua­ti­on, wie sie durch die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung der Dom­bau­hüt­te und die Ernen­nung eines neu­en Erz­prie­sters ent­stan­den ist, nicht befugt ist, sol­che Ein­grif­fe zu tätigen.

Auch Kar­di­nal Zen, der sein Leben uner­müd­lich der Ver­tei­di­gung der kir­chen­treu­en Unter­grund­ka­tho­li­ken in der kom­mu­ni­sti­schen Volks­re­pu­blik Chi­na wid­met, bringt sei­ne Miß­bil­li­gung der Maß­nah­men zum Ausdruck.

Schmerz und Empö­rung drin­gen in mein Herz ein, als ich eini­ge unglaub­li­che Neu­ig­kei­ten höre: Die pri­va­ten Mes­sen in Sankt Peter wur­den verboten?!

Ohne die wegen des Coro­na­vi­rus auf­er­leg­ten Ein­schrän­kun­gen wür­de ich den ersten Flug nach Rom neh­men und vor der Tür von San­ta Mar­ta knien, bis der Hei­li­ge Vater das Edikt aufhebt.

Das war es, was mei­nen Glau­ben jedes Mal am mei­sten stärk­te, wenn ich nach Rom kam: Genau um sie­ben Uhr trat ich in die Sakri­stei ein (ich begeg­ne­te fast immer dem Hei­li­gen, dem Erz­bi­schof und spä­te­ren Kar­di­nal Pao­lo Sar­di), ein jun­ger Prie­ster trat vor und half mir, mei­ne Gewän­der anzu­zie­hen, dann brach­ten sie mich zu einem Altar (in der Basi­li­ka oder in den Grot­ten, was mir egal war, wir waren im Peters­dom!). Ich den­ke, daß das die Mes­sen sind, die ich in mei­nem gan­zen Leben mit der größ­ten Inbrunst und den mei­sten Emo­tio­nen gefei­ert habe, manch­mal unter Trä­nen, für unse­re leben­den Mär­ty­rer in Chi­na betend (die jetzt vom „Hei­li­gen Stuhl“ ver­las­sen und in den Schoß der schis­ma­ti­schen Kir­che gesto­ßen sind) [so prä­sen­tier­te sich jenes Doku­ment vom Juni 2019 ohne Unter­schrif­ten und ohne die Über­prü­fung durch die Glaubenskongregation].

Es ist Zeit, die über­mä­ßi­ge Macht des Staats­se­kre­ta­ri­ats zu redu­zie­ren. Weg mit der sakri­le­gi­schen Hand vom gemein­sa­men Zuhau­se aller Gläu­bi­gen der gan­zen Welt! Macht das Staats­se­kre­ta­ri­at zu einer ‚Räu­ber­höh­le‘, aber laßt Got­tes erge­be­nes Volk in Ruhe!

„Es war Nacht!“ (Johan­nes 13, 30)

Dein Bru­der
Joseph Zen, SDB

Mit dem „Doku­ment ohne Unter­schrif­ten“ bezieht sich der Kar­di­nal auf die Pasto­ra­len Richt­li­ni­en für die zivi­le Regi­strie­rung des Kle­rus in Chi­na. Kar­di­nal Zen kri­ti­sier­te das Doku­ment nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung scharf: „Damit könn­te man sogar Apost­asie recht­fer­ti­gen“, und warf Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin vor, „den Papst zu mani­pu­lie­ren“. Bereits nach der Unter­zeich­nung des Geheim­ab­kom­mens im Sep­tem­ber 2018 for­der­te Kar­di­nal Zen den Rück­tritt von Kar­di­nals­staats­se­kre­tär Paro­lin: „Sie lie­fern die Her­de den Wöl­fen aus. Das ist ein unglaub­li­cher Ver­rat“.

Text/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

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1 Kommentar

  1. Das Geheim­ab­kom­men mit der Volks­re­pu­blik China.
    Nur Ahnungs­lo­se kön­nen so dumm sein, an Bös­wil­li­ge mag ich gar nicht den­ken, mit Men­schen­fein­den gut­wil­li­ge Ver­ein­ba­run­gen zu tref­fen. Nun­ti­us Pacel­li hat in die­sem Bewußt­sein das Kon­kor­dat abge­schlos­sen. Ob und wie lan­ge es wirk­sam war, kann ich nicht beur­tei­len, aber die Bischö­fe konn­ten sich dar­auf beru­fen. Das gilt für Chi­na nicht. Also ein ideo­lo­gi­scher Totalschaden.

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